31. The Naspers Group

Umsatz 2013/14: ZAR 50,249 Mrd. (€ 4,888 Mrd.)

Überblick

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Naspers ist der größte Medien- und Internetkonzern Afrikas. 1915 in Kapstadt gegründet, beschränkte sich das Unternehmen bis in die 1980er Jahre auf den Printsektor, ehe man gemeinsam mit südafrikanischen Partnern den Pay-TV-Anbieter M-Net ins Leben rief. Mitte der 1990er Jahre wurde das Portfolio um diverse Onlineaktivitäten ergänzt und die internationale Expansion besonders in Wachstumsmärkten vorangetrieben. Heute ist Naspers in über 120 Ländern aktiv und seit 2018 mit einem Börsenwert von ca. 113 Milliarden US-Dollar das wertvollste Unternehmen Afrikas.

Basisdaten

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Hauptsitz:
40 Heerengracht
Cape Town 8001
Südafrika
Telefon: 0027 21 406 2121
Internet: naspersreports.com

Branchen: Internet, Pay-TV, Zeitungen, Zeitschriften, Bücher
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04. – 31.03.
Gründungsjahr:  1915

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. USD)
2017/182016/172015/162014/15
Umsatz6.6606.0985.9306.569
Gewinn (Verlust)11.2982.1681.0011.260
Aktienkurs (Jahresende)118,27160,3492,3683,30
Beschäftigte24.88724.48227.00024.000

Geschäftsführung

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Management:

  • Bob van Dijk, CEO
  • Basil Sgourdos, CFO
  • Aileen O'Toole, Group Chief People Officer
  • David Tudor, Group General Counsel
  • Pat Kolek, Group Chief Operating Officer
  • Phuti Mahanyele-Dabengwa, CEO South Africa


Aufsichtsrat:

  • Bob van Dijk, Group CEO
  • Koos Bekker, Non-executive chair
  • Basil Sgourdos, CFO
  • Don Eriksson, Oakleaf Insurance Company Ltd., Renasa Insurance Company, NMS Insurance Services, MultiChoice Group Ltd.
  • Craig Enenstein, Corridor Capital
  • Rachel Jafta, Stellenbosch University
  • Nolo Letele, Multichoice
  • Ben van der Ross, Nasbel
  • Fred Phaswana, Lead independent director
  • Hendrik du ToitHendrik, Investec Asset Management
  • Cobus Stofberg
  • Mark Sorour
  • Debra Meyer, University of Johannesburg
  • Roberto Oliveira de Lima
  • Emile Choi, CB Payments Ltd., Coinbase UK Ltd.
  • Steve Pacak, MultiChoice Group Ltd.

Geschichte

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Naspers wurde am 12. Mai 1915 in Kapstadt als „De Nasionale Pers“ (Nationale Presse) eingetragen und veröffentlichte dort gut zwei Monate später die erste Ausgabe der Zeitung „De Burger“. Sie war die erste Tageszeitung auf Afrikaans, Sprachrohr der herrschenden Nationalen Partei und richtete sich an die europäisch-stämmigen Südafrikaner. Bis weit in die 1980er Jahre galt „De Burger“ und andere Naspers-Blätter als Sprachrohr der damaligen weißen Minderheitsregierung. Und verteidigte das Apartheid-System in Kommentaren und Leitartikeln. Bis 1919 erweiterte Nasionale Pers ihre Geschäftsfelder vom Drucken und Verlegen der Zeitung um das Verlegen von Magazinen und Büchern und eine Buchgemeinschaft. In den folgenden Jahrzehnten baute Nasionale Pers ihr Tageszeitungsgeschäft mit neuen Titeln aus, bis in die 1950er Jahre jedoch auf Kapstadt und den südafrikanischen Oranje-Freistaat beschränkt.

Die 1950er Jahre waren bei Nasionale Pers durch die Ausweitung der Verlagstätigkeiten geprägt: Zu Beginn des Jahrzehnts erfolgte die Gründung von Nasionale Boekhandel, zum Ende die Übernahme von Tafelberg Uitgewers. 1963 wurde der Lehrbuchverlag Nasou gegründet. Dank der industriellen Entwicklung des südafrikanischen Nordostens in den 1960er Jahren konnte Nasionale Pers dort die Sonntagszeitung „Die Beeld“ (heute „Rapport“) etablieren. Es kamen weitere Verlage zu Nasionale Pers (Via Afrika, Human & Rousseau) sowie neue Buchgemeinschaften (Leserskring; Leisure Hour, 1982) hinzu.

Ein Wort zu Politik und Zeitgeschichte. Die SZ machte am 10.9.2019 noch einmal klar: Naspers war gegründet worden, „um Hass und das Konzept der Rassentrennung auf Papier zu verkaufen. Naspers ist die Abkürzung für Nationale Pers, das Afrikaans-Wort für Nationale Presse – die in den folgenden acht Jahrzehnten eine enge Symbiose einging mit der National Party und ihrer Ideologie der Apartheid: Leitende Redakteure wechselten in die Regierung und umgekehrt. Naspers spendete großzügig, die National Party besaß umgekehrt mehrere Tausend Aktien.“

Mitte der 1980er Jahre kam der junge Südafrikaner Koos Bekker, der gerade seinen Wirtschaftsabschluss in New York gemacht hatte, und schlug Naspers vor, in das in Südafrika noch junge Geschäft mit Pay-TV einzusteigen. Koos baute in der Folge ein südafrikanisches Bezahlfernsehen („M-Net“) auf und wurde für Jahrzehnte die prägende Figur bei Naspers. 1993 wurde M-Net aufgeteilt, das Pay-TV wurde später von den Naspers-Tochtergesellschaften MultiChoice South Africa und MultiChoice Africa fortgeführt. In den Jahren 1996 und 1997, nach dem Ende der Apartheid, gab es die ersten Verkäufe von Marken der südafrikanischen Medienkonzerne an schwarzafrikanische Gruppen – Nasionale Pers z.B. verkaufte die Mehrheit an „City Press“ an ein schwarzes Konsortium. 1997 begann Nasionale Pers auch ein Online-Geschäft, indem MIH Limited den Provider MWEB Holdings gründete. Schon im Jahr darauf starteten news24.com und weitere Webangebote. Im Laufe des Jahres 2000 begann Naspers schließlich damit, alle Print-Geschäfte unter dem Dach von Media24 zusammenzufassen. 

Im Mai 2001 begann Naspers international zu expandieren. CEO Koos Bekker hatte dabei ein ausgesprochen glückliches Händchen: 2001 erwarb er für 34 Millionen Dollar fast die Hälfte es damaligen Startups Tencent Holdings Limited, dem Entwickler des in China populärsten Instant Messaging-Programms QQ. Für seine Entscheidung, bereits Mitte der 1990er Jahre ins Internetgeschäft zu investieren, wird Bekker in Investmentkreisen heute als einer der größten Medienkonzernchefs der jüngeren Vergangenheit gefeiert. Im Mai 2006 investierte Naspers 422 Millionen US-Dollar in den brasilianischen Medienkonzern Abril S.A., um auch in diesem Wachstumsmarkt Fuß zu fassen. Mit einem seit 2006 wachsenden Anteil an Mail.ru, einem führenden russischen Provider von E-Mail-Diensten und Blogs, ist Naspers in einem weiteren der BRIC-Wachstumsstaaten aktiv. Nachdem sich MIH 2009 bereits an drei Web-Diensten in Südostasien beteiligte, kam im September des folgenden Jahres ein Mehrheitsanteil an Multiply Inc., dem größten Internet-Marktplatz für Privatkunden in Südostasien, hinzu.

Zwar ist der Naspers-Aktienkurs in der Vergangenheit rasant gestiegen, doch Analysten schreiben dies fast ausschließlich Tencent zu. Spötter sagen, das Management könne morgens ins Büro kommen, den Tencent-Kurs prüfen und sich danach auf den Golfplatz verabschieden, am Aktienkurs könnten sie sowieso nichts ändern. Die Beteiligung an dem chinesischen Konzern war über Jahre hinweg mehr wert als der gesamte Naspers-Konzern an der Johannesburger Börse. Rein rechnerisch wurde also alles außerhalb von Tencent negativ am Markt bewertet. Das Schicksal von Naspers ist mittlerweile streng gekoppelt an die Entwicklung von Tencent. In den letzten Jahren korrelierte die Entwicklung der Naspers Aktie fast direkt mit der des chinesischen Onlinekonzerns, an dem Naspers heute 30,99 Prozent der Anteile hält.

Management

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Koos Bekker, Naspers-CEO seit 1997, trat im April 2014 von der Unternehmensspitze zurück. Milliardär Bekker, eine Art „afrikanischer Rupert Murdoch“, hatte schon frühzeitig das Geschäftspotential im Fernsehen, im Mobilfunk und später im Internet erkannt. Er hatte vor allem mit dem Tencent-Investment den Grundstein der heutigen Naspers-Erfolgsgeschichte gelegt. Bis heute sitzt Bekker im Aufsichtsrat und hält die Fäden in der Hand.

Dann kam Bob van Dijk. Der 1972 geborene Niederländer, Markenzeichen weiße Hemden und lässiger Kleidungsstil, hatte nach dem Studium bei McKinsey angefangen, leitete danach vier Jahre die Geschäfte von Ebay Deutschland. Dann entdeckte Bekker den aufstrebenden Manager, erst seit sechs Monaten bei Naspers tätig, und machte ihn zu seinem Nachfolger. In Kapstadt wird van Dijk heute eher als Portfolio-Manager, der in IT-Unternehmen einsteigt, gesehen. Nicht als Konzernchef im klassischen Sinne. Er lebt mit seiner Familie in den Niederlanden und verbringt, wie er in einem Interview sagte, mehr als 75 Prozent seiner Zeit auf Reisen.

Geschäftsfelder

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Internet: Gemessen an der Anzahl der Beteiligungen und deren weltweiter Verbreitung ist das Internet das Haupt-Operationsfeld des Konzerns. Die Internet-Assets von Naspers sind seit 1997 gebündelt in der Tochterfirma Prosus (Amsterdam), darunter das enorm lukrative Investment in Tencent (30,99 %, heutiger Wert: 130 Mrd. US-Dollar), der russischen Internetfirma Mail.ru (28%). Dazu zahlreiche Beteiligungen in den Bereichen Fintech, Kleinanzeigen, Food Delivery, soziale Plattformen, Reise, Einzelhandel.

Medien: Hier sind die Aktivitäten zusammengefasst in Media24, „South Africa’s leading media company“ (CEO: Ishmet Davidson). Dazu gehören, unter anderem: Zeitungen wie Beeld, Daily Sun, Die Burger, Rapport, Soccer Laduma, Son, Volkblad, City Press (und etwa 35 weitere); Magazine wie Huisgenoot, YOU, DRUM, Landbouweekblad, Tuis, SARIE, TRUE LOVE; VIA TV; diverse Internetportale; Buchverlage: Collegium, NB Publishers, Jonathan Ball Publishers, Van Schaik Publishers, Via Afrika.

2018 hatte Naspers noch die Pay TV-Aktivitäten (via Satellit, terrestrisch) der Tochterunternehmen „MultiChoice South Africa“ (MCSA) und „MultiChoice Africa“ (MCA) im Portfolio. Diese Sparte wurde im Frühjahr 2019 von Naspers abgespalten.

Aktuelle Entwicklungen

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„Europas teuerste Internetfirma“: So die Süddeutsche Zeitung am 10.9.2019 nach dem Börsengang der Naspers-Tochter Prosus an der Börse von Amsterdam. Prosus bündelt, wie gesehen, die Naspers-Beteiligungen an chinesischen und russischen Internetriesen und Dutzenden weiteren Internetfirmen (wie dem deutschen Zustelldienst Delivery Hero). CNBC meldete am nächsten Tag: „A $100 billion tech company you’ve never heard of”, denn soviel war Prosus plötzlich wert. Eine Abspaltung, die Anleger schon lange gefordert hatten, denn die Tencent-Beteiligung war mit 130 Milliarden Euro wertvoller als die gesamte Marktkapitalisierung von Naspers in Johannesburg (100 Milliarden Euro). Etwas mehr als zwei Drittel der Prosus-Anteile will Naspers behalten.

Ganz oben auf der Naspers-Website steht jetzt: „Naspers is a global internet group“, vom Begriff „Medien“ ist in der Konzernbeschreibung keine Rede mehr, stattdessen heißt es: Man sei einer der größten Technologieinvestoren der Welt. Passend dazu war zuvor schon eine weitere Abspaltung gewesen, die der TV-Sparte 4. März 2019. Dazu Bob van Dijk, Naspers Chief Executive Officer: „Die Entflechtung der MultiChoice Group ist ein bedeutender Schritt für Naspers, der unsere Umwandlung in ein globales Internetunternehmen für Endverbraucher abschließt, wobei jetzt effektiv 100 Prozent unserer Einnahmen und Gewinne aus dem Internet kommen. Wir sind stolz darauf, die MultiChoice Group zu dem großen Erfolg gemacht zu haben, der sie heute ist.“

Literatur

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  • David Robert Lewis: Apartheid Inc.: The Story of Naspers, Media24 & Channel Life.
    medialternatives.com/2010/06/09/apartheid-inc-profile-of-a-racist-corporation
  • Göran Hydén et al.: Media and Democracy in Africa. New Brunswick 2003
  • Fourie, Pieter J.: Media Studies: Institutions, Theories, and Issues. Lansdown 2001

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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und der Stadt Köln.