53. ProSiebenSat.1 SE

Umsatz 2014: € 2,876 Mrd.

Überblick

Die ProSiebenSat.1 Media AG wurde 2000 aus der ProSieben Media AG und der Sat.1 SatellitenFernsehen GmbH gegründet. Free-TV ist das Kerngeschäft des Unternehmens. Dazu ist man in den Bereichen Produktion, Vermarktung und Vertrieb von TV-Programmen aktiv. Zur ProSiebenSat.1-Familie gehören u.a. die Fernsehsender ProSieben, SAT.1, kabel eins, sixx, ProSieben MAXX, SAT.1 Gold und kabel eins Doku. Neben Free-TV werden auch drei Pay-TV-Sender angeboten: ProSieben FUN, SAT.1 emotions und kabel eins CLASSICS.

Zwischen 2007 und 2014 wurde die Sendergruppe von den Finanzinvestoren KKR und Permira kontrolliert. 2007 kam es auch zur Fusion von ProSiebenSat.1 mit der von KKR/Permira kontrollierten paneuropäischen SBS Broadcasting Group.

Basisdaten

Hauptsitz:
Medienallee 7
85774 Unterföhring
Telefon: 0049 89 9507-10
Website: prosiebensat1.de

Branchen: TV-Sender, TV-Produktion, Radio, Internet
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000 (Fusion von Sat.1 und ProSieben Media AG)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €)
2018201720162015201420132012
Umsatz4.0094.0783.7993.2612.8762.6052.969
Konzern-Überschuss541550513467,5418,9379,7415,1
Aktienkurs (in €, Jahresende)15,5528,7136,6146,7734,8250,2521,30
Beschäftigte6.5836.4836.5645.5844.210k.A.k.A.

Geschäftsführung

Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Rainer Beaujean, Vorstandssprecher und Finanzvorstand
  • Wolfgang Link, Vorstand, Entertainment
  • Christine Scheffler, Vorstand, Personal
  • James Baker, Co-CEO Red Arrow Studios
  • Reza Izad, Co-CEO Red Arrow Studios
  • Claas van Delden, Co-CEO NuCom Group
  • Florian Tappeiner, Co-CEO NuCom Group
  • Markus Breitenecker, CEO ProSiebenSat.1 PULS 4
  • Ralf Gierig, Deputy CFO
  • Nick Thexton, Chief Technology Officer
  • Stefanie Rupp-Menedetter, Head of Group Communications & Events
  • Friedrich Thoma, EVP Group Strategy & Corporate Development

 

Aufsichtsrat:

  • Dr. Werner Brandt, ehem. SAP AG
  • Lawrence A. Aideem, Iconic Entertainment
  • Antoinette Aris, INSEAD
  • Adam Cahan, Yahoo Inc.
  • Dr. Marion Helmes, ehem. Celesio AG
  • Erik Huggers, Verizon
  • Ketan Mehta, Allen & Company
  • Angelika Gifford, Hewlett Packard
  • Rolf Nonnenmacher, Lazard&Co

Geschichte

Zu Beginn war der Konzern ein Teil des Kirch-Imperiums. Der Filmhändler Leo Kirch (1926-2011) hatte im Oktober 2000 die Fusion der Sender Sat. 1 und ProSieben initiiert – zuvor hatten die Konzentrationsregeln dies nicht erlaubt. Daher stand jahrelang sein Sohn Thomas Kirch offiziell an der Spitze von ProSieben. Im Zuge der Fusion erwarb die Axel Springer AG einen 11,5-prozentigen Anteil an der neuen ProSiebenSat.1 Media AG. Springer war zuvor bereits an Sat.1 beteiligt gewesen; Kirch wiederum hielt 40 Prozent an der Springer AG. Nachdem 2001 Zweifel an Kirchs Zahlungsfähigkeit aufgekommen waren, verkaufte Springer-Chef Mathias Döpfner den ProSiebenSat.1-Anteil für 790 Millionen Euro. Er spekulierte darauf, bei einer Zahlungsunfähigkeit die ganze Sendergruppe zu erhalten. Doch es kam anders.

Zwar musste Kirch wegen Überschuldung im April 2002 Insolvenz anmelden und die Unternehmensgruppe wurde zerschlagen. Viele große Medienunternehmen wurden im Zuge der Verhandlungen als potenzieller Käufer gehandelt, etwa Sony, TF1, der Bauer-Verlag, die WAZ-Gruppe oder Rupert Murdoch. Schließlich aber erhielt im August 2003 ein hierzulande bis dato unbekannter US-amerikanischer Medienunternehmer den Zuschlag: Haim Saban übernahm gemeinsam mit einem Bankenkonsortium die Aktienmehrheit. Damals hieß es, ein wichtiger Teil der Deutschland AG werde an ausländische Investoren verkauft. Auch wenn deutsche Medienpolitiker das durch das Propagieren einer ‚deutschen Lösung’ noch zu verhindern suchten. Saban aber konnte für nur 525 Millionen Euro ein Herzstück der deutschen TV-Industrie erwerben. „That level of ownership would never be allowed in the U.S. It would be too much concentration", so Saban 2004 zur New York Times. Während John Malones kompromissloser Übernahmeversuch der deutschen Kabelnetze gescheitert war, konnte Saban die Bedenken der Aufsichtsbehörden ausräumen. Der NYT verriet er sein Erfolgsgeheimnis: „I sweettalked them“.

Trotz aller Beteuerungen eines langfristigen Engagements entschied sich Saban bereits Mitte 2005 für einen Wiederverkauf von ProSiebenSat.1. Verhandlungen mit der Axel Springer AG über eine Komplettübernahme waren bereits weit gediehen, als das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) sich dagegen aussprach. Die offizielle Begründung rekurrierte auf die nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähige Marktmacht, die durch einen Zusammenschluss auf dem Fernsehwerbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen und dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen entstünde. Das sich abzeichnende Veto der Behörden führte Anfang 2006 dazu, dass Springer sein Übernahmeangebot zurücknahm. In einem zweiten Anlauf einigte sich Saban Ende 2006 mit einem Konsortium ausländischer Finanzinvestoren. Für rund drei Milliarden Euro ging der Konzern an Permira und KKR, am 6. März 2007 erlangte die Mehrheitsübernahme durch die von KKR und Permira kontrollierte Lavena Holding 4 GmbH Rechtskraft. Mit dem größten Deal der deutschen Mediengeschichte hatte Saban sein eingesetztes Kapital nahezu versechsfacht.

Im Dezember 2007 verkaufte Axel Springer überraschend den 12-prozentigen Anteil an der Sendergruppe für etwa 19 Euro pro Aktie an Permira/KKR. Im Sommer zuvor war eine Aktie noch 30 Euro wert gewesen; im Rückblick erwies sich das Geschäft trotzdem als lukativ: Trotz der inzwischen erfolgten Fusion mit der von KKR und Permira kontrollierten Fernsehgruppe SBS Broadcasting unterschritt der Kurs 2008 fünf Euro, im März 2009 fiel er zeitweilig unter die 1-Euro-Marke. Anfang 2014 dann verkauften KKR und Permira ihre Anteile an institutionelle Anleger und stiegen aus. Mit ProSiebenSat.1 verdienten sie rund eine halbe Milliarde Euro.

Mitte 2015 wurde die ProSiebenSat.1 Media AG in die ProSiebenSat.1 Media SE umgewandelt, um eine internationale Expansion in der Digitalsparte zu erleichtern. 2016 stieg das Unternehmen als erstes deutsches Medienunternehmen überhaupt vom MDAX in den DAX auf (2018 wurde die DAX-Listung allerdings wieder aufgehoben). Durch zurückgehende Einschaltquoten und die Konkurrenz von Streaming- und Online-Diensten hat die Aktie des deutschen Medienunternehmens seit 2016 über die Hälfte an Wert verloren.

Zu den wichtigen Akquisitionen zählten in der Folge Mehrheitsbeteiligungen an internationalen TV-Produktionsfirmen, so an den britischen Endor Productions (vor allem fiktionale Programme) und CPL Productions („Factual"- und Comedyformate) sowie den israelischen July August Productions. Der AG-eigene Programmvertrieb, der eine Dependance in Hongkong sowie Produktionspartnerschaften in China und Indien plant, wurde von „SevenOne International" in „Red Arrow International" umbenannt.

Auf dem deutschen Markt verbuchte P7S1 Übernahmen im E-Commerce-Bereich: nach dem Münchner Suchmaschinenoptimierer Booming (von der Holtzbrinck Digital GmbH) die Preisvergleichseite preis24.de (60-prozentiger Anteil) und ebenfalls mehrheitlich die deutsche Tochter des Online-Reiseveranstalters Opodo. Diese operiert seitdem unter dem Namen „Tropo" und versteht sich als „dynamischer Reiseveranstalter", das heißt sie „paketiert" „im Moment der Buchungsanfrage eine Pauschalreise aus Flug, Unterkunft, Transfer und Reiseleitung". Auch im Bereich Musik will das Unternehmen mit dem im Sommer 2013 gelaunchten Online-Radio AMPYA wachsen. Nutzer können dort auf bis zu 20 Millionen verschiedene Musiktitel zugreifen. Im Juni 2015 dann kaufte man für 170 Millionen Euro einen 80-prozentigen Anteil am Preisvergleichsportal Verivox.

Management

Es sind unruhige Zeiten bei P7S1. Am 26.3.2020 wurde bekannt, dass sich der Konzern vom Vorstandsvorsitzenden Max Conze trennt. Finanzvorstand Rainer Beaujean wird auch das Amt des Vorstandsprechers übernehmen, um dann ihmzufolge „stärker auf den Unterhaltungssektor zu setzen“.  

Conze war seit 2018 Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling, der nach neun Jahren als CEO ein florierendes Unternehmen hinterließ. Wie Ebeling, der vor seinem Amtsantritt bei P7S1 in der Tabakindustrie tätig war, kam auch Max Conze aus einer ganz anderen Branche: Er war Vorstandsvorsitzender des globalen Technologieunternehmens Dyson, dessen Umsatz er vervierfachte. Er ordnete das Business mit einer „Drei-Säulen-Struktur“ („Entertainment“, „Content Production & Global Sales“ und „Commerce“) und sagte: „Wir erzielen gute Fortschritte auf unserem Weg zu einem kundenorientierten, digitalen Entertainment- und Commerce-Powerhouse. Wir werden unsere bisherigen Geschäftssäulen künftig in einer effizienten Holdingstruktur führen, das wird unseren Transformationsprozess weiter beschleunigen.“

Am Ende zeigte sich: Die Krise bei ProSiebenSat1 konnte er damit nicht stoppen.

 

Geschäftsfelder

ProSiebenSat.1 ist aktiv „auf allen Stufen der TV-Wertschöpfung“: Produktion, Distribution und Vermarktung (Werbezeiten, Multimedia, Merchandising). Januar 2018 hat P7S1 eine „Drei-Säulen-Strategie“ ausgerufen, aus welcher sich die Geschäftssegmente „Entertainment“, „Content Production & Global Sales“ und „Commerce“ ergeben.

Im „Entertainment“-Segment sind gebündelt: Die werbefinanzierten Free-TV-Sender SAT.1, ProSieben und Kabel Eins sowie später gegründete, frei empfangbare Kanäle wie sixx (Mai 2010), SAT.1 GOLD (Januar 2013), ProSieben MAXX (September 2013) und Kabel Eins Doku (September 2016) und in Österreich die Sender Puls 4, Puls 24, ATV und ATV2 bzw. Puls 8 in der Schweiz. Außerdem gehören die Pay-TV-Sender SAT.1 emotions, ProSieben FUN und Kabel Eins classics dazu, VOD- und Pay-Kanäle (Joyn, ProSiebenSat.1 Welt, maxdome) und eine Reihe von Werbe- und Programmfenstern in Österreich und der Schweiz. Zuständig für Werbezeitenvermarktung sind SevenOne Media, ProSiebenSat.1 Advertising Platform Solutions und ProSiebenSat.1 Digital mit diversen Unterfirmen. Nicht zu vergessen 7Sports (P7S1-Sport-Aktivitäten), Starwatch Entertainment (Musik, Live-Entertainment, Künstlermanagement), ProSiebenSat.1 Licensing und weitere technische Dienstleister.

Das Geschäftsfeld „Content Production & Global Sales“ beinhaltet das internationale Programmproduktions-, Vertriebs- und Formatentwicklungsgeschäft der Holding „Red Arrow Studios“. Zu den „Red Arrow“-Töchtern zählen z.B. Redseven Entertainment (Unterhaltungsformate), Studio 71 (Web-Produktionen) und etwa ein Dutzend weiterer Produktionsfirmen.

Der Geschäftsbereich „Commerce“ schließlich ist synonym mit der P7S1-Tochter Nucom Group, die wiederum zuständig ist für die Mehrheitsbeteiligungen an 13 Internethändlern: Parship, ElitePartner (Partnervermittlungen), eharmony (Online-Dating), Verivox (Vergleichsportal), mydays („Erlebnisgeschenke“), Jochen Schweizer (Erlebnisgutscheine), billiger-mietwagen.de, Aroundhome (Hausbesitzer-Portal), flaconi (Online-Parfümerie), Amorelie (Erotikspielzeug), WindStar Medical (Drogerieartikel), Stylight (Mode), moebel.de.

Nucom spielt eine zentrale Rolle bei dem Vorhaben, aus ProSiebenSat. 1, wie Geschäftsführer Conze sagt, „ein absolut digitales, diversifiziertes und schnell wachsendes Unternehmen zu machen.“ Praktisch ist hier, dass die Start-ups mit Werbung auf P7S1-Sendern den Bekanntheitswert deutlich erhöhen können, und dass die Nucom-Töchter so einer der größten Kunden des Mutterhauses werden. 2018 kauften sie Werbezeit für 300 Millionen Euro.

Engagement im Ausland

Die internationalen Produktionsaktivitäten sind seit 2010 gebündelt in der Tochter „Red Arrow Studios“, mit 20 Firmen in den USA, in Deutschland, Großbritannien, Kanada, Dänemark und Israel. „Red Arrow“ soll ein internationales Produktions- und Distrubutionshaus für TV-Content sein, erfolgreiche, im „Red Arrow“-Netzwerk entstandene Produktionen sind z.B. „Bosch" (Amazon Prime Video), das Realityformat "Married at first sight" oder „New York Times“ (für den US-Kabelsender FX).

Dazu ist ProSiebenSat1 in der Schweiz und in Österreich mit lokalen Ausgaben von Sat.1 und ProSieben vertreten, außerdem wurde 2007 der Wiener Ballungsraumsender "Puls TV" gekauft. Und P7S1 ist Mitglied der europäischen Medienallianz (EMA), zusammen mit Mediaset (Italien), Channel 4 (Großbritannien), Antenna Group (Südosteuropa), Impresa Group (Portugal) und TVN Discovery Poland (Polen). Zuletzt trafen sich die Mitglieder-CEOs im April 2019, um ihr Engagement für eine enge europaübergreifende Zusammenarbeit zu bekräftigen. Schwerpunkt: die digitale Transformation des Entertainment-Geschäfts.

Aktuelle Entwicklungen

P7S1 im Krisenmodus. An der Börse seit 2016 auf Dauertalfahrt, im dritten Quartal 2019 musste man einen deutlich schwächeren Gewinn und um sechs Prozent gesunkene Werbeumsätze melden. Jetzt gibt es an der Spitze einen Umschwung, einen doppelten: Nach jahrelangem Machtkampf mit CEO Max Conze war es zunächst der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Conrad Albert, der hinschmiss. Er habe keine Lust mehr auf die „Vorstands-Soap-Opera“, sagte er und ging am 30. April 2020, nach 15 Jahren bei ProSiebenSat.1.

Am 25.3.2020 dann mit Conze der nächste Manager-Exit. In einer Pressemitteilung hieß es: Man wolle das operative Geschäfte stärker auf den Unterhaltungssektor ausrichten. Strategie und Unternehmensführung müssen geändert werden. Ersetzt wird Max Conze von Finanzchef Rainer Beaujean, der sich wie folgt äußerte: "Die Corona-Pandemie stellt uns zwar in den nächsten Wochen und Monaten vor eine sehr große Herausforderung. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wieder Wert für unsere Aktionäre schaffen können.”

Im Hintergrund eine andere „aktuelle Entwicklung“ mit offenem Ende: Ende Mai 2019 war es eine überraschende Attacke, als der Mediaset-Konzern des umstrittenen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nach ProSiebenSat1 griff. Und für rund 330 Mio. Euro 9,6 Prozent der Anteile erwarb und damit größter Anteilseigner der Münchner Senderkette wurde. „Mediaset umwirbt ProSiebenSat1“, schrieb die SZ, „die Italiener wollen eine engere Zusammenarbeit, aber den Deutschen passt das nicht. Doch Mediaset ist hartnäckig.“ Und baute zunächst Mitte November 2019 über die 50,21-prozentige Tocher Mediaset España (Madrid) den P7S1-Anteil um 5,5 auf 15,1 Prozent aus. Mitte März 2020 erhöhte Mediaset España den Anteil auf insgesamt 20,1 Prozent. Und mitten in der Corona-Krise Ende April 2020 kaufte Mediaset noch einmal 4,1 Prozent der Aktien. Unterm Strich hält Mediaset jetzt 24,2 Prozent der Anteile und 24,9 Prozent der Stimmrechte. Knapp unterhalb der Sperrminorität.

2019 hatte Max Conze zurückhaltend reagiert und Übernahmegerüchte, die auch schon die Runde machten, dementiert. Eine Fusion mit Mediaset lehnte er deutlich ab: „Ich bin sehr skeptisch, was eine strukturelle Verschmelzung unserer Unternehmen angeht.“ Für ihn lag der Fokus „auf der bestehenden, punktuellen Zusammenarbeit mit Mediaset und anderen europäischen TV-Ketten sowie auf dem Videoportal Joyn“. Mit dem Videoportal Joyn, im Juni 2019 als deutscher Netflix-Konkurrent gestartet, läuft es allerdings auch nicht rund, wie man im Manager Magazin am 19.12.2019 lesen konnte. Hiermit wird P7S1 nach Angaben der Konzernsprecherin „rund 100 Millionen Euro Nettoverlust" machen.

Es waren wohl die neuen starken Anteilseigner aus Mailand, die dann Conzes Ablösung forderten, um eine neue Konzernspitze zu installieren. Auch intern war er umstritten, wie man einem fast einer Abrechnung ähnelnden Kommentar in Meedia entnimmt: „Keine Ahnung, was er den ganzen Tag macht“, habe man über ihn gehört. „Krachend gescheitert“ sei der Branchenneuling, der mit „breitbeiniger Selbstüberschätzung“ agiert habe. Unter Conze habe der Aktienkurs „um sagenhafte zwei Drittel“ nachgegeben; ProSiebenSat.1, das einstige DAX-Mitglied, sei heute ein Übernahmekandidat.

Was ja stimmt. Denn nicht nur die Berlusconis sind Interessenten, auch Bertelsmann-Chef Tomas Rabe bestätigte bei der Bilanz-Präsentation am 24.3.2020, dass er eine Übernahme von P7S1 für möglich erachte. Zwar sei das aus regulatorischen Gründen „momentan schwierig“, doch „irgendwann sollte das möglich sein“.

Schließlich ein weiteres Problemfeld, nach Berlusconi, Joyn und dem rückläufigem Werbeumsatz: Anfang September 2019 wurde gemeldet, ProSiebenSat1 wolle seine internationale Produktionstochter „Red Arrow Studios“ verkaufen. Noch Mitte Oktober ging man davon aus, bis Weihnachten einen Käufer gefunden zu haben, musste das Ganze zu Jahresende aber vertagen. Interessenten waren offenbar ausgestiegen, der angesetzte Preis von etwa 300 Millionen Euro zu hoch. „Im ersten Quartal werden wir dazu eine Entscheidung treffen, ob wir überhaupt einen Verkauf oder eine Partnerschaft in Erwägung ziehen", so eine Konzernsprecherin.