36. Nippon Hoso Kyokai

Umsatz 2014: JPY 654,900 Mrd. (€ 4,668 Mrd.)

Überblick

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1926 fusionierten die Rundfunkstationen aus Tokio, Nagoya und Osaka zur Rundfunkgesellschaft Nippon Hoso Kyokai (NHK). In den 1950er Jahren startete NHK den ersten regulären Fernsehbetrieb und betreibt heute sechs Fernseh- und drei Radiosender. NHK ist die japanische öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft.

Basisdaten

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Hauptsitz:
NHK Broadcasting Center
2-2-1 Jinnan
Shibuya-ku
Tokyo 150-8001
Japan
Telefon: 0081 3 3465 1111
Website: www.nhk.or.jp/corporateinfo/index.html

Branchen: Fernsehen, Hörfunk, Online
Rechtsform:  Gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: 1926

Tab.: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mrd. Yen)*

2017/18

2016/17

2015/16

2014/15

2013/14

2012/13

 

 

 

 

 

Erträge Gesamt**

716,8

701

683,1

654,9

662,9

647,9

 

 

 

 

 

* Das Geschäftsjahr erstreckt sich vom 01.04. bis zum 31.03. des Folgejahres. Der 2018er Budget betrifft also (laut NHK) die Zeit vom 01.04.2017 bis zum 31.03.2018.

** NHK finanziert sich zu mehr als 95 Prozent aus Rundfunkgebühren.

Geschäftsführung

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Management/Board of Directors:

  • Ryoichi Ueda, President
  • Hikaru Doumoto, Executive Vice President
  • Yukinori Kida, Executive Director of Broadcasting
  • Tadanobu Sakamoto, Executive Director
  • Akihiko Chigono, Executive Director
  • Yoshinori Nemoto, Senior Director
  • Youichi Matsubara, Senior Director
  • Hiroshi Araki, Senior Director
  • Noriyuki Ogi, Senior Director
  • Ichizou Oohashi, Senior Director
  • Yasuhiro Kan, Senior Director
  • Hiroyuki Nakata, Senior Director

Geschichte

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Das Rundfunkzeitalter begann in Japan am 22. März 1925, als die Rundfunkanstalt Tokyo (Tokyo Hoso Kyoku) ihre erste Radiosendung ausstrahlte. Im Juni und Juli folgten die Rundfunkanstalten in Osaka und Nagoya. Am 20. August 1926 vereinigten sich die drei Regionalsender zum „Shadan Hojin Nippon Hoso Kyokai“ (Gemeinnütziger Rundfunkverein Japans), abgekürzt NHK. Bis 1950 hatte NHK das Monopol für den öffentlichen Hörfunk im Inland und – ab 1. Juni 1935 – im Ausland. 1928 begann das NHK-Studio in Osaka eine Gymnastiksendung. Sie wurde ins landesweite Programm übernommen und ist als „Radio Taiso“ bis heute eine japanische Institution: In vielen Schulen, Fabriken und Parks begann der Tag mit der NHK-Morgengymnastik. Zeitansagen und Wetterberichte gibt es seit 1928. 1931 wurde als Bildungsfunk ein zweites Programm eingerichtet, seit 1935 wird Schulfunk gesendet. Das erste Programm konzentriert sich seither auf Nachrichten, Kommentare, Börsenberichte, Sportübertragungen und Unterhaltungssendungen.

Während des zweiten Weltkriegs wurde NHK das Hauptinstrument zur Verbreitung von Kriegspropaganda und Durchhalteparolen. Diese Phase endete mit der Übertragung der Kapitulationsansprache des Kaisers am 15. August 1945 – für die meisten Japaner die erste Gelegenheit, die Stimme des Tenno zu hören. Danach übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Kontrolle über den Staatssender. 1950 wurde das Rundfunkwesen auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt: Das Rundfunkgesetz beseitigte das NHK-Monopol und sah die Zulassung von Privatsendern vor. Am 1. Juni 1950 konstituierte sich NHK unter Beibehaltung des alten Namens in seiner heutigen Rechtsform als gemeinnützige Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts. An die Stelle staatlicher Steuerung trat die Kontrolle durch das Parlament, das den vom Ministerpräsidenten berufenen Vorstand bestätigen und den Jahreshaushalt beschließen muss; der Vorstand wählt den NHK-Präsidenten aus seiner Mitte.

1953 nahm NHK den Fernsehbetrieb auf, der ab 1960 schrittweise auf Farbe umgestellt wurde. 1959 richtete NHK neben dem allgemeinen Programm einen Bildungskanal ein. 1982 begann die Umstellung bestimmter Fernsehprogramme auf Stereo (Musiksendungen) und Zweisprachigkeit: Manche Nachrichtensendungen, Diskussionsprogramme oder ausländische Filme können seither per Knopfdruck alternativ auf Japanisch, Englisch oder in einer nicht-englischen Originalsprache gehört werden. Ab 1984 konnten Haushalte mit eigener Satellitenschüssel zunächst ein, ab 1986 zwei Satellitenprogramme von NHK empfangen; das vollwertige Satellitenprogramm auf zwei Kanälen lief 1989 an. 1991 begann NHK damit, täglich mehrere Stunden in der selber entwickelten „Hi-Vision“-Technik des hochauflösenden Fernsehens zu senden; 2015 wurde schließlich die analoge Ausstrahlung vollständig eingestellt.

1995 nahm NHK den Fernsehbetrieb nach Amerika und Europa, 1998 in die asiatisch-pazifische Region auf. Mit fünf Satelliten wird seitdem fast die ganze Welt abgedeckt. Das japanischsprachige Angebot wurde 1999 auf 24 Stunden täglich erweitert, das englischsprachige ist regional verschieden. Seit Februar 2009 strahlt NHK World ein 24-stündiges englischsprachiges Programm aus. Die Programme können gegen entsprechende Gebühren über Exklusivantennen direkt oder indirekt über lokale Kabelfernsehanbieter empfangen werden. Seit Dezember 2008 gibt es auch ein „NHK-on-demand“ Programm: Gegen eine zusätzliche Gebühr kann man auf eine Programm-Mediathek zugreifen. Dies schließt das NHK-Archiv hunderttausenden Beiträgen ein.

Die in Japan auch als "Zwei verlorene Dekaden" („ushinawareta nij nen“) bezeichnete, zwanzigjährige Wirtschaftskrise zwischen 1991 und 2011 hatte auch für NHK Konsequenzen. Zunächst kam es zu einem Gebührenboykott, der bis Ende 2006 auf 1,12 Millionen Haushalte anstieg, was die Regierung erwägen ließ, ein Gesetz zu verabschieden, das Nichtzahlen von Rundfunkgebühren erstmalig unter Strafe zu stellen. Dieses Vorhaben wurde nach anhaltenden öffentlichen Debatten allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ein anderes wiederkehrendes Thema ist die zu große Nähe zur japanischen Regierung, derentwegen NHK in Kritk gerät. In der FAZ z.B. hieß es am 11.02.2014: „In Japans Staatsrundfunk herrschen chinesische Verhältnisse.“ Der damalige Regierungschef Shinzo Abe versuchte, den Sender auf seinen nationalistischen, revisionistischen Kurs zu trimmen und zu einem Propagandainstrument zu machen. Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 beispielsweise ignorierte NHK in der 24stündigen Berichterstattung nach dem Reaktorunfall systematisch Stimmen der japanischen Anti-AKW-Bewegung.

Sehr umstritten war auch Katsuo Momii, NHK-Intendant von 2014 bis 2017, zuvor Top-Manager ohne besondere Ahnung von Journalismus. Er sorgte für Aufsehen mit seinen Äußerungen zur immer wieder aufflammenden Kontroverse um die sogenannten „Trostfrauen“, größtenteils junge Koreanerinnen, die während des Krieges zu Zehntausenden in japanische Frontbordelle verschleppt und zur Prostitution gezwungen wurden. "Trostfrauen", so Momii, seien ja auch in anderen Ländern zum Einsatz gekommen und die internationale Diskussion darüber sei für ihn schleierhaft. Seine Amtszeit wurde 2017 vom Aufsichtsrat nicht verlängert, obwohl er sich darum bemüht hatte. Am 26. Januar 2017 übernahm Ryoichi Ueda den Posten des neuen NHK-Intendanten. Der NHK-Aufsichtsrat (Board of Governors) konnte sich überraschend schnell auf den neuen Amtsinhaber einigen.

Management

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Am 26. Januar 2017 wurde Ryoichi Ueda NHK-Intendant und Nachfolger des umstrittenen Katsuo Momii. Der Finanzexperte Ryoichi Ueda gehörte seit Juni 2013 dem NHK-Aufsichtsrat an und war zudem Mitglied von dessen Wirtschaftsprüfungsausschuss. Ueda hat in Tokio Wirtschaftsrecht studiert und erwarb zusätzlich einen MBA-Abschluss an der Business School in Fontainebleau bei Paris. 1973 trat er in den führenden japanischen Konzern Mitsubishi Corp. ein und kümmerte sich hier von 2006 bis 2009 um das Nordamerika-Geschäft. Von 2009 bis 2013 war er dann Finanzchef des Gesamtunternehmens Mitsubishi Corp. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger galt Ueda als „akribischer Geschäftsmann“ und „ruhige Persönlichkeit“.

Bei Amtsantritt sagte Ueda, er wolle den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Japan wieder stärken und ihn fair und effizient leiten. Er wolle sich für die Produktion neuer Fernseh- und Radiosendungen einsetzen, denen die Zuschauer und Zuhörer vertrauen könnten. Und er verwies auf die „große Mission“, die er darin sehe, „Japans Präsenz in der Welt mit höchsten Rundfunkstandards zu zeigen“.

Geschäftsfelder

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NHK ist ähnlich wie das ZDF zentral organisiert. Am Hauptsitz Tokyo wurden auch die zwei konzerneigenen Forschungsinstitute für Rundfunktechnologie und Kultur errichtet. Außerhalb Tokyos unterhält NHK 54 eigene Studios, mindestens eins in jeder Provinz. Im Ausland ist NHK mit vier Hauptstudios für Amerika (in New York), Europa (in Paris), Asien (in Bangkok) und China (in Peking) sowie 31 Studios und Korrespondentenbüros vertreten. Neben dem Vorstand sorgt eine Reihe von Beratungsgremien dafür, dass NHK seine gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben erfüllt. Ein zentraler Programmbeirat und acht regionale Programmbeiräte mit bis zu zwanzig Mitgliedern aus allen Gesellschaftsbereichen überwachen die Ausgewogenheit und Unvoreingenommenheit der Sendungen.

Rundfunk: NHK strahlt im Inland sechs Fernseh- (General TV, Educational TV, plus die Satellitenprogramme BS 1, BS Premium, BS4K, BS8K) sowie drei Hörfunkprogramme aus. Beim Hörfunk gibt es die Aufteilung in Allgemeines Programm („Daiichi Hoso“/Radio 1) und Bildungsfunk („Daini Hoso“/Radio 2). Radio 2 sendet auch Nachrichten auf Englisch, Koreanisch, Chinesisch und Portugiesisch für in Japan lebende Ausländer. Hinzu kommt das UKW-Programm („FM Hoso“). 
Ins Ausland sendet NHK die Fernsehprogramme NHK World Premium (in japanischer Sprache) und NHK World TV (in Englisch). Im Hörfunk wird als internationales Programm das NHK World Radio Japan in 18 Sprachen ausgestrahlt.

Sonstige:  NHK hat einen Teil seiner Aktivitäten in 100-prozentige Tochterunternehmen ausgelagert: NHK Service Center, NHK International, NHK Engineering Service, NHK Hoso Kenshu Center (NHK Rundfunkausbildungszentrum), Nippon Hoso Kyokai Gakuen (NHK-Fernunterricht), NHK Kokyo Gakudan (NHK-Symphonieorchester), NHK Kosei Bunka Jigyodan (Sonderprogramme für Behinderte und Senioren). Für die Programmplanung und -produktion sowie den Vertrieb von NHK-Produkten sind weitere 15 mehrheitliche NHK-Töchter zuständig.

In Bezug auf das Gebührenaufkommen ist NHK hinter ARD und BBC die drittgrößte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt. Im Vergleich zur ARD muss sie allerdings mit weniger als der Hälfte des Personals auskommen und hat einen etwa doppelt so hohen Marktanteil beim inländischen Fernsehen (rund 30 % oder etwa so viel wie ARD und ZDF zusammen). Anders als die deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist das gesamte NHK-Programm weiterhin frei von kommerzieller Werbung. 

Engagement in Deutschland/Europa

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NHK ist außerordentliches Mitglied der European Broadcasting Union (EBU), unterhält Fernsehstudios in London, Paris, Berlin und Moskau sowie ein Korrespondentenbüro in Brüssel. Vom Berliner Büro aus wird die Berichterstattung aus Deutschland, Österreich und Ost- und Südosteuropa, inklusive Balkan, abgedeckt. Der NHK-Satellitenkanal BS1 strahlt regelmäßig Nachrichten der europäischen Sender ZDF, ARD, BBC, ITN, F2, RTR und TVE aus. Mit der Deutschen Welle bestand bis 2000 eine personelle Zusammenarbeit, die aber von deutscher Seite als Sparmaßnahme aufgekündigt wurde.

Aktuelle Entwicklung

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Am 11.12.2019 die Meldung: Terunobu Maeda wird der neue Intendant von NHK. Zu seinen Plänen äußerst er sich fast wortgetreu mit Vorgänger Ryoichi Ueda: „Das Wichtigste ist es, weiterhin Programme zu machen, denen die Öffentlichkeit vertraut. Denn NHK ist der öffentlich-rechtliche Sender.” (Japan Times) Weiter sagte Maeda, 74, früherer Chairman der Mizuho Financial Group Inc., Susumu Ishihara, Vorsitzender des NHK-Aufsichtsrats, habe ihn ohne vorherige Ankündigung gefragt, ob er das Amt übernehmen wolle. Maeda hat direkt zugesagt. Bei so einer Anfrage habe man keine Wahl.

Terunobu Maeda ist Mitglied von „Shiki no Kai“, einer Verbindung von Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft, die Premierminister Shinzo Abe nahestehen. Maeda machte deutlich: „Es ist absout falsch zu behaupten, ich würde der Regierung irgendwie verbunden sein.“ Das Büro des Premierministers stünde nicht hinter seiner Nominierung. Ryoichi Ueda trat am 24.01.2020 zurück, Maeda übernahm die dreijährige Präsidentschaft am folgenden Tag.

Literatur

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Susan J. Pharr/Ellis S. Krauss (Hrsg.): Media and Politics in Japan, 1996.
Ellis S. Krauss: Broadcasting Politics in Japan. NHK Television News, 2000.
David McNeill/Lucy Birmingham: Strong in the Rain. Surviving Japan's Earthquake, Tsunami, and Fukushima Nuclear Disaster, 2012.