43. ITV plc

Umsatz 2014: £ 2,956 Mrd. (€ 3,667 Mrd.)

Überblick

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ITV ist das führende privatwirtschaftliche Free-TV-Unternehmen in Großbritannien. Zum Portfolio gehören diverse TV-Sender, Produktionsfirmen und Online-Portale. Sender der ITV-Familie erzielten 2018 zusammen eine Einschaltquote von 23,2%. Der Hauptsender ITV ist der größte Werbesender Großbritanniens, mit einer Publikumsreichweite von 98% in Bezug auf Werbesender mit über 5 Millionen Zuschauern. Der Online-Video-on-Demand-Dienst „ITV Hub“ hat aktuell 29 Millionen registrierte Nutzer (Stand Juli 2019).

Basisdaten

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Hauptsitz:
2 Waterhouse Square, Holborn
London EC1N 2AE
Großbritannien
Telefon: 0044 20 7157 3000
Website: www.itvplc.com    

Branchen: Fernsehsender, Produktion, Vertrieb, Rechtehandel
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 2003 (1934 Granada, 1985 Carlton)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
2018201720162015201420132012
Umsatz3.2113.1323.0642.9722.9562.7532.546
Gewinn*810842857865730620520

Aktienkurs (in

£, Jahresende)

124,85165,50203,20271,86212,33191,69103,67
Mitarbeiter628160556.1216.2385.2174.6524.059

*Operating EBITA

Geschäftsführung

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Management:

  • Julian Bellamy, Managing Director
  • Chris Kennedy, Group CFO
  • Paul Moore, Group Communications & Corporate Affairs Director
  • Kyla Mullins, General Counsel and Company Secretary
  • Kevin Lygo, Director of Television
  • Dame Carolyn McCall, Chief Executive
  • David Osborn, Human Resources Director
  • Rufus Radcliffe, Group Marketing and Research Director
  • Mark Smith, Group Chief Technology Officer
  • Kelly Williams, Managing Director of Commercial

Aufsichtsrat:

  • Sir Peter Bazalgette, Chairman
  • Dame Carolyn McCall, Chief Executive
  • Salman Amin, Non-executive Director
  • Chris Kennedy, Group CFO
  • Edward Bonham Carter, Senior Independent Director
  • Margaret Ewing, Non-executive Director
  • Roger Faxon, Non-executive Director
  • Mary Harris, Non-executive Director
  • Anna Manz, Non-executive Director
  • Duncan Painter, Non-executive Director
  • Kyla Mullins, General Counsel and Company Secretary

Geschichte

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Die Geschichte von ITV ist die Geschichte der Konsolidierung des privaten britischen Fernsehmarktes. 1954/55 wurde das „Independent Television“ als werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt, aufgeteilt in 15 regionale Lizenzen, die wie das deutsche ARD-Fernsehen ein Gemeinschaftsprogramm mit regionalen Fenstern zu bilden hatten. ITV gilt als kommerzieller Sender gleichwohl als „Public Service Broadcaster“ und muss quasi-öffentlich-rechtliche Auflagen hinsichtlich Umfang, Qualität und Ausgewogenheit von Nachrichten- und Informationsprogrammen erfüllen. Bis Ende der 1990er Jahre hatten sich hier zwei Medienunternehmen durchgesetzt: Granada und Carlton kontrollierten 11 der 15 ITV-Lizenzen.

Granada war 1934 gegründet worden, um eine Kette von Kinos zu übernehmen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, und bis in die 1970er Jahre, als aus Filmpalästen Bingo-Schuppen wurden, gehörte das Unternehmen zu den größten landesweiten Kinobetreibern. Gleich mit der Einführung von ITV stieg Granada 1954 mit der Lizenz für den Norden Englands ins Fernsehgeschäft ein: Granada Television sendete von Manchester aus, erfand die Daily Soap („Coronation Street“ läuft seit 1960) und war eines der profitabelsten TV-Unternehmen Großbritanniens.

Carlton hatte in der Druckbranche begonnen und wechselte 1986 in die Film- und Fernsehproduktion (Post-Production, Special Effects). Dies gelang mit dem Kauf eines 20 Prozent-Anteils am ITV-Sender Central. Nach der ersten Deregulierung des TV-Marktes durch die Regierung Thatcher erhielt Carlton bei der Neuvergabe der Lizenzen 1991 den Regionalmarkt London. 1993 übernahm Carlton die restlichen 80 Prozent von Central TV. Bis 2000 kamen noch vier weitere ITV-Lizenzen dazu.

Carlton und Granada hatten schon seit 1998 beim Aufbau einer eigenen digitalen Pay-TV-Plattform kooperiert, doch ONdigital wurde einer der größten Flops der britischen Mediengeschichte. Im April 2002 wurde das noch kurz zuvor in ITV Digital umbenannte Projekt abgeschaltet. Die beiden Unternehmen hatten zusammen rund eine halbe Milliarde Pfund vernichtet.

Auch über eine Fusion hatten Carlton und Granada verhandelt – zunächst ohne Erfolg. Ein Firmenzusammenschluss hätte den damals gültigen Kartellvorschriften nicht entsprochen. Die Lage änderte sich, als die Regierung Blair im Mai 2002 ein deutlich liberalisiertes Mediengesetz verabschiedete: Bislang durfte ein TV-Unternehmen maximal 15 Prozent aller Werbebuchungen im Free-TV-Bereich auf sich vereinigen. Doch diese Vorschrift wurde nun genauso gekippt wie die Aufteilung des Ballungsraums London auf zwei ITV-Lizenzen für den Werktag bzw. das Wochenende. Der Weg zum einheitlichen ITV war frei, im Oktober 2002 war die sechs Milliarden Pfund schwere Fusion von Granada und Carlton perfekt. Allerdings dauerte es wegen Prüfungen der Kartellbehörden noch knapp anderthalb Jahre, bis Aktien der ITV plc erstmals am 2. Februar 2004 an der Londoner Börse gehandelt wurde.

Nachdem das Unternehmen zwischenzeitlich hart von der Finanzkrise und sinkenden Werbeeinnahmen getroffen wurde, gelang 2011 unter dem neuen CEO Adam Crozier der Umschwung. Anfang 2013 war die wirtschaftliche Lage wieder so positiv, dass über ITV auch als Übernahmekandidaten in Europa spekuliert wurde. Seit 2005 hatte sich der Aktienkurs des britischen Medienunternehmens fast verdoppelt. Dazu gab ITV plc die Zahlung einer Sonderdividende in Höhe von rund 156 Millionen Pfund bekannt. Und kaufte Produktionsfirmen wie z.B. The Garden im April 2013 für rund 18 Millionen Pfund. Es folgten Beteiligungen an den US-amerikanischen Produktionsfirma High Noon Entertainment, an Thinkfactory Media, Big Talk Productions und DiGa Vision. Schließlich wurde im Oktober 2015 bekannt gegeben, dass ITV den TV-Bereich von UTV Media für 100 Millionen Pfund kauft.

Management

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Seit 2017 ist Dame Carolyn McCall CEO bei ITV, als Nachfolgerin von Adam Crozier, der dem Unternehmen einen Aufschwung verschafft hatte. McCall war zuvor sieben Jahre lang CEO von easyJet, das sie zu einer der bestlaufenden Airlines Europas gemacht hat. Während ihrer Zeit als CEO hat sich der der easyJet-Aktienkurs beinahe vervierfacht. Auch bei ITV konnte sie Erfolge erzielen. Sie ist eine Urheberin des Video-Abonnementdienst „BritBox“, ein Pendant zu Netflix, das in Zusammenarbeit von ITV und BBC Ende des Jahres 2019 auf den Markt kam.

Geschäftsbereiche

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ITV plc teilt sich in die Geschäftsfelder „Broadcast & Online“, „Direct to Consumer“ und die „ITV Studios“ auf. ITV sendet eine große Bandbreite an Programmen über die Familie an frei empfangbaren Sendern und über den „ITV Hub“, der unter anderem auf der Website von ITV zu finden ist. Zu den frei empfangbaren Sendern gehören ITV2 und ITV3, die zwei größten Sender in Großbritannien, und ITV4, CITV und ITVBe. ITV2 ist der am meisten geschaute Sender unter den 16 bis 24-Jährigen.

Zu den „Direct to Consumer“-Services gehört die seit November 2019 verfügbare „BritBox“. Dieser Video-on-Demand-Dienst enstand in Zusammenarbeit mit BBC und soll dem Konsumenten eine Fülle an Serien bieten, davon auch viele britische. Auch in Amerika und Canada soll mit der „Britbox US“ ein Angebot an britischen Programmen zur Verfügung stehen.

In den ITV-Studios werden Inhalte für Großbritannien und international für insgesamt 12 Länder produziert. Die Vertriebsgeschäfte Global Entertainment und Talpa Global verkaufen die fertigen TV-Formate weltweit. Zu den ITV-Studios gehören „ITV Studios UK“ und „ITV America“. ITV Studios agiert aber auch in Deutschland, Frankreich, Italien, Australien, den nordischen Staaten und im mittleren Osten. In den Niederlanden operiert ITV durch „Talpa Media“.

Engagement in Deutschland

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Der Markteintritt in Deutschland fand 2000 mit der Gründung der Granada Produktion für Film- und Fernsehen GmbH (mittlerweile umbenannt in ITV Studios Germany) statt. Zu den Kunden gehören sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die kommerziellen Fernsehsender. Die in Berlin und Köln ansässige Firma produziert mit „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ (RTL) die deutsche Version von „I’m a celebrity…“, sowie Formate wie „Let’s Dance“ (RTL) oder „Das perfekte Dinner“ (Vox). Neben diesen Non-fiktionalen Programmen stellen die ITV Studios Germany auch fiktionale Programme wie „Der letzte Bulle" (SAT.1) her. 2008 übernahm ITV zudem 50,1 Prozent der Anteile an der Produktionsfirma Imago TV. Auch das Format „Love Island“, das in Großbritannien schon seit 2005 ausgestrahlt wird, kam 2017 über RTL II erfolgreich auf den deutschen Markt.

Aktuelle Entwicklungen

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ITV scheint laut eigenen Angaben auf einem Höhenflug. 2018 lag die durchschnittliche Einschaltquote bei 17 Prozent: So hoch waren die Zuschauerzahlen schon seit 2007 nicht mehr. Die anderen Geschäftsbereiche zeigen ein ebenso gutes Bild: Durch Online- und Broadcast-Angebote wie „ITV Hub“ und den Release der „Britbox“ gelang ITV besonders 2019 ein Aufschwung. Die Nutzerzahlen des Online-Services ITV Hub knackten Ende des Jahres die 30-Millionen-Marke. Der Streaming-Dienst Britbox hatte laut CEO Carolyn McCall einen erfolgreichen Start und bekam positive Rezensionen.

Literatur

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  • Johnson, Catherina/Turnock, Rob (2005): ITV Cultures: Independent Television Over Fifty Years. Maidenhead : Open University Press.
  • Mark, Sebastian (2011): The Brighter Side. Eine Analyse der Markenführung des Senders ITV 1. In: Förster, Kati (Hrsg.): Strategien erfolgreicher TV-Marken : Eine internationale Analyse. Wiesbaden: VS Verlag, S. 97-113. DOI 10.1007/978-3-531-92836-4_5
  • Medhurst, Jamie (2010): A History of Independent Television in Wales. Cardiff: University of Wales Press.
  • Potschka, Christian (2012): Towards a Market in Broadcasting. Communications Policy in the UK and Germany. Basingstoke: Palgrave Macmillan. DOI: 10.1057/9780230370197

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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