38. Grupo Televisa

Umsatz 2014: MXN 80,118 Mrd. (€ 4,538 Mrd.)

Überblick

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Der Medienkonzern Televisa führt mit Einschaltquoten von 60 bis 85 Prozent den Fernsehmarkt Mexikos an. Er ist berühmt für seine Telenovelas, die international vermarktet werden. Televisa befindet sich im Besitz von drei Familien und gilt als staatsnah. Der Konzern teilt sich mit Hauptkonkurrent TV Azteca 90 Prozent der kommerziellen Sendekonzessionen des hochkonzentrierten mexikanischen Rundfunkmarkts und ist auch im Telekommunikationssektor aktiv.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Avenida Vasco de Quiroga, No. 2000
Colonia Santa Fe
01210 México, D.F.
Mexiko
Telefon: 0052 55 5261 2000
Website: www.televisa.com/corporativo

Branchen: Free- und Pay-TV, Radio, Print
Rechtsform:
Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1973

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. mex. Peso)
2018201720162015
Umsatz101.28294.27496.28788.052
Gewinn nach Steuern7.6156.5785.33312.325
Aktienkurs (Jahresende, in USD)12,1617,1720,8927,21
Beschäftigte39.16539.98842.28843.900

Geschäftsführung

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Management:

  • Emilio Azcárraga Jean, Executive Chairman of the Board of Grupo Televisa
  • Alfonso de Angoitia Noriega, Co-Chief Executive Officer of Grupo Televisa
  • Bernardo Gómez Martínez, Co-Chief Executive Officer of Grupo Televisa
  • Salvi Folch Viadero, Chief Executive Officer of Cable
  • Luis Alejandro Bustos Olivares, Legal Vice President and General Counsel of Grupo Televisa
  • Carlos Ferreiro Rivas, Corporate Vice President of Finance
  • José Antonio Lara del Olmo, Corporate Vice President of Administration
  • Ricardo Pérez Teuffer, Corporate Vicepresident of Sales and Marketing
  • Alexandre Penna, Chief Executive Officer of SKY
  • Alicia Lebrija, Executive President Fundación Televisa
  • Patricio Wills, President of Televisa Studios

 

Board of Directors:

  • Emilio Fernando Azcárraga Jean, Televisa
  • Alfonso de Angoitia Noriega, Televisa
  • Alberto Baillères González, Industrias Penoles
  • Francisco José Chévez Robelo, Televisa
  • Jon Feltheimer, Lionsgate
  • José Luis Fernández Fernández, Chevez, Ruiz, Zamarripa y Cia, S.C.
  • Salvi Rafael Folch Viadero, Televisa
  • Marcos Eduardo Galperin, Mercadolibre
  • Michael Thomas Fries, Liberty Global
  • Bernardo Gómez Martínez, Televisa
  • Carlos Hank González, Grupo Financiero Banorte
  • Roberto Hernández Ramírez, Banco Nacional de Mexico
  • Enrique Krauze Kleinbort, Editorial Clio Libros
  • Lorenzo Alejandro Mendoza Giménez, Empresas Polar
  • Fernando Senderos Mestre, Grupo Kuo
  • Enrique F.Senior Hernández, Allen & Company
  • Eduardo Tricio Haro, Grupo Lala
  • David M. Zaslav, Discovery Communications
  • Guillermo García Naranjo Álvarez, Consejo Mexicano de Normas de Información Financiera
  • José Antonio Chedraui Eguía, Grupo Comercial Chedraui

Geschichte

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In Mexiko verzichtete man beim Aufbau des Fernsehsystems in den 1940er Jahren wie schon zuvor beim Radiosystem auf eine starke öffentlich-rechtliche Säule. Vielmehr entschied man sich sowohl bei der Technik als auch bei der Rundfunkorganisation für US-amerikanische Standards. Die Rundfunkgesetze von 1960 und 1973 enthielten die wichtigsten Bestimmungen, nach denen sich die 1973 gegründete Televisa richten musste. Unter anderem wird darin der Rundfunk als öffentliches Gut bezeichnet. Televisa ging aus einer Fusion von Telesistema und Televisión Independente de México (TIM) hervor. Dabei brachte der ehemalige Monopolist Telesistema 75 Prozent ein. Das neue Unternehmen befand sich in Besitz von vier Familien, die zum Teil mit Radiounternehmen zu Reichtum gekommen waren und diese Gewinne in den Aufbau von Fernsehnetzen investiert hatten: den Azcárragas, O´Farrills, Alemáns und den Garza Sadas. Mitglieder dieser Familien übernahmen die wichtigsten Posten bei der Televisa. Mit der recht unbedeutenden Konkurrenz durch den staatlichen „Kanal 13“ wurde eine Aufteilung der Fernsehsender nach Zielgruppe verabredet, die so genannte „Fórmula Mexicana“. Dabei fiel dem staatlichen Sender die wirtschaftlich unattraktive Aufgabe zu, Bildungsprogramme zu senden. Die medienpolitischen Rahmenbedingungen waren also denkbar gut für Televisa und begünstigten in den folgenden Jahrzehnten ihren Aufstieg zu einem internationalen Mediengiganten.

Wichtig für Televisa war die Nähe zu den mexikanischen Präsidenten, die bis zum Jahr 2000 ausschließlich durch die Partido Revolucionario Institucional (PRI) gestellt wurden. Als Gegenleistung für medienpolitische Protektion stellte der Konzern sein Programm in den Dienst der Dauer-Regierungspartei. „Lange Zeit galten Televisa und die PRI als die beiden Machtzentren des Landes, die sich gegenseitig stützten“, schrieb das österreichische Magazin „Der Standard“ und zitierte Televisa-Boss Azcárraga, den Vater des derzeitigen CEO Azcárraga Jean: „Wir sind von der PRI, wir waren schon immer von der PRI; wir glauben an keine andere Formel. Und als Mitglieder dieser Partei werden wir alles Mögliche tun, dass unser Kandidat gewinnt." Aber auch die Partido Acción Nacional (PAN), die mit ihrem Kandidaten Vicente Fox im Jahr 2000 die PRI an der Regierung ablöste, konnte sich auf eine regierungsnahe Berichterstattung verlassen, was ein Aufbrechen der Monopolstruktur im Rundfunkbereich effektiv verhinderte. Der Konzern entwickelte sich noch vor Globo zum größten Medienkonzern Lateinamerikas, der neben dem Rundfunk in allen Medienzweigen vertreten ist, von Print bis Online.

Im Juni 2007 beendete ein Urteilsspruch des mexikanischen Verfassungsgerichts einen mehrere Jahre andauernden Disput um ein neues Mediengesetz für das 100-Millionen-Einwohner-Land, indem es dieses in Teilen für verfassungswidrig erklärte. Das Gericht war von Senatoren angerufen worden, die eine Zementierung der hohen Konzentration auf dem Rundfunkmarkt in Folge der als „Televisa-Gesetz“ titulierten Novelle fürchteten. Der Televisa-Konzern hatte offenbar die hohe Abhängigkeit der politischen Klasse Mexikos von seiner Berichterstattung genutzt, um parallel zum Wahlkampf Anfang 2006 das neue Mediengesetz verabschieden zu lassen. Laut Beobachtern passierte dieses die Institutionen ungewöhnlich schnell. Außerdem wurde kolportiert, dass der Text von Televisa-Lobbyisten verfasst worden war. Der Gesetzentwurf hatte eine erbitterte Debatte darüber ausgelöst, ob es bestehende Probleme bei der Frequenzvergabe löst oder verschärft. Die bisherige Praxis, nach der der Präsident das alleinige Recht besaß, das „öffentliche Gut“ Frequenzen zu verteilen, hatte in den vergangenen Jahrzehnten die dominante Stellung der Televisa ermöglicht. Die bisherige Praxis sollte nun einer Regelung weichen, derzufolge neue Frequenzen versteigert werden sollten. Das Gesetz sah jedoch gleichzeitig vor, dass die TV-Sender die von ihnen belegten Frequenzen des Breitbandspektrums de facto besitzen sollen und diese selbst dann kontrollieren, wenn aufgrund der Digitalen Dividende Frequenzen frei werden. Folglich unterstützte auch das zweitgrößte private Network, TV Azteca, das „Ley Televisa“.

Nachdem der Gesetzentwurf im Unterhaus einstimmig verabschiedet worden war, formierte sich Widerstand in der zweiten Kammer des Mexikanischen Parlaments, dem Senat, wodurch schließlich die Verfassungsklage ermöglicht wurde. Der oberste Gerichtshof war mit einem enormen Druck der Öffentlichkeit konfrontiert, nicht zuletzt durch die Televisa-Programme. Die Folge war der ungewöhnliche Schritt, das Verfahren so öffentlich und transparent wie möglich zu gestalten und die Verhandlungen über den gerichtseigenen Fernsehkanal und das Internet zu übertragen. Durch dieses „Court TV“ („The Economist“) erreichte das Gericht den notwendigen Rückhalt, um seine unabhängige Entscheidung zu fällen. Dadurch stärkt es auch seine Position im institutionellen Gefüge Mexikos.

Im Juni 2012 berichtete die britische Tageszeitung "The Guardian" über eine Reihe ihr vorliegender Dokumente, die auf Korruption bei der Politikberichterstattung von Televisa hindeuteten. Laut dem Blatt zahlte PRI-Politiker Enrique Peña Nieto (mexikanischer Präsident von Dezember 2012 bis November 2018) in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt etwa 36 Millionen US-Dollar an Televisa für knapp 200 Meldungen, Interviews und Features, die ihn in einem günstigen Licht erscheinen ließen. Außerdem sei vereinbart worden, Peña Nietos politischen Konkurrenten, Lopez Obrador, zu diskreditieren. Televisa lehnte es zunächst ab, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und begründete dies mit der Weigerung des "Guardian", ihm die Dokumente vorzulegen. In einer Erklärung nach Veröffentlichung des Berichts äußerte Televisa Zweifel an seiner Richtigkeit. Die Zeitung erklärte daraufhin, sie bleibe bei ihrer Darstellung und veröffentlichte zudem kurz darauf die entsprechenden Dokumente.

Im August 2014 kündigte Televisa an, die restlichen Anteile an der mexikanischen Kabelfirma Cablecom, die man noch nicht besaß, für einen Preis von rund 654 Millionen Dollar zu erwerben. Im September 2014 dann wurde bekannt, dass die Grupo Salinas den 50-prozentigen Anteil der Grupo Televisa an Mexikos drittgrößtem Mobilfunkbetreiber „Iusacell“ für 717 Millionen Dollar übernehmen werde.

2017 sorgte die zunehmende Popularität von Video-on-demand-Diensten für einen Führungswechsel. Nachdem die Familie Azgarraga das Unternehmen jahrzehntelang geleitet hatte, sollten ab Oktober 2017 die neuen Co-CEOs Bernardo Gómez Martínez und Alfonso de Angoitia Noriega für einen Umschwung sorgen.

Bereits 2012 gelangten Vorwürfe an die Öffentlichkeit, Televisa würde seine publizistische Marktmacht dazu missbrauchen, für die Ausstrahlung von politisch wohlmeinenden Programmen Millionenbeträge von staatlichen Institutionen und Lokalregierungen zu kassieren. Einem anonymen Brief an die US-Börsenaufsicht SEC zufolge, soll Televisa die eingegangenen Summen fälschlicherweise als Umsätze von Großereignissen deklariert haben, die im Azteken-Stadion stattfanden. Um die Vorwürfe zu entkräften, engagierte Televisa zwei Anwaltskanzleien. Auf Grundlage von deren Abschlussberichten verkündete der Konzern im Sommer 2016: Sämtliche Vorwürfe seien falsch.

Der letzte große Korruptionsvorwurf wurde Grupo Televisa 2018 gemacht. Im August wurde Klage vor dem Bundesgericht in New York eingereicht mit der Behauptung, dass Televisa über eine Tochtergesellschaft Bestechungsgelder für die Fernsehrechte an den Fußballweltmeisterschaften 2018, 2022, 2026 und 2030 gezahlt habe. Televisa wies die Vorwürfe zurück. Die geleisteten Zahlungen stünden „in keiner Weise im Zusammenhang mit irgendeiner Art von unkorrektem Verhalten“.

Management

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Seit seiner Gründung war Grupo Televisa im Besitz der Familie Azcárraga. Jede der drei Generationen an der Spitze von Televisa hat eine Epoche des Unternehmens geprägt. Bis Oktober 2017 übertrug jeder Besitzer bei seinem Tod Televisa an seinen Sohn. Emilio Azcárraga Jean hat im Oktober 2017 auf die Führung von Televisa verzichtet, bleibt aber weiterhin Vorstandsvorsitzender. Die neue Leitung des Unternehmens wird die erste sein, die nicht zur Azcarraga-Familie gehört. Der Schritt wurde gemacht, um gegen den massiven Rückgang der Zuschauerzahlen bei Televisa vorzugehen, verursacht durch die steigende Popularität von Netflix und anderen Videostreaming-Diensten.

Seit dem 26. Oktober 2017 leiten Bernardo Gómez Martínez und Alfonso de Angoitia Noriega das Unternehmen als Co-CEOs. Gómez Martínez ist hat die Kontrolle über die Nachrichtensendungen, die politische Satire und die Moderatoren und ist Emilio Azcárraga Jeans wichtigster Berater. Gómez Martinez ist ein angesehener Intellektueller und politischer Analyst aus der mexikanischen Wirtschaftselite. Seine enge Beziehung zu Azcárraga geht bis in die Kindheit zurück; und obwohl Azcarragas Vater dagegen war, holte ihn Emilio Jr. gleich nach Tod des Vaters in die Firma.

Alfonso de Angoitia Noriega, der andere CEO, war zuvor Executive VP (2003-2017) und Chief Financial Officer (1999-2003). Angoitia gilt als Televisas finanzieller Kopf und als ein wichtiger Partner des Eigentümers Emilio Azcárraga Jean. Er war maßgeblich daran beteiligt, einen monatelangen, 1,2 Milliarden Dollar schweren Deal zwischen Univision und Televisa zustande zu bringen, der den Zugang von Televisa zum begehrten hispanischen US-Markt in den Vereinigten Staaten erheblich verbesserte.

Geschäftsfelder

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Televisa betreibt vier Free-TV-Sender, die von Mexico City aus landesweit empfangbar sind sowie 26 Pay-TV-Sender, die mehr als 44 Millionen Zuschauer erreichen (ein Großteil davon in den USA, wo die Televisa-Marken von Univision vertrieben werden). Laut Zahlen aus dem März 2019 kontrolliert Televisa 59,9 Prozent des mexikanischen Pay TV-Markts. Wichtig auch die TV-Produktion: Jährlich produziert Televisa rund 90.000 Programmstunden, das in die gesamte spanischsprachige Welt exportiert wird (in insgesamt mehr als 70 Länder).

Televisa besitzt zudem 59 Prozent am mittelamerikanischen Ableger des Satellitenproviders Sky, mit in Mexiko und der Dominikanischen Republik mehr als sieben Millionen Kunden. Über die Segmente "Multiple System Operators" und "Enterprise" tritt Televisa zudem als Kabelprovider auf.

Rund zehn Prozent des Umsatzes werden schließlich in den Bereichen Radio, Print, Entertainment und Sport erzielt. Televisa publiziert mehr als 150 Magazintitel in 17 Ländern und betreibt 99 Radiostationen. Seit 1959 gehört Televisa auch der Fußball-Klub América, der im berühmten Azteken-Stadion aufläuft.

Aktuelle Entwicklungen

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Grupo Televisa gab am 28. Januar 2020 bekannt, dass es zum zweiten Mal in Folge als eines von nur fünf mexikanischen Unternehmen in den "Bloomberg Gender-Equality Index (GEI) 2020" aufgenommen wurde. Damit würdigt Bloomberg das Engagement von Televisa für die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und sein kontinuierliches Bemühen um den Aufbau einer vielfältigen Belegschaft, die eine integrative Kultur fördert. Der GEI ist ein Referenzindex, der 325 Unternehmen umfasst, die sich für die Transparenz in der Berichterstattung über die Gleichstellung der Geschlechter und der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet haben. Der GEI berücksichtigt dabei fast 6.000 Unternehmen in 84 Ländern.

Inhalte

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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mediadb.eu wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung

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und der Stadt Köln.