14. Dish Network Corporation

Umsatz 2006: € 7,643 Mrd.

Überblick

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Die Dish Network Corporation (Meridian, Colorado) bietet unter dem Namen DISH digitale Fernsehinhalte über Satellit an. Dazu kommt der Internet-Streamingdienst Sling TV (2,69 Mio. Kunden am Ende des dritten Quartals 2019).

Basisdaten

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Hauptsitz:
9601 South Meridan Blvd. 
Englewood, CO 80120
USA
Telefon: 001 303 723 1000
Internet: ir.dish.com

Branche: Satellitenfernsehen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1980 (Echosphere)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. US-Dollar)
20182017201620152014
Umsatz13.621 14.39115.09515.06914.600
Gewinn 1.5752.0991.450747945
Aktienkurs (in $, Jahresende)28.2847,7557,9357,1872,27
Beschäftigte16.00017.00016.00018.00019.000

Geschäftsführung

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Management:

  • Charles W. Ergen, Chairman of the Board and Chief Executive Officer
  • James DeFranco, Executive Vice President and Director
  • Bernard L. Han, Executive Vice President, Strategic Planning
  • Vivik Khemka, Executive Vice President and Chief Technology Officer
  • Tom Cullen, Executive Vice President, Corporate Development
  • R. Stanton Dodge, Executive Vice President, General Counsel and Secretary
  • W. Erik Carlson, President and Chief Operating Officer
  • Bryan Neylon, Executive Vice President, Customer Acquisition and Retention
  • Warren Schlichting, Executive Vice President of Marketing, Programming, and Media Sales
  • John Swieringa, Executive Vice President, Operation

 

Aufsichtsrat:

  • Kathleen Q. Abernathy
  • George R. Brokaw
  • James DeFranco, Dish Network Corporation
  • Charles W. Ergen, Chairman, Dish Network Corporation
  • Candy Ergen, Dish Network Corporation
  • Charles M. Lillis, Wells Fargo
  • Afshin Mohebbi
  • Tom A. Ortolf
  • Joseph T. Proietti, BNP
  • Carl E. Vogel

Geschichte

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Charles W. Ergen legte im Jahr 1980 den Grundstein für EchoStar Communications. Gemeinsam mit seiner Frau Candy und Jim DeFranco gründete er zunächst die Firma Echosphere als Anbieter von Satelliten-Equipment. 1992 wurde dem Unternehmen eine DBS-Lizenz zugesprochen („direct broadcast satellite" – direkt empfangbares Satellitenfernsehen). Von da an setzte Ergen alles auf den jungen Satellitenmarkt, den er als Konkurrenz zur allmächtigen Kabelindustrie begriff. 1995 wurde Echosphere in EchoStar Communications umbenannt und 1996 das DBS-Angebot unter der Marke DISH („Digital Sky Highway“) platziert - mit Erfolg. Bereits 1997 ging EchoStar an die Börse. In den nächsten zehn Jahren konnte Dish seinen Kundenstamm auf über 13 Millionen Abonnenten erhöhen.

Im Jahr 2000 schien EchoStar schon auf dem Weg zu einem Satellitenfernseh-Monopol in den USA, als man einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten DirecTV in Erwägung zog. DirecTV, heute Teil von AT&T, damals ein Teil von Hughes Electronic, dessen Firmengründer der legendäre Industrielle und Flug-Fanatiker Howard Hughes war. Die US-Medienregulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) untersagte jedoch die Fusion, da eine Marktdominanz im Bereich des Satellitenfernsehens von 91 Prozent die Folge gewesen wäre. Die gescheiterte Fusion kostete EchoStar 600 Millionen US-Dollar, weil das Unternehmen eine Abstandszahlung an Hughes Electronics leisten musste.

Wesentlichen Anteil am Erfolg von Echostar hatte die im Sommer 2003 geschlossene Partnerschaft mit dem US-Telekomkonzern SBC, Teil von AT&T ist. Der SBC-EchoStar-Deal basierte auf "Bündelung", einer Praxis, bei der verschiedene Services in einer Rechnung zusammengefasst werden. Mit diesem Projekt war SBC der erste große Telekom-Carrier, der Fernseh-, Telefon- und Internet-Services in einem Paket verkaufte. Als 2009 die Vertriebspartnerschaft mit AT&T auslief, ging Dish eine Allianz mit DirecTV ein.

Im Rahmen einer Partnerschaft mit Google wurde 2007 zudem das online-erprobte "Pay-per-Click"-Werbemodell auf den TV-Markt übertragen. Inzwischen vertreibt Google etwa ein Drittel der lokalen Werbezeiten von Dish. Seit Oktober 2007 kooperieren Dish und Google auch mit dem Marktforschungsunternehmen Nielsen, das die Daten aus den Set-Top-Boxen weiter ergänzt und auswertet. 2011 wurde der Technologie-/Infrastrukturbereich unter dem Namen Echostar abgespalten, der Rest des Unternehmens wurde umbenannt in Dish Network Corporation. Und 2015 richtete Dish mit Sling TV einen der ersten Over-the-top-Dienste ein.

Management

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Seit 2015 auch wieder in leitender Funktion als CEO bei Dish tätig ist Gründer Charles Ergen. Der als verschroben und impulsiv bekannte Ergen versteht es zu zocken: er verdiente in jungen Jahren sein Geld als professioneller Blackjack-Spieler in Las Vegas, bis ihm eines der Kasinos wegen unzulässiger Tricks Hausverbot erteilte. Heute ist er Milliardär und notorisch knauserig. Zu Geschäftsterminen erscheint der Workaholic und passionierte Bergsteiger hemdsärmelig und mit Pausenbrot. Gerüchte sagen, er weise Manager stets an, günstigere Nachtflüge zu nehmen und auf Geschäftsreisen die Hotelzimmer zu teilen – manchmal auch mit ihm. So schaffte Ergen es 2015 immerhin, in der „Forbes´ 100“ mit einem Vermögen von 13 Mrd. $ auf Platz 77 der reichsten Amerikaner zu gelangen. Für einfache Mitarbeiter ist Dish allerdings kein Paradies: Der Konzern wurde von amerikanischen Watchdogs mehrfach zu "America's worst company to work for" bezeichnet.

Das Branchenblatt Hollywood Reporter bezeichnete Ergen als "meistgehassten Mann Hollywoods" - unter anderem weil er keinen Konflikten mit den bekanntesten Kabelsendern aus dem Weg geht. So mussten Dish-Kunden zeitweise ganz auf Serien wie "The Walking Dead" oder "Breaking Bad" verzichten, weil Ergens sich nicht mit dem Sender AMC über die sog. carriage fees einigen konnte. Den Zorn der gesamten TV-Branche zog er aber mit der Einführung der "AutoHop"-Technologie im Jahr 2012 auf sich. Seitdem können Dish User die Werbung von mit DVRs aufgezeichnete Sendungen komplett überspringen, ohne selbst vorspulen zu müssen.

Geschäftsfelder

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Ende des dritten Quartals 2019 hatte die Dish Network Corporation (Meridian, Colorado) 9,49 Mio. Abonnenten. Unter dem Namen DISH bietet man digitale Fernsehinhalte über Satellit an; das Programmangebot umfasst über 2.500 Digitalkanäle mit der kabelüblichen Auffächerung in Vollprogramme, Lokalsender, Sparten-, Sport-, Nachrichten- und Pay-per-view-Kanäle.

Dazu kommt seit Januar 2015 der in den USA und Puerto Rico verfügbare Internet-Streamingdienst Sling TV (2,69 Mio. Kunden am Ende des dritten Quartals 2019), Dishs Antwort auf die weit verbreitete Praxis des cord cutting: Sling soll vor allem jüngere Generationen ansprechen, die ihren Kabelvertrag gekündigt haben oder niemals einen Vertrag abgeschlossen haben. Stattdessen können sie im Basispaket für 20 Dollar monatlich rund 20 Sender streamen. In 14 Staaten im Westen der USA tritt Dish auch als Internet Service Provider auf insbesondere in ländlichen Regionen, die vom Kabelnetz ausgeschlossen sind.

Aktuelle Entwicklung

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T-Mobile US und Sprint fusionieren, also die US-weit dritt- und viertgrößten Anbieter von Mobilfunk (hinter AT&T und Verizon), für 26,5 Milliarden Dollar. Die Unternehmen sagen, die Fusion sei notwendig, um ein landesweites 5G-Netz aufzubauen und weil Sprint aus eigener Kraft nicht überleben könne. Eine Allianz von 13 Bundesstaaten plus Regierungsbezirk Washington halten dagegen, die Konsolidierung des Marktes würde den Wettbewerb verringern und wahrscheinlich die Preise für die Verbraucher erhöhen. Die US-Telekomaufsicht FCC und das Justizministerium haben dennoch ihr OK gegeben, unter Auflagen. Und hier kommen Charles Ergen und Dish ins Spiel. Um den Wettbewerb auf dem US-Mobilfunkmarkt zu schützen, müssen T-Mobile und Sprint ihre Prepaid-Marke Boost sowie einen Teil ihrer Funkfrequenzen an Dish abgeben.

Dazu Ergen: „This isn't some fantasy for us. We've wanted to get into this wireless business for the past 10 years. I've worked on it darn near every day. Now, the stars have aligned to allow us to do this and we know we can compete." Wenn das Alles so passiert, wäre Dish ein neuer Player in einem Markt mit drei ähnlich großen Mobilfunk-Giganten – als Konkurrenten. Zugleich würde das Dish zu einem neuen Standbein verhelfen. Wichtig,  da das Kerngeschäft – Satelliten-TV – wohl nur noch eine Generation lang profitabel bleibt. Wie es heißt.

Als Neueinsteiger auf einem Markt mit drei etablierten Unternehmen erfolgreich zu sein, wäre natürlich schwierig. „Es besteht die Möglichkeit, dass wir scheitern, es ist ein hartes Geschäft da draußen", so Ergen. „Aber Dish ist auch ein hartes Unternehmen." Wird der Deal genehmigt, übernimmt Dish 9,5 Millionen Boost-Mobile-Kunden, 500 Mitarbeiter, 7.500 Sprint-Filialen und etwa 20.000 Sendemasten. Man plant, Boost als Prepaid-Marke beizubehalten und gleichzeitig ein Postpaid-Geschäft zu starten – Postpaid-Kunden sind in der Regel profitabler für Mobilfunkunternehmen. Danach würde Dish damit beginnen, ein eigenes 5G-Netz Stadt für Stadt aufzubauen. Bis 2022 plant das Unternehmen, 10.000 Abonnenten in mehr als 100 Städten in seinem Netz zu haben. Zum Ausbau eines eigenen 5G-Netzes gebe es keine Alternative, so Ergen. Wenn das nicht passiert, würde man hohe Bußgelder an die FCC zahlen müssen. „Wenn wir es nicht aufbauen, wäre das finanzieller Selbstmord".

Inhalte

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