1. Bertelsmann

Umsatz 2020: € 17,290 Mrd.

Überblick

Das Unternehmenskonglomerat der Bertelsmann SE & Co. KgaA (eine nicht börsennotierte Kommanditgesellschaft auf Aktien) mit Hauptsitz in der westfälischen Kreisstadt Gütersloh ist in den Kerngeschäftsfeldern Medien, Dienstleistungen und Bildung in rund 50 Ländern aktiv und beschäftigte 2020 weltweit 132.842 Mitarbeiter.

Basisdaten

Hauptsitz
Carl-Bertelsmann-Straße 270 
33311 Gütersloh
Telefon: 05241 80 0
Website: bertelsmann.de/investor-relations

Branchen: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Tonträger, Musiklabel, Video/DVD, Druckereien, Druck- und Mediendienstleistungen, Free-TV, Radio, Film-/TV-Produktion, Multimedia, Internet-Services, E-Commerce, Rechtehandel.
Rechtsform: SE & Co. KGaA (seit August 2012)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1835

 

Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)
2020201920182017201620152014
Umsatz 17.28918.02317.67317.19016.95017.14116.675
Gewinn nach Steuern 1.4591.0911.1041.1981.1371.108573
Beschäftigte132.842126.447117.220119.089116.000117.249112.037

 

 

Umsatz nach Sparten (in Mio. €)
2020201920182017
RTL Group

6.017

6.6516.5066.373
Penguin Random House3.8023.6363.4243.359
Gruner + Jahr1.1351.3551.4401.513
BMG602600545507
Arvato4.3824.1754.1003.823
Bertelsmann Printing Group1.3621.5681.6391.681
Bertelsmann Education Group301333258189
Bertelsmann Investments121312-

Geschäftsführung

Geschäftsführung:

  • Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender Bertelsmann, CEO RTL Group
  • Markus Dohle, CEO Penguin Random House
  • Rolf Hellermann, Finanzvorstand
  • Immanuel Hermreck, Personalvorstand
  • Elmar Heggen, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und CEO RTL Group
  • Dirk Kemmerer, CEO Bertelsmann Printing Group
  • Kay Krafft, CEO Bertelsmann Education Group
  • Annabelle Yu Long, CEO Bertelsmann China Corporate Center und Managing Partner von Bertelsmann Asia Investments
  • Hartwig Masuch, CEO BMG
  • Madeline McIntosh, CEO Penguin Random House U.S.
  • Shobhna Mohn, Executive Vice President Growth Regions Strategy und Bertelsmann Investments
  • Gail Rebuck, Board Member Penguin Random House
  • Bernd Reichart, CEO Mediengruppe RTL Deutschland
  • Stephan Schäfer, CEO, Gruner + Jahr, Chief Content Officer Mediengruppe RTL Deutschland
  • Frank Schirrmeister, CEO Arvato Supply Chain Solutions
  • Karin Schlautmann, Leiterin Unternehmenskommunikation Bertelsmann
  • Nicolas de Tavernost, Chairman des Executive Board der Groupe M6

 

Aufsichtsrat:

  • Christoph Mohn, Vorsitzender des Aufsichtsrats, Vorstandsvorsitzender der Reinhard Mohn Stiftung, Geschäftsführer der Christoph Mohn Internet Holding GmbH, Gesellschafter der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
  • Prof. Dr.-Ing. Werner J. Bauer, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats, ehemaliger Generaldirektor der Nestlé AG für Innovation, Technologie, Forschung und Entwicklung, Gesellschafter der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
  • Kai Brettmann, Vorsitzender des europäischen Betriebsrats der RTL Group und Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Mediengruppe RTL Deutschland
  • Núria Cabutí, CEO Penguin Random House Grupo Editorial, Vorsitzende des Bertelsmann Management Representative Committee (BMRC)
  • Günter Göbel, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Bertelsmann SE & Co. KgaA
  • Bernd Leukert, Vorstand für Technologie, Daten und Innovation der Deutsche Bank AG
  • Gigi Levy-Weiss, Angel Investor
  • Dr. Brigitte Mohn, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
  • Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
  • Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Porsche Automobil Holding SE
  • Henrik Poulsen, Vorstandsvorsitzender Ørsted
  • Christiane Sussiek, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Corporate, Bertelsmann SE & Co. KGaA, Stellv. Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Bertelsmann SE & Co. KGaA
  • Bodo Uebber, ehem. Vorstandsmitglied der Daimler AG

zum Seitenanfang

Geschichte

1835 gründete der Gütersloher Drucker und Lithograph Carl Bertelsmann einen Verlag für religiöse Literatur. Sein Sohn Heinrich erweiterte das Geschäft durch Zukäufe von Verlagen und den Bau einer Druckerei; dessen Schwiegersohn Johannes Mohn fügte ab 1881 Fachzeitschriften und pädagogische Buchreihen hinzu. In der vierten Generation unter Johannes Mohns Schwiegersohn Heinrich Mohn wuchs der Verlag von Beginn der Weimarer Republik an kontinuierlich, vor allem durch Unterhaltungsromane. In der NS-Zeit lavierte sich der überzeugte Protestant Mohn durch die politischen Wirren, etwa als passives SS-Mitglied und Verleger von Wehrmacht- und NS-Literatur („Panzer am Feind", „Volk ohne Raum").

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Mohns politisch unbelasteter zweitjüngster Sohn Reinhard (Jahrgang 1921) den angeschlagenen Buch- und Kirchenverlag und formte daraus einen Weltkonzern. Das Erfolgsrezept: Sogenannte „Leseringe", die Bücher im Abonnement zum Billigpreis sowie eigene Lexika und Atlanten anboten. Für den Vertrieb sorgten aggressive Drückerkolonnen, die an Haustüren und in Innenstädten Kunden lockten. Das Club-Modell übertrug Mohn auch auf das Ausland. Mitte der 1950er Jahre trat er mit dem Kauf von Ariola zudem ins Schallplattengeschäft ein.

Der Ende der 1960er Jahre begonnene Erwerb eines Mehrheitsanteils am Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr („Stern", „Geo", „Brigitte") katapultierte die Gütersloher an die Spitze der deutschen Medienwirtschaft. Unter Bertelsmann-Regie exponierte Gruner + Jahr als erster deutscher Großverlag im Ausland und kaufte 1994 mehrere Titel der Zeitschriftengruppe der „New York Times" und Ende 2000 die Wirtschaftsmagazine „Fast Company" und „Inc." – doch im Juni 2005 beschloss man, für Branchenkenner unerwartet, den Rückzug aus den USA.

International bekannt wurde Bertelsmann bereits 1986 durch einen Doppelkauf: die Akquisition des New Yorker Traditionsverlags Doubleday und des Musikriesen MCA. Zeitweilig, bevor 1989 Time Inc. mit Warner Bros. fusionierte, war Bertelsmann damit der weltgrößte Medienkonzern. Auch im deutschen Privatfernsehen gehörte Bertelsmann zu den Pionieren. Der 1984 zusammen mit der CLT gegründete Sender RTL wurde 1993 Marktführer in Deutschland und stieg zu Europas größtem Privatkanal auf. Nachdem sich Bertelsmann 1995 an AOL beteiligt hatte, investierte der Konzern zunehmend in Internet-Aktivitäten, etwa den Aufbau der amerikanischen Internet-Buchhandlung barnesandnoble.com sowie in das europäische Pendant BOL. Um über möglichst viele Inhalte für das vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff (November 1998 bis Juli 2002) hoch geschätzte E-Commerce zu verfügen, kaufte Bertelsmann für 4,7 Milliarden D-Mark den New Yorker Verlag Random House und für knapp eine Milliarde die Mehrheit am wissenschaftlichen Springer-Verlag aus Heidelberg.

Anfang 1999 expandierte Bertelsmann weiter im TV durch den Kauf von Produktionsfirmen von Pearson und Fremantle, der Gründung des Kölner Senders Vox und durch den Erwerb eines 47-prozentigen Anteils am Nachrichtensender n-tv (im Tausch gegen die „Berliner Zeitung"). Für hohe Sondererlöse sorgten die Verkäufe der Anteile an AOL Europe (50%) und der Technikfirma Mediaways an AOL. Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen, Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender von 2002 bis 2007, trennte sich danach wieder von einigen Internet-Aktivitäten, konsolidierte das Geschäft (Fusion von BMG und Sony) und akquirierte den DVD-Verkaufsklub Columbia House in den USA. Der Direktvertrieb gehörte bis zum 30. Juni 2011 in den Geschäftsbereich Direct Group. Wegen sinkender Mitglieder- und Buchhandelsumsätze kam es neben Entlassungen und Portfolioveränderungen zu Verkäufen von Tochterunternehmen u.a. in Portugal, Italien, Australien, Neuseeland und Frankreich. Schließlich wurde die Direct Group und damit auch die legendären Buchclubs als eigenständiger Unternehmensbereich am 30. Juni 2011 aufgelöst.

Management

Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft

Bertelsmann wird über die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) gesteuert, in der 100 Prozent der Stimmrechte für alle Aktien gebündelt sind. An der Spitze steht ein Lenkungsausschuss, dem drei Mitglieder der Familie Mohn und drei gewählte, familienfremde Mitglieder angehören. Die BVG wurde eingerichtet, um die Interessen der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn als Aktionäre der Bertelsmanns zu wahren. Außerdem soll sie die Kontinuität und die Unternehmenskultur von Bertelsmann sichern.

Zu Beginn des Jahres 2012 wurde Hartmut Ostrowski vom Finanzvorstand Thomas Rabe als Vorstandsvorsitzender abgelöst. Rabe, Jahrgang 1965, gebürtiger Luxemburger mit deutschem Pass, „sportlich-asketischer Sohn eines EU-Beamtem“, läutete umgehend einen Strategiewechsel des Unternehmens ein: Der Konzern sollte wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufgestellt werden. Dies wollte er durch vier strategische Stoßrichtungen erreichen: Konsolidierung des Portfolios, Digitalisierung der Kerngeschäfte, Bildung neuer Wachstumsplattformen und vor allem durch Expansion nach China, Indien und Südamerika. Auch im Bildungsbereich wollte Bertelsmann zukünftig mehr investieren. Zudem sollte der Druckbereich in einer eigenen Sparte gebündelt werden.

2019: ein bewegtes Jahr. Im April 2019 trat RTL-CEO Bert Habets unter mysteriösen Umständen „aus persönlichen Gründen“ plötzlich von seinem Amt zurück. Lange wurde über die Gründe gerätselt, mittlerweile kann man sagen: Es waren wohl Habets Führungs- und Entscheidungsschwäche, die dazu führten. „Mit den Details war er nie richtig vertraut“, wurde kritisiert. Dazu sein schwieriges Verhältnis mit Nicolas de Tavernost, CEO der französischen RTL-Tochter M6, und mit der früheren RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt. Vielleicht, wird auch spekuliert, hängt die Sache auch mit den Vorwürfen einer „Veruntreuung von Firmengeldern in Millionenhöhe“ beim Onlineportal Stylehaul (im Juni 2019 von RTL eingestellt) zusammen. Habets als RTL-Chef habe sich unzureichend um die Aufklärung gekümmert. RTL-Mehrheitseigner Bertelsmann verweigerte Habets jedenfalls auf der Hauptversammlung im April die eigentlich übliche Entlastung für das abgelaufene Jahr.

2020: Thomas Rabe ist nach wie vor Geschäftsführer von Bertelsmann, den Chefposten bei RTL übernahm er nach Habets Abgang im April 2019 gleich mit. Schließlich kannte er das Haus, war er doch von 2000 bis 2005 schon Finanzvorstand der RTL Gruppe. Die neue Doppelfunktion ist jedenfalls eine für einen deutschen Dax-Konzern absolut unübliche Ämterhäufung. In der Presse wurde er im Anschluss zum „mächtigsten Bertelsmann-Chef aller Zeiten“. Eine weitere wichtige Personalie: Elmar Heggen, Chief Financial Officer der RTL Gruppe, ein enger Vertrauter Rabes. Rabe hat Heggen immer als seinen verlängerten Arm betrachtet. „Den CEO-Posten hat er ihm nie zugetraut“, so ein ehemaliger RTL-Vorstand. Was man noch liest: „Die Beiden kennen sich in und auswendig. Das neue Tandem an der Führungsspitze wird reibungslos funktionieren müssen. Denn Rabe wird zwischen Gütersloh und Luxemburg pendeln“.

Bertelsmann Stiftung

Die 1977 gegründete Organisation soll einerseits die Unternehmenskontinuität sichern, wie das Fortbestehen des Betriebes im Gütersloher Jargon gern heißt, andererseits fördert sie Zukunftsprojekte auf den Gebieten Medien, Gesellschaftspolitik, internationale Verständigung, Kultur, Bildung, Medizin und Gesundheit. Die Stiftung hält 77,6 Prozent der Kapitalanteile an der Bertelsmann SE & Co. KGaA. Bertelsmann war in seiner Anfangszeit von der evangelischen Erweckungsbewegung geprägt und streng pietistisch sowie entschieden konservativ ausgerichtet. Ein bisschen Missionsgeist ist geblieben: Gesellschaftspolitisches Engagement nimmt Bertelsmann heute über die eigene Stiftung wahr, die sich auch zur Pflege des Meinungsklimas sowie der Kontaktaufnahme mit ranghohen Politikern gut nutzen lässt. Das Ergebnis der Anstrengungen war ein positives liberales Image, das der Bertelsmann SE & Co. KGaA seit Jahren anhaftet, anders als etwa dem 1985 verstorbenen Verleger Axel Springer oder dem Filmhändler Leo Kirch. Dabei hatte zum Beispiel die frühe Beteiligung des Bertelsmann-Personals am Betriebsgeschehen von vornherein den angenehmen Nebeneffekt, dass sich dank der Mitarbeiterdarlehen und Genussscheine die großen Akquisitionstouren des Konzerns auch ohne immense Bankschulden finanzieren ließen. Bertelsmann solle stets gegen Begehrlichkeiten von Geldgebern sowie Attacken von Konkurrenten immun sein, verfügte Mohn. Für Kritik an der Bertelsmann-Stiftung sorgt seit Mai 2014 deren Einsatz für das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP. Die Stiftung, so Kritiker, setze sich für das Vorhaben ein, von dem auch der in Europa und den USA aktive Bertelsmann-Konzern profitieren würde, was eine Verletzung der Stiftungsgrundsätze darstelle.

Geschäftsfelder

Bertelsmann ist in acht Unternehmensbereiche unterteilt: RTL, Penguin Random House, G+J, BMG, Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Eductation Group und Bertelsmann Investments.

Fernsehen/Radio/Inhalte:
Die RTL Gruppe, u.a. RTL, RTL 2, Super RTL, Vox, n-tv, M6 (Frankreich), weitere RTL-Sender (Niederlande, Luxemburg, Kroatien, Ungarn), Antena 3 (Spanien), an der Bertelsmann mit 75,1 Prozent beteiligt ist, hat ihr Portfolio auf 67 TV- und 38 Radiostationen, und zehn Streaming-Plattformen ausgedehnt. Der RTL-Produktionsarm Fremantle Media ist einer der größten internationalen Entwickler, Produzenten und Vertriebe von fiktionalen und non-fiktionalen Inhalten weltweit. Fremantle hat Filialen in 31 Ländern und produziert über 12.000 Stunden Programm jährlich. Zudem vertreibt das Unternehmen mehr als 20.000 Programmstunden in über 200 Ländern.

Buchverlage:
Im Dezember 2019 meldete Bertelsmann die Übernahme der restlichen 25 Prozent an Penguin Random House von Pearson, für 675 Mio. US-Dollar. Penguin Random House, mit über 300 eigenständigen Buchverlagen auf sechs Kontinenten, 15.000 Neuerscheinungen und rund 600 Millionen verkauften Büchern, E-Books und Hörbüchern im Jahr die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt, gehört jetzt also vollständig zu Bertelsmann.

Presse:
Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr war 1965 von Richard Gruner, dem Inhaber einer Druckerei im schleswig-holsteinischen Itzehoe, und den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius in Hamburg gegründet worden. Heute ist Gruner + Jahr ist einer der führenden Magazinverlage Europas. Zu ihm gehören so etablierte Marken wie „Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Essen & Trinken“ und „Schöner Wohnen“ – dazu junge Marken wie „Chefkoch“, „Barbara“, „Beef“ und „11 Freunde“. Insgesamt veröffentlicht Gruner + Jahr rund 500 gedruckte und digitale Medienangebote in mehr als 20 Ländern.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in Deutschland und Frankreich, wo Prisma Media zu den reichweitenstärksten Verlagen zählt. Das Digitalgeschäft trägt ein Viertel zum Umsatz bei. Die digitalen Angebote besetzen führende Positionen in allen Segmenten, von News über People bis Living. Außerdem hält G+J die Mehrheit am Special-Interest-Verlag Motor Presse Stuttgart („Auto Motor und Sport“), an der DDV Mediengruppe in Dresden („Sächsische Zeitung“) und ist an der Spiegel-Gruppe beteiligt („Spiegel“, „Manager Magazin“). Die Gruner + Jahr-Gruppe gehört Bertelsmann zu 100 Prozent.

Musik:
Zunächst beschloss Bertelsmann, bereits seit den 1950ern im Musikmarkt aktiv, sein Musikgeschäft 2003 „wegen rückläufiger Umsätze“ mit Sony zusammenzulegen. 2006 verkaufte man auch die Tochter BMG Music Publishing an Universal/Vivendi. Auch die 50prozentige Beteiligung an Sony BMG gab man 2008 ab. Dann die Kehrtwende im selben Jahr. Am 1. Oktober 2008 gründete Bertelsmann ein Joint-venture zur Musikrechtevermarktung mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Anfang März 2013 wurde bekannt, dass Bertelsmann die KKR-Anteile (51 Prozent) an BMG für rund 750 Millionen übernommen hatte.  

Heute vertritt BMG, viertgrößter Musikverlag der Welt (nach Universal, Warner, Sony), mit 20 Niederlassungen auf zwölf Kernmusikmärkten mehr als drei Millionen Titel und Aufnahmen, darunter jene der Kataloge von Alberts Music, Broken Bow Music Group, Bug, Cherry Lane, Chrysalis, Mute, Primary Wave, Sanctuary und Trojan.

Dienstleistungen:
Die zu Bertelsmann gehörende Arvato AG, einer der weltweit größten Medien- und Kommunikationsdienstleister, bietet etwa „SCM- und IT-Lösungen sowie Finanz- und Kundenkommunikationsdienstleistungen, die laufend mit den Innovationsschwerpunkten Automatisierung und Daten/Analytics weiterentwickelt werden“.

Bertelsmann Printing Group:
In der Bertelsmann Printing Group sind die Druckaktivitäten von Bertelsmann gebündelt. Dazu zählen die deutschen Offsetdruckereien Mohn Media, GGP Media und Vogel Druck, die Tiefdruckaktivitäten von Prinovis in Deutschland und Großbritannien sowie die Offset- und Digitaldruckereien Berryville Graphics, Coral Graphics und OPM in den USA. Weiter gehören dazu die Werbeagentur MBS, die RTV Media Group und Sonopress. Die Bertelsmann Printing Group gehört zu 100 Prozent zu Bertelsmann.

Bertelsmann Education Group:
Mit digitalen Bildungs- und Dienstleistungsangeboten, die ihre Schwerpunkte in den Sektoren Gesundheit und Technologie haben, möchte Bertelsmann einen Teil des auf fünf Milliarden geschätzten Marktes für digitale Bildungsangebote abgreifen. Im Herbst 2014 stieg Bertelsmann folglich am Online-Kurs-Anbieter Udacity ein und kaufte für einen dreistelligen Millionenbetrag die E-Learning-Plattform Relias Learning, die auf Fortbildungen im Gesundheitsbereich spezialisiert ist. Seit 2015 ist die 100-prozentige Tochter Bertelsmann Education Group auch der größte Anteilseigner von HotChalk, einem führenden Bildungsdienstleister in den USA.

Bertelsmann Investments: Unter dem Investments-Segment sind die globalen Start-up-Beteiligungen von Bertelsmann gebündelt. Schwerpunkt der Aktivitäten sind die Wachstumsregionen Brasilien, China, Indien und die USA. Über diverse Investmentfonds ist Bertelsmann an mehr als 250 Start-ups beteiligt.

zum Seitenanfang

Aktivitäten in Brasilien, China und Indien

In China ist Bertelsmann über den Investment-Fond BAI an 25 Unternehmen und Start-Ups beteiligt, darunter auch die Jobbörse Lagou.com. 2014 startete die RTL-Gruppe ihren ersten Fernsehsender in Indien. "Big Thrill RTL" sendet im Bundesstaat Uttar Pradesh Serien wie "Alarm für Cobra 11" auf Hindi. In Indien ist Bertelsmann zudem an den Online-Plattformen Pepperfry.com, Indianproperty.com, Wiziq.com dem Musikstreamingdienst Saavn sowie einem Kapitalgeber für Start-Ups, Digital Nirwana, und dem Hochschul-Dienstleister iNurture beteiligt.

In Brasilien ist Bertelsmann im privaten Bildungssektor aktiv und hält 40 Prozent der Anteile am Weiterbildungsunternehmen Affero Lab. Zu weiteren Aktivitäten zählen der Motorsport-Magazinverlag Motor Press Brasil und der Buchverlag Companhia das Letras.

Aktuelle Entwicklung

Als Thomas Rabe im April 2019 neben dem Bertelsmann-Chefposten auch die Spitze der RTL-Gruppe übernahm, stieg er für das Handelsblatt gleich zum „mächtigsten Bertelsmann-Chef aller Zeiten" auf. 2020 hat Bertelsmann dann so viel Geld verdient wie noch nie – und das trotz, oder gerade wegen Corona. Schwache Geschäftsfelder konnten durch starke mehr als ausgeglichen werden, der Konzerngewinn wuchs um mehr als dreißig Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz fiel nur um vier Prozent auf 17,29 Milliarden Euro. Auch, weil analoge Medien wie das Buch laut Thomas Rabe weiterhin viel genutzt werden: „Eine Abkehr vom Analogen habe ich in Corona-Zeiten nicht festgestellt. Das hängt einfach damit zusammen, dass weiterhin grundsätzlich gelesen wird und in Corona-Zeiten noch mehr.“ Ende 2020 baute Bertelsmann das Buchgeschäft weiter aus und übernahm die viertgrößte Buchverlagsgruppe der USA, den Verlag Simon & Schuster für mehr als 2 Milliarden US-Dollar (mit Autoren wie Hillary Clinton, John Irving oder Stephen King).

Im Januar 2021 verlängerte Bertelsmann den Vertrag mit Konzernchef Rabe vorzeitig bis Ende 2026. Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Mohn: „Thomas Rabe ist ein Stratege mit herausragenden analytischen Fähigkeiten." Die Verlängerung des CEO-Vertrags sei „in einer Zeit immer schnellerer Veränderungen ein klares Zeichen von Kontinuität“.

Anfang August 2021 dann wird bekannt: Rabe plant eine Fusion der konzerneigenen Mediengruppen RTL (RTL, N-TV, Vox, Super RTL, bald „Toggo“) und Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Capital“, „Schöner Wohnen“, „Eltern“, „Art“). TV schluckt Print (voraussichtlich am 01.01.2022), RTL würde die Magazingeschäfte und Marken von G+J für 230 Millionen Euro übernehmen. Hamburg bleibt Sitz von Gruner und Jahr auch nach der Fusion, 1.700 Journalisten werden in dem neuen Unternehmen arbeiten, die 25,5-prozentige Beteiligung am „Spiegel“ bleibt bei Bertelsmann.

Fernseh-, Streaming-, Radio- und Printformate in einer Hand: Thomas Rabe hat nach eigenem Bekunden „leichte Euphorie“ ergriffen. Die beiden Unternehmen können „ihr Wachstumspotential so gemeinsam besser ausschöpfen“. Man wolle „nicht einfach so weiterwerkeln“ wie bisher. „Kein anderer Medienkonzern hierzulande kann ein derartiges, gattungsübergreifendes Wachstumsbündnis schaffen“, so Rabe. Die Mediengeschäfte auf dem deutschen Markt seien im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen wie Netflix, Google oder Amazon gestärkt. RTL als „Powerhouse für unabhängigen Journalismus, Inspiration und positive Unterhaltung“. Für mehr Seriosität. Die Ex-ARD-Leute Jan Hofer und Pina Atalay sollen das Nachrichtenmagazin „RTL direkt“ moderieren, parallel zu den „Tagesthemen“.

Zweifel am RTL/G+J-Medienverbund kommen etwa vom österreichischen RTL-Gründer Helmut Thoma. „Was soll denn da herauskommen? Wo sollen denn, bitte schön, all die tollen Inhalte herkommen?“ Ist es nur ein „Marketingkonzept“ zur „Abwicklung des einstigen Großverlags G+J“ (Handelsblatt)? Nur die „Technokraten-Fantasie“ der Fusion zweier doch kulturell sehr unterschiedlicher Konzerne? Bei RTL mache man sich über die „linksorientierte Geldvernichtungsmaschine“ aus Hamburg lustig, bei Gruner und Jahr über „die alte Trashkultur“.

Außerdem sieht man im IfM-Ranking der weltgrößten Medien- und Wissenskonzerne erstmals, wie der traditionelle, 1835 gegründete Medienkonzern Bertelsmann (Platz 19) vom immer noch jungen Streaming-Dienst Netflix (Platz 15) überholt wird, um rund viereinhalb Milliarden Euro (Umsatzzahlen von 2020).