2. ARD

Umsatz 2021: € 6,927 Mrd.

Überblick

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Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, ist der größte öffentlich-rechtliche Senderverbund der Welt, vor der BBC und der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK (und vor France Télévisions, RAI und dem ZDF). Die Einnahmen der ARD aus dem Rundfunkbeitrag und aus Werbung übersteigen die Budgets der meisten kommerziellen Medienkonzerne im klassischen Fernseh- und Hörfunkgeschäft. Doch ist es innerhalb des ARD-Konglomerats umstritten, ob der Zusammenschluss einzelner Landesrundfunkanstalten überhaupt als Unternehmen, im ökonomischen und im kulturellen Sinne, gilt. Die ARD verantwortet unter anderem das Vollprogramm Erstes Deutsches Fernsehen, das seit April 1996 unter dem Markenbegriff „Das Erste“ firmiert.

Basisdaten

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Hauptsitze:

ARD-Programmdirektion
Arnulfstraße 42
80335 München
Telefon: 089 / 5900-01
Website: www.daserste.de

ARD-Generalsekretariat Berlin
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Telefon: 030 / 8904 313-11
Website: www.ard.de

Branche: Fernsehen, Hörfunk, Online-Angebote, Merchandising
Rechtsform: nicht rechtsfähige, öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1950

Ökonomische Basisdaten
20212020201920182017201620152014
Etat/Umsatz (in Mio. €)6.9276.9787.0036.9017.1256.9076.9116.910
Planstellen22.27120.04019.97219.09619.24919.13620.61720.693

 

 

Erträge bzw. Etats der Rundfunkanstalten (in Mio. €)¹

2021202020192018201720162015Planstellen
2021²
Westdeutscher Rundfunk, Köln1.5311.4211.4901.4411.5651.5681.4384.211
Südwestrundfunk, Stuttgart1.2881.3261.2731.2881.3931.2061.2313.651
Norddeutscher Rundfunk, Hamburg1.1701.1061.1451.1201.1121.1141.1603.894
Bayerischer Rundfunk, München1.1191.0701.0841.0731.0791.0771.0753.608
Mitteldeutscher Rundfunk, Leipzig7877617877717787407812.129
Hessischer Rundfunk, Frankfurt5115075035125065085221.877
Rundfunk Berlin-Brandenburg, Berlin/Potsdamn/a4844834584614734762.058
Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken133125127128127120127615
Radio Bremen, Bremen120111111110104101101228
Gesamt71446.9117.0036.901
7.125
6.907
6.91122.271
ZDFn/a2.2082.199 2.2272.1882.1992.1953.631
Deutschlandradion/a250253250253233239725

¹ Die Erträge beinhalten neben den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, der Hauptfinanzierungsquelle der öffentlich-rechtlichen Sender, unter anderem Erlöse aus Werbung und Sponsoring sowie sonstige Erlöse und teilweise auch Einnahmen aus dem ARD-Finanzausgleich (beim Saarländischen Rundfunk und Radio Bremen).

² Die angegebenen Planstellen enthalten nicht die Stellen von ausgegliederten ARD-Gemeinschaftseinrichtungen wie beispielsweise ARD-aktuell oder die von ARD und ZDF getragenen Spartenkanäle Kinderkanal (Kika) und Phoenix. Außerdem sind in den Zahlen nicht die Stellen von Tochterfirmen der öffentlich-rechtlichen Sender wie etwa der ARD-Werbegesellschaften enthalten.

Geschäftsführung

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ARD-Vorsitz und -Geschäftsführung:
Tom Buhrow (WDR-Intendant)
Westdeutscher Rundfunk
Appellhofplatz 1
50667 Köln
Telefon: 0221 220-0
Website: www.ard.de/die-ard

ARD-Programmdirektorin:
Christine Strobl 

ARD-Chefredakteur:
Oliver Köhr

ARD-Generalsekretärin:
Dr. Susanne Pfab


Intendantinnen und Intendanten der neun ARD-Landesrundfunkanstalten:

  • WDR: Tom Buhrow (seit 1.7.2013)
  • SWR: Prof. Dr. Kai Gniffke (seit 1.9.2019)
  • NDR: Joachim Knuth (seit 13.1.2020)
  • BR: Dr. Katja Wildermuth (seit 1.2.2021)
  • MDR: Prof. Dr. Karola Wille (seit 1.11.2011)
  • HR: Florian Hager (seit 1.3.2022)
  • RBB: Dr. Katrin Vernau (Interimsintendantin seit 7.9.2022)
  • SR: Martin Grasmück (seit 1.5.2021)
  • Radio Bremen: Dr. Yvette Gerner (seit 1.8.2019)

Geschichte

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Die ARD wurde im Juni 1950 gegründet. Die Satzung der ARD benennt als Ziel der Arbeitsgemeinschaft unter anderem die „Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms sowie gemeinsamer Fragen rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Art“. Gründungsmitglieder waren der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), Radio Bremen, der Süddeutsche Rundfunk (SDR), der Südwestfunk (SWF), der später geteilte Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) sowie mit beratender Stimme der damalige RIAS Berlin. Analog zum föderalen Aufbau der Bundesrepublik (Kultur als Ländersache) wurde bei der ARD die Form einer nicht rechtsfähigen Arbeitsgemeinschaft auch deshalb gewählt, um sich von der Rolle des zentralisierten Propagandafunks der NS-Zeit deutlich abzugrenzen. Allerdings führte das Modell eines lockeren Zusammenschlusses von Rundfunkanstalten ganz unterschiedlicher Größe und volatiler politischer Verankerung auch zu aufwändigen bürokratischen Verfahren, neuen politischen Abhängigkeiten, Behördenmentalität und zu entsprechender Reaktionsschwäche im liberalisierten Medienmarkt.

Die Geschäftsführung der ARD wechselt in der Regel im zweijährlichen Turnus. ARD-Vorsitzender ist der Intendant der jeweils geschäftsführenden Landesrundfunkanstalt. Daneben verfügt die ARD über eine zentrale Programmdirektion in München für die Koordination und Planung des Ersten Deutschen Fernsehens, dessen Chef – der ARD-Programmdirektor – lange Zeit als „König ohne Land“ galt. Denn er muss weitgehend abhängig von den Beschlüssen der Intendanten agieren. Dem von 1992 bis Oktober 2008 amtierenden ARD-Programmdirektor Günter Struve gelang es aber in zäher Kleinarbeit, die Stellung der Münchner Dependance zu stärken. Er zentralisierte das Marketing des Ersten und nahm wesentlichen Einfluss auf die gesamte Programmstruktur. Struves Leidenschaft galt dem quantitativen Erfolg des Ersten bei gleichzeitiger Wahrung eines öffentlich-rechtlichen Programmniveaus. Dabei musste sich er sich von Kritikern immer wieder vorwerfen lassen, dass er den Informationsanteil des Ersten zugunsten der Unterhaltung entkernt habe. Tatsächlich gibt es nur noch wenige auffällige Reportagen und Dokumentationen im Ersten, in der Primetime (20.00 bis 23.00 Uhr) tauchen sie fast gar nicht mehr auf – und durch eine Anfang 2006 gültige Programmreform wurde die Sendezeit der politischen Magazine zudem von 45 auf 30 Minuten reduziert.

Mitte 2006 schuf die ARD als neue Stabsstelle ein Generalsekretariat, das in Berlin angesiedelt wurde und das alte, 1965 gegründete ARD-Büro in Frankfurt am Main ablöste. Die ARD wurde durch diesen Schritt auch medienpolitisch in der Hauptstadt präsent. Das Generalsekretariat ist dem jeweils amtierenden ARD-Vorsitzenden direkt unterstellt, die Leitung des Generalsekretariats soll den ARD-Vorsitzenden in seiner Arbeit unterstützen. Laut Stellendefinition ist die Leitung des Generalsekretariats verantwortlich für die strategische Positionierung des Senderverbundes und die Interessenvertretung nach außen. Zugleich hat die leitende Person auch den stellvertretenden Vorsitz der ARD-Strategiegruppe. Sie hat zudem das Recht, an Sitzungen aller Kommissionen und Arbeitsgruppen des Senderverbundes teilzunehmen und mitzuwirken. Das gilt auch für Tochterunternehmen der ARD sowie für Sitzungen der Fernsehprogrammkonferenz und der politisch relevanten Gremien der ARD.

Die ARD unterhält weitere Zentraleinrichtungen wie die in Frankfurt am Main ansässige Degeto Film GmbH (für die ARD-Fernsehfilmproduktion, den Rechtehandel mit diesen Filmen und für Produktionsbeteiligungen), das in Potsdam und Frankfurt am Main angesiedelte Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) und – zusammen mit dem ZDF – die ARD/ZDF-Medienakademie (2007 hervorgegangen aus der Zentralen Fortbildung der Programm-Mitarbeiter/ZFP). Außerdem ist die ARD beteiligt am in Köln ansässigen „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“, der im Januar 2013 an die Stelle der vorherigen Gebühreneinzugszentrale (GEZ) trat und jetzt, laut dem neuesten Rundfunkbeitragsstaatsvertrag, für den Einzug der Rundfunkbeiträge zuständig ist. Die Redaktion ARD-aktuell hat ihren Sitz beim NDR in Hamburg; mit rund 200 Mitarbeitern erstellt sie die aktuellen TV-Nachrichtensendungen („Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Nachtmagazin“, „Wochenspiegel“). Ansonsten gilt bei der ARD das föderale Prinzip. Federführung haben bei senderübergreifenden Projekten jeweils einzelne Landesrundfunkanstalten, etwa bei Übertragungen großer Sportereignisse.

Die Fernseh- und Radioprogramme der ARD waren und sind ein wesentlicher kultureller und gesellschaftlicher Faktor in der Geschichte der Bundesrepublik. Nationale Wirkungen erzielten ab den 1960er Jahren Politikmagazine wie „Panorama“, vom NDR nach BBC-Vorbild geschaffen, oder „Monitor“ vom WDR, zeitkritische Fernsehspiele von Regisseuren wie Egon Monk, Peter Beauvais, Eberhard Fechner oder Heinrich Breloer, die „Stuttgarter Schule“ des dokumentarischen Fernsehens, Unterhaltungssendungen mit Hans-Joachim Kulenkampff und Rudi Carrell. Da sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den 1950er Jahren in vielen Redaktionen zu einem Sammelplatz der kritischen Intelligenz entwickelt hatte, galt der ARD-Verbund schon für die seinerzeitige Adenauer-Administration als suspekt und linkslastig. Ende der 1950er Jahre versuchte Kanzler Konrad Adenauer (CDU), mit dem Projekt eines „Freien Fernsehens“, einer Mischung aus Staats- und kommerziellem TV, das „ARD-Monopol“ zu brechen. Mit dem sogenannten „Fernsehurteil“ stoppte das Bundesverfassungsgericht 1961 die Adenauer-Pläne. Vom Juni 1961 bis Ende März 1963 wurde täglich etwa 150 Minuten lang ein zweites ARD-Programm ausgestrahlt, bis am 1. April 1963 das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Mainz als zusätzlicher bundesweiter Sender seinen Programmbetrieb aufnahm. Am 22. September 1964 startete der Bayerische Rundfunk ein bildungs- und kulturorientiertes Drittes Fernsehprogramm. Diesem Modell folgten schrittweise alle ARD-Landesrundfunkanstalten. Ein gemeinsames Drittes Programm veranstalteten der NDR und Radio Bremen sowie zum Teil der SWR und der Saarländische Rundfunk. Inzwischen sind diese Dritten Programme überwiegend regional und kaum noch bildungsorientiert ausgerichtet. Der Bayerische Rundfunk startete im Januar 1998 den Bildungsfernsehkanal BR-alpha, der Ende Juni 2014 in ARD-alpha umbenannt wurde. 

Im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 1976 wurde dem ARD-Fernsehen seitens der CDU/CSU (im Verbund mit der publizistikwissenschaftlichen „Mainzer Schule“ der Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann) vorgeworfen, die Wahlen zum Nachteil der Unionsparteien beeinflusst zu haben. Danach nahm der politische Druck auf die ARD, deutlich sichtbar im Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen, ständig zu. Unter der Ägide von Bundeskanzler Helmut Kohl und des seinerzeitigen Postministers Christian Schwarz-Schilling (beide CDU) wurden seit 1984 auch in der Bundesrepublik private Fernseh- und Hörfunkangebote zugelassen. Wie sich zeigen sollte, tangierte diese Entwicklung nachhaltig das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Trotz großzügiger Finanzausstattung sah sich das ARD-Management, auf die neuen Marktverhältnisse nur unzureichend vorbereitet und politisch, ökonomisch und medienkulturell bedroht. 

Im Januar 1995 schlugen die Ministerpräsidenten Sachsens und Bayerns, Kurt Biedenkopf (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), in einem Aufsehen erregenden Papier die Abschaffung des Ersten Deutschen Fernsehens und eine Reduktion der ARD auf größere Landessender mit nur noch Regionalfernseh- und Hörfunkprogrammen vor, falls die ARD nicht intensive Rationalisierungsmaßnahmen einleite. Die ARD kam den Forderungen nach. Aus den bis dahin elf Landesrundfunkanstalten wurden neun. 1998 wurden der Südwestfunk (SWF) und der Süddeutsche Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR) zusammengelegt; am 1. Mai 2003 entstand aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) die neue Zwei-Länder-Anstalt Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Politische Angriffe auf die Existenz und Grundstruktur der ARD fanden danach nicht mehr statt. 

Seit der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab 2006/07 seine Angebote verstärkt auch via Internet zugänglich macht, steht die ARD (wie auch das ZDF) im Zentrum heftiger Kritik vor allem seitens der Verleger, die hier eine Wettbewerbsverzerrung sehen. Sie fordern, dem gebührenfinanzierten Rundfunk müssten für sein Online-Engagement deutliche Grenzen gesetzt werden, da ansonsten das privatwirtschaftliche Geschäftsfeld der Verlage in seiner Existenz bedroht sei. In der Folge wurden der ARD per Rundfunkstaatsvertrag sogenannte Drei-Stufen-Tests vorgeschrieben. Mit diesen aufwändigen Verfahren mussten bis Ende August 2010 alle bereits bestehenden Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender geprüft werden. Die ARD hatte anschließend rund 35 Drei-Stufen-Tests zu absolvieren. Dies geschah unter der Verantwortung der Rundfunkräte der Landesrundfunkanstalten, wobei die Gremien in großem Umfang kostenpflichtige Prüfauftrage an externe Gutachter vergaben. Bis auf ein Verfahren beim NDR, das etwas später beendet wurde, wurden alle Verfahren bis Juli 2010 abgeschlossen. Ein Ergebnis war zwar, dass die ARD nach eigenen Angaben über 100.000 einzelne Dokumente aus dem Internet löschen musste; doch am Ende wurden im Grundsatz sämtliche bestehenden Online-Angebote der ARD relativ problemlos genehmigt. Das wurde von Kritikern zwar als bescheidenes Ergebnis eines fast megaloman anmutenden bürokratischen Verfahrens bezeichnet, seither aber stehen die Telemedien-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender auf rechtlich gesichertem Boden.

Im Frühjahr 2018 war mit dem WDR die größte ARD-Anstalt von „#MeToo“-Vorwürfen betroffen, also Vorwürfen sexueller Belästigung. WDR-Intendant Tom Buhrow beauftragte daraufhin Monika Wulf-Mathies, früher unter anderem EU-Kommissarin und Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), als externe Prüferin. Intendant Tom Buhrow räumte daraufhin ein, dass es Vorwürfe gegen rund ein Dutzend Mitarbeiter gegeben hat und versprach als Konsequenz zukünftig noch stärker auf ein „diskriminierungsfreies und respektvolles Arbeitsklima“ zu achten. 

2019 geriet ein sogenanntes Framing-Papier der ARD an die Öffentlichkeit. In dem 89-seitigen Papier mit dem Titel „Framing-Manual – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ wurden von der Sprachwissenschaflerin Elisabeth Wehling unter anderem Vorschläge dazu gemacht, wie sich die Vorzüge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in eine überzeugende und akzeptablere Sprache fassen ließen – etwa mit Formulierungen wie „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Wenig überraschend löste das Framing-Papier eine öffentliche Debatte aus, bei der die ARD unter Druck geriet. So wurde der ARD vorgeworfen, mit dem Papier Mitarbeitern eine Anleitung dafür zu geben, wie sich Debatten über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk manipulieren ließen. 

Programmgestalterisch fiel die Anstalt indes zuletzt dadurch auf, dass sie, mit Kalkulation auf mehr Quotenerfolg, am Vorabend den Anteil an Quizsendungen noch weiter ausbaute, sie teilweise als mehrstündige Samstagabendshow sendete (etwa „Wer weiß denn sowas? XXL“) und im Abendprogramm noch mehr Krimiformate einführte, insbesondere Tourismusort-Krimis am Donnerstagabend wie „Der Athen-Krimi“, „Der Amsterdam-Krimi“ oder „Der Barcelona-Krimi“. Im Sektor der Premium-Serien, der – ausgelöst durch den US-amerikanischen Streaming-Anbieter Netflix – der einen Boom erlebt, blieb die ARD bisher wenig auffällig. Sie war in diesem Bereich insbesondere mit der DDR-Familiensaga „Weissensee“ (vier Staffeln, 2010, 2013, 2015, 2018) und der historischen Krankenhausserie „Charité“ präsent (bisher drei Staffeln; 2017, 2019, 2021) und mit der auf den Romanen von Volker Kutscher beruhenden, auch international erfolgreichen Kriminalserie „Babylon Berlin“, die in Kooperation mit dem Pay-TV-Sender Sky entstand, der das Recht erhielt, die Staffeln der Serie jeweils mit rund einjährigem Vorlauf erstauszustrahlen. 

Im Bereich Dokumentation/Reportage gibt es im Ersten in der Sendezeit nach 20.00 Uhr nur noch einen einzigen Abend mit festen Terminen: Es ist der Montagabend mit den Reihen „Die Story im Ersten“ (22.45 bis 23.30 Uhr) und „Geschichte im Ersten“ (23.30 bis 0.15 Uhr). 90-minütige Dokumentarfilme sind im Ersten Programm eine Seltenheit geworden. Sie laufen nur noch sechs- bis achtmal pro Jahr, und zwar abends im Sommer, wenn die Talkshows pausieren und dadurch Sendeplätze frei sind.

Management

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Die Stelleninhaber bei der ARD sind fast ausschließlich durch Hausberufungen auf ihre Posten gelangt. Der Umbruch des deutschen Fernsehmarkts in den 1980er Jahren führte eher zu hoheitlichen Deklamationen und Wagenburg-Mentalitäten als zu einer handlungsorientierten Selbstreflexion. Der Abbau des aufgeblähten ARD-Verwaltungsapparats wurde nur zögerlich angegangen. Ebenso langsam setzte sich ein Bewusstsein für Marketing und Public Relations durch. ARD-Führungspositionen wurden bisher in der Regel nach politischer Couleur und interner Bewährung vergeben. Die erste Frau an der Spitze einer Intendanz wurde erst 2003 Dagmar Reim (RBB), die erste ARD-Vorsitzende überhaupt war im Jahr 2010 Monika Piel. Regelmäßig wird auch anlässlich der Besetzung von Intendanten-Posten die Verflechtung von Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk diskutiert – insbesondere als mit CDU-Mitglied und Merkel-Sprecher Ulrich Wilhelm 2010 der BR-Intendant direkt aus dem Umfeld der Bundesregierung rekrutiert wurde.

Die Diskussion über zuviel Nähe von Politik und ARD flammte erneut auf mit der Ernennung von Christine Strobl zur neuen Programmdirektorin, da sie ebenfalls CDU-Mitglied, Tochter von Wolfgang Schäuble und Ehefrau des Baden-Württembergischen Innenminister ist. Strobl war zuvor Chefin der ARD-Tochtergesellschaft Degeto, die sie aus der wirtschaftlichen Krise führte und deren internationales Profil sie dank Produktionen wie „Babylon Berlin“ schärfte.

Geschäftsfelder

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Fernsehen:
Für ihre Informationsberichterstattung verfügt die ARD über das größte Auslandskorrespondentennetz der Welt (rund 90 Korrespondenten in über 30 Metropolen), die dem Ersten und auch den Dritten Programmen für ihre Informationssendungen zuarbeiten. Führende Marken der ARD sind die Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Außerdem zählen die Krimireihe „Tatort“, die ARD-„Sportschau“ mit Zusammenfassungen von der Fußball-Bundesliga, abendliche Serien wie „In aller Freundschaft“ oder „Um Himmels Willen“ zu den bekannten Marken im Ersten. 

Mehr als alle anderen Sender hatte die ARD in den vergangenen Jahren versucht, sich mit Talkshows zu profilieren. An den verschiedenen Wochentagen sind im Ersten nach zwischenzeitlich fünf abendlichen Talkformaten – was vielfach als Überangebot kritisiert wurde – mittlerweile nur noch drei im Programm: „Anne Will“ am Sonntag, „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg am Montag und am Dienstag „Maischberger. Die Woche“

Dritte Programme:
Die Dritten Programme sind in den 1980er Jahren sukzessive zu Vollprogrammen ausgebaut worden, die meisten werden über Kabel und Satellit und mittlerweile zusätzlich im Internet auch bundesweit verbreitet. Ihren ursprünglichen Charakter als Experimentierfeld und formelle Bildungsinstitutionen haben die Dritten nahezu vollständig verloren. In den zurückliegenden Jahren haben sie dafür das Regionale als ihre eigentliche Stärke entdeckt, die ihnen hervorragende Einschaltquoten garantiert. Zum Teil werden die Dritten Programme auch als Experimentierfläche für neue Formate genutzt, die im Erfolgsfall ins Erste Programm wechseln können.

Sonder-TV-Engagements:
Ihren 1986 gestarteten Kulturfernsehkanal Eins plus gab die ARD Ende November 1993 auf und beteiligte sich stattdessen mit 30 % am von ZDF, ORF (Österreich) und SRG (Schweiz) betriebenen Gemeinschaftsprojekt 3sat, dem internationalen deutschsprachigen Kulturfernsehen. Seit 1992 ist die ARD zudem mit 25 % am in Straßburg angesiedelten deutsch-französischen Kulturfernsehkanal Arte beteiligt (ZDF: ebenfalls 25 %, Arte France: 50 %). 1997 starteten die beiden öffentlich-rechtlichen Spartenfernsehprogramme Phoenix und KIKA. Phoenix ist ein sogenannter Ereignis- und Dokumentationskanal und hat seinen Sitz in Bonn. Beim KIKA handelt es sich um den unter MDR-Federführung in Erfurt angesiedelten Kinderkanal. An diesen beiden Sendern sind ARD und ZDF mit je 50 % beteiligt.Hinzu kommen zwei Spartenprogramme: die Sender Tagesschau24 und One. 

Radio:
Die neun ARD-Landesrundfunkanstalten betreiben über 60 Hörfunkprogramme. 

Internet:
Nach langen Verhandlungen gab es im Oktober 2015 von den Ministerpräsidenten der Länder grünes Licht für ein völlig neues öffentlich-rechtliches Online-Jugendangebot, das die ARD gemeinsam mit dem ZDF veranstaltet. Das neue Angebot, das auf die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ausgerichtet ist, startete unter dem Namen „Funk“ am 1. Oktober 2016. Die Beiträge, die für Funk produziert werden, sind über die eigene Website abrufbar (www.funk.net), werden aber insbesondere auch auf viel genutzten Plattformen wie YouTube, Facebook oder Instagram verbreitet. Funks Budget von rund 45 Millionen Euro jährlich wird zu zwei Dritteln von der ARD und zu einem Drittel vom ZDF finanziert.

Aktuelle Entwicklungen

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Seit dem Sommer 2022 wird die ARD durch den Skandal um den RBB und dessen inzwischen nicht mehr amtierende Intendantin Patricia Schlesinger erschüttert. Ihr werden Vetternwirtschaft und Geldverschwendung vorgeworfen. Seit dem 8. August ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen sie, den früheren RBB-Verwaltungsratsvorsitzenden Wolf-Dieter Wolf und Schlesingers Ehemann Gerhard Spörl wegen des Verdachts der Veruntreuung und der Vorteilsnahme.

Aufgrund der Vorwürfe musste Schlesinger als ARD-Vorsitzende zurücktreten. Diese Position hatte sie ab dem 1. Januar 2022 inne. Am 4. August übernahm WDR-Intendant Tom Buhrow für den Rest des Jahres das Amt des ARD-Vorsitzenden und der WDR wurde in der Nachfolge des RBB für denselben Zeitraum die geschäftsführende Anstalt der ARD. Schlesinger erklärte am 7. August auch ihren Rücktritt als Intendantin. RBB-Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter war seitdem formal interimistischer Intendant des Senders. Am 22. August wurde Brandstäter jedoch für mehrere Wochen krankgeschrieben. Er wurde daraufhin durch RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus vertreten. Am 15. August wurde Schlesinger zusätzlich vom RBB-Rundfunkrat abberufen. Der Verwaltungsrat des Senders sprach ihr am 22. August außerdem die fristlose Kündigung aus. Wolf-Dieter Wolf war am 9. August als Vorsitzender des RBB-Verwaltungsrats zurückgetreten und aus dem Gremium ausgeschieden.

Am 7. September 2022 wählte der Rundfunkrat im zweiten Wahlgang Katrin Vernau, bis dahin Verwaltungsdirektorin des WDR, zur Interimsintendantin des RBB. Eine Findungskomission hatte sie als einzige Kandidatin nominiert. Vernau wurde für ein Jahr gewählt und soll den RBB aus der Krise führen. Im Herbst 2023 soll dann eine neue reguläre Führungsspitze gewählt werden.

Der im Juli durch Berichte des zum Springer-Konzern gehörenden Online-Portals „Business Insider“ ausgelöste RBB-Skandal, zu dem nach und nach immer neue Details enthüllt wurden, führte in der Folge zu einem großen Imageschaden und einer Vertrauenskrise für die ARD wie auch für das gesamte System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Insbesondere stehen die Gremienaufsicht und mangelnde Transparenz bei den Sendern in der Kritik. Hier werden nun auf breiter öffentlicher Front Reformen gefordert. Diese auf den Weg zu bringen, wäre Sache der Politik, das heißt der für die Rundfunkpolitik zuständigen Bundesländer und ihrer Parlamente. Zu einer grundlegenden Reform von innen heraus war die ARD bisher nicht in der Lage; ebenso hat sich die förderale Rundfunkaufsicht durch die Bundesländer (Vorsitzland: Rheinland-Pfalz) als kontinuierlich ineffizient erwiesen.