2. ARD

Umsatz 2018: € 6,901 Mrd.

Überblick

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Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, ist der größte öffentlich-rechtliche Senderverbund der Welt, vor der BBC und der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK (und vor France Télévisions, RAI und dem ZDF). Die Einnahmen der ARD aus dem Rundfunkbeitrag und aus Werbung übersteigen die Budgets der meisten kommerziellen Medienkonzerne im klassischen Fernseh- und Hörfunkgeschäft. Doch ist es innerhalb des ARD-Konglomerats umstritten, ob der Zusammenschluss einzelner Landesrundfunkanstalten überhaupt als Unternehmen, im ökonomischen und im kulturellen Sinne, gilt. Die ARD verantwortet unter anderem das Vollprogramm Erstes Deutsches Fernsehen, das seit April 1996 unter dem Markenbegriff „Das Erste“ firmiert.

Basisdaten

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Hauptsitze:

ARD-Programmdirektion
Arnulfstraße 42
80335 München
Telefon: 089 / 5900-01
Website: www.daserste.de

ARD-Generalsekretariat Berlin
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Telefon: 030 / 8904 313-11
Website: www.ard.de

Branche: Fernsehen, Hörfunk, Online-Angebote, Merchandising
Rechtsform: nicht rechtsfähige, öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1950 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
20182017201620152014201320122011
Etat/Umsatz (in Mio. €)6.9017.1256.9076.9116.9106.4126.3346.359
Planstellen19.09619.24919.13620.61720.69320.74421.05220.677

 

 

Tab. II: Erträge bzw. Etats der Rundfunkanstalten (in Mio. €)¹

20182017201620152014201320122011Planstellen
2015²
Westdeutscher Rundfunk, Köln1.4411.5651.5681.4381.4581.3451.3171.3854.411
Südwestrundfunk, Stuttgart1.2881.3931.2061.2311.2401.1551.1441.1253.619
Norddeutscher Rundfunk, Hamburg1.1201.1121.1141.1601.1841.0741.0821.0793.426
Bayerischer Rundfunk, München1.0731.0791.0771.0751.0651.0261.0241.0043.175
Mitteldeutscher Rundfunk, Leipzig7717787407817396916826842.009
Hessischer Rundfunk, Frankfurt5125065085225244874824671.750
Rundfunk Berlin-Brandenburg, Berlin/Potsdam4584614734764854284034121.460
Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken128127120127118112108109555
Radio Bremen, Bremen11010410110197949294212
Gesamt6.901
7.125
6.907
6.9116.9106.4126.3346.35920.616
ZDF 2.2272.1882.1992.1952.2542.0112.0281.9933.631
Deutschlandradio250253233239213218233214722

¹ Die Erträge beinhalten neben den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, der Hauptfinanzierungsquelle der öffentlich-rechtlichen Sender, unter anderem Erlöse aus Werbung und Sponsoring sowie sonstige Erlöse und teilweise auch Einnahmen aus dem ARD-Finanzausgleich (beim Saarländischen Rundfunk und Radio Bremen).

² Die angegebenen Planstellen enthalten nicht die Stellen von ausgegliederten ARD-Gemeinschaftseinrichtungen wie beispielsweise ARD-aktuell oder die von ARD und ZDF getragenen Spartenkanäle Kinderkanal (Kika) und Phoenix. Außerdem sind in den Zahlen nicht die Stellen von Tochterfirmen der öffentlich-rechtlichen Sender wie etwa der ARD-Werbegesellschaften enthalten.

Quellen: für die Zahlen von 2011 bis 2014: ard.de, dort: ARD-Finanzstatistik für das jeweilige Jahr; für die Zahlen von 2015 bis 2018: Eigenrecherche (Nachfragen bei den jeweiligen Sendern)

Geschäftsführung

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ARD-Vorsitz und -Geschäftsführung 2020:
Tom Buhrow (WDR-Intendant)
Westdeutscher Rundfunk
Appellhofplatz 1
50667 Köln
Telefon: 0221 / 220-0
Website: www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr

ARD-Programmdirektor:
Volker Herres (seit November 2008)

ARD-Generalsekretärin:
Dr. Susanne Pfab (seit Januar 2015)


Intendantinnen und Intendanten der neun ARD-Landesrundfunkanstalten:

  • WDR: Tom Buhrow (seit 1.7.2013)
  • SWR: Prof. Dr. Kai Gniffke (seit 1.9.2019)
  • NDR: Joachim Knuth (seit 13.1.2020)
  • BR: Ulrich Wilhelm (seit 1.2.2011)
  • MDR: Prof. Dr. Karola Wille (seit 1.11.2011)
  • HR: Manfred Krupp (seit 1.3.2016)
  • RBB: Patricia Schlesinger (seit 1.7.2016)
  • SR: Prof. Thomas Kleist (seit 1.7.2011)
  • Radio Bremen: Dr. Yvette Gerner (seit 1.8.2019)

Geschichte und Profil

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Die ARD wurde im Juni 1950 gegründet. Die Satzung der ARD benennt als Ziel der Arbeitsgemeinschaft unter anderem die „Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms sowie gemeinsamer Fragen rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Art“. Gründungsmitglieder waren der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), Radio Bremen, der Süddeutsche Rundfunk (SDR), der Südwestfunk (SWF), der später geteilte Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) sowie mit beratender Stimme der damalige RIAS Berlin. Analog zum föderalen Aufbau der Bundesrepublik (Kultur als Ländersache) wurde bei der ARD die Form einer nicht rechtsfähigen Arbeitsgemeinschaft auch deshalb gewählt, um sich von der Rolle des zentralisierten Propagandafunks der NS-Zeit deutlich abzugrenzen. Allerdings führte das Modell eines lockeren Zusammenschlusses von Rundfunkanstalten ganz unterschiedlicher Größe und volatiler politischer Verankerung auch zu aufwändigen bürokratischen Verfahren, neuen politischen Abhängigkeiten, Behördenmentalität und zu entsprechender Reaktionsschwäche im liberalisierten Medienmarkt.

Die Geschäftsführung der ARD wechselt in der Regel im zweijährlichen Turnus. ARD-Vorsitzender ist der Intendant der jeweils geschäftsführenden Landesrundfunkanstalt. Daneben verfügt die ARD über eine zentrale Programmdirektion in München für die Koordination und Planung des Ersten Deutschen Fernsehens, dessen Chef - der ARD-Programmdirektor - lange Zeit als „König ohne Land“ galt. Denn er muss weitgehend abhängig von den Beschlüssen der Intendanten agieren. Dem von 1992 bis Oktober 2008 amtierenden ARD-Programmdirektor Günter Struve gelang es in zäher Kleinarbeit, die Stellung der Münchner Dependance zu stärken. Er zentralisierte das Marketing des Ersten und nahm wesentlichen Einfluss auf die gesamte Programmstruktur. Als Struves Leidenschaft galt der quantitative Erfolg des Ersten bei gleichzeitiger Wahrung eines öffentlich-rechtlichen Programmniveaus. Dabei musste sich er sich von Kritikern immer wieder vorwerfen lassen, dass er den Informationsanteil des Ersten zugunsten der Unterhaltung entkernt habe. Tatsächlich gibt es nur noch wenige auffällige Reportagen und Dokumentationen im Ersten, in der Primetime (20.00 bis 23.00 Uhr) tauchen sie fast gar nicht mehr auf. Die sechs ARD-Politmagazine haben ihre gesellschaftspolitische Funktion weitgehend verloren. Durch eine seit dem 1. Januar 2006 gültige Programmreform für das Erste wurde die Sendezeit dieser Magazine zudem von 45 auf 30 Minuten reduziert.

Am 26. November 2007 wählten die neun Intendanten der ARD-Landesrundfunkanstalten Volker Herres, Jg. 1957, zum Programmdirektor der ARD. Herres, zuvor seit Mai 2004 Fernsehprogrammdirektor beim NDR, trat am 1. November 2008 die Nachfolge Struves an. Herres arbeitete in den folgenden zwei Jahren an einer Reform des ARD-Programmschemas am Abend. Diese Reform wurde von den Intendanten im November 2010 beschlossen. Sie trat im August/September 2011 in Kraft und bedeutete zum einen eine größere Vereinheitlichung der Anfangszeiten der ARD-„Tagesthemen“, die nun von montags bis donnerstags jeweils um 22.15 Uhr beginnen. Zum anderen erweiterte die ARD im Zuge der kontroversen Verpflichtung von RTL-Star Günther Jauch die Anzahl ihrer abendlichen Talksendungen von vier auf fünf. Nach teilweise vernichtenden Kritiken für seine Talkshow am Sonntag (21.45 bis 22.45 Uhr) entschied sich Jauch, seinen 2015 auslaufenden Vertrag mit der ARD nicht zu verlängern. Im Jahr 2014 hatte bereits Reinhold Beckmann seine seit 1990 in der ARD laufende Talkshow beendet, so dass im Ersten seither noch drei Termine für politische Talkshows vorhanden sind.

Mitte 2006 schuf die ARD als neue Stabsstelle ein Generalsekretariat, das in Berlin angesiedelt wurde und das alte, 1965 gegründete ARD-Büro in Frankfurt am Main ablöste. Die ARD wurde durch diesen Schritt auch medienpolitisch in der Hauptstadt präsent. Das Generalsekretariat ist dem jeweils amtierenden ARD-Vorsitzenden direkt unterstellt, die Leitung des Generalsekretariats soll den ARD-Vorsitzenden in seiner Arbeit unterstützen. Laut Stellendefinition ist die Leitung des Generalsekretariats verantwortlich für die strategische Positionierung des Senderverbundes und die Interessenvertretung nach außen. Zugleich hat die Person, die das Generalsekretariat leitet, auch den stellvertretenden Vorsitz der ARD-Strategiegruppe. Sie hat zudem das Recht, an Sitzungen aller Kommissionen und Arbeitsgruppen des Senderverbundes teilzunehmen und mitzuwirken. Das gilt auch für Tochterunternehmen der ARD sowie für Sitzungen der Fernsehprogrammkonferenz und der ARD-politisch relevanten Gremien.

Die ARD unterhält weitere Zentraleinrichtungen wie die in Frankfurt am Main ansässige Degeto Film GmbH (für die ARD-Fernsehfilmproduktion, den Rechtehandel mit diesen Filmen und für Produktionsbeteiligungen), das in Potsdam und Frankfurt am Main angesiedelte Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) und – zusammen mit dem ZDF – die ARD/ZDF-Medienakademie (2007 hervorgegangen aus der Zentralen Fortbildung der Programm-Mitarbeiter/ZFP). Außerdem ist die ARD beteiligt am in Köln ansässigen ‘ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice’, der laut dem neuesten Rundfunkbeitragsstaatsvertrag für den Einzug des Rundfunkbeiträge zuständig ist und im Januar 2013 an die Stelle der vorherigen Gebühreneinzugszentrale (GEZ) trat. Die Redaktion ARD-aktuell hat ihren Sitz beim NDR in Hamburg; mit rund 200 Mitarbeitern erstellt sie die aktuellen TV-Nachrichtensendungen („Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Nachtmagazin“, „Wochenspiegel“). Ansonsten gilt bei der ARD das föderale Prinzip. Federführung haben bei senderübergreifenden Projekten jeweils einzelne Landesrundfunkanstalten, etwa bei Übertragungen großer Sportereignisse.

Die Fernseh- und Radioprogramme der ARD waren und sind ein wesentlicher kultureller und gesellschaftlicher Faktor in der Geschichte der Bundesrepublik. Nationale Wirkungen erzielten ab den 1960er Jahren Politikmagazine wie „Panorama“, vom NDR nach BBC-Vorbild geschaffen, oder „Monitor“ vom WDR, zeitkritische Fernsehspiele von Regisseuren wie Egon Monk, Peter Beauvais, Eberhard Fechner oder Heinrich Breloer, die „Stuttgarter Schule“ des dokumentarischen Fernsehens, Unterhaltungssendungen mit Hans-Joachim Kulenkampff und Rudi Carrell. Da sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den 1950er Jahren in vielen Redaktionen zu einem Sammelplatz der kritischen Intelligenz entwickelt hatte, galt der ARD-Verbund schon für die seinerzeitige Adenauer-Administration als suspekt und linkslastig. Ende der 1950er Jahre versuchte Kanzler Konrad Adenauer (CDU), mit dem Projekt eines „Freien Fernsehens“, einer Mischung aus Staats- und kommerziellem TV, das ARD-„Monopol“ zu brechen. Mit dem sogenannten „Fernsehurteil“ stoppte das Bundesverfassungsgericht 1961 die Adenauer-Pläne. Vom Juni 1961 bis Ende März 1963 wurde täglich etwa 150 Minuten lang ein zweites ARD-Programm ausgestrahlt, bis am 1. April 1963 das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Mainz als zusätzlicher bundesweiter Sender seinen Programmbetrieb aufnahm. Am 22. September 1964 startete der Bayerische Rundfunk ein bildungs- und kulturorientiertes Drittes Fernsehprogramm. Diesem Modell folgten schrittweise alle ARD-Landesrundfunkanstalten. Ein gemeinsames Drittes Programm veranstalteten der NDR und Radio Bremen sowie zum Teil der SWR und der Saarländische Rundfunk. Inzwischen sind diese Dritten Programme überwiegend regional und kaum noch bildungsorientiert ausgerichtet. Der Bayerische Rundfunk startete im Januar 1998 den Bildungsfernsehkanal BR-alpha, der Ende Juni 2014 in ARD-alpha umbenannt wurde.

Im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 1976 wurde dem ARD-Fernsehen seitens der CDU/CSU (im Verbund mit der publizistikwissenschaftlichen „Mainzer Schule“ der Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann) vorgeworfen, die Wahlen zum Nachteil der Unionsparteien beeinflusst zu haben. Danach nahm der politische Druck auf die ARD, deutlich sichtbar im Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen, ständig zu. Unter der Ägide von Bundeskanzler Helmut Kohl und des seinerzeitigen Postministers Christian Schwarz-Schilling (beide CDU) wurden seit 1984 auch in der Bundesrepublik private Fernseh- und Hörfunkangebote zugelassen. Wie sich zeigen sollte, tangierte diese Entwicklung nachhaltig das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Trotz großzügiger Finanzausstattung sah sich das ARD-Management, auf die neuen Marktverhältnisse nur unzureichend vorbereitet und politisch, ökonomisch und medienkulturell bedroht.

Im Januar 1995 schlugen die Ministerpräsidenten Sachsens und Bayerns, Kurt Biedenkopf (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), in einem Aufsehen erregenden Papier die Abschaffung des Ersten Deutschen Fernsehens und eine Reduktion der ARD auf größere Landessender mit nur noch Regionalfernseh- und Hörfunkprogrammen vor, falls die ARD nicht intensive Rationalisierungsmaßnahmen einleite. Die ARD kam den Forderungen nach. Aus den bis dahin elf Landesrundfunkanstalten wurden neun. 1998 wurden der Südwestfunk (SWF) und der Süddeutsche Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR) zusammengelegt; am 1. Mai 2003 entstand aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) die neue Zwei-Länder-Anstalt Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Politische Angriffe auf die Existenz und Grundstruktur der ARD fanden danach nicht mehr statt.

Seit der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab 2006/07 seine Angebote verstärkt auch via Internet zugänglich macht, steht die ARD (wie auch das ZDF) im Zentrum heftiger Kritik vor allem seitens der Verleger, die hier eine Wettbewerbsverzerrung sehen. Sie fordern, dem gebührenfinanzierten Rundfunk müssten für sein Online-Engagement deutliche Grenzen gesetzt werden, da ansonsten das privatwirtschaftliche Geschäftsfeld der Verlage in seiner Existenz bedroht sei.

Nach langwierigen Beratungen unterzeichneten die Ministerpräsidenten der Bundesländer Ende 2008 eine Rundfunknovelle: Mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag wurden auf Basis des sogenannten Beihilfekompromisses zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission die neuen Regelungen für das Internet- bzw. digitale Engagement von ARD, ZDF und Deutschlandradio eingeführt. Die Novelle trat am 1. Juni 2009 in Kraft. Der Staatsvertrag schuf für die Sendeanstalten im Online-Bereich (Telemedien) zahlreichen Beschränkungen. Dadurch sollen die Verlage vor übermäßiger Konkurrenz geschützt werden. So dürfen die öffentlich-rechtlichen Anbieter im Internet zum Beispiel ihre Fernseh- und Hörfunksendungen generell nur bis zu einer Dauer von sieben Tagen nach deren Ausstrahlung zugänglich machen (wobei es einige Ausnahmeregelungen gibt). Nach der Sieben-Tage-Frist müssen sie ihre Inhalte wieder aus dem Netz entfernen. Dies schuf für den öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich das völlig neue Arbeitsfeld des Depublizierens – also gleichsam eine „journalistische“ Zwangspraxis, die man eigentlich eher in autokratischen Staaten verorten würde. Eine weitere eingrenzende Vorschrift für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: Sie dürfen im Internet nur sendungsbezogene Angebote betreiben, nicht-sendungsbezogene Beiträge sind für sie nicht erlaubt.

Zudem schrieb der neue Rundfunkstaatsvertrag als zentrales Element sogenannte Drei-Stufen-Tests vor. Mit diesen aufwändigen Prüfverfahren mussten bis Ende August 2010 alle bereits bestehenden Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender geprüft werden. Die ARD hatte anschließend rund 35 Drei-Stufen-Tests zu absolvieren. Dies geschah unter der Verantwortung der Rundfunkräte der Landesrundfunkanstalten, wobei die Gremien in großem Umfang kostenpflichtige Prüfauftrage an externe Gutachter vergaben. Bis auf ein Verfahren beim NDR, das etwas später beendet wurde, wurden alle Verfahren bis Juli 2010 abgeschlossen. Ein Ergebnis war zwar, dass die ARD nach eigenen Angaben über 100.000 einzelne Dokumente aus dem Internet löschen musste; doch am Ende wurden im Grundsatz sämtliche bestehenden Online-Angebote der ARD relativ problemlos genehmigt. Das wurde von Kritikern zwar als bescheidenes Ergebnis eines fast megaloman anmutenden bürokratischen Verfahrens bezeichnet, seither aber stehen die Telemedien-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender auf rechtlich gesichertem Boden.

Management

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Die Stelleninhaber bei der ARD sind fast ausschließlich durch Hausberufungen auf ihre Posten gelangt. Der Umbruch des deutschen Fernsehmarkts in den 1980er Jahren führte eher zu hoheitlichen Deklamationen und Wagenburg-Mentalitäten als zu einer handlungsorientierten Selbstreflexion. Der Abbau des aufgeblähten ARD-Verwaltungsapparats wurde nur zögerlich angegangen. Ebenso langsam setzte sich ein Bewusstsein für Marketing und Public Relations durch. ARD-Führungspositionen wurden bisher in der Regel nach politischer Couleur und interner Bewährung vergeben. In die Intendanzen zog 2003 mit RBB-Intendantin Dagmar Reim erstmals eine Frau ein. Nach Reims Pensionierung wurde ab Juli 2016 mit ihrer Nachfolgerin Patricia Schlesinger erneut eine Frau RBB-Intendantin. Der MDR hat mit Karola Wille eine Intendantin, die 2016 und 2017 auch ARD Vorsitzende war. Beim WDR war von 2007 bis 2013 Monika Piel Intendantin; sie war in den Jahren 2010 und 2011, als erste Frau überhaupt, ARD-Vorsitzende. Bei Radio Bremen, dem kleinsten Sender der ARD, ist seit August 2019 Yvette Gerner Intendantin, die zuvor als Journalistin beim ZDF arbeitete (Gerner ist Mitglied der SPD).

Exemplarisch für die Verflechtung von Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk war die Wahl von Ulrich Wilhelm zum Intendanten des Bayerischen Rundfunk Anfang 2011. Wilhelm, Mitglied der CSU, war von November 2005 bis Juli 2010 Chef des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung und Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).  Dass, wie es beim BR in München geschah, der Intendant eines öffentlich-rechtlichen Senders direkt aus dem Umfeld einer Bundesregierung rekrutiert wurde, war eine in dieser Form noch nie da gewesene Konstellation im deutschen Rundfunk nach 1945. Wilhelm war von 1999 bis 2003 auch Pressesprecher des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und der bayerischen Staatsregierung.

Geschäftsfelder

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Fernsehen – Fernsehformate:
Für ihre Informationsberichterstattung verfügt die ARD über das größte Auslandskorrespondentennetz der Welt (rund 90 Korrespondenten in über 30 Metropolen), die dem Ersten und auch den Dritten Programmen für ihre Informationssendungen zuarbeiten. Führende Marken der ARD sind die Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Außerdem zählen die Krimireihe „Tatort“, die ARD-„Sportschau“ mit Zusammenfassungen von der Fußball-Bundesliga, abendliche Serien wie „In aller Freundschaft“ oder „Um Himmels Willen“ zu den bekannten Marken im Ersten.

Ihr Angebot an Soap Operas hat die ARD zuletzt reduziert. Stattdessen setzt sie seit längerer Zeit verstärkt auf Quizformate (am Vorabend) und eine Ausweitung ihrer Krimiformate. Eine ihrer bekanntesten Serien stellte die ARD am 29. März 2020 ein: An diesem Tag lief die 1758. und letzte Folge der „Lindenstraße“, die erstmals am 8. Dezember 1985 im Ersten Programm ausgestrahlt worden war. Als Gründe für die Absetzung nannte die ARD die gesunkenen Zuschauerzahlen der Serie und zu hohe Produktionskosten. 

Mehr als alle anderen Sender hatte die ARD in den vergangenen Jahren versucht, sich mit Talkshows zu profilieren. An den verschiedenen Wochentagen sind im Ersten nach zwischenzeitlich fünf abendlichen Talkformaten – was vielfach als Überangebot kritisiert wurde – mittlerweile nur noch drei im Programm: „Anne Will“ am Sonntag, „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg am Montag und am Dienstag „Maischberger. Die Woche“ (vormals Maischberger“, davor „Menschen bei Maischberger“).

Die attraktive Erstberichterstattung über die Fußball-Bundesliga im Free-TV konnte die ARD ab der Saison 2003/04 überraschend für ihre „Sportschau“ zurückerobern, nachdem mehrere Jahre lang die kommerzielle Konkurrenz – zunächst RTL und dann Sat 1 – die Rechte besessen hatte, die den Privatsendern jedoch zu teuer wurden. Im Juni 2016 hat sich die ARD auch für die nächste Vergabeperiode (Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21) die Bundesliga-Rechte für die „Sportschau“ gesichert. Die ARD zahlt für dieses neue TV-Rechtepaket pro Saison eine Lizenzgebühr von 119 Mio Euro (plus Mehrwertsteuer) an die Deutsche Fußball-Liga (DFL).

Dritte Programme:
Die Dritten Programme sind in den 1980er Jahren sukzessive zu Vollprogrammen ausgebaut worden, die meisten werden über Kabel und Satellit und mittlerweile zusätzlich im Internet auch bundesweit verbreitet. Ihren ursprünglichen Charakter als Experimentierfeld und formelle Bildungsinstitutionen haben die Dritten nahezu vollständig verloren. In den zurückliegenden Jahren haben sie dafür das Regionale als ihre eigentliche Stärke entdeckt, die ihnen hervorragende Einschaltquoten garantiert. Zum Teil werden die Dritten Programme auch als Experimentierfläche für neue Formate genutzt, die im Erfolgsfall ins Erste Programm wechseln können.

Sonder-TV-Engagements:
Ihren 1986 gestarteten Kulturfernsehkanal Eins plus gab die ARD Ende November 1993 auf und beteiligte sich stattdessen mit 30 % am von ZDF, ORF (Österreich) und SRG (Schweiz) betriebenen Gemeinschaftsprojekt 3sat, dem internationalen deutschsprachigen Kulturfernsehen. Seit 1992 ist die ARD zudem mit 25 % am in Straßburg angesiedelten deutsch-französischen Kulturfernsehkanal Arte beteiligt (ZDF: ebenfalls 25 %, Arte France: 50 %). 1997 starteten die beiden öffentlich-rechtlichen Spartenfernsehprogramme Phoenix und KIKA. Phoenix ist ein sogenannter Ereignis- und Dokumentationskanal und hat seinen Sitz in Bonn. Beim KIKA handelt es sich um den unter MDR-Federführung in Erfurt angesiedelten Kinderkanal. An diesen beiden Sendern sind ARD und ZDF mit je 50 % beteiligt.

Spartensender:
Im digitalen Zeitalter wird bei ARD und ZDF das Spartenfernsehen als notwendiges Angebot im Gesamtbouquet betrachtet, allein um die Konkurrenzfähigkeit auf dem Gesamtmarkt zu erhalten. Ab August 1997 verfügte die ARD über drei via Kabel und Satellit digital verbreitete Spartenkanäle: Eins Plus (Ratgeber- und Servicekanal, am Hauptabend jugendaffines Programm; SWR), Eins Festival (Schwerpunkt Kultur; WDR) und Tagesschau24 (NDR; bis April 2012 hieß dieser Sender Eins Extra). Mit dem am 1. Oktober 2016 in Kraft getretenen 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag legte die Politik fest, dass Eins Plus zu diesem Zeitpunkt abgeschafft wird. Somit verbleiben der ARD zwei Spartenprogramme: die Sender Tagesschau24 und One (diesen neuen Namen erhielt Anfang September 2016 Eins Festival).

Radio:
Die neun ARD-Landesrundfunkanstalten betreiben über 60 Hörfunkprogramme. Die Radiowellen aller ARD-Anstalten sind heute über die „Zielgruppe“ und die „Musikfarbe“ definiert (Jugendwelle, Kulturradio, Mainstream-Programm, Wortradio, Nachrichtensender). Alle ARD-Sender bieten einen Teil ihrer Hörfunkprogramme inzwischen auch über Internet an. Teilweise gibt es auch erste speziell für das Internet geschaffene Hörfunkangebote (etwa 1Live diggi vom WDR). Des Weiteren ist ein Teil der ARD-Radiowellen über die Digitaltechnik DAB plus zu empfangen.

Internet:
Nach langen Verhandlungen gab es im Oktober 2015 von den Ministerpräsidenten der Länder grünes Licht für ein völlig neues öffentlich-rechtliches Online-Jugendangebot, das die ARD gemeinsam mit dem ZDF veranstaltet. Das neue Angebot, das auf die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen ausgerichtet ist, startete unter dem Namen „Funk“ am 1. Oktober 2016. Die Beiträge, die für Funk produziert werden, sind über die eigene Website abrufbar (www.funk.net), werden aber insbesondere auch auf viel genutzten Plattformen wie YouTube, Facebook oder Instagram verbreitet. Funk wird zu zwei Dritteln von der ARD und zu einem Drittel vom ZDF finanziert. Die Federführung für Funk liegt beim SWR, die Redaktion für das Angebot ist in Mainz angesiedelt. Funk ist das erste ausschließlich über Internet verbreitete Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Medienrechtlich ermöglicht wurde das Online-Angebot Funk durch 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der am 1. Oktober 2016 in Kraft trat. Um die Finanzierung von Funk zu ermöglichen, wurden die Spartenfernsehkanäle Eins Plus (ARD) und ZDFkultur zum 30. September 2016 eingestellt. Das Budget des neuen Jugendangebots ist auf maximal 45 Mio Euro pro Jahr begrenzt.

Aktuelle Entwicklungen

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Im Frühjahr 2018 war mit dem WDR die größte ARD-Anstalt von „#MeToo“-Vorwürfen betroffen, also Vorwürfen sexueller Belästigung. WDR-Intendant Tom Buhrow beauftragte daraufhin Monika Wulf-Mathies, früher unter anderem EU-Kommissarin und Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), als externe Prüferin mit Untersuchungen in der Angelegenheit. Am 12. September 2018 legte Wulf-Mathies auf einer Pressekonferenz in Bonn ihren Abschlussbericht vor (Titel: „Mehr als #MeToo – Die Verantwortung des WDR als Arbeitgeber“).

Der Bericht kommt zu folgendem Ergebnis: „Es hat sich […] im Laufe der Untersuchung gezeigt, dass das Thema sexuelle Belästigung beim WDR nur die Spitze des Eisbergs ist, hinter dem sich Machtmissbrauch und vielfältige Diskriminierungserfahrungen, aber auch eine generelle Unzufriedenheit mit dem Betriebsklima verbergen. Für den WDR muss es deshalb – wenn er sich in Zukunft richtig aufstellen will – darum gehen, seine Beschäftigten aktiv vor sexueller Belästigung und Machtmissbrauch zu schützen, ein diskriminierungsfreies und respektvolles Arbeitsklima zu schaffen sowie seine Personal- und Führungsstrukturen entsprechend anzupassen.“ Wulf–Mathies forderte vom WDR mit Blick auf die Zukunft „das Bemühen um einen echten Kulturwandel“ im Sender.

WDR-Intendant Buhrow erklärte auf der Pressekonferenz in Bonn, man werde die Aufgaben, die der Bericht von Monika Wulf-Mathies dem WDR stelle, sehr ernst nehmen und die dort eingebrachten Vorschläge umsetzen. Buhrow sagte, dass es gegen „ungefähr ein Dutzend Mitarbeiter“ des WDR Vorwürfe sexueller Belästigung gegeben habe; dabei lägen manche Fälle sehr weit zurück. Bereits Mitte 2018 – also vor der Publikation des Wulf-Mathies-Berichts – hatte der WDR aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung einen führenden Mitarbeiter der Fernsehfilmabteilung entlassen und einen Auslandskorrespondenten vom Dienst suspendiert.

Im Februar 2019 geriet ein sogenanntes Framing-Papier der ARD an die Öffentlichkeit. In dem 89-seitigen Papier mit dem Titel „Framing-Manual – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ wurden unter anderem Vorschläge dazu gemacht, wie sich die Vorzüge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in eine Sprache fassen ließen, „die im Denken der Mitbürger kräftig wirkt und sie von der Notwendigkeit eines gemeinsamen, freien Rundfunks ARD überzeugt“. Das Framing-Papier wurde von der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling erstellt. Sie hatte das „Framing-Manual“ bereits im Jahr 2017 vorgelegt; mit der Erstellung war sie vom MDR beauftragt worden, der zu dieser Zeit den ARD-Vorsitz innehatte.

Das Framing-Papier wurde am 17. Februar 2019 von der Internet-Plattform netzpolitik.org vollständig veröffentlicht. Die ARD gab an, es handele sich bei dem Papier um eine interne, nicht zur Veröffentlichung gedachte Arbeitsunterlage, die Teilnehmern von ARD-Weiterbildungsveranstaltungen als Diskussionsgrundlage und Denkanstoß diene. Das „Framing-Manual“ ließ die ARD nicht zuletzt deshalb erstellen, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den vergangenen Jahren in wirtschaftlich angespannterer Zeit unter verstärkten Legitimationssdruck geraten ist. Wehling schlug in ihrem Papier unter anderem vor, bei der Kommunikation nach außen mit Formulierungen wie „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ moralisch und faktenbezogen zu argumentieren. Ein solches Framing solle den Bürgern die Aufgaben und Ziele der ARD begreifbar machen.

Das Framing-Papier löste eine öffentliche Debatte aus, bei der die ARD unter Druck geriet. So wurde der ARD vorgeworfen, mit dem Papier Mitarbeitern eine Anleitung dafür zu geben, wie sich Debatten über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk manipulieren ließen. Die ARD betreibe „die gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung“, hieß es in der „Welt“, das Ganze sei „semantische Gehirnwäsche“, meinte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Der 2019 als ARD-Vorsitzender amtierende Ulrich Wilhelm (BR-Intendant) hielt dem entgegen, die Aufregung um das Papier sei „völlig übertrieben“. Er betonte, es handle sich um eine Workshop-Unterlage und nicht um eine verbindliche Kommunikationsstrategie oder um eine Handlungsanweisung an die Mitarbeiter.

Im November 2018 hatte die ARD beschlossen, die seit Dezember 1985 am Sonntag laufende Serie „Lindenstraße“, die durch das stetige Aufgreifen gesellschaftlich relevanter Themen eine Besonderheit im fiktionalen deutschen Fernsehen darstellte, wegen nicht mehr zufriedenstellender Quoten Ende März 2020 einzustellen. Dies führte zu einer Programmschema-Veränderung für die Sendezeit zwischen 17.00 und 20.00 Uhr am Sonntagabend im Ersten, die zum 5. April 2020 wirksam wurde. Nach dem Wegfall der „Lindenstraße“ verlängerte die ARD die Sonntags-„Sportschau“ um 20 Minuten (18.30 bis 19.20 Uhr) und das politische Magazin „Bericht aus Berlin“ um fünf Minuten (18.05 bis 18.30 Uhr). Außerdem führte die ARD auch am Sonntag eine Ausgabe ihres Boulevardmagazins „Brisant“ ein (17.00 bis 17.30 Uhr), das damit seither an sieben Tagen in der Woche im Ersten läuft.

Ursprünglich wollte die ARD in diesen Zusammenhang auch noch das am Sonntag um 19.20 Uhr ausgestrahlte Auslandsmagazin „Weltspiegel“ auf einen früheren und damit als schlechter erachteten Sendeplatz verlegen. Dies wurde nur dadurch verhindert, dass 100 Auslandskorrespondenten aus Hörfunk und Fernsehen der ARD in einem an alle neun Intendanten und an ARD-Programmdirektor Volker Herres gerichteten Brief, der an die Öffentlichkeit lanciert wurde, gegen ihre eigene Senderführung protestierten. Unterstützung fand der Protest bei weiteren hochrangigen früheren und aktuellen ARD-Persönlichkeiten wie Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen oder „Hart-aber-fair“-Moderator Frank Plasberg.

In den vergangenen drei bis vier Jahren fiel die ARD programmgestalterisch zudem dadurch auf, dass sie, mit Kalkulation auf mehr Quotenerfolg, am Vorabend den Anteil an Quizsendungen noch weiter ausbaute, sie teilweise als mehrstündige Samstagabendshow sendete (etwa „Wer weiß denn sowas? XXL“) und im Abendprogramm noch mehr Krimiformate einführte, insbesondere Tourismusort-Krimis am Donnerstagabend wie „Der Athen-Krimi“, „Der Amsterdam-Krimi“, „Der Barcelona-Krimi“, „Der Prag-Krimi“, „Der Tel-Aviv-Krimi“ oder „Der Zürich-Krimi“, um nur einige zu nennen.

Im Sektor der Premium-Serien, der – ausgelöst durch den US-amerikanischen Streaming-Anbieter Netflix – seit fünf Jahren einen Boom erlebt, blieb die ARD bisher wenig auffällig. Sie war in diesem Bereich insbesondere mit der DDR-Familiensaga „Weissensee“ (vier Staffeln, 2010, 2013, 2015, 2018) und der historischen Krankenhausserie „Charité“ präsent (bisher zwei Staffeln; 2017, 2019) und mit der auf den Romanen von Volker Kutscher beruhenden Kriminalserie „Babylon Berlin“, die in Kooperation mit dem Pay-TV-Sender Sky entstand, der das Recht erhielt, die bisher drei Staffeln der Serie jeweils mit rund einjährigem Vorlauf erstauszustrahlen.

Im Bereich Dokumentation/Reportage gibt es im Ersten in der Sendezeit nach 20.00 Uhr nur noch einen einzigen Abend mit festen Terminen: Es ist der Montagabend mit den Reihen „Die Story im Ersten“ (22.45 bis 23.30 Uhr) und „Geschichte im Ersten“ (23.30 bis 0.15 Uhr). 90-minütige Dokumentarfilme sind im Ersten Programm eine Seltenheit geworden. Sie laufen nur noch sechs- bis achtmal pro Jahr, und zwar abends im Sommer, wenn die Talkshows pausieren und dadurch Sendeplätze frei sind.

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