www.mediadb.eu: Latest News https://www.mediadb.eu/ Latest news from www.mediadb.eu en www.mediadb.eu: Latest News https://www.mediadb.eu/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif https://www.mediadb.eu/ 18 16 Latest news from www.mediadb.eu TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 05 Jan 2022 18:04:00 +0100 Neues von Vivendi (2) https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/neues-von-vivendi-2.html KKR plant die Übernahme von TIM (früher Telecom Italia) Die amerikanische Fondsgesellschaft KKR, die auch einen Anteil von 47,6 Prozent an der Axel Springer SE besitzt (und größter Aktionär des Springer-Verlages ist), will 100 Prozent des Kapitals des italienischen Telekomkonzerns TIM für rund 10,8 Milliarden Euro kaufen. Zusätzlich allerdings müsste KKR auch Schulden in Höhe von 29 Milliarden Euro übernehmen. Vivendi hält aktuell knapp 24 Prozent der TIM-Aktien und ist größter Anteilseigner. Bei ihrem Einstieg zahlten sie mehr als das doppelte pro Aktie und halten das Angebot daher für zu niedrig, KKR erwägt deswegen eine Angebotserhöhung. Die Bedingung für eine Übernahme ist wohl, dass die italienische Regierung und die Aktionäre von mindestens 51 Prozent der TIM-Aktien dieser zustimmen. Die italienische Regierung hat über eine „Goldene Aktie” ein Veto-Recht, die staatliche Beteiligungsgesellschaft Cassa Depositi e Prestiti (CDP) hält zudem 9,8 Prozent der Aktien. Sie will vor allem den Netzausbau vorantreiben. An die Regierung hat sich KKR schon gewandt, allerdings führt auch kein Weg an Vivendi vorbei. Ein Vivendi-Sprecher verkündete schon, dass man langfristig Aktionär bleiben und weiter mit der Regierung zusammenarbeiten wolle.

TIM musste zuletzt starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Der angezählte Vorstandsvorsitzende Luigi Gubitosi, der vergeblich versuchte, die Umsätze durch Sportübertragungen in Kooperation mit dem Streaminganbieter DAZN zu erhöhen, trat im November zurück. Er warf den Verwaltungsratsmitgliedern vor, die Übernahme durch KKR zu blockieren. Er blieb allerdings noch im Aufsichtsrat und blockierte damit die Ernennung eines Nachfolgers. Im Dezember zog er sich dann doch zurück. Gubitosi war der vierte TIM-Vorstandsvorsitzende in den letzten sechs Jahren.

KKR steht häufig in der Kritik. Dem Finanzinvestor wird vorgeworfen, Unternehmen ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze umzustrukturieren und zu zerteilen, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen. Bezüglich der TIM-Übernahme beteuerte KKR allerdings langfristiges Interesse. Stefano Fassina, Abgeordneter der linksliberalen PD, hat auch Bedenken gegenüber der TIM-Übernahme. „Ein so wichtiges Gut für die Sicherheit und für das nationale Interesse kann nicht von privaten Einrichtungen kontrolliert werden. Der Staat muss eingreifen, um die öffentliche Kontrolle über das Netz, die zu bauenden Glasfaserkabel und die Verwaltung der Cloud zu gewährleisten", wird er in der Mailänder Online-Zeitung Affaritaliani.it zitiert.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi aber schloss eine TIM-Übernahme durch KKR nicht aus. Er sagte bei der Pressekonferenz zum Jahresende 2011 in Rom, dass es Verhandlungen zwischen Vivendi, CDP und weiteren TIM-Aktionären gebe. Die Regierung sei nicht in der Position, Forderungen zu stellen.

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Wed, 05 Jan 2022 18:04:00 +0100
Neues von Vivendi https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/neues-von-vivendi.html Einigung zwischen Vivendi und Mediaset Anfang Mai 2021 gaben das französische Medienunternehmen Vivendi (Universal Music Group, Gameloft, Dailymotion, Canal+ Group) und der italienische Medienkonzern Mediaset (Tochter von Fininvest, im Besitz der Berlusconi-Familie) bekannt, sich nach einem fünfjährigen Streit geeinigt zu haben. Im November hieß es dann: Die Franzosen, zu 30 Prozent an Mediaset beteiligt, wollen jetzt jährlich ein Fünftel ihrer indirekten Mediaset-Beteiligung von 19,19 Prozent abgeben. Ein Mindestpreis von 1,375 Euro pro Aktie im ersten Jahr wurde ausgehandelt, der allmählich erhöht werden soll: 1,40 Euro pro Aktie im zweiten Jahr, danach soll der Mindestpreis pro Jahr um jeweils 5 Cent erhöht werden. Gelingt es Vivendi, die Aktien für mehr als 1,60 Euro zu verkaufen, dürfen sie auch mehr als ein Fünftel der Papiere abstoßen. Sollte es Vivendi nicht gelingen, die Aktien zu dem Mindestpreis zu veräußern, kann Mediaset diese kaufen.

Des Weiteren möchte der italienische Konzern die direkte Beteiligung von fünf Prozent erwerben, die Vivendi an Mediaset hält. Vivendi würde letztlich einen Anteil von 4,61 Prozent an Mediaset behalten. Außerdem gab es einen Urheberrechtsstreit von Dailymotion mit den Mediaset-Töchtern RTI und Medusa. Das Vivendi-Tochterunternehmen stimmte einer einmaligen Zahlung von 26,3 Millionen Euro zu, um den Streit beizulegen.

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Wed, 05 Jan 2022 17:57:00 +0100
„Kampfansage an Netflix und Amazon“ (FAZ). Bertelsmann plant eine Fusion seiner Filialen RTL Deutschland und Gruner + Jahr. https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/kampfansage-an-netflix-und-amazon-faz-bertelsmann-plant-eine-fusion-seiner-filialen-rtl-deutschland-und-gruner-jahr.html Anfang August 2021 wird bekannt, dass Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender und RTL-Chef Thomas Rabe... Anfang August 2021 wird bekannt, dass Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender und RTL-Chef Thomas Rabe (56) sich einen Zusammenschluss seiner Fernsehgruppe RTL Deutschland (RTL, N-TV, Vox, Super RTL, bald „Toggo“) mit dem auch konzerneigenen Hamburger Zeitschriften-Verlag Gruner und Jahr („Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Capital“, „Schöner Wohnen“, „Eltern“, „Art“) vorgenommen hat. TV schluckt Print (geplant am 01.01.2022), RTL würde die Magazingeschäfte und Marken von G+J für 230 Millionen Euro übernehmen. Hamburg bleibt Sitz von Gruner und Jahr auch nach der Fusion, 1.700 Journalisten werden in dem neuen Unternehmen arbeiten, die 25,5-prozentige Beteiligung am „Spiegel“ bleibt bei Bertelsmann.

Fernseh-, Streaming-, Radio- und Printformate in einer Hand: Thomas Rabe hat nach eigenem Bekunden „leichte Euphorie“ ergriffen. Die beiden Unternehmen können „ihr Wachstumspotential so gemeinsam besser ausschöpfen“. Man wolle „nicht einfach so weiterwerkeln“ wie bisher. Kein anderer Medienkonzern „hierzulande kann ein derartiges, gattungsübergreifendes Wachstumsbündnis schaffen“, so Rabe. Die Mediengeschäfte auf dem deutschen Markt seien im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen wie Netflix, Google oder Amazon gestärkt.

Vorteile eines solchen Medienverbunds: Exklusive Inhalte etwa im neuen Ressort „Stern investigativ“, bessere Cross-Promotion, Kooperation in einer „Ad Alliance“ und einer „Content Alliance“, RTL als „Powerhouse für unabhängigen Journalismus, Inspiration und positive Unterhaltung“. Für mehr Seriosität. Die Ex-ARD-Leute Jan Hofer und Pina Atalay sollen das Nachrichtenmagazin „RTL direkt“ moderieren, parallel zu den „Tagesthemen“.

Zweifel am RTL/G+J-Medienverbund kommen etwa vom österreichischen RTL-Gründer Helmut Thoma. „Was soll denn da herauskommen? Wo sollen denn, bitte schön, all die tollen Inhalte herkommen?“ Ist es nur ein „Marketingkonzept“ zur „Abwicklung des einstigen Großverlags G+J“ (Handelsblatt)? Nur die „Technokraten-Fantasie“ der Fusion zweier doch kulturell sehr unterschiedlicher Konzerne? Bei RTL mache man sich über die „linksorientierte Geldvernichtungsmaschine“ aus Hamburg lustig, bei Gruner und Jahr über „die alte Trashkultur“.

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Mon, 16 Aug 2021 15:47:00 +0200
Neu: Warner Bros. Discovery https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/neu-warner-bros-discovery.html Was meldeten wir in unseren News über Aktivitäten von KKR in Deutschland Ende August 2020? Der... Was meldeten wir in unseren News über Aktivitäten von KKR in Deutschland Ende August 2020? Der Fernsehkanal Tele 5 werde von KKR/Leonine an den US-Konzern Discovery verkauft. „Tele 5 fügt sich in das u.a. aus Eurosport 1, DMAX, TLC und Home & Garden TV bestehende TV-Angebot von Discovery Deutschland ein.“ Am 17. Mai 2021 wurde allerdings eine Nachricht über Discovery (den Gesamtkonzern diesmal) von einem ganz anderen Format bekannt: Der in unserem Ranking zeitweise auf Platz Eins rangierende Mega-Konzern AT&T trennt sich von seinem traditionellen Medien-Arm WarnerMedia (Warner Bros., Turner Broadcasting, HBO, Cinemax), der mit Discovery (HGTV, Animal Planet, Food Network, TLC) fusioniert. 2022 wird der Deal abgeschlossen werden, in unserer Rangliste wird es für Discovery, zur Zeit auf Platz 27, deutlich nach oben gehen. Dann unter dem neuen Namen, der am 1. Juni 2021 bekanntgegeben wurde: „Warner Bros. Discovery”, begleitet von dem Slogan „The stuff dreams are made of“.

AT&T hatte Time Warner vor nur drei Jahren übernommen – für über 85 Milliarden Dollar. Jetzt erhält der Telefonkonzern nur noch 43 Milliarden. Die Pläne eines vertikal integrierten Medienkonzerns musste man aufgeben; die Schuldenlast war einfach zu hoch. AT&T-Chef John Stankey dazu: „Unser Fokus auf das Connectivity Business in den USA hat zur Folge, dass wir auf der anderen Seite kein weltweites Streaming Business mit WarnerMedia herstellen konnten. Es sei Zeit, habe man sich entschlossen, „die Medien-Vermögenswerte freizusetzen“ (to unleash the media assets). AT&T-Aktionäre sollen einen Anteil in Höhe von 71 Prozent an Warner Bros. Discovery erhalten (und sieben Vorstandsmitglieder ernennen können), Discovery-Aktionäre 29 Prozent und sechs Vorstände.

David Zaslav, aktuell Geschäftsführer von Discovery, soll die neue Firma leiten, ihmzufolge mit dem Ziel „to [tell] the most amazing stories and have a ton of fun doing it". Schon jetzt würden WarnerMedia und Discovery zusammen Produktionen für mehr als 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr herstellen/kaufen (mehr als Disney und Netflix). Mittelfristig plane man, mit dem Streaming-Angebot von Warner Bros. Discovery 400 Millionen Abonnenten zu erreichen.

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Tue, 08 Jun 2021 10:53:00 +0200
Das langsame Verschwinden eines Medienkonzerns https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/lagardere-ende-eines-medienkonzerns.html „Arnaud Lagardère kann den Kopf aus der Schlinge ziehen... diesmal zumindest“, titelte Libération... „Arnaud Lagardère kann den Kopf aus der Schlinge ziehen... diesmal zumindest“, titelte Libération am 5. Mai 2020. Und fasste so die Ergebnisse der von vielen als „schicksalhaft“ angekündigten Hauptversammlung des Konzerns zusammen. Seit 2016 nämlich hat Lagardère den „aktivistischen Investmentfonds“ von Amber Capital (London) im Nacken bzw. dessen Gründer und Managing Partner Joseph Oughourlian, geboren 1972, Franzose mit libanesisch-armenischem Hintergrund und Hauptaktionär/Präsident des Fußball-Erstligisten RC Lens. Oughourlian, „the man who wants Arnaud Lagardère’s skin“, lässt nicht locker. Seit 2016 wirft er dem Lagardère-Chef sein „disastrous management“ vor.

Er ist nicht der Einzige. Eigentlich und vor allem war Arnaud Lagardère immer der fils à papa, daddy’s boy, nur „der Sohn von...“, einziger Nachkomme und prädestinierter Erbe des legendären französischen Großindustriellen Jean-Luc Lagardère, der aus einem mittelständischen Unternehmen einen Weltkonzern, ein Rüstungs- und Medienkonglomerat gemacht hatte. Als Lagardère Senior 2003 nach einer Hüft-OP an Blutvergiftung starb, musste der 42-jährige Arnaud übernehmen. Für das Pariser Finanz-Establishment war klar: Er konnte es nicht, war nur ein blasses Abbild des Vaters, sprunghaft, nur ein Dilettant.

Sein größter Flop: die Idee mit der Sportvermarktung, mit der Arnaud Lagardère, Sportfan wie sein Vater, wohl versuchen wollte, aus dem übergroßen Schatten von Jean-Luc Lagardère herauszutreten, ein eigenes Profil zu gewinnen, sein eigenes Ding zu machen. Er und seine filiale chérie Lagardère Sports investierten mehr als 1,2 Milliarden Euro in sein „hobbysness“, in Medien- und Vermarktungsrechte von Dutzenden europäischer Fußball-Klubs, vom Afrika-Cup, vom Asien-Cup und in das Management diverser Top-Tennis- und Golfspieler, Rallyefahrer und Schwimmer. Ende 2019 aber wird Lagardère Sports mit nur noch 110 Millionen Euro bewertet, 75 Prozent werden an einen Investor aus Miami abgegeben. 

Innerhalb von zehn Jahren nach dem Tod seines Vaters hat Arnaud Lagardère das Unternehmen halbiert. Er verkaufte die Regionalpressetitel (2007), das „International Magazine Business“ (2011 an Hearst), letzte Anteile am Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS (2013), den 25-prozentigen Anteil an der Groupe Amaury (L’Équipe, Tour de France, 2013), den 20-prozentigen Anteil an Canal + France (an Vivendi, 2013). Danach Internetseiten wie Doctissimo und Mondocteur (2018), die Magazin-Presse in Frankreich mit Titeln wie Elle, Version Femina, Télé 7 Jours, Ici Paris, France Dimanche u.a. (2019, an Czech Media Invest), ebenfalls 2019 eine Reihe von TV-Sendern an M6. Im aktuellen IfM-Ranking liegt Lagardère auf Platz 34.

Ein Grund, vielleicht der wichtigste, für die zahlreichen Verkäufe war sicherlich Arnaud Lagardères abenteuerlicher persönlicher Schuldenstand. Fast eine halbe Milliarde Euro hatte er aufgenommen, um damit 2003, nach dem Einstieg als CEO, seine Lagardère-Aktienposition zu stärken. Die ganzen Verkaufserlöse gab er dann weiter an sich selbst und die anderen Aktionäre mit enormen Dividenden, manchmal höher als der Unternehmensgewinn. Anfang 2020 gab er an, die Schuldenlast auf 164 Millionen reduziert zu haben. Trotz allem aber, trotz fehlender Strategie, erratischem Management, Rückgang bei Gewinn und Investitionen, zahlt Arnaud Lagardère sich selbst und seinem „Exekutiv-Komitee“ weiterhin Vergütungen in Millionenhöhe. Dazu Joseph Oughourlian/Amber Capital: „Es gibt hier eine ungesunde Kultur von Plünderung. Egal, was passiert, die Führungskräfte stecken ihre Gehaltsschecks ein... In jedem anderen Unternehmen würde man sagen: Es reicht!“

Dann kam Covid-19 dazu. Lagardère, zuvor eine diversifizierte Unternehmensgruppe, hat die Geschäfte jetzt in drei Sparten gebündelt, z.T. sehr schwer betroffen von der Pandemie. Zu sehen in erster Linie an den radikalen Umsatzeinbußen von „travel retail“, also den 5.000 Restaurants und Shops in Flughäfen und Bahnhöfen auf fünf Kontinenten. Oder am Rückgang im Werbegeschäft bei den verbliebenen Medien-Aktivitäten. Die Aktie, die sich seit über zehn Jahren zwischen 20 und 30 Euro bewegt hatte, fiel zeitweise auf 8,50 Euro. Der Marktwert sank auf knapp über eine Milliarde.

Am 5.5.2020 also die Generalversammlung. Arnaud Lagardère, wie gesagt, konnte den Kopf aus der Schlinge ziehen. Amber Capital hatte vom günstigen Kurs profitiert, den Aktienanteil auf 16 Prozent erhöht und sich eigentlich vorgenommen, mit einer Art Coup d’État den Aufsichtsrat abzuberufen. Um dann, und das war der zentrale Punkt, mit einem neuen Aufsichtsrat aus Vertrauensleuten eine Verlängerung von Arnaud Lagardères im März 2021 auslaufenden Verwaltungsmandat zu verhindern. Ein Chefposten, auf dem Lagardère eigentlich unanfechtbar sitzt, durch den besonderen Rechtsstatus einer Kommanditgesellschaft auf Aktien. Sieben Prozent des Kapitals genügen ihm, um die vollständige Kontrolle über das Unternehmen zu behalten, das seinen Namen trägt. Ein Zustand, der ein ineffizientes und überteuertes Geschäftsmodell nach sich zieht, dem Amber Capital und Gründer Oughourlian ein Ende setzen wollten.

Es hat nicht funktioniert. „Hexagonal capitalism strikes back“, las man. Lagardère hatte sich mächtige Unterstützer an Bord geholt, es war ein Paradebeispiel für die unter französischen Eliten nicht seltene Vetternwirtschaft. Unterstützer wie den bretonischen Milliardär Vincent Bolloré, der zugleich mit einem Anteil von rund 26 Prozent Vivendi kontrolliert, den anderen Medienriesen aus Frankreich (auf Platz 20 im aktuellen IfM-Ranking). Er übernahm 11 Prozent von Lagardère. Oder Marc Ladreit de Lacharrière, ein weiterer Milliardär, zuvor Mehrheitseigner der Fitch-Ratingagentur (heute ein Teil von Hearst, Platz 24 im aktuellen IfM-Ranking). Er stieg mit drei Prozent ein. Guillaume Pepy, zuvor CEO der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, wurde rechtzeitig im Februar 2020 in den Lagardère-Aufsichtsrat gewählt, wie auch Nicolas Sarkozy. Der im April 2005, also zwei Jahre vor seiner Wahl zum Präsidenten, über den sechs Jahre jüngeren Arnaud Lagardère sagte: „Er ist mehr als ein Freund, er ist ein Bruder.“ Er wurde sicherlich auch wegen seiner guten Beziehungen zu den katarischen Machthabern geholt, genauer gesagt zum Emir des Golfstaats Scheich Tamim bin Hamad Al Thani (geb. 1980, Staatsoberhaupt seit 2003. Verheiratet mit drei Frauen, neun Kinder). Sarkozy als „Luxusvermittler“ sollte dafür sorgen, dass auch Katar als einer der Hauptaktionäre (ca. 13 Prozent Anteil am Kapital, 20 Prozent der Stimmrechte) Arnaud Lagardère gewogen blieb. Der Coup d’État fand nicht statt, und der Kurs fiel um weitere fünf Prozent.

Die dramatische Wendung folgte am 11. August 2020. Vincent Bolloré, der seine Lagardère-Beteiligung mittlerweile auf 23,5 Prozent ausgeweitet hatte, stellte sich auf die Seite von Amber Capital (20 Prozent), wechselte die Fronten, schaltete auf Angriff. Zur Erinnerung: Bollloré (Jg. 1952) ist ein in französischen Wirtschaftskreisen berüchtigter, gefürchteter Name. Ein Corporate Raider, eine Heuschrecke also, „ein Name, der bei Traditionsunternehmen die Alarmglocken läuten lässt“, wie es in der FAZ schon 2002 einmal hieß, „das Sinnbild des Finanzhais“. Jetzt machte Libération am 11.8. aus Bolloré eine Boa, eine Würgeschlange, die sich im Moment der größten Sommerhitze um den Hals von Arnaud Lagardère legte. Bolloré und Amber Capital schlossen einen Pakt und forderten vier Sitze im Lagardère-Aufsichtsrat, drei für Amber, einen für Vivendi. Vorher aber, als ihm auffiel, dass Bolloré seinen Anteil sukzessiv erhöhte, hatte Arnaud Lagardère die Lage mit einem besonderen taktischen Move weiter verkompliziert. Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton, Moët & Chandon, Hennessy), laut Forbes mit 94 Milliarden US-Dollar im Mai 2020 reichster Franzose, reichster Europäer, drittreichster Mensch überhaupt, erwarb für 80 Millionen Euro ein Viertel an Arnaud Lagardères privater Holding: „Meine Freundschaft mit Jean-Luc Lagardère verbindet unsere Familien, ich habe den allergrößten Respekt für das Unternehmen, das er aufgebaut hat.“ Die vielen Arnault-Millionen schienen zunächst wie ein Gefallen, der Arnaud Lagardère Luft verschaffen sollte: angesichts des zu niedrigen Aktienkurses, gegenüber den Verpflichtungen bei seiner Hausbank Crédit agricole. Aber war es das wirklich? Oder hatte Bernard Arnault eine eigene Agenda? Jedenfalls: Zwei milliardenschwere Finanziers waren jetzt im Spiel um das Erbe von Jean-Luc Lagardère, dazwischen ein früherer Staatspräsident. Bernard Arnault, der Trauzeuge bei Sarkozys zweiter Ehe mit Cécilia im Rathaus von Neuilly. Vincent Bolloré, der Sarkozy nach seinem Wahlsieg 2007 einen Privatjet und eine Yacht für einen Kurzurlaub vor Malta zur Verfügung gestellt hatte. Jeder half jedem, und jeder hatte einen Plan.

Am 18. August 2020, eine Woche, nachdem Bolloré/Vivendi und Amber Capital ihre 43,5 Prozent des Kapitals ausmachende Allianz publik gemacht hatten, der nächste Eskalationsschritt. Ein kluger Schachzug: Arnaud Lagardère ließ sich sein Verwaltungsmandat kurzerhand vorzeitig verlängern, vor dem eigentlichen Mandatsende im März 2021. Noch wusste er die Aufsichtsratsmehrheit hinter sich. Empörung auf der Gegenseite: Dieser „Akt des Widerstands“ bedeute nichts weniger als eine Infragestellung der Aktionärsdemokratie. Der Lagardère-Titel fiel um fünf Prozent. Doch wohl niemand wird geahnt haben, was am 23. September passierte. Un événement rarissime – ein äußerst seltenes Ereignis, als sogar Katar bzw. der staatliche Fonds der Qatar Holding LLC Position bezog, sich an die Seite von Vivendi und Amber Capital stellte und „als langjähriger Investor“ einen Sitz im Aufsichtsrat forderte. Unklar, welche Rolle Sarkozy jetzt spielte. Hatte er vielleicht auch die Seite gewechselt und seinen „Bruder“ Arnaud Lagardère verraten? Lagardère lehnte es am 31.8. ab, Vivendi und Amber Capital die geforderten Sitze im Aufsichtsrat einzuräumen. Amber zog vor das Pariser Handelsgericht, ohne Erfolg.

Wie geht es weiter? Unabhängig von der für Mai 2021 vorgesehenen nächsten Generalversammlung zeichnete sich bereits im November 2020 ab, dass die Sache am Verhandlungstisch geklärt werden wird. Am 3. Februar 2021 zitierte Libération einen Vertreter aus dem Umfeld von Bolloré: „Sie [Bolloré und Arnault] haben entschieden: Es wird keinen Krieg geben.“ Auf der Seite von Bernard Arnault hieß es: „Es wird außergerichtlich geregelt werden.“ Eine weitere Quelle äußert sich in LibreECO mit : „Bernard Arnault, Arnaud Lagardère und Vincent Bolloré sind momentan im Gespräch. Da wird man eine Lösung finden.“

Erster Punkt: Arnaud Lagardère, der verschuldete Manager ohne Fortüne, wird seinen Posten räumen müssen. Er hat sich damit abgefunden, dass er seine Sonderrolle mit Kommanditistenstatus wird abgeben müssen (Joseph Oughourlian wird's freuen). Und wohl im Gegenzug 250 bis 300 Millionen Euro (in Lagardère-Aktien) kassiert. Und sein Konzern, wird der jetzt demontiert? Es ist kein Geheimnis, dass Bolloré (Vivendi) am liebsten den Radiosender Europe 1 aus dem Lagardère-Portfolio übernehmen würde, was allerdings an dem Veto von Arnault scheitern könnte. Denn Bernard Arnault, auch das kein Geheimnis, steht dem Élysée und Emmanuel Macron nahe (er kleidet seine Frau ein), der wenig Interesse daran haben wird, dass Bolloré, der schon den TV-Sender CNews zu einer Plattform für rechte Politiker und Publizisten aufgebaut hat, auch noch Europe 1 kauft, ein Jahr vor den nächsten Präsidentschaftwahlen. Vor dem Hintergrund versteht man, dass von „Kollusion unter Wirtschaftseliten“ die Rede ist, von einem abgekarteten Spiel, von Eigeninteressen natürlich, oder von dem „match des milliardaires pour contrôler Lagardère“ (Libération). Wenn es mit Europe 1 nicht klappt, vielleicht konzentriert sich Bolloré dann auf die französische M6-Gruppe (und das dazugehörige RTL-Radio), die Bertelsmann ja zum Verkauf anbietet. Bernard Arnault, so hört man, zeigt wenig Interesse an Europe 1, hat dafür aber auf das Journal du Dimanche und das Traditionsmagazin Paris Match ein Auge geworfen.

Schließlich Hachette, Lagardères Verlagsriese, 2,38 Milliarden Euro Umsatz 2019. Dessen internationale Aktivitäten (in den USA, in Großbritannien) und einige dazugehörige renommierte inländische Verlagshäuser (Grasset, Stock, Fayard) wären auch etwas für den Bretonen Bolloré und seine Vivendi-Verlagssparte Editis. Die Frage ist: allein wenn nur das internationale Geschäft von Hachette (das zwei Drittel des Hachette-Gesamtumsatzes ausmacht) abgespalten und an Vivendi verkauft würde. Was bleibt dann noch von der Groupe Lagardère? Was bleibt von einem der einstmals größten Medienkonzerne Europas?

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Sun, 07 Feb 2021 17:24:00 +0100
Abschied aus Frankreich? Bertelsmann plant den Verkauf von M6 https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/abschied-aus-frankreich-bertelsmann-plant-verkauf-franzoesischer-aktiva.html Gerüchte gab es seit Wochen, in Wirtschaftsblättern rechts und links des Rheins. Am 29. Januar 2021... Gerüchte gab es seit Wochen, in Wirtschaftsblättern rechts und links des Rheins. Am 29. Januar 2021 dann die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters: Bertelsmann suche einen Käufer für den Anteil von 48 Prozent an der französischen TV- und Radiogruppe M6. „Un coup de tonnerre dans le monde des médias“ (Figaro), „une déflagration [eine Explosion] dans le paysage médiatique français” (Le Monde), die M6-Aktie stieg gleich um 12 Prozent.

Nicht nur würde Bertelsmann wegen M6 mit Frankreichs größtem Medienkonzern Vivendi reden (Platz 20 im aktuellen IfM-Ranking), so Reuters, oder mit Patrick Drahi, Chef des franko-amerikanischen Kommunikationsriesen Altice (Platz 13) und mit TF1 (Mediengruppe um den größten französischen TV-Privatsender, Platz 79). Sondern auch mit Berlusconis Mediaset und dem tschechischen Investor Daniel Kretinsky, beide Großaktionäre bei ProSiebenSat.1. Laut Reuters verspräche sich Bertelsmann von dem Deal rund drei Milliarden Euro. Ziemlich optimistisch vor dem Hintergrund, dass es um einen 48-prozentigen Anteil an einem derzeit mit 1,76 Milliarden Euro bewerteten Unternehmen geht. Es seien allerdings „Gespräche in einem sehr vorläufigen Stadium".

Alles Teil eines Masterplans? Im Frühjahr 2020 hatte Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender und RTL-Chef Thomas Rabe doch das Ziel verkündet, „nationaler Streaming-Champion in den Ländern zu werden, in denen die RTL Group führende Senderfamilien betreibt“ (mit Angeboten wie TVNow in Deutschland und Videoland in den Niederlanden). Ein ambitionierter Plan, gelinde gesagt. Eine Strategie, zu der die französische M6-Gruppe nicht mehr passt? Die seit Oktober 2020 ja eine französische Streaming-Plattform („Salto") veranstaltet gemeinsam mit TF1 und dem öffentlich-rechtlichen France Télévisions. Auch für M6-Chef Nicolas de Tavernost sind „nationale Gruppierungen nötig, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten“. Sein Kommentar zu einer Fusion von M6 und TF1: „Es gibt heute keine Pläne in diese Richtung.“ In Deutschland jedenfalls wäre eine von Thomas Rabe ins Spiel gebrachte „nationale Gruppierung" von RTL und ProSiebenSat.1 nach aktuellem Kartellrecht ausgeschlossen.  

Und Bertelsmann und Frankreich? Mitte Dezember 2020 war ja herausgekommen, dass Gruner + Jahr die Tochter Prisma Media (und ihre 20 Zeitschriften, z.B. Femme Actuelle, GEO, Capital, Gala) an Vivendi zu verkaufen plant – nicht zuletzt wegen Corona-Werbeeinbrüchen – und sich so von dem französischen Zeitschriften-Geschäft trennen würde. Um sich dann rein auf den deutschen Markt zu konzentrieren. Es scheint fast, als wolle sich Bertelsmann komplett aus Frankreich zurückziehen.

M6 (Métropole Télévision) geht zurück auf ein Konsortium aus dem RTL-Vorgänger Compagnie luxembourgeoise de télédiffusion und dem Wasserversorger Lyonnaise des eaux, dem im Februar 1987 mithilfe von Präsident Jacques Chirac die sechste terrestrische Frequenz zugesprochen wurde. Am 1. März 1987 der Sendestart zunächst als, so die staatliche Vorgabe, chaîne musicale (30 Prozent der Sendezeit mussten mit Musikprogrammen bespielt werden). Heute ist M6 ein „normaler“, erfolgreicher Privatsender, kauft und produziert Programme und betreibt 13 Fernsehkanäle (etwa W9, 6ter, Gulli, Téva, Paris Première, Canal J) und drei Radiosender (RTL, Fun Radio und RTL 2). 2019 machte man rund 1,456 Milliarden Euro Umsatz und einen Nettogewinn von 172,7 Millionen.

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Wed, 03 Feb 2021 15:28:00 +0100
„So geil und so viel besser“: Champions League auf Amazon Prime https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/so-geil-und-so-viel-besser-champions-league-auf-amazon-prime.html Interessant das aktuelle US-Engagement auf ureigenem deutschen/europäischen Terrain, wenn man so... Interessant das aktuelle US-Engagement auf ureigenem deutschen/europäischen Terrain, wenn man so will. Neben DAZN, dem „Netflix des Sports“ und upcoming britischen Sport-Streamingdienst des US-Multimilliardärs Sir Leonard „Len“ Blavatnik (übrigens auch Eigentümer der Warner Music Group, einem der drei weltgrößten Major-Labels) ist es niemand Geringeres als der Überkonzern Amazon, der sich im Sport- und v.a. Fußballrechte-Markt einmischt. Beide streamen von der Saison 2021/2022 an die Champions League, Amazon über seine Prime-Plattform die Dienstag-Spiele, DAZN die Spiele am Mittwoch (und das ZDF ganz old school linear die Zusammenfassungen). Der für Bundesliga- und hochwertigen internationalen Klubfussball eigentlich zuständige Bezahlsender Sky zog den Kürzeren. Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber: „Der Mix aus Prime am Dienstag, DAZN am Mittwoch und ZDF im Free TV“ sei „so geil und so viel besser“ als das teure Angebot von Sky. Dazu der Tagesspiegel: „Internet frisst Fernsehen“.

Beim premium product der Bundesliga ist Amazon übrigens nicht zum Zug gekommen, hier sicherten sich Sky und DAZN bei den Verhandlungen für die Saisons 2021/22 bis 2024/25 die wichtigsten Live-Rechtepakete. Sky die Rechte für den Samstag-Spieltag, also alle Livespiele um 15.30 Uhr, das Abendspiel um 18.30 Uhr und die sogenannte Konferenz; DAZN die Rechte für die Freitags- und Sonntagsspiele. Zwar ist es Experten ein Rätsel, warum Amazon nicht zugeschlagen hat. Gleichzeitig weiß man, dass es für die US-Manager immer zuallererst darum geht, die Prime-Mitgliedschaft für Kunden attraktiv zu machen, wie z.B. jetzt einmal mit der Champions League am Dienstag. Vielleicht versucht man es beim nächsten Mal auch mit der Bundesliga, oder man lässt den Fußball einfach wieder weg. Wenn man sieht, dass es sich nicht rechnet.

Die Einschaltquoten im Corona-Herbst jedenfalls fallen, wie man jetzt lesen kann. Bei der „Sportschau“, beim „Aktuellen Sportstudio“. Warum? Wegen der Geisterspiele vielleicht, wegen der verschiedenen Abos, die Hardcore-Fans jetzt brauchen? Wegen der langweiligen Bundesliga? Vielleicht war auch das der Grund, warum Amazon die anderen hat machen lassen (für 4,4 Milliarden Euro für die vier Spielzeiten bis 2025). Die Bundesliga mit Rekord- und Dauermeister Bayern München wird unter Marketinggesichtspunkten zunehmend zu einem minderwertigen Produkt.

Noch ein Gedankenexperiment: Was, wenn Brian Roberts, CEO von Comcast (weltweit drittgrößter Medienkonzern), seiner Tochterfirma Sky Deutschland im Corona-Frühjahr 2020 untersagt hätte, die vierte Rate über rund 225 Millionen Euro für Fußball-Geisterspiele zu überweisen? Hätten Top-Medienmanager im fernen Philadelphia dann den deutschen Profifußball beerdigt? Stattdessen aber stand in der SportBILD vom 16.4.2020: „Sky [also Comcast] rettet die deutsche Bundesliga.“

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Mon, 26 Oct 2020 18:09:00 +0100
Heavy investment: Aktivitäten von KKR am deutschen Medienmarkt https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/heavy-investment-aktivitaeten-von-kkr-am-deutschen-medienmarkt.html Zunächst ein Blick zurück. Mitte Dezember 2006 kauften Kohlberg Kravis Roberts (KKR, gegründet 1976... Zunächst ein Blick zurück. Mitte Dezember 2006 kauften Kohlberg Kravis Roberts (KKR, gegründet 1976 in New York) gemeinsam mit der britischen Permira, einer weiteren Beteiligungsgesellschaft, dem US-Investor Haim Saban den Münchener Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 ab – für rund drei Milliarden Euro. Man erinnert sich, es war die Zeit der vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering in Bild am Sonntag (am 17. April 2005) angefeuerten „Heuschreckendebatte“, in der er sich gegen den Marktradikalismus einer Gruppe von Private Equity-Unternehmen aussprach, ohne konkrete Namen zu nennen („Investoren, die keinen Gedanken an die Menschen verschwenden, deren Arbeitsplätze sie vernichten“). Auf einer schwarzen Liste („Die Namen der Heuschrecken“), die am 28.4.2005 auf stern.de stand, wurden KKR und Permira aber ausdrücklich erwähnt. Schon vor dem ProSiebenSat.1-Investment also war KKR (nach dem Einstieg beim Triebwerkhersteller MTU 2005) wegen „räuberischem Kapitalismus“ ins Kreuzfeuer geraten und hatte damals gekontert mit: „Wir grasen nicht ein Land ab und ziehen dann weiter. Sondern wir investieren langfristig." Für den ägyptischen Medienunternehmer Saban, nach Übernahme von Teilen der insolventen Kirch-Gruppe im August 2003 ProSiebenSat.1-Haupteigner, bedeutete der Deal in jedem Fall einen satten Milliardengewinn. KKR und Permira fusionierten ProSiebenSat.1 dann erfolgreich mit der skandinavischen SBS Broadcasting Group (nach RTL entstand so der zweitgrößte europäische TV-Anbieter) und taten sieben Jahre später, was Finanzinvestoren so tun: Sie machten Kasse. Im Januar 2014 verkaufte das Konsortium seine Anteile mit gut einer halben Milliarde Euro Profit.

 

Jetzt hat KKR wieder am deutschen Markt, und besonders am deutschen Medienmarkt Interesse gefunden. Bereits im Frühjahr 2019 unternahm man federführend einen Großeinkauf, um ein zunächst namenloses „Entertainment-Haus“ bzw. eine „TV-Plattform“ unter Geschäftsführer Fred Kogel zusammenzustellen (Tele München Gruppe, Universum Film, i&u TV, Wiedemann & Berg Filmproduktion; jeweils ohne Angaben zum Kaufpreis). Die Namensfrage wurde dann im September aufgelöst („Leonine“ wegen Bezug zu Bayern und dem bayerischen Wappentier), weitere Details der Firmenstrategie wurden deutlich: Ziel sei ein pan-europäisches Filmstudio, unter der von CEO Fred Kogel, COO Markus Frerker, CFO Joachim Scheuenpflug und Chief Distribution Officer Bernhard zu Castell geführten Holding soll das Geschäft in die Bereiche Leonine Production, Leonine Distribution und Leonine Licensing aufgeteilt werden. Oder, so Fred Kogel: „Es ist unser Ziel, die neuen Möglichkeiten einer veränderten Content-Welt zu nutzen und Leonine nachhaltig als ‚One Stop Shop‘ für Premium-Content zu etablieren.“ Drei eigene Streaming-Dienste gibt es auch schon: Home of Horror, Filmtastic und Arthouse CNMA, jeweils für monatlich 3,99 Euro.

 

Unabhängig vom Leonine-Investment ist KKR seit Mitte 2019 auch an ungleich prominenterer Position in den deutschen Medien aktiv, im Kern nämlich der Springer-Verlagsgruppe um Bild, Europas größtem Boulevardblatt. Am 29. Mai 2019 wurde die strategische Beteiligung des US-Investors bekannt, drei Monate später war man, auch nach einem sogenannten Squeeze-Out der Minderheitsaktionäre, mit 43,5 Prozent größter Anteilseigner und schloss eine Investorenvereinbarung mit der Verlegerin Friede Springer (42,6 Prozent der Springer-Anteile) und dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner (2,8 Prozent). Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass auch auf die Enkel des Verlagsgründers Axel Springer, Ariane Melanie Springer und Axel Sven Springer, noch 6 Prozent entfallen. Am 6. April 2020 dann nach rund 35 Jahren das Delisting. Dazu Mathias Döpfner: „Der Abschied von der Börse läutet für uns eine neue Wachstumsphase ein. Sobald sich die Situation nach der Corona-Krise wieder normalisiert hat, werden wir unseren gesamten Fokus auf unser ambitioniertes Ziel legen, Weltmarktführer bei digitalem Journalismus und digitalen Classifieds zu werden." KKR hat sich verpflichtet, die Springer-Anteile mindestens fünf Jahre zu behalten und steht aktuell bei 47,6 Prozent der Aktien.

 

„Wir setzen auf Deutschland.“ Im Februar 2020 hatten KKR-Vice President Scott Nuttall und Deutschland-Chef Christian Ollig in einem Interview mit dem Handelsblatt weitere Expansionen besonders auf dem TMT-Sektor (Technologie, Medien und Telekommunikation) angekündigt. „Wir sehen uns im deutschen Medienbereich immer nach Gelegenheiten um“, von heavy investment war die Rede. Um dann am 11.5.2020 bekannt zu geben: „Wir haben uns entschlossen, im Rahmen eines finanziellen Investments wieder bei Pro Sieben Sat 1 einzusteigen.“ Mit gut fünf Prozent der Anteile und rund sechs Jahre nach dem Ausstieg 2014. Wie sagte ein KKR-Sprecher: „Wir sind davon überzeugt, dass das Unternehmen derzeit am Kapitalmarkt unterbewertet ist.“ Das offenbar trotz des Krisenmodus, in dem sich der Konzern aus Unterföhring seit langem befindet, trotz einer Dauertalfahrt an der Börse seit 2016 und einem im Frühjahr 2020 gefeuerten CEO, trotz Übernahmeavancen durch Berlusconi.

 

Von Leonine, der von KKR kontrollierten Medienholding, gibt es schon im Jahr nach der Gründung wesentlich Neues zu melden, und zwar ursprünglich aus Paris. Hier machten Xavier Niel (einer der reichsten Franzosen, Teilhaber der Tageszeitung Le Monde), Matthieu Pigasse (Eigentümer Les Inrockuptibles, Teilhaber Le Monde) und Pierre-Antoine Capton, alle drei Gründer der französischen Mediengruppe Mediawan (mit einem Umsatz 2019 in Höhe von 338 Millionen Euro), am 22. Juni 2020 die Gründung von Mediawan Alliance bekannt: als ein führendes europäisches Filmstudio, als Inhalteproduzent präsent in allen Genres und Formaten, das etwa den 100 Millionen Euro schweren Kauf von Lagardère Studios vorsieht, die die französische Lagardère-Gruppe im Zuge ihrer Konzentration auf das Kerngeschäft loswerden will. Und das auch die Übernahme einer Minderheitsbeteiligung an Leonine plant, „um Kooperationen und Koproduktionen auszuloten“. Leonine-Chef Fred Kogel erhält so auch den Posten eines Directeur général von Mediawan Alliance. Philipp Freise, Partner und Co-Leiter European Private Equity bei KKR: „In nur einem Jahr hat sich Leonine zu einem der attraktivsten Content-Häuser in Europa entwickelt – und diese Reise ist noch nicht zu Ende. Deshalb freuen wir uns darauf, als Mehrheitseigentümer von Leonine den weiteren Weg gemeinsam mit Fred Kogel und seinem Team auch in Zukunft eng und partnerschaftlich zu begleiten."

 

Nicht weiter auf dem gemeinsamen Weg geht es für den Fernsehkanal Tele 5, den KKR/Leonine am 3.7.2020 an den US-Konzern Discovery (auf Platz 26 im aktuellen Ranking der größten Medienkonzerne) verkauft haben. Tele 5 fügt sich in das u.a. aus Eurosport 1, DMAX, TLC und Home & Garden TV bestehende TV-Angebot von Discovery Deutschland ein. Für Leonine bleiben die drei eigenen SVoD-Sender und die Minderheitsbeteiligung an RTLZWEI.

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Fri, 28 Aug 2020 08:48:00 +0200
Mediaset sempre più tedesca. Aktuelle Vorgänge um Pro Sieben Sat 1 https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/mediaset-sempre-piu-tedesca.html Schon vor über einem Jahr hatte man spekuliert, der Mediaset-Konzern des italienischen... Schon vor über einem Jahr hatte man spekuliert, der Mediaset-Konzern des italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ziehe eine Übernahme von Pro Sieben Sat 1 in Erwägung. Fusionsphantasien entstanden, die das Pro-Sieben-Sat-1-Papier um vier Prozent nach oben trieben. Die Börsenattacke Ende Mai 2019, als Mediaset für 349,1 Millionen Euro ein Aktienpaket von 9,6 Prozent erwarb und größter Anteilseigner wurde, konnte dann niemanden überraschen. Mitte November 2019 wurde der Anteil über die Tocher Mediaset España (Madrid) um 5,5 auf 15,1 Prozent ausgebaut. Der Kaufpreis: Ca. 170 Millionen. „Mediaset alla conquista della Germania”, titelte die Berlusconi-nahe Tageszeitung Libero. „Mediaset erobert Deutschland.“ Damit nicht genug: Am 23. März 2020 legte Mediaset España nach und kaufte für rund 61 Millionen Euro weitere 4,25 Prozent; der Mediaset-Gesamtanteil an Stimmrechten lag jetzt bei 20,1 Prozent.

Kleiner Exkurs: Das, was für die deutsche Fernsehwelt Unterföhring ist, einer der wichtigsten Medienstandorte nämlich (Pro Sieben Sat 1, BR Studios, ZDF Landesstudio, Sky Deutschland, Paramount Germany, früher Taurus-Film und Kirch-Gruppe), heißt in Italien Cologno Monzese, kurz Cologno, eine Kommune nordöstlich von Mailand. Hier findet sich die Mediaset-Zentrale, die dazugehörigen Sender und zahlreiche weitere Studios (z.B. von Radio Italia, RTL 102,5). Auch liest man in dem Zusammenhang oft von il biscione, dem mittelalterlichen Wappensymbol einer Schlange, die ein Kind verschluckt. Il biscione: Symbol der Stadt Mailand, das sich auch auf dem Logo von Alfa Romeo findet und dem von Berlusconis Fininvest-Holding (hier hat man das Kind durch eine Blume ersetzt).

„Mediaset, nuovo blitz su Prosieben. Il Biscione al 25% della tv tedesca“, so affaritaliani.it am 23.4.2020. Oder wie die Süddeutsche Zeitung am 6.4. geschrieben hatte, nachdem il biscione (also Mediaset) beim Bundeskartellamt den „Erwerb eines wettbewerblich erheblichen Einflusses“ angemeldet hatte: „Mediaset macht ernst“. Ein blitz, ein Überraschungsangriff war es aber nicht; die Aufstockung der Beteiligung um weitere 4,1 Prozent war erwartet worden, hatte doch schon am 15. April das Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore vom OK der Kartellbehörden berichtet („Mediaset: nulla osta dell'Antitrust tedesca“). Mit 24,9 Prozent der Stimmrechte hält Mediaset jetzt eine faktische Sperrminorität. Ohne die Zustimmung aus Cologno geht nichts mehr.

Man weiß, dass Mediaset damit rechnet, Pro Sieben Sat 1 in die paneuropäische Mediengruppe MediaForEurope zu integrieren, dem Europakonzern mit Sitz in Amsterdam. Dazu Pier Silvio Berlusconi, der Sohn, CEO von Mediaset: “We are looking for partners in Europe to challenge the web giants". Partner wie P7S1 eben, oder TF1 (Paris) und Media Capital (Lissabon). Der Gründungsprozess von MFE stockt allerdings, wegen anhaltender Verstimmung zwischen Mediaset und Vivendi (Mediaset-Großaktionär). Mediaset-Finanzchef Marco Giordani hofft auf eine baldige Klärung der Sache (die eigentlich schon für März erwartet worden war, sich aber wegen Corona und geschlossener Gerichte verzögert).

Es gibt weitere Beteiligte an den Vorgängen um Pro Sieben Sat 1. Auch über den amerikanischen Medienkonzern Discovery hörte man, er sei interessiert. Gunnar Wiedenfels, P7S1-Finanzvorstand bis 2017, ist mittlerweile bei Discovery in gleicher Funktion tätig. Oder die Czech Media Invest (CMI) von Daniel Kretinsky, der zusammen mit Patrik Tkac und dem Slowaken Roman Korbacka Ende Oktober 2019 zunächst mit vier Prozent bei Pro Sieben Sat 1 eingestiegen war, um Mitte März 2020 den Kursverfall der Aktie zu nutzen und die Anteile auf 10,01 Prozent aufzustocken. Der Tscheche Kretinsky, rund 3,4 Milliarden Dollar schwer, der auch 30 Prozent am Handelskonzerns Metro, 49 Prozent an „Le Monde“ und seit dem 5. Mai 2020 auch 5,3 Prozent an der britischen Royal Mail hält, hatte Anfang April 2020 verlauten lassen, „keine gemeinsamen Absprachen“ mit Mediaset treffen zu wollen. Ende März hatte Kretinskys CMI aber bekannt gegeben: „Wir beabsichtigen, innerhalb der nächsten zwölf Monate weitere Stimmrechte zu erwerben.” Nicht nur das. Dazu wolle CMI auch entsprechend der Beteiligung „Einfluss auf die Besetzung von Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorganen der ProSiebenSat.1 Media SE“ nehmen.

Oder doch Gütersloh? Bertelsmann/RTL-Chef Thomas Rabe sagte am Rande der Bilanz-Präsentation am 24. März 2020, dass er sich eine Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durchaus vorstellen könne. Zwar sei das aus regulatorischen Gründen „momentan schwierig“, doch „irgendwann sollte das möglich sein“. Unklar bleibt hier, warum genau eine Fusion des größten mit dem drittgrößten deutschen Medienkonzern bzw. eine Fusion der beiden größten deutschen Privatfernsehgruppen, die sämtliche relevanten Privatsender unter einem Dach versammeln würde, irgendwann kartellrechtlich unproblematisch sein sollte.

Die letzte Volte: Der überraschende Auftritt der New Yorker Private Equity-Gruppe KKR, mit knapp 48 Prozent aktuell größter Anteilseigner von Axel Springer, und schon zwischen 2006 und 2014 Großinvestor bei P7S1, der am 10.05.2020 wieder einsteigt und 5,21 Prozent übernimmt. Ist Pro Sieben Sat 1 ein Übernahmekandidat, ein Spielball für Investoren? Mit den Geschäftszahlen geht es nach wie vor bergab. Der „auf die Aktionäre des Konzerns entfallende Gewinn“ ging im ersten Quartal 2020, also vor Corona, im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent zurück. Ein Dividenden Cut ist zu erwarten, die Dividenden-Rendite von über 12 Prozent sinkt so auf null.

Auch wenn wiederholt von einer Übernahme die Rede ist, auch wenn man in Italien von der Schlacht, der „battaglia per ProsiebenSat1“ spricht, die begonnen habe: Mediaset legt die Karten noch nicht offen, begrüßt aber den Einstieg von KKR als „gute Nachricht, die den Wert unserer Invesition in Deutschland bestätigt“. Wahrscheinlich ist es, dass die Italiener den Schwerpunkt weiterhin auf ihre MFE-Holding legen. Eine tatsächliche Übernahme der Kontrolle von Pro Sieben Sat 1 ist wohl nicht vorgesehen, würde von der Bundespolitik auch nicht befürwortet. Klärung erwartet man vom 10. Juni 2020, Tag der Online-Hauptversammlung. Dann wird sich zeigen, inwieweit die ganzen Anteilseigner ihre Prozente geltend machen wollen.

Max Conze jedenfalls hat mit all dem nichts mehr zu tun. Er hatte von Anfang an auf die Avancen aus Mailand kühl reagiert: „Ich bin sehr skeptisch, was eine strukturelle Verschmelzung unserer Unternehmen angeht“ (SZ 2.12.2019); sein Fokus lag auf dem neuen Videoportal Joyn. Dann musste Max Conze gehen, nach weniger als zwei Jahren an der Konzernspitze. Am Ende war es wohl il biscione, waren es die neuen starken Anteilseigner aus Cologno Monzese, die für seine am 26.3.2020 angekündigte Ablösung sorgten.

(auszugsweise aus Medienkorrespondenz 8/2020)

 

 

 

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Thu, 14 May 2020 10:43:00 +0200
Netflix überholt Bertelsmann (Prognose) https://www.mediadb.eu/newsarchiv/newsarchiv/newsdetail/article/netflix-ueberholt-bertelsmann-prognose-1.html Wenn man sich die Netflix-Umsätze der vergangenen Jahre anschaut, sieht man, dass die Zahlen... Wenn man sich die Netflix-Umsätze der vergangenen Jahre anschaut, sieht man, dass die Zahlen Quartal für Quartal gestiegen sind, von 1,27 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2014 beispielsweise auf 5,24 Milliarden Dollar im dritten Quartal 2019. Und auch wenn die internationale Presse im 2. Quartal 2019 erstmals eine gewisse Wachstumsschwäche bei Netflix verzeichnete (nur 2,7 Millionen neue Nutzer statt der erwarteten fünf): Vorsichtig prognostiziert wird Netflix, der Streamer aus Los Gatos, 2019 einen Gesamtumsatz von 20 Milliarden erreichen und Bertelsmann, was die Umsatzzahlen betrifft, aller Voraussicht nach überholen. Sollte es 2019 trotzdem nicht geklappt haben: Spätestens 2020 wird Netflix (gegründet 1997 als DVD-Versand) den größten deutschen Medienkonzern Bertelsmann (seit 1835) wohl hinter sich lassen. Genau wird man es am 31.03.2020 wissen, wenn Bertelsmann laut Finanzkalender den Geschäftsbericht 2019 veröffentlichen wird. Netflix wird die Zahlen für 2019 Ende Januar bekanntgeben.

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Sat, 11 Jan 2020 14:20:00 +0100