Ranking 2015: US-Internetfirmen dominieren zunehmend die internationale Medienindustrie

08.05.2015

Immer mehr Onlineunternehmen brechen in die Phalanx der etablierten klassischen Medienhäuser ein. Die wachsende Bedeutung von Google, Apple und Co spiegelt sich in der heute vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) publizierten Rangliste der 100 größten Medienkonzerne wider. Kriterium für das Ranking ist der Jahresumsatz 2014. Aufgenommen ins Ranking werden Unternehmen, die in mindestens einem wichtigen Geschäftsfeld nennenswerte Umsätze mit publizistischen Inhalten und/oder Werbung generieren und nicht als reine Telekom- oder Technikprovider firmieren.

Comcast, der Telekommunikations- und Medienkonzern aus Philadelphia, konnte mit einem Umsatz von umgerechnet 51,8 Mrd. Euro zwar wie in den Vorjahren den ersten Platz des Rankings vor Google (49,7 Mrd.) und der Walt Disney Company (35,3 Mrd.) verteidigen. Der Spitzenreiter musste jedoch jüngst eine herbe Niederlage einstecken, als US-Regulierungsbehörden dem Unternehmen signalisierten, dass sie kein grünes Licht für Comcasts geplante 45 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme von Time Warner Cable geben würden. Die Obama-Administration, die zuvor bereits mit ihrem umfassenden Bekenntnis zum Netzneutralitätsprinzip medienpolitisch für ein Ausrufezeichen gesorgt hatte, wirkte so einer Quasi-Monopolisierung des Kabel- und Telekommunikationsmarktes entgegen.

Die Niederlage von Comcast muss jedoch auch als Indiz für die exponierte Stellung der Onlinekonzerne für die US-Wirtschaft angesehen werden. So trug der öffentliche Protest gegen die dominierende Stellung von Comcast insbesondere vom Streaming-Marktführer Netflix (im diesjährigen Ranking mit einem Umsatz von 4,1 Mrd. Euro auf Rang 41) erheblich dazu bei, dass die Übernahme verhindert wurde. Andere Technologie- und Wissenskonzerne wie Amazon (mit einem geschätzten Medienumsatz von drei Milliarden Euro auf Rang 51) und Yahoo (3,5 Mrd.; Rang 46) haben ihre Serien- und Filmproduktion im vergangenen Jahr ebenfalls weiter ausgebaut; in Bezug auf Apple (Medienumsatz von 13,6 Mrd., Rang 10), das 2015 einen eigenen Musik- und Videostreaming-Dienst startet, wird immer wieder spekuliert, dass der Konzern in nicht allzu ferner Zukunft mit seinen gigantischen Cash-Reserven ein Filmstudio übernehmen könnte. Diese Konzerne eint, dass sie kein Interesse an einem übermächtigen Kabel- und Internetprovider wie Comcast haben, der seine wachsende Marktmacht dazu missbrauchen könnte, Preise festzulegen und eigene Angebote über seine Übertragungswege  zu bevorzugen.

Weitere im Ranking vertretene Onlinekonzerne sind die chinesischen Marktführer Tencent und Baidu (Rang 15, bzw. 29) sowie die amerikanischen Vertreter Facebook (17), IAC (64), Aol (76) und Twitter (100). Die Top 10 werden jedoch nach wie vor von traditionellen Medienkonglomeraten wie 21st Century Fox/News Corp. (mit einem kombinierten Umsatz von 30,4 Mrd. Euro auf Rang vier), Viacom/CBS (Rang sechs, 20,7 Mrd.) oder Time Warner (Rang sieben, 20,5 Mrd.) beherrscht. Ob diese Unternehmen in den kommenden Jahren die Verluste aus dem sich abzeichnenden Ende des Kabelgeschäftsmodells auffangen können, wird sich zeigen. Auch 2014 kündigten wieder Millionen von Nutzern ihre teuren Kabelverträge und ersetzten diese durch die Nutzung von Streaming-Angeboten. Walt Disney, CBS und Time Warners HBO reagierten, indem sie eigene Streaming-Plattformen starteten, die sich insbesondere an die jüngere Generation richten, für die lineares Fernsehen zunehmend keine Rolle mehr spielt.

Als größter deutscher Medienkonzern landete Bertelsmann mit einem Umsatz von 16,7 Mrd. Euro auf Rang 9. Dahinter folgen die ARD als größte öffentlich-rechtliche Anstalt der Welt auf Rang 25 (6,3 Mrd.). Ebenfalls im Ranking vertreten sind die deutschen Medienkonzerne Axel Springer (Rang 50, 3,04 Mrd.), ProSiebenSat. 1 (Rang 52, 2,9 Mrd.), Hubert Burda (Rang 58, 2,6 Mrd.), Bauer Media (Rang 65, 2,3 Mrd.), das ZDF (Rang 72; 2,01 Mrd.) und die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Rang 82, 1,7 Mrd.).

Die Gesamtheit der Top 100 erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 568,6 Mrd. Euro. Der Gesamtumsatz der 50 größten Medienkonzerne der Welt war 2014 leicht rückläufig und sank um 0,4 Prozent. Sie setzten zusammen 471,6 Milliarden Euro um, nachdem der Gesamtumsatz der Medienhäuser im Vorjahr bei 473,3 Milliarden Euro gelegen hatte. Der Umsatz der zehn größten deutschen Medienkonzerne betrug 2014 insgesamt 39,08 Mrd. Euro und fällt damit 20 Prozent geringer aus, als der Betrag, den allein Google erwirtschaften konnte.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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