Facebook: 'Counter Speech' gegen Hasskommentare

13.03.2017

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. CC BY 2.0

Seit Monaten tobt eine Debatte über die Rolle von Facebook und Google bei der Verbreitung von Fake News und Hassbotschaften. In Deutschland will Bundesjustizminister Heiko Maas in dieser Woche seinen - von Kritikern nach wochenlangen Streit als verwässert bezeichneten -Gesetzesentwurf gegen die Verbreitung von hate speech in sozialen Netzwerken vorstellen. In Großbritannien hat sich jüngst die Vereinigung der Zeitungsverlage öffentlich für die Einrichtung einer Untersuchungskommission des Kulturministeriums eingesetzt, vor dem Vertreter von Google und Facebook zu Vorwürfen der Untätigkeit bei der Weiterverbreitung von Fake News Rede und Antwort stehen sollen. Insbesondere stört die britischen Verleger, dass mittlerweile ein signifikanter Anteile der Anzeigen nicht mehr in Zeitungen sondern auf Facebook im Umfeld Fake News-Artikel geschaltet werden. Wie in einem Statement verlautbart, sorge Facebook so Schritt für Schritt für eine Nachrichtenkultur in der die "wichtige Rolle der Medien" aufgelöst wird bei "der Verankerung des öffentlichen Diskurses in der Realität."

Davon unbeeindruckt zeigte sich Facebooks Policy-Chefin Monika Bickert bei ihrem Auftritt auf dem jährlichen Branchentreffen South by Soutwest. Dabei vertrat sie die allbekannte Unternehmenslinie, dass Facebook nicht wie ein klassischer Medienkonzern reguliert werden solle, weil das Unternehmen die Inhalte nicht selber herstelle. Stattdessen stellte das Unternehmen das gemeinsam mit dem US-Sicherheitsministerium konzipierte "Countering Violent Extremism" Programm vor, das einen Schwerpunkt nicht etwa auf die rigorose Löschung entsprechender Posts setzt, sondern die User mit von zivilgesellschaftlichen Akteuren produzierten Konter-Botschaften erreichen will. Obwohl wie Bickert einräumte, inzwischen präzise Algorithmen existieren, um die Radikalisierung (oder Selbstmordgefahr) von Usern zu erkennen, will Facebook davon bis auf weiteres kein Gebrauch machen.

Mit der Löschung von problematischen Content scheint das Unternehmen nach wie vor massive Probleme zu haben, wie vergangene Woche im Zuge einer BBC-Recherche ans Licht kam: ein Reporter entdeckte im Zuge seiner Reportage 100 Fotos von Kindern, die sich offenbar an Pädophile richteten. Nachdem er sie an Facebook internes System gemeldet hat, wurden jedoch nur 18 der Bilder in der Folge gelöscht.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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