"State of the News Media"-Studie: US-Nachrichtenmedien stagnieren

19.03.2012

Die US-Nachrichtenmedien haben nach wie vor kein Mittel gegen Umsatzverluste und Onlinekonkurrenz gefunden. Dies ist eines der Hauptergebnisse des heute neu erschienenen "State of the News Media 2012"- Berichts des in Washington ansässigen Pew Research Center for the People and the Press, der jährlich Entwicklungen des US-Nachrichten-Journalismus zusammenfasst. Zwar werden Nachrichten und Informationen für die amerikanische Öffentlichkeit immer wichtiger und wertvoller; insbesondere der sich nach wie vor in der Krise befindliche Printsektor kann aus diesem steigenden Interesse kein Kapital schlagen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengefasst:

Zeitungen
Die Anzeigenerlöse von US-Zeitungen schrumpften 2011 im sechsten Jahr in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr konnte mit Anzeigen 7,3 Prozent weniger Umsatz erzielt werden. Insgesamt konnte die US-Zeitungsindustrie Umsätze von 34 Milliarden US-Dollar erzielen; 2000 waren es noch 59,2 Milliarden. Dieser Rückgang spiegelte sich auch 2011 in schrumpfenden Redaktionen wider. Häufig konnten sich Medienkonzerne und Verlagshäuser ihre Profitabilität nur durch Entlassungen bewahren. Die Aktienpreise der an der US-Börse notierten Zeitungsunternehmen fielen 2011 um insgesamt 25 Prozent. Während mehr und mehr Leser zur Onlinekonkurrenz abwandern, entwickelten sich die Sonntagsausgaben der großen Zeitung positiv und generierten häufig bis zu 50 Prozent der gesamten Anzeigenerlöse. Das Pew Research Center prognostiziert für 2012, dass weitere Zeitungen nur noch sonntags in gedruckter Form erscheinen und zudem weitere Publikationen eine flexible Bezahlmauer einrichten werden.

Magazine
Auch 2011 setzte sich in der Zeitschriftenindustrie ein Negativtrend fort - wenn auch nicht so dramatisch wie im Zeitungsgeschäft. Die Anzeigenerlöse von US-Magazinen sanken im fünften Jahr in Folge, die Auflagen gingen leicht um ein Prozent zurück. Die Anzahl der Print-Abos stagnierte 2011, während Kioskverkäufe um neun Prozent schrumpften (im vierten Jahr in Folge). Online-Ausgaben und Tablet-Editionen werden für US-Magazine immer wichtiger. So wurden beispielsweise bereits 15 Prozent der Magazine des größten Magazin-Verlagshauses Time Inc. in elektronischer Form gelesen. Das Pew Research Center prognostiziert, dass digitale Magazin-Umsätze zwischen 2012 und 2015 von 1,05 auf 2,3 Milliarden US-Dollar steigen werden.

Fernsehen
Die Nachrichtensendungen der großen US-Networks konnten 2011 überraschenderweise wieder mehr Zuschauer verzeichnen. So schalteten insgesamt 4,5 Prozent mehr Zuschauer (vor allem in der Zielgruppe der 25-54-jährigen) als im Vorjahr bei den abendlichen Nachrichtenformaten von ABC (im Durchschnitt 7,82 Millionen), CBS (5,97) und NBC (8,75) ein. Nichtsdestotrotz haben US-Nachrichtensendungen seit 1980 mehr als die Hälfte ihrer Zuschauer verloren.
Das US-Lokalfernsehen stagniert in Bezug auf Zuschauerzahlen, bleibt jedoch nach wie vor wichtigstes Informationsmedium. Die Werbeeinahmen gingen 2011 um 6,7 Prozent auf 18,1 Milliarden US-Dollar zurück; 2007, vor der Finanzkrise, betrugen die Werbeeinnahmen noch insgesamt 21,5 Prozent.
US-Kabelfernsehen ist eines der wenigen positiven Ausnahmeerscheinungen in der Nachrichtenlandschaft. Sowohl Zuschauerzahlen als auch Umsatzerlöse blieben konstant. CNN und MSNBC konnte 16 bzw. drei Prozent mehr Zuschauer verzeichnen, während Fox News und HLN drei bzw. 11 Prozent ihrer Zuschauer verloren, jedoch nach wie vor hochprofitabel operieren.

Radio
Umsätze im Radiosektor stiegen 2011 um ein Prozent auf 17,4 Mrd US-Dollar. Digitale Radiokanäle konnten ihren Umsatz um 15 Prozent auf 709 Millionen US-Dollar erhöhen. Internet-Radioportale wie Pandora werden auf lange Sicht immer bedeutender werden. Das Pew Research Center prognostiziert, dass der gesamte US-Radio-Umsatz bis 2014 wieder jährlich um sechs Prozent ansteigen wird.

Mehr dazu:

Pew Research Center: State of the News Media 2012

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

Zur Instituts-Website

 

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