9. Twitter

Umsatz 2012: $ 0,350 Mrd. (€ 0,272 Mrd.)

Basisdaten

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Hauptsitz:
1355 Market Street
San Francisco, CA 94103
USA
www.twitter.com

Rechtsform: Private Company
Gründungsjahr: 2006
Branche: Social Meda, Microblogging
Umsatz 2011: 140 Mio. US-Dollar (Schätzung)
Umsatz 2012: 350 Mio. US-Dollar (Schätzung)

Geschäftsführung

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  • Dick Costolo, CEO
  • Ev Williams, Co-Founder
  • Biz Stone, Co-Founder
  • Jason Goldman, VP of Product
  • Greg Pass, CTO
  • Ali Rowghani, CFO
  • Alexander Macgillivray, GC, Communications, Government Relations and Trust & Safety
  • Mike Abbott, VP of Engineering
  • Janet Van Huysse, VP of Human Resources
  • Kevin Thau, VP of Business and Corporate Development
  • Katie Stanton, VP of International
  • Adam Bain, President of Global Revenue
  • Sean Garrett, VP of Communications

Geschichte und Profil

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„Just setting up my twttr“. So lautete die erste Kurznachricht, die am 21. März 2006 über das Twitter-Netzwerk gesendet wurde und nicht weniger einer Revolution moderner Kommunikation auslöste. Twitter wurde gemeinsam von den Programmieren Noah Glass, Jack Dorsey und Biz Stone sowie dem Internet-Entrepreneur Evan Williams entwickelt. Glass, der gemeinsam mit dem deutschen Programmierer Florian Weber maßgeblich für die Konzeption und Umsetzung des Projekts war, wurde 2007 aufgrund von persönlichen Differenzen mit Williams gefeuert und aus der offiziellen Unternehmensgeschichte entfernt. Die Twitter-Gründer arbeiteten ursprünglich an einem Podcasting-Portal namens Odeo, doch die Konkurrenz von Apples iTune Store sowie die Erkenntnis, dass sie selber überhaupt kein Interesse am Medium Podcast hatten, bewog sie zum Umdenken.

Sie bemerkten, dass sie immer mehr Zeit mit einem Tool verbrachten, das es ermöglichte, Anrufe an eine zentrale Telefonnummer zu tätigen, die dann in MP3-Aufnahmen auf einer Webseite umgewandelt wurden– die ursprüngliche Idee, aus der später Twitter werden sollte. Anfang 2006 wurde diese Idee weiter modifiziert. Nun bestand das Konzept darin, eine SMS an eine zentrale Nummer zu schicken, die daraufhin online an alle Freunde weitergeleitet wurde. Im Web 2.0-Jargon bedeutete dies einen Strategiewechsel von „podcast“ zu „status“. Als Name setzte sich in Anlehnung an das Foto-Sharing-Portal Flckr der Name „twttr“ gegen andere Vorschläge wie „FriendStalker“ oder „Dodgeball“ durch.

Welches Potential Twitter als Kommunikations- und Nachrichtenmedium hatte, wurde erstmals im August 2006 deutlich, als ein kleineres Erdbeben San Francisco heimsuchte. Die Nachricht über die Katastrophe verbreitete sich in Echtzeit unter den damals wenigen tausend Twitter-Usern, während andere Nachrichtenmedien erst mit Verspätung darüber berichteten. Im darauffolgenden Herbst wurde Twitter (immer noch als Teil von Odeo) den Investoren des Unternehmens vorgestellt. Diese interessierten sich jedoch kaum für die Idee und zogen sich wenig später komplett aus Odeo/Twitter zurück indem sie Gründer Evan Williams ihre Anteile für insgesamt fünf Millionen US-Dollar verkauften. Fünf Jahre später waren dieselben Anteile tausendmal soviel wert, was manche der frühen Investoren im Nachhinein schlecht über Williams sprechen lässt: dieser hätte die Investoren getäuscht, in dem er das wahre Potenzial von Twitter heruntergespielt und den Rückkauf der vermeintlich wertlosen Anteile als noblen Akt verkauft hätte.

Unmittelbar nach Rückkauf der Anteile benannte Williams Odeo in Obvious Corp. um und machte sich 2008 zum CEO von Twitter. Und wie er richtig spekuliert hatte, zahlte es sich in den kommenden Jahren aus, mehrheitlicher Anteilseigner von Twitter zu sein. Die Nutzerzahlen explodierten: Von 2006 bis 2011 stieg die Anzahl der Menschen mit Twitter-Konto von 5000 auf mehr als 100 Millionen. Wie wichtig Twitter als politisches Kommunikationstool wurde, zeigte sich erneut im Jahr 2009, als die US-Regierung das Twitter-Management bat, Wartungsarbeiten an seinen Servern zu verschieben, um die über Twitter gesteuerten Studentenproteste gegen eine manipulierte Wahl im Iran nicht zu gefährden.

Angesichts von Twitters stetigen Wachstum zeigte sich Evan Williams zunehmend überfordert und installierte 2009 den erfahreneren Dick Costollo als neuen CEO. Costolo war es, der die Monetarisierungsstrategie für Twitter entwickelte. Das Geschäftsmodell besteht seitdem darin, Anzeigen als gesponserte Posts in den Feeds oder unter den beliebtesten nach Themen geordneten Tweets („trending topics“) zu platzieren. Costollo sprach sich auch dafür aus, Twitter vom Selbstverständnis als Informationsnetzwerk auftreten zu lassen, anstatt als Social Community. Twitters Firmenphilosophie („Be a force for good“) reflektiert dementsprechend die vermeintlich wichtige Rolle, die sozialen Netzwerken in Bezug auf die Umwälzungen des Arabischen Frühlings zugesprochen werden.

Management

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Twitter-Mitbegründer Evan Williams ist schüchterner IT-Nerd und knallharter Geschäftsmann zugleich. Bevor er mit Twitter zu einem der führenden jungen Internet-Entrepreneure aufstieg, gründete er inmitten der Internetblase des Jahrtausendwechsel die automatisierte Blog-Plattform Blogger. Als diese 2001 kurz vor dem Aus stand, feuerte er alle Mitarbeiter und teilte ihnen mit, er würde das Unternehmen im Alleingang führen. 2003, nach dem die Krise vorrüber war, verkaufte er Blogger gewinnbringend an Google. Ehemalige Weggefährten sind deshalb nicht gut auf Williams zu sprechen und bezeichnen ihn als Intriganten, der anderen wichtige Informationen vorenthält. Der New York Times gegenüber äußerte er sich dazu nur knapp: „Alle erfolgreichen Geschäftsleute machen sich in ihrer Karriere Feinde“.

Das operative Tagesgeschäft überlässt Williams seiner rechten Hand Dick Costolo, einem ehemaligen Stand-Up-Comedian. Costolo hat eine neue Kultur bei Twitter eingeführt, zu der ein rauerer Ton und längere Arbeitszeiten gehören, jedoch auch Silicon Valley-typisches Gratisessen und wöchentliche, informelle Teamtreffen, die gelegentlich in Comedy-Events ausarten.

Engagement in Deutschland

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2012 wurde in Berlin die deutsche Twitter-Zentrale eingerichtet. Deutschland-Chef ist Rowan Barnett, ehemals Community-Chef bei Bild.de. Sprecher für Deutschland ist der ehemalige Kommunikationschef von StudiVZ, Dirk Hensen. Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey besuchte Angela Merkel Anfang 2012 im Kanzleramt.

Aktuelle Entwicklungen

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Die große Frage bleibt, wann und wie Twitter den großen Durchbruch in Bezug auf den Verkauf von Werbung schafft. Experten zufolge hätte das Unternehmen das Potenzial, in nicht allzuferner Zukunft bis zu einer Milliarde US-Dollar pro Jahr aus Anzeigenverkäufen einzunehmen. Auf lange Sicht geht es vor allem darum, die Twitter-User selber dazu zu bringen, Werbung für Produkte zu machen sowie den Unternehmen zu erklären, was Twitter überhaupt ist und wie sie es für ihre Zwecke benutzen können. Mit dem Media-Planungsriesen Starcom wurde im April 2013 ein millionenschwerer Werbedeal eingefädelt, der Twitter-Anzeigen mit TV-Content verknüpf.

Eines der vielversprechendsten Formate sind eigens produzierte Reality-TV-Serien, die live bei Twitter ausgestrahlt und von den Nutzern kommentiert werden können. Twitter plant Dutzende solcher Serien und kooperiert dabei eng mit Hollywood-Produzenten. Überhaupt ist im Zuge der Olympischen Spiele, bei der Twitter eine umstrittene Kooperation mit NBC einging, die Medienstrategie des Unternehmens in den Fokus geraten. CEO Costolo bezeichnet Twitter bereits als Technologieunternehmen, das im Mediensektor aktiv sei. Im April 2013 launchte Twitter eine eigene Musik-App (Twitter Music). Apple denkt angeblich seit einiger Zeit darüber nach, Anteile an Twitter zu erwerben, um seine Social Media-Strategie zu optimieren.

Die andere Frage die im Raum steht, ist wie Twitter mit den Unmengen an User-Daten umgeht, die es in den vergangengen sechs Jahren angehäuft hat. So streitet sich das Unternehmen bereits seit Monaten mit der Stadt New York, die Twitter mehrfach dazu aufgefordert hat, persönliche Informationen von Malcom Harris, einer Schlüsselfigur der Occupy Wallstreet-Proteste, herauszurücken. Die Twitter-Anwälte weigern sich jedoch mit Hinweis auf die Presse- und Meinungsfreiheit die Daten zu veröffentlichen. Kooperativer zeigt sich das Unternehmen in Bezug auf eine Anfrage der Library of Congress. Die größte Forschungsbibliothek der USA arbeitet gerade daran, sämtliche jemals getätigten Tweets zu archivieren und durchsuchbar zu machen.

Links

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