7. Facebook, Inc.
Umsatz 2011: $ 3,711 Mrd. (€ 2,666 Mrd.)
Überblick
Facebook, 2004 an der Harvard University entwickelt, ist mit 900 Millionen aktiven Nutzern (Stand: April 2012) die größte Social Networking Plattform der Welt. User benutzen Facebook, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben und Fotos hochzuladen. Trotz der enormen Beliebtheit, der sich Facebook weltweit erfreut, werden kritische Stimmen lauter. Den Gründern wird ein verantwortungsloser Umgang mit privaten Nutzerdaten vorgeworfen.
Basisdaten
Hauptsitz:
Facebook Headquarters
471 Emerson St.
Palo Alto, CA 94301-160
www.facebook.com
Rechtsform: Private Company
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 2004
2011 | 2010 | 2009 | |
|---|---|---|---|
Umsatz (in Mio. $) | 3.711 | 1.974 | 777 |
Gewinn (in Mio. $) | 1.000 | 606 | 229 |
Mitarbeiter | 3200 | 2127 | k.A. |
Geschäftsführung
Management:
- Mark Zuckerberg, Founder & Chief Executive Officer
- Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer
- David A. Ebersman, Chief Financial Officer
- David B. Fischer, Vice President, Marketing & Business Partnerships
- Mike Schroepfer, Vice President of Engineering
- Theodore W. Ullyot, Vice President, General Counsel, and Secretary
Board of Directors:
- Mark Zuckerberg, Facebook
- Marc L. Andreessen, Andreessen Horowitz
- Erskine B. Bowles, University of North Carolina, BDT Capital Partners
- James W. Breyer, Accel Partners, Breyer Capital
- Donald E. Graham, Washington Post Company
- Reed Hastings, Netflix
- Peter A. Thiel, Founders Fund, Clarium Capital Management, LLC.
- Besitzverhältnisse: Größte Anteilseigner sind Mark Zuckerberg (28,4 %), Peter Thiel (7%), Digital Sky Technologies (1,9%) und Microsoft (1,6 %).
Geschichte und Profil
Die Geschichte von facebook begann im Sommer 2004. Gründer Mark Zuckerberg, damals noch Student der renommierten Harvard-Universität, verschaffte sich Zugriff auf den Uni-Server und gelangte so an tausende von Fotos von Studenten, die er auf einer Homepage namens „Facemash“ postete. Das Konzept von Facemash bestand darin, die Personen auf den Bildern nach dem Attraktivitätsgrad zu bewerten. In nur wenigen Stunden verzeichnete die Seite rund 500 Besucher, die zusammen mehr als 20,000 Fotos betrachteten. Zwar flog der Datendiebstahl schnell auf und Zuckerberg musste sich bei seinen Kommilitonen entschuldigen. Doch sein Experiment zeigte, wie viel Potential in einem solchen Online-Studentenverzeichnis steckte. Im Februar 2004 ging der Prototyp namens Thefacebook.com exklusiv für Harvard-Studenten online. Es dauerte weniger als zwei Wochen bis zwei Drittel der Studentenschaft registriert waren. Zuckerberg engagierte seine Zimmernachbarn Dustin Moskovitz und Chris Hughes, die ihm halfen, weitere Anwendungen und Funktionen für die Seite zu entwickeln. Nach und nach erhielten weitere Hochschulen ihr eigenes Facebook-Netzwerk. Zunächst expandierte Facebook nach Stanford und nach Yale; drei Monate nach Start verfügten bereits 30 Universitäten über eine Facebook-Community.
Sean Parker, den Mitbegründer der Musik-Tauschbörse Napster, vermittelte den Kontakt zu Peter Thiel, dem Präsident von Clarium Capital, der nicht nur die ersten 500,000 US-Dollar an Risikokapital in Facebook investierte.
Das dreiköpfige Facebook-Team entschied sich dafür, wie ihr Vorbild Bill Gates erst einmal Abstand vom Universitätsalltag zu nehmen, um sich auf die weitere Entwicklung ihrer Social-Networking-Seite zu konzentrieren.Von da an ging es Schlag auf Schlag: Im November 2004 registrierte sich der millionste User bei Facebook. Im Mai 2005 erhielt das junge Unternehmen eine weitere Finanzspritze in Höhe von 13 Millionen US-Dollar von der Risiko-Kapital-Firma Accel Partners. Zuckerberg stellte weitere Internet-Ingenieure ein, darunter Steve Chen, der später mit dem Video-Portal YouTube für Furore sorgte. Ende 2005 waren fünf Millionen Benutzer bei Facebook angemeldet. Die Zahl stieg weiter, als die Seite auch für High-School-Schüler geöffnet wurde und eine Foto-Funktion integriert wurde.
Im Sommer 2006 öffnete Facebook seine Pforten für so genannte „work networks“. Mittlerweile gibt es 20,000 solcher Arbeitnehmer-Netzwerke. Vernetzt sind unter anderem Angestellten des CIA, von Burger King oder vom US-Militär.
2006 war für Facebook auch das Jahr einer (wenn auch nur schrittweisen) internationalen Expansion. Mittlerweile loggen sich knapp dreißig Prozent aller User von außerhalb der Vereinigten Staaten bei Facebook ein.
Im September 2006 fielen bei Facebook sämtliche Zugangsbarrieren. Seitdem ist es nicht länger notwendig, eine Universität oder High School zu besuchen. Die Angabe einer funktionierenden Email-Adresse reicht aus, um aus aller Welt dem Facebook-Universum beizutreten.
Diese Entwicklung führte zwar zu einem weiteren Mitgliederanstieg, wurde jedoch von den alteingesessenen, studentischen Usern mit Skepsis oder Unverständnis aufgenommen. Zu einem regelrechten Aufstand in der Community kam es, als neue Features namens „News Feed“ und „Mini Feed“ den Profilen der Facebook-Benutzer hinzugefügt wurden. Auf einmal erschienen auf jedem Benutzerprofil in Form kurzer News alle Facebook-internen Aktivitäten und Änderungen von Freunden und Bekannten. Der Ärger der User war derart groß, dass sich innerhalb kurzer Zeit 700,000 Leute der Benutzergruppe „Students Against Facebook News Feed“ anschlossen. Nachdem Zuckerberg über seinen Blog Fehler eingeräumt und versprochen hatte, die Privatsphäre künftig besser zu schützen, entspannte sich die Situation.
Zuckerberg hat stets betont, dass es sich bei Facebook um eine Technikfirma handelt, nicht etwa um einen Medienkonzern. Wie um dieses Faktum zu unterstreichen, veröffentlichten die Facebook-Macher 2007 ein Feature, dass das Erscheinungsbild und die Möglichkeiten von Facebook erweiterte. Facebook Plattform (F8) gestattet es den Usern fortan, Applikationen selbst zu programmieren und auf ihren Profil-Seiten zu präsentieren. Sowohl Privatunternehmen wie Microsoft als auch technikbegabte Nachwuchsprogrammierer begannen damit, diverse Anwendungen herzustellen, die von anderen Usern heruntergeladen und installiert werden können. Ein Beispiel für die neuen Facebook-Funktionen ist das Tool iLike, mit dem man Freunden Musik empfehlen oder nach Bands suchen kann. Die Etablierung von Facebook Platform sorgte dafür, dass die Benutzer prinzipiell alle ihre Online-Aktivitäten, seien es Shopping, Dating, Chatten oder Spiele von Facebook aus erledigen können. Im Januar 2008 gab es etwa 14,000 solcher Applikationen. Allerdings stellten sich, trotz der stolzen User-Zahl von bis zu 50 Millionen, die nötigen Umsätze nicht ein und so wurde iLike im August 2009 an MySpace verkauft.
Die Anzahl registrierter Facebook-User stieg weiterhin an. Aber auch kritische Stimmen von Datenschützern wurden laut. Den Betreibern der Social Networking-Seite wurde ein verantwortungsloser Umgang mit persönlichen Informationen vorgeworfen. Medienberichte über Strafverfolgungen und Verhaftungen amerikanischer Teenager, die auf Facebook-Fotos mit Alkohol oder Drogen posierten, häuften sich. Hochschulen und Firmen verboten die Nutzung von Facebook, da Studenten und Mitarbeiter davon abgelenkt würden und weil Gruppen gegründet worden waren, die Lehrer oder Vorgesetzte diffamierten. Facebook wurde nicht nur in Bezug auf Datenschutz und aufgrund der Missachtung der Privatsphäre kritisiert, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Zensur.
Im November 2007 kam es zum größten Skandal der Facebook-Geschichte. Kaum war der Ärger über News Feed verflogen, präsentierte Zuckerberg auf einer Pressekonferenz ein neues Feature namens Beacon (zu deutsch etwa „Signallicht“). Dieses Marketing-Tool informierte die Freunde eines Benutzers, sobald dieser über seine Facebook-Seite ein Produkt eines Hersteller kaufte, der eine Partnerschaft mit Facebook abgeschlossen hatte. Zu den zahlreichen Partnerfirmen gehören eBay, die Basketballliga NBA oder die New York Times Company. Erwarb ein User zum Beispiel bei eBay ein Produkt, sendete eBay Details des erworbenen Produktes auf alle Profile der Freunde des Benutzers, so dass diese Facebook-Benutzer sahen, welche Artikel ihr Freund gekauft hatte. Die Anzeige wurde zu einer Art persönlicher Empfehlung durch einen Freund und sollte so die Chancen darauf erhöhen, dass das jeweilige Produkt ebenfalls von der anderen Person gekauft wurde. Unmittelbar nachdem Beacon gestartet wurde, kam es zu einem Aufschrei sowohl unter Facebook-Benutzern als auch unter Datenschützern. Die Anti-Beacon-Bewegung, an dessen Spitze die demokratische Bewegung MoveOn.org stand, kritisierte vor allem, dass das Anzeigenprogramm ohne Zustimmung der Benutzer gestartet wurde. Zwei Wochen nach dem Launch erschien eine modifizierte Version von Beacon. Grund dafür waren wohl weniger die Proteste von Nicht-Regierungsorganisationen, sondern die Unruhe, die durch die negative Publicity auf Seiten der Beacon-Partnerfirmen entstanden war.
Den wachsenden Stellenwert Facebook in der Gesellschaft symbolisiert nicht zuletzt der 2010 erschienene Film „The Social Network“ von Starregisseur David Fincher (u.a. „Fight Club“). Der Film porträtiert Unternehmensgründer Marc Zuckerberg und hinterfragt dessen Ambitionen bei der Schaffung des weltweit gröβten sozialen Netzwerks.
Management
Marc Zuckerberg
Das Aushängeschild von Facebook ist Mark Zuckerberg, Gründer, CEO und mit 23 Jahren prominentester Jung-Milliardär der USA. Er wurde im Großraum New York als Sohn jüdischer Eltern geboren und begann schon in Alter von 11 Jahren, sich mit Codes und Programmiersprachen auseinanderzusetzen. Sein erstes bedeutendes Projekt war eine Computerversion des Brettspiels „Risiko“, die der Latein und Altgriechisch beherrschende Studienabbrecher im Zeitalter des römischen Reiches ansiedelte.
Der wegen der Kombination aus Erfolg und „Nerd“-Image oft als „the next Bill Gates“ titulierte Zuckerberg schaffte es im Jahr 2007 durch massive Medienpräsenz zum bekanntesten Gesicht unter den Web 2.0-Entrepreneuren zu werden. Dabei gab er sich die größte Mühe, sich als Internet-Revolutionär darzustellen, dessen Anspruch, „Leute zu verbinden“ und „die Welt zu einem offeneren Platz zu machen“ Priorität vor allen Profitbestrebungen habe. Der Facebook-Chef wandelt stets auf einem schmalen Grad zwischen Euphorie und kindischen Verhalten. Es wird überliefert, dass Zuckerberg in der Vergangenheit Visitenkarten verteilt habe, auf denen zu lesen war: „I’m CEO…Bitch“. Das Wall Street Journal berichtete 2006 im Zuge einer möglichen Übernahme von Facebook durch Yahoo, dass Zuckerberg den Verhandlungen mit der Yahoo-Führungsriege mit der Begründung fernblieb, seine Freundin sei in der Stadt. Das Treffen mit der Freundin, ob es stattgefunden hat oder nicht, erwies sich als Glücksfall für Facebook und seinen Gründer. Leitet man aus den 240 Millionen US-Dollar, die Microsoft 2007 für seinen bloß 1,6 Prozent-Anteil an diesem Start up ausgab, den Gesamtwert von Facebook ab, so ergibt sich daraus für Zuckerberg ein persönlicher 20 Prozent-Anteil von drei Milliarden US-Dollar.
Sheryl Sandberg
Die ehemalige Google-Managerin Sheryl Sandberg leitet bei Facebook seit 2008 das operative Tagesgeschäft. Sie ist bei Facebook für die Werbestrategie, Personalentscheidungen und Beeinflussung der politischen Rahmenbedingungen zuständig. Während Zuckerberg für die technische Seite und die Außendarstellung des Unternehmens verantwortlich ist, war sie es die Facebook von einer Internetseite in ein milliardenschweres Geschäft verwandelt hat. Die Entscheidung, dezente Werbeanzeigen auf den Benutzerprofilen einzublenden, geht auf Sandberg zurück.
Peter Thiel
Während Zuckerberg zum öffentlichen Aushängeschild avancierte und in Talkshows Werbung für Facebook betreibt, gilt Peter Thiel als die entscheidende Figur im Hintergrund. Der ehemalige Pay Pal-Erfinder investierte 2004 500.000 US-Dollar in das Unternehmen und besitzt gegenwärtig sieben Prozent von Facebook, und damit einen Anteil, der heute rund eine Milliarde US-Dollar wert ist. Dank seiner Kapitalfirmen Clarium Capital Management und Founders Fund gilt Thiel als einer der erfolgreichsten Hedge Fond-Manager der USA. Das Magazin „Fortune“ bezeichnete Thiel und seine Geschäftskollegen aufgrund ihres ausschweifenden Lebensstils als „Pay-Pal-Mafia“.
Doch Thiel ist nicht nur Geschäftsmann, sondern auch Philosoph, Futurologe und neoliberaler Aktivist. 1998 veröffentlichte er das Pamphlet „The Diversity Myth“, in dem er den Liberalismus und Multikulturalismus an amerikanischen Hochschulen angriff und die These aufstellte, derartige Mentalitäten würden die individuelle Freiheit beschneiden. Weitere ideologisch motivierte Aktivitäten Thiels waren die Gründung der rechtskonservativen Zeitschrift „The Stanford Review“ sowie die Mitgliedschaft bei TheVanguard.org, einer Website, die kreiert wurde, um den Einfluss der liberalen NGO MoveOn.org einzudämmen. Außerdem ist Thiel Anhänger und Freund des Philosophen und Literaturwissenschaftlers René Girard, der ihn regelmäßig zu Abendgesellschaften in sein Haus einlädt. Girard begründete in den sechziger Jahren die „mimetische Theorie“ die (stark vereinfacht) besagt, dass das Zusammenleben durch ein gegenseitiges Aneignungsverhalten von Menschen geprägt werde, die in engem Kontakt zueinander stehen. Eine der Kernthesen Girards lautet, dass menschliche Bedürfnisse nicht aus jedem Individuum selbst entstünden, sondern aus einem Vergleich mit anderen. Thiel ist ein fanatischer Anhänger des Internets, weil dort sämtliche marktwirtschaftliche Beschränkungen wegfallen. Die Gründung von Pay Pal wird als erfolgreicher Versuch gewertet, das internationale Währungssystem zu überwinden. Weitere millionenschwere Investitionen hat Thiel in den Bereichen Künstliche Intelligenz ("Singularity Institute for Artificial Intelligence“) und Medizin getätigt.
Geschäftsbereiche
Anzeigen/Werbung
Der Anzeigenbereich von Facebook nennt sich Facebook Ads. Es handelt sich dabei um ein System, dass es Unternehmen ermöglicht auf Facebook zu werben und jeweils die gewünschte Zielgruppe zu erreichen. Facebook Ads besteht aus drei Elementen: Facebook Pages erlaubt es Unternehmen und werbenden Künstlern, ein Profil zu erstellen, genau wie es Studenten oder andere Personen tun. An einem Unternehmen oder Künstler interessierte Facebook-User können so Kontakt aufnehmen und andere User auf das Unternehmens- bzw. Künstlerprofil aufmerksam machen. Das umstrittene Werbetool Facebook Beacon hat die Funktion, das Konsumverhalten der Facebook-User auf den Online-Seiten von Partnerfirmen (z.B. eBay, Fandango oder STA Travel) auf den Profilen ihrer Freunde (gegen Einwilligung) zu dokumentieren. Wenn etwa ein Facebook-Benutzer seinen Urlaub bei STA Travel bucht, erscheint nach vorheriger Genehmigung mittels News-Feed die Buchung auf den Profilseiten aller seiner Facebook-Freunde. Facebook Social Ads ist ein Programm, dass es Werbekunden unter der Berücksichtigung der sozialen Aktivitäten des Facebook-Freundeskreises, ermöglicht, individuell zugeschnittene Anzeigen auf Benutzerprofilen zu schalten.
Applikationen
Mit Facebook Photos können User eine unbegrenzte Zahl an Fotos uploaden und Fotoalben erstellen. Andere Benutzer können die Fotos anschauen, kommentieren und weiter verlinken. Analog zu Facebook Photos funktioniert Facebook Videos. Facebook Groups erlaubt es Usern, themenbasierte Gruppen zu gründen, anderen Gruppen beizutreten oder zu sehen, in welchen Gruppen befreundete Nutzer Mitglied sind. Mit der Facebook Events-Funktion können User wichtige Ereignisse wie Parties oder anderweitige soziale Zusammenkünfte ankündigen oder Ereignisse von Freunden erfahren. Facebook Marketplace dient dazu, Kleinanzeigen, Jobangebote und Immobilien anzubieten und diese zu durchsuchen. Facebook Gifts sind kleine virtuelle Geschenke (zum Beispiel Kleeblätter, Kuchen oder Muscheln), die für einen US-Dollar erworben und an befreundete Nutzer verschenkt werden können. Die verantwortliche Designerin der Geschenke ist Susan Kare, die 1983 das Symbol für den Macintosh Computer entwarf. Zynga, der führende Entwickler von Facebook-Games, trug 2011 zu 12 Prozent des gesamten Umsatzes von Facebook bei.
Facebook Platform
Facebook Platform gibt externen Software-Programmierern die Möglichkeit, selbst Applikationen zu entwickeln, die mit der Facebook-Oberfläche interagieren. Gegenwärtig gibt es mehr als 14,000 solcher von Privatpersonen oder externen Firmen programmierten Anwendungen, mittels derer man zum Beispiel den Ausgang von Sportereignissen tippen, Filme diskutieren oder Poker spielen kann.
Engagement in Deutschland
In Deutschland hatten Anfang 2012 knapp 22 Millionen Menschen einen Facebook-Account. Facebook hatt in deutschland lange Zeit stake Konkurrenz von nationalen Social Networking-Seiten wie StudiVZ und Xing. Erst Ende 2009 schaffte es das US-Unternehmen StudiVZ zahlenmäßig zu überholen. Seit März 2008 gibt es Facebook in deutscher Sprache.
Eva Maria Kirschsieper war seit 2011 als Lobbyistin für Facebook in Deutschland tätig. Die "Privacy-and-Policy-Managerin" agierte neben Europa-Sprecher Richard Allen als Bindeglied zwischen Facebook und Berlin und Brüssel. Ihr Nachfolger wurde im April 2012 Gunnar Bender, zuvor bei E-Plus tätig.
Eines der großen Probleme Facebooks, das Thema Datenschutz und Datensicherheit, wird seit Ende 2009 in Deutschland heftig diskutiert. Anlass war eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die der Facebook im Vergleich am schlechtesten abschnitt und insgesamt nur mit der Note "Ausreichend" bewertet wurde. Gründe waren mangelnde Transparenz und die im Dezember 2009 geänderten Datenschutzeinstellungen, wonach Profildaten öffentlich einsehbar sind und erst durch umständliche Einstellungsänderungen verborgen werden können. Im April 2010 publizierte Facebook schließlich auf der eigenen Homepage den Vorschlag, die Datenschutzrichtlinie so zu ändern, dass die Weitergabe an Dritte möglich ist. Ziel sei, den Nutzern die Möglichkeit zu geben, auch andere „überprüfte Web-Sites und Anwendungen“ innerhalb des Facebook-Besuchs zu nutzen. Hierauf hangelte es heftige Kritik von Nutzern aus aller Welt und sogar die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner protestierte in einem Brief an Facebook-Chef Zuckerberg und droht gar mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft. „Privates muss privat bleiben – ich denke, ich spreche hier für viele Internetnutzer“, schrieb Aigner in dem auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Brief. Sie appellierte: „Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre persönlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu.“ Das Onlineunternehmen reagierte umgehend auf diese massive Kritik, bot der Ministerin Gespäche an und gab Pläne bekannt, seinen Sicherheitsbereich weiter auszubauen.
Aktuelle Entwicklungen
Im Frühjahr 2012 erreichte Facebook hat einen weiteren Meilenstein: inzwischen zählt die Plattform 845 Millionen aktive Nutzer im Monat. Das Ziel von einer Milliarde Nutzer, das Gründer und CEO Marc Zuckerberg vorgegeben hatte, ist somit pünktlich zum Börsengang, den Facebook im Verlauf von 2012 (evtl. bereits im Mai) vollziehen will, in greifbare Nähe gerückt.
Der Börsengang wird dem Unternehmen (Börsenkürzel: FB) vorraussichtlich fünf Milliarden US-Dollar in die Kassen spülen, der Wert des Unternehmens könnte sich dann auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar beziffern - der bis dato spektakulärste Börsengang der Geschichte. Die am Börsengang beteiligten Banken - Morgan Stanley, J.P. Morgan, Goldman Sachs - werden Millionenprofite einstreichen.
Mit dem Kauf des erst anderthalb Jahre alten Fotodienst Instagram im April 2012 zementierte Facebook seinen Status als führende Foto-Sharing-Seite. Das Unternehmen war bereit eine Milliarde US-Dollar für Instagram und seine 40 Millonen User zu zahlen.
Für Ärger sorgt derweil nur ein Patentstreit mit Yahoo. Das Unternehmen hatte Facebook wegen angeblichen Ideenklaus verklagt und behauptet, das gesamte Social Networking-Struktur des Konzerns basiere auf durch Yahoo patentierte Technologie. Facebooks Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Yahoo wurde ebenfalls auf Schadensersatz wegen angeblicher Patentverletzungen in den Bereichen Onlinewerbung und Foto-Tagging-Technologien.


