5. eBay Inc.
Umsatz 2012: $ 14,074 Mrd. (€ 10,954 Mrd.)
Überblick
eBay Inc. betreibt das weltweit größte Online-Auktionshaus. 1995 in Kalifornien als virtueller Raum für den Austausch von Sammlerartikeln gegründet, hat sich das E-Commerce-Portal sehr rasch zu einem besucherstarken Online-Marktplatz für den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen durch Privatpersonen und Unternehmen entwickelt. In den letzten Jahren wurde eBay vor allem durch die Konkurrenz mit Amazon geprägt.
Basisdaten
Hauptsitz:
eBay Inc.
2145 Hamilton Avenue
San Jose, California 95125
Internet: www.ebay.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1995
2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | |
Umsatz (in Mrd. $) | 14.074 | 11.652 | 9.156 | 8.727 | 8.541 | 7.672 | 5.970 | 4.552 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mrd. $) | 2.609 | 3.229 | 1.801 | 2.389 | 1.779 | 348* | 1.126 | 1.082 |
Aktienkurs (pro Aktie in $) | 51,00 | 30,33 | 27,83 | 23,53 | 13,96 | 33,19 | 30,07 | 43,22 |
Beschäftigte | k.A. | 27.770 | k.A. | k.A. | 15.500 | 13.200 | 12.600 | k.A. |
*inklusive Goodwill-Abschreibung von 1,93 Mrd. US-Dollar aus dem dritten Quartal 2007.
Geschäftsführung
Management
- John Donahoe, Präsident & Chief Executive Officer
- Beth Axelrod, Senior Vice President, Human Resources
- Mark Carges, Senior Vice President & Chief Technology Officer, Global Products, Marketplaces
- Michael Jacobson, Senior Vice President, Legal Affairs, General Counsel and Secretary
- David Marcus, Präsident PayPal
- Alan Marks, Senior Vice President, Corporate Communications
- Chris Saridakis, Präsident GSI
- Bob Swan, Senior Vice President, Finance & Chief Financial Officer
- Devin Wenig, Präsident eBay Global Marketplaces
Vorstand
- Pierre M. Omidyar, Omidyar Network
- Marc L. Andreessen, Ning
- William C. Ford, Jr., Ford Motor Company
- Dawn G. Lepore, drugstore.com inc.
- Richard T. Schlosberg, III, Edison International
- David M. Moffett, Freddie Mac
- Thomas J. Tierney, The Bridgespan Group
- Katie Mitic, eBay
Geschichte und Profil
Der Gründungsmythos von eBay lautet folgendermaßen: In den frühen 90er Jahren betrieb der in San José, Kalifornien, ansässige Computerprogrammierer Pierre Omidyar eine Internetseite, die Informationen rund um das Ebola-Virus veröffentlichte. Im September 1995 bat ihn seine Verlobte ein Programm zu erstellen, mit dem sie Personen in aller Welt erreichen konnte, um die von ihr geliebten und gesammelten „PEZ“-Bonbon-Spender zu tauschen. Omidyar erfüllte seiner Freundin den Wunsch und konzipierte ein entsprechendes Programm, nannte es „AuctionWeb“ und fügte es seiner Ebola-Homepage hinzu: Ebay war geboren.
Es ist freilich nur eine Randnotiz in der Geschichte des eBay-Konzerns, dass diese Gründungslegende 1997 von einem PR-Fachmann in die Welt gesetzt wurde, um das Unternehmen interessanter zu machen und für Kunden und Geschäftspartner sympathischer zu wirken.
Fakt ist, dass Omidyar am ersten Labor Day-Wochenende im September 1995 erstmals einen Gegenstand über seine AuctionWeb-Homepage versteigerte. Das Objekt der Begierde des ersten Kunden: ein defekter Laserpointer, der für 14,38 US-Dollar über die virtuelle Ladentheke wanderte. Überrascht, soviel Geld mit einem kaputten Gegenstand verdient zu haben, fragte er den neuen Besitzer, ob er sich im Klaren darüber sei, dass der Laserpointer defekt sei. Die Antwort des Käufers ließ nicht lange auf sich warten: Er sei ein Sammler von defekten Laserpointern. Spätestens jetzt war der 28-jährige Apple-Angestellte Omidyar, in Frankreich als Sohn iranischer Eltern geboren, von dem Erfolg eines internetbasierten Auktionshauses überzeugt.
Mittels Mund-zu-Mund-Propaganda besuchten in den folgenden Monaten immer mehr Internetnutzer den Online-Marktplatz. Schon im Februar 1996 verzeichnete AuctionWeb 41.000 registrierte Nutzer und 28.000 abgeschlossene Auktionen. Ein Grund für den Erfolg war das ebenfalls 1996 eingeführte Bewertungssystem, in dessen Rahmen sich Käufer und Verkäufer nach jedem Handel gegenseitig einschätzen können.
Zunächst war der Service von AuctionWeb kostenlos. Da Omidyar jedoch die Kosten für seinen Internetprovider decken musste, verlangte er pro abgeschlossene Auktion einen prozentualen Anteil am Verkaufspreis. In der Folge wurde die Auktionsplattform immer profitabler.
1996 wurde der Stanford-Absolvent Jeffrey Skoll der zweite Vollzeit-Angestellte und der erste Präsident von AuctionWeb. Nicht zuletzt aufgrund der Umsetzung von Skolls Geschäftsplan wurde das Unternehmen ein Erfolg.
Im Jahr 1997 gründete Omidyar seine Firma offiziell und nannte sie fortan "eBay". Er wählte diesen Namen, weil er eine Abkürzung für seine Beraterfirma "Echo Bay" war. Die Domain Echobay.com war bereits vom Goldminen-Konzern „Echo Bay Technology Group“ unter Beschlag genommen worden.
Im Mai 1997 wurde der 1.000.000ste Artikel bei eBay versteigert: eine Puppe des Sesamstraßenvogels Bibo. Parallel sicherte man sich die einmalige Risiko-Kapital-Finanzierung durch Benchmark Capital, mittels derer eBay weiter expandierte. Von September 1997 bis Oktober 1998 versechsfachten sich die Mitgliederzahlen auf 1,2 Millionen.
Nachdem Jeffrey Skoll aufgrund gesundheitlicher Probleme 1998 von seinem Posten zurücktrat, wurde Meg Whitmann als CEO und neue Präsidentin angeheuert. Whitmann trat ihren neuen Job mit dem Ziel an, eBay mit ihrer zuvor bei Hasbro und Walt Disney erworbenen Kompetenz in ein Internet-„Powerhouse“ zu verwandeln. Pierre Omidyar fungierte künftig als Vorstandsvorsitzender.
Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von eBay stellte der 24. September 1998 dar, als die eBay-Aktie mit einem Ausgabepreis von achtzehn US-Dollar erstmalig an der NASDAQ notiert wurde. Der Börsengang verlief derart erfolgreich, dass Omidyar und Vizepräsident Skoll über Nacht zu Milliardären wurden, nur drei Jahre nachdem sie das Unternehmen gegründet hatten. Omidyar belegte 2008 im Forbes-Ranking der reichsten Menschen der Welt Platz 57.
Ab 1999 setzte bei eBay der Prozess der Internationalisierung ein. Als erstes wurde der deutsche Markt erschlossen, indem das deutsche Online-Auktionshaus alando.de von den Brüdern Samwer akquiriert und mit samt seinen bereits 50.000 Usern in eBay integriert wurde. Es folgten die Gründungen eigener Ländergesellschaften und Marktplätze in Australien, Kanada und Großbritannien (1999), Frankreich und Österreich (2000) sowie Irland, Neuseeland, Italien, Schweiz, Korea (durch Kauf von Internet Auction Co. Ltd.) und Singapur (2001).
Doch auch das Angebot an gehandelten Waren verbreiterte sich mit der Gründung von eBay Premier, einer Auktionsseite speziell für exklusive und hochpreisige Antiquitäten, die durch die Übernahme des renommierten Auktionshauses Butterfield & Butterfield ermöglicht wurde. Durch die Gründung von eBay Motors schuf man den größten Internet-Handelsplatz für Gebrauchtwagen und Autozubehör. Im Juni 2000 erwarb eBay für circa 350 Millionen US-Dollar half.com, eine Plattform, die sich auf den Verkauf von gebrauchten Büchern und CDs spezialisiert hatte. Um den lateinamerikanischen Markt stärker zu kontrollieren, kaufte eBay 2001 die Auktionsseiten von Mercado Libre und Lokau. Auf asiatischer Seite übernahm eBay den führenden taiwanesischen Online-Auktionsbetreiber NeoCom Technology Co. Ltd. und beteiligte sich zu einem Drittel (später zu 100 Prozent) am chinesischen Portal EachNet. Durch Integration der in acht europäischen Ländern präsenten Plattform iBazar wurde die Vormachtstellung in Europa ausgeweitet. Die weltweite Einkaufstour wurde mit einer strategischen Online-Partnerschaft mit dem traditionsreichen Auktionshaus Sotheby’s zunächst abgeschlossen.
Ziel des Konzerns war es bislang, durch Aufkäufe anderer Auktionshäuser den Versteigerungsmarkt zu verkleinern und zu monopolisieren. Längst beschränkte sich das Geschäftsmodell nicht mehr darauf, den Nutzern einen "C2C" (Consumer-to-consumer electronic commerce)-Marktplatz zu bieten, also einen Ort für den elektronischen Handel zwischen Konsumenten. Mittels der "Buy it Now!"-Kampagne (in Deutschland: "Sofort Kaufen!") führte eBay eine Festpreisoption für Angebote ein. Diese Option wurde und wird vorwiegend von kommerziellen Anbietern und Firmen in Anspruch genommen, die eBay als virtuelles Geschäft benutzen ("eBay Stores"; in Deutschland: "eBay Shops"). Jeder eBay Store besitzt seine eigene URL, unter welcher der Verkäufer direkt im Internet erreichbar ist. Neben dem "C2C"-Marktplatz hat sich so ein "B2C" (Business-to-consumer electronic commerce)-Markt bei eBay etabliert. eBay ist damit in Konkurrenz zu reinen Online-Warenhäusern wie Amazon getreten.
Ende 2002 wurde die Akquisition von PayPal abgeschlossen. PayPal wurde 1999 von Peter Thiel entwickelt und dient dazu, online Bezahlungen und Geldtransfers zu tätigen. Die Etablierung von PayPal als Geschäftszweig von eBay war ein logischer Schritt, da bereits vor der Übernahme fünfzig Prozent aller eBay-User von PayPal Gebrauch machten. eBays eigenes Bezahlsystem Billpoint hatte sich bei den Benutzern nicht durchgesetzt und wurde in der Folge abgeschafft.
Die Expansionsanstrengungen von eBay zahlten sich aus. Im Oktober 2003 verzeichnete der Konzern 85,5 Millionen registrierte Benutzer weltweit. Allein auf dem deutschen eBay-Marktplatz wurden im vierten Quartal von 2002 Waren und Dienstleistungen im Wert von einer Milliarde US-Dollar gehandelt. Weltweit wurden im Jahr 2003 971 Millionen Artikel im Wert von 24 Milliarden US-Dollar versteigert.
Der Erfolg von eBay hat unter anderem damit zu tun, dass auch kleine Unternehmen sowie Privatpersonen durch Verkäufe über die eBay-Plattform Geld verdienen können. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 10.000 Händler, die vom An- und Verkauf von Waren über eBay ihren Lebensunterhalt bestreiten. Unter ihnen befinden sich 480 Profi-Verkäufer, die 2010 einen Umsatz in Millionenhöhe erzielen konnten. Gegenüber 2007 hat sich damit die Anzahl der eBay-Umsatzmillionäre verdreifacht. Die Grundlagen des Kaufens und Verkaufens bei eBay gehören mittlerweile zu den Lehrplänen an den Volkshochschulen. Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) und eBay entwickelten die Schulungsinitiative "Erfolgreich handeln im Internet", die an 1000 Volkshochschulen gelehrt wird. Ein weiterer Service von eBay für seine Händler sind die regelmäßig weltweit veranstalteten "eBay University"-Veranstaltungen. Bei diesen eintägigen Events erhalten eBay-Interessierte umfassende Informationen und Tipps von eBay-Angestellten, um ihren Handel bei eBay noch erfolgreicher zu gestalten. Der Konzern hat ein Interesse daran, dass bei den Versteigerungen und Verkäufen möglichst hohe Preise erzielt werden, schließlich verdient eBay an jedem Verkaufserlös prozentual mit.
So lässt sich auch eine Emnid-Umfrage erklären, die 2005 von eBay Deutschland initiiert wurde. Das Ergebnis der Erhebung war, dass in zwei Dritteln aller Haushalte ungenutzte, funktionsfähige und damit potentiell verkäufliche Gegenstände verborgen sind. Eine Werbestrategie von eBay besteht darin, die Leute zum Kaufen und vor allem Verkaufen zu animieren.
Einen großen Anteil an Publicity bekommt eBay immer wieder durch spektakuläre und absurde Versteigerungen, auf die die Medien aufmerksam werden. Der höchste bekannte Preis, der bei eBay für den Verkauf eines einzelnen Artikels erzielt wurde, war ein Gulfstream II Privat-Jet, der im Mai 2001 für 4,9 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte. Der Lotus-Sportwagen des britischen Radioreporters Tim Shaw wurde im Juni 2005 von dessen Frau für fünfzig Pence verkauft, nachdem sie ihn live im Radio mit einer anderen Frau flirten hörte. Eine der berühmtesten Auktionen war die Versteigerung eines VW-Golf, der zuvor Papst Benedikt XVI gehört hatte und für 188.000 Euro an das Online-Casino Goldenpalace.com verkauft wurde. Ein Mann aus Arizona versteigerte eine Luftgitarre für fünf US-Dollar. In Australien wurde im Dezember 2004 eine Frühstückscerealie, die aussah wie E.T., für über 1000 australische Dollar verkauft. Anfang 2009 versteigerte ein User seinen kahl rasierten Hinterkopf, zwecks Platzierung von eintätowierten Werbebotschaften. eBay musste auch einige Versteigerungen abbrechen, da es sich bei den zum Kauf angebotenen Artikeln um nicht existente bzw. kontroverse Gegenstände handelte. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die versuchte Versteigerung des neuseeländischen Staates durch eine australische Privatperson, der Verkauf der deutschen Sprache durch den Verein Deutsche Sprache e.V., um auf die unnötige Amerikanisierung der deutschen Sprache aufmerksam zu machen, und der Versuch eines deutschen Jugendlichen, seine Seele über eBay zu verkaufen. Auch werden immer mehr Auktionen für wohltätige Zwecke gestartet. Die bekannteste unter den Charity-Auktionen ist das jährliche Wettbieten um ein Abendessen mit dem US-Milliardär Warren Buffett, bei dem regelmäßig Millionenerlöse erzielt werden.
2004 nahm der internationale Expansionszug wieder Fahrt auf. Durch Aktienkäufe wurde das indische Online-Auktionshaus baazee.com in eBay India umgewandelt. Marktplaats.nl, über den bis zu diesem Zeitpunkt achtzig Prozent aller Online-Versteigerungen abgewickelt wurden, wurde von eBay für circa 225 Millionen US-Dollar inkorporiert. Da das Unternehmen auch im Immobiliensektor ein Wort mitreden wollte, erwarb eBay das Immobilienportal rent.com, eine Werbeplattform zur Vermietung von Wohnungen. Das Geschäftsmodell von eBay wurde durch die Gründung bzw. Beteiligung an den regionalen Kleinanzeigenportalen kijiji (Europa, Kanada), Craigslist (USA), Gumtree (Großbritannien) und Loquo (Spanien) sowie der Ticketverkaufsseite Stubhub weiter diversifiziert.
Die größten Akquisitionen standen aber noch bevor. Mit dem Kauf der Preisvergleich-Seite shopping.com für 650 Millionen US-Dollar entledigte sich der Konzern eines ernsten Konkurrenten.
Für viele überraschend war der Einstieg in die Kommunikationsbranche, als eBay 2005 den Voice-over-IP-Anbieter Skype Technologies akquirierte. Skype ermöglicht das kostenfreie Telefonieren via Internet von PC zu PC sowie das kostenpflichtige Telefonieren von PCs in das Festnetz. Der Kaufpreis von 2,6 Milliarden US-Dollar, den man dem vergleichsweise kleinen belgischen Unternehmen zahlte, wurde als zu hoch kritisiert. eBay-Chefin Whitman verteidigte den Erwerb jedoch mit Hinweis auf die Bedürfnisse der Nutzer. Diese hatten zuvor gefordert, sich im Internet telefonisch über Transaktionen verständigen zu können. Nachdem im April 2009 zunächst verkündet wurde, Skype aus dem eBay-Konzern auszugliedern und spätestens 2010 als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen, entschied sich das Management im September 2009 schließlich dazu, 65 Prozent der Anteile an Skype an eine private Investorengruppe zu veräußern. Der Verkaufspreis belief sich auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Zu dem Konsortium, das den Großteil der von den Internetpionieren Niklas Zennström und Janus Fries gegründeten Firma übernimmt, zählten der britische Risikokapitalgeber Index Venture, die Investmentgruppe Silver Lake sowie der Netscape-Gründer Marc Andreessen, der auch im Aufsichtsrat von eBay sitzt. In einem Bieterwettstreit mit Facebook und Google kaufte schließlich Microsoft im Mai 2011 Skype für 8,5 Milliarden US-Dollar in bar auf.
2006 wurde auf die wachsende Beliebtheit des Web 2.0 mit einer Zwei-Millionen-Dollar-Investition in das social networking-Portal meetup.com reagiert.
Hervorzuheben ist das Corporate Social Responsability-Programm von eBay. Neben der eBay Foundation oder Spendenaktionen für Haiti unterstützte das Unternehmen im Oktober 2010 die Brustkrebsbehandlung und –vorsorge durch direkte Spenden oder die Möglichkeit, einen Teil des Verkaufspreises abzutreten. Diese Aktion wurde in die Webseite givingworks.ebay.com integriert, auf der man für NGOs, beispielsweise Ärzte ohne Grenzen, stiften kann. Darüber hinaus engagieren sich eBay-Gründer Pierre Omidyar und seine Ehefrau sozial, wie mit der 2001 gegründeten gemeinnützigen Forschungsgruppe HopeLab, die an Projekten wie der Reduktion von jugendlicher Fettleibigkeit arbeitet. Im Mai 2010 erhielt das eBay Green Team, eine Mitarbeitervereinigung, die zu Umweltbewusstsein aufruft, den „Social Innovation Award for Employee Engagement“. Dieses Team hat im Oktober 2010 eine neue Initiative gestartet, bei der gebrauchte elektronische Geräte von eBay kostenfrei recycelt werden und dem Anbieter zusätzlich Guthaben auf sein PayPal-Konto überwiesen wird. Es gibt viele weitere Projekte, die auf die Minimierung von CO2, die Herstellung umweltfreundlicher Produkte oder den fairen Handel ausgerichtet sind (s. beispielsweise worldofgood.ebay.com). Im März 2011 wurde eBay von dem Ethisphere Institute zu einem der „ethischsten Unternehmen der Welt“ gekürt.
In den fünfzehn Jahren seines Bestehens hat sich eBay zu einer Internet-Topmarke entwickelt. Der Konzern hat inzwischen weltweit http://pages.ebay.de/aboutebay/thecompany/companyoverview.html102,4 Millionen aktive Nutzer an sich gebunden, die in mehr als 50.000 Kategorien und 38 bzw. 43 Märkten Handel betreiben können (die Zahlen divergieren). Durch aggressive Aufkäufe der weltweiten Konkurrenz ist es gelungen, ein Monopol hinsichtlich Online-Auktionen zu sichern, das nur durch nationale Klein- und Nischenanbieter, wie etwa das neuseeländische TradeMe oder das südafrikanische Bidorbuy durchbrochen wird. Doch auch im allgemeinen Online-Handel hat sich eBay eine führende Stellung erobert und die Internetwirtschaft auf den Kopf gestellt. eBay ist zu einem Synonym für Online-Handel geworden.
Management
Der eBay-Erfinder und Aufsichtsratsvorsitzende Pierre Omidyar hat sich nach dem Börsengang Schritt für Schritt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und konzentriert sich hauptsächlich auf seine Wohltätigkeitsorganisation „Omidyar Network“, eine global agierende Organisation, die kleinen Unternehmen finanzielle Starthilfe gibt. Er zog mit seiner Frau von Silicon Valley nach Honolulu, um von dort aus Anteile von seinem inzwischen 6,7 Milliarden US-Dollar schweren Vermögen an Unternehmer in aller Welt zu verteilen.
Seit April 2008 ist John Donahoe, ehemals Direktor der "Marketplace"-Abteilung, Chef von eBay. Er musste als Nachfolger von Meg Whitman ein schweres Erbe antreten. Donahoe ist bei eBay für seine grenzenlose Energie bekannt, die sich in 70-Stunden-Wochen und regelmäßigen Besuchen des firmeneigenen Fitnessstudios äußert. Diese Fitness scheint nicht abträglich, denn seitdem er bei eBay ist, sank die Rate von neu registrierten Nutzern stark ab.
Donahoes Aufgabe besteht nun vor allem darin, die frustrierten Verkäufer nicht zu Konkurrenten wie Amazon abwandern zu lassen. Dafür bringt er ein gehöriges Maß an Selbstkritik mit. So räumte er in zahlreichen Interviews ein, dass eBay im Vergleich zu anderen E-Commerce-Anbietern nicht benutzerfreundlich genug sei. Insbesondere die Suchmaschine, mit der Nutzer nach Artikeln suchen, wurde von Donahoe als fehlerhaft identifiziert. Um die Mängel zur späteren Optimierung empirisch zu dokumentieren, zahlte er 200 US-Dollar an eine 30-jährige erfahrene Internet-Shopperin, um ihr einen Tag lang bei ihren Online-Käufen zuzuschauen. Als er sich mit einem Stift und Notizblock ausgestattet auf das Sofa ihrer Wohnung setzte, musste er mit ansehen, wie die Frau einen TV Tuner und einen iPod bei Amazon bestellte, weil ihr das eBay-Angebot zu unübersichtlich erschien.
Außerdem hat Donahoe eine Generationskluft der Online-Community ausgemacht. Mehr und mehr Internet-Nutzer wenden sich häufiger anderen Online-Händlern zu, da sie keine Lust auf eine zeit- und nervenaufreibende Onlineauktion haben. Oberste Priorität ist also für Donahoe in Zukunft zu definieren, was eBay sein will: Auktions- oder Kaufhaus.
Vertraute von Ex-CEO Meg Whitman sind der Meinung, dass eBay nur als klassisches Online-Auktionshaus überleben kann, das sich klar von anderen Online-Warenhäusern abgrenzt. Alle Versuche, eBay für große Händler zu öffnen, würden die Community der Kleinhändler verprellen und damit das Herz von eBay zerstören. Anders argumentiert die neue Führung um John Donahoe. Nur das Zurückdrängen von klassischen Auktionen von Privathändlern ermögliche eine erfolgreiche Zukunft des Konzerns.
Donahoe kündigte als eine seiner ersten Amtshandlungen tief greifende Veränderungen für eBay-Verkäufer an. Zunächst wurde der Preis für die bloße Auflistung von Verkaufsobjekten gesenkt, während der Prozentsatz an Gebühren, die Verkäufer bei jeder Transaktion an eBay abtreten müssen, um 33 bis 66 Prozent erhöht wurde. Von dieser Maßnahme profitieren vor allem größere Unternehmen, die Waren in hoher Quantität zu Festpreisen bei eBay anbieten. Im Zuge einer Kooperation mit dem Online-Warenhaus Buy.com wurden fünf Millionen Waren zum Festpreis angeboten.
Kleinere Händler, die ihre Ware versteigern, wurden von dieser Maßnahme schwer getroffen. Sie sahen aufgrund der Gebührenerhöhung ihre Existenzgrundlage bedroht und äußerten im eBay-internen Forum, auf Facebook- und MySpace-Seiten sowie Blogs ihren Unmut. Mit Unterstützung der Online Seller Cyber Union, einer Art Gewerkschaft für Onlinehändler, wurde schließlich der Zeitraum vom 18. bis zum 25. Februar 2008 zu einer weltweiten eBay-Streikwoche erklärt. An der Spitze der Streikbewegung stand die eBay-Verkäuferin Valerie Lennert, die ihren Job als Sozialarbeiterin aufgab, um bei eBay selbst genähte Puppenkleider zu verkaufen. Sie kreierte ein vierminütiges Video, in dem sie die Gründe für den Streik darlegte und das Motto der Bewegung formulierte ("No listing. No selling. No buying. No activity."). Lennert wurde daraufhin von allen großen Fernsehstationen der USA interviewt und erklärte stellvertretend für andere Verkäufer, wie hart die Gebührenerhöhungen kleine oder mittelständische Verkäufer treffen würden. Hunderttausende Verkäufer nahmen erhebliche Umsatzeinbußen in Kauf, nur um Teil des Streiks zu werden oder sahen sich nach anderen Online-Auktionshäusern zum Verkauf ihrer Ware um. John Donahoe hatte es sich schon vor seiner offiziellen Inthronisierung als neuer CEO beim Großteil der eBay-Basis gründlich verscherzt. Indem er die Streikbewegung als "nothing more than noise" verhöhnte und die Community kleinerer Verkäufer pauschal als "Flohmarkt" diskreditierte, goss er unnötigerweise Öl ins Feuer.
Geschäftsfelder
Onlineportale
Die Geschäftsidee hinter dem Auktionsportal eBay lautet, einen Online-Raum für den Handel mit beliebigen Waren zur Verfügung zu stellen. eBay bildet also nur die Plattform und tritt als Agent zwischen Käufer und Verkäufer auf. Die Abwicklung eines Handels inklusive Bezahlung und Versand erfolgt ohne Partizipation von eBay Inc. Die Nutzung der eBay-Homepage ist für Verkäufer gebührenpflichtig, für den Käufer ist sie hingegen gratis. Es gibt drei Konzepte für den Verkauf von Artikeln:
1. Versteigerung an den Höchstbietenden
Ursprüngliches Verfahren, das eBay weltberühmt machte. Der Verkäufer eines Artikels legt einen Startpreis und einen Endtermin für die Versteigerung fest. Interessenten können nun einen beliebigen Betrag für diesen Artikel bieten und jederzeit von Konkurrenten überboten werden, wobei der aktuelle Stand der Gebote für alle Beteiligten einsehbar ist. Derjenige Bieter, der am Ende der abgelaufenen Zeit den höchsten Betrag geboten hat, bekommt den Zuschlag für den Artikel.
2. Verkauf zum Festpreis ("Sofort Kaufen")
Ein Verkäufer bietet einen Artikel zu einem festen Preis innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums an. Den Zuschlag erhält die erste Person, die bereit ist, den Preis zu bezahlen.
3. Dauerhafte Angebote
Verkäufer können ihre Artikel permanent auf einer speziellen, individuellen eBay-Seite zum Verkauf anbieten ("eBay Shop").
Das Unternehmen ist im Besitz weiterer Shopping-Websites. So kann man beispielsweise unter Shopping.com nicht nur online einkaufen, sondern auch Preise vergleichen. Half.com ist ein spezieller Marktplatz für Bücher, Tonträger und Videospiele, auf dem Verkäufer ihre Waren zu Festpreisen und gebührenfrei verkaufen können. StubHub.com ist eine Online-Ticket-Verkaufsstelle und Milo.com ein lokalisierter US-Internet-Einkaufsführer. Der Shoppingclub Brands4friends sowie Anteile an GittiGidiyor, dem größten Online-Marktplatz in der Türkei, zählen ebenfalls zum Konzern.
Online Classifieds ist der Überbegriff für eine Vielzahl von nationalen Kleinanzeigen-Anbietern, die eBay in den letzten Jahren akquiriert hat. Dazu gehören Kijiji, Gumtree.com, Loquo.com (Spanien), Marktplaats.nl (Niederlande) und mobile.de (Deutschland) sowie eine Minderheitsbeteiligung an craigslist.com. Um eBays Einstieg bei Craigslist im Jahr 2004 ist derweil ein Rechtsstreit entbrannt. Ebay schaltete ein Gericht ein, da das Unternehmen der Meinung ist, die Verantwortlichen von Craigslist hätten den Aktienanteil von eBay im Zuge einer Aktien-Umstrukturierung bewusst manipuliert. Ebay hätte deshalb seinen Platz im Aufsichtsrat sowie über 110 Millionen US-Dollar an Aktienwerten verloren. Die Craigslist-Besitzer Craig Newmark und James Buckmaster haben die Vorwürfe zurückgewiesen und eBay stattdessen vor einem anderen kalifornischen Gericht verklagt. Ihr Vorwurf lautet, sie hätten die Aktienstrukturierung nur vorgenommen, da der Platz des eBay-Vertreters im Aufsichtsrat dazu missbraucht wurde, um an technische Betriebsgeheimnisse zu kommen. Diese seien dann für eBays konkurrierendes Kleinanzeigen-Unternehmen Kijiji benutzt worden, so die Anwälte von Newmark und Buckmaster. Seit September 2011 ermitteln ebenfalls US-Staatsanwälte in diesem Fall. eBay nahm im Zuge des Rechtsstreits eine Neupositionierung der Marke vor und machte aus dem Kleinanzeigenservice die Plattform eBayClassifieds.com, die neben neuen Sicherheitsfeatures auch einen 24-Stunden-Kundenservice bietet. Letztlich konnte eBay dem bislang dominierenden Dienstleister Craigslist.com Paroli bieten.
Rent.com ist die am häufigsten besuchte Anzeigenseite für die Vermietung von Wohnungen in den Vereinigten Staaten. Der Online-Auftritt bietet seine Dienste sowohl Wohnungssuchenden, als auch Vermietern an. Rent.com wurde im Februar 2005 von eBay gekauft.
Die im Juni 2011 eröffnete Plattform X.Commerce soll die nächste Generation im Onlinehandel darstellen. Es handelt sich um eine cloud-basierte Dienstleistungsplattform für Softwareentwickler, eine „open commerce platform group“, die auf eine starke Entwicklergemeinschaft als Ressource für Händler aller Größen baut.
Finanzdienstleistungen
PayPal ist das Ergebnis aus einer Fusion von Confinity Inc. und X.com. Confinity wurde Ende 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek gegründet, die zusammen die Universität von Illinois besuchten (Thiel hat einen beträchtlichen Teil seines mit PayPal generierten Vermögens inzwischen in das Soziale Netzwerk Facebook investiert). Die Firma X.com wurde 1999 vom Südafrikaner Elon Musk gegründet und übernahm Confinity im Jahr 2000. Ursprünglich sollte das Bezahlsystem X.com heißen. Nachdem Umfragen aber ergaben, dass der Name für die meisten Nutzer bedeutungslos war oder im schlimmsten Fall eine pornographische Konnotation besaß, entschied man sich für den Namen „PayPal“. PayPal ermöglicht es jeder Firma und jedem Individuum, mittels eigener Email-Adresse Finanztransaktionen online durchzuführen. Es ist das am meisten akzeptierte Zahlungssystem von Online-Warenhäusern weltweit. PayPal wurde 2002 von eBay Inc. akquiriert.
Im November 2008 akquirierte PayPal das konkurrierende Online-Zahlsystem Bill Me Later. Der Kauf von PayPal und der damit verbundene Einstieg in den Finanzdienstleistungssektor hat sich als Volltreffer erwiesen. Mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes wird mittlerweile mit dem Bezahlservice verdient. Zum Jahresende 2011 wies der Bezahldienst einen Kundenstamm von 106,3 Millionen aktiven Nutzern auf. Durchschnittlich nahm die Anzahl der Nutzer jeden Monat um eine Million zu, wobei PayPal derzeit weltweit in 190 Märkten verfügbar ist.
Getrübt wird die Erfolgsstory durch kritische Kommentare von Datenschützern. Diese bemängeln, dass PayPal die Konten seiner Nutzer sperrt, wenn ein unbegründeter Verdacht besteht, der Kunde gehe terroristischen oder betrügerischen Aktivitäten nach. Auf diese Weise wurden viele unschuldige Personen vom Zugriff auf ihr Guthaben ausgeschlossen. Der jüngste Fall ereignete sich um den WikiLeaks-Skandal. Nachdem Anfang Dezember 2010 geheime US-Diplomatendossiers über die Online-Plattform WikiLeaks veröffentlicht wurden und diese in den Medien diskutiert wurden, gingen von Sympathisanten etwa 15 000 Euro bei der Wau-Holland-Stiftung, einer wichtigen Geldquelle der Enthüllungsplattform, ein. PayPal sperrte daraufhin das Spendenkonto der Stiftung wegen Verletzung der Benutzungsbedingungen und fror die Spenden ein. Nach massiven Protesten der WikiLeaks-Anhänger wurden die Gelder jedoch ausgezahlt.
Glaubt man einem Bericht der Fachzeitschrift PC Professionell, werden die PayPal-Kundendaten mit Listen von Terror- oder Drogenhandel-Verdächtigen der US-amerikanischen Heimatschutzbehörde abgeglichen, wobei auch bloße Namensähnlichkeiten ausreichen, um ins Visier der Fahnder zu geraten. Nach ihrer Steuernummer werden PayPal-Kunden gefragt, wenn sie Überweisungen über hohe Geldbeträge vornehmen bzw. empfangen (in der Regel ab Beträgen von ca. 2.000 Euro) oder insgesamt hohe Zahlungen über PayPal abwickeln wollen.
Microplace ist eine Website, auf der Nutzer gewinnorientierte Investitionen in den Mikrofinanz-Sektor tätigen können.
Mobile Apps
Der mobile Markt stellt für eBay eine gute Möglichkeit dar, weitere Märkte zu erschließen. So wurden im Jahr 2010 in über 190 Ländern eBay Apps verwendet, wohingegen der Konzern weltweit lediglich in 38 oder 43 Märkten (widersprüchliche Unternehmenskennzahlen) aktiv ist. Die mobilen Apps wurden bereits 65 Millionen Mal heruntergeladen (Stand: 31.12.2011). Im Jahr 2011 wurden etwa 5 Milliarden US-Dollar über mobile Anwendungen abgewickelt, wobei es im Jahr 2010 nur 2 Milliarden waren. Am schnellsten wachsen die eBay Mobile-Märkte in Australien und Großbritannien. Weltweit sind iPhone-Nutzer im mobilen eBay-Shoppping führend. Im März 2010 brachte eBay zwei neue iPhone-Anwendungen auf den Markt, um mehr Mobiltelefonnutzer auf seine Seite zu locken. Die App ist in mehr als 190 Ländern weltweit verfügbar und bereits in den ersten Wochen über acht Millionen Mal heruntergeladen worden. Schon jetzt werde alle 35 Sekunden ein Produkt auf den deutschen eBay-Seiten über das iPhone erworben, so das Unternehmen. Zeitgleich mit dem Marktdebüt des iPad am 3. April 2010 wurde eine App für den Tablet-PC von Apple lanciert. Außerdem gibt es Apps für das BlackBerry und die Betriebssysteme Windows Phone 7 sowie Android. Seit Mai 2011 ist in Apples iTunes Store eine erweiterte App von eBay Motors kostenfrei verfügbar, mit der ein Scan der Autokennnummer und personalisiertes Einkaufen in Form von beispielsweise einer spezifischen Ersatzteilsuche möglich ist. Allein im ersten Quartal 2011 wurden über die eBay Motors App 90.000 Teile und 2.000 Autos pro Woche verkauft. Auf dem deutschen eBay-Marktplatz wird alle 5 Sekunden über die mobilen Anwendungen von eBay eingekauft.
Engagement in Deutschland
eBay Deutschland ging aus dem Auktionshaus alando.de hervor, das 1999 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründet wurde und noch im selben Jahr von eBay gekauft wurde. Der deutsche eBay-Ableger ist der größte und wichtigste Marktplatz nach dem US-amerikanischen. In Deutschland verkauft eBay alle 2 Minuten ein Sofa, alle zehn Sekunden eine CD und jede Minute eine Digitalkamera. Der deutsche eBay-Internetauftritt verzeichnet über 16 Millionen aktive Mitglieder, wobei die monatliche Nutzungsdauer im Durchschnitt pro Kopf bei 1:55 Stunden liegt. In Konkurrenz zu Amazon stiegen die Festpreisangebote und der Anteil von kostenlosem Versand: 64 Prozent des weltweiten Warenumsatzes bei eBay werden inzwischen über Festpreisverkäufe realisiert. Derzeit werden fast 40 Prozent aller Artikel mit kostenlosem Versand angeboten. Im Jahr 2008 lag der Anteil bei 12 Prozent.
Für den deutschen Markt ließ man 2004 auf einem Industriegelände in Berlin-Adlershof eigens ein neues Bürogebäude für 1000 Mitarbeiter inklusive Volleyballplatz und Biotop bauen. In Brandenburg befindet sich außerdem ein Call-Center für den europaweiten Kunden-Support. Derzeit hat die deutsche eBay GmbH ihren Sitz in Dreilinden bei Berlin.
Insbesondere für den deutschen Auktionsmarkt ist der Handel mit Gebrauchtwagen zentral. Im Jahr 2004 übernahm der Konzern mobile.de, einen der führenden Online-Anzeigenmärkte für Fahrzeuge in Deutschland. Damit stieg eBay in den Wettbewerb um das deutsche Geschäft mit Gebrauchtwagenanzeigen ein, der traditionell eher von Zeitungen dominiert wurde. Künftig, so das Ziel, sollen 90 Prozent aller deutschen Gebrauchtwageninteressenten im Internet auf eBay-Seiten landen.
Seit Herbst 2008 gab es vermehrt Führungswechsel bei eBay Deutschland. Stefan Groß-Selbeck, der zur Netzwerk-Seite Xing wechselte, wurde durch Frerk-Malte Feller ersetzt. Feller war zuvor Leiter der deutschen PayPal-Sparte. Die weltweit schwache Wachstumsbilanz des Konzerns zollte auch in Deutschland ihren Tribut: Neben dem Chef wurden außerdem 100 der rund 1.000 deutschen Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Nach einem Jahr wechselte Frerk-Malte Feller nach Australien, wo er für die Entwicklung von PayPal eingesetzt wurde. Neuer Deutschlandchef wurde dann Dr. Stephan Zoll, vorher Geschäftsführer der eBay Advertising GmbH. Mit einer millionenschweren Kommunikationskampagne versuchte eBay Deutschland eine Neuausrichtung sowie Image-Verbesserung. Dr. Stephan Zoll wurde schließlich im Oktober 2011 durch den bisherigen Legal Director EU Marketplaces Compliance Dirk Weber ersetzt, welcher nun als eBay-Deutschland-Chef und Legal Director beide Funktionen ausübt. Dr. Stephan Zoll kann sich nun auf die Weiterentwicklung des Geschäfts der eBay-Tochter brands4friends konzentrieren, dessen CEO er seit März 2011 ist. Der Shopping-Club brands4friends wurde im Januar 2011 von eBay für 150 Millionen Euro übernommen, um das Geschäft im Bereich Lifestyle und Mode auszubauen. Ab dem Sommer 2012 sollte die Zahlungsabwicklung umgestellt werden, sodass Zahlungen für Käufe auf dem Online-Portal an eBay überwiesen werden. Die Einführung wurde aber auf das Jahr 2013 verschoben. Schuld daran sei die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die nun eine Lizenz fordert.
Deutschland ist für den Gesamtkonzern eBay der zweitwichtigste Markt. Der Anteil am deutschen E-Commerce-Markt liegt bei 30 Prozent. Derzeit lässt eBay Deutschland in einer umfangreichen Studie die zukünftige Entwicklung des Ein- und Verkaufens untersuchen. Die Ergebnisse dieser repräsentativen Bevölkerungsumfrage sollen Ende 2012 veröffentlicht werden.
Engagement in Asien
Ebay hat Probleme, sich im asiatischen Markt durchzusetzen. Vor geraumer Zeit musste das japanische eBay-Portal aufgrund von Erfolglosigkeit geschlossen werden. Nun sollen mit Gmarket, Südkoreas führendem E-Commerce-Unternehmen, das 2009 von eBay für 1,2 Milliarden US-Dollar gekauft wurde, existierende Online-Marktplätze in Japan und Singapur ausgebaut werden.
Die Akquisition von EachNet in China hat sich, das musste sich das eBay-Management Ende 2006 schmerzlich eingestehen, als Flop erwiesen. Um die Marktanteile nicht komplett an die Alibaba Group und deren Auktionshaus Taobao abzutreten, entschloss man sich für ein Joint Venture mit dem chinesischen Webportal Tom Online, das vom Hongkonger Milliardär Li Ka-shing geleitet wird. Derzeit gibt es bei eBay China Umstrukturierungen, in dessen Rahmen Gerüchten zufolge etwa 100 Mitarbeiter entlassen worden seien. Von offizieller Seite werde von Versetzungen gesprochen (s. Artikel). Ende April 2011 ging eBay Partnerschaften mit drei großen chinesischen Firmen ein, um mehr Produkte zu verkaufen. Das auf Gesundheitspflege spezialisierte Unternehmen Breo sowie die Elektronikriesen Kwong Pontus Telecom & Techno Company und Aigo stimmten zu, ihre Produkte weltweit über eBay zu verkaufen.
China ist mit seinen mehr als 420 Millionen Internet-Usern und 650 Millionen Mobilfunknutzern als Markt zu wichtig, um ein Risiko einzugehen. Speziell in China und Indien nimmt der Zahlungsverkehr mittels Kreditkarten stetig zu. Deshalb könnte eBay, das auf elektronischen Zahlungssystemen basiert, von dieser Entwicklung profitieren. Seit März 2010 kann man auch im Reich der Mitte mittels PayPal bezahlen.
Doch auch PayPal bereitet insbesondere in China Schwierigkeiten im Geschäft: Die Konkurrenz mit dem E-Payment-Anbieter Alipay, dem Zahlungssystem der Alibaba Group, ist groß. Ein erster Schritt ist eine Kooperation mit dem Online-Bezahldienst China UnionPay. Künftig will PayPal den Kunden von China UnionPay die Einrichtung von Accounts ermöglichen, sodass sie auch außerhalb der Grenzen Chinas die entsprechenden Dienste nutzen können. Ein weiterer Coup für den Onlinezahlungsdienst, dessen Erlöse um 28 Prozent auf 796 Millionen US-Dollar geklettert waren und der bis Ende 2011 ein Volumen von vier bis fünf Mrd. Dollar anstrebt. Allerdings droht heftiger Gegenwind von Google: Dessen eigenes Online-Zahlungssystem Google Checkout sorgt für verschärften Wettbewerb.
Aktuelle Entwicklungen
Ebay bekommt zunehmend durch sogenannte "Re-Commerce"-Anbieter Konkurrenz (Gazelle, Glyde, Kashless). Diese erlauben es Nutzern, gebrauchte Elektronikware, DVDs, Bücher und Videospiele zu kaufen bzw. unkompliziert und ohne Grundgebühr zu verkaufen. Ein Großteil solcher Seiten weist eine erheblich größere Benutzerfreundlichkeit auf als eBay, deren Homepage zunehmend als unübersichtlich wahrgenommen wird. Anbieter handgefertigter, selbst produzierter Güter wanderten in Scharen zum (noch zahlenmäßig unbedeutenden) Konkurrenten Etsy ab.
Amazon hat sich zum hartnäckigsten Widersacher von eBay entwickelt, seit dort auch gebrauchte Produkte vertrieben werden und ein eBay-ähnliches Bewertungssystem installiert wurde. Zwar hat eBay sein Angebot zu fixen Preisen ausgebaut, kann dabei aber nicht ansatzweise mit der Kundenbindung konkurrieren, die Amazon in den letzten zehn Jahren aufgebaut hat. 2010 schrumpfte die Zahl der aktiven Nutzer um ein Prozent auf 93,2 Millionen, woraus sich schließen lässt, dass die jüngsten Änderungen auf dem Online-Marktplatz im Hinblick auf verbesserte Suchfunktionen, Produktlisten und die Sicherheit beim Handeln die Abwanderung der Nutzer nicht verhindern konnten.
Mit der Eröffnung eines Buchshops der ehemaligen Bertelsmann-Tochter DirectGroup versucht eBay, sich gegen Amazon zu positionieren. Seit Ende Oktober 2010 werden in dem Zeilenreich Shop 100.000 Bücher sowie DVDs zum Festpreis und portofrei angeboten.
Ebenso wie die Konkurrenten Amazon und Google strebt eBay derzeit den Markt für lokale Internetdienste an. So kaufte das Auktionshaus im Dezember 2010 den Internet-Einkaufsführer Milo.com. Dieser ermöglicht es den Nutzern, etwa 50.000 Geschäfte in allen 50 US-Bundesstaaten in Echtzeit nach der Verfügbarkeit gewünschter Produkte zu durchsuchen.
Im ersten Halbjahr 2011 kam es zu einer Fülle weiterer Aufkäufe. Im Januar kaufte eBay für 150 Millionen Euro in bar den größten deutschen Onlineshoppingclub für Mode und Lifestyle-Artikel brands4friends. Drei Monate später vereinbarte eBay, weitere Anteile an GittiGidiyor, dem größten Online-Marktplatz in der Türkei, zu erwerben. Es ist geplant, 93 Prozent der Anteile zu übernehmen. Am 20. April wurde der nächste Deal verkündet: Im zweiten Halbjahr wird das aus Boston stammende Medienunternehmen WHERE akquiriert, das sich auf lokale und mobile Dienste spezialisiert hat. Ebenso verhält es sich mit dem Open Source E-Commerce Plattform-Anbieter Magento. Deren Anteile wurden im Februar 2011 zu 49 Prozent übernommen und die Magento-Plattform in die Open Commerce Plattform Gruppe X.Commerce integriert. Am 20. Juni 2011 wurde die vollständige Übernahme von GSI Commerce, dem Anbieter von Onlinehandel und interaktiven Marketingdiensten, verkündet. Auf diese Weise konnte sich eBay um 180 weitere Kunden bereichern, zu denen bekannte Marken wie Adidas, Toys’R’Us und Hewlett-Packard zählen. Den Markt für mobile Bezahldienste versucht PayPal mittels der im Juli 2011 vereinbarten Übernahme von Zong als einer der Marktführer zu erschließen. Zong ermöglicht es, mit der Eingabe der Handynummer über das Mobiltelefon oder den Computer zu bezahlen.
Ende Mai 2011 klagte die eBay Tochter PayPal gegen den Suchmaschinenbetreiber Google. Dieser hatte kurz zuvor sein Handy-Bezahlsystem „Google Wallet“ vorgestellt. Zwei ehemaligen PayPal-Mitarbeitern werden Vertragsverletzungen, unter anderem wegen Geheimnisverrats, vorgeworfen. Letztlich reflektiert die Klage den harten Kampf um die Vorreiterschaft auf einem noch unerschlossenen Milliardenmarkt.
Ebays Zahlungssystem PayPal wird laut New York Times und Konzernchef John Donahoe etwa 2014 mehr Umsatz generieren, als die Auktionsplattform. Ebay konnte den Nettoumsatz im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr 2010 um 27 Prozent auf 11,7 Milliarden Dollar steigern. Dies liegt primär in einem 29-prozentigen Anstieg des Netto-Bezahlvolumens von PayPal sowie einem Anstieg um 13 Prozent bei den Verkäufen über die Online-Marktplätze begründet.
Ebay plant, den Umsatz im Jahr 2013 auf mindestens 13 Milliarden US-Dollar zu steigern. Dies soll strategisch unter anderem durch eine globale Verbreitung von PayPal sowie Innovationen im mobilen, lokalen und digitalen Geschäft erreicht werden. Zukünftiges Wachstum wird laut PayPal im Online-Geschäft sowie in der Bezahlung über Mobiltelefone erwartet. So wird bereits jetzt iPhone-Nutzern die Möglichkeit geboten, ihren persönlichen Scheck zu fotografieren und diesen Wert auf das PayPal-Konto zu übertragen. Damit wird ein neuer Schwerpunkt in der Verschmelzung von Internet, Handy und Laden gelegt, sodass Nutzer PayPal nicht nur online als Zahlungssystem nutzen. In diesem Jahr werden Händler in den USA und 2013 in Europa und Asien mit einem neuen Bezahlsystem ausgestattet, das die Bezahlung per Handy-Nummer und PIN an der Kasse ermöglicht.
In einem Interview mit der FAZ erklärte Konzernchef John Donahoe, eBay strebe eine Änderung des Geschäftsmodells an. Die Hälfte der Strecke vom Auktionshaus zum Online-Marktplatz sei schon geschafft und da es sich bei Auktionen nicht um ein tragfähiges Geschäftsmodell handle, ziele man auf einen größeren Anteil von Fixpreis-Angeboten ab. Der Fokus liege dabei aber auf dem sogenannten "Sekundärmarkt". Während man bei anderen Online-Händlern meist nur neue Ware vorfände, wolle sich eBay als Plattform für ältere, aber neuwertige Produkte etablieren.


