50. TF1 S.A.

Umsatz 2011: € 2,620 Mrd.

Überblick

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Im Zentrum des Medienkonzerns TF1 steht der TV-Sender TF1 – das zuschauerstärkste private Vollprogramm Europas, hervorgegangen aus dem Staatssender RTF. Dazu veranstaltet TF1 heute eine Reihe von Spartenkanälen auf Pay-TV-Plattformen und besitzt den paneuropäischen Sportsender Eurosport.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1, quai du pont du jour
95656 Boulogne, Cedex/ Frankreich
Telefon: 0033-14141-1234
Telefax: 0033-14141-2840
Internet: www.tf1.fr

Branche: Free-TV, Pay-TV, Satelliten-TV, TV-Produktion, Spartenkanäle und Rechtehandel, Werbezeitenvermarktung, Internet-Services, Rechtehandel
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1947 Gründung der Radio-Télévision Français (RTF), 1974 TF1 als Nachfolger der RTF, 1987 Privatisierung des Unternehmens

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

Umsatz Gesamt

2.620

2.622

2.365

2.595

2.764

2.654

2.508

2.861,7

2.768,7

Gewinn nach Steuern

182.7

229

114,5

163,8

227,8

452,3

234,7

210,3

191,5

Aktienkurs (in €, Jahresende)

7,54

13,36

12,88

10,44

18,30

28,11

23,44

24,01

27,68

Dividende

(pro Aktie in €)

0,55

0,55

0,43

0,47

0,85

0,85

0,65

0,65

0,65

Beschäftigte

4.122

4.082

3.638

3.768

3.768

3.536

3.233

3.867

3.682

Geschäftsführung

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Geschäftsführung / Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Nonce Paolini, Chairman and Chief Executive, TF1 Group
  • Arnaud Bosom, Executive Vice President, Strategy, Organisation and Marketing, TF1 Group
  • Jean-Michel Counillon, General Counsel
  • Philippe Denery, Executive Vice-President, Group Finance, Chairman of TF1 Thématiques and TF1 Droits Audiovisuels
  • Martine Hollinger, Chairman, TF1 Publicité
  • Frédéric Ivernel, Executive Vice-President, Communication
  • Jean-François Lancelier, Executive Vice President of Broadcasting, Programmes and Production at the TF1 Group
  • Benoît Louvet, Chairman, Eurosport and Managing Director for Sports Rights Purchasing
  • Gilles Maugars, Executive Vice President, Technologies, Information Systems, Internal Resources and Sustainable Development
  • Catherine Nayl, Managing Director, News and Information,TF1 Group
  • Jean-Pierre Paoli, Managing Director,International Affairs
  • Régis Ravanas, Chairman of TF1 Entreprises, Téléshopping, e-TF1 and TF1 Vidéo
  • Jean-Pierre Rousseau, Executive Vice-President, Human Resources and Internal Communication
  • Laurent Solly, Chief Executive, TF1 Publicité
  • Laurent Storch, Vice-President, Production

Besitzverhältnisse: Bouygues S.A. (43,0%)

Geschichte und Profil

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TF1 ist nach wie vor die unumstrittene Nummer Eins der französischen TV-Landschaft, der europaweit mit deutlichem Abstand meistgesehene Kanal (Im ersten Quartal 2010 etwa erreichte TF1 einen Marktanteil ab vier Jahren von 25,1%, vor Rai1 (21,9%) und BBC1 (20,7%)). Mit einem Marktanteil von 24,5% (2010) verfügt TF1 nicht nur über die erfolgreichsten Formate – 97 der 100 quotenstärksten Programme Frankreichs liefen 2010 auf TF1 – sondern nimmt auch erheblichen Einfluss auf die öffentliche Diskussion. Die Entstehungsgeschichte des Senders ist eng mit der politisch-administrativen Elite des Landes verbunden. TF1 ging hervor aus dem einstigen Ersten Programm, seit de Gaulle von der Politik angesehen als eine Art verlängerter Arm der Exekutive. Vollständig hat sich die Staatsführung von diesem Anspruch bis heute nicht lösen können.

1974 wurde TF1 als öffentlich-rechtliche Anstalt aus der staatlichen Holding ORTF ausgegliedert. 1987 dann privatisierte die Regierung den Kanal; den Zuschlag erhielt ein Unternehmer, der hervorragende Beziehungen zu den Entscheidungsträgern unterhielt: Baulöwe Francis Bouygues. Sein Baukonzern war seit langem für die öffentliche Hand tätig und stark daran interessiert, seine Aktivitäten zu diversifizieren. Nach einem heftigen, live auf TF1 übertragenen Bietergefecht mit dem Medienkonzern Lagardère erhielt Bouygues schließlich den Zuschlag und stieg mit 25% bei TF1 ein. Befreundete Finanziers hielten weitere 25%; der Rest wurde an die Börse gebracht.
1988 begann der Kanal seine Strategie der vertikalen Integration: Über die Filialen Une Musique, TF1 Video und TF1 Entreprises wurden Audio, Video resp. Programmrechte vermarktet. Mit dem Ausbau der französischen Kabelnetze und vor allem der europäischen Satellitenplattformen boten sich zu Beginn der 1990er Jahre weitere Möglichkeiten; TF1 lancierte zwei neue Themenkanäle: Eurosport (gegründet 1991), das zwei Jahre später mit dem Canal+-Ableger The European Sports Network fusionierte; 1994 folgte der Nachrichtenkanal LCI. Zeitgleich mit der Ausweitung der Aktivitäten konnte Bouygues auch seine Kontrolle über TF1 verstärken: Eine neue Gesetzgebung erlaubte es dem Baukonzern 1994, seine Beteiligung an dem profitablen Sender auf 34%, später 41% aufzustocken.

Die weitere Entwicklung war eine Reaktion auf die Expansion des Pay-TV-Senders Canal+. Als dieser 1996 begann, auf seiner Satellitenplattform CanalSatellite dem gemeinsamen Sender Eurosport Konkurrenz zu machen, beschloss TF1 einen eigenen Vertriebsweg aufzubauen. Zusammen mit dem Free TV-Konkurrenten M6, dem Versorgungskonzern Lyonnaise des Eaux, France Télécom und der öffentlich-rechtlichen France Télévision gründete TF1 das Satellitenbouquet TPS.

Die Bestückung der Plattform mit Themenkanälen bildete den Schwerpunkt der weiteren Diversifikation: 1997 ging der Doku-Kanal Odyssée auf Sendung; 2000 startete das bretonische Regionalprogramm TV Breizh – ein Lieblingsprojekt des bretonischen Senderchefs Patrick Le Lay, der sogar einen Teil der Senderpräsentation vor der Lizensierungsinstanz CSA auf bretonisch vortrug. 2001 konnte TF1 den Zugriff auf TPS weiter erhöhen und übernahm die Anteile von Canal+ an Eurosport, erwarb 50% an Série Club und hob den Premium-Kanal TPS Star (Kino und Sport) aus der Taufe. Mit der Ausbezahlung von France Télécom und France Télévision erhöhte die Gruppe ihren Anteil an TPS auf 50%, Mitte Juli 2002 sogar auf 66%. 2001 übernahm das Unternehmen auch sämtliche Anteile an Eurosport. Weitere Senderstarts als Beispiele für den konsequenten Diversifikationskurs: die Jugendkanäle Eureka, Boomerang und TFou (2003), der erste schwule TV-Sender Frankreichs Pink TV (2004); Ushuaia TV als Kanal der nachhaltigen Entwicklung (März 2005).

Am 31.8.2006 dann der Ausstieg. Das französische Finanzministerium genehmigte den Zusammenschluss von TPS mit der Konkurrenzplattform CanalSat, unter genau 59 Auflagen (Beispiele: einige Kanäle müssen Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden; das neuformierte Bouquet Canal+ France darf nur noch in beschränktem Maß Rechte an französischen Filmen besitzen). Anfang Januar 2007 war die Fusion abgeschlossen. De facto bedeutete dies für TF1 das Ende der Ambitionen auf dem Satellitenmarkt, lediglich ein Anteil von 9,9% am fusionierten Unternehmen blieb. Eine nicht unerwartete Entwicklung. TPS war gegenüber Canal+ stets der schwächere Konkurrent, die Koexistenz der beiden Bouquets galt schon lange als nicht rentabel; solche Modelle waren in Spanien, England, Italien und Polen längst gescheitert. Nachtrag: Ende November 2009 dann gibt TF1 auch die verbliebenen 9,9% an Canal+ France für 744 Mio. Euro an Vivendi ab.

Entscheidende Fortschritte bei der Diversifizierung, wie sie die anderen Mediengruppen in Frankreich unternommen haben, sind ausgeblieben. Zwar hat TF1 Anfang April 2007 eine Minderheitsbeteiligung am Produzenten und Spartenkanalbetreiber Groupe AB übernommen (33,5% für 230 Mio. €), zwar meldet TF1 im Jahresbericht 2010 stolz den siebten Platz unter den französischen „groupes du web“. Der Konzern TF1 aber besteht nach wie vor im Wesentlichen aus dem einen Sender – nach dem Scheitern seines Mobilfunkangebots (während das des Konkurrenten M6 großen Erfolg hat), nach dem Ausstieg aus dem Satellitenmarkt. Und international ist man mit Ausnahme von Eurosport kaum vertreten.

Anfang 2008 verfügte Präsident Sarkozy das Ende der TV-Werbung in den öffentlich-rechtlichen Kanälen – in einem ersten Schritt die Werbung nach 20 Uhr ab dem 5.1.2009, dann die komplette Werbefreiheit ab 2011. Nicht selten wurde das auch als Geschenk für seinen Freund Martin Bouygues interpretiert: TF1 müsse die etwa von France 2 vertriebenen Werbekunden nur aufsammeln. Doch weit gefehlt. Einer am 18.2.2009 veröffentlichten Studie zufolge sind die TF1-Werbeeinnahmen in den ersten sechs Wochen nach dem Werbestopp auf den Staatskanälen um 19% gesunken, über das gesamte erste Quartal 09 sollten es dann sogar 27% sein. Das Wirtschaftsmagazin L’Expansion stellte fest: Niemand leidet unter der Werbekrise mehr als TF1, auch aufgrund einer verfehlten Preispolitik. Angesichts des Zuschauerschwunds ließen sich die traditionell hohen TF1-Werbetarife nicht mehr rechtfertigen. Zwar ist TF1 noch immer Marktführer, doch der Marktanteil schrumpft: im ersten Trimester 2010 schauten 25,1% der Franzosen TF1. So wenig wie nie zuvor.

Dann die Kehrtwende beim Thema Werbestopp: Ab dem Frühjahr 2010 zeichnete sich ab, was die Pariser Nationalversammlung am 16. November beschloss. Eine totale Werbefreiheit wird es bis auf Weiteres nicht geben, mindestens bis 2014 bleibt die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor 20 Uhr erlaubt (keine Änderung gibt es beim werbefreien Abendprogramm). Ein kompletter Werbeverzicht sei „mit der Lage der öffentlichen Finanzen nicht vereinbar“. TF1 forderte unmittelbar eine Abschaffung der Kompensationssteuer, mit der man die privaten Sender ab 2009 belastet hatte, um die Verdienstausfälle bei den Öffentlichen ausgleichen zu können.

Management

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Mitte 2006 gab es auf der Führungsetage des Konzerns viel Bewegung, nach rund zwei Jahrzehnten personeller Kontinuität. Es hieß, die alten Männer an der Spitze von TF1 hätten den Anschluss verpasst an die geänderten Grundlagen des Mediengeschäfts (Internet, digitale Technologie). Martin Bouygues, Chef des gleichnamigen Hauptaktionärs, beschloss daraufhin einen „radikalen Epochenwandel“ (Le Figaro). Nun müsse das „TF1 der kommenden 20 Jahre“ erfunden werden.

Patrick Le Lay (geb. 1942), Président-Directeur général von TF1 seit 1988, zog sich am 22.5.2007 zunächst auf den (quasi ehrenamtlichen) Posten des Verwaltungsratspräsidenten zurück und ist heute Präsident des Investmentfonds Serendipity (mit Bouygues als einem der Hauptanteilseigner). Ein weiteres Opfer der großen Wachablösung: Etienne Mougeotte (Jg. 1940), TF1-Programmchef seit der Privatisierung 1987 und somit Schlüsselfigur der hocherfolgreichen TF1-Programmpolitik. Er trat am 6. August 2007 als Vizepräsident der TF1-Gruppe zurück, ging zum „Figaro Magazine“. Am 20.11.2007 wurde er zum directeur des rédactions der Figaro-Gruppe ernannt.

Seit dem 22.5.2007 gibt es also einen neuen starken Mann im 14. Stock des TF1-Turms in Boulogne-Billancourt, gleich neben der Pariser Périphérique: directeur général Nonce Paolini (Jg. 1949). Auch er startete als Großer Unbekannter, genau wie der Bauingenieur Patrick Le Lay beim Amtsantritt 1987. Und genau wie Le Lay ist Paolini ein Zögling des Mutterhauses, ein „Bouyguesman“ durch und durch, ein Fremder in der glitzernden Fernsehwelt, ohne enge Kontakte und Netzwerk im Hause TF1, noch ohne politsche Bindung. Noch: wenige Tage vor seiner Inthronisierung wurde gemeldet, dass Laurent Solly (Jg. 1970), ENA-Absolvent (französische Eliteuniversität für höheres Beamtentum), zuvor mitverantwortlich für die Präsidentschaftskampagne von Nicolas Sarkozy und in Fernsehdingen komplett unbedarft, zum Quasi-Stellvertreter Paolinis ernannt wird. Widerstand zwecklos, Mehrheitseigner Martin Bouygues gilt als enger Freund von Präsident Sarkozy (er war sein Trauzeuge bei der Ehe mit Cécilia). Wie schon gesagt: von einer gewissen Kontrolle über das Leitmedium können französische Regierungen nicht lassen (siehe den Eintrag zu France Télévisions).

Das Profil der großen TV-Lenker hat Paolini nicht. Er ist kein Ingenieur und kein ENA-Alumnus (oder Abgänger einer ähnlichen Auslesefakultät), hat dafür einen Literatur- und Politologieabschluss. Man nennt ihn „l’incarnation du mystère“, einen Taktiker und Diplomat, von ruhiger Natur (im Gegensatz zu seinem als cholerisch geltenden Vorgänger Le Lay), standhaft aber freundlich. „Er ist definitiv kein Chorknabe, er weiß genau was er will“, so ein früherer Mitarbeiter. Was noch bekannt ist: Er ist Korse, aber Republikaner, in dritter Ehe verheiratet mit der Téléshopping-Moderatorin Catherine Falgayrac, dreifacher Vater (drei Töchter aus den ersten beiden Ehen) und passionierter Jazz-Fan mit einer Sammlung von 10.000 Platten.

Weitere Veränderungen, die es zu verzeichnen gab: Anfang März 2008 kündigte Programmchef Takis Candilis und ging als directeur général délégué der Produktionssparte zu Lagardère. „Es gibt keine Verstimmung zwischen Nonce Paolini und mir, es hat nie eine gegeben“, stellte Candilis unmittelbar nach Bekanntwerden seiner Kündigung klar. Als Grund dafür gab er neue Herausforderungen als Produzent an; die von ihm initiierten, erfolglosen und bald eingestellten Eigenproduktionen (v.a. „L’Hôpital“ nach dem Modell von „Grey’s Anatomy“) hätten nichts damit zu tun. Tatsächlich ist Candilis seinem Rauswurf wohl zuvorgekommen.

Und noch einer ging bzw. musste gehen: Anchorman-Ikone Patrick Poivre d’Arvor (PPDA, geb. 1947), seit über 20 Jahren Sprecher der 20 Uhr-Hauptnachrichten und das zweifelsfrei bekannteste Gesicht des Senders bzw. der gesamten französischen TV-Landschaft, fiel Anfang Juni 2008 nach Le Lay, Mougeotte und dem TF1-Chefredakteur Robert Namias dem Großen Personalwechsel zum Opfer. Es ist kein Geheimnis, dass sein beizeiten unehrerbietiger, spöttischer Ton Nicolas Sarkozy mißfiel. Aber natürlich war das Ganze auch ein Facelifting: Radio- und TV-Journalistin Laurence Ferrari, geboren 1966, wurde Ende 2007 in der People-Presse noch als neueste Flamme des frisch geschiedenen Sarkozy gehandelt. Seit Ende August 2008 ersetzt sie PPDA, bald darauf gingen die Quoten der 20-Uhr-Nachrichten bergab.

Beim TF1-Spitzenpersonal ist die Lage volatil. Im Juni 2009 war bestätigt worden, dass TF1-Chefredakteur Jean-Claude Dassier (67) das Haus verlässt und Präsident des Erstligavereins Olympique de Marseille wird. Dassier war der großen Austrittswelle der TF1-Urgesteine 2007/2008 entgangen und hielt den Zeitpunkt nun offenbar opportun für einen Wechsel. Unklar bleibt, ob das angespannte Klima innerhalb der Redaktion (wegen der Zusammenführung mit dem TF1-eigenen Nachrichtenkanal LCI) der Auslöser war. Paolini verneint das. Wiederum wenige Tage zuvor war gemeldet worden, dass Axel Duroux (46), Frankreich-Präsident der RTL-Gruppe, als Directeur général und somit als Nummer Zwei zu TF1 kommt. Und endlich gab es wieder eine gute Nachricht aus Boulogne: an der Börse wurde die Ernennung des erfahrenen Managers und Medienmachers äußerst positiv aufgenommen; die TF1-Aktie stieg am nächsten Morgen um 7%.

Doch wie gesagt: volatil. In einem zweizeiligen Pressekommuniqué vom 23.10.09 hieß es: „TF1 und Axel Duroux beenden die Zusammenarbeit in gegenseitigem Einverständnis wegen strategischer Differenzen hinsichtlich der Unternehmensführung. Axel Duroux wird TF1 heute verlassen.“ „TF1 verliert den Kopf“, titelt L’Express. Die Differenzen mit Paolini waren zu groß. Dabei sollte Duroux, der Programm-Macher, der Mann mit Ideen, eben den kreativen Input bringen, den Nonce Paolini nicht bieten kann.

Geschäftsfelder

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Kern des Unternehmens ist der gleichnamige, überaus erfolgreiche Fernsehsender, in seiner populären Ausrichtung mit RTL vergleichbar. „La Une“ sorgt für rund 60% des Konzernumsatzes. Die noch immer überdurchschnittlich guten Quoten basieren zu einem hohen Grad auf Importware, d.h. auf erwiesen publikumstauglichen US-Serienformaten („The Mentalist“, „Dr. House“, „Grey’s Anatomy“, „CSI“), plus die üblichen Casting- und Reality-Formate.

Die zahlreichen Aktivitäten, die Patrick Le Lay nach und nach aufgebaut hat, sind im wesentlichen Ergänzungen zum Geschäft mit TF1. Mit der Diversifikation soll die Abhängigkeit vom Werbemarkt verringert und die Kontrolle über die Verwertungskette erhöht werden. So ist TF1 Entreprises der Vermarktungsarm für Lizenzen, Spiele, Musik-CDs und die Verlagsfiliale TF1 Publishing. TF1 Publicité vermarktet die TF1-Gruppe, TF1 Droits Audiovisuels verwaltet und erweitert den (Filme-)Rechtekatalog, auf TF1vision.com werden Kino- und TV-Programme on-demand vertrieben. Mit TF1 Films Production ist man als Koproduzent für internationale Kinofilme aktiv, TF1 Production wiederum kümmert sich senderintern um die Programmproduktionen (Fernsehfilme und -serien, Entertainment, Dokumentationen, Sport). Das 1998 gegründete e-TF1 betreut den Auftritt des Senders im Internet, auf Mobiltelefonen und in allen „emerging media“.

Neben den weiteren frei empfangbaren Vollprogrammen NT1 (2010 von der Groupe AB zu 100% übernommen) und TMC (80% , Monaco) bietet der Konzern im Pay TV mehrere Themenkanäle an: LCI (100%, Nachrichten), TF6 (Télévision Nouvelle Génération, 50/50 Joint Venture mit M6), Série Club (50/50 Joint Venture mit M6, TV-Serien), TV Breizh (100%, bretonisches Regional-TV) und den „Pôle Découverte“ (100%, drei Pay TV-Kanäle): Stylia (vormals Odyssée, Dokumentationen zu den Themen l’art de vivre, l’élégance, luxe), Histoire (Geschichte), Ushuaia TV (Ökologie, Nachhaltigkeit).

Eine besondere Stellung nimmt Eurosport ein, das TF1 2001 zur Gänze übernahm. Die Sendergruppe (Eurosport France, Eurosport International, Eurosport 2, Eurosportnews, Eurosport Asie Pacifique) hat eine technische Reichweite von 116 Millionen Haushalten in Europa (vor allem in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Irland, Schweiz, Norwegen und Schweden) – was ihn nach eigenen Angaben zur Nummer Eins der europäischen Sender macht. Er wird laut Sender-PR in 20 Sprachen ausgestrahlt und berichtet über 120 Sportarten, überwiegend live. Dieses Angebot wird in Italien seit 2004 durch das frei empfangbare Satellitenprogramm Sport Italia ergänzt.

Von dem 50-prozentigen Anteil an dem weltweit empfangbaren, frankophonen Nachrichtensender France24 (die andere Hälfte hält die öffentlich-rechtliche Sendergruppe France Télévisions) hat sich TF1 mittlerweile getrennt. France 24 geht, wie von Sarkozy gewünscht, zusammen mit den anderen internationalen Sendern TV5 und Radio France International (RFI) auf in der staatlichen Rundfunkgesellschaft AEF (Audiovisuel Extérieur de la France). TF1 erhielt im Gegenzug zwei Millionen Euro.
Investitionen auf einem anderen Sektor werden am 28.7.2011 gemeldet. TF1 kauft 65,7% der Gratis-Tageszeitung Metro France für etwa sechs Millionen Euro vom schwedischen Metro-Konzern (TF1 besitzt 34,3% bereits seit 2003). Eine schlüssige Begründung fällt zunächst schwer: Metro France macht Verluste (1,2 Mio. Euro 2010, 2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011), der Markt ist umkämpft (weitere Gratiszeitungen in Frankreich sind 20 Minutes und Direct Matin). Für TF1 aber soll der Titel (als „etablierte Marke“ mit durchschnittlich 760.000 verteilten Exemplaren pro Tag) Paolinis Strategie einer Diversifikation unterstützen. Eine ungewohnte Branche ist es allemal für den Fernsehkonzern TF1. So ungewohnt, dass die Topmanager ihre neue Umsonstzeitung einmal sogar selbst verschenkten, u.a. TF1-Generaldirektor Nonce Paolini. Am 13.10.2011 stand er frühmorgens mit grüner Kappe am Ausgang des Bahnhofs Saint-Lazare, um etwas über die Wirklichkeit eines Zeitungsverteilers zu lernen.

Engagement in Deutschland

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Die Gruppe TF1 ist stark auf den Heimatmarkt Frankreich konzentriert und deshalb kaum in Deutschland aktiv. Das sichtbarste Engagement ist der Themenkanal Eurosport, der per Satellit und Kabel zu empfangen ist; dies verleiht dem Sender eine technische Reichweite von gut 90% der deutschen Haushalte. Darüber hinaus tritt TF1 vor allem als Nachfrager von Rechten in Erscheinung. Mit der insolventen KirchGruppe unterhielt TF1 lange Jahre enge Beziehungen; dem Unternehmen scheint einiges an der Kooperation gelegen zu haben: So bestätigte TF1, im Juli 2002 zwei Mrd. € für die Übernahme der Kirch-Gruppe geboten zu haben. Auch als im Mai 2005 über einen Verkauf von ProSiebenSat.1 spekuliert wurde, tauchte TF1 gerüchteweise als Käufer auf, dementierte dies aber mit Nachdruck.

Aktuelle Entwicklungen

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2010 scheint die Weltwirtschaftskrise überwunden. Der TF1-Umsatz ist um über zehn Prozent gestiegen, der Nettogewinn wurde verdoppelt. Die Vorherrschaft im französischen Zuschauermarkt ist ungefährdet; 2010 konnte TF1 einen Marktanteil von 24,5% erzielen (2009: 26%). Damit bleibt der Sender das publizistische Flaggschiff im französischen TV. Sein Nachrichtenformat „20 heures“ versammelt jeden Abend bis zu sieben Millionen Zuschauer vor dem Fernseher – Europarekord.

Aber das sind nur Zahlen auf Papier. Waren es 2008 eben noch 10 Millionen, die die Hauptnachrichten schauten, waren es 2009 noch 26,1% und 2005 sogar 32,3%, die TF1 übers Jahr eingeschaltet hatten. Die 2010er Quote von 24,5% bedeutet für TF1-Verhältnisse insofern nichts anderes als ein Desaster. In den vergangenen fünf Jahren, schreibt Telerama im Juni 2011, hat der Sender ein Viertel seiner Zuschauer verloren. In erster Linie verursacht durch die Zuwächse beim terrestrischen Digitalfernsehen TNT, gegen das Le Lay so lange gekämpft hat. Man sieht: nicht an allem ist Nonce Paolini schuld, natürlich nicht. Da in Frankreich sieben von zehn Haushalten ihr Programm über die Hausantenne empfangen, da über TNT heute 18 statt wie früher (d.h. bis zum Start des TNT am 31.3.2005) nur sechs Kanäle empfangbar sind, ist die dominante Position von TF1 nach dieser quasi-tektonischen Verschiebung... einfach weniger dominant als früher.

Bereits Ende Juni 2009 war PDG Paolini in die Offensive gegangen. „Hört auf uns zu brandmarken“ rief er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin L’Express. Natürlich sei 2009 „une année très difficile“, für alle Medien. Aber TF1 sei nun mal ein im europäischen Rahmen außergewöhnlich gewinnbringendes Sendermodell – publizistisch und ökonomisch, nach wie vor, auch wenn das Goldene Zeitalter der 1990er Jahre (mit einem Marktanteil von 40%) vorbei sei. Insofern sei es gerade wegen der Erfolge nicht verwunderlich, dass TF1 im Mittelpunkt kritischer Berichterstattung stehe. Und wenn es mal nicht so läuft, muss man eben sparen: überteuerte Sportrechte neu verhandeln, „das Sendeschema optimieren“ (Wiederholungen, Einsparungen bei der Produktion).

Doch es bleibt schwierig, auch zwei Jahre nach Paolinis Interview. Wohl nie wurde der Abstieg des zuschauerstärksten Senders Europas deutlicher als am 9. Mai 2011. An diesem Montagabend schauten nur 5,8 Millionen die TF1-Hauptnachrichten um 20 Uhr („la grande messe“). Auf dem öffentlich-rechtlichen France 2 waren es fünf Millionen, eine Quotendifferenz von nur 3,3%, die geringste seit Beginn der Messungen. Eine Katastrophe. Libération widmete der „Krise bei TF1“am 13.5.2011 sogar den Titel und schrieb: „Nichts geht mehr, seit Nonce Paolini 2007 die Zügel übernommen hat“. Das abschließende „TF Fin“ (als Wortspiel für Frankophone) aber scheint doch ein wenig übertrieben. Obwohl: Die monatlichen Zuschauerwerte vom Juli und November 2011 – zwei mit 22,8% resp. 23% bis vor nicht allzu langer Zeit unvorstellbare Tiefststände – sind wiederum passend zum großen TF1-Abgesang, wie man ihn in weiten Teilen der französischen Medienpublizistik findet.

Mitte November erscheinen die Neunmonatszahlen, die letzten Geschäftszahlen 2011 nach Abschluss des dritten Quartals; direkt danach fällt die TF1-Aktie um 13%. Grund für die Enttäuschung: in den ersten neun Monaten des Jahres ist der Werbeumsatz um 1,6% zurückgegangen, im dritten Quartal gar um 3,2%, wofür TF1 ein „makro-ökonomisches Umfeld“ verantwortlich macht, das sich als „weniger günstig als erwartet“ erwiesen hat. Jetzt erwartet man wegen der „gegenwärtigen ökonomischen Unsicherheiten“ einen Umsatzrückgang von etwa einem Prozent für das Jahr 2011.