23. Charter Comm. Inc.

Umsatz 2015: $ 9,754 Mrd. (€ 8,791 Mrd.)

Überblick

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Charter Communications (CC) war mit 6,7 Mio. Kunden bislang der drittgrößte Kabelnetzbetreiber der USA. Das Unternehmen bietet mit seinem Kabelnetz derzeit digitales Fernsehen, Video-on-Demand, Pay-per-View-Leistungen sowie High-Speed-Internetanbindung an. Im Mai 2016 gab die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission grünes Licht für Charters Übernahme des zweitgrößten Kabelkonzerns Time Warner Cable sowie des kleineren Wettbewerbers Bright House Networks. Charter wird dadurch zur Nummer Zwei auf dem US-Kabelmarkt hinter Comcast werden, das ebenfalls versucht hatte, Time Warner Cable zu kaufen.

Basisdaten

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Hauptsitz:  
Charter Plaza, 12405 Powerscourt Drive,
Ste. 100,St. Louis, Missouri 63131, USA
Telefon: 001-314-965-0555
Telefax: 001-314-965-9745
Internet: www.charter.com

Branche: Kabelnetze, Internet-Service, Video-on-Demand
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr:  1993

Hauptgeschäftsfelder: Kabelfernsehen, High-Speed-Internet

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. US-Dollar)
20152014201320122011201020092008200720062005

Umsatz

9.7549.1088.1557.5047.2047.0596.7546.4676.0025.5045.254
Gewinn (Verlust) nach Steuern(271)(183)(194)(304)(370)(320)(979)(2.451)(1.616)(1.370)(967)
Aktienkurs (Jahresende)182,10166,62136,7676,2456,9438,9435,50------------
Beschäftigte23.80023.20021.60017.80016.80016.60016.70016.60016.50017.20017.200

 

Tab. II: Umsatz nach Geschäftsfeldern (Beträge in Mio. US-Dollar, Anteil am Konzernumsatz)

Branche/JahrVideoInternetVoiceAdvertising SalesCommercial
20053.40190836294279
20063.349 1.051 135 319 650
20073.3921.252343298717
20083.4631.356555392

797

20093.6861.476750249594
20103.6891.606828291650
20113.6151.711859292707
20123.6391.866828334837
20134.0402.186644291840
20144.4432.576575341993
20154.5873.0035393091.127

Geschäftsführung

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Management

  • Thomas M. Rutledge, President and Chief Executive Officer
  • John Bickham, Chief Operating Officer
  • Tom Adams, Executive Vice President, Field Operations
  • James Blackley, Executive Vice President, Engineering and Information Technology
  • Don Detampel, Executive Vice President, Commercial Services
  • Richard J. DiGeronimo, Executive Vice President, Product and Strategy
  • Jonathan Hargis, Executive Vice President and Chief Marketing Officer
  • Kathleen Mayo, Executive Vice President, Customer Operations
  • James Nuzzo, Executive Vice President, Business Planning
  • Catherine Bohigian, Executive Vice President, Government Affairs
  • Scott Weber, Executive Vice President, Network Operations
  • Christopher L. Winfrey, Executive Vice President and Chief Financial Officer
  • Kevin D. Howard, Senior Vice President - Finance, Controller and Chief Accounting Officer
  • Richard Dykhouse, Executive Vice President, General Counsel and Corporate Secretary
  • David Kline, Executive Vice President, President of Media Sales
  • Paul Marchant, Chief Human Resources Officer

 

Board of Directors

  • Eric L. Zinterhofer, Searchlight Capital Partners
  • W. Lance Conn, Vulcan Capital
  • John D. Markley, Jr., Bear Creek Capital Management
  • David C. Merritt, BC Partners Inc.
  • John C. Malone, Liberty Media Corporation
  • Craig A. Jacobson, Hansen, Jacobson, Teller, Hoberman, Newman, Warren, Richman, Rush and Kaller L.L.P
  • Thomas Rutledge, Charter Communications
  • Gregory Maffei, Liberty Media Corporation
  • Balan Nair, Liberty Global
  • Steven Miron, Advance Communication, Bright House Networks
  • Michael Newhouse

Geschichte und Profil

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Charter Communications (CC) startete 1993 als lokaler Kabelnetzbetreiber in St. Louis (Missouri), übernahm Gaylord Entertainment Co. aus Nashville (Tennessee) und stieg schnell zum zehntgrößten Kabelnetzbetreiber der USA auf. Im Jahr 1998 wurde CC, nachdem es die Marcus Cable Company aus Dallas (Texas) für 2,77 Mrd. $ gekauft hatte, für 4,5 Mrd. $ von der Investmentfirma Vulcan Inc. übernommen. Hinter Vulcan steckte der Microsoft-Mitbegründer und, laut dem US-Magazin Forbes, zeitweise drittreichste Mann der Welt, Paul G. Allen. Allen zog sich krankheitsbedingt 1983 aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurück und begann, nach dem Teilverkauf seiner Microsoft-Anteile, in verschiedene New Media-Firmen zu investieren. Nachdem 1993 sein Versuch gescheitert war, den damaligen „Narrowband"-Branchenführer AOL zu übernehmen, richtete er Mitte der 90er Jahre sein Augenmerk auf das Kabelnetz, um im Breitband-Segment Marktführer zu werden. Allen versuchte, mit dem Kauf der beiden Kabelnetzbetreiberfirmen seine Vision der „verkabelten Welt" („Wired World") umzusetzen, in der jeder Mensch über PC und ein Breitbandkabel unzählige interaktive Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten nutzen kann.

Der Aufstieg von Charter vollzog sich rasant. 1999 ging CC an die Börse, 2001 wurde es in den Nasdaq 100-Index aufgenommen und galt als der Aufsteiger des Jahres in der Technologiebranche. Zwischen 1999 und 2000 expandierte das Unternehmen, indem es mehrere lokale Kabelnetzbetreiber übernahm. Mit dem Zusammenbruch der New Economy begannen aber für Charter, dessen Schuldenberg zeitweise auf knapp 20 Milliarden Dollar anstieg, die Probleme. Hatte der Konzern 2001 noch den „Outstanding Corporate Growth Award" der Association of Corporate Growth gewonnen, musste Charter auf Grund von Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsberichten der Jahre 1999 und 2000 insgesamt 144 Mio. $ an klagende Aktionäre zahlen. Zwischen 2002 und 2003 verbuchte das Unternehmen infolge hoher Abschreibungen erhebliche Verluste. Um diese aufzufangen, bot Chairman Paul Allen aus seinem Privatvermögen 300 Millionen Dollar als Darlehen an und tauschte seine Führungsebene aus; gehen musste auch Carl A. Vogel, der Präsident und Chief Executive von 2001-2004, in dessen Amtszeit Charter geschätzte 800.000 Kunden verlor.

Nur die Unterstützung einiger Großbanken rettete den Konzern vor dem endgültigen Bankrott. Doch ein Kredit über acht Milliarden Dollar Anfang 2004 sowie Restrukturierungsmaßnahmen reichten auch in den nächsten Jahren nicht aus, um Charter wieder in die Gewinnzone zu bringen. 2006 verlor die Aktie innerhalb von 11 Monaten 90 Prozent ihres Wertes. Das Unternehmen verstärkte daraufhin seine Konsolidierungsbemühungen. Von einem neuen Marketingkonzept und der Bevorzugung von „high return investments“, also Ausgaben mit einem hohen Rücklauf der Kosten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, erwartete sich die Firmenspitze positive Akzente. Doch lediglich bei den Highspeed-Internet-Anschlüssen mit seinen hohen Zugangsgeschwindigkeiten und Datendurchgangsraten sowie der Internetelefonie verzeichnete das Unternehmen aber Zuwächse. Die enormen Investitionen in die Verbesserung des Kabelnetzes brachten jedoch erst langfristig Gewinn.

Dazu kam ein Konflikt mit den großen US-Hollywood-Studios 2004/2005, die sich von den Netzbetreibern in Sachen Filmrechte-Vermarktung im Kabel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen wollten: So rollten 2004 die ersten Klagewellen der Motion Picture Association of America (MPAA) gegen die Nutzer von Filmtauschbörsen an. Allerdings urteilten die Gerichte, das allein Verdachtsmomente keinen Zwang für einen Internet Provider bedeuten, die Daten von Nutzern herauszugeben. Damit wurde Charter nicht für eventuelle Copyright-Verstöße seiner Nutzer verantwortlich gemacht. Allerdings ging die RIAA bald daraufhin dazu über, Anklage gegen Unbekannt einzureichen. Seit 2005 muss auf Verlangen des Gerichts ein Provider in Einzelfällen seine Daten offen legen.

Am 27. März 2009 erklärte Charter in New York seinen Konkurs nach Chapter 11 (unter Gläubigerschutz) zur Restrukturierung. 21,7 Milliarden Dollar Schulden konnten aus den bestehenden Geschäften nicht mehr refinanziert werden. In der Folge wurde ein Restrukturierungsplan eingereicht, der vorsah, acht Milliarden Dollar Schulden in Aktien umzuwandeln. Damit war das Konkursverfahren beendet und Charter wieder handlungsfähig.

In den folgenden Jahren konnte sich Charter im Zuge der Übernahmen von Kabelnetzen in Montana, Wyoming, Colorado und Utah, die Konkurrent Cablevision abgekauft wurden, breiter aufstellen. Der wohl wichtigste stabilisierende Faktor war der Einstieg von Kabelbaron John Malone, der 27,3 Prozent der Anteile übernahm und diese später in seine Holding Liberty Broadband Corporation überführte.

Malone war auch die treibende Kraft hinter einer der größten Übernahmen der jüngsten Medienkonzerngeschichte. Regulierungs- und Kartellbehörden erlaubten Malone für insgesamt 67,1 Milliarden Dollar seinen zweitgrößten Konkurrenten, Time Warner Cable sowie Bright House Networks zu übernehmen und seinen Kundenstamm mit einem Schlag auf rund 23,5 Millionen vervielfachen. Die Obama-Administration, die zuvor Comcast den Kauf von Time Warner Cable untersagt hatte, sorgte damit für eine weitere Konsolidierung des Kabelmarktes - vielleicht in der Hoffnung, dass ein erstarktes Charter im Duell mit Comcast für mehr Wettbewerb sorgen wird.

Management

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Charter-CEO Thomas Rutledge war schon immer der Überzeugung, dass sein Unternehmen langfristig nur bestehen kann, wenn es durch Zukäufe wächst. Als Investor und Kabelveteran John Malone bei Charter einstieg, bildeten die zwei sofort eine Allianz mit dem Ziel Charter zur Nummer Zwei auf dem Kabelmarkt zu machen. Rutledge, der als Quiz-Fan mit Vorliebe für Geschichtsthemen gilt, hat das Kabelgeschäft von der Pike auf gelernt und begann seine Karriere im Vergleich zu den meisten seiner Wall Street-Freunde als einfacher Mitarbeiter, der in Pittsburgh Kundentermine wahrnahm und Kabel verlegte. Später arbeitete er im Management von unter anderem Cablevision (das er im Streit mit der Dolan-Familie verließ) und Time Warner Cable. Bei letzterem Unternehmen wurde er 2001 für viele überraschend bei der Wahl zum CEO übergangen. 15 Jahre übernahm er das Unternehmen dann einfach selbst.

Geschäftsbereiche

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Ende 2015 (vor der Übernahme von Time Warner Cable) hatte 6,7 Millionen Triple-Play- (Video, Internet, Telefonie), 4,3 Millionen Kabel-TV-, 5,2 Internet- sowie 2,6 Millionen Voice-Kunden. Zur Video Services-Sparte zählen Basic Cable und HD-Packages, Video-on-Demand-Dienste, Digital Video Recorder (DVRs) sowie Cloud-basierte TV-Angebote (Spectrum TV). Die Commercial-Sparte bietet die diversen Dienste auch für Firmen und Büros an. Nur einen Bruchteil des Umsatzes generiert Charter hingegen mit der Integrierung von lokaler Werbung in das Programm von Kabelsendern wie MTV, CNN oder ESPN.

Aktuelle Entwicklung

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Charter Communications ist nach der Übernahme von Time Warner Cable und Bright House Networks hinter Comcast zur neuen Nummer Zwei auf dem US-Kabelmarkt avanciert. Dass die Obama-Administration und FCC-Chef Tom Wheeler nach monatelangen Beratungen schließlich grünes Licht für den Deal gab, wurde kontrovers aufgenommen,  weil die FCC die letzte Übernahme von ähnlichen Dimensionen (Comcasts Versuch TWC im Jahr 2014 zu übernehmen) unterbunden hat und weil von der Entscheidung zahlreiche weitere Medien- und Onlinekonzerne direkt betroffen sind.

Zu den Gegnern der Übernahme gehören Medien- und Satellitenkonzerne wie Time Warner (das nach einer Abspaltung im Jahr 2009 nicht mehr zu Time Warner Cable gehört) und Dish Networks. Medienunternehmen wie Time Warner befürchten, dass ein größtenteils von Charter kontrolliertes Internet zu Lasten der Streamingportale der Sender gehen könnte, die in den nächsten Jahren weiter wachsen werden, da immer mehr TV-Zuschauer vom Kabelnetz ins Internet abwandern. Satelliten-PayTV-Anbieter Dish hat ein solches Angebot gerade in Form seines Streamingportals Sling TV ins Leben gerufen und ist deshalb einer lautesten Kritiker des Charter-Deals. Darüber hinaus wurde die Übernahme von NGOs und Verbraucherverbänden abgelehnt: Gruppierungen wie FreePress befürchten eine weitere Konsolidierung des bereits quasi-monopolisierten Kabelmarktes, die höhere Preise und anhaltend schlechten Kundenservice zur Folge hätte. Konzerne und Interessensverbände hatten sich in Bezug auf die Charta-Causa deshalb in Form der "Stop Mega Cable Coalition" organisiert.

Zu den Befürwortern zählt hingegen Netflix. Das führende Streamingportal, dem innerhalb der Obama-Administration und der FCC großer Einfluss nachgesagt wird, steht hinter der Übernahme, da Charter sich (im Gegensatz zu Comcast) öffentlich als Vertreter des Netzneutralitätsprinzip positioniert hat. Das bedeutet für Streaminganbieter wie Netflix oder Hulu, dass sie keine zusätzlichen Übertragungsgebühren an Charter entrichten müssten. Netflix sah sich zuvor gezwungen, eine unbestimmten Betrag an Comcast zu entrichten, um seinen Dienst einwandfrei an die Comcast-Kunden streamen zu können.

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Essel Group
  27. Lagardère Media
  28. BBC
  29. ARD
  30. Pearson plc
  31. Netflix
  32. Advance Publications
  33. Amazon.com Inc.
  34. Discovery Communications
  35. iHeart Media
  36. Nielsen Holdings plc
  37. Shanghai Media Group
  38. The Naspers Group
  39. Nippon Hoso Kyokai
  40. Grupo Televisa
  41. S&P Global
  42. Fuji Media Holdings, Inc.
  43. Yahoo! Inc.
  44. Globo Communicação e Participações S.A.
  45. Wolters Kluwer nv
  46. Activision Blizzard Inc.
  47. ITV plc
  48. Electronic Arts
  49. Verizon (AOL)
  50. Nintendo Company Ltd.
  51. Mediaset SpA
  52. Axel Springer SE
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. Phoenix Publishing & Media Group
  55. France Télévisions S.A.
  56. Nippon Television Holdings
  57. IAC/InterActiveCorp.
  58. Time Inc.
  59. Bonnier AB
  60. TEGNA
  61. Quebecor Inc.
  62. Grupo Clarin
  63. Scripps Networks Interactive
  64. Gannett Co. Inc.
  65. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  66. Univision Communications
  67. Daily Mail & General Trust plc
  68. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  69. Bandai Namco Holdings Inc.
  70. Graham Holdings Company
  71. Bauer Media Group
  72. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  73. China Central Television
  74. ZDF
  75. Lionsgate Entertainment Corporation
  76. Bell Media
  77. TF1 S.A.
  78. Twitter
  79. Hunan Broadcasting System
  80. Spotify AB
  81. tronc, Inc.
  82. Modern Times Group
  83. Georg von Holtzbrinck GmbH
  84. Sanoma Group
  85. Schibsted Media Group
  86. Grupo Planeta
  87. Egmont Group
  88. John Wiley & Sons, Inc.
  89. SRG SSR
  90. Asahi Shinbun Company
  91. Tribune Media
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep