69. Bandai Namco Holdings Inc.

Umsatz 2015/16: JPY 329,041 Mrd. (€ 2,390 Mrd.)

Überblick

einklappen

Die Namco Bandai Group ging im Jahr 2005 aus den beiden in den 50er Jahren gegründeten Unternehmen Bandai und Namco hervor. Die Gruppe besteht aus einer Holding sowie drei Kernunternehmen mit den strategischen Geschäftseinheiten Spielzeug, Inhalte und Vergnügungsparks. Angegliederte Tochterunternehmen unterstützen den Konzern im Bereich Logistik oder Druckereien. Die Game-Sparte stellt das umsatzstärkste Geschäftssegment dar und soll ausgebaut werden.

Basisdaten

einklappen

Hauptsitz:
NAMCO BANDAI Mirai Kenkyusho
4-5-15, Higashi-Shinagawa, Shinagawa-ku,
Tokyo 140-8590, Japan
URL: www.bandainamco.co.jp/

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: 2005 (Namco Bandai), 2006 (Namco Bandai Games)
Geschäftsfelder: Videospiele, Spielzeug, Spielautomaten

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. Yen, Segment: "Game Contents", bzw. "Content")

2014/15
2013/142012/132011/122010/112009/102008/092007/08
Umsatz288.000278.408263.595225.503179.917167.471139.405145.673
Gewinn (Verlust)40.937.24836.43817.0033.092(7.761)10.94014.970

Geschäftsführung

einklappen

Management/Vorstand:

  • Shukuo Ishikawa, President & Representative Director
  • Shin Unozawa, Vice President & Representative Director
  • Kazuya Kiyoshima, Managing Director
  • Hajime Nakatani, Director
  • Koichi Honda, Director
  • Fumiya Takeno, Director
  • Hitoshi Hagiwara, Director
  • Yuji Asako, Director
  • Jun Higashi, Corporate Auditor
  • Seiichi Hirota, Corporate Auditor
  • Yone Masatake, Corporate Auditor
  • Hamada Kei, Corporate Auditor
  • Masaya Nakamura, Founder

Geschichte und Profil

einklappen

Im Jahr 2005 fusionierten die beiden 1950 und 1955 gegründeten Unternehmen Bandai und Namco zu einer Unternehmensgruppe, um im Unterhaltungsbereich bessere Synergieeffekte erzielen zu können. Die sich in der Unternehmenskultur und in den Segmenten stark unterscheidenden Firmen brauchten laut Aussagen des US-Senior Vice President Makoto Iwai einige Zeit, um sich einander anzugleichen. Schließlich wurde der Konsolen- und Arcadeveteran Namco (u.a. „Pac-Man“ und „Tekken“) mit einem Spielzeugriesen vereinigt. Grundidee dieser Fusion war es, von Namcos Entwicklererfahrungen und Bandais Produktionstätigkeiten zu profitieren. Die japanische Unternehmensgruppe expandierte zuerst im Januar 2006 in den USA.

Gemeinsam mit Banpresto entwickelte die neu geschaffenen Spielesparte Namco Bandai Games die Arcade-Spielemaschine „Mobile Suit Gundam: Senjo no Kizuna“, die bereits ein halbes Jahr nach Gründung von Namco Bandai Games vorgestellt wurde. Im März 2007 etablierte Namco Bandai Games mit Sony Computer Entertainment in einem Joint Venture den Computerspiele-Entwickler Cellius, um sich im Markt besser gegen Microsoft und Nintendo behauten zu können. An Letzteren verkaufte Namco Bandai Games bereits einen Monat später einige seiner Anteile an dem japanischen IT-Unternehmen Monolith. Der Konsolidierungsprozess setzte sich in der Zusammenlegung von fünf japanweiten Unternehmenssitzen zu einem Standort in Shinagawa-ku (Tokio) fort. Als im April 2008 das Software-Unternehmen für Heimvideospiele und Arcade Games in Namco Bandai Games eingegliedert wurde, legte die Geschäftsführung die administrativ noch getrennten Abteilungen der vier Unternehmen der Gruppe zu einer Holding zusammen.

Die Expansion nach Europa erfolgte im Februar 2009. Die Namco Bandai Games Europe S.A.S. unterzeichnete eine Übereinkunft mit Atari Europe zum Erwerb von Aktienanteilen und investierte in ein Software-Vertriebsunternehmen von Atari Europe. Dieser Deal wurde bereits ein halbes Jahr vorher durch ein Joint Venture mit Infogrames Entertainment vorbereitet, dem Mutterkonzern von Atari Europe. Im März 2009 erwarb Namco Bandai Games einen Mehrheitsanteil an dem Publisher D3 Inc. Vor allem eine Vorreiterrolle im europäischen Vertriebsnetz strebte der Konzern an. So setzte sich die Geschäftsführung das ehrgeizige Ziel, zu den größten fünf Distributoren in jedem Land zu gehören, in dem es tätig ist. Zu diesem Zweck wurde Ataris weltweite PAL-Distribution übernommen und Vertriebsvereinbarungen mit Entwicklern wie Bethesda und Monte Cristo geschlossen. Im Zuge dessen erfolgte eine Umbenennung von Namco Bandai Games Europe in Namco Bandai Partners, das seit Juli 2009 als ein Tochterunternehmen der gesamten Namco Bandai Holdings zählt. Durch die Kooperationen konnte das Unternehmen schnell sein Distributionsnetz auf über 50 Länder ausweiten, sodass der weltweite Durchbruch über einen wachsenden Einfluss in Europa gelungen schien.

Der Geschäftsbericht von Namco Bandai Games für das erste Halbjahr 2009 fiel jedoch mit einem Verlust von 6 Milliarden Yen eher negativ auf. Grund dafür waren vor allem die jährlich abnehmenden Verkäufe von Computerspielen, die 2009/2010 in der gesamten Branche für zahlreiche Insolvenzen sorgten. In den weiteren Monaten musste das Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der angespannten Wirtschaftslage weitere Einbußen hinnehmen, sodass der Verlust für die neun Monate bis Ende Dezember 2009 eine Summe von 129 Millionen Dollar betrug (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Profit von 99,5 Mio. Dollar). In der Folge wurden nicht nur die Prognosen für das Geschäftsjahr nach unten korrigiert, sondern auch Restrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Mit der langfristigen Streichung von 10 Prozent der Belegschaft (630 Stellen) bis zum dritten Quartal 2011 wollte der Publisher eine Ersparnis von 38,6 Millionen Dollar erzielen. Im Zuge eines im April 2010 gestarteten „Restart Plan“ wurden administrative Bereiche sowie Managementstrukturen gebündelt und einzelne Geschäftssegmente wie die Spieleinhalte-Strategieabteilung mit der Bild- und Sound-Entwicklungseinheit zu einer neuen Inhalteproduktions-Einheit zusammengefasst.

In dieser wirtschaftlich angespannten Lage erkannte Namco Bandai Games, dass traditionelle Verkaufsstrukturen durchbrochen werden müssen, da die Nutzer über andere Plattformen als den PC Spiele konsumieren. So konnten innovativere Unternehmen, die frühzeitig auf Social Games setzten, bessere Umsätze generieren. Die neue Strategie von Namco Bandai Games fixierte sich auf digitale Spiele sowie verschiedene Plattformen, wobei der Schwerpunkt laut US-Marketingchef Carlsen Choi auf Social Games und Smartphone-Apps gelegt werden sollte. Schließlich landete im November 2010 Namco Bandais „Flight Control“ in den Top-10-Apps für Windows Phone 7 auf Platz drei. Zudem wurde die Spieleentwicklung in den USA mit der Entlassung von 90 Mitarbeitern eingedämmt. Der Hauptteil der eigenen Entwicklungsarbeit wurde nach Japan zurückverlegt. Zugleich fand ein Ausbau der Zusammenarbeit mit externen Entwicklerstudios statt.

Um Synergieeffekte zu erzielen, gründete der Entwickler und Publisher mit Namco Generations eine weitere Tochterfirma, die sich auf die Neuauflage von Spieleklassikern für Plattformen wie Playstation 3 oder Xbox 360 spezialisierte. Darüber hinaus wurde der Fokus auf die Markenentwicklung für mobile Betriebssysteme wie Android oder Apples iOS gelegt. Sogenannte Multi-Plattform-Titel sollten Nutzern den Spielekonsum zu Hause sowie unterwegs ermöglichen. Um diese Strategie intern besser umsetzen zu können, wurde in den USA die Retail-Sparte mit der Netzwerk-Abteilung, die für Online- und Mobile-Games verantwortlich ist, zusammengelegt. Die Restrukturierungsbemühungen fielen auf fruchtbaren Boden, wie die Geschäftszahlen im August 2011 belegen: Die Umsatzentwicklung der gesamten Unternehmensgruppe profitierte von einer achtprozentigen Steigerung im Videospielesegment. Insbesondere im Handheldsektor erwiesen sich die Titel „One Piece Unlimited Cruise“, „Ridge Racer“ und „Tales of the Abyss“ für Nintendo 3DS sowie „Super Robot Wars“ für die Playstation Portable als Bestseller.

Auch im Bereich Social Networks engagierte sich Namco Bandai Games, indem es gemeinsam mit Codemasters und Capcom die Austausch-Plattform Pixwoo seit Februar 2011 als Partner unterstützte. Als das Spiel „Gundam Royale“ innerhalb von sechs Tagen eine Million Spieler anzog, wurde Namco Bandai bewusst, dass sich Investitionen in den mobilen Sektor rentieren. So entschloss sich der japanische Entwickler, gemeinsam mit dem Social-Gaming-Riesen DeNA 1,3 Millionen Dollar für ein neues  Projekt aufzuwenden. Die Namco Bandai noch fehlende Erfahrung im Social-Games-Markt konnte auf diese Art ausgeglichen werden. Die neue Fima BDNA Inc. wurde geschaffen, um Namco Bandais Entwickler-Expertise mit den Mobile- und Social-Erfahrungen von DeNA zu kombinieren. Ziel war es, weltweit Social Games für Smartphones zu veröffentlichen. Mit Beginn Oktober 2011 nahm BDNA den Betrieb auf und wurde im März 2012 in BNDeNA umbenannt. Dass Namco Bandai Games vor weiteren Kooperationen nicht zurückschreckt, zeigt die im Juni 2012 bekannt gegebene Partnerschaft mit dem DeNA-Konkurrenten Gree: Gemeinsam mit Gree arbeitet der Publisher derzeit an fünf Social Games.

Bereits im Januar 2012 knackte Namco Bandai die Marke von zehn Millionen registrierten Social-Games-Nutzern in Japan, sodass der jährliche Umsatz für Social Games auf 130 Millionen Dollar prognostiziert werden konnte.

Mit einem Marktanteil von über 18 Prozent konnte sich Namco Bandai Games bereits nach dem ersten Halbjahr 2011 mit dem Titel des erfolgreichsten Publishers in Japan rühmen. Insbesondere die geringere Abhängigkeit von Exporten – im Vergleich zu Sony oder Nintendo – verschafft dem Unternehmen stärkere Umsatzentwicklungen. Die aktuellen Geschäftszahlen vom März 2012 zeigen auf, dass der Abstand zu anderen Unternehmen ausgebaut werden konnte. Der Umsatzanteil lag bei 36,8 Prozent, gefolgt von Nintendo (12,5 Prozent), Sega (10 Prozent) und Capcom (6,9 Prozent). Im gesamten Geschäftsjahr 2011/2012 konnte Namco Bandai den Nettogewinn verzehnfachen.

Das in Japan erzielte Erfolgskonzept soll nun auch auf Europa und die USA angewandt werden. Im April dieses Jahres wurden die europäischen und amerikanischen Geschäftsbereiche vereint. In Orientierung an das japanischen Vorbild muss diese Fusion jedoch nicht von Dauer sein. Schließlich gibt es dort derzeit wieder die gegenteilige Tendenz, dass Geschäftssegmente wie die Spieleentwicklung als eigenes Tochterunternehmen aufgestellt werden.

Die Einsparmaßnahmen in den USA schließen eine Fortsetzung des innovativen Fokus nicht aus. So hat Namco Bandai Games das Crowdfunding für sich entdeckt. Für das PlayStation 3 Spiel „Ni no Kuni“ können Nutzer Special Edition Ausgaben online vorbestellen. Wenn genügend Personen Geld eingezahlt haben, werden Zusatzartikel bzw. -leistungen freigeschaltet.

Darüber hinaus wurde das Mobile Gaming System (MOGA) des Unternehmens PowerA beispielsweise in „Pac-Man“ integriert. Dieses System, das über einen Controller via Bluetooth in Konsolenqualität mit Mobiltelefonen oder Tablets kommunizieren kann, soll die mobile Spieleerfahrung verbessern.

Management

einklappen

Der derzeitige CEO, Präsident und Repräsentative Direktor von Namco Bandai Holdings Shukuo Ishikawa ist auch der Präsident von Namco Bandai Games. Zuvor war er CEO der europäischen und amerikanischen Namco Bandai Games Unternehmen. Ishikawa erwarb einen Bachelor in Deutscher Literatur an der Kansai Universität.

Geschäftsbereiche

einklappen

Die Geschäftsbereiche der Namco Bandai Gruppe gliedern sich in die drei strategischen Abteilungen Spielzeug und Hobby (z.B. Produktion von Spielzeug), Inhalte (Videospiele, Arcade Game Maschinen, Netzwerkinhalte aus Partnerschaften) und Vergnügungsparks und -anlagen.

Die Geschäftsbereiche von Namco Bandai Games können unterteilt werden in Entwicklung, Veröffentlichung und Distribution von Heimvideospielen, Mobile und Social Games, plattformübergreifenden Spielen. Weitere Schwerpunkte sind Internet-Communities und E-Commerce, die Produktion von Arcade Game Maschinen sowie die Entwicklung von Leiterplatten zur Spieleentwicklung (Pachinko Pachislo). Seit 2012 wurde die Entwicklersparte ausgegliedert in Namco Bandai Studios Inc., welche weiterhin eng mit Namco Bandai Games Inc. verknüpft ist.

Engagement in Deutschland

einklappen

In Deutschland veröffentlicht und vertreibt Namco Bandai Games nicht nur Video-, Konsolen- und Handheldspiele aus dem eigenen Sortiment (wie „Tekken Tag Tournament 2“), sondern auch von den Publishern Atari, D3, Playlogic International, CCP HF und Rising Star Games. So ergibt sich ein breites Genreangebot, das von Mangas über Partyspiele, Denkspiele bis hin zu Action- und Rennspielen reicht. Kürzlich sicherte sich das Unternehmen zum dritten Mal die Lizenzrechte an der erfolgreichen TV-Adaption „Schlag den Raab“. Der Titel, den Namco Bandai bereits 2010 mit einem sechsstelligen Bruttoinvestment unterstützte, stellt laut Marketing Director bei Namco Bandai Partners Germany Frieder Bartussek ein erfolgreiches Geschäft dar: „Mit über 250.000 verkauften Exemplaren der beiden Vorgängertitel freuen wir uns sehr, die Serie mit ,Schlag den Raab - Das 3. Spiel' fortsetzen zu dürfen.“