10. Zynga
Umsatz 2011: $ 1,140 Mrd. (€ 0,819 Mrd.)
Basisdaten
Hauptsitz:
699 Eighth Street, San Francisco, CA 94103
Telefon: 001 855 449-9642
www.zynga.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01 - 31.12
Gründungsjahr: 2007
2011 | 2010 | |
|---|---|---|
Umsatz | 1.140 | 597 |
Gewinn (Verlust) | (404) | 91 |
Geschäftsführung
Management:
- Mark Pincus, Founder, CEO & Chief Product Officer
- Barry Cottle, Executive Vice President, Business and Corporate Development
- Cadir Lee, Chief Technology Officer
- Colleen McCreary, Chief People Officer
- Mark Vranesh, Chief Financial Officer
- David Ko, Chief Mobile Officer
- Reggie Davis, General Counsel
- Steve Chiang, Executive Vice President, Games
Board of Directors:
- Mark Pincus, Zynga
- William Gordon, Kleiner Perkins Caufield & Byers
- Reid Hoffman, Greylock Partners
- Jeffrey Katzenberg, DreamWorks
- Sunil Paul, Spring Ventures
- Ellen F. Siminoff, Shmoop University
- Stanley Meresman
- Owen Van Natta
Geschichte und Profil
Zynga, gegründet von Internet-Entrepreneur Mark Pincus, veröffentlichte im September 2007 sein erstes Facebook-Spiel. „Texas Hold 'Em Poker“ (heute bekannt als Zynga Poker) ermöglichte es räumlich voneinander getrennten Facebook-Freunden gemeinsame Pokerabende zu veranstalten. Das Spiel brachte Zynga schnelle Profite ein, denn neben einer Gratis-Variante konnten User auch Pokerchips für reales Geld erwerben oder gegen Bezahlung zu sogenannten V.I.P-Mitgliedern aufsteigen. Innerhalb von zwei Jahren konnte Zynga Poker zehn Millionen aktive Nutzer pro Monat aufweisen.
2008 wurden mit „Mafia Wars“ und dem Kauf von „YoVille“ zwei weitere erfolgreiche Titel gelauncht. „Mafia Wars“ war ein dreister Klon von „Mob Wars“, das der unabhängige Entwickler Dave Maestri für die Webseite Freewebs.com kreiert hatte. Im September 2009 verklagte Maestri Zynga wegen grober Urheberrechtsverletzungen, da Charaktere, Gameplay-Elemente und Ortsnamen in „Mafia Wars“ allesamt fast unverändert von „Mob Wars“ übernommen wurden. Um sich außergerichtlich zu einigen, zahlte Zynga Maestri schließlich zwischen sieben und neun Millionen US-Dollar.
Nicht nur Plagiatsvorwürfe (auch Zyngas bekanntester Titel, die Bauernhof-Simulation „FarmVille“ war im Wesentlichen ein Abklatsch von „Farm Town“, das von Slashkey entwickelt worden war) begleiteten das Unternehmen in den ersten Jahren seines Bestehens. Auch der Widerstand von Seiten der traditionellen Games-Industrie ließ nicht lange auf sich warten. Viele Entwickler, die Games für Konsolen und PCs herstellten, fürchteten Zyngas Erfolg mit Social Games würden klassische Games als legitime Kunstform diskreditieren.
Auch wurde immer wieder der Vorwurf laut, Zynga würde seine User systematisch abzocken. So wurden Zynga-User, die nicht bereit waren Geld für Zusatz-Inhalte zu zahlen, dazu aufgefordert, alternativ an Umfragen oder Quiz-Runden teilzunehmen. Was viele User nicht wussten: durch die Teilnahme an solchen Umfragen tappten sie unbewusst in Abo-Fallen, die sie jährlich mehr kosteten, als der eigentliche Wert der Premium-Inhalte. Tech-Experte Michael Arrington bezeichnete diese Geschäftspraxis als „ScamVille“ oder das „Social Gaming Ökosystem aus der Hölle“. Gründer Marc Pincus selbst gab in einer Rede zu, dass er in den ersten Jahren von Zynga „jede erdenkliche Bosheit getan habe, um schnelle Umsätze zu generieren“. Die Beschwerden gegenüber Zynga häuften sich derart, dass sich Facebook 2009 gezwungen sah, die Aquarium-Simulation FishVille zeitweise zu sperren.
Die Beziehung zwischen Facebook und Zynga war nicht immer frei von Problemen. Zu einem ersten Zerwürfnis kam es 2010, als Facebook von Zynga verlangte, die Währung Facebook Credits in seine Spiele zu intergrieren und eine 30-prozentige Steuer abzutreten. Zynga reagierte, indem es ankündigte, eine Online-Plattform seiner Spiele anzubieten, die unabhängig von Facebook betrieben werden würde. Zynga-Chef Pincus war sich durchaus bewusst, dass beide Unternehmen aufeinander angewiesen waren: Facebook brauchte Zynga, um seine User bei Laune zu halten, denn die Hälfte der gesamten Facebook-Aktivität basierte auf Zynga-Spielen. Zynga brauchte Facebook, um über einen stetig wachsenden Pool an potenziellen Spielern zu verfügen. Der Konflikt wurde schließlich beigelegt, indem in einem geheimen Abkommen geregelt wurde, dass Zynga seine Games nur für Facebook-Benutzer anbieten würde, solange Facebook einen garantierten Zufluss an Usern garantieren könnte. Ab 2011 begann Zynga dennoch, seine Spiele auch für Googes +-Netzwerk anzubieten. Seit März 2012 können auch Facebook-Nichtmitglieder auf Zynga.com spielen.
Zyngas Erfolgsgeheimnis bestand nicht nur darin, die benutzerfreundlichsten Spiele mit dem höchsten Suchtfaktor zu entwickeln, sondern diese auch entsprechend zu vermarkten. So wurden die Facebook-Benutzerprofile anfangs mit Spiel-Fortschritten, Updates und Anzeigen der Zynga-Games zugespammt. Ein weiterer Vorteil war die im Vergleich zur Konkurrenz geradezu riesige Menge an Investitionskapital. Dank Finanzspritzen von u.a. PayPal-Erfinder und Facebook-Teilhaber Peter Thiel, Kleiner Perkins Caufield & Byers und Google (das ein Interesse hatte, Zynga-Games in sein Netzwerk Google+ zu integrieren) konnte Zynga stets über ein größeres Budget die Konkurrenz zu verfügen. Diese bestand zunächst aus App-Herstellern wie Slide und RockYou, später vor allem aus rivalisierenden Social Games-Schmieden wie Playfish und Playdom, die im Zuge des „Social Games-Goldrausch“ von Branchengrößen wie Electronic Arts oder Walt Disney übernommen wurden.
Im Juli 2009 wurde Zynga erstmals Marktführer in Sachen Onlinegames und überholte damit die Spieleplattform von Yahoo. Von den Millionen User, die einzelne Zynga-Spiele zeitweise hatten, gab zwar nur ein geringer Teil Geld für zusätzliche Inhalte aus. Dieser bescherte dem Unternehmen jedoch kontinuierliche Einnahmen. So wurden etwa von den FarmVille-Spielern in Hochzeiten bis zu 800.000 virtuelle Traktoren täglich gekauft. Der mit Abstand erfolgreichste Titel wurde Ende 2010 die Städtebau-Simulation CityVille, die mit mehr als 100.000 aktiven Nutzern fünfmal so beliebt war wie die populärste Facebook-App. Ende 2011 folgte schließlich der Börsengang, der den Wert des Unternehmens auf 8,9 Milliarden US-Dollar bemaß.
Doch ein halbes Jahr später rutschte Zynga in die erste handfeste Krise. Der Aktienkurs sank, Top-Manager verließen das Unternehmen und Pincus geriet in den Verdacht des Aktien-Insiderhandels. Schließlich häuften sich die Verluste und Abschreibungen, unter anderem weil die Firma OMGPOP, der Macher des populären Spiels "Draw Something" viel zu teuer gekauft wurde. Es folgten die Einstellung zahlreicher Spiele sowie Massenentlassungen.
Management
Mark Pincus versuchte sich in seiner Zeit mal mehr, mal weniger erfolgreich an der Gründung (u.a. Support.com, Tribe.net) und Finanzierung diverser Internet-Start-Ups (Napster, Facebook), ehe er mit Zynga seinen ersten echten Volltreffer landete. Seine selbst erklärte Mission „to bring play to the world“ hat die Game-Industrie revolutioniert. Vor Zynga wurden sogenannte Gratis-Games nicht ernst genommen. Doch Pincus Philosophie, dass Games von überall gespielt werden sollen und vor allem social sein müssen – das heißt auf Interaktion mit Freunden und streng auf den Massengeschmack abgestimmt – änderte dies.
Zynga-Spiele sind deshalb so erfolgreich, weil ein Heer von Statistikern und Analysten die Spielerbewegungen in Echtzeit auswerten und schnell entsprechende Veränderungen vornehmen können: Was viele Spieler gut finden, wird ausgebaut, was Spieler schlecht finden oder vernachlässigen, wird abgeschafft. Spiele, die in der ersten Woche nach Launch kein genügend großes Publikum gefunden haben, werden sofort gecancelt. Auch psychologische Mechanismen werden nicht vernachlässigt. So ist die Bauernhof-Simulation FarmVille bis heute eines der beliebtesten Spiele, die Facebook-Benutzer dazu bringt, sich den Wecker auf zwei Uhr Nachts zu stellen, um rechtzeitig mit der Tomatenernte zu beginnen. Viele Spieler kehren immer wieder zu FarmVille zurück, weil sie nicht wollen, dass Facebook-Freunde sehen, wie heruntergekommen ihre virtuelle Farm ist.
Pincus ist ein Verfechter der „videogamification of everything“. Wie er in einem Interview erklärt hat, vergleicht er seine asynchronen Multi-Player-Spiele mit einer neuen Form von Kommuniikation im Stile von SMS. Zynga wird in der Zukunft versuchen, unabhängiger von Facebook zu werden und den wachsenden Mobilmarkt für sich zu erobern. Der Plan besteht auf lange Sicht darin, einen Plattform-unabhängigen Game Network zu etablieren, ähnlich wie Microsoft es mit Xbox Live getan hat.
Für Kritiker und Puristen wie Ian Bogost sind Zynga Games keine richtigen Videospiele, sondern simplifizierte Klick-Orgien ohne strategischen oder herausfordernden Eigenschaften. Die bei sämtlichen Zynga-Titeln gegebene Möglichkeit Fortschritte durch Geldzahlungen zu erreichen, wird in der Hardcore-Gaming Community rundum abgelehnt. Bogost kreierte mit CowClicker einer Satire auf Zynga, bei der der Spieler nichts anderes tun muss, als wiederholt auf eine Kuh zu klicken.
Links
- Dean Takahashi: How Zynga grew from gaming outcast to $9 billion social game powerhouse (VentureBeat, 12.12.2011)


