3. Amazon.com Inc.
Umsatz 2012: $ 61,093 Mrd. (€ 47,551 Mrd.)
Überblick
Amazon entwickelte sich von einem Online-Buchhändler zu einem der größten Online-Versandhändler mit einer Produktpalette, die von Büchern, Musik, DVDs und Videos über Elektrogeräte, Küchen und Gartenutensilien bis zu Spielwaren reicht. Der US-Konzern Amazon setzte 2011 knapp 50 Milliarden Dollar in 40 Produktkategorien um. Jeffrey P. Bezos, Online-Visionär der ersten Stunde, Amazon-Gründer und -Präsident, setzt auf Expansion. Neben dem klassischen Online-Handel ist er in diversen Geschäftsfeldern tätig. Seit 2007 stellt Amazon mit dem Kindle einen eigenen E-Reader her. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben, da es sich hartnäckig weigert, Umsatzsteuern auf seine Produkte aufzuschlagen.
Basisdaten
Hauptsitz:
Amazon.com Inc.
1200 12th Avenue South, Suite 1200
Seattle, WA 98144
Telefon: 001-206-266-1000
Telefax: 001- 206-622-2405
Internet: www.amazon.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1994, seit 1997 börsennotiert
2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | |
Umsatz (in Mio. $) | 61,093 | 48.077 | 34.204 | 24.509 | 19.166 | 14.835 | 10.711 | 8.490 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $)* | (39) | 631 | 1.152 | 902 | 645 | 476 | 190 | 359 |
Aktienkurs (Jahresende) | 250,87 | 173,10 | 180 | 134,52 | 51,28 | 92,67 | 39,46 | 47,15 |
Beschäftigte | 88.400 | 56.200 | 33.700 | 24.300 | 20.700 | 17.000 | 13.900 | 12.000 |
*net income
2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
Nordamerika | 34,813 | 26.705 | 18.707 | 12.828 | 10.228 | 8.095 | 5.869 | 4.711 | 3.847 |
International | 26,280 | 21,372 | 15.497 | 11.681 | 8.938 | 6.740 | 4.842 | 3.779 | 3.074 |
Geschäftsführung
Management:
- Jeffrey P. Bezos, President & CEO & Chairman of the Board
- Jeffrey Blackburn, Senior Vice President, Business Development
- Sebastian J. Gunningham, Senior Vice President, Merchant Services
- Andrew R. Jassy, Senior Vice President, Web Services
- Steven Kessel, Senior Vice President, Worldwide Digital Media
- Marc Onetto, Senior Vice President, Worldwide Operations
- Shelley L. Reynolds, Vice President, Worldwide Controller & Principal Accounting Officer
- Diego Piacentini, Senior Vice President, International Consumer Business
- Thomas J. Szkutak, Senior Vice President and Chief Financial Officer
- H. Brian Valentine, Senior Vice President, Ecommerce Platform
- Jeffrey A. Wilke, Senior Vice President, Consumer Business
- L. Michelle Wilson, Senior Vice President, General Counsel & Secretary
Vorstand:
- Jeffrey P. Bezos, Amazon
- Tom A. Alberg, Madrona Venture Group
- John Seely Brown, Senior Fellow at the Annenberg Center for Communication at the University of Southern California
- William B. Gordon, Kleiner Perkins Caufield & Byers
- Alain Monié, Ingram Micro Inc.
- Thomas O. Ryder, Reader’s Digest Association Inc.
- Patricia Q. Stonesifer, Smithonian Institution
- Jonathan Rubinstein, Palm, Inc.
- Jamie S. Gorelick, Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLP
- Blake G. Krikorian, id8 Gruoup Productions, Inc.
Geschichte und Profil
Der Amazonas, wasserreichster Fluss der Welt und Mündungsdelta für mehr als 10.000 Flüsse, ist Namensgeber und passende Metapher für ein Unternehmen, das heute verschiedenste Waren verkauft. Sucht man im Internet nach Büchern, Technik, Spielen oder Freizeitkleidung gelangt man unweigerlich zu einem der größten Online-Versandhändler der Welt. Jeffrey P. Bezos gründete das Unternehmen 1994 im US-Bundesstaat Washington unter dem Namen Cadabra.com. 1995 ging Amazon.com online. In Kooperation mit dem amerikanischen Buchhändler Barnes & Noble entstand der Online-Büchershop in Nordamerika. Die Zusammenarbeit besteht nicht mehr, heute sind die beiden Unternehmen Konkurrenten. Seit 1997 wird Amazon an der amerikanischen Technologie-Börse NASDAQ unter der Abkürzung AMZN gehandelt. Als eines der wenigen New-Economy-Unternehmen überlebte Amazon die Internet-Krise. Stetiges und langsames Wachstum waren von Beginn an Jeff Bezos Geschäftsdevise. Im Gegensatz zur Mehrheit der damals überschätzen New-Economy-Unternehmen versprach Amazon anfänglich keine hohen Gewinne und schwor seine Anleger auf ein langsames Wachstum ein. Bezos glaubte an den langfristigen Erfolg seines Online-Versandhandels. Und er sollte recht behalten. Seit dem vierten Quartal 2002 schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen und ist heute eines der weltweit größten Online-Versandhandelsunternehmen. Die Strategie war von Beginn an auf Expansion gerichtet. Was mit der gutenbergschen Online-Galaxie begann, ist heute ein riesiges Warenhaus á la Wal-Mart.
Mit einem Umsatz von mehr als 10 Milliarden US-Dollar stieg Amazon 2006 unter die Fortune-500-Unternehmen auf. In dieser jährlich vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune publizierten Liste der umsatzstärksten Aktiengesellschaften Amerikas, lag Amazon vor allen anderen Online-Handels- und Internetunternehmen wie Google, Yahoo und Ebay auf Platz 272.
Amazon hat den klassischen Versandhandel durch sein Online-Geschäftskonzept revolutioniert und effizienter gestaltet. Dank der One-Click-Technologie (1©Click), der „Bestellung mit nur einem Klick“, wird Kunden bei einer Onlinebestellung zeitaufwendige Dateneingabe erspart und das Einkaufen erleichtert. Die auf Cookie-Technologie basierende Software ist in den USA patentiert und dient dem Unternehmen als Aushängeschild seiner technologischen Innovativität. In den USA verklagte Amazon erfolgreich andere Unternehmen, die die One-Click-Technologie auf ihren Websites nutzten. In Deutschland und der Europäischen Union ist eine solche Patentierung nicht möglich. Neben neuen Technologien verfügt ein Online-Händler gegenüber einem traditionellen Einzelhändler über eine Reihe von Vorteilen. Die virtuelle Verkaufsfläche ist dabei wohl der gravierendste Vorzug. Die Erweiterung des Speicherplatzes und Servervolumens ist ohne weiteres möglich und günstiger, als ein neues Warenhaus zu bauen, auch wenn ein Online-Händler mit seinem Produktangebot ebenfalls an Kapazitätsgrenzen stößt. Jeff Bezos wurde schnell klar: wenn er seinen Kunden die größtmögliche Produktvielfalt bieten will, braucht er Partner. Tausende Partner und Millionen von Kleinhändlern sind nötig, um ein enormes Angebot zu schaffen.
Das Kerngeschäft des Unternehmens bildet der Handel über Online-Websites in Nordamerika, Europa und Asien. Neben dem Verkauf „klassischer“ Waren über Online-Shops orientiert sich Amazon an dem sich ständig ändernden Bedarf der Netzwelt. Zum Unternehmen gehören diverse Tochterfirmen, die Beratung und Dienstleistungen für Onlinehändler und Website-Betreiber anbieten und im Bereich der Internet-Technologie forschen. Amazon bietet anderen Unternehmen die eigenen Erfahrungen und die Technologie der Amazon-Shops. So betreibt und organisiert Amazon der Online-Verkauf unter anderem für Unternehmen wie Marks & Spencers, der größten britischen Bekleidungskette, Timex Corporation, einem amerikanischen Uhrenhersteller und anderen Handelsketten.
Amazon hat in der Vergangenheit fortwährend neue Ideen für Online-Verkauf und Service hervorgebracht. Seit September 2002 können Amazon-Kunden mit einer Amazon Visa Card online bezahlen. Online-Einkäufe können nicht nur schneller abgewickelt werden, die Kaufsumme wird direkt verbucht, noch bevor Amazon seine Lieferanten bezahlt. Eine Liquiditätsquelle sondergleichen.
2004 stieg Amazon in den Wachstumsmarkt China ein und erwarb Amazon das chinesische Unternehmen Joyo.com Limited, Betreiber der www.joyo.com Website und weltweit größter Online-Shop für chinesische Bücher und benannte es in Amazon China um.
Management
Jeff Bezos, Gründer und Präsident des Unternehmens wurde 1964 in Albuquerque, New Mexico geboren. Zunächst in Houston, Texas, später in Miami, Florida, lebte er mit seinem kubanischen Stiefvater, seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern zusammen. Die Sommer verbrachte die Familie Bezos auf der Familienranch in Texas. Sein Großvater, ein pensionierter Manager der amerikanischen Atom-Energie-Behörde (Atomic Energy Commission) entfachte seine Neugier und Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Es wird erzählt, der kleine Jeffrey habe sich einen elektronischen Alarm gebastelt, um seine jüngeren Geschwister aus seinem Zimmer fern zu halten. Die Garage seiner Eltern habe er in ein Labor für seine Projekte umgebaut. Wie alle New-Economy-Könige hat also auch Bezos seine Garagen-Geschichte.
Mit dem Ziel, Physik zu studieren, schrieb Bezos sich an der Princeton Universität ein, wechselte jedoch zu Informatik und Elektrotechnik und schloss sein Bachelor-Studium im Jahr 1986 ab. Nach dem Studium arbeitete er zunächst an der Wallstreet als Computerexperte. 1994 wagte er sich dann mit der Gründung seines Online-Unternehmens in die Selbständigkeit. Seit 1993 ist er mit der Romanautorin Mackenzie Bezos verheiratet, beide haben drei gemeinsame Söhne und eine Adoptivtochter.
Im Jahr 1999 kürte ihn das Time Magazin für seinen großen Einfluss als „New-Era Entrepreneur“ und „King of Cybercommerce“ zur Persönlichkeit des Jahres. Laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes zählt Bezos zum Kreis der weltweit reichsten Menschen. 2010 landete er mit seinem Vermögen von 12,6 Milliarden US-Dollar auf Platz 13 der entsprechenden Forbes-Rangliste. Im selben Jahr verdiente Bezos durch den Verkauf von sechs Millionen Aktien am Unternehmen 792 Millionen US-Dollar. Dass Jeff Bezos Visionen hat, zeigt auch sein Engagement in ganz anderen Sphären. 2004 gründete er Blue Origin, ein Unternehmen, das langfristig kostengünstig Weltraumflüge anbieten will. Die Labore und das Testgebiet liegen in West-Texas, in der Nähe der Farm seines Großvaters.
Amazon hat seinen Firmenhauptsitz in Seattle, USA. Rund 56.000 Menschen sind bei Amazon beschäftigt. Nach eigenen Angaben wird mehr als die Hälfte der Umsätze in Nordamerika erwirtschaftet (55 %). Weltweit nutzt Amazon 20 Logistikzentren in Nordamerika, Europa und Asien. Davon sind neun Lagerstandorte in den Vereinigten Staaten ansässig, der Rest verteilt sich in Europa und Asien.
Nach der Internetkrise 2000 begann eine Umstrukturierung des Unternehmens. Riesige Datenzentren und zentralistische Hierarchien wurden modernisiert, um schneller und flexibler auf neue Trends der Netzwelt reagieren zu können. Im Ergebnis arbeiten heute kleine und schnelle Arbeitsgruppen von fünf bis acht Ingenieuren an neuen Ideen und können diese schnell auf die Amazon-Internetseiten implementieren. Bezos nennt diese Gruppen „Two-pizza-teams“, denn zwei große Pizza-Stücke reichen aus, um seine kreativen Köpfe zu versorgen.
Haupteinnahmequellen des Konzerns sind die Angebotsgebühren und Verkaufsprovisionen, die Amazon von Händlern, Herstellern und anderen Anbietern verlangt. Amazons Geschäftstrategie war von Beginn an auf ein langfristiges Ziel ausgerichtet. In der Zeit der Internet-Hysterie hat Amazon seinen Anlegern keine gigantischen Dividenden in Aussicht gestellt, sondern nach außen kommuniziert, erst nach einigen Jahren Erfolge vorweisen zu können. Die Amazon-Aktien waren deshalb nicht stark überbewertet. Vielleicht überstand das Unternehmen so die Krise der New Economy. Noch heute lautet die Geschäftspolitik, keine Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Stattdessen investiert das Unternehmen seine Gewinne in neue Technologien und in die Verbesserung seiner Systeme. Neue Technologien sind für einen Konzern wie Amazon überlebenswichtig. Was mit der 1Click-Technologie begann, soll in Zeiten von Web 2.0 nicht aufhören. Strategisch legt das Unternehmen einen Schwerpunkt auf die permanente Entwicklung von innovativer Software und kommerzieller Technologie. Amazon investiert in die Entwicklung von Verkäufer-Plattformen, Web-Services und digitalen Projekte. Als Konkurrenten bezeichnet Amazon in seinen Geschäftsberichten physische Händler, Verlage und Distributoren sowie E-Commerce-Unternehmen. Amazon sieht in Web-Portalen, Auktionshäusern und Internet-Suchmaschinen indirekte Wettbewerber.
Geschäftsbereiche
E-Commerce
Mit Fußball- und Schlittschuhen, Lego und Monopoly, Kaffeemaschinen, Töpfen und Staubsaugern, Steuer- und Antivirensoftware, iPods oder Druckern, wird Amazon der selbst verordneten Firmenphilosophie „das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein, bei dem Kunden alles finden, was sie online kaufen wollen“ gerecht. Bezos Vision von einem riesigen Marktplatz ist Wirklichkeit geworden, vor allem, weil Amazon den Beschränkungen klassischer Handelsunternehmen im geringeren Maße als diese unterliegt. Amazon verkauft seine Waren ausschließlich online. Die Kosten einer virtuellen Verkaufsfläche sind um ein vielfaches geringer als für eine physische. Amazons Geschäftsmodell beruht auf der Vermischung verschiedener Händlerkonzepte. Ein Teil der Umsätze erzielt Amazon durch den “klassischen“ Verkauf von Büchern und anderer Waren ihrer Lieferanten. Bei diesem traditionellen Händlerkonzept lagert Amazon die Waren der Lieferanten in seine Logistikzentren ein, präsentiert sie auf seinen Web-Sites, übernimmt Versand und Zahlungsabwicklung und erhebt dafür eine Marge (Amazon Advantage, s. u.). Im Unterschied zu traditionellen Großhandelsunternehmen verkauft Amazon seine Waren ausschließlich in Kommission. Das bietet Amazon den großen Vorteil, keine finanziellen Vorleistungen für sein Warenangebot leisten zu müssen. Zahlungsweisen per Kreditkarte oder Bankeinzug verschaffen Amazon sofortige Einnahmen, noch ehe die Lieferanten bezahlt werden müssen.
Amazon Marktplatz
Unter der Rubrik Amazon Marktplatz können private und professionelle Amazon-User neue oder gebrauchte Artikel verkaufen und kaufen. Ein Link zu diesen Angeboten erscheint direkt unter der Artikelbezeichnung der entsprechenden Neuware. Das System dieses virtuellen Marktplatzes beruht auf Vermittlung zwischen Käufer und Verkäufer. Kommt ein Geschäft zustande, wird die Ware innerhalb von zwei Wochen direkt vom Verkäufer versandt, d. h. Amazon hat mit Lagerung und Versand nichts zu tun. Die Abteilung „Amazon Payments“ zieht den Kaufpreis und Versandkosten vom Käufer ein und überweist anschließend die Summe an den Verkäufer. Für diesen Service verlangt Amazon vom Verkaufspreis eine Verkaufsgebühr von 1,14 Euro und eine 15-prozentige Provision. Die Kunden können nach ihrem Kauf Bewertungen abgeben. Amazon bedient sich somit seinens erprobten Instruments der Vertrauensbildung zwischen Online-Verkäufer und Käufer. Insgesamt ist dieser Marktplatz eine weitere Möglichkeit, die Produktpalette zu erweitern.
Weitere Geschäftsfelder
Kindle
Das ambitionierteste Projekt von Amazon ist das „Kindle“, mit dem Jeff Bezos die letzte analoge Bastion der Medienwelt stürmen will: Bücher. Das Gerät hat zum Jahrtausendwechsel bereits tot geglaubte Konzept des E-Books revitalisiert. Bezos, selbst mit einer Autorin liiert, hat großen Respekt vor dem traditionellen Buch, schließlich hat ihn der Online-Handel mit Romanen und Sachbüchern zum Milliardär gemacht. „Kindle“ („to kindle“ bedeutet anzünden und meint das Entfachen des durch Lesen gewonnenen Wissens) will zum einen das altbekannte Gefühl, das sich beim Lesen eines Buches einstellt, erhalten, zum anderen durch technischen Fortschritt den Lesegenuss erhöhen. Amazon veröffentlicht nicht nur die Bücher etablierter Verlage als Kindle-Versionen, sondern auch Werke von Millionen von Privatautoren, was inzwischen zu einem massiven Spam-Problem und Urheberechtsverletzungen geführt hat. Mit dem "Kindle Fire" stieg Amazon im Herbst 2011 zudem in den Markt für
Tablet-Computer ein. US-Kaufhausketten wie Wal-Mart und Target haben das Kindle aus ihrem Sortiment genommen, weil sie Amazon als Konkurrenten im Einzelhandel fürchten.
"The Girl With The Dragon Tattoo" (deutscher Titel: "Verblendung") von Kriminalautor Stieg Larrson war das erste Buch, dessen Kindle-Version die Schallmauer von einer Million verkauften Exemplaren durchbrach. Inzwischen verkauft Amazon laut eigenen Angaben mehr Kindle-E-Books als herkömmliche Bücher. 2011 kamen auf 100 verkaufte gedruckte Bücher 105 Kindle-Editionen. Der Preis für ein virtuelles Buch bei Amazon war bis Anfang 2010 auf 9.99 US-Dollar fixiert. Mit immer mehr Großverlagen - darunter Simon & Schuster (Pearson), HarperCollins (News Corp.) und Hachette (Lagardere) - hat sich Amazon aber auf eine individuelle Preispolitik geeinigt. Amazon hatte sich lange Zeit gegen höhere Preise gesträubt, weil der Konzern das E-Book-Format popularisieren wollte. Im Zuge der Veröffentlichung des iPad von Apple, das ebenfalls Preisabsprachen mit den Verlagen getroffen hat, ließ sich der Einheitspreis jedoch nicht mehr aufrechterhalten. Zehn Prozent des gesamten Umsatzes (5,5 Milliarden US-Dollar) erwirtschaftete Amazon 2011 allein mit dem Kindle.
Amazon Game Studios
Seit Sommer 2012 produziert Amazon auch eigene Social-Games. Der Einstieg in das Gamegeschäft ist ein direkter Angriff auf Marktführer Zynga und dient in erster Linie dazu, Spiele für das Kindle Fire herzustellen. Erster Titel ist das Märchen-Spiel "Living Classics".
Amazon MP3/Amazon VoD
Seit 2007 mischt Amazon auch beim Verkauf digitaler Musik im Internet mit. Das bemerkenswerte an Amazon MP3 war zunächst, dass es als erstes Musikportal MP3-Downloads aller vier großen Plattenfirmen (EMI, Universal, Sony, Warner Music) kostenpflichtig anbot. Die Musikstücke sind nicht mit urheberrechtlichen Beschränkungen (DRM-Technologien) versehen und können, vervielfältigt und kopiert werden. Inzwischen entfernte Konkurrent Apple (iTunes) als Reaktion ebenfalls die DRM-Beschränkungen von seinen Musiktiteln. Als Ergänzung wurde im März 2011 Amazon Cloud Drive gestartet, ein Dienst, der Usern erlaubt ihre Musiksammlung auf Amazons Cloud abzuspeichern und von jedem beliebigen PC und Smartphone abzurufen. Als Amazon im Mai 2011 Lady Gagas neues Album für einen Tag als Download zum Sonderpreis von 99 Cent anbot, brachen aufgrund des großen Ansturms die Server zusammen.
Seit September 2006 bietet Amazon über den digitalen Video-Download-Service Amazon Video on Demand seinen Kunden in den USA Pay-per-view-Angebote. Damit setzt Amazon auf den „Video-On-Demand“-Trend. In Amazons Online-Videothek können Kunden Fernsehserien kaufen und direkt auf PC oder digitale Videorecorder downloaden und streamen. Besonders innovativ ist das Konzept, mit dem Amazon im April 2013 seine in Eigenregie produzierten Serien vorstellte: Amazon-Kunden wurden insgesamt gleichzeitg 14 Pilotfolgen neuer Serien vorgestellt. Welche der Piloten zu einer vollständigen Serie ausgebaut werden, entscheiden die Zuschauer per Online-Fragebogen sowie wird von den Streaming-Quoten abhängig gemacht.
In Europa bietet Amazon ebenfalls einen DVD Rental per Post/Streamingdienst an, dessen marktführende Stellung durch die 150 Millionen Euro teure Übernahme von Konkurrent LoveFilm im Januar 2011 zementiert wurde.
Kundenprogramme bzw. Maßnahmen zur Traffic-Generierung
Das Amazon Partnerprogramm existiert seit 1996. Websitebetreiber, die auf ihren eigenen Websites Amazon-Links platzieren, werden bei erfolgreichen Verkäufen der verlinkten Produkte mit einer Provision belohnt. Bei erfolgreichen Verkäufen erhalten die Partner zwischen 4 bis 10 Prozent des Netto-Verkaufwertes. Dieses Affiliate Programm hatte 2006 über 900.000 Teilnehmer weltweit und generiert laut Berichten in Online-Foren ca. 40 Prozent des Online-Shop-Umsatzes. Alle Produkte des Amazon Shops können die „Partner“ auf ihren Websites verlinken. Sogar eingeblendete Amazon-Links in selbst erstellten YouTube-Videos sind mittlerweile möglich. Die notwenige Software-Applikation kann sich der User bei Amazon herunterladen. Dieses Programm wird für die Amazon-Web-Sites in den USA, Kanada, UK, Japan, Frankreich und Deutschland angeboten.
Amazon Web Services LLC
Das Geschäftsfeld, das für Jeff Bezos immer wichtiger wird, ist der Bereich der Online-Dienstleistungen. Amazon hat 13 Jahre und rund zwei Milliarden Dollar in die Technologie und Struktur des Projekts investiert. Jeff Bezos hofft nun, mit dieser Infrastruktur Geld verdienen zu können. Der E-Commerce-Anbieter setzt dazu auf die Vermietung seiner Technologie, seiner technischen Infrastruktur und seiner IT- und Internet-Ressourcen an andere Unternehmen. Bezos startete 2002 den Amazon Web Services (AWS) (s. u.), ein Unternehmen, das sich an Website-Entwickler und Betreiber richtet . Den Wert von Amazons Cloud-Computing-Sparte beziffern Analysten auf eine Milliarde US-Dollar.
Zappos
Größter Online-Schuhladen der USA, der 2009 für 1,2 Milliarden von Amazon übernommen wurde.
Woot
Website, die jeden Tag ein Sonderangebot auf ihrer Seite zum Verkauf stellt. Im Juni 2010 für eine unbekannte Summe von Amazon gekauft.
LivingSocial
Mit 183 Millionen US-Dollar beteiligte sich Amazon Ende 2010 am zweitgrößten Web-Anbieter für Rabattaktionen und Coupons. Mit der Finanzspritze soll dem momentan heftig von Google umworbenen Marktführer Groupon Marktanteile streitig gemacht werden.
Alexa Internet
Das in San Fransisco ansässige Tochterunternehmen Alexa Internet sammelt und verkauft Informationen über Internetseiten an Website-Betreiber und Entwickler. Das Unternehmen wurde 1996 von Brewster Kahle und Brude Gilliat gegründet und 1999 für 250 Millionen Dollar von Amazon gekauft. Daten werden durch das Protokollieren der Website-Zugriffe durch Web-Benutzer gesammelt.
Internet Movie Database (IMDb)
Amazons Internet Movie Database ist die größte englischsprachige Online-Datenbank zu Filmen, Schauspielern, Fernsehshows, Produktionen und Video-Spielen. 1990 gestartet und 1998 von Amazon gekauft, erfasst sie heute ca. 1 Million Filmtitel und über 2 Millionen biografische Daten zu Filmschaffenden.
Audible.com
Am 31. Januar 2008 verkündete die Amazon-Geschäftsführung die Übernahme von Audible.com zum Preis von 300 Millionen US-Dollar. Seit dem Jahr 2000 verkauft Audible Hörbücher, Bildungsprogramme, Radio- und Fernsehprogramme sowie Audio-Ausgaben von Zeitungen und Zeitrschriften. Die Investition in den Hörbuch-Bereich soll die Expansion in der E-Book-Sparte begleiten.
Engagement in Deutschland
Mit der Übernahme von Telebook. Inc., den Inhaber der deutschen ABC Bücherdienst GmbH, startete das Unternehmen im Oktober 1998 den deutschen Online-Versandhandel amazon.de. Betrieben wird die deutsche Website von der Amazon EU S.a.r.l mit Sitz in Luxemburg. Die deutsche Firmenzentrale hat heute ihren Sitz in München. Mitte 2004 wurde die Entwicklungsabteilung der Amazon.de-Website in München geschlossen. In Bad Hersfeld in Hessen befindet sich ein Distributionslager. Seit August 2006 unterhält Amazon in Leipzig ein weiteres Versandlager mit ca. 300 Arbeitsplätzen. Ralf Kleber ist seit 10 Jahren Geschäftsführer von Amazon Deutschland und für 40.000 Mitarbeiter verantwortlich.
Zu einem massiven Imageverlust des Unternehmens kam es im Zuge einer im Februar 2013 ausgestrahlten ARD-Dokumentation über die schockierenden Lebens- und Arbeitsbedingungen europäischer Leiharbeiter, die im Weihnachtsgeschäft in den deutschen Amazon-Lagern eingesetzt werden.
Aktuelle Entwicklungen
19 Jahre nach Gründung steht Amazon so gut da wie noch nie. Das Unternehmen hat sich zu einem Wall Street-Liebling entwickelt, wächst unaufhaltsam und weist jedes Quartal signifikante Umsatzsteigerungen auf (im vierten Quartal 2012 wurden zuletzt wieder Rekordumsätze erzielt). Im Herbst 2012 wurde die bislang gemietete Unternehmenszentrale in Seattle für eine Milliarde US-Dollar gekauft, dem teuersten Immobiliendeal in den USA seit langem. Zudem wird Amazon nicht müde in seine Distributionsinfrastruktur zu investieren und die Konkurrenz zu schwächen. Jüngst erst wurde der britische Buchversand Book Depository International aufgekauft. War Amazon vor 15 Jahren der Underdog, der sich gegen Buchladenketten wie Borders durchsetzen musste, haben sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt: Barnes musste Konkurs anmelden, während Amazon 15 neue Warenlager in den USA eröffnete.
Amazons E-Reader Kindle hat sich laut CEO Bezos längst zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Im Jahr 2012 stiegen die Verkäufe des Geräts und der Kindle-Editionen von Büchern um 70 Prozent, während der Verkauf von gedruckten Büchern um vergleichsweise geringe fünf Prozent anstieg. Allerdings erwirtschaftete das Unternehmen 2012 erstmals einen kleinen Verlust, da überall auf der Welt weitere Lagerhallen baut und stark in Cloud-Dienste investiert.
Von seiner massiven Kampagne für die Aufrechterhaltung der Befreiung der Umsatzsteuer in den USA ist Amazon bis auf weiteres abgerückt. Das Unternehmen ist jetzt bereit, den seinen Preisen eine Umsatzsteuer aufzuerlegen. Grund für die 180-Grad-Wendung: Amazon baut immer mehr lokale Lagerhallen, die Kunden innerhalb von 24, bzw. sogar weniger als 12 Stunden beliefern können. Damit könnte auf langfristige Sicht der klassische Einzelhandel endgültig der Vergangenheit angehören.
Einen je nach Lesart Imageschaden oder -gewinn erfuhr Amazon im November 2010, als sich das Unternehmen dafür entschied, die Enthüllungswebsite WikiLeaks von seinen Servern zu entfernen. Zwar hieß es offiziell, Wikileaks hätte gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen, indem es Inhalte veröffentlichte, deren Rechte es nicht besitze. Doch wie im Zuge von Presseberichten publik wurde, war es wohl politischer Druck, der Amazon dazu bewog, der Organisation von Julian Assange auf seinen Servern keine Plattform mehr zu bieten. So schaltete sich US-Senator Joe Lieberman persönlich ein, um Amazon auf Wikileaks hinzuweisen. Die Hacker-Community reagierte, indem die britische, deutsche, französische und italienische Amazon-Homepage zeitweise lahm gelegt wurde (was Amazon jedoch dementierte). Derweil rief der wohl berühmteste "Whistleblower" der Welt, Daniell Ellsberg, zum weltweiten Amazon-Boykott auf. Der Mann, der in den 1970er Jahren geheime Dokumente über die US-Intervention in Vietnam an die Öffentlichkeit lancierte, forderte das Amazon-Management in einem offenen Brief auf, seinen Account umgehend zu löschen.
Links
» Konzerninformationen
» Finanzdaten
» Presseinformationen
» Onnesha Roychoudhuri (AlterNet): Is Amazon Evil? (8.12.2010)
» Amazon.com Tactics Draw Harsh Criticism (Huffington Post, 13.03.2010)
» Amazon gegen Apple - Wer am Bezahl-Web mitverdient (Spiegel Online, 07.01.2010)


