5. eBay Inc.
Umsatz 2009: $ 8,727 Mrd. (€ 6,257 Mrd.)
Überblick
eBay Inc. betreibt das weltweit größte Online-Auktionshaus. 1995 in Kalifornien als virtueller Raum für den Austausch von Sammlerartikeln gegründet, hat sich das E-Commerce-Portal sehr rasch zu einem besucherstarken Online-Marktplatz für den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen durch Privatpersonen und Unternehmen entwickelt. In den letzten Jahren wurde eBay vor allem durch die Konkurrenz mit Amazon geprägt.
Basisdaten
Hauptsitz:
eBay Inc.
2145 Hamilton Avenue
San Jose, California 95125
Internet: www.ebay.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1996
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
Umsatz (in Mio. $) | 8,727 | 8,541 | 7,672 | 5,970 | 4,552 | 3,271 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $) | 2,389 | 1,779 | 348* | 1,126 | 1,082 | 778,23 |
Aktienkurs (pro Aktie in $) | 23,53 | 13,96 | 33,19 | 30,07 | 43,22 | 58,17 |
Beschäftigte | k.A. | 15,500 | 13,200 | 12,600 | k.A. | 8,100 |
*inklusive Goodwill-Abschreibung von 1,93 Mrd. US-Dollar aus dem dritten Quartal 2007.
Geschäftsführung
Management
- John Donahoe, President & Chief Executive Officer
- Beth Axelrod, Senior Vice President, Human Resources
- Mark Carges, Senior Vice President & Chief Technology Officer
- Michael Jacobson, Senior Vice President, General Council
- Lorrie Norrington, President, eBay Marketplace
- Bob Swan, Senior Vice President, Finance & Chief Financial Officer
- Scott Thompson, President, PayPal
- Alan Marks, Senior Vice President, Corporate Communications
Vorstand
- Marc L. Andreessen, Ning
- William C. Ford, Jr., Ford Motor Company
- Dawn G. Lepore, drugstore.com inc.
- Pierre M. Omidyar, Omidyar Network
- Richard T. Schlosberg, III, Edison International
- Philippe E. M. Bourguignon, Revolution LLC
- David M. Moffett, Freddie Mac
- Thomas J. Tierney, The Bridgespan Group
- Fred D. Anderson, Elevation Partners
- Edward W. Barnholt, Packard Foundation
- Scott D. Cook, Intuit, Inc.
- John J. Donahoe, President and CEO eBay Inc.
Geschichte und Profil
Der Gründungsmythos von eBay lautet folgendermaßen: In den frühen 90er Jahren betrieb der in San José, Kalifornien, ansässige Computerprogrammierer Pierre Omidyar eine Internetseite, die Informationen rund um das Ebola-Virus veröffentlichte. Im September 1995 bat ihn seine Verlobte ein Programm zu erstellen, mit dem sie Personen in aller Welt erreichen konnte, um die von ihr geliebten und gesammelten „PEZ“-Bonbon-Spender zu tauschen. Omidyar erfüllte seiner Freundin den Wunsch und konzipierte ein entsprechendes Programm, nannte es „AuctionWeb“ und fügte es seiner Ebola-Homepage hinzu: Ebay war geboren.
Es ist freilich nur eine Randnotiz in der Geschichte des Ebay-Konzerns, dass diese Gründungslegende 1997 von einem PR-Fachmann in die Welt gesetzt wurde, um das Unternehmen interessanter zu machen und für Kunden und Geschäftspartner sympathischer zu wirken.
Fakt ist, dass Omidyar am ersten Labor Day-Wochenende im September 1995 erstmals einen Gegenstand über seine AuctionWeb-Homepage versteigerte. Das Objekt der Begierde des ersten Kunden: ein defekter Laserpointer, der für 14,38 $ über die virtuelle Ladentheke wanderte. Überrascht, soviel Geld mit einem kaputten Gegenstand verdient zu haben, fragte er den neuen Besitzer, ob er sich im Klaren darüber sei, dass der Laserpointer defekt sei. Die Antwort des Käufers ließ nicht lange auf sich warten: Er sei ein Sammler von defekten Laserpointern. Spätestens jetzt war der 28-jährige Apple-Angestellte Omidyar, in Frankreich als Sohn iranischer Eltern geboren, von dem Erfolg eines internetbasierten Auktionshauses überzeugt.
Mittels Mund-zu-Mund-Propaganda besuchten in den folgenden Monaten immer mehr Internetnutzer den Online-Marktplatz. Schon im Februar 1996 verzeichnete AuctionWeb 41.000 registrierte User und 28.000 abgeschlossenen Auktionen. Ein Grund für den Erfolg war das ebenfalls 1996 eingeführte Bewertungssystem, in dessen Rahmen sich Käufer und Verkäufer nach jedem Handel gegenseitig einschätzen können.
Zunächst war der Service von AuctionWeb kostenlos. Da Omidyar jedoch die Kosten für seinen Internetprovider decken musste, verlangte er pro abgeschlossene Auktion einen prozentualen Anteil am Verkaufspreis. In der Folge wurde die Auktionsplattform immer profitabler.
1996 wurde der Stanford-Absolvent Jeffrey Skoll der zweite Vollzeit-Angestellte und der erste Präsident von AuctionWeb. Nicht zuletzt aufgrund der Umsetzung von Skolls Geschäftsplan wurde das Unternehmen ein Erfolg.
Im Jahr 1997 gründete Omidyar seine Firma offiziell und nannte sie fortan „eBay“. Er wählte diesen Namen, weil er eine Abkürzung für seine Beraterfirma „Echo Bay“ war. Die Domain Echobay.com war bereits vom Goldminen-Konzern „Echo Bay Technology Group“ unter Beschlag genommen worden.
Im Mai 1997 wurde der 1.000.000ste Artikel bei eBay versteigert: eine Puppe des Sesamstraßenvogels Bibo. Parallel sicherte man sich die einmalige Risiko-Kapital-Finanzierung durch Benchmark Capital, mittels derer eBay weiter expandierte. Von September 1997 bis Oktober 1998 versechsfachten sich die Mitgliederzahlen auf 1,2 Millionen.
Nachdem Jeffrey Skoll aufgrund gesundheitlicher Probleme 1998 von seinem Posten zurücktrat, wurde Meg Whitmann als CEO und neue Präsidentin installiert. Whitmann trat ihren neuen Job mit dem Ziel an, eBay mit ihrer zuvor bei Hasbro und Walt Disney erworbenen Kompetenz in ein Internet-„Powerhouse“ zu verwandeln. Pierre Omidyar fungierte künftig als Vorstandsvorsitzender.
Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von eBay stellte der 24. September 1998 dar, als die eBay-Aktie mit einem Ausgabepreis von achtzehn Dollar erstmalig an der NASDAQ notiert wurde. Der Börsengang verlief derart erfolgreich, dass Omidyar und Vizepräsident Skoll über Nacht zu Milliardären wurden, nur drei Jahre nachdem sie das Unternehmen gegründet hatten. Omidyar belegte 2008 im Forbes-Ranking der reichsten Menschen der Welt Platz 57.
Ab 1999 setzte bei eBay der Prozess der Internationalisierung ein. Als erstes wurde der deutsche Markt erschlossen, indem das deutsche Online-Auktionshaus alando.de von den Brüdern Samwer akquiriert und mit samt seinen bereits 50.000 Usern in eBay integriert wurde. Es folgten die Gründungen eigener Ländergesellschaften und Marktplätze in Australien, Kanada und Großbritannien (1999) Frankreich und Österreich (2000) sowie Irland, Neuseeland, Italien, Schweiz, Korea (durch Kauf von Internet Auction Co. Ltd.) und Singapur (2001).
Doch auch das Angebot an gehandelten Waren verbreiterte sich mit der Gründung von eBay Premier, einer Auktionsseite speziell für exklusive und hochpreisige Antiquitäten, die durch die Übernahme des renommierten Auktionshauses Butterfield & Butterfield ermöglicht wurde. Durch die Gründung von eBay Motors schuf man den größten Internet-Handelsplatz für Gebrauchtwagen und Autozubehör. Im Juni 2000 erwarb eBay für circa 350 Millionen Dollar half.com, eine Plattform, die sich auf den Verkauf von gebrauchten Büchern und CD’s spezialisiert hatte. Um den lateinamerikanischen Markt stärker zu kontrollieren, kaufte eBay 2001 die Auktionsseiten von Mercado Libre und Lokau. Auf asiatischer Seite übernahm eBay den führenden taiwanesischen Online-Auktionsbetreiber NeoCom Technology Co. Ltd. und beteiligte sich zu einem Drittel (später zu 100 Prozent) am chinesischen Portal EachNet. Durch Integration der in acht europäischen Ländern präsenten Plattform iBazar wurde die Vormachtstellung in Europa ausgeweitet. Die weltweite Einkaufstour wurde mit einer strategischen Online-Partnerschaft mit dem traditionsreichen Auktionshaus Sotheby’s zunächst abgeschlossen.
Ziel des Konzerns war es bislang, durch Aufkäufe anderer Auktionshäuser den Versteigerungsmarkt zu verkleinern und monopolisieren. Längst beschränkte sich das Geschäftsmodell nicht mehr darauf, den Usern einen „C2C“(Consumer-to-consumer electronic commerce) -Marktplatz zu bieten, also einen Ort für den elektronischen Handel zwischen Konsumenten. Mittels der „Buy it Now!“-Kampagne (in Deutschland: „Sofort Kaufen!“) führte eBay eine Festpreisoption für Angebote ein. Diese Option wurde und wird vorwiegend von kommerziellen Anbietern und Firmen in Anspruch genommen, die eBay als virtuelles Geschäft benutzen („eBay Stores“; in Deutschland: „eBay Shops“). Jeder eBay Store besitzt seine eigene URL, unter welcher der Verkäufer direkt im Internet erreichbar ist. Neben dem „C2C“-Marktplatz hat sich so ein „B2C“ (Business-to-consumer electronic commerce)-Markt bei eBay etabliert. eBay ist damit in Konkurrenz zu reinen Online-Warenhäusern wie Amazon getreten.
Ende 2002 wurde die Akquisition von Paypal abgeschlossen. PayPal wurde 1999 von Peter Thiel entwickelt und dient dazu, online Bezahlungen und Geldtransfers zu tätigen. Die Etablierung von PayPal als Geschäftszweig von eBay war ein logischer Schritt, da bereits vor der Übernahme fünfzig Prozent aller eBay-User von PayPal Gebrauch machten. eBays eigenes Bezahlsystem Billpoint hatte sich bei den Benutzern nicht durchgesetzt und wurde in der Folge abgeschafft.
Die Expansionsanstrengungen von eBay zahlten sich aus. Im Oktober 2003 verzeichnete eBay 85,5 Millionen registrierte Benutzer weltweit. Allein auf dem deutschen eBay-Marktplatz wurden im vierten Quartal von 2002 Waren und Dienstleistungen im Wert von einer Milliarde US-Dollar gehandelt. Weltweit wurden 2003 971 Millionen Artikel im Wert von 24 Milliarden US-Dollar versteigert.
Der Erfolg von eBay hat unter anderem damit zu tun, dass auch kleine Unternehmen sowie Privatpersonen durch Verkäufe über die eBay-Plattform Geld verdienen können. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 10.000 Händler, die vom An- und Verkauf von Waren über eBay ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Grundlagen des Kaufens und Verkaufens bei eBay gehören mittlerweile zu den Lehrplänen an den Volkshochschulen. Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) und eBay entwickelten die Schulungsinitiative „Erfolgreich handeln im Internet“, die an 1000 Volkshochschulen gelehrt wird. Ein weiterer Service von eBay für seine Händler sind die regelmäßig weltweit veranstalteten „eBay University“-Veranstaltungen. Bei diesen eintägigen Events erhalten eBay-Interessierte umfassende Informationen und Tipps von eBay-Angestellten, um ihren Handel bei eBay noch erfolgreicher zu gestalten. Der Konzern hat ein Interesse daran, dass bei den Versteigerungen und Verkäufen möglichst hohe Preise erzielt werden, schließlich verdient eBay an jedem Verkaufserlös prozentual mit.
So lässt sich auch eine Emnid-Umfrage erklären, die 2005 von eBay Deutschland initiiert wurde. Das Ergebnis der Erhebung war, dass in zwei Dritteln aller Haushalte ungenutzte, funktionsfähige und damit potentiell verkäufliche Gegenstände verborgen sind. Eine Werbestrategie von eBay besteht darin, die Leute zum Kaufen und vor allem Verkaufen zu animieren.
Einen großen Anteil an Publicity bekommt eBay immer wieder durch spektakuläre und absurde Versteigerungen, auf die die Medien aufmerksam werden. Der höchste bekannte Preis, der bei eBay für den Verkauf eines einzelnen Artikels erzielt wurde, war ein Gulfstream II Privat-Jet, der im Mai 2001 für 4,9 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte. Der Lotus-Sportwagen des britischen Radioreportes Tim Shaw wurde im Juni 2005 von dessen Frau für fünfzig Pence verkauft, nachdem sie ihn live im Radio mit einer anderen Frau flirten hörte. Einer der berühmtesten Auktionen war die Versteigerung eines VW-Golf, der zuvor Papst Benedikt XVI gehört hatte und für 188.000 Euro an das Online-Casino Goldenpalace.com verkauft wurde. Ein Mann aus Arizona versteigerte eine Luftgitarre für fünf US-Dollar. In Australien wurde im Dezember 2004 eine Frühstückscerealie, die aussah wie E.T. für über 1000 australische Dollar verkauft. Anfang 2009 versteigerte ein User seinen kahlrasierten Hinterkopf, zwecks Platzierung von eintätowierten Werbebotschaften. eBay musste auch einige Versteigerungen abbrechen, da es sich bei den zum Kauf angebotenen Artikeln um nicht existente, bzw. kontroverse Gegenstände handelte. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die versuchte Versteigerung des neuseeländischen Staates durch eine australische Privatperson, der Verkauf der deutschen Sprache durch den Verein Deutsche Sprache e.V., um auf die unnötige Amerikanisierung der deutschen Sprache aufmerksam zu machen, und der Versuch eines deutschen Jugendlichen seine Seele über eBay zu verkaufen. Auch werden immer mehr Auktionen für wohltätige Zwecke gestartet. Die bekannteste unter den Charity-Auktionen ist das jährliche Wettbieten um ein Abendessen mit dem US-Milliardär Warren Buffett, bei dem regelmäßig Millionenerlöse erzielt werden.
2004 nahm der internationale Expansionszug wieder Fahrt auf. Durch Aktienkäufe wurde das indische Online-Auktionshaus baazee.com in eBay India umgewandelt. Marktplaats.nl über den bis zu diesem Zeitpunkt achtzig Prozent aller Online-Versteigerungen abgewickelt wurden, wurde von eBay für circa 225 Millionen US-Dollar inkorporiert. Da das Unternehmen auch im Immobiliensektor ein Wort mitreden wollte, erwarb eBay das Immobilienportal rent.com, eine Werbeplattform zur Vermietung von Wohnungen. Das Geschäftsmodell von eBay wurde durch die Gründung, bzw. Beteiligung an den regionalen Kleinanzeigenportalen kijiji (Europa, Kanada), Craigslist (USA), Gumtree (Großbritannien) und Loquo (Spanien) sowie der Ticketverkaufsseite stubhub weiter diversifiziert.
Die größten Akquisitionen standen aber noch bevor. Mit dem Kauf der Preisvergleich-Seite shopping.com für 650 Millionen US-Dollar entledigte sich der Konzern einem ernsten Konkurrenten.
Für viele überraschend war der Einstieg in die Kommunikationsbranche, als eBay 2005 den Voice-over-IP-Anbieter Skype Technologies akquirierte. Skype ermöglicht das kostenfreie Telefonieren via Internet von PC zu PC sowie das kostenpflichtige Telefonieren von PCs in das Festnetz. Der Kaufpreis von 2,6 Milliarden US-Dollar, den man dem vergleichsweise kleinen belgischen Unternehmen zahlte, wurde als zu hoch kritisiert. eBay-Chefin Whitman verteidigte den Erwerb jedoch mit Hinweis auf die Bedürfnisse der Nutzer. Diese hatten zuvor gefordert, sich im Internet telefonisch über Transaktionen verständigen zu können.
2006 wurde auf die wachsende Beliebtheit des Web 2.0 mit einer Zwei-Millionen-Dollar-Investition in das social networking-Portal meetup.com reagiert.
In den zwölf Jahren seines Bestehens hat sich eBay zu einer Internet-Topmarke entwickelt. Innerhalb eines Jahrzehnts hat der Konzern 90 Millionen aktive Nutzer weltweit an sich gebunden. Durch aggressive Aufkäufe der weltweiten Konkurrenz ist es gelungen, sich ein Monopol hinsichtlich Online-Auktionen zu sichern, das nur hier und da durch nationale Klein- und Nischenanbieter, wie etwa das neuseeländische TradeMe oder das südafrikanische Bidorbuy durchbrochen wird. Doch auch im allgemeinen Online-Handel hat sich eBay eine führende Stellung erobert und die Internetwirtschaft auf den Kopf gestellt. eBay ist zu einem Synonym für Online-Handel geworden.
Management
Der Ebay-Erfinder und Aufsichtsratsvorsitzende Pierre Omidyar hat sich nach dem Börsengang Schritt für Schritt aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und konzentriert sich hauptsächlich auf seine Charity-Organisation „Omidyar Network“, eine global agierende Organisation, die kleinen Unternehmen finanzielle Starthilfe gibt. Er zog mit seiner Frau von Silicon Valley nach Nevada, um von dort aus Anteile von seinem inzwischen auf 5,5 Milliarden US-Dollar schweren Vermögen an Unternehmer in aller Welt zu verteilen.
Seit März 2008 ist John Donahoe, ehemals Direktor der „Marketplace“-Abteilung, Chef von eBay. Er musste als Nachfolger von Meg Whitman, die gegenwärtig als Mitglied der republikanischen Partei versucht, 2011 Arnold Schwarzenegger als Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien abzulösen, ein schweres Erbe antreten. Donahoe ist bei eBay für seine grenzenlose Energie bekannt, die sich in 70-Stunden-Wochen und regelmäßigen Besuchen des firmeneigenen Fitnessstudios äußert. Allerdings benötigt er auch eine gewisse Fitness, denn seitdem er bei eBay ist, sank die Rate von neu registrierten Nutzern stark ab.
Donahoes Aufgabe besteht nun vor allem darin, die frustrierten Verkäufer nicht zu Konkurrenten wie Amazon abwandern zu lassen. Dafür bringt er ein gehöriges Maß an Selbstkritik mit. So räumte er in zahlreichen Interviews ein, dass eBay im Vergleich zu anderen E-Commerce-Anbietern nicht benutzerfreundlich genug sei. Insbesondere die Suchmaschine, mit der User nach Artikeln suchen, wurde von Donahoe als fehlerhaft identifiziert. Um die Mängel zur späteren Optimierung empirisch zu dokumentieren, zahlte er 200 Dollar an eine 30-jährige erfahrene Internet-Shopperin, um ihr einen Tag lang bei ihren Online-Käufen zuzuschauen. Als er sich mit einem Stift und Notizblock ausgestattet auf das Sofa ihrer Wohnung setzte, musste er mit ansehen, wie die Frau einen TV Tuner und einen iPod bei Amazon bestellte, weil ihr das eBay-Angebot zu unübersichtlich erschien.
Außerdem hat Donahoe eine Generationskluft der Online-Community ausgemacht. Mehr und mehr Internet-Benutzer wenden sich häufiger anderen Online-Händlern zu, da sie keine Lust auf eine zeit- und nervenaufreibende Onlineauktion haben. Oberste Priorität für Donahoe ist für die Zukunft ist also zu definieren, was eBay sein will: Auktions- oder Kaufhaus.
Vertraute von Ex-CEO Meg Whitman sind der Meinung, dass eBay nur als klassisches Onlineauktionhaus überleben kann, das sich klar von anderen Online-Warenhäusern abgrenzt. Alle Versuche, eBay für große Händler zu öffnen, würden die Community der Kleinhändler verprellen und damit das Herz von eBay zerstören. Anders argumentiert die neue Führung um John Donahoe. Nur das Zurückdrängen von klassischen Auktionen von Privathändlern ermögliche eine erfolgreiche Zukunft des Konzerns.
Donahoe kündigte als eine seiner ersten Amtshandlungen tief greifende Veränderungen für eBay-Verkäufer an. Zunächst wurde der Preis für die bloße Auflistung von Verkaufsobjekten gesenkt, während der Prozentsatz an Gebühren, die Verkäufer bei jeder Transaktion an eBay abtreten müssen um 33 bis 66 Prozent erhöht wurde. Von dieser Maßnahme profitieren vor allem größere Unternehmen, die Waren in hoher Quantität zu Festpreisen bei eBay anbieten. Im Zuge einer Kooperation mit Online-Warenhaus Buy.com wurden fünf Millionen Waren zum Festpreis angeboten.
Kleinere Händler, die ihre Ware versteigern, wurden von dieser Maßnahme schwer getroffen. Sie sahen aufgrund der Gebührenerhöhung ihre Existenzgrundlage bedroht und äußerten im eBay-internen Forum, auf Facebook- und Myspace-Seiten sowie Blogs ihren Unmut. Mit Unterstützung der Online Seller Cyber Union, einer Art Gewerkschaft für Onlinehändler, wurde schließlich der Zeitraum vom 18. bis zum 25. Februar 2008 zu einer weltweiten eBay-Streikwoche erklärt. An der Spitze der Streikbewegung stand die eBay-Verkäuferin Valerie Lennert, die ihren Job als Sozialarbeiterin aufgab, um bei eBay selbstgenähte Puppenkleider zu verkaufen. Sie kreierte ein vierminütiges Video, in dem sie die Gründe für den Streik darlegte und das Motto der Bewegung formulierte („No listing. No selling. No buying. No activity“). Lennert wurde daraufhin von allen großen Fernsehstationen der USA interviewt und erklärte stellvertretend für andere Verkäufer, wie hart die Gebührenerhöhungen kleine oder mittelständische Verkäufer treffen würden. Hunderttausende Verkäufer nahmen erhebliche Umsatzeinbußen in Kauf, nur um Teil des Streiks zu werden oder sahen sich nach anderen Online-Auktionshäusern zum Verkauf ihrer Ware um. John Donahoe hatte es sich schon vor seiner offiziellen Inthronisierung als neuer CEO beim Großteil der eBay-Basis gründlich verscherzt. Indem er die Streikbewegung als „nothing more than noise“ verhöhnte und die Community kleinerer Verkäufer pauschal als „Flohmarkt“ diskreditierte, goss er unnötigerweise Öl ins Feuer.
Geschäftsfelder
eBay
Die Geschäftsidee hinter eBay lautet, einen Online-Raum für den Handel mit beliebigen Waren zur Verfügung zu stellen. eBay bildet also nur die Plattform und tritt als Agent zwischen Käufer und Verkäufer auf. Die Abwicklung eines Handels inklusive Bezahlung und Versand erfolgt ohne Partizipation von eBay Inc.. Die Nutzung der eBay-Homepages ist für Verkäufer gebührenpflichtig, für den Käufer ist sie hingegen gratis. Es gibt drei Konzepte für den Verkauf von Artikeln:
1. Versteigerung an den Höchstbietenden
Ursprüngliches Verfahren, das eBay weltberühmt machte. Der Verkäufer eines Artikels legt einen Startpreis und einen Endtermin für die Versteigerung fest. Interessenten können nun einen beliebigen Betrag für diesen Artikel bieten und jederzeit von Konkurrenten überboten werden, wobei der aktuelle Stand der Gebote für alle Beteiligten einsehbar ist. Derjenige Bieter, der am Ende der abgelaufenen Zeit den höchsten Betrag geboten hat, bekommt den Zuschlag für den Artikel.
2. Verkauf zum Festpreis („Sofort Kaufen“)
Ein Verkäufer bietet einen Artikel zu einem festen Preis innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums an. Den Zuschlag erhält die erste Person, die bereit ist, den Preis zu bezahlen.
3. Dauerhafte Angebote
Verkäufer können ihre Artikel permanent auf einer speziellen, individuellen eBay-Seite zum Verkauf anbieten („eBay Shop“).
PayPal
PayPal ist das Ergebnis aus einer Fusion von Confinity Inc. und X.com. Confinity wurde Ende 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek gegründet, die zusammen die Universität von Illinois besuchten (Thiel hat einen beträchtlichen Teil seines mit PayPal generierten Vermögens inzwischen in die Social Community Facebook investiert). Die Firma X.com wurde 1999 vom Südafrikaner Elon Musk gegründet und übernahm Confinity im Jahr 2000. Ursprünglich sollte das Bezahlsystem X.com heißen. Nachdem Umfragen aber ergaben, dass der Name für die meisten User bedeutungslos war oder im schlimmsten Fall eine pornographische Konnotation besaß, entschied man sich für den Namen „PayPal“. PayPal ermöglicht es jeder Firma und jedem Individuum, mittels eigener Email-Adresse Finanztransaktionen online durchzuführen. PayPal ist das am meisten akzeptierte Zahlungssystem von Online-Warenhäusern weltweit. PayPal wurde 2002 von eBay Inc. akquiriert.
Der Kauf von Paypal und der damit verbundene Einstieg in den Finanzdienstleistungs-Sektor hat sich als Volltreffer erwiesen. Fast ein Drittel des Jahresumsatzes wird mittlerweile mit dem Bezahlservice verdient. Der Grund dafür ist unter anderem eine Kooperation mit Apple, die es den Kunden des Musikportals iTunes ermöglicht, ihre MP3-Downloads mit der Cyber-Währung von Paypal zu bezahlen. Fünf Prozent aller E-Commerce-Geschäfte werden über Paypal abgewickelt. Der Kundenstamm von 72 Millionen registrierten Nutzern ist größer als der von American Express. Im November 2008 akquirierte PayPal das konkurrierende Online-Zahlsystem Bill Me Later.
Getrübt wird die Erfolgsstory nur durch kritische Kommentare von Datenschützern. Diese bemängeln, dass Paypal die Konten seiner Nutzer sperrt, wenn ein unbegründeter Verdacht besteht, der Kunde gehe terroristischen oder betrügerischen Aktivitäten nach. Auf diese Weise wurden viele unschuldige Personen vom Zugriff auf ihr Guthaben ausgeschlossen. Glaubt man einem Bericht der Fachzeitschrift PC Professionell werden die Paypal-Kundendaten mit Listen von Terror- oder Drogenhandel-Verdächtigen der US-amerikanischen Heimatschutzbehörde abgeglichen, wobei auch bloße Namensähnlichkeiten ausreichen, um ins Visier der Fahnder zu geraten. Nach ihrer Steuernummer werden Paypal-Kunden gefragt, wenn Sie Überweisungen über hohe Geldbeträge vornehmen bzw. empfangen (in der Regel ab Beträgen von ca. 2.000 Euro) oder insgesamt hohe Zahlungen über PayPal abwickeln wollen.
Shopping.com
Website für Shopping und Preisvergleiche.
Half.com
Spezieller Marktplatz für Bücher, Tonträger und Videospiele, auf dem Verkäufer ihre Waren zu Festpreisen und gebührenfrei verkaufen können.
Rent.com
Rent.com ist die am häufigsten besuchte Anzeigenseite für die Vermietung von Wohnungen in den Vereinigten Staaten. Der Online-Auftritt bietet seine Dienste sowohl Wohnungssuchenden, als auch Vermietern an. Rent.com wurde im Februar 2005 von eBay gekauft.
Skype
Ebay hält rund 40 Prozent der Anteile des führenden Anbieter von Telefongesprächen über das Internet. Nachdem im April 2009 zunächst verkündet wurde, Skype aus dem eBay-Konzern auszugliedern und spätestens 2010 als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen, entschied sich das Management im September 2009 schließlich dazu, 65 Prozent der Anteile an Skype an eine private Investorengruppe zu veräußern. Der Verkaufspreis belief sich auf 1,9 Milliarden US-Dollar. Zu dem Konsortium, das den Großteil der von den Internetpionieren Niklas Zennström und Janus Fries gegründeten Firma übernimmt, zählen der britische Risikokapitalgeber Index Venture, die Investmentgruppe Silver Lake sowie der Netscape-Gründer Marc Andreessen, der auch im Aufsichtsrat von eBay sitzt. Die 2,75 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Skype aus dem Jahr 2005 gilt als größter Fehler der ehemaligen eBay-Chefin Meg Whitman. Ihre politischen Ambitionen (siehe Management) leiden unter dem Skype-Debakel, da ihr politische Gegner mit Hinweis auf die Entscheidung, Skype zu kaufen, Führungsschwäche und Unfähigkeit vorwerfen.
Online Classifieds
Online Classifieds ist der Überbegriff für eine Vielzahl von nationalen Kleinanzeigen-Anbietern, die eBay in den letzten Jahren akquiriert hat. Dazu gehören Kijiji, Gumtree.com, Loquo.com (Spanien), Marktplaats.nl (Niederlande) und mobile.de (Deutschland) sowie eine Minderheits-Beteiligung an craigslist.com. Um eBays Einstieg bei Craigslist im Jahr 2004 ist derweil ein Rechtsstreit entbrannt. Ebay schaltete ein Gericht ein, da das Unternehmen der Meinung ist, die Verantwortlichen von Craigslist hätten den Aktienanteil von eBay im Zuge einer Aktien-Umstrukturierung bewusst manipuliert. Ebay hätte deshalb seinen Platz im Aufsichtsrat sowie über 110 Millionen US-Dollar an Aktienwerten verloren. Die Craigslist-Besitzer Craig Newmark und James Buckmaster haben die Vorwürfe zurückgewiesen und eBay stattdessen vor einem anderen kalifornischen Gericht verklagt. Ihr Vorwurf lautet, sie hätten die die Aktienstrukturierung nur vorgenommen, da der Platz des eBay-Vertreters im Aufsichtsrat dazu missbraucht wurde, um an technische Betriebsgeheimnisse zu kommen. Diese seien dann für eBays konkurrierendes Kleinanzeigen-Unternehmen Kijiji benutzt worden, so die Anwälte von Newmark und Buckmaster. eBay nahm daraufhin eine Neupositionierung der Marke vor und machte aus dem Kleinanzeigenservive die Plattform eBayClassifieds.com, die neben neuen Sicherheitsfeatures auch einen 24-Stunden-Kundenservice bietet. So will eBay dem bislang dominierenden Dienstleister Craiglist.com Paroli bieten. Trotz bisheriger intensiver Bemühungen führt Craigslist.com noch immer den Kleinanzeigenmarkt in den USA an.
StubHub.com
Online-Ticket-Verkaufsstelle.
Microplace
Website, auf der User gewinnorientierte Investitionen in den Mikrofinanz-Sektor tätigen können.
Mobile Apps
Im März 2010 brachte eBay zwei neue iPhone-Anwendungen auf den Markt, um mehr Mobiltelefonnutzer auf seine Seite zu locken. Die App ist in mehr als 190 Ländern weltweit verfügbar und bereits in den ersten Wochen über acht Millionen Mal heruntergeladen worden. Die Konzernspitze geht davon aus, dass Handy-Nutzer bereits im laufenden Jahr Produkte im Wert von 1,5 Mrd. Dollar über eBay-Seiten handeln werden, sich das Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr als fast verdoppeln wird. Schon jetzt werde alle zwei Sekunden ein Produkt auf den eBay-Seiten über ein Handy erworben, so das Unternehmen. Auch für das iPad von Apple gibt es eine App, die zeitgleich mit dem Marktdebüt des Tablet-Computers am 3. April 2010 lanciert wurde.
Engagement in Deutschland
eBay Deutschland ging aus dem Auktionshaus alando.de hervor, das 1999 von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründet wurde und noch im selben Jahr von eBay gekauft wurde. Der deutsche eBay-Ableger ist der größte und wichtigste Marktplatz nach dem US-amerikanischen. In Deutschland verkauft eBay alle zwei Sekunden ein Fahrzeugteil, alle zwei Minuten ein Notebook und alle zehn Minuten eine E-Gitarre. Pro Monat besuchen rund 18 Millionen unterschiedliche Besucher den deutschen eBay-Internetauftritt.
Für den deutschen Markt ließ man 2004 auf einem Industriegelände in Berlin-Adlershof eigens ein neues Bürogebäude für 1000 Mitarbeiter inklusive Volleyballplatz und Biotop bauen. In Brandenburg befindet sich außerdem ein Call-Center für den europaweiten Kunden-Support.
Im Herbst 2008 gab es einen Führungswechsel bei eBay Deutschland. Stefan Groß-Selbeck, der zur Netzwerk-Seite Xing wechselte, wurde durch Frerk-Malte Feller ersetzt. Feller war zuvor Leiter der deutschen PayPal-Sparte. Die weltweit schwache Wachstumbilanz des Konzerns zollte auch in Deutschland ihren Tribut: Neben dem Chef wurden außerdem 100 der rund 1000 deutschen Mitarbeiter vor die Tür gesetzt.
Insbesondere für den deutschen Auktionsmarkt zentral ist der Handel mit Gebrauchtwagen. Im Jahr 2004 übernahm der Konzern mobile.de, einen der führenden Online-Anzeigenmärkte für Fahrzeuge in Deutschland. Damit stieg eBay in den Wettbewerb um das deutsche Geschäft mit Gebrauchtwagenanzeigen ein, der traditionell eher von Zeitungen dominiert wurde. Gegenwärtig wechseln bei eBay Motors 44.000 Autos im Monat den Besitzer. Künftig, so das Ziel, sollen 90 Prozent aller deutschen Gebrauchtwageninteressenten im Internet auf eBay-Seiten landen.
Aktuelle Entwicklungen
Im Frühjahr 2010 kündigte ebay die Streichung von 400 Stellen in Deutschland ab. Die Unternehmensführung und der Betriebsrat des weltweit führenden Internetauktionshauses einigten sich auf einen Sozialplan für die Mitarbeiter am bedrohten Standort Dreilinden bei Berlin. Die Betroffenen sollten jeweils eine Entschädigung erhalten, das Gesamtvolumen beläuft sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag und wurde vom Betriebsrat als Kompromiss betrachtet. eBay Deutschland registriert rund 14,5 Millionen aktive Mitglieder, die seit der Gründung des deutschen Marktplatzes 1999 Waren im Gesamtwert von 42 Mrd. Euro gehandelt haben.
Aber auch auf dem internationalen Parkett kommt der Online-Dienstleister ins Taumeln: Als am 21. November 2009 eBays Website aufgrund eines Programmierfehlers zusammenbrach und einen ganzen Tag lang ausfiel, war das sinnbildlich für den Zustand, in dem sich der Konzern befindet. Seit geraumer Zeit verliert das Unternehmen, einst Synonym für den Online-Handel, an Marktanteilen. Immer weniger Benutzer haben Lust, ihre Produkte bei eBay zu kaufen, bzw. verkaufen. Zwar kehrte das Unternehmen im vierten Quartal 2009 auf den Wachstumspfad zurück und das Handelsvolumen zog um 24 Prozent an, allerdings verlor ebay weitere Marktanteile an den Konkurrenten Amazon.
In einen Interview mit der FAZ erklärte der Vorstandsvorsitzende John Donahoe, ebay strebe eine Änderung des Geschäftsmodells an. Die Hälfte der Strecke vom Auktionshaus zum Online-Marktplatz sei schon geschafft und da es sich bei Auktionen nicht um ein tragfähiges Geschäftsmodell handele, ziele man auf einen größeren Anteil von Fixpreis-Angeboten ab. Der Fokus liege dabei aber auf dem sogenannten "Sekundärmarkt". Während man bei anderen Online-Händlern meist nur neue Ware vorfände, wolle sich Ebay als Plattform für ältere aber neuwertige Produkte etablieren.
Amazon hatte sich zuvor zum hartnäckigsten Wiedersacher von eBay entwickelt, seit dort auch gebrauchte Produkte vertrieben werden und ein eBay-ähnliches Bewertungssystem installiert wurde. Eine Hauptaufgabe des eBay-Managements wird in den nächsten Jahren darin bestehen, die „Sofort Kaufen“-Sektion auszubauen, da das Auktionsformat nicht für alle Waren und Händler optimal ist. Das Format der Auktion scheint im E-Commerce allmählich obsolet zu werden. Die meisten Kunden wollen sich nicht in langwierigen Auktionen gegen Mitbieter durchsetzen, sondern die Waren mit einem Click sofort kaufen. Zwar hat eBay sein Angebot zu fixen Preisen ausgebaut, kann dabei aber nicht ansatzweise mit der Kundenbindung konkurrieren, die Amazon in den letzten zehn Jahren aufgebaut hat. 2010 schrumpfte die Zahl der aktiven Nutzer um ein Prozent auf, woraus sich schließen lässt, dass die jüngsten Änderungen auf dem Online-Marktplatz im Hinblick auf die Produktsuche und die Sicherheit beim Hnadeln die Abwanderung der Nutzer nicht verhindern konnten.
Selbst Anbieter handgefertigter, selbst produzierter Güter wanderten in Scharen zum (noch zahlenmäßig unbedeutenden) Konkurrenten Etsy ab. Zudem bekommt das Unternehmen zunehmend durch sogenannte "Re-Commerce"-Anbieter Konkurrenz (Gazelle, Glyde, Kashless). Diese erlauben es Usern, gebrauchte Elektronikware, DVDs, Bücher und Videospiele zu kaufen, bzw. unkompliziert und ohne Grundgebühr zu verkaufen. Ein Großteil solcher Seiten weist eine erheblich größere Benutzerfreundlichkeit auf als eBay, deren Homepage zunehmend als unübersichtlich wahrgenommen wird.
Außerdem hat eBay Probleme, sich im asiatischen Markt durchzusetzen. Vor geraumer Zeit musste das japanische eBay-Portal aufgrund von Erfolglosigkeit geschlossen werden. Die Akquisition von EachNet in China hat sich, das musste sich das eBay-Management Ende 2006 schmerzlich eingestehen, als Flop erwiesen. Um die Marktanteile nicht komplett an die Alibaba Group und deren Auktionshaus Taobao abzutreten, entschloss man sich für ein Joint Venture mit dem chinesischen Webportal Tom Online, das vom Hongkonger Milliardär Li Ka-shing geleitet wird. China ist mit seinen mehr als 120 Millionen Internet-Usern und 400 Millionen Handy-Besitzern als Markt zu wichtig, um nicht ein gewisses Risiko einzugehen. Speziell in China und Indien nimmt der Zahlungsverkehr mittels Kreditkarten stetig zu. Deshalb könnte eBay, das auf elektronischen Zahlungssystemen basiert, von dieser Entwicklung profitieren.
Ebays Zahlungssystem PayPal wird schon in nicht allzuferner Zeit mehr Umsatz generieren, als die kriselnde Auktionsplattform und gewann allein im zweiten Quartal 2010 eine Million neuer Kunden dazu. Doch auch in diesem Bereich droht Ungemach aus China. Paypal mit seinen gegenwärtig rund 75 Millionen Kunden wird spätestens 2012 seine Vormachtstellung als führende E-Payment-Anbieter an Alipay, das Zahlungssystem der Alibaba Group, verlieren, das jetzt schon über ein Kundenstamm von 180 Millionen Nutzern verfügt. Ein erster Schritt ist Kooperation mit dem Online-Bezahldienst China UnionPay. Die Aktivitäten des Unternehmens beschränkten sich auf das Reich der Mitte, eine Bezahlung in anderen Ländern war über den Dienst nicht möglich. Künftig will PayPal den Kunden von China UnionPay die Einrichtung von Accounts ermöglich, sodass sie auch außerhalb der Grenzen Chinas die entsprechenden Dienste nutzen können. Ein weiterer Coup für den Onlinezahlungsdienst, dessen Erlöse jüngt um 28 Prozent auf 796 Mio. Dollar geklettert waren und das bis Ende 2011 ein Volumen von vier bis fünf Mrd. Dollar anstrebt. Allerdings droht heftiger Gegenwind von Google: dessen jüngst eröffnetes eigenes Online-Zahlungssystem Google Checkout sogt für verschärften Wettberwerb.
News
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