4. Amazon.com Inc.
Umsatz 2008: $ 19,611 Mrd. (€ 13,334 Mrd.)
Überblick
Amazon entwickelte sich von einem Online-Buchhändler zu einem der größten Online-Versandhändler mit einer Produktpalette, die von Büchern, Musik, DVDs und Videos über Elektrogeräte, Küchen und Gartenutensilien bis zu Spielwaren reicht. Der US-Konzern Amazon setzte 2008 fast 20 Milliarden Dollar in 40 Produktkategorien um. Mehr als 600 Millionen Menschen besuchten 2008 allein den amerikanischen Internetauftritt. Jeffrey P. Bezos, Online-Visionär der ersten Stunde, Amazon-Gründer und -Präsident, setzt auf Expansion. Neben dem klassischen Online-Handel ist er in diversen Geschäftsfeldern tätig. Seit 2007 stellt Amazon mit dem Kindle einen eigenen E-Reader her.
Basisdaten
Hauptsitz:
Amazon.com Inc.
1200 12th Avenue South, Suite 1200
Seattle, WA 98144
Telefon: 001-206-266-1000
Telefax: 001- 206-622-2405
Internet: www.amazon.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1994, seit 1997 börsennotiert
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
Umsatz (in Mio. $) | 24,509 | 19,166 | 14,835 | 10,711 | 8,490 | 6,921 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $)* | 902 | 645 | 476 | 190 | 359 | 588 |
Aktienkurs (Jahresende) | 134.52 | 51.28 | 92.67 | 39,46 | 47,15 | 44,29 |
Beschäftigte | 24,300 | 20,700 | 17.000 | 13.900 | 12.000 | 9.000 |
*net income
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
Nordamerika | 12,828 | 10,228 | 8,095 | 5,869 | 4,711 | 3,847 |
International | 11,681 | 8,938 | 6,740 | 4,842 | 3,779 | 3,074 |
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | |
Medien | 11,084 | 9,242 | 7,076 | 5,931 | 5,102 |
Elektronik | 7,540 | 5,210 | 3,361 | 2,329 | 1,687 |
Sonstiges | 524 | 383 | 283 | 230 | 132 |
Geschäftsführung
Management:
- Jeffrey P. Bezos, President & CEO & Chairman of the Board
- Jeffrey Blackburn, Senior Vice President, Business Development
- Sebastian J. Gunningham, Senior Vice President, Merchant Services
- Andrew R. Jassy, Senior Vice President, Web Services
- Steven Kessel, Senior Vice President, Worldwide Digital Media
- Marc Onetto, Senior Vice President, Worldwide Operations
- Shelley L. Reynolds, Senior Vice President, Worldwide Controller & Principal Accounting Officer
- Diego Piacentini, Senior Vice President, International Retail
- Thomas J. Szkutak, Senior Vice President and Chief Financial Officer
- H. Brian Valentine, Senior Vice President, Ecommerce Platform
- Jeffrey A. Wilke, Senior Vice President, North America Retail
- L. Michelle Wilson, Senior Vice President, General Counsel & Secretary
Vorstand:
- Jeffrey P. Bezos, President & CEO & Chairman of the Board
- Tom A. Alberg, Managing Director, Madrona Venture Group
- John Seely Brown, Senior Fellow at the Annenberg Center for Communication at the University of Southern California
- L. John Doerr, General Partner, Kleiner Perkins Caufield & Byers
- William B. Gordon, Kleiner Perkins Caufield & Byers
- Alain Monié, Ingram Micro Inc.
- Thomas O. Ryder, Reader’s Digest Association Inc.
- Patricia Q. Stonesifer, Smithonian Institution
Geschichte und Profil
Der Amazonas, wasserreichster Fluss der Welt und Mündungsdelta für mehr als 10.000 Flüsse, ist Namensgeber und passende Metapher für ein Unternehmen, das heute verschiedenste Waren verkauft. Sucht man im Internet nach Büchern, Technik, Spielen oder Freizeitkleidung gelangt man unweigerlich zu einem der größten Online-Versandhändler der Welt. Jeffrey P. Bezos gründete das Unternehmen 1994 im US-Bundesstaat Washington unter dem Namen Cadabra.com. 1995 ging Amazon.com online. In Kooperation mit dem amerikanischen Buchhändler Barnes & Noble entstand der Online-Büchershop in Nordamerika. Die Zusammenarbeit besteht nicht mehr, heute sind die beiden Unternehmen Konkurrenten. Seit 1997 wird Amazon an der amerikanischen Technologie-Börse NASDAQ unter der Abkürzung AMZN gehandelt. Als eines der wenigen New-Economy-Unternehmen überlebte Amazon die Internet-Krise. Stetiges und langsames Wachstum waren von Beginn an Jeff Bezos Geschäftsdevise. Im Gegensatz zur Mehrheit der damals überschätzen New-Economy-Unternehmen versprach Amazon anfänglich keine hohen Gewinne und schwor seine Anleger auf ein langsames Wachstum ein. Bezos glaubte an den langfristigen Erfolg seines Online-Versandhandels. Und er sollte recht behalten. Seit dem vierten Quartal 2002 schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen und ist heute eines der weltweit größten Online-Versandhandelsunternehmen. Die Strategie war von Beginn an auf Expansion gerichtet. Was mit der gutenbergschen Online-Galaxie begann, ist heute ein riesiges Warenhaus á la Wal-Mart.
Mit einem Umsatz von mehr als 10 Milliarden US-Dollar stieg Amazon 2006 unter die Fortune-500-Unternehmen auf. In dieser jährlich vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune publizierten Liste der umsatzstärksten Aktiengesellschaften Amerikas, lag Amazon vor allen anderen Online-Handels- und Internetunternehmen wie Google, Yahoo und Ebay auf Platz 272.
Amazon hat den klassischen Versandhandel durch sein Online-Geschäftskonzept revolutioniert und effizienter gestaltet. Dank der One-Click-Technologie (1©Click), der „Bestellung mit nur einem Klick“, wird Kunden bei einer Onlinebestellung zeitaufwendige Dateneingabe erspart und das Einkaufen erleichtert. Die auf Cookie-Technologie basierende Software ist in den USA patentiert und dient dem Unternehmen als Aushängeschild seiner technologischen Innovativität. In den USA verklagte Amazon erfolgreich andere Unternehmen, die die One-Click-Technologie auf ihren Websites nutzten. In Deutschland und der Europäischen Union ist eine solche Patentierung nicht möglich. Neben neuen Technologien verfügt ein Online-Händler gegenüber einem traditionellen Einzelhändler über eine Reihe von Vorteilen. Die virtuelle Verkaufsfläche ist dabei wohl der gravierendste Vorzug. Die Erweiterung des Speicherplatzes und Servervolumens ist ohne weiteres möglich und günstiger, als ein neues Warenhaus zu bauen, auch wenn ein Online-Händler mit seinem Produktangebot ebenfalls an Kapazitätsgrenzen stößt. Jeff Bezos wurde schnell klar: wenn er seinen Kunden die größtmögliche Produktvielfalt bieten will, braucht er Partner. Tausende Partner und Millionen von Kleinhändlern sind nötig, um ein enormes Angebot zu schaffen.
Das Kerngeschäft des Unternehmens bildet der Handel über Online-Websites in den USA (amazon.com), Kanada (www.amazon.ca), Großbritannien (www.amazon.co.uk), Deutschland und Österreich (www.amazon.de), Frankreich (www.amazon.fr), Japan (www.amazon.co.jp) und China (www.joyo.com). Über die zwei Websites "www.shobbop.com" und www.endless.com" verkauft Amazon sehr erfolgreich Schuhe, Taschen und Accessoires. Neben dem Verkauf „klassischer“ Waren über Online-Shops orientiert sich Amazon an dem sich ständig ändernden Bedarf der Netzwelt. Zum Unternehmen gehören diverse Tochterfirmen, die Beratung und Dienstleistungen für Onlinehändler und Website-Betreiber anbieten und im Bereich der Internet-Technologie forschen. Amazon bietet anderen Unternehmen die eigenen Erfahrungen und die Technologie der Amazon-Shops. So betreibt und organisiert Amazon der Online-Verkauf unter anderem für Unternehmen wie Marks & Spencers, der größten britischen Bekleidungskette, Timex Corporation, einem amerikanischen Uhrenhersteller und anderen Handelsketten. Für AOL betreibt Amazon den Shop(at)AOL-Service.
Amazon hat in der Vergangenheit fortwährend neue Ideen für Online-Verkauf und Service hervorgebracht. Seit September 2002 können Amazon-Kunden mit einer Amazon Visa Card online bezahlen. Online-Einkäufe können nicht nur schneller abgewickelt werden, die Kaufsumme wird direkt verbucht, noch bevor Amazon seine Lieferanten bezahlt. Eine Liquiditätsquelle sondergleichen.
2004 stieg Amazon in den Wachstumsmarkt China ein und erwarb Amazon das chinesische Unternehmen Joyo.com Limited, Betreiber der www.joyo.com Website und weltweit größter Online-Shop für chinesische Bücher und benannte es in Amazon China um.
Management
Jeffrey Preston Bezos alias Jeff Bezos, Gründer und Präsident des Unternehmens wurde 1964 in Albuquerque, New Mexico geboren. Zunächst in Houston, Texas, später in Miami, Florida, lebte er mit seinem kubanischen Stiefvater, seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern zusammen. Die Sommer verbrachte die Familie Bezos auf der Familienranch in Texas. Sein Großvater, ein pensionierter Manager der amerikanischen Atom-Energie-Behörde (Atomic Energy Commission) entfachte seine Neugier und Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Es wird erzählt, der kleine Jeffrey habe sich einen elektronischen Alarm gebastelt, um seine jüngeren Geschwister aus seinem Zimmer fern zu halten. Die Garage seiner Eltern habe er in ein Labor für seine Projekte umgebaut. Wie alle New-Economy-Könige hat also auch Bezos seine Garagen-Geschichte.
Mit dem Ziel, Physik zu studieren, schrieb Bezos sich an der Princeton Universität ein, wechselte jedoch zu Informatik und Elektrotechnik und schloss sein Bachelor-Studium im Jahr 1986 ab. Nach dem Studium arbeitete er zunächst an der Wallstreet als Computerexperte. 1994 wagte er sich dann mit der Gründung seines Online-Unternehmens in die Selbständigkeit. Seit 1993 ist er mit der Romanautorin Mackenzie Bezos verheiratet, beide haben drei gemeinsame Söhne und eine Adoptivtochter.
Laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes zählt Bezos zum Kreis der weltweit reichsten Menschen. Seit 1999 ist er jährlich in der Forbes-Liste der reichsten Menschen vertreten und hält sich momentan auf Platz 70. Im Jahr 1999 kürte ihn das Time Magazin für seinen großen Einfluss als „New-Era Entrepreneur“ und „King of Cybercommerce“ zur Persönlichkeit des Jahres. Dass Jeff Bezos Visionen hat, zeigt auch sein Engagement in ganz anderen Sphären. 2004 gründete er Blue Origin, ein Unternehmen, das langfristig kostengünstig Weltraumflüge anbieten will. Die Labore und das Testgebiet liegen in West-Texas, in der Nähe der Farm seines Großvaters.
Amazon hat seinen Firmenhauptsitz in Seattle, USA. Rund 14.000 Menschen sind bei Amazon beschäftigt. Nach eigenen Angaben wird mehr als die Hälfte der Umsätze in Nordamerika erwirtschaftet (55 %). Weltweit nutzt Amazon 20 Logistikzentren in Nordamerika, Europa und Asien. Davon sind neun Lagerstandorte in den Vereinigten Staaten ansässig, der Rest verteilt sich in Europa und Asien.
Nach der Internetkrise 2000 begann eine Umstrukturierung des Unternehmens. Riesige Datenzentren und zentralistische Hierarchien wurden modernisiert, um schneller und flexibler auf neue Trends der Netzwelt reagieren zu können. Im Ergebnis arbeiten heute kleine und schnelle Arbeitsgruppen von fünf bis acht Ingenieuren an neuen Ideen und können diese schnell auf die Amazon-Internetseiten implementieren. Bezos nennt diese Gruppen „Two-pizza-teams“, denn zwei große Pizza-Stücke reichen aus, um seine kreativen Köpfe zu versorgen.
Haupteinnahmequellen des Konzerns sind die Angebotsgebühren und Verkaufsprovisionen, die Amazon von Händlern, Herstellern und anderen Anbietern verlangt. Amazons Geschäftstrategie war von Beginn an auf ein langfristiges Ziel ausgerichtet. In der Zeit der Internet-Hysterie hat Amazon seinen Anlegern keine gigantischen Dividenden in Aussicht gestellt, sondern nach außen kommuniziert, erst nach einigen Jahren Erfolge vorweisen zu können. Die Amazon-Aktien waren deshalb nicht stark überbewertet. Vielleicht überstand das Unternehmen so die Krise der New Economy. Noch heute lautet die Geschäftspolitik, keine Dividenden an die Aktionäre auszuschütten. Stattdessen investiert das Unternehmen seine Gewinne in neue Technologien und in die Verbesserung seiner Systeme. Neue Technologien sind für einen Konzern wie Amazon überlebenswichtig. Was mit der 1Click-Technologie begann, soll in Zeiten von Web 2.0 nicht aufhören. Strategisch legt das Unternehmen einen Schwerpunkt auf die permanente Entwicklung von innovativer Software und kommerzieller Technologie. Amazon investiert in die Entwicklung von Verkäufer-Plattformen, Web-Services und digitalen Projekte. Als Konkurrenten bezeichnet Amazon in seinen Geschäftsberichten physische Händler, Verlage und Distributoren sowie E-Commerce-Unternehmen. Amazon sieht in Web-Portalen, Auktionshäusern und Internet-Suchmaschinen indirekte Wettbewerber.
Geschäftsbereiche
Mit Fußball- und Schlittschuhen, Lego und Monopoly, Kaffeemaschinen, Töpfen und Staubsaugern, Steuer- und Antivirensoftware, iPods oder Druckern, wird Amazon der selbst verordneten Firmenphilosophie „das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein, bei dem Kunden alles finden, was sie online kaufen wollen“ gerecht. Bezos Vision von einem riesigen Marktplatz ist Wirklichkeit geworden, vor allem, weil Amazon den Beschränkungen klassischer Handelsunternehmen im geringeren Maße als diese unterliegt. Amazon verkauft seine Waren ausschließlich online. Die Kosten einer virtuellen Verkaufsfläche sind um ein vielfaches geringer als für für eine physische. Amazons Geschäftsmodell beruht auf der Vermischung verschiedener Händlerkonzepte. Ein Teil der Umsätze erzielt Amazon durch den “klassischen“ Verkauf von Büchern und anderer Waren ihrer Lieferanten. Bei diesem traditionellen Händlerkonzept lagert Amazon die Waren der Lieferanten in seine Logistikzentren ein, präsentiert sie auf seinen Web-Sites, übernimmt Versand und Zahlungsabwicklung und erhebt dafür eine Marge (Amazon Advantage, s. u.). Im Unterschied zu traditionellen Großhandelsunternehmen verkauft Amazon seine Waren ausschließlich in Kommission. Das bietet Amazon den großen Vorteil, keine finanziellen Vorleistungen für sein Warenangebot leisten zu müssen. Zahlungsweisen per Kreditkarte oder Bankeinzug verschaffen Amazon sofortige Einnahmen, noch ehe die Lieferanten bezahlt werden müssen. Denn die gelisteten Verlage, Hersteller und Produzenten stellen Amazon an jedem Monatsende ihre verkauften Artikel in Rechnung. Das ist ein ungeheurer Vorteil für eine Ausweitung des Produktangebotes. Doch sind die Kapazitäten der Lagerstandorte begrenzt. Zur Verwirklichung Bezos Vision mussten andere Arten der Lieferanten-Partnerschaften entstehen. In Form von Auktionen (s. u.), dem Amazon Marktplatz (s. u.) und den so genannten zShops (s. u.) kann Amazon auf seinen Internetseiten das Angebot kommerzieller oder privater Händler anbieten, dabei lediglich als Vermittler auftreten und dafür Gebühren kassieren. Ohne Waren einlagern und versenden zu müssen, ermöglicht diese Art der Kooperation die Präsentation eines riesigen Warenangebotes. Jeff Bezos hat frühzeitig das Potenzial des Online-Versandhandels und seiner charakteristischen positiven Skaleneffekte erkannt. Nach 13 Jahren ist Amazon ein etabliertes E-commerce-Unternehmen und hat Kostenvorteile, die ihm einen bedeutenden Vorsprung gegenüber neuen Wettbewerbern verschaffen. Die Diversifikationsstrategie scheint aufzugehen.
Kindle
Das ambitionierteste Projekt von Amazon ist das „Kindle“, mit dem Jeff Bezos die letzte analoge Bastion der Medienwelt stürmen will: Bücher. Die Apparatur hat den Anspruch, das zum Jahrtausendwechsel bereits tot geglaubte Konzept des E-Books zu revitalisieren. Bezos, selbst mit einer Autorin liiert, hat großem Respekt vor dem traditionellen Buch, schließlich hat ihn der Online-Handel mit Romanen und Sachbüchern zum Milliardär gemacht. „Kindle“ („to kindle“ bedeutet anzünden und meint das Entfachen des durch Lesen gewonnenen Wissens) will zum einen das altbekannte Gefühl, das sich beim Lesen eines Buches einstellt, erhalten, zum anderen durch technischen Fortschritt den Lesegenuss erhöhen. Das 400 US-Dollar teuere Gerät wiegt nur etwas mehr als ein Kilo, hat die Ausmaße eines Taschenbuchs und ein Format, das die traditionelle Buchbindung imitiert. Im Gegensatz zu einem Laptop erwärmt sich das „Kindle“ nicht und gibt keinerlei Töne von sich. Dazu arbeitet es mit der E-Ink-Technologie, die das „elektronische Papier“ wie Buchseiten aussehen lässt. Die Anfang 2009 vorgestellte zweite Generation des Kindle (DX) hat ein größeres Display, ist dünner und bietet mehr Speicherplatz und eine längere Batterielaufzeit. Neu ist auch die Funktion, mit der sich die Nutzer die Inhalte auf dem Gerät vorlesen lassen können. Im Januar 2010 wurde zudem eine internationale Version des Kindle DX, mit dem Leser aus 100 Ländern Bücher downloaden können.
Das „Kindle“ verfügt über Funktionen, die ein gedrucktes Buch nicht erfüllt. So lässt sich beispielsweise die Schriftgröße vergrößern, was für ältere Semester nützlich sein kann. Ein weiterer Vorteil ist die Kapazität: bis zu zweihundert Bücher können vom Gerät gespeichert werden. Jedes E-Book lässt sich zudem, ähnlich wie eine PDF-Datei, auf Stichwörter und Namen durchsuchen. Der größte Vorteil des „Kindle“ im Vergleich zu herkömmlichen Büchern ist die Fähigkeit (wireless) eine Verbindung zum Internet herzustellen. Die entsprechende Technologie nennt sich „Whispernet“ und ermöglicht die Suche, den Online-Kauf und das Lesen von Rezensionen beliebiger Bücher. Tatsächlich bedarf es nur eines Klicks, und schon befindet sich ein Buch in der Bibliothek eines „Kindle“-Gerätes. Im Juli 2009 gab es bereits 300,000 Titel zum Herunterladen. Der Grund für das noch übersichtliche Angebot ist, dass die älteren Titel von den Verlagen noch nicht digitalisiert wurden. Dennoch steigen die Verkaufszahlen für elektronische Bücher bei Amazon stetig. Gegen Ende 2009 kamen auf jede 100 verkauften physischen Exemplare eines Buches 48 virtuelle Kindle-Ausgaben (sofern beide Versionen erhältlich waren). Steve Haber, Chef der Digital Reading Division von Konkurrent Sony schätzt, dass bereits im Jahr 2015 mehr virtuelle als gebundene Bücher verkauft werden. Der Preis für ein virtuelles Buch bei Amazon liegt heute bei durchschnittlich zehn US-Dollar, zusätzlich können sich Besitzer eines „Kindle“ das erste Kapitel jedes Buches gratis downloaden.
Im Amazon Store können Kunden außerdem Abonnements für Zeitungen und Zeitschriften bestellen. Jede Ausgabe der Zeitungen (New York Times, Wall Street Journal, Washington Post, Le Monde) landet dann automatisch täglich auf dem Gerät des Abonnenten.
Allerdings muss es sich gegen Konkurrenzprodukte wie das Rocket eBook, Sonys „Reader“ und seit neuestem auch gegen das im Auftrag der Buchladen-Kette Barnes & Noble in Auftrag gegebenen "Nook" durchsetzen. Bei dem für das Frühjahr 2010 angekündigten Tablet-PC von Apple, der unter anderem auch als E-Reader genutzt werden kann, handelt es sich um den potenziell stärksten Konkurrenten.
Amazon verfügt über eine Vielzahl weiterer Geschäftsfelder, die die Amazon-Hauptwebsite nicht erahnen läßt. Strategisches Ziel aller Amazon-Bemühungen ist es dabei, potentielle Online-Käufer auf die Amazon-Sites zulocken. Die Amazon-Websites sollen die erste Anlaufstelle für Online-Shopping-Touren sein. Für Jeff Bezos sind dafür in erster Linie ein vielfältiges Angebot und ein perfekter Kundenservice nötig. Daneben tragen Amazons Marken-Bekanntheit und eine weltweite Verlinkung aller Amazon-Websites dazu bei, die größte Konsumplattform zu werden. So nutzt Amazon die Logik des WWW mit seinem Amazon Partnerprogramm (s.u.), durch das andere Website-Betreiber für Verlinkungen entlohnt werden.
In Sachen Kundenservice ist Amazon ebenso kreativ wie im Bereich der Computer-Technologie. Mit Serviceangeboten wie Lieblingbücherlisten, Wunschzetteln oder Online-Hochzeitslisten versucht Amazon Kunden an sich zu binden. Mit Hilfe von Charts, Top-Seller-Ranglisten oder Rezensionen andere Käufer nutzt Amazon die Rückkanalfähigkeit der Netzwelt effizient aus. Der User übernimmt selbst die Ratgeberfunktionen eines Verkäufers in Form von persönlichen Empfehlungen via Email, individuellen Kundenrezensionen und Bewertungen gekaufter Produkte mit Hilfe einer Sternchen-Skalierung. Als User vertraut man dem Geschmack anderer User. So wird bei Amazon das Online-Einkaufserlebnis zum kommunikativen Gemeinschaftsereignis.
Eigentlich besteht Amazon aus drei Firmen. Eine richtet sich an Endkunden, eine an Händler und Verkäufer und eine an Entwickler. Dabei ist die Organisationsstruktur wenig transparent, nur grob lässt sich eine Einteilung vornehmen. Alle Händler, Verkäufer und Endkunden betreffenden Aktivitäten werden vom Mutterkonzern Amazon durchgeführt. Der Web-Service-Bereich ist in einer eigenen Tochterunternehmung organisiert, dessen Team sich einzig und allein um externe Kunde aus dem Entwicklerbereich kümmert. Eine Reihe weiterer Tochterunternehmen richtet ihr Angebot an verschiedene Zielgruppen.
Amazon Advantage nennt sich das Händlerprogramm von Amazon. Verlage, Händler oder Herstellerbewerben sich mittels Online-Formular um eine Aufnahme in den Katalog. Voraussetzung dafür ist die EAN- und ISBN-Codierung der Artikel und der Besitz der Vertriebsrechte. Wird man als Partner akzeptiert, nimmt Amazon von dem Artikel mindestens ein Exemplar in sein Logistikzentrum auf und fordert bei entsprechenden Kundenbestellungen weitere Exemplare an. Im Unterschied zu traditionellen Handelsunternehmen wie Wal-Mart oder der Metrogruppe, die einen Großteil ihrer Waren bei Lieferanten einkaufen, beruht das Amazon-Konzept ausschließlich auf Kommission. Die gelagerten Artikel bleiben bis zur Kundenbestellung Eigentum der Lieferanten. Die Lieferanten können täglich über ein Online-Portal Verkaufs- und Inventarberichte einsehen. Monatlich stellen sie Amazon alle über Amazon verkauften Artikel in Rechnung. Im Allgemeinen stellen Lagerung und Logistik von Waren erhebliche Kostenfaktoren bei Großhandelsunternehmen dar. Amazon reduziert diese Kosten, indem der aktuelle Kundenbedarf anhand von Page Impressions berechnet wird und mit Hilfe einer Dispositionssoftware bei den Lieferanten bestellt wird. Für diesen Service zahlen Lieferanten jährlich eine Gebühr in Höhe von 49,90 Euro und tragen die Kosten der Lieferung. Für Lagerhaltung, Vermarktung und Benutzung der Plattform erhebt Amazon 5 Prozent vom Netto-Verkaufspreis (Verkaufspreis abzügl. MwSt). Weiterhin behält Amazon je nach Genre (Bücher, Fachbücher, Musik, DVD) 40 bis 50 Prozent vom Netto-Verkaufspreis ein. Ein Beispiel: ein Verlag erhält für ein Buch zu einem Verkaufspreis von 19,95 (abzügl. 7% MwSt Netto-VK: 18,64) insgesamt 8,39 Euro, Amazon hingegen 10,25 Euro. Im Vergleich zu Durchschnittswerten des deutschen Buchhandels mit Handelsspannen zwischen 29,4 und 35,4 Prozent (Quelle: Börsenverein des deutschen Buchhandels), ist der Verkauf über Amazon die kostspieligere Vertriebsmöglichkeit. Allerdings erreicht Amazons Online-Plattform auch eine Vielzahl an potenziellen Kunden. In Deutschland liegen die Page Impressions im Durchschnitt bei 2,6 Millionen. Daneben bietet Amazon Verlagen, Händlern und Musikunternehmen eine Reihe von kostenpflichtigen Serviceleistungen, die darauf ausgerichtet sind, höheren Traffic auf den jeweiligen Artikelseiten zu erzeugen. Eine diese verkaufsfördernde Maßnahme ist beispielsweise das so genannte „Paid Placement“, bei dem inhaltsverwandte Artikel als vergünstigte Kombiangebote angepriesen werden.
Unter der Rubrik Amazon Marktplatz können private und professionelle Amazon-User neue oder gebrauchte Artikel verkaufen und kaufen. Ein Link zu diesen Angeboten erscheint direkt unter der Artikelbezeichnung der entsprechenden Neuware. Das System dieses virtuellen Marktplatzes beruht auf Vermittlung zwischen Käufer und Verkäufer. Kommt ein Geschäft zustande, wird die Ware innerhalb von zwei Wochen direkt vom Verkäufer versandt, d. h. Amazon hat mit Lagerung und Versand nichts zu tun. Die Abteilung „Amazon Payments“ zieht den Kaufpreis und Versandkosten vom Käufer ein und überweist anschließend die Summe an den Verkäufer. Für diesen Service verlangt Amazon vom Verkaufspreis eine Verkaufsgebühr von 1,14 Euro und eine 15-prozentige Provision. Die Kunden können nach ihrem Kauf Bewertungen abgeben. Amazon bedient sich somit seinens erprobten Instruments der Vertrauensbildung zwischen Online-Verkäufer und Käufer. Insgesamt ist dieser Marktplatz eine weitere Möglichkeit, die Produktpalette zu erweitern.
Über das Portal zShops tritt Amazon ebenfalls als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auf. Sucht ein Kunde über diese Plattform ein Produkt, stellt Amazon den direkten Kontakt zum Verkäufer her. Bei erfolgreichem Geschäft sendet der Verkäufer die Ware direkt an den Kunden. Für die Nutzung dieser Verkaufs-Plattform müssen Anbieter so genannte „Power Anbieter“ sein, d. h. sie zahlen eine monatliche Gebühr von 44,85 Euro und können bis zu 200.000 Artikel anbieten.
Im März 1999 startete Amazon den Verkauf via Auktionen. Die Amazon Auktionen sind im Unterschied zu Ebay-Auktionen (Vickery Auktion oder Zweitpreisauktionen) so genannte Höchstpreisauktionen (First-Price-Sealed-Bid), bei dem der Höchstbietende gewinnt und den Betrag des Höchstgebotes zahlt. Für die Bereitstellung dieser Art betragen die Listungsgebühren 0,12 Euro, und die anfallenden Verkaufsgebühren liegen zwischen 1,25 und 5 Prozent. Damit sind die Angebotsgebühren bei Amazon um 0,13 Cent günstiger als bei Ebay.
Die Einnahmen aus Werbung machen nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus, was Amazon von anderen Onlinekonzernen deutlich unterscheidet. Das Amazon Advertising-Programm besteht unter anderem aus so genannten „Clickriver Ads“, textlichen Online-Anzeigen, die oberhalb der Amazon-Angebote erscheinen und pro Klick bezahlt werden. Weitere Werbemöglichkeit stellen Banner dar, die auf den Ergebnisseiten erscheinen und thematisch den dort präsentierten Artikeln zugeordnet werden können. Unter „Offline Advertising“ bietet Amazon in den USA Formen von Sampling-Aktionen für Werbekunden an. Für ausgewählte Kundengruppen werden der Amazon-Bestellung Beilagen wie Postkarten, Kataloge, kleine Produktproben hinzugefügt.
Der gläserne Kunde ist bei Amazon bereits Wirklichkeit. Hat man einmal vom heimischen Computer aus bei Amazon bestellt, gelangt ein Cookie darauf, der Amazon in Zukunft verlässlich mit Informationen über das eigene Surfverhalten füttert. So bietet Amazon beim nächsten Besuch vom heimischen Rechner aus themenverwandte Produkte an. Das kann bei der Fülle von Angeboten eine Orientierungshilfe sein. Das Amazon i-age shopping soll Kunden noch mehr individuelle Angebote unterbreiten und zu zusätzlichen Käufen reizen. Betrachtet ein Benutzer einen Artikel online, werden Angebote gezeigt, die Käufer dieser Produkte noch kauften („Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch...“).
Neuerdings mischt Amazon auch beim Verkauf digitaler Musik im Internet mit. Das bemerkenswerte an Amazon MP3 ist, dass es als erstes Musikportal MP3-Downloads aller vier großen Plattenfirmen (EMI, Universal, Sony BMG, Warner Music) kostenpflichtig anbot. Die Musikstücke sind nicht mit urheberrechtlichen Beschränkungen (DRM-Technologien) versehen und können, vervielfältigt und kopiert werden. Inzwischen emtfernte Konkurrent Apple als Reaktion ebenfalls die DRM-Beschränkungen von seinen Musiktiteln.
Im Februar 2005 sollte ein neues Programm helfen, Kunden stärker an Amazon zu binden. Amazon Prime bietet amerikanischen Kunden gegen eine Jahresgebühr von 79 $ den unbeschränkten und kostenlosen Versand innerhalb von 2 Tagen und einen vergünstigten Übernacht-Versand. Bei einem Preis von 79 $ haben Kunden wenig Anreiz bei einem Konkurrenten einzukaufen. Der zweittägige Versand kostet überlicherweise 9,48 $ , so dass sich dieses Angebot bei mehr als 8 Bestellungen im Jahr lohnt. Amazon wirbt dafür mit dem Slogan „All you can eat“ – Express Shipping.
Seit September 2006 bietet Amazon über den digitalen Video-Download-Service Amazon Video on Demand seinen Kunden in den USA so genannte Pay-per-view-Angebote. Damit setzt Amazon auf den „Video-On-Demand“-Trend. In dieser „Online-Videothek“ können Kunden Fernsehserien ab 1,99 $ und Spielfilme ab 9,99 $ kaufen und direkt auf PC oder digitale Videorecorder downloaden. In Kooperation mit dem amerikanischen Unternehmen TiVo Inc., dem führenden Hersteller digitaler Videorecorder, bietet Amazon den TiVo-Abonnenten seit März 2007 einen direkten Zugang zur Amazon-Filmdatenbank. Spielfilme und Serien können direkt über den digitalen Videorecorder ausgewählt werden, um sie unmittelbar auf dem Fernseher zu sehen. Deutschland scheint als Markt für dieses digitale Filmangebot für Amazon noch nicht von Interesse zu sein. Hierzulande bietet Amazon über den altmodischen Weg des Post-Versandes Filmvergnügen gegen Entgelt an. Für 9,99 Euro im Monat werden drei gewählte DVDs nach Haus geliefert, die anschließend kostenlos an Amazon zurückgesandt werden müssen. Im Vereinigten Königreich, sowie in Deutschland bietet Amazon ebenfalls einen DVD Rental by Post an.
Kundenprogramme bzw. Maßnahmen zur Traffic-Generierung
Das Amazon Partnerprogramm existiert seit 1996. Websitebetreiber, die auf ihren eigenen Websites Amazon-Links platzieren, werden bei erfolgreichen Verkäufen der verlinkten Produkte mit einer Provision belohnt. Bei erfolgreichen Verkäufen erhalten die Partner zwischen 4 bis 10 Prozent des Netto-Verkaufwertes. Dieses Affiliate Programm hatte 2006 über 900.000 Teilnehmer weltweit und generiert laut Berichten in Online-Foren ca. 40 Prozent des Online-Shop-Umsatzes. Alle Produkte des Amazon Shops können die „Partner“ auf ihren Websites verlinken. Sogar eingeblendete Amazon-Links in selbst erstellten YouTube-Videos sind mittlerweile möglich. Die notwenige Software-Applikation kann sich der User bei Amazon herunterladen. Dieses Programm wird für die Amazon-Web-Sites in den USA, Kanada, UK, Japan, Frankreich und Deutschland angeboten.
Amazon Web Services LLC, Zielgruppe: Entwickler
Das Geschäftsfeld, das für Jeff Bezos immer wichtiger wird, ist der Bereich der Online-Dienstleistungen. Amazon hat 13 Jahre und rund 2 Milliarden Dollar in die Technologie und Struktur des Projekts investiert. Jeff Bezos hofft nun, mit dieser Infrastruktur Geld verdienen zu können. Der E-Commerce-Anbieter setzt dazu auf die Vermietung seiner Technologie, seiner technischen Infrastruktur und seiner IT- und Internet-Ressourcen an andere Unternehmen. Bezos startete 2002 den Amazon Web Services (AWS) (s. u.), ein Unternehmen, das sich an Website-Entwickler und Betreiber richtet und 2006, laut Amazon, bereits 220.000 Entwickler als Kunden verzeichnen konnte. Geboten werden eine Reihe verschiedener Web-Service-Angebote, die es Entwicklern ermöglichen, eigene unternehmerische und neue Web-Applikationen aufzubauen. Amazon Web Services, seit 2010 auch mit Datenzentren in Südostasien vertreten, versammelt eine Vielzahl verschiedener Angebote unter einem Dach.
Soft- und Hardwarestrukturen werden für Jeff Bezos zur bedeutendsten, neuen Einnahmequelle. Externe Verkäufer und Händler und Website-Betreiber werden für Amazon zu Zielgruppen. Da Amazon manchmal nur 10 Prozent seiner Kapazitäten nutzt, kann der Rest anderen Unternehmen angeboten werden. Das Programm Fulfillment by Amazon verwertet die E-Commerce-Infrastruktur inklusive Logistik und Warenhaltung. Für 45 $-Cent pro Monat pro Kubikmeter Lagerfläche vertreibt Amazon die Produkte für einen Händler. Der Webstore by Amazon bietet kleineren Anbietern die Möglichkeit, eigene Online-Shops mit Amazon-Funktionalität aufzubauen. Dabei kaufen Website-Betreiber Struktur und Design einer Internetseite. Begonnen hat der WebService mit Amazon E-Commerce Service (ECS), der Amazon-Verkäufern den vollständigen Zugang zu Daten des Amazon-Produktkataloges gewährt. Darüber können Kunden nach detaillierten Produktinformationen, Bildern oder Informationen über Verkäufe suchen. Mittels Simple Storage Service S3 können Kunden die Amazon-Serverinfrastruktur nutzen, ohne selbst viel in Hardware investieren zu müssen. Unternehmen können für 15 $-Cent je Gigabyte Daten und Programme speichern. Über Eleatic Compute Cloud Service (EC2) vermietet Amazon temporäre Rechenkapazitäten auf seinen Servern zu Beträgen ab 10 $-Cent pro Stunde. Anfang 2009 eröffnete Amazon ein Datenzentrum in Irland, um den wachsenden Interesse an Amazon Web Services in Europa Rechnung zu tragen. Mittlerweile verbraucht Web Services weltweit mehr Bandbreite als der weitaus prominentere e-commerce-Bereich von Amazon.
Das interessanteste Projekt dieser Art ist Amazon Mechanical Turk (MTurk). Das gewohnte Prinzip der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird beim Mechanical Turk umgekehrt. Der Computer nutzt die menschliche Intelligenz zur Leistungssteigerung. Der Computer stellt dem menschlichen Anwender eine Aufgabe, zum Beispiel die Identifizierung eines Objekts auf einem Bild, oder das Verfassen eines Titels für einen Eintrag in einem Online-Autokatalog. Für das Bearbeiten erhält der Benutzer Geld. Die auf diesem Weg erzeugten Wissens-Einheiten werden abgespeichert und dienen als Grundlage für eine Datenbank. Entstanden ist die Idee zu Mechanical Turk durch ein Projekt des Amazon-Tochterunternehmens A9.com (s. u.). Diese Suchmaschine sammelte über Jahre Bilder von Unternehmens-Internetseiten für ein Art Online-Branchenbuch. Um zu überprüfen, ob die Bilder dem richtigen Unternehmen zugeordnet waren, verließen sich die Amazon-Ingenieure nicht länger auf ihre Computer. Es entstand die Idee, auf einer Internetseite Menschen für ein paar Cent Bilder zuordnen zu lassen. Im November 2005 wurde diese Internetseite überarbeitet und ging mit neuem Namen, benannt nach einer Schachmaschine aus dem 18. Jahrhundert, online.
Jeff Bezos sieht im Ausbau dieser Angebote die Zukunft Amazons. Microsoft oder das Unternehmen Linden Lab, Betreiber der virtuellen Online-Welt Second Life, nutzen bereits die Amazon-Technologie, um schnellere Downloads von Software bewältigen zu können. Auch wenn die Einnahmen aus diesen Bereichen marginal sind, glaubt Jeff Bezos fest an ihren Erfolg in einigen Jahren.
Such- und Spezialservices
Alexa Internet
Das in San Fransisco ansässige Tochterunternehmen Alexa Internet sammelt und verkauft Informationen über Internetseiten an Website-Betreiber und Entwickler. Das Unternehmen wurde 1996 von Brewster Kahle und Brude Gilliat gegründet und 1999 für 250 Millionen Dollar von Amazon gekauft. Daten werden durch das Protokollieren der Website-Zugriffe durch Web-Benutzer gesammelt. Zu Beginn war Alexa Internet nur eine Toolbar, eine Symbolleiste für den Microsoft Internet Explorer. Später wurde diese Toolbar um Suchfunktionen erweitert. Ähnlich dem Google-Suchfeld, das in der rechten oberen Ecke eines Internet-Providers installiert werden kann, zeigt die Alexa-Toolbar Informationen zu der besuchten Internetseite an. Benutzer laden sich kostenlos die Toolbar herunter und können nun für alle besuchten Websites Adresse des Betreibers, Traffic Ergebnisse, Anzahl der verknüpften Links und Entstehungsdatum sehen. Als Gegenleistung für diesen kostenlosen Service dienen die Benutzer der Toolbar selbst als Datenlieferanten. Jede Internetseite, die besucht wird, wird protokolliert. Die so erzeugte Datenbank verwertet Alexa-Internet, indem sie Websitebetreibern diverse Informationen zum Kauf anbietet. Der „Alexa Top Sites Web Service“ bietet den Zugang zu Ranglisten von Websites nach Page Impressions. Je nach Auswertung kostet diese Dienstleistung pro abgefragte Internetseite 0,0025 $, d.h. für eine Liste mit 10.000 URL-Adressen zahlt der Käufer 25 $. Mit dem „Alexa Web Search Web Service“ können Websitebetreiber eine Suchmaschine auf ihren Homepages integrieren und zahlen je Suchanfrage 0,00030 $, d. h. bei 1.000 Suchanfragen zahlt man an Amazon 30 $-Cent. Neben kostenpflichtigen Angeboten bietet Alexa Internet Websitebetreibern auch eine Reihe kostenloser Software-Applikationen. Grafiken mit Traffic-Verläufen der 100.000 meist besuchten Internetseiten können auf seiner eigenen Website platziert werden, ebenso wie ein Fenster mit Site-Informationen zum Rang nach Besucherzahlen, mit Anzahl der Links und mit Benutzer-Bewertungen. Auch Rankings deutscher Internetseiten sind zu finden. Für Partner des Amazon-Partnerprogramms erzeugt Alexa eine kostenlose Analyse ihrer Internetseiten, informiert und überprüft die dortigen Links. Unter der Rubrik „Alexa Site Thumbnail“ können Websitebetreiber Bilder von der Homepage kaufen und auf ihre Websites laden.
Die Aussagekraft der Alexa-Ranglisten von Websites wird von der Online-Gemeinde kontrovers diskutiert. Da die Daten von den Alexa-Toolbar Benutzern gesammelt werden, handelt es sich um eine Stichprobe, deren Repräsentativität angezweifelt wird. Die Alexa-Toolbar wird hauptsächlich im englischsprachigen Raum genutzt und bildet damit nur einen Teil des Internet-Nutzungsverhaltens ab. Über die Stichprobe der Alexa-Nutzer ist nicht viel bekannt, so dass auch Stichprobenfehler nicht abgeschätzt werden können.
A9.com
A9.com ist eine Suchmaschine zur Produktsuche, die alle führenden E-Commerce-Seiten des Internets durchsucht. Das Unternehmen ist in Palo Alto, Kalifornien, ansässig und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.
Internet Movie Database (IMDb)
Amazons Internet Movie Database ist die größte englischsprachige Online-Datenbank zu Filmen, Schauspielern, Fernsehshows, Produktionen und Video-Spielen. 1990 gestartet und 1998 von Amazon gekauft, erfasst sie heute ca. 1 Million Filmtitel und über 2 Millionen biografische Daten zu Filmschaffenden. Kategorisiert nach Filmgenres finden sich zu jedem Film Informationen zu Regisseuren, Drehbuchautoren, Schauspielern, Produzenten, Verleihern sowie kurze Inhaltsangaben und Wissenswertes zu Drehorten, Soundausstattung, Einspielergebnissen und Marketingaktionen. Zu jedem Film können Kommentare und Bewertungen abgegeben werden, die Nutzer finden Ranglisten z. B. der 250 bestbewerteten Filme. Daneben gibt es zu allen beteiligten Filmschaffenden individuelle Filmografien und biografische Daten. Neben Spielfilmen machen TV-Serien einen Großteil des Datenbestandes aus. Die Informationen sind frei zugänglich. Seit 2002 bietet IMDb zusätzlich Daten für Abonnenten an. Gegen eine monatliche Gebühr können sie auf den gesamten Inhalt der Datenbank und zusätzliche Geschäftsdaten der Filmschaffenden, wie persönliche Kontaktadressen und Branchenneuigkeiten zugreifen. Die Datenbank-Inhalte werden größtenteils von ausgewählten Freiwilligen recherchiert und aktualisiert. 17 feste Mitarbeiter überwachen und kontrollieren die eingehenden Daten.
1989 begannen Studenten aus Spaß, Filminformationen über die hübschesten Hollywood-Schauspielerinnen zu sammeln und in eine Datenbank einzupflegen. Ein anderes Projekt bestand aus einer Rangliste von Filmen, die von Usern eines universitätsinternen Netzes erstellt wurde. 1990 fügte Col Needham die beiden Listen zusammen und legte damit den Grundstein für das Projekt einer Filmdatenbank. Ende des Jahres 1990 bestand die Liste bereits aus 10.000 Filmen und Fernsehserien. Mit der Hilfe von Computerspeziallisten der Cardiff Universität war die Liste 1993 unter dem Namen Cardiff Internet Movie Datenbase online zugänglich. Bis 1996 arbeiten alle Mitwirkenden ehrenamtlich in ihrer Freizeit an der Datenbank, was mit wachsender Größe und zunehmender Verbreitung des Internets immer schwieriger wurde. 1996 entschieden sich die Mitarbeiter für eine kommerzielle Website und die Gründung eines Unternehmens mit Col Needham als Eigentümer. Schließlich kaufte Jeff Bezos das Unternehmen IMDb 1998. Amazon nutzt die IMDb als Werbeplattform für DVDs und Videos. Auf allen Seiten der IMDb sind Amazon-Links zu finden, die direkt zur Bestellung führen. Kaufinteressenten können zudem auf den IMDb-Seiten per Klick wählen, ob sie den Film als DVD, Video oder Download beziehen möchten. Amazons IMDb-Engagement erklärt sich als eine weitere Möglichkeit der Traffic-Generierung für die Amazon-Web-Site. Im Internet existiert kein vergleichbares Filmarchiv in der Größenordung. Die Zielgruppe der Filminteressierten ist für Amazon viel wert und so gebündelt im WWW auf keinen anderen Sites anzutreffen.
Audible.com
Am 31. Januar 2008 verkündete die Amazon-Geschäftsführung die Übernahme von Audible.com zum Preis von 300 Millionen US-Dollar. Seit dem Jahr 2000 verkauft Audible Hörbücher, Bildungsprogramme, Radio- und Fernsehprogramme sowie Audio-Ausgaben von Zeitungen und Zeitrschriften. Die Investition in den Hörbuch-Bereich soll die Expansion in der E-Book-Sparte begleiten.
Engagement in Deutschland
Mit der Übernahme von Telebook. Inc., den Inhaber der deutschen ABC Bücherdienst GmbH, startete das Unternehmen im Oktober 1998 den deutschen Online-Versandhandel amazon.de. Betrieben wird die deutsche Website von der Amazon EU S.a.r.l mit Sitz in Luxemburg. Die deutsche Firmenzentrale hat heute ihren Sitz in München. Mitte 2004 wurde die Entwicklungsabteilung der Amazon.de-Website in München geschlossen und Mitarbeiter entlassen. In Bad Hersfeld in Hessen befindet sich ein Distributionslager. Seit August 2006 unterhält Amazon in Leipzig ein weiteres Versandlager mit ca. 300 Arbeitsplätzen.
Im Juli 2009 beauftragte die Berliner Zweigstelle des amerikanisch-jüdischen Komitee die Münchner Staatsanwaltschaft damit, zu überprüfen, ob Amazon.de gegen deutsches Recht verstößt, da Kunden auf dem deutschen Ableger über Drittverkäufer Literatur von Holocaust-Leugnern kaufen konnten.
Aktuelle Entwicklungen
Nach dem Rekord-Weihnachtsgeschäft von 2008 endete auch das Kalenderjahr 2009 für Amazon sehr erfreulich. Im dritten Quartal 2009 kam es zu einer 68-prozentigen Gewinnsteigerung. Die Aktien des Konzern stiegen daraufhin um das 164-fache, was das Vermögen von Chef Jeff Bezos um zwei Milliarden US-Dollar anwachsen ließ. Etwa zeitgleich reichte ein ehemaliger Lagerhaus-Angestellter von Amazon stellvertretend für seine 21,000 Kollegen Klage gegen den Konzern ein, da er Überstunden nicht korrekt abgerechnet und beglichen haben sollen.
Zu dem guten Ergebnis trugen offensichtlich auch die Verkäufe des E-Readers Kindle, bzw. elektronischer Bücher bei (siehe Geschäftsbereiche). Das Unternehmen weigert sich zwar hartnäckig, konkrete Verkaufszahlen vorzulegen, verkündet aber in regelmäßigen Pressemitteilungen den Erfolg des Geräts. So ist das Kindle laut Unternehmensangaben das am meisten gekaufte Geschenk der Amazon-Geschichte. Am 25. Dezember 2009, der Tag an dem US-Amerikaner sich gegenseitig im Rahmen von Weihnachten beschenken, sollen erstmal mehr digitale als physische Bücher verkauft worden sein. Das Kindle, das gegenwärtig weniger als zwei Prozent am Umsatz von Amazon ausmacht, jedoch 55 Prozent des Marktes für E-Reader beherrscht, wird in Zukunft wichtiger für das Unternehmen werden. Wie der Finanzdienstleister Forrester Research prognostiziert, werden im Jahr 2010 insgesamt sechs Millionen E-Reader verkauft. Wie viele von diesen Kunden sich für ein Kindle entscheiden werden, ist ungewiss, zumal Apple ein eigenen Tablet-PC angekündigt hat, der Amazon Marktanteile streitig machen wird und Sony jüngst die Kooperation mit der Zeitungssparte von News Corp. (u.a. "Wall Street Journal", "MarketWatch" und "New York Post") für sein E-Reader-Gerät angekündigt.
15 Jahre nach Gründung steht Amazon kurz davor, die Transformation von einem Online-Buchladen zu einem Online-Kaufhaus abzuschließen. Ende 2009 verkaufte das Unternehmen weltweit erstmals mehr herkömmliche Gebrauchsgegenstände (Haushaltswaren, Elektronik, Kleidung) als Medienprodukte (Musik, Bücher, Filme). Glaubt man Marktforschern, die prognostizieren, dass der Anteil von E-Commerce in den nächsten zehn Jahren auf 15 Prozent am gesamten Handel steigen wird, wird Amazon als neues "Walmart im Web" davon profitieren. Der Verkauf von Produkten, die der Konzern in seinem Geschäftsbericht unter "electronics and general merchandise" zusammenfasst, ist viel krisenresistenter als der Verkauf von CDs und DVDs. Im zweiten Quartal 2009, das durch einen signifikanten Rückgang an verkauften Videospielen gekennzeichnet war, konnte Amazon die sinkenden Umsätze aus dem Mediengeschäft durch den Verkauf anderer Waren kompensieren. Bemerkenswert ist auch, dass Amazon zum erfolgreichsten Online-Kaufhaus geworden ist, ohne einen einzigen Cent für Werbung ausgegeben zu haben. Stattdessen wurde der Großteil des Budgets für die Optimierung der Technik ausgegeben, was der Kundenfreundlichkeit zugute kommt.
Abgesehen davon, dass immer mehr Privatfirmen als Drittparteien ihre Güter bei Amazon verkaufen (was inzwischen 30 Prozent aller Verkäufe auf der Seite ausmacht) bietet das Unternehmen zunehmend selbst hergestellte und besonders günstige Produkte an. Seit Oktober 2009 vertreibt der Konzern (zunächst nur in den USA) unter dem Label AmazonBasics DVD-Rohlinge und Audio- und Videokabel. Bereits seit geraumer Zeit bietet Amazon auch in den Sparten Küchenutensilien ("Pinzon"), Gartenbedarf ("Strathwood") und sogar Lebensmittel ("Amazon Fresh", Pilotprojekt in Seattle) an. Um den Online-Schuhverkauf zu kontrollieren, kaufte Amazon im Juli 2009 den Marktführer Zappo auf.
Der Erfolg von Amazon droht jedoch die Volkswirtschaft insbesondere der USA aus lange Sicht bedeutend zu verändern. Schon heute fühlen sich kleine, unabhängige Läden durch die Expansion von Amazon in ihrer Existenz bedroht, da sie nicht mit der Auswahl und den geringen Preisen des Onlinekonzerns mithalten können. So fürchten etwa Inhaber von Geschäften, die sich auf Nischenprodukte spezialisiert haben, dass ihnen das gleiche Schicksal droht wie Buchlädenketten und Elektrofachgeschäfte, die in den USA beinah völlig verschwunden sind.
Zudem werden zunehmend kritische Stimmen laut, die Amazon vorwerfen, zu wenig Steuern zu zahlen. Das Unternehmen belastet nämlich nur in den Bundesstaaten seine Kunden mit der Zahlung von Mehrwertsteuern, in denen sich Amazon-Geschäftsstellen, bzw. Lagerhäuser befinden (Washington, North Dakota, Kentucky, Kansas, New York). In allen übrigen Bundesstaaten ist Amazon vom Zwang der Mehrwertsteuer befreit, was dem Unternehmen ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz (inbesondere Wal-Mart) verschafft. Zwar ist der Konzern auch in fünfzehn weiteren Bundesstaaten mit Geschäftsstellen vertreten, diese werden jedoch clever als Schwestergesellschaften deklariert, was zur Folge hat, dass es jährlich zu Steuerausfällen in Millionenhöhe kommt.
Links
» Konzerninformationen
» Finanzdaten
» Presseinformationen
» Will Amazon Become the Walmart of the Web? (New York Times, 19.09.2009)
News
18.05.09 / Amazon.com Inc., Bertelsmann AG, Georg von Holtzbrinck GmbH
Amazon übernimmt Audible.de
Der Online-Konzern Amazon hat über seine US-Tochter Audible Inc. auch den deutschen Marktführer für Hörbuch-Downloads Audible.de vollständig übernommen. Die Audible GmbH, die vor viereinhalb Jahren gegründet wurde, gehörte...
» mehr04.05.09 / Amazon.com Inc., The Hearst Corporation, News Corp. Ltd.
Amazon: Neuer Kindle mit Großdisplay für Tageszeitungen
Der Online-Konzern Amazon bereitet in Partnerschaft mit Tageszeitungen einen neuen E-Book-Reader vor. Der Kindle mit Großdisplay könne noch in dieser Woche an den Start gehen, berichtet die New York Times, die offenbar selbst an...
» mehr28.04.09 / Amazon.com Inc.
Amazon kauft Stanza-Entwickler Lexcycle
Der amerikanische Online-Händler Amazon.com kauft das Startup-Unternehmen Lexcycle, einen Anbieter von eBook-Anwendungen. Das gab Lexcycle-Gründer Marc Prud'hommeaux in seinem Blog bekannt. Über finanzielle Details des Zukaufs...
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