14. Vivendi S.A.
Umsatz 2008: € 25,392 Mrd.
Überblick
Vivendi ist weltweit der achtgrößte Medienkonzern (in Frankreich auf Platz eins), obwohl sich das Unternehmen infolge einer aberwitzigen Expansionsstrategie von vielen internationalen Aktivitäten trennen musste. 2010 erwirtschaftete der Konzern 57% seiner Umsätze im Bereich Telekommunikation (Umsätze, die im Ranking der Mediendatenbank nicht berücksichtigt werden). Dazu ist Vivendi ein bedeutender Inhalteproduzent mit der Pay-TV-Gruppe Canal+ (100%), der Universal Music Group (100%) und Activision Blizzard (61%), dem im Juli 2008 aus der Fusion von Vivendi Games und Activision entstandenen Weltmarktführer im Bereich Spieleentwicklung (für Computer, Konsolen, online).
Basisdaten
Hauptsitz: 42, avenue de Friedland, 75380 Paris CEDEX 08, Frankreich
Telefon: 0033-1-71 71 10 00
Telefax: 0033-1-71 71 10 01
Internet: www.vivendi.com
Branche: Musik, Pay-TV, Film/TV-Produktion, Filmdistribution und -rechtehandel, Multimedia, Telekommunikation, Games
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1853 als Compagnie Générale des Eaux, 1998 umbenannt in Vivendi, 2000 umbenannt in Vivendi Universal, 2006 umbenannt in Vivendi
2010 | 2009 | 2008* | 2007* | 2006* | 2005* | 2004 | 2003 | |
Umsatz (in Mio. €) | 28.878** | 27.132** | 25.392** | 21.657** | 20.044 | 19.484 | 21.428 | 25.482 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. €) | 2.698 | 2.585 | 2.735 | 2.832 | 2.614 | 2.078 | 754 | (1.143) |
Aktienkurs (in €, Jahresende) | 20,58 | 20,93 | 23,51 | 31,13 | 29,9 | 26,56 | 23,49 | 19,27 |
Dividende (pro Aktie in €) | 1,40 | 1,40 | 1,40 | 1,30 | 1,20 | 1,00 | 0,60 | 0 |
Beschäftigte | 51.272 | 49.004 | 44.000 | 39.919 | 37.014 | 34.031 | 39.181 | 49.617 |
Universal Music Group | Canal+ Group | SFR | Maroc Telecom | Activision Blizzard | GVT | Sonstige Aktivitäten | |
2009 | 4.363 | 4.553 | 12.425 | 2.694 | 3.038 | 104 | (45) |
2010 | 4.449 | 4.712 | 12.577 | 2.855 | 3.330 | 1.029 | 54 |
*Die Daten ab 2005 betreffen die Struktur des heutigen Gesamtkonzerns Vivendi S.A.. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist nur bedingt möglich.
** Gesamtumsatz inklusive von Telekommunikations- und Sondersparten (Die Umsatzzahl 2009 von 11,954 Mrd. Euro bezieht sich auf die Summe der Umsätze der Mediensparten Universal Music Group, Canal+ und Activision Blizzard)
Geschäftsführung
Geschäftsführung / Vorstand:
- Jean-Bernard Lévy, Chairman of the Management Board and CEO, Chairman of Activision Blizzard, Chairman of the board of GVT
- Abdeslam Ahizoune, Chairman of the Management Board of Maroc Telecom
- Phillipe Capron, Chief Financial Officer of Vivendi
- Frank Esser, Chairman and Chief Executive Officer of SFR
- Amos Genish, CEO, GVT
- Lucian Grainge, Co-Chief Executive Officer of Universal Music Group
- Bertrand Meheut, Chairman of the Executive Board of Canal+ Group
Aufsichtsrat:
- Jean-René Fourtou, Chairman of the Supervisory Board
- Henri Lachmann*, Vice Chairman of the Supervisory Board and Chairman of the Supervisory Board of Schneider Electric S.A.
- Claude Bébéar, Honorary Chairman of AXA Group
- Daniel Camus*, Executive Director of EDF Group, Member of the Executive Committee
- Jean-Yves Charlier*, CEO of Promethean Ltd.
- Maureen Chiquet*, CEO of Chanel
- Philippe Donnet*, Member of the Supervisory of Financière Miro
- Dominique Hériard Dubreuil*, Chairwoman of the Board of Directors of Rémy Cointreau
- Aliza Jabès*, President & CEO of Nuxe Group
- Christophe de Margerie*, CEO of Total and Chairman of the Executive Committee
- Pierre Rodocanachi*, CEO of Management Patrimonial Conseil
- Jacqueline Tammenoms Bakker*, Chairwoman of the National Council for Environment and Infrastructure (Netherlands)
* Independent Member
Besitzverhältnisse (Stand am 31.12.2010; Anteile am Kapital):
Black Rock, Inc. 5,02%, Capital Research and Management 4,64%, Amundi (Crédit Agricole AM/Société Générale AM) 4,05%, Groupe Société Générale AM 4,01%, CDC/FSI (Caisse des Dépôts et Consignations) 3,77%, Emirates International Investment Company LLC 2,81%, AllianceBernstein (Axa Investment Managers) 2,50%, Vivendi Group Savings Plan 2,01%, Natixis Asset Management 1,95%, Bank of America/Merrill Lynch 1,51%, BNP Paribas AM 1,24%, DNCA Finance et Leonardo Asset Management 1,00%, CNP Assurances 1,00%, Crédit Suisse Securities (Europe) Limited 0,99%, Prudencial Plc 0,89%, UBS Investment Bank 0,85%, CM-CIC AM 0,84%, Crédit Agricole Structured AM 0,54%, Abu Dhabi Investment Authority 0,51%, Rothschild-Asset Management 0,51%, Axa Rosenberg (Axa Investment Managers) 0,50%, Macquarie Group 0,49%, FIPAR International (CDG Maroc) 0,49%, RCAR – CDG Maroc 0,49%, Hermes Equity 0,49%, HBOS Plc 0,47%, AQR Capital Management 0,46%, Pension Reserve Fund 0,44%, SRM Advisers (Monaco) S.A.M. 0,41%, Groupama Asset Management 0,39%, Federal Finance Gestion 0,37%, TPG Axon Capital 0,35%, Veolia Environnement Group Savings Plan 0,23%, Treasury Shares 0,01%, Other Shareholders 53,79%.
Geschichte und Profil
Wer hoch steigt, fällt tief – auf kaum ein anderes Medienunternehmen trifft dieses Motto besser zu als auf Vivendi. Innerhalb eines knappen Jahrzehnts wurde aus dem altehrwürdigen Wasserversorger Compagnie Générale des Eaux (CGE, gegründet 1853) ein internationales Medienimperium, das in nur zwei Jahren den unerhörten Verlust von 37 Mrd. Euro anhäufte, in sich zusammenbrach und heute, trotz Platz acht im Ranking der größten Medienkonzerne, fast nur ein Schatten seiner einstigen Größe ist.
1987 stieg die CGE ins Mediengeschäft ein, zunächst im Bereich Mobilfunk (Gründung von SFR) und Filmproduktion (Générale d’Images). Zur strategischen Entwicklungsachse wurde der Kommunikationsbereich erst 1996, als Jean-Marie Messier, 1956 geboren und Student der Elitehochschulen École polytechnique und ENA (École nationale d'administration), die Konzernleitung übernahm. Gemeinsam mit der Mannesmann AG und British Telecom wurde 1996 der Festnetzanbieter Cegetel gegründet, der nach Zukauf des Festnetzes der französischen Eisenbahn SNCF zur Nummer zwei im französischen Markt aufstieg. Im Februar 1997 übernahm Messier die Kontrolle beim Medienkonzern Havas (Mutterkonzern von Canal+). Im Jahr darauf schluckte die CGE das Unternehmen komplett, wurde in Vivendi umgetauft und unternahm den Einstieg in den Multimediasektor mit dem Kauf des amerikanischen PC-Lernspieleherstellers Cendant Software.
Jean-Marie Messier forcierte nun die internationale Ausrichtung des Konzerns. Schulbuchverlage in Südamerika wanderten 1999 in das Unternehmensportfolio, der historische Kern des Unternehmens, die Umweltsparte, wurde durch den Kauf von US Filter verstärkt. Zudem engagierte sich Vivendi bei Monaco Telecom und den Festnetzanbietern Elektrim (Polen) und Matel (Ungarn). Ebenfalls 1999 kam es zur Fusion mit der französischen Kino- und Produktionsgruppe Pathé.
Im Jahr 2000 setzte das Unternehmen zum „großen Sprung nach vorn“ an. Er sollte katastrophal scheitern: Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms verkündete Messier die Fusion mit Canal+ und Seagram (Spirituosen, Universal Studios und Universal Music). Die Firma benannte sich in Vivendi Universal um und gliederte sich fortan in sechs Bereiche: Universal Music Group, Vivendi Universal Publishing (ex-Havas), TV&Film, Telekommunikation, Internet sowie Vivendi Environnement, das Messier an die Pariser Börse brachte. Trotz dieser für sich allein schon kolossalen Fusion setzte Vivendi Universal seinen Wachstumskurs unbeirrt fort, befeuert durch die Internet- und Medieneuphorie an der Börse. Noch im gleichen Jahr wurde der kenianische Mobilfunkbetreiber Kencell erworben, ebenso wie 35 Prozent der Maroc Telecom. Als Mitglied des Xfera-Konsortiums sicherte sich Messier sogar eine spanische UMTS-Lizenz. 2001 folgten weitere Dotcom-Unternehmen (u. a. MP3.com), der US-Schulbuch-Marktführer Houghton Mifflin und vor allem der Kauf von USA Networks sowie die Beteiligung am US-Satellitenbetreiber Echostar. Allein diese letzte Akquisition kostete 11,8 Mrd. Dollar.
Bei all dem rauschhaften Hochgefühl konnte Messier leicht vertuschen, dass die Deals alles andere als profitabel waren. Umso größer war die Überraschung, als Vivendi Universal im Geschäftsjahr 2001 13,6 Mrd. Euro Verlust machte, den höchsten in der französischen Wirtschaftsgeschichte. Als Messier dies als einfachen Bilanztrick abtat, drehte sich das öffentliche Klima endgültig. Das Publikum hatte genug von seinem nicht gerade bescheidenen Ex-Liebling, der sich tatsächlich gerne „J6M“ nannte (ein J, sechs M’s), „Jean-Marie Messier moi-même maître du monde“ (also „Ich selbst, Jean-Marie Messier, Herrscher der Welt“). Mehrere Monate neuer Enthüllungen über Bilanztricks, Pannen in der Unternehmenskommunikation und stetig sinkendem Aktienkurs brachten Messier schließlich zu Fall. Im Juli 2002 musste er auf Druck des Aufsichtsrates zurücktreten.
Zu diesem Zeitpunkt ächzte Vivendi unter einer Schuldenlast von 35 Mrd. Euro. Mit einem Verlust von 23,3 Mrd. Euro übertraf das Unternehmen den im Jahr zuvor aufgestellten Minusrekord nochmals deutlich. Nach dem Abgang des flamboyanten Messier wurde 2002 Jean-René Fourtou als Président-Directeur général verpflichtet und trat zur Sanierung an. In kurzer Zeit verkaufte er große Teile des Gesamtkonzerns, um der drückenden Schuldenlast zu entkommen. Nachdem man die Getränkesparte noch unter Messier abgestoßen hatte, trennte Fourtou sich von zahlreichen Geschäftsfeldern, die einst als Kernaktivitäten galten. So wurden u. a. die Anteile an BSkyB und Echostar veräußert. Es folgten die Satellitenbouquets in Italien, Benelux und Skandinavien, die Hardware-Sparte von Canal+, fast alle Anteile an der Umweltsparte Veolia, die Telekomaktivitäten in Monaco, Kenia, Ägypten, Ungarn und Polen, die Kinokette UCI sowie die Anteile an der Sportrechteagentur SportFive. Insgesamt wurden Aktivitäten mit einem Umsatz in Höhe von 24 Mrd. Euro verkauft – in dieser Zeit setzte Fourtou nur zwei Akquisitionen im Telekombereich durch. Für vier Milliarden Euro erhöhte das Unternehmen 2003 seinen Anteil am Telekomanbieter SFR-Cegetel um 26 Prozent; im Januar 2005 erhöhte Vivendi Universal seinen Anteil an Maroc Telecom auf 51 Prozent.
Der abschließende Sanierungsschritt erfolgte dann 2004 mit der Auslagerung von Vivendi Universal Entertainment in eine gemeinsame Firma mit der General-Electric-Tochter NBC. An dem so entstandenen Konglomerat NBC Universal hielt die Firma 20 Prozent – als reines Investment ohne strategische Kontrolle – bis zum Dezember 2009: nach monatelangen Verhandlungen verkaufte Vivendi den NBC Universal-Anteil für 5,8 Mrd. Euro an General Electric. NBC wiederum wurde dann im Zuge eines 30-Milliarden-Dollar-Megadeals in ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Comcast eingebracht.
Seit seinem Rückzug in den Aufsichtsrat 2005 arbeitet Fourtou mit seinem Nachfolger, Jean-Bernard Lévy, eng zusammen. Die beiden setzten Zeichen. Die Schaffung von NBC Universal, die Streichung von Universal aus dem Vivendi-Firmennamen und der Rückzug von der New Yorker Börse im August 2006 markierten den Schlussstrich unter die Ära Messier, dessen halsbrecherische Einkaufstour fast im Kollaps des gesamten Konzerns geendet wäre.
Management
Jean-René Fourtou (Jahrgang 1939) übernahm im Juli 2002 das Vivendi-Ruder von seinem gescheiterten Vorgänger Messier. Fourtou galt als Vertrauter von Staatspräsident Chirac und vor allem als Sanierer. Vor seiner Berufung hatte er den fast bankrotten Konzern Rhone-Poulenc mit Hoechst zu Aventis zusammengeführt. Dass ein Manager von einem Arzneimittelkonzern eine Radikalkur bei Vivendi Universal einleiten sollte, durfte als Zeichen gelten. Mit dem harten und notwendigen Sanierungskurs aber erfüllte Fourtou die in ihn gesetzten Erwartungen.
Im Mai 2005 zog sich Fourtou in den Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorstandschef wurde die langjährige Nummer zwei im Konzern, Jean-Bernard Lévy. Der 55-Jährige diente zunächst in der öffentlichen Verwaltung unter anderem als Berater des Industrieministers Gérard Longuet. In dieser Position kam er bereits mit der damaligen Compagnie Générale des Eaux in Kontakt, als er dem Versorger eine private Telefonlizenz gewährte und damit den Grundstein für den heute erfolgreichsten Konzernteil legte. Lévy, ein Vater von vier Kindern, gilt als höflich und diskret, aber auch etwas farblos, so ganz anders als sein grellbunter Vorvorgänger. Das enge Verhältnis zu Fourtou – beide arbeiten seit Jahren eng zusammen, unter anderem bei der NBC Universal Fusion – half ihm, sich gegen starke interne Kandidaten wie den Canal Plus-Chef Bertrand Meheut durchzusetzen.
Noch ein Wort zu letzten Spuren der Ära Messier, denn J6M ist irgendwie immer noch da: Zunächst stand Vivendi wegen „Bilanzbeschönigungen im Jahr 2000 bis 2002“ in New York vor Gericht und wurde am 29.1.2010 vom Disctrict Court für schuldig befunden. Jetzt drohen Strafzahlungen: der Anwalt der Klägerseite erwartet Entschädigungen in Höhe von vier Milliarden Dollar. Messier und der damalige Finanzvorstand Guillaume Hannezo wurden überraschenderweise freigesprochen. Vivendi legt Berufung ein.
Am 2. Juni 2010 dann war Prozessauftakt in Paris, auch hier stand Messier acht Jahre nach seinem Rauswurf bei Vivendi Universal vor Gericht, zusammen mit sechs weiteren ehemaligen Vivendi-Verantwortlichen: wegen Falschinformation der Finanzmärkte, Kursmanipulation und Untreue. Messier bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber reumütig bei seinem ersten Auftritt vor dem Richter zu „Exzessen bei der Kommunikation“. Am 21.1.2011 die Urteilssprüche: Messier wird für die Verbreitung von Falschinformationen zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt, Seagram-Erbe Edgar Bronfman wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu fünf Millionen Euro Geldstrafe, Guillaume Hannezo wegen Insiderhandels zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu 850.000 Euro Geldstrafe. Messier und Bronfman legen Berufung ein.
Geschäftsfelder
Musik und Tonträger:
Die Universal Music Group (UMG) ist die weltgrößte Musikfirma mit einem Marktanteil von über 25%.
2010 nahm der Umsatz zu von 4,36 Mrd. Euro auf 4,45 Mrd. Euro, trotz der anhaltend schlechten Bedingungen auf dem Musikmarkt. Der Grund: Die Verkäufe über die neuen digitalen Vertriebsformen stiegen um 13,8% und konnten so die nach wie vor abnehmenden Verkaufszahlen von CD’s etc. mehr als wettmachen. Besonders erfolgreich liefen 2010 z.B.: Eminem („Best-selling artist“ mit sechs Millionen verkauften Exemplaren des Albums „Recovery“), Rihanna, Take That, Bon Jovi, Lady Gaga sowie in Deutschland Unheilig.
Mit dem Kauf von BMG Music Publishing (Bertelsmann-Musikverlagssparte) für 1,63 Mrd. Euro hatte Vivendi Anfang September 2006 einen Paukenschlag gelandet, mit der Übernahme des BMG-Katalogs von etwa 1 Mio. Songtiteln stieg UMG auch zum weltgrößten Musikverlag auf (Künstler: Justin Timberlake, Coldplay, Christina Aguilera, Puccini, Ravel). Weiterhin wurde Mitte Juni 2007 bekannt, dass Vivendi das unabhängige Plattenlabel Sanctuary Records für rund 66 Millionen Euro kauft. Neuzugänge im Vivendi-Portfolio waren somit u.a.: David Bowie, Elton John, Morrissey, Bob Marley, Deep Purple, die Scorpions, Joe Cocker und die Sex Pistols.
Natürlich ist UMG auch auf dem Feld digitaler Vertriebswege (online und mobil, Musik und Video) aktiv. Hier besonders erwähnenswert ist der Launch der Musikvideo- und Entertainment-Website Vevo im Dezember 2009. Vevo wird betrieben von den Musik-Majors UMG, Sony Music Entertainment und EMI, steht allerdings außerhalb der USA und Kanada nach wie vor nicht zur Verfügung. Im Laufe des Jahres 2011 soll auch dem Rest der Welt ein Zugriff auf Vevo ermöglicht werden.
Fernsehen/Film:
Im Zentrum der TV-Sparte steht der Bezahlsender Canal Plus. Gegründet 1984 auf Initiative von Mitterand, wurde Canal+ eine von sechs verfügbaren terrestrischen Frequenzen zugesprochen. Die Canal Plus-Gruppe hatte Ende 2010 insgesamt 12,7 Mio. Abonnenten und betreibt Filialen in Polen (Cyfra+), Vietnam (K+), den französischen Überseegebieten und im frankophonen Afrika (Canal Overseas), dazu das Programmbouquet CanalSat (vormals CanalSatellite). Die 100-prozentige Tochter StudioCanal schließlich ist ein führender europäischer Akteur in den Bereichen Filmproduktion und -vertrieb mit einem Filmkatalog von über 5.000 Titeln.
Im Februar 2006 fusionierte die Canal Plus-Gruppe mit dem Konkurrenten TPS. Damit endete die ruinöse Konkurrenz zwischen den beiden Satellitenanbietern TPS und CanalSatellite. Der Erfolg des digitalen terrestrischen Fernsehens und der immer populärer werdenden ADSL-TV-Angebote dürften die Einigung beflügelt haben. Mit Neuf Cegetel ist Vivendi indirekt an einem dieser digitalen TV-Anbieter beteiligt. Mit vereinten Kräften wollte man der neuen Konkurrenz entgegentreten. Vivendi hielt zunächst 65 Prozent an dem neu formierten Canal+ France, die früheren TPS-Eigner waren mit 9,9 Prozent (TF1) und 5,1 Prozent (M6) dabei.
Ende November 2009 wurde bekannt, dass Vivendi für 744 Mio. Euro den TF1-Anteil übernimmt; am 6.2.2010 kam der 5,1-prozentige Anteil der RTL-Tochter M6 dazu (Kaufpreis: 384,2 Mio. Euro). Vivendi hält nunmehr 80% an Canal+ France. Und auch die restlichen 20%, die der Verlagsriese Lagardère seit März 2006 hält, stehen zum Verkauf. Vivendi, eigentlich der logische Käufer und durchaus interessiert, konnte sich bislang nicht mit Lagardère über einen Preis einigen. Jetzt plant Lagardère, seine 20% an die Börse zu bringen – wenn die Marktkonditionen sich verbessert haben („si les conditions du marché sont réunies“).
Weitere Nachrichten im Bereich Fernsehen: Im Juli 2011 geben Canal Plus und Orange (Mobilfunk/Internet/TV-Tochter von France Télécom) ihre „strategische Partnerschaft“ bekannt. Dabei erwirbt die Canal+ Gruppe einen 33,33-prozentigen „non-controlling interest“ an der Orange Cinema Series (fünf digitale Filmkanäle), die ab 2012 auch über CanalSat empfangbar sein werden. Eine weitere „strategic partnership“ betrifft den 60-prozentigen Einstieg von Canal+ in das TV-Geschäft der Bolloré-Gruppe (Firmenkonglomerat des Milliardärs und Sarkozy-Vertrauten Vincent Bolloré), der am 8.9.2011 verkündet wird. Dabei übernimmt Canal+ für 465 Mio. Euro auch den mäßig erfolgreichen Film- und Seriensender Direct 8, empfangbar über Kabel, Satellit, TNT.
Mobilfunk und Festnetztelefonie:
Die Cash-Cow des Unternehmens bleibt die Mobilfunk-Tochter SFR (im April 2011 übernimmt Vivendi die restlichen 44% von der britischen Vodafone Group für acht Milliarden Euro und hält nun 100% der Anteile), dem zweitgrößten Telekom-Anbieter in Frankreich, der 2010 rund 43% des operativen Gewinns erwirtschaftete. Auch das marokkanische Telefongeschäft wirft gute Ergebnisse ab. Maroc Telecom (53%) erzielte einen operativen Gewinn von 1.284 Millionen Euro, vor allem mit seinen mittlerweile über 15 Millionen Mobilfunk-Kunden. Dazu hält Maroc Telecom jeweils 51% der Anteile an den zuvor staatlichen Telefongesellschaften in Mauritanien, Burkina Faso, Gabun und Mali. Mitte November 2009 übernimmt Vivendi auch den brasilianischen Telecom-Konzern GVT (100%) für 1,6 Mrd. Euro. Ein „Zukauf in Emerging Markets, um zukünftiges Wachstum zu generieren“, so CEO Lévy.
Games:
Am 4.7.2008 fusionierte die bis dahin kleinste Konzerneinheit Vivendi Games mit dem US-Spielesoftware-Entwickler Activision. Unter dem Namen Activision Blizzard (Vivendi-Anteil: 57%) entstand so einer der weltgrößten und profitabelsten Hersteller von online- und konsolenbasierter Unterhaltungssoftware mit einem Umsatz 2010 von rund 3,3 Milliarden Euro. Gelistet an der Nasdaq und mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, stellt Activision Games-Erfolge her wie „World of Warcraft“ (mehr als 12 Mio. Abonnenten weltweit), „Guitar Hero“ und „Call of Duty“.
Engagement in Deutschland
Lange war Vivendi vergleichsweise schwach im deutschen Markt präsent. Der Anteil am Musiksender Viva (Mitte 2004 an Viacom) und die Babelsberger Filmstudios wurden verkauft. Letztere für den symbolischen Preis von 1 Euro (und der Übernahme von 18 Mio. Euro Verbindlichkeiten) an das Investorengespann Carl Woebcken und Christoph Fisser. Heute steuert das Unternehmen über die Universal Entertainment GmbH in Berlin die Produktion und Vermarktung von Repertoire-Firmen wie Polydor, Island, A&M, Def Jam und Geffen.
Im Januar 2008 weitet Vivendi das Engagement in Deutschland wieder aus. Es wird bekannt, dass Vivendis 100-prozentige Filmtochter StudioCanal die deutsche Filmfirma Kinowelt (Leipzig) für geschätzte 70 Mio. Euro übernimmt. StudioCanal wird so einer der führenden unabhängigen Player in der europäischen Produktionslandschaft. Mittels Kinowelt verspricht man sich einen „direkten Zugang zum deutschen Markt“, v.a. zur Vermarktung des StudioCanal-Katalogs von rund 5.000 Titeln. Dabei sind Vivendi und Kinowelt alte Bekannte: Zuvor hatten die Deutschen Canal Plus-Produktionen vertrieben und ausgewertet. Kinowelts Rechtekatalog, einer der größten Deutschlands, umfasst ca. 10.000 Filme, darunter Klassiker von Regisseuren wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff oder Rainer Werner Fassbinder. Am 1. September 2011 wird Kinowelt in Studiocanal umbenannt, der Sitz des Unternehmens wird nach Berlin verlegt. Wolfgang Braun ist seit Juli 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung.
Aktuelle Entwicklungen
Es war der 11.11.2011, als gemeldet wurde: nach acht Jahrzehnten wird der traditionsreiche Plattenkonzern EMI zerschlagen, eine der vier Musikfirmen, die sich den Weltmarkt im schon lange kriselnden Musikgeschäft aufteilen (Universal, Sony Music, Warner, EMI). Nach monatelangen, komplizierten Bietergefechten geht der lukrative Musikverlag (mit Rechten an 1,3 Millionen Alben) für 2,2 Mrd. Dollar an ein Konsortium um den Sony-Konzern. Die Vivendi-Tochter Universal übernimmt die EMI-Tonträgersparte für 1,9 Mrd. Dollar. Unter Vorbehalt: Das EMI/Vivendi-Geschäft gilt als kartellrechtlich schwierig, denn Universal und EMI würden gemeinsam fast 40 Prozent des Weltmarkts kontrollieren.
Am 15.11.2011 wird der Finanzreport für die ersten neun Monate des Jahres veröffentlicht und man sieht: die Geschäfte laufen gut. Schließlich beruht das Geschäftsmodell der Telekom-, TV-, Musik- und Games-Sparten vor allem auf Abo-Einnahmen und ist so von wirtschaftlichen Abschwüngen weniger stark betroffen. 2008 stammten laut Handelsblatt 70% der Umsätze von den mehr als 64 Mio. Abonnenten der verschiedenen Dienste; der Umsatzanteil von Werbung habe nur 0,5% betragen.
2010 gab es ein Umsatzplus in allen Sparten, auch in den ersten drei Quartalen 2011 konnte der Gewinn gesteigert werden. Kennzahlen: Der Umsatz stieg von 20,896 Mrd. € (Q1-Q3 2010) auf 21,03 Mrd. € (Q1-Q3 2011), EBITA von 4,67 Mrd. € (Q1-Q3 2010) auf 4,866 Mrd. € (Q1-Q3 2011). Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2011 aber wird man senken müssen, von ursprünglich erwarteten 3 Mrd. Euro auf 2,85 Mrd. Euro. Hauptgrund sind die im Zuge der Schuldenkrise angehobenen französischen Unternehmenssteuern. Hier erwartet Konzernchef Lévy eine Belastung von 350 Millionen Euro. Die Dividende aber will er trotz allem erhöhen.
Links
Informationen des Unternehmens:
» Vivendi-Jahresberichte
» Pressemitteilungen
Presseberichterstattung:
- Handelsblatt: Vivendi - Einmal Wahnsinn und zurück (01.03.2010)
- Financial Times Deutschland: Ex-Vivendi-Chef Messier angeklagt (22.10.2009)
- Handelsblatt: Vivendi hält Krise stand (01.09.2009)
- Die Welt: Vivendi/Activision - Mega-Fusion krempelt Videospielbranche um (03.12.2007)
News
20.01.12 / NBC Universal Inc., News Corp. Ltd., Walt Disney Corp., Vivendi S.A., Time Warner Inc., Viacom Inc./CBS Corp., Sony Entertainment
Medienkonzerne vs. freies Internet
11.11.11 / Sony Entertainment, Vivendi S.A., Bertelsmann AG, EMI Group plc
Vivendi und Sony teilen EMI auf
09.08.11 / Sony Entertainment, Vivendi S.A., Comcast Corp., Cablevision Systems Corp.
Online-Piraterie - Strategiewechsel der Musikindustrie
Inhalte
Ranking - Top 50 (2011)*
- Comcast/NBCUniversal, LLC
- The Walt Disney Company
- News Corp. Ltd.
- Viacom Inc./CBS Corp.
- Time Warner Inc.
- Sony Entertainment
- Bertelsmann AG
- Vivendi S.A.
- Cox Enterprises Inc.
- Thomson Reuters Corporation
- Dish Network Corporation
- Rogers Comm.
- Liberty Media Corp.
- Lagardère Media
- Reed Elsevier PLC
- Pearson plc
- ARD
- Nippon Hoso Kyokai
- BBC
- Cablevision Systems Corp.
- Charter Comm. Inc.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Bloomberg L.P.
- Yahoo! Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Virgin Media Inc.
- Advance Publications
- Globo Communicação e Participações S.A.
- Clear Channel Comm.
- Mediaset SpA
- Gannett Co. Inc.
- The Nielsen Company
- The Washington Post Company
- Wolters Kluwer nv
- Grupo Televisa
- The Naspers Group
- Bonnier AB
- France Télévisions S.A.
- Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
- RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
- ProSiebenSat.1
- Quebecor Inc.
- Axel Springer AG
- Discovery Communications
- Grupo PRISA
- Sanoma Group
- The Hearst Corporation
- TF1 S.A.
- Tribune Co.
- Daily Mail & General Trust plc


