10. Time Warner Inc.

Umsatz 2008: $ 46,984 Mrd. (€ 31,946 Mrd.)

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Überblick

Der weltweit größte Medienkonzern ist das Resultat zahlreicher Fusionen. Wie aus dem Konzernnamen hervorgeht, sind die Eckpfeiler des Konzerns der Time-Verlag und die Warner-Studios. Time Warner Inc. beherbergt Firmen wie das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktionen New Line Cinema und Warner Bros. Entertainment, die Fernsehsparten HBO und Turner Broadcasting System sowie den Kabelnetzbetreiber Warner Cable Inc.

Basisdaten

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Hauptsitz:
1 Time Warner Center, New York, NY 10019, USA
Telefon: 001-212-484-8000
Telefax: 001-212-489-6183
Internet: www.timewarner.com

Branche: Film, Fernsehsender (Free-TV, Pay-TV), TV-Produktion, Rechtehandel, Kabelnetze, Verlage, Internet-Services, Merchandising, Sportvereine

Rechtsform: Aktiengesellschaft (seit 1971)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1922 (Time Inc.), 1923 (Warner Bros.), 1970 (Turner Broadcasting), 1991 (America Online); 1989 Fusion Time Inc. und Warner Bros., 1996 Fusion Time Warner und Turner Broadcasting, 2001 Fusion AOL und Time Warner

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Umsatz (in Mio. US-Dollar)

46.984

46.482

44.200

43.652

42.089

39.563

37.060

33.507

Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. US-Dollar)*

(13.402)

4,387

6.600

2.905

3.364

2.639

(97.217)

(5.860)

Aktienkurs (in US-Dollar, Jahresende)

9,98

16,51

21,93

17,44

19,45

17,99

13,10

32,10

Dividende (pro Aktie in US-Dollar)

k.A.

0,23

0,21

0,1

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

Beschäftigte

k.A.

86.400

87.900

87.850

85.000

80.000

91.250

89.300

*Net Income (Loss)


Tab. II: Umsatz nach Geschäftsfeldern (Beträge in Mio. US-Dollar)

Film

TV-Sender

Kabelnetze

 Internet/AOL

  Verlage

2005

11.9

9.6

9.4

8.3

5.8

2006

10.6

10.3

11.8

7.7

4.95

2007

11.4

10,27

15,95

5,2

4,95

2008

11.4

11,2

17,2

4,2

4,6

Geschäftsführung

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Senior Corporate Executives

  • Jeffrey L. Bewkes, Chairman, Chief Excecutive Officer
  • Edward I. Adler, EVP President, Coporate Communications
  • Paul T. Cappuccio, EVP & General Counsel
  • Wayne H. Pace, EVP & Chief Financial Officer
  • Patricia Fili-Krushel, EVP & Administration
  • Olaf Olafsson, EVP
  • Carol A. Melton, EVP, Global Public Policy

 

Executives by Business

  • James E. Burtson, SVP, Investor Relations
  • Jonathan Miller, Chairman & CEO, America Online
  • Chris Albrecht, Chairman & CEO, Home Box Office (seit Mai 2007 freigestellt)
  • Robert K. Shaye, Co-Chairman & Co-CEO, New Line Cinema
  • Michael Lynne, Co-Chairman & Co-CEO, New Line Cinema
  • Ann S. Moore, Chairman & CEO, Time Inc.
  • Glenn A. Britt, Chairman & CEO, Time Warner Cable
  • Philip I. Kent, Chairman & CEO, Turner Broadcasting System
  • Barry M. Meyer, Chairman & CEO, Warner Bros. Entertainment
  • Alan F. Horn, President & COO, Warner Bros. Entertainment
  • John Partilla, President, Time Warner Global Marketing & SVP, Time Warner

 

Board of Directors

  • Richard D. Parsons, TW
  • James L. Barksdale, Barksdale Management Corp.
  • Stephen F. Bollenbach, Hilton Hotels Corp.
  • Frank J. Caufield, Kleiner Perkins Caufield & Byers
  • Robert C. Clark, Harvard University
  • Mathias Döpfner, Axel Springer AG
  • Jessica P. Einhorn, Johns Hopkins University
  • Jeffrey L. Bewkes, TW
  • Kenneth J. Novack
  • Francis T. Vincent Jr., Vincent Enterprises
  • Deborah C. Wright, Carver Bancorp, Inc.
  • Edward Zander, Motorola Inc.


Besitzverhältnisse: Ted Turner (4 % stimmberechtigt), John Malone/Liberty Media (4 %; nicht stimmberechtigt), Rest: AOL Time Warner-Management und Streubesitz 

Geschichte und Profil

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Time Inc. entstand 1922. Die Gründer, Henry Luce und Briton Hadden waren damals erst 25 Jahre alt. Die Schulfreunde und späteren Kommilitonen in Yale hatten schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, ein wöchentliches Nachrichtenmagazin auf den Markt zu bringen. 100.000 US-Dollar wollten sie von Investoren einsammeln, um diese damals revolutionäre Idee umzusetzen. Doch sie mussten mit 86.000 Dollar auskommen, die sie von 72 Geldgebern zusammenkratzten. Am 3. März 1923 war die erste Ausgabe von Time an den Kiosken. Der Erfolg war enorm. Es dauerte nicht lange bis weitere Zeitschriften folgten: die Foto-Illustrierte Life, das Wirtschaftsmagazin Fortune, das Tratschblatt People. Nach dem zweiten Weltkrieg war Time Inc. nicht nur der größte Magazinverlag der USA, sondern weltweit. Leidenschaftliche Schreibe statt nüchternem Stil war das journalistische Konzept für die Zeitschriften. Als Verleger Luce einmal wegen der mangelnden Objektivität seiner Blätter kritisiert wurde, meinte er: „Wir erzählen die Wahrheit so, wie wir sie sehen.“

Das Filmstudio Warner Brothers entstand 1923, also nur ein Jahr nach dem Time-Verlag. Trotz der zeitlichen Nähe hätten die Umstände kaum unterschiedlicher sein können. Time Inc. entstand in New York City, dem Zentrum der US-Wirtschaftselite. Ihre jungen Gründer waren stark mit dem Establishment verbunden. Warner Brothers öffnete seine Pforten hingegen in einem hinterwäldlerischen Vorort von Los Angeles, wo es außer Sonne damals nicht allzu viel gab: Hollywood. Als Söhne polnischer Immigranten war den vier Brüdern Harry, Albert, Jack und Sam Warner eine Universitätsausbildung nicht vergönnt. Fasziniert vom Zauber der Filmwelt – damals noch durchwegs in Schwarzweiß und ohne Ton – mieteten sie sich am Sunset Boulevard billige Geschäftsräume, um ihre ersten Zelluloidwerke zu produzieren. Der Anfang war hart, doch 1927 gelang mit „The Jazz Singer“ der Durchbruch. Es war der erste Tonfilm der Geschichte. Jack Warner bezweifelte anfangs die Erfolgschancen. „Wer will schon Filme sehen, in denen gesprochen wird?“, war seine erste Reaktion, als ihm das Projekt präsentiert wurde. Er und seine Brüder rangen sich trotzdem durch, „The Jazz Singer“ zu produzieren. Sie sollten es nicht bereuen. Mit den Gewinnen konnten sie sich ein großes Grundstück in Burbank nördlich von Hollywood kaufen und dort endlich ein richtiges Filmstudio betreiben. Das Gelände ist bis heute in jedem Warner Brothers Film im Vorspann zu sehen. Anders als Metro-Goldwyn-Mayer konzentrierten sich die Warner Brothers nicht auf glamouröse Monumentalfilme, sondern auf weniger riskante Produktionen, vor allem Gangsterfilme und Liebesdramen. Das brachte zwar weniger spannende Schlagzeilen, unter’m Strich aber gesunde Geschäftszahlen. Zudem gab es hin und wieder Überraschungserfolge wie „Casablanca“ (1942) oder „Der Exorzist“ (1973). In den 1950er und 1960er Jahren erweiterte Warner sein Geschäftsfeld auf die Fernsehfilm- und Schallplattenproduktion.

Im Jahre 1989, mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung, entschlossen sich die amtierenden Chefs von Warner und Time zu einer Fusion. Geleitet wurden sie dabei von der Vorstellung, dass es wirtschaftlich sinnvoll sei, möglichst viele Mediengattungen unter ein Dach zu bringen. Die Idee eines so genannten „integrierten Medienkonzerns“ war geboren. Sie sollte in den folgenden Jahren viele weitere Fusionen in der Branche inspirieren. Obwohl sieben Jahre nach dem Zusammenschluss noch immer nicht ersichtlich war, ob und wie das geplante Zusammenspiel zwischen Film, Musik und Print wirklich funktioniert, entschloss sich der damalige Konzernchef Gerald Levin zu einem weiteren Milliarden-Deal: Er kaufte 1996 die CNN-Gruppe, zu der neben dem gleichnamigen Nachrichtensender auch Themenkanäle wie TNN und TNT sowie ein großes Filmlager gehörten, von Ted Turner für 8,5 Milliarden Dollar in Aktien. Der wegen seiner stark schwankenden Stimmungen oft als manisch-depressiv eingestufte Turner hatte im Jahre 1979 von Atlanta aus den ersten Sender gestartet, der rund um die Uhr Nachrichten zeigte. Anfangs wegen der ständigen Versprecher seiner jungen Korrespondenten als „Chicken Noodle Network“ verlacht, mauserte sich Turners „Cable News Network“ (CNN) in wenigen Jahren zur weltweiten Autorität für Nachrichten. Der Clou dabei: Auch dieses Geschäftsmodell funktionierte. Das bislang wenig profitable Genre der TV-Nachrichten brachte Turner satte Gewinne.

Am 10. Januar 2000 erfuhr die Welt, dass Levin mit dem CNN-Kauf seinen Appetit noch immer nicht gestillt hatte. Der Manager überraschte die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, dass Time Warner mit dem Internetanbieter AOL verschmelzen werde. Der weltgrößte Betreiber klassischer, „alter“ Medien vereinte sich mit dem erfolgreichsten Spieler der digitalen, „neuen“ Medien. Betäubt vom Internetfieber der Börse feierte die Welt die Fusion damals als Meilenstein für die endgültige Transformation der Old in eine New Economy. Dass nach den Fusionskonditionen die AOL-Aktionäre 55 Prozent des gemeinsamen Giganten „AOL Time Warner“ halten würden, obwohl Time Warner mit 27,3 Milliarden Dollar Umsatz neun Mal größer war als AOL (Umsatz: 3,1 Milliarden Dollar) und auch mehr als doppelt soviel Nettogewinn erwirtschaftete (1,95 Milliarden Dollar gegenüber 762 Millionen Dollar), erschien damals völlig gerechtfertigt. Nach der Börsenbewertung hätte den AOL-Eignern sogar 70 Prozent zugestanden. Die Fusion sei „geiler als mein erstes Mal mit einer Frau“ tönte Großaktionär Ted Turner.

Es dauerte nicht lange, bis die Internet-Blase an den Aktienmärkten platzte – und mit ihr die Euphorie. AOL Time Warner geriet in eine tiefe Krise. Levin trat im Juni 2002 als Chief Executive Officer zurück, AOL-Gründer Steve Case musste ein Jahr später seinen Posten als Chairman räumen. Neuer starker Mann im Konzern wurde Richard „Dick“ Parsons, ein Eigengewächs aus dem Hause Time Warner. Parsons besann sich wieder auf die Werte der „alten“ Medienwelt. Es gelang ihm, den schwer angeschlagenen Konzern zu sanieren und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Im Herbst 2003 strich er die drei Buchstaben „AOL“ aus dem Konzernnamen. Time Warner war wieder Time Warner.

Management

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Trotz positiver Entwicklungen beim größten aller Medienkonzerne sind die Strategie von Time Warner und die Position von CEO Richard Parsons umstritten. Ende 2005 kam es zu einer Herausforderung der besonderen Art, als sich Großinvestor Charles Icahn über Hedge-Fonds die Kontrolle über ein beachtliches Aktienpaket sicherte. Icahn stellte öffentlichkeitswirksam Forderungen. So monierte er die schleppende Entwicklung des Aktienkurses und forderte, den Konzern zu zerschlagen. Gewünschte Synergieeffekte zwischen den einzelnen Konzernsparten seien nicht zustande gekommen. Time Warner solle, so Icahn, neu organisiert, die Verlags- und Kabelsparten abgespaltet und die Führungspositionen neu besetzt werden. Der Disput zwischen Icahn und Parsons erreichte seinen Höhepunkt als Icahn, unterstützt von der Investmentbank Lazard, im Februar 2006 ein 343 Seiten starkes Papier herausgab, das mit Anschuldigungen gegen Konzernchef Parsons gespickt war. Kurz darauf berichtete die englische „Times“, dass Icahn Time Warners größten Anteilseigner, den Investmentfondsverwalter Capital Research, auf seine Seite gezogen hätte. Doch derartige Vermutungen verliefen sich, und angesichts von seinen (nur) drei Prozent Anteilen, ungenügender Unterstützung von der Wall Street und keinerlei Möglichkeiten, selbst einen Posten zu besetzen, beschloss Icahn, seine Pläne vorerst zu verwerfen.

Zudem halfen die erfreulichen Kennzahlen „Dick“ Parsons Position wieder zu stärken. Da Parsons weitere Expansionen vermied und sich ganz auf Effizienz konzentrierte, wurde 2005 für Time Warner zu einem gesunden Geschäftsjahr. Durch den Verkauf der Time Warner Book Group und von AOL-Anteilen an Google im Jahr 2006 schaffte sich Time-Warner-CEO „Dick“ Parsons Luft im Kampf gegen den Großinvestor Carl Icahn - obgleich dieser nicht locker lässt. Noch im Herbst 2006 ließ Carl Icahn verlauten, er habe seine Beteiligung an Time Warner erneut aufgestockt. Aus einem Bericht an die amerikanische Börsenaufsicht SEC Mitte Februar 2007 ging schließlich hervor, dass Icahn und seine Investmentgruppe Icahn Management im vierten Quartal 2006 rund 44 Millionen Time-Warner-Aktien verkauft haben. Mit 25 Millionen Anteilen halten sie jetzt nur noch rund ein Drittel der Anteile, die sie noch Ende September 2006 Jahres besaßen.  Offenbar gibt US-Milliardär und Investor Carl Icahn seinen Versuch auf, beim größten Medienkonzern der Welt Einfluss auszuüben.

Die Attacken des Großinvestors waren dann kein Einzelfall mehr, sie zeugten von der hohen Bedeutung von Hedge-Fond-Managern im Mediensektor vor der Finanzkrise. Die Macht durch die Kumulation von Fonds-Geldern bekam Anfang 2006 insbesondere der Zeitungskonzern Knight-Ridder zu spüren, als Hedge-Fonds-Manager den Verkauf des Unternehmens erwirkten.

Nachfolger von Konzernchef Richard Parsons wurde Jeffrey Bewkes ab 1. Januar 2008, fünf Monate bevor Parsons Vertrag offiziell endete. Seinen Posten als Chairman behielt Parsons. Bewkes gilt vielen an der Wall Street als Macher, der Time Warner aufspalten und den Aktienkurs nach längerer Zeit wieder beleben könnte. Anfang November 2007 wurde Jeffrey Bewkes zum neuen Vorstandschef ernannt. Bewkes baut den Konzern schrittweise um. Er setzt auf die Kernkompetenz des Konzerns, auf Inhalte, setzt den Verkauf der Kabelsparte in Gang. Außerdem plant er, die AOL-Geschäftsfelder für Zugang und das Portalgeschäft ab 2009 in getrennten Bereichen zu unterhalten.

Geschäftsfelder

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Film: Das Time-Warner-Filmgeschäft mit Warner Bros., New Line Cinema und Castle Rock Entertainment, erwirtschaftet seit mehreren Jahren konstant gute Zahlen. Das liegt beispielsweise an New Lines „Herr der Ringe“-Franchise sowie an Kino-Hits wie „Charlie and the Chocolate Factory“, „Harry Potter and the Goblet of Fire“ oder „Batman Returns”. Warner Bros. Pictures war mit Einnahmen von ca. 1,3 Milliarden US-Dollar das weltweit erfolgreichste Filmstudio des Jahres 2005. Darüber hinaus erlebte das Filmsegment das erste erfolgreiche Jahr von Warner Independent Pictures. Das unabhängige Label erwirtschaftete 113 Millionen Dollar, hauptsächlich dank des Kassenschlagers und Oscargewinners „March of the Penguins“.

Für Aufsehen sorgte eine Ankündigung der Filmgesellschaft Warner Bros. Entertainment, die eines der größten Filmarchive in Hollywood besitzt, unmittelbar vor Beginn der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas. Ab Juni 2008 wolle Warner ausschließlich im Blu-ray-Standard veröffentlichen. Damit wird das konkurrierende Format HD DVD nur noch von zwei Studios unterstützt, von Universal Pictures, Tochter der General Electric Co, und von Paramount Pictures, Tochter der Viacom Inc. HD DVD basiert auf einer Technologie der japanischen Toshiba Corp. und der Microsoft Corp.. Die Entscheidung  kam äußert überraschend. Außer Warner Bros veröffenlichen bereits die Sony-Filmstudios, Walt Disney sowie Twentieth Century Fox nur im Blu-ray-Format.

Fernsehen: Die ertragreichsten Sender des Konzerns sind HBO und Turner Broadcasting Systems (TBS) mit CNN, TNT und dem Cartoon Network. TNT ist zu einem der meist beachteten Kabelkanäle der USA geworden, der Relaunch der TBS Superstation als Comedy-Plattform war ebenfalls erfolgreich.

Der erfolgreiche Sender HBO finanziert sich nicht über Werbung, sondern über Abonenntenerlöse, und von 110 Millionen US-TV-Haushalten haben immerhin rund 40 Millionen HBO abonniert. Die mittlerweile auf 10 Digitalkanäle angewachsene Sendergruppe gilt als Cash Cow im Time-Warner-Konzernverbund. Experten zufolge erwirtschaftet HBO bei einem Umsatz von rund 3 Milliarden $ ein operatives Ergebnis von rund 1 Milliarden. Frühzeitig setzte HBO auf eine aufwändige Eigenproduktionsstrategie, die in der Branche mit demütiger Hochachtung verfolgt wird. Mittlerweile machen hochwertige Eigenproduktionen rund ein Drittel der Sendezeit aus. Diesen Standard gilt es zu bewahren, damit auch die Kundenzahl gehalten werden kann.

Der erfolgreiche Sender wartet aber seit geraumer Zeit auf neue durchschlagende Quoten-Erfolge à la „Sex and the City“ oder „The Sopranos“. 2005 brachte HBO mit „Rome“ die teuerste TV-Serie aller Zeiten auf den Bildschirm. Aber obwohl rund 100 Millionen $ in die zwölfteilige Serie investiert wurden, brachte das Historien-Drama nur mittelmäßige Quoten. HBO konnte durch unverhoffte Verkäufe an andere US-Kabelsender, so auch durch einen „The Sopranos“-Deal mit A&E, der 2,5 Millionen Dollar pro Episode einbrachte, weitere Gewinne erzielen.

Änderungen nahm Time Warner beim Sorgenkind "The WB"-Network vor, einem der kleinen landesweiten US-Sender. Sinkende Werbeeinnahmen (ein Minus von neun Prozent 2005) und anhaltende Positionierungsschwierigkeiten überschatteten zuletzt Erfolge wie z. B. die der Serie „Gilmore Girls“. Um weiteren Problemen entgegenzuwirken, wurde im September 2006 The WB mit dem Konkurrenzsender UPN zusammengeführt. "The CW", so der Name des neuen Networks ist ein 50/50-Joint-Venture zwischen Warner Bros. und der CBS Corp. (vergl. auch Kapitel Viacom/CBS in der Mediendatenbank). Dessen Programm wird aus den erfolgreichsten Beiträgen beider Sender zusammengestellt.

Time Warners Fernsehsender konnten dank wachsender Werbezeitenverkäufe und steigender Abonnentenzahlen 2005 einen Zuwachs von 6 Prozent bei den Einkünften verzeichnen.

Weil er seine Freundin auf einem Parkplatz im Alkoholrausch geschlagen hatte, musste der sehr erfolgreiche HBO-Vorstandsvorsitzende Chris Albrecht Mitte Mai 2007 zurücktreten. Albrecht war ein sehr erfolgreicher Manager, der großen Anteil am Erfolg von HBO hat. Seit 1995 war er für die Programmierung verantwortlich, er hatte großen Anteil an Erfolgsserien wie "The Sopranos" oder "Sex and the City" und wurde 2002 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt. Der bekennende Alkoholiker erklärte in einem Memo an seine Mitarbeiter, dass seine Akoholsucht wieder ausgebrochen sei.

Ende März 2009 stiegt Time Warner mit 31 Prozent beim osteuropäischen Broadcaster Central European Media Enterprises (CME) ein. Der Kaufpreis der Anteile soll 241,5 Mio. US-Dollar betragen haben. Die in Bermuda ansässige CME erreicht mit ihren TV-Sendern, eigenen Angaben zufolge, 97 Mio. Menschen in Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Rumänien, Slowenien, der Slowakei und der Ukraine. Neben der Beteiligung gaben CME und Warner Bros. Partnerschaften in sieben zentral- und osteuropäischen Märkten bekannt, mit dem Ziel, hier neue Sender zu gründen, die vor allem internationale Filme und TV-Serien aus der umfangreichen Filmbibliothek von Time Warner ausstrahlen.

Kabelnetze: Nach Comcast (Comcast Corp. in der Mediendatenbank) ist Time Warner Cable (TWC) mit 11 Millionen Kabel- und 5 Millionen High-Speed-Internetkunden der zweitgrößte Kabelnetzbetreiber der USA. Als sich der finanziell angeschlagene Mitbewerber Adelphia zum Verkauf anbot, schlossen sich Comcast und Time Warner Cable zusammen und sorgten mit ihrer 17,6 Millionen-Dollar-Übernahme in bar und in Aktien für die weitere Liquidität des Kabelbetreibers. Zudem zahlte Time Warner Cable 9 Milliarden US-Dollar an Adelphia-Aktieninhaber aus und überließ ihnen Anteile von 16 Prozent an Time Warner Cable. Time Warners Kabelgesellschaft, die auf erfolgreiche Jahre 2005 und 2006 zurückblicken kann, ist der Hauptwachtumsmotor des Konzerns. Time Warner Cable Inc. ist Mitte Februar 2007 eine eigenständige Aktiengesellschaft geworden.

Internet/AOL: Time Warner hat gelernt, dass größer nicht unbedingt besser bedeutet. Die Fusion zwischen alten (Time Warner) und neuen Medien (AOL) blieb weitgehend erfolglos, weil es der Konzern verpasste, sinnvolle Synergien zu schaffen. Jeff Bewkes, die Nummer Zwei im Konzern hinter Richard Parsons hat dem Online-Unternehmen daher eine radikale Neuausrichtung verordnet. Anstatt sein Geld mit Einwahlkunden zu verdienen, versucht sich AOL seit 2006 als Portal. Das heißt, die Sparte versucht, Nutzer mit Diensten wie Nachrichten, Kleinanzeigen und Sicherheitssoftware auf seine Seiten zu locken und sich künftig über Werbeanzeigen zu finanzieren. Das anachronistische Abo-Modell des Internet-Pioniers wird abgeschafft und Breitbandnutzer bekommen E-mail- und andere Webdienste nun gratis, die bis dato zahlenden Kunden vorbehalten waren.
AOL zählt neben Google, Microsoft und Yahoo zu den großen Vier der Online-Werbung. Im Frühjahr 2006 steigerte AOL seine Online-Werbeerlöse um 40 Prozent auf 450 Millionen $. Erstmals seit langer Zeit konnte das Unternehmen damit wieder Marktanteile gewinnen, blieb jedoch umsatzmäßig weit hinter den Branchenführern Google (953 Mio. $) und Yahoo (637 Mio. $) zurück. Mit diesem Zuwachs aber konnte AOL die Verluste durch die massiven Abo-Kündigungen weitgehend wettmachen. Vorstandschef Richard Parsons konnte also freudig berichten: "Es ermutigt uns, dass AOL schon so früh Fortschritte beim Umbau zum Anzeigengeschäft macht."

"Die Marge im Zugangsgeschäft beträgt 20 Prozent, im Werbegeschäft 50 Prozent", so AOL-Chef Jonathan Miller. "Diese Marge steigt, wenn man die kritische Größe überschritten hat, weiter auf 60 bis 70 Prozent." Diese Größe liege bei einer Milliarde Dollar Umsatz, die AOL jetzt überschritten habe. Diesen Erkenntnissen ließ Miller klare Managemententscheidungen folgen. So verkaufte er Ende März 2006 ein 5 Prozent-Anteils-Paket von AOL an den Konkurrenten und Suchmaschinengiganten Google für immerhin 1 Milliarde Dollar, mit dem Ziel, künftig mehr AOL-Inhalte auf Google-Resultatseiten gelistet zu finden. Auch verkaufte Miller das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland im September 2006 an die Telekom Italia und deren Hamburger Tochter HanseNet für 675 Millionen Euro. Time Warner trennte sich kurz darauf auch vom AOL-Internetzugangsgeschäft in Frankreich für 365 Millionen Dollar.

Die britische Carphone Warehouse Group erhielt im Oktober 2006 den Zuschlag für das Internet-Zugangsgeschäft von AOL in Großbritannien. Time Warner strich für den Verkauf 370 Millionen Pfund (548 Millionen Euro) in bar ein. Mit rund 2,1 Millionen Kunden, davon 1,5 Millionen im Breitbandgeschäft, ist AOL einer der größten Internet Service Provider (ISP) auf der Insel. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete AOL UK einen operativen Gewinn von 14,1 Millionen Pfund (20,9 Millionen Euro), der Umsatz lag bei rund 442 Millionen Pfund (655 Millionen Euro).

Durch den Verkauf des Zugangsgeschäfts in Deutschland, Frankreich und Großbritannien für insgesamt etwa 1,9 Mrd. $ steigerte die einstige Problemsparte AOL ihr operatives Einkommen um 38 Prozent auf 397 Mio. $. Damit trägt der Bereich heute etwa ein Fünftel zum Konzerngewinn bei.
Im März 2006 startete Time Warner über das AOL-Portal das Angebot In2TV, wo die Nutzer Serienklassiker aus den eigenen Warner-Studios (z.B. „Welcome Back, „Kotter“, „Beetlejuice“) abrufen können. Dabei setzt das Unternehmen auf Werbeeinnahmen anstelle von Download-Gebühren. Pro 30 Minuten Film werden bis zu zwei Minuten Werbespots gezeigt. Zudem können Anzeigen neben den Filmangeboten auf der Website lanciert werden.

Das AOL-Video-Portal bietet dank Verträgen mit Produktionsfirmen TV-Formate, jedoch keine Kinofilme, wie es 2006 einmal geplant war. 

AOL konnte im ersten Quartal 2007, trotz niedrigeren Umsatzes, den Gewinn um 27 Prozent steigern. Da strategisch wichtig, übernahm AOL Mitte Mai 2007 eine Advertising-Plattform. Mit der nicht börsennotierten Bostoner Gesellschaft Third Screen Media erwarb man eine der führenden Anbieterinnen von Werbe-Plattformen im Bereich Mobilfunk, die das Management und die Übertragung von Mobiltelefonwerbung via WAP, SMS und MMS organisiert. Innerhalb der Advertising.com-Sparte von AOL wird das Unternehmen als eigenständige Gesellschaft integriert. Nach den anderen großen Internet-Konzernen (Google kaufte DoubleClick) brachte sich auch AOL mit einem Zukauf für den erwarteten Boom neuer Online-Werbeformen in Stellung. AOL kaufte die Firma Tacoda Ende 2007. Tacoda, 2001 gegründet, ist auf maßgeschneiderte Internet-Werbung spezialisiert. Dabei werden die Gewohnheiten von Internet-Nutzern gespeichert und Werbung entsprechend geschaltet.

AOL kaufte im April 2008 mit Sphere einen Spezialisten für Kontext-Suche. Die Suchtechnologie von Sphere erlaubt es Websitebetreibern, ihre Seiteninhalte mit themenverwandten Blogs, Videos, Fotos oder Anzeigen zu verknüpfen. Die Anzeige der kontextbasierten Suchergebnisse erfolgt in einem gesonderten Fenster oder in einem in die Website integrierten Widget. AOL hatte Spheres Widget-Technologie schon vor der Akquisition für seine News-Site genutzt. Spheres Kontext-Suche wird, so Konzernaussagen, auf knapp 70.000 Websites verwendet. Kunden sind unter anderem Wall Street Journal, Time Magazine, Reuters, CBS, CNN, Newsweek ZDNet.com.

Im März 2009 wurde Tim Armstrong, ein Ex-Google-Manager, zum neuen Verwaltungsratsvorsitzenden und zum CEO von AOL berufen. Armstrong löst den bisherigen Chairman und CEO Randy Falco mit sofortiger Wirkung ab. Falco wird das Unternehmen mit COO Ron Grant verlassen. Armstrong war bei Google Mitglied im Operating Committee, Präsident für das Amerikageschäft und zuletzt einer der Senior Vice Presidents. Bei Google baute Armstrong das Geschäft für Online-Werbung auf. Auf Armstrong setzt man große Hoffnungen, nachdem die Werbeeinnahmen von AOL zwischen Oktober und Dezember 2008 um 18 Prozent und die Umsätze aus Internetanschlüssen um 27 Prozent eingebrochen waren.

Time Warner gab im März 2009 bekannt, dass Google den 5-Prozent-Anteil an AOL verkaufen werde, den Google 2005 für rund 1 Mrd. US-Dollar erworben hatte. Time Warner besitzt das Vorkaufsrecht, doch man geht davon aus, dass Google weit weniger für seine Aktien erhalten wird, als es einst für den Anteil ausgegeben hatte. Im letzten Quartal 2008 hatte Google 726 Millionen Dollar auf den Wert seiner AOL-Anteile abschreiben müssen.

Verlage: Time Warners ältester Besitz, die Time Inc., ist nach wie vor die Nummer Eins unter den US-Magazinverlagen. Time Inc. ist Herausgeber von "People", "Fortune" oder "Sports Illustrated". Das 1936 gegründete, für seine Fotokunst gerühmte, aber wiederholt krisengeschüttelte "Life Magazine", das nach sechsjähriger Todesphase 1978 wiederbelebt und vom Wochen- zum Monatsmagazin umgewidmet wurde, steht im Frühjahr 2007 abermals vor seinem Aus. Als Gründe nennt man bei Time Warner den sinkenden Absatz im Zeitungsgeschäft. Auf dem US-Markt wurde "Life" von den Konkurrenten "Parade" (Advance Publications) und "USA Weekend" (Gannett) überrundet. "Parade" mit einer Auflage von 32 Millionen arbeitet mit rund 400 Zeitungen zusammen.

Nach der Abspaltung von Warner Music wurde im Februar 2006 eine weitere Konzernsparte, die seit 2003 zum Verkauf stehende Time Warner Book Group von der französischen Mediengruppe Lagardère (Groupe Lagardère in der Mediendatenbank) für 237,5 Millionen Dollar übernommen. Lagardère wird durch die Fusion zum drittgrößten Verlag der Welt. 2003 platzte kurz vor Abschluss ein Deal mit der Bertelsmann AG (Bertelsmann AG in der Mediendatenbank). Die Time-Warner-Verlagssparte steigerte ihre Werbeeinnahmen und trennte sich vom schwachen Time-Life-Direktmarketinggeschäft.

Games: Time Warner, NBC-Universal, Bertelsmann, die Venture Capital-Unternehmen Rustic Canyon, Trinity und dcp sowie Hewlett Packard als deren strategischer Partner schließen sich im Juli 2007 zusammen, um den erst im September 2006 gegründeten Spieleentwickler Trion World Network (www.trionworld.com) mit einer US-Millionensumme im zweistelligen Bereich zu fördern. Das vom Gamekonzern-Manager Lars Buttler, vom "Might & Magic"-Erfinder Jon Van Caneghem und anderen Gameveteranen aufgebaute Unternehmen hat sich der Entwicklung von Computerspielen, die über Breitbandanbindung gespielt werden, verschrieben. Vorbilder sind "World of Warcraft" und "Burning Crusade". Außer den Einmalkosten sollen Spieleumsätze außerdem über Teilnahmeabonnements generiert werden. Diverse Multilayerspiele sollen wie TV-Serien entwickelt werden und online vertrieben werden. Geplant ist es, die Wünsche der Spieler zu berücksichtigen, um teure Flops zu verhindern. Für die neuen Produkte werden die Verbindungen zu den beteiligten Medienkonzernen und deren Content genutzt.

Time Warner Entertainment vergrößerte im Dezember 2008 seine Anteile am britischen Game Publisher Eidos (früher SCi Entertainment). Die Time Warner-Tochter erwarb über zehn Millionen zusätzliche Anteile an Eidos und besitzt nun knapp 19,9 Prozent an dem Unternehmen, und damit einen Anteil, der weiter ausbaubar ist. Mit seinen in Summe 52,5 Millionen Anteilen an Eidos bleibt Time Warner wahrscheinlichster Übernehmerkandidat des Publishers.

Musik: Die Warner Music Group (WMG), eine der vier größten Plattenfirmen weltweit, wurde im Februar 2004 von Time Warner an eine Investorengruppe unter der Leitung von Edgar Bronfman jun. verkauft, beteiligt an WMG ist nun auch der in Deutschland bekannte Haim Saban. Hauptsitz der Warner Music Group Germany Holding GmbH ist Hamburg.

Engagement in Deutschland

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Außer der in Hamburg ansässigen Tochterfirma AOL Deutschland und dem Verleihzweig Warner Bros. hält sich Time Warner weitgehend dem deutschen Medienmarkt fern.
Seine Anteile am Musiksender Viva und am Nachrichtensender n-tv hat der Konzern 2004, bzw. 2005 verkauft.

Geschäftskontakte zum deutschen Markt hielt lange der Manager Jeffrey Schlesinger, Leiter des Spielfilm- und Serienverkaufs von Warner Bros. Schlesinger verkaufte vor Jahren zwei Filmpakete mit einem Preis in dreistelliger Millionenhöhe, eines an RTL und eines an die Tele München Gruppe. Clever und gnadenlos agierte der Manager, als es um den Deal mit der Münchener und heute in Leipzig wiederauferstandenen Filmfirma Kinowelt ging. Ein überteuertes Filmpaket von Warner war der Hauptgrund, warum die Münchner Kinowelt und deren Eigentümer, die Brüder Kölmel, Pleite gingen. Rufe nach einer Reduzierung oder Stundung der Zahlungsraten wies Schlesinger cool zurück.

Das Zugangsgeschäft von AOL Deutschland wurde im September 2006 an die Hamburger Telekom Italia-Tochter HanseNet für 675 Millionen Euro verkauft. Ein Stellenabbau am Standort Hamburg ging mit dem Abstoßen der Sparte einher.

Durch den Verkauf des Zugangsgeschäfts in Deutschland, Frankreich und Großbritannien für insgesamt etwa 1,9 Mrd. $ konnte die Problemsparte AOL ihr operatives Einkommen um 38 Prozent auf 397 Mio. $ steigern. Mit seiner Online-Plattform AOL setzt Time Warner künftig international vor allem auf Umsätze aus der Werbevermarktung.

Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, sitzt heute im Aufsichtsrat von Time Warner. Ob das zusätzliche Aktivitäten Time Warners in Deutschland auslöst, muss beobachtet werden.

Time Warner ist in Deutschland über Turner Broadcasting mit drei Angeboten im Pay-TV-Bereich vertreten: Die Sender Cartoon Network und Boomerang decken die Zeichentricksparte ab, bei Turner Classic Movies werden vor allem Klassiker von Warner Bros. ausgestrahlt. Zusätzlich ist CNN, der englischsprachige Nachrichtensender, zu empfangen. Bislang schwächelte das Time Warner-TV-Geschäft in Deutschland. Die Beteiligung am Musiksender Viva und ein deutschsprachiges CNN entwickelten sich schlechter als erwartet, weshalb man die Aktivitäten einstellte. Doch steckt der deutsche Pay-TV-Markt in den Kinderschuhen, es gibt noch Potenzial. Das glaubt auch Rupert Murdoch, dessen News Corp. Mitte Mai den Spielfilm- und Serienkanal Fox startete, der über Unitymedia und die Plattform Arena ins deutsche Netz eingespeist wird. Disney ist in Deutschland mit dem Kindersender Super RTL sowie weiteren Pay-TV-Angeboten vertreten. MGM bietet den gleichnamigen Kanal über Premiere an, während Sony auf Zeichentrickangebote setzt.

AOL startet Mitte März 2009 sein Soziales Netzwerk Bebo auch in Deutschland. In Großbritannien, USA, Irland, Australien, Neuseeland, Kanada und Polen hat Bebo bereits 22 Millionen Unique Visitors. Bebo ermöglicht es, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und Inhalte zu laden, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind, ob bei Youtube, Flickr, Twitter, Facebook, Myspace oder auf anderen Seiten. Der Start erfolgt nicht nur in Deutschland, sondern zeitgleich in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden. Die Plattformen AlloCiné, Clipfish (RTL), Diagonal View und Preview Networks’ Filmtrailer sind Teil des Social Network.

 

Aktuelle Entwicklung

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Anfang Juli 2007 charakterisiert Paul Tracy, Herausgeber des US-Börsenbriefs „Street Authority Market Advisor“, die Time Warner-Aktie  (ISIN: US8873171057) als unterbewertet. Time Warner sei nach einer schwierigen Phase in die Erfolgsspur zurückgekehrt, durch verschiedene strategische Neuausrichtungen sei das Unternehmen gut positioniert, um in den kommenden Jahren den Shareholder Value zu steigern. Dass die vergangenen Jahre schwierig und von Aktionärsklagen und strategischen Fehlentscheidungen gekennzeichnet waren, ließe sich am Aktienkurs ablesen, der es in den letzten 5 Jahren nur auf einen Zuwachs von 3,3% jährlich gebracht habe, also wesentlich weniger als die Hälfte des Zuwachses im S&P 500.
Tracy schlussfolgerte, dass unabhängig von den ökonomischen Zyklen die starke Nachfrage im Entertainment-Sektor andauern werde. Egal, ob man Filme sehe, Magazine lese oder online surfe, Time Warner sei dabei.

Um Kosten zu sparen sollen das Time Warner Hollywood-Studio New Line Cinema („The Lord of the Rings," "Nightmare on Elm Street," "Rush Hour" oder "Austin Powers“) in den größeren Konzernbereich Warner Bros. Entertainment Studio integriert werden. Damit setzte der neue Time Warner-CEO Jeff Bewkes im März 2008 ein erstes Signal. Börsenanalysten schätzen, dass Bewkes weitere Schritte der Art folgen läßt, etwa den Verkauf von AOL oder die Abtrennung von Time Warner Cable. Doch vorerst wird AOL nicht verkauft, auch nicht an Yahoo, wie kurzzeitig gemunkelt wurde. AOL kauft selbst ein. Im März 2008 ging die Web 2.0-Plattform Bebo für 850 Mio. US-Dollar an die Time Warner-Tochter, die genau ein Jahr darauf auch in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden an den Start ging, wobei sie in Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland, Kanada und den USA bereits zur Erfolgsmarke geworden war. Damit spielt auch Time Warner im Kampf um die attraktivsten und personenstärksten Online-Netzwerke mit, die neue Werbemöglichkeiten und differenzierte Informationen über User bieten.

Der Überschuss des Konzerns sank im ersten Quartal, nach Einmalgewinnen durch Anteilsverkäufe im Jahr zuvor, um über ein Drittel auf 771 Millionen US-Dollar. Der Umsatz stieg um 2 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro).
Allein die Kabelsparte erwirtschaftete im ersten Quartal ca. 4,15 Milliarden US-Dollar an Umsatz gegenüber 3,85 im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wobei der operative Gewinn von 579 auf 636 Millionen US-Dollar hochkletterte. Der Umsatz der Internetsparte AOL sank von 1,46 auf 1,13 Milliarden US-Dollar, und der operative Gewinn sogar von 1,08 auf 284 Millionen US-Dollar. AOL zählte im vergangenen Quartal 8,7 Millionen Kunden im Zugangsgeschäft und damit 647.000 weniger als drei Monate zuvor und 3,3 Millionen weniger als noch im Jahr 2007.

Am 7. Mai 2008 wird bekannt, dass Time Warner Cable, das Jeff Bewkes aus dem Konzern auszulagern plant, am Aufbau eines mobilen Hochgeschwindigkeitsnetz für die USA beteiligt sein soll. Unter Führung des US-Mobilfunkanbieters Sprint Nextel wollen amerikanische Kabelbetreiber und Technologiefirmen ein erstes landesweites Hochgeschwindigkeitsnetz für mobile Internetnutzung mit WiMax-Technologie aufbauen. Dieses Netz erlaube extrem schnelle, mobile Zugriffe auf Web, Videos und andere Daten für Handys, Laptops, Taschencomputer und weitere Mobilgeräte. Fünf Mal schneller als herkömmliche drahtlose Computernetze (WiFi) soll es sein, die Reichweite sei mit mehreren Kilometern deutlich größer. Pro Sekunde ließen sich rund 5 Megabyte Daten herunterladen. Am fast 15 Milliarden US-Dollar (9,7 Mrd EU) schweren Gemeinschaftsunternehmen namens Clearwire beteiligen sich die größten US-Kabelnetzanbieter Comcast und Time Warner Cable, der Chiphersteller Intel und der Internetkonzern Google.

Die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) reichte am 19.5.08 Klage wegen Betruges gegen acht Ex-AOL-Manager ein. Gegen AOL verhängte die SEC im Jahr 2000 bereits eine Geldstrafe von 3,5 Millionen Dollar, da das Unternehmen in den Geschäftsjahren 1995 und 1996 Werbungskosten, darunter Kosten für den Disketten- und CD-ROM-Versand an potenzielle Kunden, unberechtigterweise als Aktivposten verbucht hatte. Ohne die Falschbuchungen hätte AOL  für sechs Quartale Verluste und keine Gewinne ausweisen müssen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, von 2000 bis 2002 Finanztransaktionen durchgeführt zu haben, die den Wert des Tochterunternehmens AOL künstlich steigern sollten. Mittels "Round-trip transactions" sollen die Werbeumsätze um über eine Milliarde US-Dollar erhöht worden sein, womit Analysten und Investoren getäuscht worden seien.
Angeklagt sind der Ex-Chief Financial Officer (CFO) von AOL Time Warner, John Michael Kelly, der Ex-Finanzchef bei AOL, Joseph A. Ripp, der Ex-Manager im Bereich Business Affairs, Steven E. Rindner sowie Mark Wovsaniker, einst verantwortlich für die Bilanzierungspraktiken bei AOL. Die SEC fordert Unterlassung weiterer rechtswidriger Handlungen, Geldstrafen sowie mehrjährige Arbeitsverbote für die Beklagten als Manager in Unternehmen. Betrugsvorwürfe werden gegen vier weitere Ex-Manager von AOL Time Warner erhoben. Hier wurden außergerichtliche Einigungen dank Geldzahlungen erzielt. Im Gegenzug verzichtet die SEC auf Schuldeingeständnisse.

Die börsennotierte Tochter Time Warner Cable wirft vor ihrer Abspaltung vom Mutterkonzern eine Sonderdividende von 9,25 Mrd. Dollar ab. Time Warner hält noch rund 85 Prozent an der zweitgrössten US-Kabelgesellschaft, die nun direkt an die Time-Warner-Aktionäre übergehen sollen. Time-Warner-Chef Jeff Bewkes baut den Konzern konsequent um und konzentriert sich auf das Kern-, also das Inhaltegeschäft. Aktionäre hatten den Umbau angesichts des Kursverfalls seit langem gefordert. Auch das schwächelnde Internetportal AOL steht zum Verkauf bereit. Man stehe einem Verkauf "offen" gegenüber.

Heisse Luft aus dem Hause Time Warner? Auf seiner Konferenz für "strategische Entscheidungen" Anfang Juni 2008 kündigt Time Warner an, das Internet via Kabelnetz künftig mit dem Fernsehen zu verbinden. Das sieht nach Konvergenz aus, doch wie verträgt sich das mit dem Plan, die Kabelsparte auszulagern? Man sollte wohl besser warten, bis der Plan umgesetzt wurde, bevor man den Mund so voll nimmt, zumal sich insbesondere das AOL-Management nie mit Ruhm bekleckert hat. Versäumt wurde es, das Potential auszuschöpfen, dass die einst über 30 Millionen AOL-Kunden boten, indem man ihnen einen Internet-Zugang via Kabelnetz angeboten hätte. AOL indes strich sogar die DSL-Angebote und schlug den Kunden die Einwahl via Modem vor. Ebenfalls Anfang Juni wird obendrein bekannt,  dass die Internet-Kunden des Kabelnetzes künftig nur noch Teilzugang erhalten sollen. Demnach dürfen beim günstigsten Angebot von 30 US-Dollar im Monat, nur noch 5 Gigabyte pro Monat geladen werden. Bei der teureren und schnelleren 55 Dollar-Variante sollen es noch 15 Gigabyte sein. Der Download jeden weiteren Gigabyte kostet den Kunden je einen Dollar. Willkommen im Walled Garden von Time Warner. Anstatt den Kunden kreative, vernetzte Lösungen zu offerieren, zäunt man sie in begrenzte Teilwebwelten ein.

 

 

Wie im Oktober 2008 bekannt wurde, plant die Magazin-Sparte Time Inc., 600 Stellen abzubauen. Die im Zuge der Finanzkrise schrumpfenden Anzeigenerlöse wurden von offizieller Seite als Grund dafür angeführt, sechs Prozent aller Time-Angestellten zu entlassen. Neben dem Stellenabbau ist auch eine stärkere Zentralisierung des Managements der verschiedenen Magazintitel geplant. Künftig wird Time Inc. in die drei Geschäftsfelder „News“ (dazu zählen unter anderem die Zeitschriften Time Magazine und Fortune), „Lifestyle“ (Real Simple) und „Style and Entertainment“ (People, Entertainment Weekly) eingeteilt. Time-Geschäftsführerin Ann Moore bezeichnete die Anzeigenkrise in einem unternehmensinternen Memo als „Herausforderung, wie wir sie noch nie erlebt haben“.

Das Jahr 2008 endete auch für Time Warner miserabel: wegen einer Abschreibung im 4. Quartal musste der Konzern einen Nettoverlust von 16 Milliarden US-Dollar verbuchen. Als Hauptursachen nannten Sprecher die Krisenstimmung im Internet-, Kabel- und Verlagsgeschäft. In den Feldern schrieb der Konzern zusammen 24,2 Milliarden US-Dollar ab.

Tim Armstrong (38), noch Senior Vice President bei Google Inc., wo er acht Jahre lang beschäftigt war, wird der neue Chairman und CEO der kränkelnden Internet-Sparte AOL LLC. Der derzeitige AOL-Chairman und -CEO Randy Falco und AOL-President und COO Ron Grant werden das Unternehmen nach einer Übergangszeit verlassen. Man rechnet mit neuen Impulsen. Möglich ist die Abspaltung von AOL aber dennoch weiterhin.

News

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20.01.12 / NBC Universal Inc., News Corp. Ltd., Walt Disney Corp., Vivendi S.A., Time Warner Inc., Viacom Inc./CBS Corp., Sony Entertainment

Medienkonzerne vs. freies Internet

21.11.11 / Comcast Corp., News Corp. Ltd., Time Warner Inc., Bloomberg L.P.

Occupy Wall Street, Wirtschaftskrise und US-Medien

19.10.11 / Amazon.com Inc., Time Warner Inc.

Amazon vs. Buchhändler und Verlage