40. Thomson Reuters Corporation
Umsatz 2008: $ 13,441 Mrd. (€ 9,139 Mrd.)
Überblick
Das kanadisch-britische Medienunternehmen ging 2007/2008 aus einer Fusion des Informationsdienstleisters Thomson mit der traditionsreichen britischen Nachrichtenagentur Reuters hervor. Es entstand der weltweit größte Anbieter von spezialisierten Kommunikationsdiensten. Sein Angebot richtet sich zum einen – wie beim Hauptkonkurrenten Bloomberg – an Geschäftskunden aus Wirtschaft und Finanzindustrie. Zum anderen ist das klassische Nachrichtenagenturgeschäft ein wichtiger Pfeiler des Unternehmens. Die Aktie von Thomson Reuters wird an den Börsen von New York und Toronto gehandelt. Der Hauptsitz befindet sich in New York.
Basisdaten
Hauptsitz:
Thomson Reuters Corporation
3 Times Square
New York, NY 10036
Tel: +1 646.223.4000
www.thomsonreuters.com
Gründungsjahr: 1851 (Gründung von Reuters); 1934 (Roy Thomson erwirbt seine
erste Zeitung); 2007/2008 (Fusion von Thomson und Reuters.)
2010 2009 | 2008 | |
Umsatz (in Mio. $) | 13.070 12.997 | 13.441 |
Gewinn (Verlust) (in Mio. $) | 1.419 1.575 | 1.936 |
Beschäftigte | ca. 55.000 ca. 50.000 | k.A. |
2009 | 2008 | |
Legal | 3.586 | 3.531 |
Tax & Accounting | 1.006 | 861 |
Scientific | * | 604 |
Healthcare | 878 | 468 |
Sales & Trading | 3.550 | 3.828 |
Investment & Advisory | 2.304 | 2.371 |
Enterprise | 1.316 | 1.295 |
Media | 365 | 450 |
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
Umsatz
7.296
6.941
6.173
8.089
7.436
7.756
7.237
Gewinn (nach Steuern)
1.297
1.258
1.127
1.341
1.174
1.124
836
Beschäftigte
k.A.
32.375
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
* Operating Profit
2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz | 2.605 | 2.566 | 2.409 | 2.885 | 3.235 | 3.575 | 3.885 |
Gewinn (Verlust) vor Steuern | 292 | 305 | 238 | 198 | 130 | (144) | 302 |
Beschäftigte | 16.302 | k.A. | 14.500 | 16.744 | 17.414 | 19.429 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung:
- James C. Smith – Chief Executive Officer
- Stephen Adler – Editor-in-Chief of Reuters News and Executive Vice President News
- Robert D. Daleo – Executive Vice President & Chief Financial Officer
- Stephen Dando– Executive Vice President & Chief Human Resources Officer
- James Powell – Executive Vice President & Chief Technology Officer
- Deidre Stanley – Executive Vice President & General Counsel
Board of Directors:
- David Thomson (Chairman), Thomson Reuters
- W. Geoffrey Beattie (Deputy Chairman), Thomson Reuters
- Thomas H. Glocer, Thomson Reuters
- Manvinder S. Banga, Clayton Dubilier & Rice, LLC
- Mary Cirillo, Thomson Reuters
- Steven A. Denning, General Atlantic LLC
- Lawton Fitt, Thomson Reuters
- Roger L. Martin, Rotman School of Management, University of Toronto
- Sir Deryck Maughan, Kohlberg Kravis Roberts & Co.
- Ken Olisa, Thomson Reuters
- Vance K. Opperman, Key Investment, Inc.
- John M. Thompson, Thomson Reuters
- Peter J. Thomson, The Woodbridge Company
- Wulf von Schimmelmann, Thomson Reuters
Geschichte und Profil
Thomson Reuters ist 2007 aus der Fusion des kanadischen Medienunternehmens Thomson mit der 1851 gegründeten britischen Nachrichtenagentur Reuters hervorgegangen.
Der Grundstein für das Unternehmen Thomson wurde über 80 Jahre nach der Gründung der Agentur Reuters gelegt: 1934 kaufte der Kanadier Roy Thomson (1894–1976) seine erste Zeitung, die „Timmins Press“ aus Ontario und baute in den folgenden Jahrzehnten das größte Zeitungsimperium Kanadas auf. In den 50er Jahren begann er, sich im Ausland nach Betätigungsfeldern umzusehen, und wurde in Großbritannien, seiner neuen Wahlheimat, fündig. 1959 erwarb er den Zeitungsverlag Kemsley Group, zu der die einflussreiche Regionalzeitung „The Scotsman“ gehörte. 1967 folgte die Akquise des Kronjuwels der britischen Zeitungslandschaft, der Londoner Tageszeitung „The Times“. Die 70er Jahre waren von einem Ausflug des Unternehmens ins Ölbusiness geprägt. Thomson beteiligte sich an der Erschließung eines Ölfelds in der Nordsee. Zu dieser Zeit übernahm auch Thomson-Sohn Kenneth (1923–2006) die Leitung der Gesellschaft. Zu Beginn der 80er Jahre wandte man sich schließlich dem Segment des Informationshandels zu und baute die Aktivitäten in den folgenden Jahren durch Zukäufe kontinuierlich aus. Durch den Erwerb von Anbietern spezialisierter Informationen in den Bereichen Recht, Gesundheit, Wissenschaft und Finanzen sowie von Datenbank-Firmen entstand sukzessive ein neues Firmenprofil. Das Engagement bei verschiedenen britischen Zeitungen wurde 1995 beendet. Die „Times“, war bereits 1981 an Murdochs News International Ltd. verkauft worden. Seit 2002 kooperierte Thomson mit der Investmentbank Merrill Lynch, deren Büros 2005 mit 23.000 Workstations ausgestattet wurden. 2007 legte Thomson ein freundliches Übernahmeangebot für die Nachrichtenagentur Reuters in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (ca. 13 Milliarden Euro) vor.
Fusionspartner Reuters, eine der wichtigsten Nachrichtenagenturen der Welt, blickte zum Zeitpunkt der Fusion auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück. Allerdings wurden inzwischen weniger als zehn Prozent des Umsatzes mit klassischen Nachrichten generiert. Institutionelle Kunden aus dem Finanzsektor, die über spezielle Terminals mit Finanzdaten beliefert werden, machten den Großteil des Geschäfts aus. Reuters’ Historie hatte kurios begonnen: Der Deutsche Paul Julius Reuter (1816-1899) nutzte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Lücke im Telegrafennetz zwischen Aachen und Brüssel, um mit Hilfe von Brieftauben Informationen zu versenden. Als die Telegrafenleitung fertig gestellt worden war, eröffnete Reuter 1851 ein Büro in London und betrieb seinen Informationshandel von dort aus über das Calais-Dover-Unterseekabel. In den folgenden Jahrzehnten expandierte Reuters und belieferte britische Zeitungen mit Nachrichten. Zunächst aus Büros in ganz Europa, später aus aller Welt. So wurde 1872, nachdem die Öffnung des Landes erzwungen worden war, ein Büro in Japan eingeweiht. Während der beiden Weltkriege wurden die Reuters–Berichte von der britischen Regierung zensiert, woraufhin die Eigentümer 1941 den Reuters–Trust konstituieren. Dieser sollte die Unabhängigkeit der Agentur sicherstellen. Die Grundsätze des Trusts untersagten Beteiligungen von über 15 Prozent. Außerdem hielt die Reuters Founders Share Company Ltd. seit dem Börsengang von 1984 eine „Goldene Aktie“, mit der ein Vetorecht bei Entscheidungen der Hauptversammlung verbunden war. Mit diesen Prinzipien sollte die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit von Reuters gesichert werden. Reuters konnte seine Position auf dem internationalen Nachrichtenmarkt in der Vergangenheit auch durch eine frühe Adaption neuer Technologien ausbauen. Ab 1923 erfolgte die Nachrichtenübermittlung per Funk, ab 1961 per Satellit und ab 1971 per Computerverbindung. In den 90er Jahren expandierte Reuters stark – eine Strategie, die nach Ende des dot.com-Booms zu Beginn des neuen Jahrhunderts indes Probleme verursachte. Das Angebot war zu unübersichtlich geworden; die Kunden kündigten reihenweise die als unflexibel geltenden Reuters-Terminals. Vor diesem Hintergrund übernahm 2001 Tom Glocer den Chefposten von Peter Job. In den folgenden Jahren gelang es ihm, das Unternehmen neu aufzustellen und in die Erfolgsspur zurückzuführen. Nicht zuletzt setzte er dabei auf drastische Sparmaßnahmen.
Seit April 2008 ist die Fusion der Thomson Corporation und Reuters zum weltweit größten Informationsdienstleister Realität, nachdem zwei außerordentliche Hauptversammlungen der Aktionäre in Kanada und London ihren Segen erteilt hatten. Analysten zufolge ergänzen sich beide Unternehmen gut. Im Zuge des Zusammenschlusses ist die Familie Thomson über ihren Investmentarm Woodbridge im Besitz von 53% der Aktien. Dies hatte eine Änderung der Reuters–Grundsätze erforderlich gemacht, da diese bis dahin einzelnen Reuters–Aktionären einen maximalen Anteil von 15% der emittierten Aktien gestatteten. Im Gegenzug für die Satzungsänderung gelten die Unabhängigkeitsprinzipien des Reuters Trusts (heute: Thomson Reuters Trust) nun für das gesamte neue Unternehmen.
Die aus der Reuters Founders Share Company hervorgegangene Thomson Reuters Founders Share Company, die über die Einhaltung der Prinzipien des Trusts zur Sicherung der Unabhängigkeit des Unternehmens wacht, verfügt mittels der so genannten „Goldene Aktie“ wie ihre Vorgängerin über ein Vetorecht bei Übernahmeversuchen. Die Einhaltung der Trust–Prinzipien wie etwa Überparteilichkeit, Integrität, Unabhängigkeit und Freiheit wird von einem Direktorengremium wahrgenommen, dem zwischen 14 und 18 Honoratioren angehören.
Management
Tom Glocer, Jahrgang 1959, hat 2001 als erster Amerikaner das Ruder von Reuters übernommen und steht nach der Fusion mit Thomson im Jahr 2007 an der Spitze des neu entstandenen Konzerns Thomson Reuters. Als Glocer 2001 die Führung von Reuters übernahm, erwirtschaftete das Unternehmen zwar Gewinne, man verlor jedoch zunehmend Marktanteile an Wettbewerber Bloomberg. Die Marke Reuters war zudem in den Vereinigten Staaten wenig bekannt und mit dem New-Economy-Crash geriet man zum ersten Mal seit dem Börsengang 1984 in die Verlustzone. In der Folgezeit konnte sich Glocer als harter Sanierer profilieren. Die Unternehmensführung gab Pläne bekannt, 1600 Stellen zu streichen und innerhalb von zwei Jahren eine halbe Milliarde Euro zu sparen. Außerdem sollten die teuren Terminals, die Reuters an seine Kunden verpachtete, mit internetbasierten Angeboten ergänzt werden, so wie es von Bloomberg vorgemacht worden war. An anderer Stelle ging Glocer indes einen anderen Weg als der mächtige Konkurrent aus New York: Der unprofitable Fernsehsender Reuters Financial TV wurde 2002 eingestellt, während Bloomberg–TV weitersendet. Das klassische Geschäftsfeld des Agenturjournalismus wurde mit diesen Managemententscheidungen weiter marginalisiert, blieb aber wichtig fürs Renommee. „Das klassische Mediengeschäft ist das historische Herz des Unternehmens“, so Glocer. Es unterstreiche die Glaubwürdigkeit und stütze Reuters’ Marktposition. Auf Widerstand bei den angestellten Journalisten stieß Glocer, als er ankündigte, aus Kostengründen die kundengerechte Aufarbeitung der gesammelten Finanzdaten ins indische Bangalore zu verlagern. Tom Glocer ist der erste Nicht-Journalist im Reuters–Chefsessel. Glocers Counterpart bei der Fusion, Thomson–CEO Harrington, hatte seit 1982 für Thomson gearbeitet und wurde 1997 zu einer Zeit Geschäftsführer, als das Internet noch nicht die Branche auf den Kopf gestellt hatte. Harrington baute den Konzern, dessen Kern seit jeher Zeitungsbeteiligungen gebildet hatten, radikal um – weg von Print hin zu elektronischen Informationsdiensten und Datenbanksystemen. Ziel war ein schlankes und fokussiertes Unternehmen. Sparten wurden abgestoßen, wenn sie nicht mehr ins Konzept passten. Paradebeispiel ist der Verkauf der Tourismussparte Thomson Travel im Jahr 1998. Innerhalb von sechs Jahren verkaufte Harrington über 60 Tochterfirmen und 130 Zeitungen. Da die meisten Tochterfirmen in den damaligen Spitzenzeiten des New-Economy-Booms hoch profitabel arbeiteten, war die Liquidität des Konzerns nach den Verkäufen äußerst hoch. Die Erlöse wurden zunächst zur Akquise von über 200 Spezialinformationsfirmen aus den Bereichen Recht, Steuern und Buchführung, Bildung, Finanzen, Wissenschaft und Gesundheitswesen genutzt, dann wurde ein Übernahmeangebot für Reuters auf den Tisch gelegt. Harrington wechselte 2008 an die Spitze der Reuters Foundation. CEO Tom Glocer präsentierte sich schon vor der endgültigen Fusionsgenehmigung zu Beginn des Jahres 2008 angesichts der Integrationsherausforderung zuversichtlich: Der neue Konzern werde keinesfalls das Schicksal anderer wenig erfolgreicher Medien-Zusammenschlüsse wie AOL-Time-Warner oder CBS-Viacom teilen, sagte der künftige Konzernchef vor der Presse. „Ich sehe das ganze auch gar nicht als Mega-Medien-Merger, es ist eine Kombination von zwei Unternehmen, die ohnehin schon in derselben Branche unterwegs sind.“
Der Zusammenschluss der zwei Unternehmen war aus wettbewerbsrechtlicher Sicht nicht unumstritten: Der neue Konzern werde zusammen mit Bloomberg zwei Drittel des Marktes kontrollieren, so das Argument – es entstehe ein Duopol. Überraschenderweise fiel die seit Oktober 2007 laufende Prüfung durch die EU-Kommission als zuständige Kartellbehörde für Europa trotz solcher "erheblicher Bedenken" milde aus. Den beiden beteiligten Unternehmen gelang es, den Großteil dieser Bedenken zu zerstreuen, und sowohl die Europäische Kommission wie das zuständige US-Justizministerium und das Canadian Competition Bureau erteilten schon im Februar 2008 eine vorläufige, mit Auflagen bewehrte Genehmigung. Dabei sind beide Konzerne nach Brancheneinschätzung günstig davon gekommen: Die Wettbewerbshüter hätten sich lediglich auf vier relativ kleine Bereiche konzentriert, in denen die Angebote von Reuters und Thomson schon heute identisch seien, schrieb beispielsweise die Financial Times.
Wesentliches Zugeständnis des neuen Konzerns war der Verkauf diverser Datenbanken an Mitbewerber. Thomson hat sich verpflichtet, eine Kopie seiner Thomson Fundamentals (Worldscope) Datenbank zu verkaufen. Reuters muss analog jeweils Kopien der Datenbanken Reuters Estimates, Reuters Aftermarket Research und Reuters Economics (EcoWin) auf dem Markt anbieten. Dieser Verlust dürfte leicht zu verschmerzen sein, denn der Umsatz der vier Bereiche liegt zusammen bei gerade einmal 25 Millionen US-Dollar – für den Milliarden-Koloss gut zu verkraften. Der seinerzeit designierte CEO äußerte sich dementsprechend zufrieden: "Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich", sagte Tom Glocer laut Financial Times.
Bei Bekanntgabe der Fusionsabsicht schätzte man in der Branche die durch den Zusammenschluss möglichen Einsparungen auf 500 Millionen US-Dollar bis 2011. Mittlerweile wurde die Prognose auf das ehrgeizige Ziel von 750 Millionen US-Dollar erhöht. Dass ein Jobabbau unvermeidlich sein würde, hatte Glocer bereits vor dem Vollzug der Fusion erklärt und damit Streikdrohungen der britischen Journalistengewerkschaft NUJ ausgelöst.. Da die Fluktuation pro Jahr aber ohnehin rund zehn Prozent der Mitarbeiter ausmache – für Thomson Reuters rund 5.000 Stellen – hoffe er, „das meiste auf diese natürlich Weise“ erreichen zu können. Im Mai 2008 ließ der Manager die Katze schließlich aus dem Sack: Nachdem es zunächst hieß, Reuters News und die Agenturdienste seien vom Jobabbau nicht direkt betroffen, da in erster Linie Doppelstrukturen im Finanzinformationsbereich auf der Liste stünden, sollten nun doch rund 140 Journalisten bis Ende 2008 ihren Hut nehmen, das entspricht fünf Prozent der 2.800 Beschäftigten. Konzernweit sollen in einem ersten Schritt insgesamt 650 Stellen abgebaut werden, dabei sind bis zu 250 Kündigungen vorgesehen. Nach Ankündigungen von Reuters News Chef David Schlesinger soll die Zahl der Mitarbeiter des neuen, fusionierten Reuters News-Bereichs 2.500 betragen. „Mehr als die Hälfte des Stellenabbaus wird in Europa stattfinden müssen, wo sich die bisherigen Angebote von Reuters und Thomson am meisten überschneiden“, schrieb Schlesinger laut Guardian per E-Mail an die Mitarbeiter.
Im Februar 2009 führte Reuters eine neue Management-Struktur für den Bereich Multimedia ein: Chefredakteur Chris Cramer steht damit allen fünf Abteilungen TV, Foto, Reuters Financial Video Service, Online und Nachrichtenagentur vor. Jede der fünf Abteilungen wird nun von eigenen Senior Editors vertreten.
Thomson-Reuters-COO James Smith, der am 1. Januar 2012 den Chefposten von Tom Glocer übernimmt, blickt auf eine lange Karriere bei Thomson zurück. 1987 begann er bei der Thomson Newspaper Group und leitete dort unter anderem die US-Geschäfte. 2001 wurde er zum Executive Vice President der Thomson Corporation befördert.
Geschäftsfelder
Die Geschäftsbereiche sind zwei übergeordneten Abteilungen zugeordnet: „Professional“ und „Markets“. Organisatorisch sind diese wiederum in sechs Sparten gegliedert: „Sales & Trading“, „Enterprise“, „Legal“, „Healthcare & Science“, „Investment & Advisory“, „Tax & Accounting“ sowie „Media“.
Die Produktpalette der fünf Thomson-Angebotsbereiche wurde im Zuge der Fusion um das Ressort Medien erweitert. Damit bestehen die Bereiche:
- Finanzen: Produkte aus dem Bereich Finanzen umfassen Informationsangebote für Investoren mit aufbereiteten Wirtschafts- und Finanzdaten aus aller Welt.
- Recht: Dieser Bereich bietet eine große Bandbreite an Dienstleistungen wie Datenbanken und Softwarelösungen für den juristischen Bereich, etwa für Kanzleien, Rechtsabteilungen in Unternehmen sowie für Verwaltung, Fachbibliotheken und Institute.
- Gesundheitswesen: Der Bereich „Healthcare“ bietet Datenbanken und Software für Krankenhäuser, Klinikverwaltungen sowie für die Pharma- und Biotechnologiebranche an.
- Wissenschaft: Die Produkte der Abteilung „Science“ versorgen staatliche, private und universitäre Forschungsinstitute mit Berichten über aktuelle Entwicklungen im jeweiligen Wissenschaftsfeld, beispielsweise durch Zeitschriftendatenbanken.
- Steuern und Buchführung: Der Bereich „Tax & Accounting“ ist ein Anbieter von technologischen Produkten und Informationsdiensten, der sich an Beschäftigte im Steuer- und Buchführungsbereich richtet. Softwarelösungen und Informationsdienste werden Buchführungsagenturen, Kanzleien, Banken und Verwaltung angeboten.
- Medien: Im Bereich „Media“ ist die Reuters Nachrichtenagentur angesiedelt. Reuters-Dienste umfassen Nachrichtenticker, Videos, Bilder, Grafiken sowie speziell für Online-Medien aufbereitete Angebote. Finanznachrichten bilden eine eigene Sparte.
Aktuelle Entwicklungen
In der zweiten Hälfte des Jahres 2011 war Thomson Reuters mit der schwersten Krise der jüngeren Unternehmensgeschichte konfrontiert, deren Höhepunkt in weit reichenden Umstrukturierungen und personellen Änderungen im Management bestand. Allen voran muss CEO Tom Glocer seinen Hut nehmen. Neuer Vorstandsvorsitzender wird zum Jahreswechsel James Smith, Chief Operating Officer und bis vor kurzem Leiter der "Professional Division".
Kurz vor seinem Abtritt hatte Glocer die Fusion der beiden Unternehmensteile “Professional Division” und “Markets Division” bekannt gegeben. Die Geschäfte in den beiden Abteilungen hatten sich zuletzt stark unterschiedlich entwickelt: Die "Professional"-Sparte, die vor der Fusion im wesentlichen zur Thomson Corporation gehörte, sorgte für starkte Umsätze während “Markets” wiederholt schwache Ergebnisse lieferte.
Grund dafür waren Schwierigkeiten bei der Einführung eines neuen zentralen Produkts: Eikon. Die Informationsplattform sollte den Konkurrenzdruck auf Bloomberg erhöhen, wurde von den Kunden jedoch schlechter als erwartet angenommen. Bis Ende Oktober 2011 sind ca. 32.000 Terminals verkauft worden. Im Juli 2011 hatte überraschend Devin Wenig das Handtuch geworfen, bis dato Leiter der Markets Division und damit verantwortlich für Eikon. Fünf weitere Mitarbeiter seines Teams verließen mit ihm das Unternehemen. (Wenig trat kurze Zeit später eine Stelle im Management des Online-Auktionshauses Ebay an.) Tom Glocer hatte die Leitung der Sparte daraufhin persönlich übernommen. Wenig und sein Team hatten mehr als drei Jahre an Eikon gearbeitet. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatte er Anfang 2011 erklärt, das Produkt sei Kernbestandteil der Innovationsagenda von Thomson Reuters und für den Großteil der Ausgaben des Unternehmens in Milliardenhöhe verantwortlich.
In der zweiten Jahreshälfte 2011 stand vorübergehend die Gesundheitssparte von Thomson Reuters zum Verkauf. Ende Dezember des Jahres entschied sich die Firmenleitung jedoch zu einem Stopp des Angebots, weil momentan mit einem Verkauf nicht genug zu verdienen sei.
Links
» Allgemeine Informationen (Englisch)
» Aktueller Geschäftsbericht
» Manager-Magazin: (9. Oktober 2007): „Reuters-Übernahme: Erhebliche Bedenken“
News
02.12.11 / Thomson Reuters Corporation, Bloomberg L.P.
Thomson Reuters in der Krise
15.06.09 / Thomson Reuters Corporation
Thomson Reuters verkauft dpa-AFX-Anteil
25.02.09 / Thomson Reuters Corporation
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