26. Google Inc.
Umsatz 2008: $ 21,795 Mrd. (€ 14,818 Mrd.)
Überblick
Sergey Brin und Larry Page entwickelten als Studenten die schnellste Suchmaschine der Welt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen liefert Google relevante Ergebnisse. Dank der weiteren Erfindung der Google-Gründer, der kontextbezogenen Web-Werbung, konnte Google Inc. in wenigen Jahren in die Liga der weltweit umsatzstärksten Konzerne der Branchen Medien und Online-Technologie aufsteigen. Mit seinen inzwischen riesigen Pool an Informationen der User wandelt der Konzern auf einem schmalen Grad zwischen Benutzerfreundlichkeit und Ausspähung und Verarbeitung privater Daten.
Basisdaten
Hauptsitz:
Google Inc.
1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA 94043
Telefon: 001-650-253-0000
Telefax: 001- 650-253-0001
Internet: www.google.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: September 1998 durch Larry Page und Sergey Brin
2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | |
Umsatz (in Tsd. $) | 29.321.000 | 23.650.563 | 21.795.550 | 16.593.986 | 10.604.917 | 6.138.560 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $) | 8.505.000 | 6.520.488 | 4.226.858 | 4.203.720 | 3.077.446 | 1.470.260 |
Aktienkurs (in $, in Jahresende) | 593,97 | 619,98 | 307,56 | 702,53 | 460,48 | 414,86 |
Beschäftigte | k.A. | 19.835 | 20.222 | 16.805 | 10.674 | 7.000 |
Sparten | 2007 | 2006 | 2005 |
Werbung (Google Websites) | 10.624.705 | 6.332.797 | 3.377.060 |
Werbung (Google Network Sites) | 5.787.938 | 4.159.831 | 2.687.942 |
Licensing & other | 181.343 | 112.289 | 73.558 |
Geschäftsführung
Management:
- Larry Page, Chairman of the Board and Chief Executive Officer
- Sergey Brin, Co-Founder & President, Technology
- Nikesh Arora, President, Global Sales Operations and Business Development
- Laszlo Bock, Vice President, People Operations
- Shona Brown, Senior Vice President, Business Operations
- W. M. Coughran, Jr., Senior Vice President, Engineering
- David C. Drummond, Senior Vice President, Corporate Development and Chief Legal Officer
- Alan Eustace, Senior Vice President, Engineering & Research
- Urs Hölzle, Senior Vice President, Operations & Google Fellow
- Jeff Huber, Vice President, Engineering
- Omid Kordestani, Senior Advisor, Office of the CEO and Founders
- Patrick Pichette, Senior Vice President & Chief Financial Officer
- Jonathan Rosenberg, Senior Vice President, Product Management
- Rachel Whetstone, Vice President, Public Policy and Communications
- Susan Wojcicki, Vice President, Product Management
Vorstand:
- Dr. Eric Schmidt, Google Inc.
- Sergey Brin, Google Inc.
- Larry Page, Google Inc.
- John Doerr, Kleiner Perkins Caufield & Byers
- Ram Shriram, Sherpalo
- John Hennessy, Stanford University
- Paul Otellini, Intel
- Shirley M. Tilghman, Princeton University
- Ann Mather, Central European Media Enterprises
Geschichte und Profil
Nach offizieller Überlieferung von Google waren sich die beiden Konzerngründer Larry Page und Sergey Brin 1995 bei ihrer ersten Begegnung als Studenten der Computerwissenschaften auf dem Campus der Stanford Universität alles andere als sympathisch. Page war ein 24-jähriger Absolvent der Universität von Michigan, der nur über das Wochenende in Stanford war: Brin, 23, war einer der Studenten, der beauftragt wurde, Page das Universitätsgelände zu zeigen. Schnell zeigte sich, dass beide über jede Sachfrage, die in ihren Diskussionen zur Sprache kam, keine gemeinsame Meinung hatten. Ihre unterschiedlichen Standpunkte und Philosophien fanden nur einen gemeinsamen Resonanzboden in Bezug auf eine der größten Herausforderungen der Computerwelt: die Auslese relevanter Informationen aus einem exponentiell wachsenden Online-Datenschatz.
Anfang des Jahres 1996 begannen Brin und Page zusammenzuarbeiten. Sie entwickelten die Suchmaschine „BackRub“, die ihren Namen aufgrund der einzigartigen Fähigkeit erhielt, Rückverweise („back links“) einer beliebigen Website zu analysieren. Technikgenie Page, der einst einen Drucker aus Lego-Steinen konstruiert hatte, übernahm hierbei die Aufgabe, ein neuartiges Serverumfeld zu generieren, das aus veralteten Rechnern, anstatt aus teuren high-end-Maschinen bestand. Die für Studenten ihres Alters typische chronische Geldknappheit veranlasste sie dazu, die Onlineumgebung ihrer Fakultät nach neuen Rechnern zu durchforsten, die sie an ihr Netzwerk anschließen konnten, um die Serverkapazitäten zu erhöhen. Ein Jahr später bescherte dieser einmalige Ansatz der Link-Analyse Page und Brin ein wachsendes Maß an Ansehen innerhalb der relativ jungen Internet-Community. Die Begeisterung für die neue Suchtechnologie griff immer weiter um sich und ging weit über den Campus hinaus.
Page und Brin wurden nicht müde, die Technologie ihrer Suchmaschine weiter zu perfektionieren. Sie schlugen einen Weg ein, der später einer der Schlüssel für die Lieferung hervorragender Suchergebnisse sein würde. Sie kauften einen Terabyte an Festplatten zum Discountpreis und legten in Pages Zimmer des Studentenwohnheims ein Computerlager an, das zu Googles erstem Datencenter wurde. Währenddessen eröffnete Brin ein Geschäftsbüro und fragte bei potentiellen Partnern an, ob sie nicht eine Suchmaschine lizenzieren wollten, die überdurchschnittlich bessere Ergebnisse lieferte, als alle vergleichbaren Technologien. Im Gegensatz zu dem in dieser Zeit grassierenden „dot-com-Fieber“, zeigten die beiden Erfinder zunächst wenig Interesse, einen Konzern auf Basis ihrer Errungenschaften aufzubauen.
Unter den Leuten, die Brin von seinem Büro aus anrief, war unter anderem auch David Filo, der Co-Erfinder der Suchmaschine Yahoo!. Filo bestätigte, dass ihre Technologie ausgereift sei, aber er ermutigte die beiden dennoch dazu, ihren Service weiter auszubauen und eine eigene Suchmaschinenfirma zu gründen. Viele CEO’s von Webportal-Konzernen erkannten damals das große Potential des Produkts nicht. Sie unterschätzten die Vorteile der Suchfunktionen, die Brin und Page entwickelt hatten. Da sie keinen Erfolg dabei hatten, führende Portalanbieter für ihre Idee zu gewinnen, entschieden sich Brin und Page, es auf eigene Faust zu probieren. Was sie dafür brauchten, war das Startkapital für neue Räume und Finanzen, um ihre Rechnungen und Schulden zu bezahlen. Die Jungerfinder hatten ihre Kreditkarten zum Erwerb des Terabyte-Speichers bereits über Gebühr strapaziert. Ein Geschäftsplan wurde erstellt, und die Pläne, einen Universitätsabschluss zu erwerben, wurden vorerst auf Eis gelegt. Brin und Page begaben sich auf die Suche nach einem Investor. Ihr erster Besuch galt einem Freund eines Fakultätsmitglieds.
Andy Bechtolsheim, einer der Mitgründer von Sun Microsystems, war dafür bekannt, langfristig zu denken. Ein Blick auf die Demoversion genügte ihm, um zu wissen, dass Google ein enormes Potential aufwies. Bechtolsheim verlor weder viele Worte noch Zeit, er stellte kurzerhand einen Scheck aus. Der Adressat war Google, Inc., und der Scheck belief sich auf 100.000 $.
Bechtolsheims Investition sorgte für ein Dilemma. Da es keine juristische Einheit namens Google, Inc. gab, war es unmöglich, den Scheck bei der Bank einzureichen. Der Scheck lag also erst einmal mehrere Wochen in der Schublade von Pages Schreibtisch, während er und Brin sich in Akkordarbeit daran machten, einen Konzern aufzubauen und unter Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten weitere Geldgeber zu rekrutieren. Ein Startkapital von circa einer Million Dollar kam zusammen, und Mitte 1998 öffnete Google, Inc. seine Pforten in Menlo Park Nord, Kalifornien. Die Tür wurde per Fernbedienung geöffnet, da sie Teil einer Garage war, die ein Freund dem inzwischen dreiköpfigen Konzern untervermietet hatte. Obwohl das Büro klein war, bot es einige Besonderheiten, darunter eine Waschmaschine und einen Whirlpool. Außerdem stellte das „Firmengelände“ einen Parkplatz für den ersten eingestellten Mitarbeiter zur Verfügung: Craig Silverstein, dem heutigen Geschäftsführer der technischen Abteilung.
Schon zu diesem Zeitpunkt bearbeitete Google.com, noch immer in der Beta-Test-Version, bis zu 10.000 Suchanfragen pro Tag. Schnell begann die internationale Presse auf die Suchmaschine mit den relevanten Ergebnissen aufmerksam zu werden, und Artikel über Google erschienen in USA Today und Le Monde. Die Fachzeitschrift PC Magazine nahm Google in seine Rangfolge „Top 100 Websites and Search Engines“ auf. Google eroberte die Welt im Sturm. Open Source-Riese Red Hat war das erste Unternehmen, das als kommerzieller Kunde die Suchdienste von Google in Anspruch nahm.
Am 7. Juni 1999 verkündete Google, dass die Finanzierung von insgesamt 25 Millionen Dollar von den führenden Risikokapital-Firmen aus Silicon Valley, Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers, zugesichert worden seien. Beide Firmen, ansonsten gnadenlose Konkurrenten, investierten erstaunlicherweise zu gleichen Teilen in Google und erhielten die gleiche Anzahl von Sitzen im Aufsichtsrat. Mike Moritz von Sequoia und John Doerr von Kleiner Perkins setzten sich mit einem dritten Investor, Ram Shriram, CEO von Junglee, an die Tischtennisplatte, die als Möbelstück des Google-Quartiers fungierte, und planten ihre Kooperation.
In der darauf folgenden Zeit wurden Schlüsselpositionen bei Google zunehmend mit hochkarätigen Fachkräften aus anderen Unternehmen besetzt. So wurde Omid Kordestani von Netscape zum Vizepräsidenten der Geschäftsführung ernannt. Urs Hölzle, Computerwissenschaftler von der University of California, Santa Barbara, übernahm den Posten des Vizepräsidenten der technischen Abteilung.
Der drohende Kollaps durch das zu klein gewordene Büro wurde durch den Umzug in das „Googleplex“ in Mountain View verhindert, das bis zum heutigen Tag als Zentrale fungiert. Das Interesse an Google war ungebrochen. AOL/Netscape wählte 1999 Google als Suchmaschine für deren Seite aus. Die Zahl der Suchanfragen stieg in der Zeit täglich um drei Millionen User. Offensichtlich hatte Google sich weiterentwickelt. Was als Universitätsprojekt begonnen hatte, war nun ein etablierter Betrieb, der eine Dienstleistung anbot, deren Nachfrage lebhaft wuchs.
Im September 1999 wurde schließlich das „beta“-Zeichen von der Homepage entfernt, die Testversion hatte sich bewährt. Der nächste Schritt war folgerichtig die internationale Expansion. Sowohl das italienische Portal Virgilio als auch das britische Pendant Virgin Net (heute Virgin Media) wurden Klienten von Google. Das Time Magazine nahm Google in seine Cybertech-Top-Ten auf.
Im Googleplex kristallisierte sich indes eine einzigartige Unternehmenskultur heraus. Um die Flexibilität im Arbeitsbereich zu erhöhen, wurden große Gymnastikbälle zu mobilen Bürostühlen umfunktioniert. Die Büros blieben frei von Trennwänden, was eine offene Arbeitsumgebung schaffte. Während die Rechner der Mitarbeiter mit State-of-the-art-Funktionen ausgestattet waren, bestanden die Schreibtische teilweise aus alten Holztüren, die man provisorisch auf Sägeböcken platziert hatte. Überall sprossen Lava-Lampen wie Pilze aus dem Bode und zahlreiche Hunde durchstreiften die Korridore. Als Chefkoch für die Kantine engagierte man Charlie Ayers, der eine gesundheitsbewusste Speisekarte mit Gerichten kreierte, die er schon als Tourkoch der Band „Grateful Dead“ serviert hatte. Regelmäßig wurde der Parkplatz vor dem Gebäude für Rollhockey-Turniere geräumt. Jeden Freitag kam es zu den berühmten T.G.I.F-,(„Thank God It’s Friday“-)Meetings, die von den Vorständen inmitten der Schreibtische der Mitarbeiter zwecks Wochenresümee abgehalten wurden. Offensichtlich wirkte sich diese ungewöhnliche Atmosphäre positiv auf die Produktivität und Kreativität der Mitarbeiter aus. Möglicherweise optimierten Mitarbeiter auch dank der guten Stimmung im Googleplex die Effektivität der Suchmaschine Google weiter. Ergänzungen wurden geschaffen, darunter das Google Directory oder die Möglichkeit, drahtlos zu suchen. Bei Google Inc. wurde zunehmend global gedacht. Folge dessen war, dass Google-Versionen in immer mehr Landessprachen angeboten wurden. Die vielen Charakteristika und Leistungen der Suchmaschine zogen immer mehr User auf die Google-Seiten. Im Juni 2000 wurde Google offiziell zur größten Suchmaschine des WWW, es hatte damals ein Verzeichnis von einer Milliarde Seiten.
Da die Ressourcen des Unternehmens sorgfältig verwaltet wurden, bestand kein Bedarf für den weiteren Bezug von Fremdkapital. Die Gründe für die finanzielle Beständigkeit waren die sich steigernden Nutzerzahlen, darunter viele Klienten, die die Google-Suchmaschine auf ihre Homepages integrierten und die Entwicklung eines Stichwort-basierten Anzeigenprogrammes. Dank wachsender Einnahmen durch Bannerverkäufe begann der Konzern, schwarze Zahlen zu schreiben.
Mitte 2000 verkündeten die Google-Chefs und die Vertreter des Hauptkonkurrenten Yahoo den Beginn einer strategischen Partnerschaft, die die Reputation von Google weiter stärkte – nicht nur in technologischer, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, da jetzt täglich achtzehn Millionen Sucheinfragen eingingen. Der weltweite Siegeszug wurde fortgesetzt, als der chinesische Portal-Marktführer NetEase sowie der japanische Dienst Bigglobe Google ihren Seiten hinzufügten. Ende 2000 wurden durch Google bereits um die 100 Millionen Suchanfragen pro Tag bearbeitet. Der Ehrgeiz von Brin und Page, gemäß ihrer Firmenphilosophie, rund um die Uhr möglichst viele Menschen mit möglichst vielen Informationen zu versorgen, war ungebrochen. In einer Art Rückbesinnung auf die akademischen Wurzeln bot Google Studenten, Dozenten und Forschern weltweit kostenfrei spezielle Suchservices für Universitäten, Schulen und Forschungsinstituten an.
Die verantwortlichen Marktforscher und Produktentwickler bei Google bemerkten bald, dass die User nicht immer vor ihrem Desktop saßen, wenn Fragen in ihren Köpfen auftauchten. Also intensivierte Google seine Aktivitäten insbesondere in Bezug auf drahtlose Suchoptionen. Bald konnte man dank diverser Partnerschaften mit Telekommunikationsunternehmen, darunter i-mode, Sprint, PCS, Cingular oder AT&T, auch Handy-Benutzern die Möglichkeit geben, zu „googlen“.
Durch die Übernahme von Deja.com im Jahr 2001 integrierte Google die über 500 Millionen Beiträge von Diskussionsforen und Message-Boards in Usenet-Archiven in seine Suchmaschine. Damals erfand man auch Google Zeitgeist, eine Art Seismographen, der kollektive Internetpräferenzen messen sollte. Google Zeitgeist fungiert seitdem als Schnappschuss, der ständig dokumentiert, welche Suchwörter und Trends im Internet besonders beliebt, bzw. aus dem kollektiven Gedächtnis ebenso schnell wieder verschwunden sind.
Um die wirtschaftliche Prosperität weiter voranzutreiben, wurde 2001 Dr. Eric Schmidt, der zuvor unternehmerische Erfahrungen bei Novell, Inc. und Sun Microsystems gesammelt hatte, als CEO eingestellt. Google reagierte auch auf die wachsende Bedeutung des Internets außerhalb der USA und Europa. Durch Kooperationen mit Lycos Korea und dem brasilianischen Provider Universo Online wurde Google Anfang des neuen Jahrtausends auch bald die führende Suchmaschine in Asien und Lateinamerika. Um das wachsende internationale Interesse für Werbemöglichkeiten auf den Google-Seiten zu befriedigen, wurden Büros in Tokyo und Hamburg eröffnet.
Unterdessen wurde die Suchmaschine weiter punktuell verbessert. Die Entwicklung von File Type Search, Google Image Search, Google Catalog Search und später Google News ermöglichte es dem User, nun auch nach Dokumenten in besonderem Format, Bildern, Shoppingkatalogen und Nachrichtenmeldungen zu suchen. Insgesamt wurden die durch Google durchsuchbaren Seiten auf drei Milliarden erhöht. Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte Googles stellte Google in a Box dar. Mittels einer plug-and-play-Funktion als Tool zur internen Recherche gelangte Google in die Intranets großer Firmen, in Universitäts-Netzwerke und auf eCommerce-Seiten. AdWords, Googles selbst zu bedienendes Anzeigensystem, wurde einer grundlegenden Erneuerung unterzogen. Insbesondere das dem System zu Grunde liegende CPC-Preismodell („cost-per-click“) machte die Suchmaschinenwerbung für große Firmen und Kleinbetriebe kostenprofitabel. Beliebt bei Werbekunden war auch bereits früh Googles stichwortbasierte Anzeigenauflistung, die unaufdringlich und effizient ist. Den Benutzern werden hierbei nur Informationen zu den Inhalten bzw. Produkten, nach denen sie eben gegooglet haben, angezeigt. Den Anzeigenkunden bringt sie genau die User, die aktuell in deren Umfeld suchen, also auch an deren Links interessiert sein könnten. Mitte 2002 wurde die Partnerschaft von Google und AOL weiter vertieft. AOL übernahm Googles Anzeigensystem und ließ seine 34 Millionen Benutzer von den Google-Suchergebnissen profitieren.
Googles basisdemokratische Führungsphilosophie und der akademische Hintergrund der Mitarbeiter spiegelte sich auch beim Start von Google Labs wieder. Hier wurden ständig die neuesten, sich noch in der Entwicklung befindenden Prototypen von Tools und Programmen aus dem Versuchslabor der Google-Ingenieure einer interessierten Öffentlichkeit zum Ausprobieren bereitgestellt. So etablierte sich ein ständiger Austausch zwischen Usern und Technikabteilung, die der Weiterentwicklung der Projekte diente.
Später wurde dem Google-Universum Google Groups hinzugefügt. Die Universitäten Stanford, Michigan und Oxford sowie die New York Public Library erklärten sich hierbei bereit, ihren Bestand teilweise zu digitalisieren und den Google-Benutzern für die Recherche bereit zu stellen. Das Ziel, insbesondere klassische Literatur einer möglichst großen Masse an Menschen in elektronischer Form zugänglich zu machen, verfolgt auch Google Books. Später wurden zudem U.S.-Patente und –Regierungsdokumente abrufbar gemacht.
Um auf die Euphorie zu reagieren, die das neue Medium der Blogs entfacht hatte, akquirierte Google 2003 die Pionierfirma Pyra Labs, die mit „Blogger“ die bekannteste Plattform auf diesem Gebiet geschaffen hatte. Googles Webindex vergrößerte sich weiterhin wöchentlich. Anfang 2004 standen fünfeinhalb Milliarden Seiten zur Durchforstung bereit. Um weitere Ordnung in die Masse von Websites, Items und Bildern zu bringen, launchte man Google Local (später Google Maps), das den Usern den schnellsten Weg zu Anbietern in ihrer unmittelbaren Nähe aufzeigte. Selbst Erkundungstouren des Mondes und des Mars sind mittlerweile mit Google Maps möglich.
Im weiteren Verlauf von 2004 schockte der Konzern die Fachwelt mit der Ankündigung, einen kostenlosen Web-basierten Mail-Dienst auf den Markt bringen zu wollen. Gmail bot den Nutzern gratis fast drei Gigabyte an Speicherplatz für den Emailverkehr und integrierte das Anzeigensystem in die Mails, so konnten Werbebotschaften mit Emails gekoppelt werden. Nachdem die Programme Google Desktop Search, Google SMS sowie Google Earth, ein bahnbrechendes, auf Satellitenfotos basiertes Programm zur Erkundung des Erdballs das Google-Angebot ergänzt hatten, verdoppelten sich die Einnahmen des Unternehmens. Für das Geschäftsjahr 2004 verzeichnete Google Inc. knapp 800 Millionen Dollar an Einnahmen.
In Dublin wurde die neue Europazentrale, ein Paradebeispiel für die Globalisierung der Wirtschaft, eingerichtet. Hier kommunizieren 150 Mitarbeiter aus 35 Ländern in siebzehn Sprachen miteinander. Als Chef holte man Nikesh Arora ins Boot, der zuvor unter anderem bei T-Mobile aktiv gewesen ist. Eröffnungen von Büros in Sao Paolo und Mexiko-City folgten, mit dem Ziel das Engagement in Süd- und Mittelamerika zu forcieren. 2005 wurde Google China mit Kai Fu-Lee an der Spitze gegründet. Letzterer arbeitete zuvor in leitender Position bei Microsoft. Als Fu-Lee seinen Job in der Zentrale in Peking begann, wurden er und sein neuer Arbeitgeber vom Softwareriesen verklagt, angeblich weil Fu-Lee einen Vertrag unterzeichnet hatte, der es ihm untersagte, einen neuen Job bei einem Konkurrenten anzutreten. Microsoft war mit der Klage erfolgreich und erstritt eine einstweilige Verfügung, die regelte, dass Fu-Lee zunächst nicht für Google arbeiten durfte. Wenig später wurde das Urteil abgemildert. Doch wurde es dem neuen Präsidenten der China-Abteilung für ein Jahr untersagt, technische Projekte zu initiieren. Einen weiteren namhaften Zugang verzeichnete Google mit der Ernennung von Vint Cerf zum Vizepräsidenten und „Chef Internet Evangelisten“. Diese Rekrutierung mit symbolischem Wert wurde als Hommage an die Kinderjahre des Internets gewertet, in denen sich Cerf als einer der „Väter“ des World Wide Webs besonders hervorgetan hatte.
2005 wurde ein erneutes Abkommen mit AOL abgeschlossen. Der Vertrag weitete die Werbepartnerschaft aus, und Google investierte eine Milliarde Dollar in AOL. Ein ähnlicher Vertrag wurde auch mit dem Internetauktionshaus Ebay umgesetzt.
2006 launchte Google seinen philanthropischen Ableger google.org. Geführt vom Arzt und Buchautor Larry Brilliant, hat sich diese Googlevariante den Kampf gegen Armut und den Schutz der Umwelt auf die Fahnen geschrieben. In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse und der UNESCO startete Google eine Kampagne gegen Analphabetismus und zementierte damit auch in Deutschland vorerst sein Image als „guter Konzern“. Geschwächt wurde das Image später allerdings wieder durch die heftige Kritik am Umgang mit privaten Daten.
Die wohl bedeutendste Expansion Googles war jedoch der Kauf der Videoplattform YouTube. Der weltweit populäre Entertainmentdienst, der Bewegtbildkonsumenten vom Fernseher weg und ins Internet sog, wurde im Oktober für 1,65 Milliarden Dollar von Google Inc. erstanden. Der Deal machte die drei YouTube-Gründer, ehemalige Mitarbeiter von Paypal, Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim zu ebenso solchen Jungstars wie einst Brin und Page. Der Erwerb war aus Sicht von Google dadurch notwendig, da das eigene Videoportal Google Video mit circa sieben Prozent Markanteil kein Erfolg war.
Ein milliardenschweres Angebot von Microsoft, Yahoo zu übernehmen, sorgte bei Google Anfang 2008 für Unruhe. Google forderte, die Fusion müsse kartellrechtlich geprüft werden. Google und Microsoft beschäftigen in Washington Heere an Lobbyisten, die für die eigenen Belange gute Stimmung verbreiten und die Aktivitäten der Konkurrenz unter die Lupe nehmen sollen. In seinem Blog bezeichnete David Drummond, „Chief Legal Officer“ von Google, die Offerte von Microsoft als feindliche Übernahme, die die Offenheit und die Freiheit des Internets bedrohe. Außerdem warnte er vor Microsoft. Der Konzern sei auf dem besten Weg, ein ähnliche Monopolstellung im Internet zu erreichen, wie er sie bereits in Bezug auf Computer-Betriebssysteme etabliert hätte. Insbesondere die Kombination der Instant Messaging-Software beider Firmen, Yahoo Messenger und MSN Messenger, würde in diesem Sektor zu einer marktbeherrschenden Stellung führen.
Im Verlauf der Übernahmeverhandlungen wurde bekannt, dass Eric Schmidt den Yahoo-CEO Jerry Yang anrief und seine Hilfe anbot. Eine Kooperation mit Yahoo bei der Online-Werbung scheiterte jedoch im November 2008 aus kartellrechtlichen Bedenken
Management
Seit 2001 ist Eric E. Schmidt CEO von Google. Zusammen mit den Gründern Sergey Brin und Larry Page ist er für das Tagesgeschäft des Konzerns zuständig. Schmidt, zuvor beim Hardwareanbieter Sun Microsystems und dem Softwarehersteller Novell tätig, gilt als der Mann, der Ordnung in die anarchischen Strukturen des Unternehmens gebracht hat. Die FAZ nannte ihn in einem Artikel den „Schluß jetzt-Sager bei Google“. Der Spitzname stammt aus dem Jahr 2005. Brin und Page kauften eine Boeing 767 und funktionierten diese zum Firmenjet um, in der jeder der drei Google-Manager ein eigenes Zimmer erhielt. Als Brin darauf bestand, ein „King Size“-Bett in seinen Raum einzubauen, kam es zum Streit mit seinem Kollegen Page. Erst die Intervention von Schmidt („Jeder kann in seinem Zimmer das Bett haben, das er möchte.“) beendete die Diskussion. Schmidt ist aber nicht der alleinige Entscheider bei Google. Alle Pläne und Aktivitäten des Unternehmens bedürfen der Zustimmung des Triumvirats Schmidt, Brin und Page, deren Bezüge sich auf einen symbolischen Dollar beschränken. Die Aktienanteile werfen genug ab.
Schmidt pflegt zudem ein sehr gutes Verhältnis zur Obama-Administration. Er und weitere hochrangige Google-Manager spendeten für Obamas erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf mehr als 800,000 US-Dollar. Von den Mitarbeitern großer Firmen spendeten nur die Angestellten der Bank Goldman Sachs sowie Googles Konkurrent Microsoft mehr Geld. Für die Inaugurations-Zeremonie von Obama spendete Schmidt weitere 25,000 US-Dollar.
Vom scheinbar unaufhaltsamen Anstieg des Aktienkurses profitierten stets auch die Mitarbeiter. Im November 2007 quittierte die Chef-Masseuse der Google-Zentrale in Palo Alto ihren Dienst. Sie verkaufte ihre Aktienanteile und wurde so zur Multimillionärin. Sergey Brin und Larry Page haben sich von Internet-Nerds zu Milliardären mit Superstar-Status entwickelt. Die Hochzeit von Sergey Brin mit der ehemaligen Krankenversicherungs-Angestellten Anne Wojcicki im Jahr 2007 erregte dermaßen viel Aufsehen, dass den Gästen bis zum Einstieg in Brins Privatjet verheimlicht wurde, wo die Hochzeit stattfand. Schließlich gaben sich Brin und Wojcicki in Badebekleidung auf einer Insel in den Bahamas das Jawort. Brins Frau gründete das Start-Up Unternehmen 23andMe, das individuelle, genetische Kartierungen anbietet. Privatpersonen können via 23andMe ihre persönlichen Gen-Details entschlüsseln lassen, indem sie in einen Plastikbehälter spucken und ihren Speichel für 400 US-Dollar genetisch analysieren lassen. Die Ergebnisse, etwa die Anfälligkeit für eine bestimmte Krankheit, können Sie anschließend auf einer Art Social Networking-Seite mit anderen Leuten teilen und vergleichen. 23andMe arbeitet eng mit der Pharmaindustrie zusammen, so dass die User über neueste Medikamentierungen bezüglich ihrer Gene unmittelbar informiert werden können. Google beteiligte sich anfangs mit circa drei Millionen US-Dollar an der Finanzierung des Projektes. Mitte 2009 wurde investierte Google zusätzliche 2.6 Millionen, 2010 nochmals 3,2 US-Dollar und behält damit weiterhin eine Minderheitsbeteiligung. Brin soll in die Entscheidung darüber nicht involviert gewesen sein. Die Beteiligung liegt ja auch ganz auf der Linie der allgemeinen Google-Philosophie, Wissen über alles für alle zugänglich zu machen.
Google-Mitgründer Larry Page kehrte im April 2011 wieder als CEO zurück und ersetzte damit Eric Schmidt an der Firmenspitze. Als Hintergrund für den Wechsel, der in der Branche für großen Wirbel sorgte, wurden Zwistigkeiten zwischen dem Triumvirat Schmidt, Page und Brin vermutet, besonders in Folge des unfreiwilligen Rückzugs aus China.
Geschäftsbereiche
(aufgeteilt nach ausgewählten Google-Produkten)
Kernkompetenz und wichtigstes Produkt von Google Inc. ist die Suchmaschine Google, um die sich diverse Geschäftsfelder ranken. Zu erwähnen ist, dass Google hauptsächlich auf dem Gratisbetriebssystem Linux läuft, somit für die Basis Googles keine Ausgaben anfallen. Die Mehrzahl der Entwickler-Workstations von Google basieren auf Linux. Suchanfragen, die an Google gerichtet sind, beantworten folglich Linux-Server. 2007 schloss Google sich dem Open Invention Network (OIN) an, das einen Patentschutz für Linux verspricht. OIN-Partner lizenzieren sich ihre Patente gegenseitig. Damit schützen sie zugleich durch Patente Linux, so dass bei möglichen Angriffen wegen Patentverletzungen mit Klagen reagiert werden kann. Google Inc. wolle nicht mit eigenen Patenten Gewinne erwirtschaften. Man wolle die Patente bloß (gratis) nutzen. Also würden Linux gefördert und gemeinschaftliche Linux-Innovationen unterstützt.
Anzeigen/Werbung
AdWords
Anzeigenprogramm für Werbung, die an Google-Suchanfragen gekoppelt wird. Googles Haupteinnahmequelle. Oberste Priorität hierbei hat die strikte und sichtbare Trennung von Suchergebnissen und Anzeigen. Pro Klick verdienen sowohl der Inserent also auch Google anteilig am Werbebanner. Kein Unternehmen kann hohe Platzierungen bei Suchanfragen kaufen. Die Platzierungen der Suchergebnisse, laut Google, basieren allein auf Linkpopularität. Für besondere Suchbegriffe versteigert Google das Einblenden gesponserter Links. Auf diese Weise wird Werbung angezeigt, die inhaltlich zur Suchanfrage passt und somit den Werbenden mit der Benutzerklientel zusammenbringt, die mit höherer Wahrscheinlichkeit an seinen Produkten interessiert ist.
AdSense
Anzeigenprogramm für Websiteinhaber. Es ermöglicht Betreibern von Homepages, kontextabhängige Werbung auf ihre Homepage zu stellen. Die Zahl der Klicks bestimmt dann den Preis, den der Werbende zu bezahlen hat. Das Programm wird mittlerweil von über zwei Millionen Kunden genutzt.
Google Analytics
Statistisches Instrument, das kombiniert mit AdWords, zur Messung der Häufigkeit von Suchanfragen dient.
DoubleClick
Mit der Übernahme des Online-Werbe-Marktführers DoubleClick im April 2007 für 3,1 Mrd US-Dollar, tätigte Google den größten Kauf seiner Geschichte. Erst knapp ein Jahr später erklärten die US-amerikanische Regulierungsbehörde FTC und das EU-Kartellamt die Akquirierung für rechtens. DoubleClick platziert auf Webseiten Anzeigen und ermöglicht User-passgenaue Werbung. Das DoubleClick von Geschäftsmodell besteht darin, Lösungen für RichMedia-, Banner- und Suchmaschinenwerbung bereitzustellen. Zu den Kunden von DoubleClick gehören Coca-Cola, General Motors und Nike. In der Vergangenheit wurde DoubleClick kritisiert, da das Unternehmen Userdaten wie Adressen, Namen und Einkaufsgewohnheiten speichert.
Google ist seit dieser Übernahme der weltweit führende Vertreiber von graphischer Internetwerbung. Bei Microsoft, Yahoo und AOL wurde man höchst unruhig, da der Markt für Onlinewerbung zugunsten von Google neu verteilt werden könnte. Gefordert wurde eine gründliche kartellrechtliche Prüfung. Während die US-Regulierungsbehörte FTC der Übernahme bereits im Dezember 2007 zugestimmt hatte, folgte die Erlaubnis der EU im März 2008. Daraufhin legte die Google-Aktie sogleich um 4 Prozent zu. Die Begründungen für die Entscheidungen lauteten ähnlich. Der DoubleClick-Kauf würde den Markt für Online-Werbung nicht beeinträchtigen.
Weitere Tools:
Google Audio Ads, Google Click-to-Call, Google Grants, Google Website Optimizer
Google Labs
Austauschplattform zwischen der technischen Abteilung von Google und den Usern. Benutzer können sich Vorab-Versionen der neuesten Tools herunterladen und ausprobieren.
Kartographie/ Geographie
Google Earth
Auf Satellitenfotos basiertes Programm zur Erkundung der Erde. Mit den Add-Ons Google Ocean und Google Mars kann man seit 2009 auch die Tiefen der Weltmeere sowie die Oberfläche des roten Planeten erkunden.
Google Maps (vormals Google Local)
Kartographie-Service für die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Australien und Neuseeland. Integriert in Google Maps sind Google Moon und Google Mars, die Bilder der Mond- bzw. Marsoberfläche bereitstellen, sowie Google Transit, ein Suchdienst für den öffentlichen Nahverkehr, und Google Ride Finder, ein Suchdienst für Taxis und Limousinenservices.
Teil von Google Maps ist Google Street View, das die dreidimensionale Darstellung von häufig frequentierten Straßenzügen ermöglicht. Mit Kameras ausgestatte Minivans fahren dazu im Auftrag von Google durch die betreffenden Straßen und schießen von diesen Fotos. Datenschützer kritisierten, dass dabei Passanten, die sich zu diesem Zeitpunkt auf der Straße befunden haben, ungefragt bei Google Street View erschienen. Eine weitere Kontroverse wurde ausgelöst, als im März 2008 Bilder von Militärstützpunkten in San Antonio, Texas, bei Street View erschienen. Auf Druck der amerikanischen Regierung, die die Bilder als Sicherheitsrisiko einstufte, musste Google die Bilder, die Zugangswege und Wachposten dokumentierten, wieder entfernen.
Suche und Information
Google Web Search
Googles Hauptprodukt: Suchmaschine mit über eine Milliarde Anfragen pro Tag.
Google Image Search
Suchmaschine für Bilder, basierend auf Dateiname und Link- und Begleittext.
Google Product Search
Shopping-Tool zum Preisvergleichen: durchsucht werden Online-Warenhäuser und Auktionshäuser.
Google Finance
Suchmaschine für Business-Nachrichten, Finanzdaten und –analysen.
Google Book Search
Suchmaschine für Volltextsuche von Büchern, die in digitalisierter Form existieren.
Google Zeitgeist
Sammlung von Listen, der am jährlich am meisten angefragten Suchbegriffe.
Google News
Mehrsprachiger, automatischer Aggregator für Nachrichten sowie Suchmaschine für Nachrichten. Die von Medienmanagern und Verlagshäusern ständig geäußerte Kritik an Google News, der Nachrichtendienst würde das Überleben der Zeitung auf eine harte Probe stellen, konterte CEO Eric Schmidt in einem im Oktober 2009 erschienenen Interview. Darin präsentierte er sich als Zeitungsfreund und betonte, Google habe eine moralische Verantwortung für das Fortbestehen von gedrucktem und online veröffentlichten, professionalisierten Journalismus. Mit Betonung auf die inzwischen zahlreichen Abkommen zwischen Google und US-Zeitungshäusern sagte Schmidt, sein Konzern könne Zeitungen helfen, im digitalen Zeitalter relevant zu bleiben und sei alles andere als ein Feind der Zeitungsindustrie. Ein erstes Beispiel für eine eventuell erfolgreiche Kooperation zwischen Presse und Google ist Google Fast Flip, ein Tool, das es interessierten Lesern ermöglicht, sich in Sekundenschnelle durch den US-Blätterwald zu klicken.
Ende 2009 wurde Google News erneut für das US-Zeitungssterben verantwortlich gemacht. Diesmal kam die Kritik aus dem Hause News Corp. Dessen Chef Rupert Murdoch bezeichnete Google als "Content-Kleptomanen", der auf Kosten der Online-Angebote der News Corp.-Zeitungen Profite einstreiche. Murdoch ging sogar so weit, in Verhandlungen mit Googles Konkurrent Microsoft zwecks exklusiver Beinhaltung der News Corp--Inhalte in den Suchergebnisse von Bing zu treten, die jedoch scheiterten.
Eric Schmidt sah sich daraufhin erneut gezwungen, zu Murdochs Plänen und anderen Angriffen aus dem Mediensektor Stellung zu nehmen. In seiner Kolumne im Wall Street Journal wies er unter anderem darauf hin, dass Google News den Onlineauftritten von US-Zeitungen jeden Monat eine Milliarde Klicks sowie drei Milliarden zusätzliche Besuche über die Google-Suchmaschine beschere. Außerdem stellte er erneut klar, dass die meisten Meldungen und Artikel auf Google News nur in einem Vorschau-Modus zu sehen seien und die Internetnutzer zum Lesen des gesamten Artikels auf die jeweilige Homepage gehen müssten. Zudem betonte er, jedes Medienhaus könne seine Internetseiten ohne Aufwand aus der Google-Suche entfernen. Bislang hat von dieser Maßnahme kein Medienkonzern - auch nicht News Corp. - Gebrauch gemacht.
In dem im Herbst 2009 erschienenen Buch über Google (siehe weiterführende Literatur), behauptet Autor Ken Auletta, Schmidt und die Gründer Page und Brin hätten ernsthaft darüber nachgedacht, in den Mediensektor einzusteigen. So soll im obersten Management lange darüber nachgedacht worden sein, die defizitäre New York Times zu kaufen. Letztendlich überwogen jedoch die Bedenken, das ein Engagement bei der New Yorker Zeitung die Identität von Google als neutrale Suchmaschine zerstören würde.
Google Health
Neue Technologie für persönliche Krankendaten. Ziel ist es, dass der Patient seine Gesundheitsdaten problemlos jeder Zeit abrufen kann und an andere Krankenhäuser weiterleiten kann. Auf diese Weise können Patientendaten leichter zwischen verschiedenen Krankenhäusern kommuniziert werden.
Google Chrome
Google startete September 2008 mit der Veröffentlichung der Browser-Software Google Chrome einen Angriff auf Marktführer Microsoft (Internet Explorer). Die Beta-Testversion wurde in 100 Ländern zum kostenlosen Download angeboten, begleitet von einem Comic des Autors Scott McCloud, der die Funktionen des neuen Browsers erläuterte. Google setzt bei Chrome auf Open Source-Technologie, die es externen Programmierern ermöglicht, die Software weiter zu entwickeln. Der eng an die Google-Suchmaschine gekoppelte Browser zeichnet sich dadurch aus, dass alle geöffneten Fenster und Applikationen einzelne Prozesse darstellen und diese daher getrennt voneinander operieren. Damit sollen Abstürze des Webbrowsers und aller seiner geöffneten Fenster endgültig der Vergangenheit angehören. Mit seiner Browser-Offensive zielt Google darauf ab, Microsoft Marktanteile abzujagen. Derzeit vereinigt der Softwarekonzern mit seinem Internet Explorer rund 75 Prozent des Browser-Marktes auf sich. Einen Marktanteil von 20 Prozent weist die gemeinnützige Open-Source-Allianz Mozilla mit dem Browser Firefox auf, in dessen Entwicklung Google investiert hatte. Safari aus dem Hause Apple ist der kleinste unter den namhaften Browsern.
Die Reaktion auf das Erscheinen von Google´s Chrome war überwiegend positiv. Das einflussreiche Computer-Magazin „PC World“ lobte die Benutzerfreundlichkeit von Chrome und wies darauf hin, dass die Software mehr ein Online-Betriebssystem als ein traditioneller Web-Browser sei. Wie jede Google-Applikation wurde auch Chrome wegen mangelnden Datenschutzes kritisiert. Laut einem Google-Verantwortlichen werden rund zwei Prozent aller URL’s und Suchstichwörter samt entsprechender IP-Adressen an Google gesendet, was beispielsweise in Deutschland das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik dazu veranlasste, vom Gebrauch von Chrome abzuraten. Allerdings kann man nach entsprechenden Änderungen der Default-Voreinstellungen völlig anonym über Google Chrome im Internet surfen. Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung kam Google Chrome aber nur auf bescheidene 1,1 Prozent Marktanteil unter den Browsern (Microsoft: 68 Prozent, Mozilla: 22 Prozent, Apple: acht Prozent).
Knol
Seit dem 23. Juli 2008 ist die von Google betriebene Wissensdatenbank online, die sich mittelfristig als Alternative zur Online-Enzyklopädie Wikipedia etablieren soll. Knol ist eine Kurzform für das englische Wort „knowledge“ (= Wissen) und hat das Ziel, qualitativ hochwertigere Artikel als Wikipedia zu veröffentlichen. Das Neuartige an Knol ist, dass alle Beiträge mit dem Namen und optional mit einem Bild des Verfassers gekennzeichnet sind und nicht von anderen Usern verändert werden können, es sei denn, diese stimmen einer Verbesserung zu. Autoren, die mit einem Eintrag nicht zufrieden sind, können einfach einen eigenen Text verfassen. Ziel Googles ist es, Lesern mit Knol mehrere Einträge für entsprechende Schlagwörter anzubieten. Google hat erklärt, dass die Autoren die Rechte an ihren Artikel erhalten und an den Werbeeinahmen, die durch Anzeigenschaltungen generiert werden, beteiligt werden.
Mobilsektor
Google Mobile
Sammlung von Applikationen für Mobiltelefone, inklusive Mobile Gmail und Mobile Web Search.
Google Voice
Noch nicht frei zugängliches Tool, mit dem User alle eingegangenen Anrufe an ihre verschiedenen Telefonnummern unter einer neuen Nummer online oder per SMS abrufen können. Zusätzlich können Anrufe und Nachrichten gespeichert und per Suchfunktion wiedergefunden werden.
Google Android
Zusammen mit der Open Handset Alliance, einem Konglomerat von mehr als 34 Mobiltelefonherstellern und Mobilfunkanbietern (unter anderem HTC, Motorola und T-Mobile) entwickelte Google das Handy-Betriebssystem Android. Mittels eines sogenannten „software development kit“ kann jeder Hobby-Programmierer Anwendungen für Android-Handys entwerfen. Und der Erfolg gibt Google Recht: Im dritten Quartal 2010 kletterte der Android-Marktanteil im Smartphone-Markt auf 25,5 Prozent, nachdem in diesem Zeitraum rund 20,5 Millionen Android-Geräte ausgeliefert wurden.
Seit 2008 ist Google zudem am Aufbau eines mobilen Hochgeschwindigkeitsnetz für die USA beteiligt. Unter Führung des US-Mobilfunkanbieters Sprint Nextel wollen amerikanische Kabelbetreiber und Technologiefirmen ein erstes landesweites Hochgeschwindigkeitsnetz für mobile Internetnutzung mit WiMax-Technologie aufbauen. Dieses Netz erlaube extrem schnelle, mobile Zugriffe auf Web, Videos und andere Daten für Handys, Laptops, Taschencomputer und weitere Mobilgeräte. Fünf Mal schneller als herkömmliche drahtlose Computernetze (WiFi) soll es sein, die Reichweite sei mit mehreren Kilometern deutlich größer. Pro Sekunde ließen sich rund 5 Megabyte Daten herunterladen. Am fast 15 Milliarden US-Dollar (9,7 Mrd EU) schweren Gemeinschaftsunternehmen namens Clearwire beteiligen sich neben Google die größten US-Kabelnetzanbieter Comcast und Time Warner Cable sowie der Chiphersteller Intel.
The Nexus One
Im Januar 2010 stellte Google erstmals sein eigenes "Google-Phone" der Öffentlichkeit vor. November 2010 gab CEO Eric Schmidt bekannt, dass dieses Smartphone durch das neue "Nexus S" abgelöst werden soll. Nexus S soll mit Gingerbread (einer neuen Android-Betriebssytemversion) ausgeliefert werden und darüber hinaus über eine Bezahlfunktion verfügen, mit der Waren und Produkte direkt per Handy bezahlt werden können.
Kommunikation
Gmail (in Deutschland und Großbritannien: Google Mail)
Webmail-Dienst
Google Talk
Instant Messenger Programm
Postini
Im Juni 2007 von Google akquirierter Email-Software-Anbieter. Das Unternehmen ist auf Email-Sicherheit spezialisiert und bietet personalisierte (Spam-)Filterungslösungen für Emails an, ehe diese im Postfach eines Users landen.
Google Apps
Kostenpflichtige, webbasierte Büro-Software für kleine und mittelständische Unternehmen. Die über die "App Sync"-Funktion mit Microsoft Outlook kompatiblen Anwendungen werden von mehr als 2 Millionen Firmen benutzt (Stand: Dezember 2009), darunter 15,000 Mitarbeiter von Genentech oder 30,000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Los Angeles.
Web 2.0-Produkte
Blogger
Tool zur Veröffentlichung von Weblogs. Benutzer können die Blogs mit Photos versehen, Gruppenblogs initiieren und andere Blogs kommentieren.
Picasa
Tool zur Archivierung und Editierung von Fotos. In Kombination mit Picasa Web Albums und Google Hello können die Fotoalben verschickt und in Blogs im Internet veröffentlicht werden.
Orkut
Social Community, die fast ausschließlich in Brasilien genutzt wird.
Google Video
Suchmaschine für Videomaterial: User können Videos hochladen und anschauen. Trotz Googles Erwerb von YouTube bleibt Google Video vorerst als separater Videodienst bestehen. Im Februar 2009 begann in Mailand ein Prozess gegen vier hochrangige Google-Verantwortliche (darunter auch Vizepräsident David Drummond) im Zusammenhang mit Google Video. Denn Beschuldigten werden die Straftatbestände der üblen Nachrede und der Verletzung der Privatsphäre vorgeworfen. Grund: Im Jahr 2006 wurde bei Google Video ein Handy-Video veröffentlicht, das zeigt, wie drei Jugendliche einen Jungen mit Down-Syndrom quälen. Der Vorwurf lautet, dass das Video unter der Aufsicht der Beschuldigten niemals hätte online gestellt werden dürfen. Googles Verteidiger Giuseppe Vaciago argumentiert jedoch, bei der schieren Menge Videomaterial die bei Google Video hochgeladen wird, kann nicht erwartet werden, dass jedes Video überprüft, bzw. hochrangige Google-Mitarbeiter dafür verantwortlich gemacht werden, wenn illegale Videos kurzzeitig online gestellt werden.
Google Wave
Neuer Kommunikationsdienst, der Instant Messaging, Email und Social Networking vereint. Gegenwärtig haben 100,000 ausgewählte Nutzer die Möglichkeit, das von Entwickler Lars Rasmussen entwickelte Open-Source Programm zu testen und weiterzuentwickeln. Später soll, ähnlich wie bei Apples iPhone, eine Online-Store für den Erwerb von Applikationen eingerichtet werden. Google Wave ist eines der interessantesten neuen Produkte des Konzerns, da es theoretisch über das Potenzial verfügt, sämtliche Email-, Chat- oder Social Networking-Portale überflüssig werden zu lassen.
YouTube
2006 für 1,65 Milliarden US-Dollar erworbene Videoplattform mit Suchfunktion: Benutzer können mittels Stichwörtern nach Videomaterial suchen und Filme online sichten. Der Name YouTube kommt von Tube (Kathodenstrahlröhre eines Fernsehers) und heißt, frei übersetzt, „deine Glotze“. YouTube hat auf dem Sektor der Videoportale laut Angaben von ComScore einen Marktanteil von 40 Prozent. Jede Minute werden mehr als zehn Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen. Allein im Kalenderjahr 2009 wurden bei YouTube 280 Exabytes an Content hochgeladen (ein Exabyte ist das Äquivalent von einer Milliarden Gigabyte), was dem 60-Fachen aller Daten entspricht, die noch 2004 das gesamte Internet umfassten.
Die Gründer Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim, die zuvor am Aufbau des Intenet-Bezahlservice PayPal mitgewirkt hatten, kamen auf die Idee für YouTube, als sie im Jahr 2004 feststellten, wie schwierig es war, sich online gegenseitig kleinere Filme zu senden. Insbesondere anlässlich der Tsunami-Katastrophe 2004 und bei Janet Jacksons „Nipplegate-Affäre“ erwies sich das Problem als dermaßen akut, dass die drei sich ganz auf ihr Projekt YouTube konzentrierten. Nach der Unternehmensgründung im Februar 2005 und der Start-Up-Finanzspritze der Investoren von Sequoia Capital, die auch bereits Page und Brin früh unterstützt hatten, wurde YouTube im Dezember 2005 offiziell gestartet.
Haupteinnahmequelle von YouTube sollen in der Zukunft Einnahmen von Werbekunden sein, die auf denn YouTube-Seiten Anzeigen schalten.
Die Content-Beschaffung ist für YouTube kostenlos, da nur Inhalte Dritter genutzt werden, deren Copyrights beim Hochladen auf das Unternehmen YouTube übertragen werden. CEO Eric Schmidt, der im Oktober 2009 eingeräumt hat, dass der Kaufpreis von 1,56 Milliarden rund eine Milliarde zu hoch angesetzt war und nur gezahlt wurde, um Konkurrenten wie Yahoo oder Microsoft zu überbieten, ist optimistisch, in den kommenden Jahren endlich Gewinne mit dem bisher defizitären Videoportal zu erzielen. So werden in absehbarer Zeit neue Werbeformate eingeführt. Dazu gehören auch Werbespots vor, während oder nach den eigentlichen Youtube-Inhalte, eine Möglichkeit, Werbeerlöse zu generieren, die lange Zeit abgelehnt wurde, da sie Zuschauer abschrecken könnte. Mit dem in Google-Kreisen als Starprogrammierer gehandelten Salar Kamangar wurde eigens eine Persönlichkeit damit beauftragt, YouTube in die schwarzen Zahlen zu führen. Kamangar gilt als Gehirn hinter Googles erfolgreichen AdWords-Werbesystem. Auf lange Sicht muss YouTube zudem auch längere Videoinhalte wie Filme oder Serien gratis oder gegen Bezahlung (als DVD-Verleih oder Video-on-Demand-Service) anbieten, um gegen Konkurrenten wie iTunes, Netflix, Redbox oder das äußerst beliebte Hulu.com zu bestehen. Die Bedeutung von YouTube im Google-Konzern spiegelt auch die im August 2009 getätigte Akquisition der Softwarefirma On2 Technologies wider. Das Unternehmen ist auf die Komprimierung von Videodateien spezialisiert und soll helfen, die Speicherung und Distribution von Videoinhalten kostengünstiger und effizienter zu gestalten.
Google Buzz
Anfang 2010 launchte Google sein erstes Soziales Netzwerk namens Google Buzz und forderte damit die Nummer Zwei der weltweit meistbesuchtesten Websites Facebook heraus. Viele Funktiononen, die das Social-Networking-Portal haben bekannt werden lassen finden sich auch bei Google Buzz wieder, wie die Importfunktion für Video- und Fotomaterial von anderen Seiten oder das verfolgen und kommentieren von Nachrichten und Meldungen. Google setzt dabei auf seine 176 Millionen große Gmail-Nutzergemeinde, die den Serbice nutzen soll, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu treten. Wenn sie ihre Gmail-Mailbox öffnen, ist Google Buzz in der Inbox zu sehen. Google's neues Social-Networking-Feature zog zunächst heftige Kritik auf sich, vor allem daten- und Verbraucherschützer rügten die Autromatisierungsmechanismen bei Google Buzz, wodurch Verbraucherrechte verletzt würden. Daraushin besserte Google nach und passte seinen Service weiter an.
Engagement in Europa
Deutschland
In Deutschland ist Google seit 2001 mit einem Standort in Hamburg vertreten. Derzeit existieren auch Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin. Deutschland-Chef von Google ist Country Sales Director Stefan Tweraser. Europäische Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält das Unternehmen in München, Aarhus (Dänemark), Dublin (Irland), Krakau (Polen), London (Großbritannien), Lulea (Schweden), Moskau und St. Petersburg (Russland), Trondheim (Norwegen) und Zürich (Schweiz). Für den europäischen Bereich verantwortlich ist Phillip Schindler. 2007 wurde auf dem Zürcher Hürlimann-Areal eine Fläche von 11.500 Quadratmetern für eine Dauer von 10 Jahren angemietet. Die Google-Niederlassung in Zürich soll mit langfristig um die 1.600 Mitarbeitern zum größten Standort außerhalb der USA ausgebaut werden. Man ließ sich in Zürich und nicht irgendwo in Deutschland nieder, da die Google-Führung die hohe Lebensqualität und die Beziehungen zur ETH-Zürich schätze, so der Google-Sprecher Stefan Keuchel. In München-Marienhof eröffnete Google im Herbst 2007 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Hier will Google die Bedürfnisse deutscher User analysieren, um sie für Produktentwicklungen zu nutzen. Ideal sei der Standort München, da hier herausragende IT-Wissenschaftler und Software-Ingenieure angesiedelt seien. Doch neben IT-Experten und Ingenieure werden in München Fachleute aus den Bereichen Werbevermarktung und Kooperationen beschäftigt.
Google verhält sich in Deutschland wie in allen Auslandsvertretungen eher zurückhaltend, was öffentliche Präsenz und aggressive Werbekampagnen betrifft. Bezeichnend dafür ist, dass es mit Stefan Keuchel nur einen einzigen PR-Angestellten in Deutschland gibt. Das könnte auf das Selbstverständnis von Google als technisch orientiertem, vom Image her mittelständisch auftretendem Unternehmen zurückzuführen sein.
Google betreibt in Deutschland, wie in rund dreißig anderen Ländern auch, eine Homepage in der Landessprache. Außerdem ist es möglich, sich per Klick englischsprachige Internetseiten ins Deutsche übersetzen zu lassen. Zum Thema Zensur muss Google gelegentlich auch in Bezug auf die deutschen Seiten Stellung nehmen. Bestimmte Seiten werden durch Google nicht anzeigt. Google verweist auf das deutsche Rechtssystem, um zu erklären, warum Google bestimmte, vor allem Seiten mit rassistischen oder pädophilen Inhalten sperrt. Einigen Verfechtern freier Meinungsäußerung greifen die Beschränkungen zu weit. Sie sprechen von Zensur, wobei einige bei google.de gesperrte Seiten sich problemlos über die amerikanischen Homepage google.com finden lassen.
Die Digitalisierung von Büchern, die Google so online zugänglich machen will, stoßen bei vielen deutschen Verlagen auf Unmut. Anfang 2007 verkündete die Bayerische Staatsbibliothek überraschend, sich dem Google Buch-Projekt anzuschließen. Andere Bibliotheken halten sich in Bezug auf eine Kooperation aber bedeckt. Beschränkt wurde die Zusammenarbeit von Google und der bayrischen Staatsbibliothek allerdings auf rund eine Million Werke der Bibliothek, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist. Diese Werke werden nun kostenfrei von dem US-Privatkonzern digitalisiert und in die Google Buch-Suche integriert.
Die neue Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußerte im Januar 2009 erstmals fundamentale Kritik an der Größe des Googles Konzern und warnte vor der Entstehung eines "riesigen Monopolisten". Zudem kündigte sie an, die Praxis der Digitalisierung von Büchern, ähnlich wie in Frankreich oder China, juristisch überprüfen zu lassen.
Holland
In den Niederlanden überwacht und misst Google seit Juni 2009 den Zustand der holländischen Volkswirtschaft. Das "Economic Barometer" getaufte Programm erstellt anhand einer Analyse der Frequenz mit der nach Reisen, Krediten, Autos, Stellenangeboten und Kosumgütern bei Google gesucht wird, ein präzises Bild der aktuellen wirtschaftlichen Situation.
Italien
In Italien muss sich Google seit August 2009 mit einem Kartelverfahren auseinandersetzen. Der Onlinekonzern wird von einigen italienischen Zeitungshäusern beschuldigt, ihre Homepages aus den Google-Suchergebnissen entfernt zu haben, nachdem sie sich geweigert haben, ihren Content dem Nachrichtenaggregator Google News zur Verfügung zu stellen.
Frankreich
Ein Pariser Gericht entschied im Dezember 2009, dass die Digitalisierung französischer Bücher im Rahmen von Googles Buchprojekt gegen das französische Urheberrecht verstößt. Der Onlinekonzern wurde angewiesen, umgehend mit dem Einscannen urheberrechtlich geschützter Werke aufzuhören. Google, das das Urteil juristisch anfechten will, droht bei Zuwiderhandlung eine Geldstrafe von bis zu 10.000 Euro pro Tag.
Das Urteil wurde nach einem dreijährigen Prozess gefällt und betrifft zunächst nur die Veröffentlichungen der Verlagshäuser Le Seuil und La Martinière, die gemeinsam mit dem französischen Verlegerverband und der Autorengewerkschaft gegen Googles umstrittenes Digitalisierungsprojekt geklagt hatten. Ursprünglich hatten die Kläger vom Suchmaschinen-Unternehmen eine Schadensersatzzahlung von 21 Millionen US-Dollar gefordert, einer Forderung der das Gericht jedoch nicht nachkam. Stattdessen muss Google nur 430.000 US-Dollar zahlen und innerhalb von 30 Tagen alle frei zugänglichen Passagen der Werke der klagenden Verlagshäuser offline stellen. Beobachter gehen davon aus, dass andere Verlage dem Beispiel von Le Seuil und La Martinière folgen und ebenfalls gegen Google klagen werden.
Ebenfalls unerfreulich für Google in Frankreich ist die Nachricht, dass das Kultusministeriuem über die Erhebung einer Internetsteuer nachdenkt, die Onlinekonzerne wie Facebook oder eben Google zahlen. So sollen die Gewinne besteuert werden, die Google und Co. mit dem Verkauf von Werbung erwirtschaften. Die Mehreinnahmen sollen an kulturelle Einrichtungen und Künstler fließen.
Probleme und Kritik an Google Inc.
Die von Google bilanzierten Umsätze lagen 2008 über denen des achtgrößten Medienkonzerns der Welt, NBC Universal. Ökonomisch problematisch ist jedoch eine Bewertung eines Konzerns, der wie die anderer Plattformbetreiber wie Yahoo oder AOL auch, letztlich auf die summierte Bewertung der Marke, Patente und Lizenzen, der künftigen Werbeeinnahmen und der Kreativmitarbeiter hinauslaufen muss. Wie schwankend der Shareholder-Value von online operierenden Unternehmen sein kann, zeigten die Einbrüche beim New Economy-Crash. Noch ist er bei Google extrem hoch.
Die Kritik an den Geschäftspraktiken Googles ist in den vergangenen Jahren lauter geworden. Es hat sich sogar eine Art Anti-Google-Bewegung im Internet formiert. Angeführt wird sie vom US-amerikanischen Datenschutz-Aktivisten Daniel Brandt. Er ist Vorsitzender von PIR (Public Information Research), einem Non-Profit Wohlfahrtsverband. Auf seiner Internetseite Google Watch fasst er die Gefahren zusammen, die angeblich von Google ausgehen. So weist er in seinen die Grenze zu Verschwörungstheorien tangierenden Ausführungen unter anderem auf die Verbindungen von Google zu den US-Behörden CIA und NSA hin. Brandt schuf die alternative Suchmaschine Scroogle, die Google-Suchergebnisse ohne Anzeigen und Cookies präsentiert. Brandts wichtige weitere Kritikpunkte betreffen den mangelnden Respekt vor der Privatsphäre der Nutzer. In der Regel hinterließen User unwillentlich Cookies bei Google. Auch wendet Brandt sich gegen die angeblich Urheberrechte verletzende Digitalisierung weltweiter Bibliotheksbeständen.
Google, so die Kritiker, sei ein so bedeutendes und einflussreiches Unternehmen, dass es verstaatlicht oder gemeinnützig betrieben werden müsste.
Die Kritiker an Google konzentrieren sich u. a. auf folgende Punkte:
1. Verletzung der Privatsphäre durch Datenspeicherung (via Cookies, Gmail)
2. Urheberrechtsverletzung (Textdateien, YouTube)
3. Digitalisierung von Printbeständen (teils Urheberrechtsverletzungen, teils durch Kooperationen)
4. Kooperationen mit US-Behörden: NSA, CIA
5. Aktivitäten in China
1. Verletzung der Privatsphäre
Eines der berühmtesten, aus dem Kontext gerissenen Zitate von Google-Chef Eric Schmidt lautet: „We are moving to a Google that knows more about you”. Schmidt wollte damit eigentlich die Benutzerfreundlichkeit der Google-Seiten hervorheben.
Die Cookie-Problematik
Jeder Google-Benutzer erhält beim Besuch der Suchmaschine einen so genannten „Cookie“, der auf der Festplatte des Rechners abgespeichert wird. Ein Cookie ist ein kurzer Eintrag in einer meist kleinen Datenbank, bzw. in einem speziellen Dateiverzeichnis auf einem Computer und dient dem Austausch von Informationen zwischen Computerprogrammen oder der zeitlich beschränkten Archivierung von Informationen. Durch den Cookie erhält jeder Google-User eine individuelle ID-Nummer. Kritiker behaupten, die ID-Nummer würde von Google dazu missbraucht, jegliche Suchanfragen eines Benutzers abzuspeichern. Mit diesen Informationen könne Google dann ein individuelles Profil hinsichtlich der Präferenzen eines Benutzers erstellen und dieses an Werbefirmen oder Regierungsstellen weiterleiten. Experten weisen darauf hin, dass der Google-Cookie erst im Jahr 2038 abläuft.
Gmail
Googles Webmail-Dienst Gmail (in Deutschland: Google Mail) hat eine gigantische kostenfreie Speicherkapazität von bis zu 7,3 Gigabyte. Das bedeutet, dass User ihre Emails nicht löschen müssen, um Platz für neue zu schaffen. Diese Emails sind Google-intern abrufbar und selbst gelöschte Emails bleiben für unbestimmte Zeit auf den Google-Servern gespeichert. Problematisch ist dies, da der Inhalt der Emails auf bestimmte Stichwörter gescannt und mit entsprechenden Werbeanzeigen versehen werden kann. Werbung in Mails belästigte dann nicht nur User von Gmail, sondern auch Nutzer anderer Email-Dienste, die Emails an Gmail-User schickten, die die Nutzungsbedingungen für Gmail nie gelesen, bzw. akzeptiert hätten. Auch bestünde die Möglichkeit, mit den persönlichen Informationen, die Google anhand von Email-Scans sammelt, ganze Datenbanken von Email-Adressen zu erstellen, die an bestimmte Stichwörter gekoppelt wären. Datenschützer befürchten, dass solche Datenbanken für Werbung missbraucht oder zwecks Strafverfolgung an Regierungsbehörden weitergegeben werden könnten. Im April 2004 starteten 31 Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen in den USA einen Appell an Google, Gmail zu modifizieren und die Privatsphäre ihrer Kunden mehr zu respektieren.
Anti-Kritik
Die oben angeführten Kritikpunkte werden in Fachkreisen und unter Internetnutzern diskutiert. Dabei kommt es immer wieder auch zu einer Kritik an der Kritik an Google. Diese Anti-Kritik lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
1. Jeder PC-Besitzer brauche weniger als eine Minute, um die Cookies seines Webbrowsers zu deaktivieren.
2. Niemand ist gezwungen, Gmail zu benutzen und die Geschäftsbedingungen zu akzeptieren.
3. Google gehöre laut einem Bericht der Washington Post vom Februar 2006 im Gegensatz zu Yahoo, AOL und MSN zu den Webportalen, die sich mit juristischen Mitteln gegen eine Herausgabe von persönlichen Daten der Google-Benutzer an US-Behörden zwecks Bekämpfung von Internetpornographie gewehrt haben.
2. Urheberrechtsverletzung (Textdateien, YouTube)
Googles Unternehmensmission, gratis möglichst viel Wissen (also Bücher, Nachrichten, Filme und Fernsehprogramme) zugänglich zu machen wird zunehmend aufgrund angeblicher Urheberrechtsverletzungen kritisiert. Im März 2007 verklagte das Kabelnetzwerk Viacom das Google-Video-Portal YouTube auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz aufgrund der Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Inhalte. Das zuständige Gericht entschied Anfang Juli 2008, die YouTube-Daten sollen an Viacom weitergegeben werden, so dass der Konzern nachvollziehen könne, welcher YouTube-Nutzer, welche Ausschnitte von Viacom-eigenen TV-Sendungen und welche MTV-Videos eingestellt hat. Google will jedoch die Nutzerdaten bloß anonymisiert weiterleiten. Die Viacom-Kritik an Google lautet, dass YouTube auf dem Rücken von Fremdlieferanten Erfolge feiere.
3. Digitalisierung von Printbeständen: Google Buch-Projekt
Google kooperiert mit einer Reihe von Bibliotheken, darunter den Universitätsbüchereien von Oxford, Madrid, Barcelona, München und denen einiger US-amerikanischer Top-Universitäten. Ziel, laut Google, sei die Universalbibliothek, die nach jahrelanger Digitalisierung aller Bücher das gesamte Wissen der Menschheit vereine. Alle Internet-Nutzer könnten dann dank Links und Tags von der Vernetzung aller Buchinformationen profitieren.
Googles Ziel, gemäß seiner Firmenphilosophie, soviel Wissen wie möglich frei zugänglich zu machen, äußert sich auch in der Digitalisierung von weltweiten Bücherbeständen, die mit dem Google-Werkzeug Booksearch durchsuchbar und online lesbar gemacht werden.
Die Kritik an am Digitalisierungsvorhaben kommt aus verschiedenen Richtungen:
Buchverlage bemängeln es, dass Google Teile urheberrechtlich geschützten Materials digitalisiert. Zwar würden bei Werken mit Copyright nur Buchtitel, Autorenname sowie kurze Textpassagen angezeigt. Wer aber nicht wolle, dass sein Werk in Google Booksearch integriert werde, müsse Google darüber in Eigeninitiative informieren, gemäß der juristischen „Beweislastumkehr“. Schweigen werte Google also als Zustimmung.
Desweiteren mangle es dem Digitalisierungsprojekt an Transparenz. Kritisiert wird, dass die am Projekt beteiligten Bibliotheken nicht direkt am Prozess des Einscannens beteiligt sind. Die Praxis der Digitalisierung sei fragwürdig. Stets schlichen sich Fehler ein, wie fehlende Seiten. Auch Schmutzflecken oder Fingerabdrücke gelangten in die digitalen Werke.
Eine andere Form der Kritik erfolgt aus kultur-soziologischer Perspektive. Das Digitalisierungsprojekt fördere eine kulturelle Homogenität, so die These. An vorderster Front dieser Gegenbewegung steht Jean-Noël Jeanneney, Direktor der französischen Staatsbibliothek. Er behauptet, Google Booksearch befördere eine angelsächsisch dominierte Wissenschaftskultur, einen „Sprach-Imperialismus“, der andere Sprachen, etwa Deutsch, Französisch oder Russisch abwerte. Für ein Ende an der Kritik an Googles Digitalisierungsstrategie konnte auch nicht eine 2008 mit Verlagen und Autoren beschlossene kontroverse Vereinbarung sorgen.
Googles stieg im Mai 2009 zudem in den Markt für E-Books ein. Der Onlinekonzern hat ein Programm entwickelt, das es Verlagen ermöglicht, ihre Bücher über Google direkt an die Leser zu vertreiben. Diese können die Texte dann auf dem Computer, Laptop oder Handy lesen.
4. Kooperationen mit US-Behörden: NSA, CIA
Ende 2006 berichtete der ehemalige CIA-Mitarbeiter Robert Steele in einer amerikanischen Radiosendung, der Google-Konzern sei „im Bett mit der CIA“. Allerdings beließ er es bei diesem wagen Statement und konkretisierte die Vorwürfe nicht. Es gibt bis heute keine Beweise für eine Zusammenarbeit von Google und US-Geheimdiensten. Unbestritten ist jedoch, dass Geheimdienste versuchten, Kontakte mit Google herzustellen. Das dementierte auch Google-Mitbegründer Sergey Brin in einem Gespräch mit Spiegel Online im Jahr 2005 nicht. Google habe sich aber gegen solche Avancen gewehrt. Nichtsdestotrotz kaufte der Konzern 2004 das Unternehmen Keyhole, Inc., eine Softwarefirma, die man für die Realisierung von Google Earth und Google Maps benötigte. Keyhole Inc. wurde von In-Q-Tel mit Kapital ausgestattet, einer Venture-Capital-Firma des CIA, die in Softwareunternehmen investiert, um den Geheimdienst mit den neuesten technischen Errungenschaften aufzurüsten.
5. Aktivitäten in China
Wie bei allen Suchmaschinen-Anbietern stellte sich auch bei Google lange Zeit die Zensurfrage. Google verwies in der Vergangenheit immer wieder darauf, die Rechtssprechungen der einzelnen Länder zu respektieren und nur Suchergebnisse aufzulisten, die nicht auf illegalen Inhalt hinweisen. Im Fall des chinesischen Ablegers google.cn ging Googles Seitensperrung lange Zeit über die bloße Befolgung von Gesetzen hinaus. So sollen Suchanfragen nach „Platz des himmlischen Friedens“ manipuliert worden sein, um den Aufruf bestimmter regierungskritischer Seiten zu verhindern. Google war ein wichtiger Partner des „Golden Shield Projects“ der chinesischen Regierung, das sich die umfassende Internetzensur zum Ziel gesetzt hat. Im Februar 2006 machte Google Zugeständnisse an die Regierung, um im Gegenzug die Genehmigung zu erhalten, technisches Equipment auf chinesischem Boden zu installieren. Man kann aber von Google nicht erwarten, das Verbot der freien Meinungsäußerung in China aktiv zu bekämpfen. Laut Gründer Brin nutzen die meisten chinesischen Google-Benutzer unzensierte Versionen von Google. Genau dafür wurde Google im Juni 2009 von der chinesischen Regierung kritisiert. Der Vorwurf lautete, Google würde über seinen englischsprachigen Auftritt pornographische Inhalte verbreiten. So wurde Google.com für chinesische Internetnutzer gesperrt, ehe es die pornographischen Inhalte aus den Suchergebnissen entfernte.
Als Mitte Dezember 2009 Unbekannte den Email-Verkehr von chinesischen Menschenrechtlern, die Gmail benutzen, mittels eines Hacker-Angriffes ausspionierten, verkündete der Konzern überraschend, sein gesamtes Engagement in China zu überdenken. Chefjurist David Drummond stellte in diesem Zusammenhang klar, dass Google keine weiteren Zensurauflagen der chinesischen Regierung mehr akzeptieren werde. Im März 2010 schließlich entschloss sich das Google-Management den chinesischen, zensierten Ableger google.cn einzustellen und die Google-Nutzer stattdessen auf den unzensierten Ableger google.com.hk aus Hongkong weiterzuleiten. Damit ging Google auf Konfrontation mit der chinesischen Regierung, die sich empört über die Maßnahme zeigte.
Ohnehin gestalten sich die Aktivitäten von Google in China als schwierig. Das Unternehmen hat es im Suchmaschinen-Bereich bisher nicht geschafft, dem chinesischen Marktführer Baidu seinen Marktanteil von 65 Prozent streitig zu machen, was unter anderem auch daran liegt, dass die Suchtechnologie von Google Probleme mit der chinesischen Schrift hat. Außerdem ist Googles Buchprojekt - ähnlich wie in Frankreich - auch in China bedroht. Die chinesische Autorin Mian Mian hat Google wegen Verletzung von Urheberechten angeklagt, nachdem Exzerpte ihrer Werke in der Buch-Suche von Google auftraten.
Größere Probleme bereite Anfang 2010 der chinesische Markt. Google, das mittlerweile einen Marktanteil von rund 30 Prozent erlangt hatte, zog sich nach Auseinandersetzungen mit der chinesischen Regierung zurück und leitet fortan alle Anfragen auf seine Hongkong-Seite um. China filtert das Internet, um sensible Suchanfragen und Themen zu blockieren. So sind unter anderem YouTube, Twitter und Facebook vom chinesischen Festland aus gänzlich unerreichbar. Analysten und Marktbeobachter fürchten allerdings, dass Google Marktanteile verlieren wird, da einige chinesische Unternehmen die Aufkündigung der Zusammenarbeit angedroht hatten. Google setzte die automatische Weiterleitung erst aus, als die jährlich erneuerbare Lizenz im Juli 2010 auslief. Nach einer Woche des Bangens erhielt der Konzern schließlich eine neue Internet Content Provider (ICP) Nummer, sodass Google weiterhin seine Web-basierten Services anbieten kann. Der Entzug der Lizenz wäre für Googfle ein herber Rückschlag gewesen, da China mit seinen mehr als 400 Millionen Web-Nutzern als der weltweit größte Internetmarkt gilt. Um einen Kompromiss mit den Behörden zu erreichen, hat Google nun einen manuellen Link auf die Honkong-Seite in seine chinesische Suchmaschine integriert.
Aktuelle Entwicklungen
Trotz rasant steigendem Absatz von Android-Geräten konnte Google im ersten Quartal 2011 nicht mehr an Rekordumsätze der letzten Jahre anknüpfen. Besonders im Mobile-Geschäft sind die Gewinnmargen bislang noch niedrig, sodass sich der Erfolg von des Mobile-Betriebssystem Android noch kaum in den Zahlen niederschlägt. Doch das könnte sich bald ändern: laut dem Brachendienst TechCrunch entfielen im zweiten Quartal 2011 bereits 53 Prozent der mobilen Werbeeinblendungen auf die Android-Plattform.
Darüber hinaus verfolge Google weiter seine Strategie, das Unternehmen durch eine Vielzahl von Zukäufen auszubauen und vielseitig auszurichten. Außerdem sollen die Verluste an die Konkurrenten Bing und Yahoo im klassischen Suchmaschinenmarkt ausgeglichen werden. Im Frühjahr 2011 erhielt Google zudem grünes Licht für die geplante Übernahme von ITA Software.
Doch Google bekommt auch weiterhin Gegenwind von außen, wie etwa in Form von Rechtsstreitigkeiten wegen angeblicher Patentverletzungen. Zuletzt hatte die EU im November 2010 Ermittlungen aufgenommen, weil der Konzern seine Vormachtstellung genutzt haben soll, um Konkurrenten zu verdrängen. Hinzu kommt die Bedrohung durch Facebook, den neuen hellsten Stern am Internet-Himmel, der für Google zunehmend zum wichtigsten Konkurrenten wird.
Ein weiterer Clou gelang Google mit dem Launch des Social-Networks Google+. Bereits im August 2011, gut zwei Monate nach seinem Start, zählte das Netzwerk rund 25 Millionen Besucher. Dies überrascht, zumal die bisherigen Versuche von Google mit eigenen Social-Networking-Angeboten im Markt Fuß zu fassen, Fehl schlugen. Auch an der Wallstreet wurde Google+ positiv aufgenommen und könnte mittelfristig sogar den Konkurrenten Facebook zu überholen.
Im Jahr 2011 kam es aber auch wieder zu Problem mit Datenschützern. Nachdem die US-Wettbewerbsaufsichtsbehörde US Federal Trade Commission (FTC) im Frühjahar 2011 eine offizielle Untersuchung gegen den US-Suchmaschinengiganten Google eingeleitet hatte, zeigte sich der Konzern Konkurrenten hatten Google darüber hinaus vorgeworfen, seine dominante Position auszunutzen und eigenen Webseiten und Services in den Ergebnissen der Suchmaschine prominenter zu listen.
Weiterführende Literatur
- Auletta, Ken 2009: Googled: The End of the World as We Know It, London: Penguin Press.
- Jarvis, Jeff 2009: What Would Google Do?, New York: HarperBusiness.
- Vise, David A. 2008: The Google Story: For Google's 10th Birthday: Inside the Hottest Business, Media and Technology Success of Our Time, Surrey: Delta Publishing.
- Girard, Bernard 2009: The Google Way: How One Company Is Revolutionizing Management As We Know it, San Francisco: No Starch Press.
Links
» Pressetexte
Presseberichterstattung:
- Forbes: When Google Runs Your Life (28.12.2009)
- CNN Money: Obama & Google (a love story) (22.10.2009)
- Wired: Inside Google: Eric Schmidt, the man with all the answers (30.07.2009)
- FAZ: Von Google lernen – Mehr Links wagen! (16.02.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Jeff Jarvis über Google - „Pizza Hawaii für alle“ (29.01.2009)
- The Atlantic: Is Google Making Us Stupid? (07/2008)


