6. BBC
Umsatz 2006/07: £ 4,177 Mrd. (€ 6,169 Mrd.)
Überblick
Die 1926 gegründete British Broadcasting Corporation ist die größte Rundfunkanstalt der Welt. Innerhalb Großbritanniens produziert die BBC ein ausschließlich gebührenfinanziertes Radio- und Fernsehprogramm, das seine Zuschauer "informieren, bilden und unterhalten" soll. Im Ausland erwirtschaftet der kommerziell agierende Arm BBC Worldwide durch das Betreiben von Fernsehsendern, die Lizenzierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern zusätzliche Erträge, die an die Anstalt zurückgeführt werden und die Gebührenzahler entlasten sollen. Im Onlinebereich betreibt die BBC mit ihrer Homepage die reichweitenstärkste Internetseite Europas.
Basisdaten
Hauptsitz: Broadcasting House, Portlands Place, London W1A 1AA, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7580-4468
Telefax: 0044-20-7765-1630
Internet: www.bbc.co.uk
Branche: Fernsehsender, Radio, Rechtehandel, TV-Produktion, TV-Spartenkanäle, Zeitschriften, Buchverlage
Rechtsform: Öffentlich-rechtliche Anstalt
Geschäftsjahr: 01.06. - 31.05.
Gründungsjahr: (1922) 1926
2008/2009 | 2007/2008 | 2006/2007 | 2005/06 | 2004/05 | 2003/04 | 2002/03 | 2001/02 | 2000/01 | |
Etat/Umsatz (in Mio. £) | 4.606 | 4.415 | 4.117 | 4.005 | 3.835 | 3.706 | 3.532 | 3.383 | 3.165 |
davon Licence Fee (in Mio. £) | 3.369 | 3.243 | 3.101 | 2.940 | 2.798 | 2.659 | 2.533 | 2.371 | |
davon BBC Worldwide (in Mio. £) | 118 | 111 | 185 | 145 | 141 | 123 | 660 | 587 | |
sonstiges (in Mio. £)* | k.A. | k.A. | 719 | 750 | 767 | 750 | 190 | 207 | |
Beschäftigte | 31,101 | 23,037 | 25.377 | 27.264 | 27.632 | 27.148 | 25.568 | 24.129 |
*ohne Grant in Aid/World Service (dieser betrug für 2006/07: £ 239,5 Mio.)
Geschäftsführung
BBC executive-directors:
Executive directors
- Mark Thompson, Director-General
- Mark Byford, Deputy Director-General
- Lucy Adams, Director, BBC People
- Sharon Baylay, Director, Marketing, Communications & Audiences
- Jana Bennett, Director, Vision
- Tim Davie, Director, Audio & Music
- Erik Huggers, Director, Future Media & Technology
- Zarin Patel, Chief Financial Officer
- Peter Salmon, Director, BBC North
- Caroline Thomson, Chief Operating Officer
Non-executive directors
- Marcus Agius
- Val Gooding
- Dr Mike Lynch
- David Robbie
- Dr Samir Shah
- Robert Webb
BBC Trust:
- Michael Lyons Chairman
- Chitra Bharucha Vice-chairman
- Diane Coyle Trustee
- Anthony Fry Trustee
- Alison Hastings Trustee for England
- Patricia Hodgson Trustee
- Rotha Johnston Trustee for N. Ireland
- Janet Lewis-Jones Trustee for Wales
- David Liddiment Trustee
- Mehmuda Mian Trustee
- Jeremy Peat Trustee for Scotland
- Richard Tait Trustee
Geschichte und Profil
1926 erhielt die drei Jahre zuvor gegründete British Broadcasting Corporation (BBC) ihre erste "Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“.
Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television).
Mitte der 60er Jahre wurde BBC und später erst, Anfang der 80er Jahre, auch dem Privatfernsehen, jeweils ein weiteres Programm (BBC 2 bzw. Channel Four) genehmigt. Seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 90er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programm-Angebot aus. Durch Übernahme der eigentlich für einen kommerziellen Veranstalter vorgesehenen Lizenz für terrestrisches Digitalfernsehen in Großbritannien durch ein Konsortium aus BBC und Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB (FreeView) ist die öffentlich-rechtliche Anstalt dominierende Kraft im britischen TV-Markt.
Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Worldwide vermarktet die über die Rundfunkgebühr finanzierten Programminhalte und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. und ist selbst – vor allem im Ausland – Programmveranstalter im Pay- wie im Free-TV. Alle Gewinne von BBC Worldwide werden an die BBC-Mutter zurückgeführt.
Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.
Der BBC wurde 2007 eine schrittweise Erhöhung der Gebühr auf 151,50 Pfund im Jahr 2012 zugestanden. Der Tag, an dem die Neuregelung der Rundfunkgebühr für die BBC verkündet wurde, war medial allerdings von trivialeren Ereignissen überschattet: In der britischen „Celebrity Big-Brother“-Variante hatte sich die B-Prominenz gegenseitig mit rassistischen Bemerkungen überzogen. Die Klagen der BBC, dass sie wegen des für sie unbefriedigenden Deals bis 2012 mit mindestens 2 Milliarden Pfund (umgerechnet 2,9 Milliarden Euro) weniger auskommen muss als geplant, verhallten daher mehr oder weniger ungehört.
Dabei ist die Gebührenanpassung ein heftiger Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung - über die in Deutschland gerade als mögliches Modell für die Reform der hiesigen Rundfunkgebühr diskutiert wird - ist in Großbritannien nun passé. Die Gebühr steigt 2007/2008 noch einmal um jeweils drei Prozent, und dieser Satz geht bis zum Auslaufen der Gebührenperiode 2012/2013 stufenweise weiter zurück. Die Journalistengewerkschaft NUJ protestierte energisch gegen dieses „Below-Inflation-Settlement“, es kam zu einzelnen Streiks bei der BBC – und der Director General betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne. Eine hauseigene Bestandsaufnahme soll Einsparmöglichkeiten aufspüren.
Management
Die von Januar 2007 bis 2016 gültige neue „Royal Charter“ führt zu einschneidenden Reformen bei der BBC, insbesondere im obersten Management und bei der Selbstaufsicht der Anstalt. Geleitet wird die BBC von einem Management-Team („BBC Executive Board“), an dessen Spitze der Director General steht. Der Director General ist gleichzeitig als „oberster Chefredakteur“ für alle Programme verantwortlich. Die neue Charter schreibt jetzt verbindlich mindestens vier so genannte Non-Executive-Members im Board vor, deren Position eher mit der eines Aufsichtsrates zu vergleichen ist. Auch die Position des erst 2004 eingeführten Deputy Director General wird verbindlich festgeschrieben, um „einsamen Entscheidungen“ des Director General oder anderer Top-Manager vorzubeugen. Hintergrund dieser Maßnahmen waren die erbitterten Auseinandersetzungen der amtierenden Labour-Regierung mit der BBC, vor allem über die Berichterstattung über die politischen Hintergründe der britischen Beteiligung am jüngsten Irak-Krieg.
Aus demselben Motiv wird auch die bislang vom „Board of Governors“ ausgeübte Selbstkontrolle der BBC neu organisiert. An die Stelle der Governors, die einerseits oberste Mangement-Instanz und gleichzeitig das anstaltseigene Aufsichtsgremium darstellten, tritt jetzt der „BBC Trust“. Er hat zwar keine direkten Management-Aufgaben mehr, verfügt aber über deutlich mehr Kompetenzen bei der Besetzung des Executive Board, dass seit Januar 2007 als BBC Executive firmiert und dem jetzt, wie in britischen Vorständen üblich, auch so genannte Non-Executive-Directors angehören. Außerdem soll der Trust die Programmleistung der BBC und ihre Übereinstimmung mit ihrem Programmauftrag detailliert überwachen. Dazu gehören aktuell die zwölf Mitglieder des Trusts. Sie repräsentieren formal – ähnlich wie die Rundfunkräte in Deutschland –die gesellschaftliche Vielfalt im Land. Durch ihre im Vergleich zu deutschen Aufsichtsgremien viel geringere Zahl sind die einzelnen Trust-Mitglieder mächtiger. Anders als in Deutschland werden sie auch nicht von entsprechenden „Trägern des gesellschaftlichen Lebens“ nominiert, sondern von der Königin auf Vorschlag der Regierung ernannt.
Geschäftsfelder
Fernsehen: Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ist die BBC bereits stärker in der Welt des digitalen Rundfunks aktiv und sieht sich selbst als treibende Kraft hinter dem für 2012 geplanten „switch off“ der analogen Sender. Bis dahin verbreitet die BBC weiterhin ihre beiden analogen TV-Programme BBC 1 (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland, Wales) und BBC 2.
Im TV-Bereich betreibt die BBC über FreeView 6 digitale Programme im DVB-T Standard: BBC Three (Zielgruppe junge Erwachsene), BBC Four (Kultur/Bildung), BBC News 24 (Nachrichtenkanal), BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster) sowie die beiden Kinderkanäle Children’s BBC (CBBC) und das an Kleinkinder gerichtete Programm CBeebies.
BBC Worldwide betreibt aktuell 11 TV-Sender, zum Teil als Pay-TV-Angebote oder Joint Ventures mit anderen Medienunternehmen. Sie alle senden überwiegend außerhalb von Großbritannien. Hierzu gehören BBC Prime (BBC-Programm-Highlights), der internationale Nachrichtenkanal BBC World, Kabelsender wie BBC America, BBC Japan, BBC Canada, BBC Food , USA (seit 1998, US-Kabelsender); Animal Planet und People & Arts (Joint-Venture mit Discovery Communications) sowie das auch in Großbritannien zu empfangende Pay-TV-Paket UKTV (Joint-Venture mit Flextech).
Radio: Derzeit senden fünf analoge UKW-Sendeketten: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele) und Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für Schottland, Wales und Nordirland sowie rund 40 BBC-Lokalsender in England. Außerdem werden fünf weitere Programme über den DAB (Digital Audio Broadcasting)-Standard verbreitet (siehe digitaler Rundfunk).
BBC World Service sendet in über 30 Sprachen und erreicht wöchentlich mindestens 140 Millionen Hörer in aller Welt. Traditionell über Kurzwelle zu empfangen, wird der "World Service" in mehr und mehr Ländern ganz oder teilweise auf UKW-und Mittelwelle-Frequenzen übernommen. Das in den vergangenen Jahren trotz heftiger interner und öffentlicher Kritik eingeschränkte Programmangebot wird vollständig über einen "Grant in Aid“, einen festen Etatposten des Außenministeriums finanziert, das aber keinerlei Einfluss auf den Programminhalt hat. Der World Service finanziert auch neue Angebote wie den im März 2008 gestarteten arabischen Nachrichtenkanal BBC Arabia.
Digitaler Rundfunk: Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ist die BBC bereits wesentlich stärker in der Welt des digitalen Rundfunks aktiv und sieht sich selbst als treibende Kraft hinter dem für 2012 geplanten „switch off“ der analogen Sender. Bis 2012 verbreitet die BBC weiterhin ihre analogen TV- und Radioprogramme. Im Radiobereich betreibt die BBC derzeit zusätzlich fünf weitere Kanäle über den DAB-Standard, der sich in Großbritannien anders als in Deutschland zunächst durchgesetzt zu haben schien, aktuell aber ebenfalls in Schwierigkeiten geraten ist: 1Xtra (aktuelle Musik), Five Live Sports Extra, 6 Music (Rock und Pop), BBC 7 (Comedy, Hörspiele, Kinderprogrammm) sowie das an Migranten aus dem asiatischen Raum gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen asiatischen Sprachen sendet.
Durchsetzen konnte sich BBC-Director General Thompson bei den weiteren Ausbauplänen der BBC im digitalen Zeitalter: Ende April 2007 stimmte der BBC Trust der Einführung von Freesat, einer frei empfangbaren digitalen Satelliten-Plattform für bis zu 300 TV- und Radioprogramme zu. Dies bedeutet eine enorme Ausweitung der Übertragungskapazitäten – Freeview, die digitale terrestrische Plattform der BBC, bietet aktuell nur 75 Programme und kann nicht in allen Landesteilen empfangen werden. Mit Freeview und Freesat wird die BBC endgültig zum wesentlichen Faktor im Medienmarkt der Zukunft, da sie hier auch Programme anderer Anbieter verbreitet.
Entsprechend heftig fielen die Reaktionen bei BSkyB, der zu Rupert Murdochs News Corp. gehörenden Pay-TV-Plattform, und anderer Bezahlfernsehanbieter auf die Freesat-Pläne aus. Murdoch ärgerte zudem Thompsons Absicht, die BBC Schritt für Schritt auch zu einer Jugendmarke auszubauen. Der BBC-Chef hat erkannt, dass das Fernsehen für Jugendliche in Großbritannien längst nicht mehr das Medium Nummer eins ist und die steigende Internetnutzung zu Lasten des Fernsehkonsums geht. Ein Viertel der englischen Jugend konsumiert überhaupt kein öffentlich-rechtliches Fernsehen mehr. Deshalb ist Thompson gerade dabei, die BBC-Homepage, übrigens die reichweitenstärkste Webseite Europas, zu einem Online-Medienangebot umzufunktionieren, das mp3-Downloadseiten und Web 2.0-Angeboten wie MySpace.com Konkurrenz machen sollen. Thompsons „Creative Future Strategy“, zu der auch eine Zusammenarbeit mit der Videoplattform YouTube – und seit Anfang 2008 auch mit Murdochs MySpace selbst - gehört, ist jedoch nicht ohne Risiko. Die Boulevardzeitung „The Sun“, ebenfalls zu News Corp. gehörend, initiierte bereits eine groß angelegte Kampagne gegen die „aufgeblasene“ BBC. Die „Daily Mail“ bezeichnete die Jugendoffensive als „Verblödung, um junge Zuschauer zu gewinnen“.
Ebenfalls vom BBC Trust durchgewinkt wurde Ende April 2007 der iPlayer, die geplante BBC-Mediathek im Internet. Hier können bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung die meisten BBC-Sendungen online abgerufen werden. Ein ähnlicher Service soll auch im TV-Kabel angeboten werden. Trotz des an den iPod erinnernden Namens hat der BBC iPlayer nichts mit dem Computerunternehmen Apple zu tun: Ursprünglich war sogar geplant, den iPlayer ausschließlich für Microsoft Windows-Software zu konfigurieren. Die Software-Lobbygruppen „Free Software Foundation“ (FSF) und „Open Source Consortium“(OSC) sprachen von einer von Microsoft „unterwanderten und korrupten BBC“ und wiesen darauf hin, dass der Chefstratege der „New Media“-Sparte der BBC, Erik Huggers, ehemaliger Direktor der Digital Media Unit bei Microsoft gewesen sei. Auf Druck der Trustees muss die BBC jetzt aber bis 2009 auch eine Version für Linux entwickeln. Insgesamt stehen für den iPlayer bis 2012 über 130 Millionen Pfund aus der TV-Gebühr zur Verfügung.
Lizenzhandel: BBC Worldwide ist für den internationalen Rechtehandel mit BBC-Programmen und Ko-Produktionen zuständig.
Zeitschriften/Ton- und Bildträger: BBC Worldwide verlegt zudem mehrere Dutzend Publikumszeitschriften wie das Programmheft Radio Times, eine ganze Palette von Koch- und Gartentiteln sowie konkret auf BBC-Sendungen zugeschnittene Magazine wie „Top of the Pops“ oder „Doctor Who Adventures“. Dazu kommen Hörbücher, Tonträger, DVDs und Lehrmaterialen zu den diversen BBC-Bildungsprogrammen.
Engagement in Deutschland
Programm: Der internationale, kommerzielle Nachrichtenkanal BBC World wird in den meisten deutschen Kabelfernsehnetzen weiterverbreitet, er kann außerdem per Satellit und in einigen DVB-T-Angeboten empfangen werden. Im Großraum Berlin verfügt außerdem das Radioprogramm des BBC World Service über eine eigene UKW-Frequenz. Die BBC kooperiert mit mehreren deutschen Fernsehsendern. Besonders eng sind - auch über die Europäische Rundfunk Union /European Broadcasting Union (EBU) - die traditionellen Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Aber auch Privatsender strahlen BBC-Produktionen aus; der zur RTL-Gruppe gehörende Kanal Vox sendet in Lizenz auch eine Programmstrecke unter dem Titel „BBC exklusiv“.
In Berlin ist die BBC mit einem bi-medialen Korrespondentenbüro vertreten (Radio und TV), allerdings wurde 2005 im Zuge des Ausbaus des Brüsseler BBC-Büros die Zahl der Mitarbeiter deutlich reduziert. Derzeit hat die BBC nur einen festen Korrespondentenplatz in Berlin.
BBC Worldwide Germany: BBC Worlwide, der kommerzielle Arm der BBC, seit 2004 wieder mit einem eigenen Büro in Deutschland vertreten und firmiert als BBC Worldwide Germany GmbH. Hauptgeschäftsfelder sind nach BBC-Angaben der Verkauf von TV-Rechten, Lizensierung von Video/DVD- sowie Zeitschriften- und Buchrechten und das Merchandising. Außerdem wird über die Niederlassung im Kölner Mediapark der Kontakt zur deutschen Produzentenszene gehalten, da die Zahl der länderübergreifenden Koproduktionen seit Jahren steigt. Geleitet wird das Büro von Isabelle Helle, die als „Head of German Speaking Territories“ firmiert und auch für BBC-Belange in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz zuständig ist. Unter www.bbcgermany.de bietet die BBC Informationen zu BBC-Programmen und Ausstrahlungsterminen auf deutschen Sendern, Video-on-Demand-Angeboten, Hintergrundinformationen zu ausgewählten Programmen sowie Merchandising – von der DVD bis zum klassischen Bildband.
Aktuelle Entwicklungen
Digital Britain Report: Die Mitte Juni 2009 veröffentlichte Endfassung des „Digital Britain Reports“ dürfte für die BBC schon heute zum wesentlichsten Ereignis des Jahres 2009 geworden sein, allen weiteren Spar-, Umzugs- und Umstrukturierungsplänen zum Trotz. Erstmals wird im vom mittlerweile aus der Regierung ausgeschiedenen Lord Carter vorgelegten Weißbuch das aktenkundig gemacht, was bislang lediglich hinter vorgehaltener Hand in politischen Zirkeln diskutiert wurde: Die BBC muss in Zukunft von den Rundfunkgebühren feste Prozentsätze an ihre kommerziellen Rivalen abführen. Außerdem soll auch der Ausbau des Broadband-Internet-Netzes zum Teil aus den Gebühren finanziert werden. Zum einen soll der so genannte „Digital Switchover Surplus“, also die durch die geringeren Kosten der digitalen Verbreitung erzielte Kostenminderung in Höhe von rund 130 Millionen Britischen Pfund, bis 2012 in den Ausbau von Broadband fließen. Zusätzlich sollen aus diesem Budget drei Pilotprojekte (Schottland, England, Wales) für die künftigen Regionalnachrichten bei ITV gefördert werden. Diese „Regional News Programmes“ bilden den Kern der Public-Service-Auflagen für das werbefinanzierte Programm. Doch der überschuldete größte britische Privatsender hatte wegen dramatischer Werbeeinbrüche und seiner insgesamt schwierigen Lage seit Herbst 2008 erklärt, aus eigener Kraft keine Regionalnachrichten mehr finanzieren zu können.
Nach Auslauf der aktuellen Gebührenperiode 2013 soll laut Digital-Britain-Report ein entsprechender Anteil der Rundfunkgebühren – rund 3,5 Prozent – dauerhaft an Privatsender fließen, um deren Public-Service-Angebote mitzufinanzieren. „Nirgendwo steht, dass die Rundfunkgebühr der BBC allein gehört“, sagte der neue Kulturminister Ben Bradshaw bei der Vorstellung des Reports. Auch die Gewinne der kommerziellen BBC-Tochter BBC Worldwide, die bislang komplett an die BBC zurückfließen, können laut Weißbuch ebenfalls künftig zugunsten von Public-Service-Angeboten bei anderen Sendern angezapft werden.
Die BBC will nun über den Sommer vehement gegen dieses so genannte „Top-Slicing“ der Rundfunkgebühren lobbyieren. Die Idee sei von einigen „ideologisch verbohrten“ Beamten in der Regierung und der Kommunikationsbehörde Ofcom geboren worden, erregte sich BBC Director General Mark Thompson im hauseigenen Radio 4-Medienmagazin. Die Regierungspläne unterminierten das gesamte Finanzierungskonzept und damit auch die redaktionelle Unabhängigkeit der BBC. Auch der BBC-Trust kritisierte das Vorhaben scharf. BBC-Executives bemängelten zudem, dass der Report kaum Konkretes zum Thema Hörfunk enthalte, den die BBC seit Jahren aus der TV-Gebühr mitfinanziere. Dass die schon vor der Veröffentlichung des Weißbuchs eigentlich besiegelte praktische Kooperation der BBC mit ITV in Sachen Regional-Ressourcen (Studios, Redaktionsräume, Kamerateams) seit Ende Juni plötzlich auf Eis zu liegen scheint, kommt also nicht von ungefähr.
Das Weißbuch ebnet auch den Weg zu einer Teilprivatisierung von BBC Worldwide und schlägt vor, dass andere Medienunternehmen in beschränktem Ausmaß Anteile an BBC Worldwide erwerben können sollen. Der lang diskutierte Zusammenschluss von Worldwide mit dem kriselnden werbefinanzierten Public-Service-Sender Channel Four, der sich de facto in Staatsbesitz befindet, ist allerdings vom Tisch: Hier würden Kartellamt und Medienkonzentrationsaufsicht nicht mitspielen. Man setzt aber weiter auf eine enge Kooperation zwischen Worldwide und Channel Four.
Der Report fordert darüber hinaus eine klarere Trennung zwischen der gebührenfinanzierten BBC und ihrer kommerziellen Holdingtochter. Diese könnte ihre bisherigen Vorrechte bei der Vermarktung von BBC-Content verlieren. BBC-Worldwide-Chef John Smith soll, so ein älterer Regierungsvorschlag, zudem seinen Sitz im Executive Board der gebührenfinanzierten BBC aufgeben.
Transparenz: Für etwas Ablenkung im medienpolitischen Streit sorgte gegen Ende Juni ein in Deutschland bei ARD und ZDF wohl undenkbarer Vorgang: Die Veröffentlichung von Spesenabrechnungen führender BBC-Mitarbeiter nach dem britischen Informationsfreiheitsgesetz. Von Director-General Mark Thompson bis hinunter ins mittlere Management ist nun unter www.bbc.co.uk/info/running/executive/expenses.shtml penibel aufgelistet, wer in den letzten Jahren welche Posten zur Erstattung eingereicht hat. Thompson kommt auf rund 78.000 Britische Pfund seit 2004 – er kommt im Luxussegment aber nicht über eine Flasche Krug-Champagner zum 80. Geburtstag des TV-Moderators Bruce Forsyth hinaus. Thompsons Deputy Mark Byford fällt dagegen durch häufige, aber in der Summe lächerliche Abrechnungen von Flugübergepäck auf und war sich 2008 nicht zu schade, 1,25 Pfund für den Erwerb einer Tageszeitung abzusetzen. Was wohl auch eine Reaktion auf den Spesenskandal im britischen Parlament war, hat dennoch ein politisches Nachspiel: Vor allem die Tories kritisierten, dass die BBC sich weiterhin weigert, detaillierte Angaben über die Kosten der Bewirtung und sonstiger Bespaßung ihrer Top-Moderatoren und anderer BBC-Persönlichkeiten zu machen, die – wie bei den deutschen Sendern – überwiegend offiziell freie Mitarbeiter sind.
Sparkurs: Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise hinterlässt Spuren bei der BBC: Zusätzlich zum Fünfjahres-Sparprogramm seit 2007 muss die Corporation weitere heftige Einschnitte bei Personal und Programm verkraften. Bal Samra, BBC Vision Director of Operations, verkündete Ende Juni eine weitere Kostensenkung um 7,5 Prozent bei allen sechs BBC-TV-Sendern und erklärte, es dürfe hierbei „keine heiligen Kühe geben“. Diesen Status haben auch die Top-Moderatoren und andere BBC-Stars und Sternchen längst verloren: Sie wurden Mitte Juni von Director-General Mark Thompson zu einem Abendempfang gebeten – bei dem dieser ihnen rundheraus erklärte, jeder, der aktuell über 100.000 Pfund Honorar erhalte, müsse bei der Neuverhandlung seiner Verträge mit Abschlägen von 25 Prozent rechnen. Bei besonders hoch dotierten Einzelfällen sollen laut „Guardian“ sogar 40 Prozent weniger im Gespräch sein.
Der Nachrichtenbereich BBC News muss laut Fünfjahrplan bis April 2010 knapp 90 Jobs einsparen. Jetzt steht im Umrissen fest, wer gehen muss: In Paris wird es künftig keinen festangestellten TV-Korrespondenten mehr geben, auch die BBC-Büros in Moskau, Brüssel, Budapest und Sydneys müssen Personal abbauen. In London trifft es vor allem die Wirtschaftsberichterstattung, bei der 16 Stellen gestrichen werden, zusätzlich sollen Spezialreporter für Gebiete wie Wissenschaft, Bildung, Umwelt und Sozialpolitik gehen. Auch das Budget des täglichen Nachrichtenmagazins „Newsnight“ wird um 15 Prozent gekürzt.
Bereits Ende April war angekündigt worden, dass das Marketing-Budget der Corporation bis 2013 von heute rund 100 Mio. Pfund pro Jahr auf 75 Mio. gekürzt werden soll. Caroline Thomson, BBC Chief Operating Officer, sagte bei einer Veranstaltung des Institute of Economic Affairs Ende Juni, die BBC habe seit 2001 bereits 2,2 Mrd. Pfund gespart und seit 2004 rund 7.200 Jobs abgebaut, weitere 1.200 Stellen sollen bis 2012 wegfallen. Nun kommen laut Thomson noch einmal 400 Mio. Pfund zusätzlich wegen der aktuellen Finanzkrise und daraus resultierender Gebührenausfälle dazu. „Wie alle Rundfunkunternehmen ist die BBC nicht gegen die Weltwirtschaftskrise immun und wir werden in den nächsten fünf Jahren Kosten und Personal weiter reduzieren müssen“, so Thomson. Die BBC sei schon heute „deutlich kleiner, als sie einmal war“.
Auch die weitere Entwicklung bei der BBC ist nicht eben auf Expansion angelegt: 440 Mio. Pfund hat sie nach eigenen Angaben 2008 für Programme unabhängiger TV-Produzenten gezahlt, die Summe für 2009 dürfte um einiges darunter liegen. Auch der separat vom Außenministerium finanzierte World Service muss sparen: Ambitionierte Pläne für neue World-Service-TV-Sender für Südostasien und Afrika bleiben bis auf weiteres in der Schublade, der außerhalb von Großbritannien als werbefinanzierter Sender firmierende Nachrichtenkanal BBC News/BBC World soll sich schleunigst in die Gewinnzone sparen – 2007/08 machte er noch 8 Mio., 2008/09 dann nur noch 2 Mio. Pfund Verlust. Auch im bislang hoch profitablen Zeitschriften-Bereich von BBC Worldwide schlägt sich die Krise nieder: Bei der BBC Magazines-Division werden 30 Jobs gestrichen, der Titel „BBC Good Homes“ wurde Mitte Mai bereits verkauft.
Beim Hörfunk, der nach dem Willen der Regierung nun endgültig 2015 komplett auf das digitale Signal umschalten soll, antichambriert BBC-Radio-Chef Tim Davies derzeit weiter für ein branchenweites Radio-Council. Hier will die BBC zusammen mit den kommerziellen Anbietern einen plattformoffenen Radio-Player fürs Internet und einen elektronischen Programmführer (EPG), Arbeitstitel „Radio+“, durchsetzen. Dem bislang wenig enthusiasmiertem Konsumenten-Verhalten beim Digitalradio müsse mit völlig neuen Strategien begegnet werden, warnte Davies: „Sonst findet das große Umschalten nicht mehr zu unseren Lebzeiten statt“.
Personal: Neue Gesichter gab es in den letzten Monaten einige bei der BBC: Mary Hockaday wurde neue Chefin des multimedialen BBC-Newsrooms und ist nun für den gesamten Nachrichtenbereich im TV, Radio und Online verantwortlich. Vorgänger Peter Horrocks wurde neuer Boss beim BBC World Service. Für Kontroversen vor allem innerhalb der anglikanischen Staatskirche sorgte die Bestellung von Aaqil Ahmed zum neuen Head of Religious Programming – der ehemalige Channel Four Manager ist der erste Muslim und erst der zweite Nichtchrist in der Geschichte der BBC auf diesem Job. Ein herber Verlust für die BBC ist der Ende Juni angekündigte Abgang von Comedy-Chefin Lucy Lumsden, die die Corporation demnächst in Richtung BSkyB verlässt.
Media City: Jede Menge neue Gesichter soll es nach dem Willen der BBC-Führung auch ab 2011 im nordenglischen Salford bei Manchester geben: Um ihrem „London Bias“, dem zu engen Bezug auf die britische Hauptstadtregion, zu entkommen, sollen dann rund 1.500 bisher in London beheimatete BBC-Jobs in die neue Media City in Salford verlegt werden. Mitte April 2007wurden die Baugenehmigungen für die geplante MediaCity:UK erteilt. Der Umzug soll bis 2011 umgesetzt werden und rund 400 Millionen Pfund kosten. Er bringt langfristig allerdings auch finanzielle Vorteile – liegen die allgemeinen Kosten in Salford doch deutlich unter den Londoner Spitzensätzen.
Doch Anfang Juli 2009 berichtete der „Guardian“, dass knapp 60 Prozent des vom Umzug betroffenen mittleren Managements dem Plan eine Abfuhr erteilt haben. Ende April hatten sich von den 32 nach Salford abkommandierten Top-Managern der Corporation immerhin 15 mit dem Umzug einverstanden erklärt.
Der immer konkreter werdende Umzug dürfte neben den medienpolitischen Debatten – die Konservativen hatten schon im Mai angekündigt, im Falle eines baldigen Wahlsiegs die gültige Gebührenanpassung auszusetzen und die Höhe der Licence Fee einzufrieren – genug Stoff für interne Kontroversen bei der BBC geben.
Links
» BBC-Pressebüro
» Geschäftsbericht
Presseberichterstattung:
- Der Tagesspiegel: Sturm auf die BBC (02.09.2009)
- FAZ: James Murdoch warnt vor „Orwell-BBC“ (31.08.2009)
- Financial Times Deutschland: Spesenskandal erschüttert BBC (25.06.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Der Weg der Pfunde (17.06.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Kürzungen bei der BBC - Runter die Pfunde (12.06.2009)
- epd Medien: Erhöhung der BBC-Gebühr wird nicht ausgesetzt (27.05.2009)
- taz: Scharfe Kritik an Rundfunkanstalt BBC - Institutionell feige? (30.01.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Diese vornehme britische Art (25.01.2009)
News
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Ranking - Top 50 2009
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- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Virgin Media Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Mediaset SpA
- The Nielsen Company
- Wolters Kluwer nv
- The Washington Post Company
- Grupo PRISA
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Globo Communicação e Participações S.A.
- The Hearst Corporation
- Bonnier AB
- Grupo Televisa
- Sanoma Group
- ProSiebenSat.1
- France Télévisions S.A.
- Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
- Axel Springer AG
- The Naspers Group
- Discovery Communications
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- Tribune Co.