32. S&P; Global
Umsatz 2021: $ 8,297 Mrd. (€ 7,020 Mrd.)
Ăberblick
S&P Global (vorher McGraw-Hill) ist tĂ€tig im Bereich Finanzinformationen (âratings, benchmarks, analyticsâ) fĂŒr die Kapital- und RohstoffmĂ€rkte. HerzstĂŒck des Konzerns ist die international bekannte Ratingagentur âStandard & Poorâsâ.
Basisdaten
Hauptsitz:
55 Water Street
New York, NY 10041
USA
Telefon: 001 212 438 1000
Website: investor.spglobal.com
Branchen: Fachinformationen, Finanzdienstleister, Marketing, Rating-Agenturen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
GeschÀftsjahr: 01.01. - 31.12.
GrĂŒndungsjahr: 1888 (1919 McGraw-Hill Publishing Company)
| 2021 | 2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | |||||
| Umsatz | 8.297 | 7.442 | 6.699 | 6.258 | 6.063 | 5.661 | 5.313 | ||||
| Gewinn | 3.311 | 2.830 | 2.123 | 1.958 | 1,496 | 2,106 | 1.156 | ||||
| Aktienkurs (in $, Jahresende) | 471,93 | 328,73 | 273,05 | 169,94 | 169,40 | 107,54 | 98,58 | ||||
| BeschÀftigte | 22.850 | 23.000 | 22.500 | 21.200 | 20.400 | 20.000 | 20.400 |
GeschĂ€ftsfĂŒhrung
Management:
- Douglas L. Peterson, President & CEO
- Ewout Steenbergen, Executive Vice President, CFO
- Martina L. Cheung, President, S&P Global Ratings
- Dan Draper, CEO, S&P Dow Jones Indices
- Adam Kansler, President, S&P Global Market Intelligence
- Steve Kemps, Executive Vice President, Chief Legal Office
- Swamy Kocherlakota, Executive Vice President, Chief Information Officer
- Nancy Luquette, Executive Vice President, Chief Risk & Compliance Officer
- Dimitra Manis, Executive Vice President, Chief Purpose Officer
- Sally Moore, EVP, Global Head of Strategy, M&A and Partnerships
- Saugata Saha, President, S&P Global Commodity Insights
- Edouard Tavernier, President, S&P Global Mobility
Aufsichtsrat:
- Richard E. Thornburgh, Credit Suisse Holdings
- Marco AlverĂ , Snam S.p.A.
- Jacques Esculier, Former Chairman & CEO, WABCO Holdings Inc.
- Gay Huey Evans, Chairman, London Metal Exchange
- William D. Green, Former CEO and Chairman, Accenture
- Stephanie C. Hill, EVP, Lockheed Martin
- Rebecca Jacoby, Former Senior Vice President, Operations; Cisco Systems, Inc.
- Robert P. Kelly, Former Chairman and CEO, The Bank of New York Mellon
- Ian Livingston, Chairman, Currys plc
- Deborah D. McWhinney, Former Chief Executive Officer of Global Enterprise Payments, Citigroup Inc.
- Maria R. Morri, Former Executive Vice President, Global Employee Benefits, MetLife, Inc.
- Douglas L. Peterson, S&P Global Inc.
- Edward B. Rust, Jr., State Farm Mutual Automobile Insurance Company
- Gregory Washington, President, George Mason University
Geschichte
Der S&P Global-VorgĂ€nger hieĂ McGraw-Hill, seine Geschichte begann auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters. 1888 hatte James H. McGraw das âAmerican Journal of Railway Appliancesâ gekauft und danach John A. Hill getroffen, Redakteur beim âLocomotive Engineerâ. Beide bauten nach und nach eigene Verlage fĂŒr Ingenieur-Zeitschriften auf. 1909 legten sie ihre Buchsparten zusammen, nach dem Tod von John Hill wurden 1917 auch die anderen Unternehmensbereiche in der McGraw-Hill Publishing Company zusammengefasst. 1929 ging die Firma an die Börse und grĂŒndete das Wirtschaftsmagazin âBusiness Weekâ. Weitere Fachzeitschriften aus den Bereichen Industrie, Verkehr und Gesundheit kamen dazu.
Nach dem zweiten Weltkrieg weitete McGraw-Hill das Lehrbuch-Segment aus. Neben den etablierten Reihen fĂŒr College-Studenten wurden jetzt auch SchulbĂŒcher fĂŒr Grund- und weiterfĂŒhrende Schulen aus allen Unterrichtsbereichen publiziert. 1966 stieg McGraw-Hill mit dem Kauf der Rating-Agentur Standard & Poorâs (gegrĂŒndet 1941 mit der Fusion der 1868 gegrĂŒndeten H.V. and H.W. Poor Co., die zweimal jĂ€hrlich âPoor's Manual of the Railroads of the United Statesâ herausgab, mit dem 1906 entstandenen âStandard Statistics Bureauâ) in den Bereich Business-Information und Analyse ein. Eine heikle Episode ergab sich 1970, als ein unbekannter Autor einem der McGraw-Hill-Buchverlage eine angeblich autorisierte Biographie des im Sterben liegenden, exzentrischen und zurĂŒckgezogen lebenden MilliardĂ€rs Howard Hughes anbot. Das Buch war eine FĂ€lschung, Hughes erschien aus der Versenkung und klagte gegen Verlag und den Autor, der zu zweieinhalb Jahren GefĂ€ngnis verurteilt wurde.
1972 expandierte McGraw-Hill in elektronische Medien, als man Fernsehstationen u.a. in San Diego, Indianapolis und Denver kaufte. 1995 dann die Umstrukturierung in die drei GeschĂ€ftsbereiche Education, Financial Services und Information & Media Services, 1996 lag der Umsatz bereits bei ĂŒber drei Milliarden Dollar. Nach einem âfamilienfremdenâ Interregnum von 1988-1998 fĂŒhrte mit Harold McGraw III bis 2013 der Nachkomme eines der FirmengrĂŒnder das Verlagsimperium.
Auch an McGraw-Hill ging die Weltfinanzkrise ab 2007 nicht spurlos vorĂŒber. âAn 2008 wird man sich lange als eines der schwierigsten Jahre fĂŒr unser Land, unsere Wirtschaft â und unser Unternehmen erinnernâ, schrieb Harold McGraw III im Jahresbericht, der Anfang 2009 erschien. Der Umsatz ging um 6,2 Prozent auf 6,36 Milliarden US-Dollar zurĂŒck, der Gewinn brach sogar um ĂŒber ein FĂŒnftel auf 800 Millionen Dollar ein. Weitaus gröĂer jedoch war der der Imageverlust von McGraw-Hill. Denn die Ratingagentur war mit ihren ĂŒbertrieben positiven Bewertungen der hypothekenbesicherten Wertpapiere einer der Hauptakteure, die die Immobilienblase zum Platzen brachten. Das US-Justizministerium verklagte daraufhin McGraw-Hill im Namen von 19 Bundesstaaten; schlieĂlich einigte man sich auf die Strafzahlung von 1,4 Milliarden Dollar, die Behörde stellte im Gegenzug ihre Ermittlungen ein. Harold McGraw III rĂ€umte Fehler ein, verteidigte aber das Vorgehen seines Unternehmens: âEs ist nur ein schwacher Trost, dass beinahe alle Marktteilnehmer â Banken, Rating-Agenturen, Hausbesitzer, Regulierungsbehörden und Investoren â den anhaltenden Verfall des US-Immobilien- und Hypothekenmarktes nicht vorhergesehen habenâ, so der Konzernchef.
2009 gab man die seit Jahren defizitĂ€re GrĂŒndungspublikation (von 1929) âBusiness Weekâ an Bloomberg ab; 2011 verkaufte McGraw-Hill die gesamte TV Sender-Gruppe an die E. W. Scripps Company; 2012 ging die Bildungssparte âMcGraw-Hill Educationâ an den Finanzinvestor Apollo Global, damit auch die Reste des klassischen MediengeschĂ€fts. Dann folgten zwei NamensĂ€nderungen, zunĂ€chst 2013 in McGraw-Hill Financial, im April 2016 schlieĂlich in S&P Global.
Indexanbieter galten lange als Gelddruckmaschinen und ihre Kurse sind gingen durch die Decke, auch der von S&P. Investoren, Fonds und BĂ€nker sind nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung bei ihren Investitionsentscheidungen auf sie angewiesen. Gleichzeitig wĂ€chst, zum Beispiel vom europĂ€ischen Fondsverband, die Kritik an der fehlenden Transparenz und den erhöhten Bezugspreisen der Finanzdatenkonzerne. Auch die USA, deren KreditwĂŒrdigkeit wĂ€hrend der Obama-Administration auf Basis einer fehlerhaften Prognose durchaus umstritten auf nur noch ein AA-Niveau herabgestuft wurde, beklagen den Einfluss von S&P.
Management
2011 kam Douglas Peterson, geboren 1959, in die Firma als PrĂ€sident der Standard & Poorâs Rating Services, 2013 wurde er zum CEO der gesamten McGraw-Hill Gruppe ernannt. Zuvor hatte er bei der japanischen Tochter der Citigroup gearbeitet, wo er sich durch erfolgreiches Krisenmanagement ausgezeichnet hatte, als die japanische Regierung 2004 CitiBank wegen unlauterer Tradingpraktiken untersuchte. Petersons Hauptaufgabe besteht weiterhin darin, das ramponierte Image der Ratingagentur zu reparieren (dass S&P 2011 zum ersten Mal in seiner Geschichte die KreditwĂŒrdigkeit der USA herabstufte, war fĂŒr das VerhĂ€ltnis mit Washington auch nicht hilfreich). âDie Kriterien und Methoden mĂŒssen verfeinert und aktualisiert werden, damit sich die FehleinschĂ€tzungen von vor 2008 nicht wiederholenâ, so Peterson. Er befindet sich in einem stĂ€ndigen PR-Gefecht mit Wirtschaftsjournalisten, Politikern und VerbraucherschĂŒtzern, die zunehmend den Nutzen und Mehrwert von Ratingagenturen in Frage stellen.
GeschÀftsbereiche
S&P Global Ratings (Umsatz 2021: 4,1 Mrd. $) betreibt BĂŒros in 27 LĂ€ndern und versorgt Investoren und andere Marktteilnehmer mit Finanzinformationen und Beurteilungen zur KreditwĂŒrdigkeit. CRISIL, Teil des Ratingsegments, hat 2018 die Datenanalysefirmen Pragmatix Services Private und Panjiva, Kensho Technologies und RateWatch gekauft.
S&P Global Market Intelligence (Umsatz 2021: 2,2 Mrd. $): Finanzdienstleistungen u.a. fĂŒr Investoren, Regierungen, VerbĂ€nde und UniversitĂ€ten
S&P Global Platts (Umsatz 2021: 950 Mio. $): Anbieter von Finanzinformationen fĂŒr die Rohstoff- und EnergiemĂ€rkte
S&P Dow Jones Indices (Umsatz 2021: 1,1 Mrd. $) publiziert mehrere Aktienindizes, mit denen Lizenz- und AbonnementgebĂŒhren erlöst werden. Darunter mit dem S&P 500, der die Aktien von 500 der gröĂten US-Unternehmen beobachtet, einen der weltweit wichtigsten Aktienindizes.
Aktuelle Entwicklungen
S&P baut die Marktmacht weiter aus. In der zweiten HĂ€lfte 2021 kĂŒndigte S&P die Ăbernahme des britischen Konkurrenten IHS Markit an, im Rahmen eines 44 Milliarden Dollar schweren Aktientauschs. Ende Oktober 2021 gab die EuropĂ€ische Kommission die geplante Ăbernahme unter Bedingungen frei, im November des Jahres erlaubte auch die US-Regierung die Fusion unter Auflagen, etwa die Abspaltung dreier GeschĂ€ftsbereiche. Nach Abschluss des Merger 2022 werden S&P/IHS wohl auf einen Gesamtumsatz von rund 10,5 Milliarden Dollar kommen und eine Belegschaft von 36.000 Angestellten.

