9. Vivendi S.A.
Umsatz 2008: € 11,295 Mrd.
Überblick
Der Medien- und Telekommunikationskonzern Vivendi gehört zu den weltgrößten Inhalteanbietern, obwohl sich die Firma infolge einer katastrophal gescheiterten Expansionsstrategie von vielen internationalen Aktivitäten trennen musste. 2008 erwirtschaftete der Konzern 63% seiner Umsätze in Frankreich, vor allem als Mehrheitseigner des Mobilfunkanbieters SFR (56%) und der Pay-TV-Gruppe Canal+ (100%). International ausgerichtet sind die Universal Music Group (100%) sowie Activision Blizzard (54%), dem im Juli 2008 aus der Fusion von Vivendi Games und Activision entstandenen Weltmarktführer im Bereich Spieleentwicklung (für Computer, Konsolen, online). Darüber hinaus gehören dem Unternehmen 53% an Maroc Telecom, der dortigen Nummer 1 der Telekommunikationsbranche.
Basisdaten
Hauptsitz: 42, avenue de Friedland, 75380 Paris CEDEX 08, Frankreich
Telefon: 0033-1-71 71 10 00
Telefax: 0033-1-71 71 10 01
Internet: www.vivendi.com
Branche: Film, Kino-Kette, Video/DVD, TV-Produktion, TV-Sendestationen, Free-TV, Pay-TV, Satelliten-TV, Rechtehandel, Multimedia, Tonträger, Telekommunikation
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1853 (Compagnie Générale des Eaux), 1998 umbenannt in Vivendi, 2000 umbenannt in Vivendi Universal, 2006 umbenannt in Vivendi.
2008* | 2007* | 2006* | 2005* | 2004 | 2003 | 2002 | |
Umsatz (in Mio. €) | 25.392** | 21.657** | 20.044 | 19.484 | 21.428 | 25.482 | 28.112 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. €) | 2.735 | 2.832 | 2.614 | 2.078 | 754 | (1.143) | (23.301) |
Aktienkurs (in €, Jahresende= | 23,51 | 31,13 | 29,9 | 26,56 | 23,49 | 19,27 | 15,39 |
Dividende (pro Aktie in €) | 1,40 | 1,30 | 1,20 | 1,00 | 0,60 | 0 | 1,00 |
Beschäftigte | 44.000 | 39.919 | 37.014 | 34.031 | 39.181 | 49.617 | 50,818 |
Universal Music Group | Canal+ Group | SFR | Maroc Telecom | Activision Blizzard | Sonstige Aktivitäten | |
Umsatz | 4.650 | 4.554 | 11.553 | 2.601 | 2.091 | (57) |
EBITA 2008 | 686 | 568*** | 2.542 | 1.224 | 34 | (41) |
*Die Daten ab 2005 betreffen die Struktur des heutigen Gesamtkonzerns Vivendi S.A.. Ein Vergleich mit den Vorjahren ist nur bedingt möglich.
** Gesamtumsatz inklusive von Telekommunikations- und Sondersparten (Die Umsatzzahl von 11,295 Mrd. Euro bezieht sich auf den Umsatz der Mediensparten)
***inklusive der Kosten von 68 Mio. € für die Fusion mit TPS
Geschäftsführung
Geschäftsführung / Vorstand:
- Jean-Bernard Lévy, Chairman of the Management Board and CEO, Chairman of Activision Blizzard
- Abdeslam Ahizoune, Chairman of the Management Board of Maroc Telecom
- Phillipe Capron, Chief Financial Officer of Vivendi
- Frank Esser, Chairman and Chief Executive Officer of SFR
- Bertrand Meheut, Chairman of the Executive Board of Canal+ Group
- Doug Morris, Chairman and Chief Executive Officer of Universal Music Group
- René Pénisson, Chairman of Activision Blizzard
Aufsichtsrat:
- Jean-René Fourtou, Chairman of the Supervisory Board
- Henri Lachmann*, Vice Chairman of the Supervisory Bord and CEO of Schneider Electric S.A.
- Claude Bébéar, Chairman of the Supervisory Board of AXA Group
- Gérard Brémond*, Chairman and CEO of Pierre et Vacances Group
- Jean-Yves Charlier*, CEO of Promethean
- Maureen Chiquet*, Global CEO of Chanel
- Mehdi Dazi*, Co-CEO Emerging Capital Partners
- Philippe Donnet*, Managing Director of Wendel Investissement Asia-Pacific, Chairman of Axa (Japan)
- Fernando Falcó y Fernández de Córdova*, Board Member of various companies
- Gabriel Hawawini*, Professor of Investment Banking (INSEAD) and Finance (Wharton School)
- Christophe de Margerie*, CEO of Total
- Pierre Rodocanachi*, Chairman of the Advisory Board of Booz Allen Hamilton
* Independent Member
Besitzverhältnisse (Stand am 31.12.2008; Anteile am Kapital): Capital Research and Management 4,91%, Natixis 4,30%, CDC-Caisse des Dépôts et Consignations 3,71 %, Groupe Crédit Agricole 3,58%, Natixis Asset Management 3,43%, Paris International Investment 2,97%, PEG Vivendi 1,25%, Prudencial Plc 0,94%, BNP Paribas 0,72%, UBS Investment Bank 0,71%, ADIA (Abu Dhabi Investment Authority) 0,66%, Crédit Suisse Securities (Europe) Limited 0,58%, Rothschild - Asset Management 0,54%, Groupama Asset Management 0,53%, HBOS Plc 0,51%, Merrill Lynch 0,50%, FIPAR International 0,50%, RCAR 0,50%, Société Générale 0,49%, AQR Capital Management 0,49%, Employee Pension Reserve Fund 0,47%, SRM Advisers (Monaco) S.A.M. 0,43%, HERMES Equity 0,43&, TPG-Axon 0,37%, Group Savings Plan Veolia Environnement 0,24%, Treasury Shares 0,01%, Other Shareholders 66,23%.
Geschichte und Profil
Wer hoch steigt, fällt tief – auf kaum ein anderes Medienunternehmen trifft dieses Motto besser zu als auf Vivendi. Innerhalb eines knappen Jahrzehnts wurde aus dem altehrwürdigen Wasserversorger Compagnie Générale des Eaux (CGE, gegründet 1853) ein internationales internationales Medienimperium, das in nur zwei Jahren 40 Mrd. Euro Verlust anhäufte, in sich zusammenbrach und im Mediengeschäft heute nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe ist.
1987 stieg die CGE ins Mediengeschäft ein, zunächst im Bereich Mobilfunk (Gründung von SFR) und Filmproduktion (Générale d’Images). Zur strategischen Entwicklungsachse wurde der Kommunikationsbereich erst 1996, als Jean-Marie Messier, 1956 geboren und ehemaliger Student der École polytechnique und der Elitehochschule ENA (Ecole nationale d'administration), die Konzernleitung übernahm. Gemeinsam mit der Mannesmann AG und der British Telecom wurde 1996 der Festnetzanbieter Cegetel gegründet, der nach Zukauf des Festnetzes der französischen Eisenbahn SNCF zur Nummer zwei im französischen Markt aufstieg. Im Februar 1997 übernahm Messier die Kontrolle beim Medienkonzern Havas (Mutterkonzern von Canal+). Im Jahr darauf schluckte er das Unternehmen komplett. 1998 taufte sich die CGE in Vivendi um und schaffte den Einstieg in den Multimediasektor mit dem Kauf des amerikanischen PC-Lernspieleherstellers Cendant Software.
Jean-Marie Messier forcierte nun die internationale Ausrichtung des Konzerns. Schulbuchverlage in Südamerika wanderten 1999 in das Unternehmensportfolio, der historische Kern des Unternehmens, die Umweltsparte, wurde durch den Kauf von US Filter verstärkt. Zudem engagierte sich Vivendi bei Monaco Telecom und den Festnetzanbietern Elektrim (Polen) und Matel (Ungarn). Durch die Übernahme der Anteile der Richemont-Gruppe wurde das Unternehmen zudem größter Aktionär von Canal+ (49 Prozent). Dann fusionierte es – ebenfalls 1999 - mit der französischen Kino- und Produktionsgruppe Pathé.
Ein Jahr später, 2000, setzte das Unternehmen zum „großen Sprung nach vorn“ an. Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms verkündete Messier die Fusion mit Canal+ und Seagram (Spirituosen, Universal Studios und Universal Music). Die Firma benannte sich in Vivendi Universal um und gliederte sich fortan in sechs Bereiche: Universal Music Group, Vivendi Universal Publishing (ex-Havas), TV&Film, Telekommunikation, Internet sowie Vivendi Environnement, das Messier an die Pariser Börse brachte. Trotz der aufwändigen Fusion setzte Vivendi Universal seinen Wachstumskurs fort, befeuert durch die Internet- und Medieneuphorie an der Börse. Noch im gleichen Jahr wurde der kenianische Mobilfunkbetreiber Kencell erworben, ebenso wie 35 Prozent der Maroc Telecom. Als Mitglied des Xfera-Konsortiums sicherte sich Messier sogar eine spanische UMTS-Lizenz. 2001 folgten weitere Dotcom-Unternehmen (u. a. MP3.com), der US-Schulbuch-Marktführer Houghton Mifflin und vor allem der Kauf von USA Networks sowie die Beteiligung am US-Satellitenbetreiber Echostar. Allein diese letzte Akquisition kostete 11,8 Milliarden Dollar.
Bei all der Euphorie konnte Messier leicht vertuschen, dass die Deals alles andere als profitabel waren. Umso größer war die Überraschung, als Vivendi Universal im Geschäftsjahr 2001 einen Verlust von 13,6 Milliarden Euro erzielte, den höchsten Verlust der französischen Wirtschaftsgeschichte. Als Messier dies als einfachen Bilanztrick abtat, drehte sich das öffentliche Klima endgültig. Das Publikum hatte genug von seinem nicht gerade bescheidenen Ex-Liebling, der sich gerne mal als „Meister der Welt" bezeichnen ließ. Mehrere Monate neuer Enthüllungen über Bilanztricks, Pannen in der Unternehmenskommunikation und stetig sinkendem Aktienkurs brachten das Messier schließlich zu Fall. Im Juli 2002 musste er auf Druck des Aufsichtsrates zurücktreten.
Zu diesem Zeitpunkt ächzte Vivendi unter einer Schuldenlast von 35 Milliarden Euro. Mit einem Verlust von 23,3 Milliarden Euro toppte das Unternehmen seinen im Jahr zuvor aufgestellten Minusrekord nochmals deutlich. Nach dem Abgang des flamboyanten Jean-Marie Messiers wurde 2002 Jean-René Fourtou als Président-Directeur général verpflichtet und trat zur Sanierung an. In kurzer Zeit verkaufte er große Teile des Gesamtkonzerns, um der drückenden Schuldenlast zu entkommen. Nachdem die Getränkesparte noch unter Messier verkauft worden war, trennte Fourtou sich von zahlreichen Geschäftsfeldern, die einst als Kernaktivitäten galten. So wurden u. a. die Anteile an BSkyB und Echostar veräußert. Es folgten die Satellitenbouquets in Italien, Benelux und Skandinavien, die Hardware-Sparte von Canal+, fast alle Anteile an der Umweltsparte Veolia, die Telekomaktivitäten in Monaco, Kenia, Ägypten, Ungarn und Polen, die Kinokette UCI sowie die Anteile an der Sportrechteagentur SportFive. Insgesamt wurden Aktivitäten mit einem Umsatz in Höhe von 24 Milliarden Euro verkauft – in dieser Zeit setzte Fourtou nur zwei Akquisitionen im Telekombereich durch. Für vier Milliarden Euro erhöhte das Unternehmen 2003 seinen Anteil am Telekomanbieter SFR-Cegetel um 26 Prozent; im Januar 2005 erhöhte Vivendi Universal seinen Anteil an Maroc Telecom auf 51 Prozent.
Der abschließende Sanierungsschritt erfolgte dann 2004 mit der Auslagerung von Vivendi Universal Entertainment in eine gemeinsame Firma mit der General-Electric-Tochter NBC. An dem so entstandenen Konglomerat NBC Universal hielt die Firma 20 Prozent – als reines Investment ohne strategische Kontrolle – bis zum Dezember 2009: nach monatelangen Verhandlungen verkauft Vivendi seinen NBC Universal-Anteil an General Electric. NBC wiederum wird dann im Zuge eines 30-Milliarden-Dollar-Megadeals in ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Comcast eingebracht.
Seit seinem Rückzug in den Aufsichtsrat 2005 arbeitet Fourtou mit seinem Nachfolger, Jean-Bernard Lévy, eng zusammen. Die beiden setzten Zeichen. Die Schaffung von NBC Universal, die Streichung von Universal aus dem Vivendi-Firmennamen und der Rückzug von der New Yorker Börse im August 2006 markierten den Schlussstrich unter die Ära Messier, dessen halsbrecherische und kostspielige Einkaufstour fast den Kollaps des Konzerns nach sich gezogen hatte.
Das heißt, so ganz ist es nicht vorbei. Vivendi steht noch wegen Bilanzbeschönigungen im Jahr 2001 in New York vor Gericht (die Zahlung von einer Milliarde Dollar Schadensersatz an die Aktionäre droht). Auch Jean-Marie Messier, dem früheren maître du monde, wird der Prozess gemacht: Zusammen mit dem ehemaligen Vivendi-Vize Edgar Bronfman Jr wird ihm „die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen, Kursmanipulation und Untreue“ vorgeworfen, wie AFP am 22.10.2009 meldet. Demnächst mehr vor einem Pariser Strafgericht.
Management
Der 66-jährige Jean-René Fourtou übernahm im Juli 2002 das Vivendi-Ruder von seinem gescheiterten Vorgänger Messier. Fourtou galt als Vertrauter von Staatspräsident Chirac und vor allem als Sanierer. Vor seiner Berufung hatte er den fast bankrotten Konzern Rhone-Poulenc mit Hoechst zu Aventis zusammengeführt. Dass ein Manager von einem Arzneimittelkonzern eine Radikalkur bei Vivendi Universal einleiten sollte, durfte als Zeichen gelten. Und Fourtou erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen.
Im Mai 2005 zog sich Fourtou, ein Liebhaber von Bordeaux-Weinen, in den Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorstandschef wurde die langjährige Nummer zwei im Konzern, Jean-Bernard Lévy. Der 50-Jährige diente zunächst in der öffentlichen Verwaltung unter anderem als Berater des Industrieministers Gérard Longuet. In dieser Position kam er bereits mit der damaligen Compagnie Générale des Eaux in Kontakt, als er dem Versorger eine private Telefonlizenz gewährte und damit den Grundstein für den heute erfolgreichsten Konzernteil legte. Lévy, ein Vater von vier Kindern, gilt als höflich und diskret, aber auch etwas farblos, auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zur Ära Messier. Das enge Verhältnis zu Fourtou – beide arbeiten seit Jahren eng zusammen, unter anderem bei der NBC Universal Fusion – half ihm, sich gegen starke interne Kandidaten wie den Canal Plus-Chef Bertrand Meheut durchzusetzen.
Geschäftsfelder
Musik und Tonträger:
Die Universal Music Group (UMG) ist die weltgrößte Musikfirma mit einem Marktanteil von über 25%. 2008 ging der Umsatz der Vivendi-Musiksparte um 4,5% zurück, wenig überraschend bei den anhaltend schlechten Bedingungen auf dem Musikmarkt. Sehr erfolgreich liefen und besondere Nennung in den Konzernmeldungen fanden: der „Mamma Mia!“-Soundtrack und neue Veröffentlichungen von Duffy, Jack Johnson, Amy Winehouse und Rihanna.
Mit dem Kauf von BMG Music Publishing (Bertelsmann-Musikverlagssparte) für 1,63 Mrd. Euro hatte Vivendi Anfang September 2006 einen Paukenschlag gelandet, mit der Übernahme des BMG-Katalogs von etwa 1 Mio. Songtiteln stieg UMG auch zum weltgrößten Musikverlag auf (Künstler: Justin Timberlake, Coldplay, Christina Aguilera, Puccini, Ravel). Weiterhin wurde Mitte Juni 2007 bekannt, dass Vivendi das unabhängige Plattenlabel Sanctuary Records für rund 66 Millionen Euro kauft. Neuzugänge im Vivendi-Portfolio waren somit u.a.: David Bowie, Elton John, Morrissey, Bob Marley, Deep Purple, die Scorpions, Joe Cocker und die Sex Pistols.
Noch erwähnenswert sind die Aktivitäten und guten Nachrichten auf dem Feld digitaler Vertriebswege (online und mobil, Musik und Video): Digital sales stiegen 2008 um 31%; im Jahresrückblick 2008 wird stolz verkündet: „40% of UMG sales are realized in the digital sector“.
Fernsehen:
Im Zentrum der TV-Sparte steht der Bezahlsender Canal+. Gegründet 1984 auf Initiative von Mitterand, wurde Canal+ eine von sechs verfügbaren terrestrischen Frequenzen zugesprochen. Der Sender hat heute 5,3 Mio. Abonnenten in Frankreich, er betreibt Filialen u.a. in Polen (Canal+ Polska), Skandinavien, Belgien (Be TV) und Afrika (Canal+ Horizons) und seit 1992 das Programmbouquet CanalSatellite. Insgesamt hatte die Canal Plus-Gruppe Ende 2008 10,6 Mio. Abonnenten.
Die Canal Plus-Gruppe fusionierte im Februar 2006 mit dem Konkurrenten TPS. Damit endete die ruinöse Konkurrenz zwischen den beiden Satellitenanbietern TPS und CanalSatellite. Vivendi hielt zunächst 65 Prozent an dem neu formierten Canal+ France, die früheren TPS-Eigner waren mit 9,9 Prozent (TF1) und 5,1 Prozent (M6) dabei. Im November 2009 übernahm Vivendi dann für 744 Millionen Euro den TF1-Anteil; im Februar 2010 erwarb Vivendi für 384,2 Millionen Euro den 5,1-Prozent-Anteil der französischen RTL-Group-Tochter M6. Damit gehören Vivendi nun 80 Prozent von Canal+.
Weitere 20 Prozent gehören seit März 2006 dem Verlagsriesen Lagardère, der dafür seinen 34-prozentigen Anteil an CanalSatellite einbrachte und 525 Millionen Euro an Vivendi überwies. Der Erfolg des digitalen terrestrischen Fernsehens und der immer populärer werdenden ADSL-TV-Angebote mit bereits gut zwei Millionen zahlenden Kunden Mitte 2006 dürften die Einigung beflügelt haben. Mit Neuf Cegetel ist Vivendi indirekt an einem dieser digitalen TV-Anbieter beteiligt. Mit vereinten Kräften will man den neuen Konkurrenten entgegentreten. TPS soll vor allem bei Marketing, Verwaltung und Programmeinkauf Kosten sparen. Zur Neuorientierung der Gruppe gehörte auch die Trennung vom Fußballclub Paris Saint-Germain, den Canal+ im April 2006 an ein französisches Finanzkonsortium verkaufte.
Insgesamt hat man mit dem Fernsehen 2008 ein gutes Geschäft gemacht, die Umsätze stiegen um 4,4% auf 4.554 Mio. €. Interessanterweise waren höhere Werbeerlöse zu verzeichnen – trotz eines „adverse economic climate“.
Mobilfunk und Festnetztelefonie:
Die Cash-Cow des Unternehmens bleibt die Mobilfunk-Tochter SFR (Vivendi hält 56% der Anteile. Die übrigen Anteile liegen bei der britischen Vodafone Group), dem zweitgrößten Telekom-Anbieter in Frankreich, der 2008 über die Hälfte des operativen Gewinns erwirtschaftete. Hier stieg der Umsatz 2008 um 28% auf fast 11,6 Mrd. € - im wesentlichen zurückzuführen auf die Konsolidierung mit dem französischen Festnetzbetreiber Neuf Cegetel am 15.4.2008. Auch das marokkanische Telekomgeschäft wirft gute Ergebnisse ab. Maroc Telecom (53%iger Vivendi-Anteil) erzielte einen um 12% höheren operativen Gewinn von 1.224 Millionen Euro, vor allem mit seinen mittlerweile über 13 Millionen Mobilfunk-Kunden. Dazu hält Maroc Telecom 51% der Anteile an den zuvor staatlichen Telefongesellschaften in Mauritanien, Burkina Faso und Gabun. Im November 2009 übernimmt Vivendi die Mehrheit am brasilianischen Telekommunikationskonzern GVT für 1,6 Mrd. € und setzt sich damit gegen den spanischen Konkurrenten Telefonica durch, der ebenfalls Interesse an einer Übernahme hatte.
Die Messier-Ära wird den Konzern wohl auch in Zukunft beschäftigen. Seit mehreren Jahren, vor zahlreichen europäischen und US-Gerichten und in mittlerweile rund 50 Verfahren, streitet sich Vivendi mit der deutschen Telekom um die Vorherrschaft beim polnischen Mobilfunk-Marktführer PTC. Vivendi hatte in den 1990er Jahren 51 Prozent der Anteile an PTC vom früheren Eigentümer Elektrim übernommen und nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden Euro investiert. Die Miteigentümerin Deutsche Telekom bestritt aber bisher erfolgreich die Transaktion, denn Elektrim habe die Anteile nicht veräußern dürfen.
Die letzten Volten der Sache: Das Bezirksgericht in Seattle im US-Staat Washington lehnte Anfang Juni 2008 eine weitere Vivendi-Klage gegen die Telekom ab und wirft den Franzosen zudem vor, weltweit Gerichte anzurufen, „um eine dem Unternehmen genehme Entscheidung zu erreichen.“ Ende Februar 2009 wiederum erhält Vivendi laut Urteil des internationalen Schiedsgerichtshofs in London 1,9 Mrd. € Schadensersatz zugesprochen – für vorsätzliche Verstöße Elektrims gegen ein gemeinsames investment agreement vom September 2001. Ende September 2009 dann spricht das Warschauer Berufungsgericht der Telekom Eigentumsrechte an dem strittigen PTC-Anteil ab; die Telekom kündigt an, in die nächste Instanz gehen zu wollen. Punktsieg für Vivendi, Fortsetzung folgt.
Games:
Am 4.7.2008 fusionierte die bis dahin kleinste Konzerneinheit Vivendi Games mit dem US-Spielesoftwareentwickler Activision. Unter dem Namen Activision Blizzard entstand so einer der weltweit größten und profitabelsten Hersteller von online- und konsolenbasierter Unterhaltungssoftware mit einem Umsatz 2008 von rund zwei Mrd. €. Gelistet an der Nasdaq und mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, stellt Activision Games-Erfolge her wie „World of Warcraft“, „Guitar Hero“ und „Call of Duty“.
Engagement in Deutschland
Lange war Vivendi vergleichsweise schwach im deutschen Markt präsent. Der Anteil am Musiksender Viva (Mitte 2004 an Viacom) und die Babelsberger Filmstudios wurden verkauft. Letztere für den symbolischen Preis von 1 Euro (und der Übernahme von 18 Mio. € Verbindlichkeiten) an das Investorengespann Carl Woebcken und Christoph Fisser. Heute steuert das Unternehmen über Universal Music Deutschland in Berlin die Produktion und Vermarktung von Repertoire-Firmen wie Polydor, Island, A&M, Def Jam und Geffen.
Mitte Januar 2008 aber weitet Vivendi das Engagement in Deutschland wieder aus. Es wird bekannt, dass Vivendis 100-prozentige Filmtochter Studio Canal die deutsche Filmfirma Kinowelt für geschätzte 70 Mio € übernimmt. Studio Canal wird so einer der führenden unabhängigen Akteure in der europäischen Produktionslandschaft. Mittels Kinowelt verspricht man sich einen „direkten Zugang zum deutschen Markt“, v.a. zur Vermarktung des Studio Canal-Katalogs von rund 5.000 Titeln. Dabei sind Vivendi und Kinowelt alte Bekannte: Zuvor hatten die Deutschen Canal Plus-Produktionen vertrieben und ausgewertet. Kinowelts Rechtekatalog, einer der größten Deutschlands, umfasst ca. 7.000 Filme, darunter Klassiker von Regisseuren wie Werner Herzog, Volker Schlöndorff oder Rainer Werner Fassbinder. 2006 realisierte Kinowelt Erlöse von rd. 106 Mio. Euro, der Gewinn lag bei knapp 10 Mio. Euro. "Studio Canal passt am besten zu uns, obwohl wir drei weitere Angebote hatten", so Kinoweltgründer Michael Kölmel, der mit seinem Bruder Rainer das Unternehmen weiter führen wird. Die Kölmel-Brüder behalten den Verlag Zweitausendeins, die Filmproduktion und die Mehrheitsbeteiligung am börsennotierten Filmrechtehandel Intertainment.
Aktuelle Entwicklungen
Wohin steuert das Unternehmen? Ursprünglich wollte der Wasserversorger „von den Rohren zu den Inhalten“ vorstoßen. Nach turbulenten Jahren besitzt der Konzern nun von beidem ein wenig. Er ist Netzbetreiber in Frankreich und Marokko (Telekommunikation, Sendeinfrastruktur von Canal+) und zugleich weltweit aktiver Inhalteanbieter (Filme, Musik, Games). Jean-René Fourtou hat in seiner Amtszeit als CEO einen harten und notwendigen Sanierungskurs gefahren. Sein Nachfolger Lévy muss nun entscheiden, ob der Konzern ein Telekommunikations- oder Medienkonzern sein will.
Denn Synergien lassen sich hier nur bedingt schaffen. Diese schon länger monierte strategische Schwäche bekam dann 2006 durch Übernahmegebote zunehmend Dringlichkeit. Die amerikanische Private-Equity-Firma Sebastian Holdings und die Investmentfirma KKR (Kohlberg Kravis und Roberts) boten jeweils 40 Mrd. EU – beide Attacken wurden von der Vivendi-Führung abgewehrt. Ein erfolgreicher Übernahmeversuch hätte den größten fremdfinanzierten Firmenkauf der Geschichte bedeutet.
Vorerst bleibt alles beim Alten. Handlungsbedarf besteht auch nicht, denn die Geschäfte laufen formidabel. „Vivendi meistert die Wirtschaftskrise spielerisch“ meldet das Handelsblatt am 4. März 2009. Man bleibe gelassen trotz der Marktumstände, so Vivendi-CEO Lévy, und erwarte für 2009 gar einen „starken Anstieg“ des operativen Gewinns. Der Hauptgrund: das Geschäftsmodell der Telekom-, TV-, Musik- und Games-Sparten beruht vor allem auf Abo-Einnahmen und ist so in der Krise weniger anfällig. Laut Handelsblatt stammen 70% der Umsätze von den mehr als 64 Mio. Abonnenten der verschiedenen Dienste; der Umsatzanteil von Werbung betrage nur 0,5%. Zudem sind die Kosten für die Zukäufe Neuf und Activision bezahlt; beide müssten beim Konzern-Ergebnis 2009 deutlich zu Buche schlagen.
Die derzeit verfügbaren Resultate beziehen sich auf die ersten neuen Monate 2009: Hier wurden ein Umsatzanstieg von 9,8% auf 19,52 Mrd. € gemeldet sowie eine Erhöhung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) von 3,848 Mrd. € im Vorjahr auf 4,245 Mrd. €.
Links
Informationen des Unternehmens:
» Vivendi-Jahresberichte
» Pressemitteilungen
Presseberichterstattung:
- Handelsblatt: Vivendi - Einmal Wahnsinn und zurück (01.03.2010)
- Financial Times Deutschland: Ex-Vivendi-Chef Messier angeklagt (22.10.2009)
- Handelsblatt: Vivendi hält Krise stand (01.09.2009)
- Die Welt: Vivendi/Activision - Mega-Fusion krempelt Videospielbranche um (03.12.2007)
News
01.03.10 / Vivendi S.A.
Vivendi steigert Medienumsatz um knapp sechs Prozent
Der französische Medien- und Telekommunikationskonzern Vivendi hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz in den Mediensparten um 5,8 Prozent auf 11,954 Milliarden Euro gesteigert. Er profitierte dabei stark von seiner...
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Ein neuer Medienriese entsteht: Der US-amerikanische Kabelkonzern Comcast übernimmt 51 Prozent am Fernsehkonzern NBC Universal. 49 Prozent bleiben in der Hand des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE), dem bislang...
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- Time Warner Inc.
- Walt Disney Corp.
- Comcast Corp.
- News Corp. Ltd.
- Viacom Inc./CBS Corp.
- Sony Entertainment
- Bertelsmann AG
- NBC Universal Inc.
- Vivendi S.A.
- Cox Enterprises Inc.
- Thomson Reuters Corporation
- Lagardère Media
- Dish Network Corporation
- Rogers Comm.
- Liberty Media Corp.
- Reed Elsevier PLC
- ARD
- Pearson plc
- BBC
- Advance Publications
- Virgin Media Inc.
- Cablevision Systems Corp.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Charter Comm. Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Nippon Hoso Kyokai
- Mediaset SpA
- Grupo PRISA
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Tribune Co.
- The Hearst Corporation
- The Nielsen Company
- Daily Mail & General Trust plc
- Wolters Kluwer nv
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Bonnier AB
- ProSiebenSat.1
- The Washington Post Company
- Sanoma Group
- Grupo Televisa
- France Télévisions S.A.
- Axel Springer AG
- RCS Media Group
- TF1 S.A.
- Georg von Holtzbrinck GmbH
- ITV plc
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
- Nippon Television Network Corporation