21. Virgin Media Inc.

Umsatz 2008: £ 4,016 Mrd. (€ 5,043 Mrd.)

Überblick

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Das angloamerikanische Unternehmen Virgin Media Inc., ein Fusionsprodukt aus den Kabelanbietern NTL und Telewest und dem Mobilfunkanbieter Virgin Mobile, ist der erste Medienkonzern Englands, der Fernseh-, Internet-, Festnetztelefonie- und Mobilfunkdienste aus einer Hand vertreibt.

Basisdaten

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Virgin Media Corporate Headquarters 
909 Third Avenue, Suite 2863.
New York NY 10022

Virgin Media Operational Headquarters
Bartley Wood Business Park,
Bartley Way, Hook,
RG27 9UP, Great Britain
Tel: +44 (0)1256 752000
Internet: www.virginmedia.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr:  4. Juli 2006 (Virgin Media); 1992 (NTL); 1984 (Telewest)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten

2008

2007

2006

2005

Umsatz (in Mio. £)

4.015.9

4.073.7

3,602.2

1,947.6

Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. £)*

(339.3)

16.6

9.8

(19.7)

Aktienkurs (in $, Jahresende)

4,99

17,09

27,5

27,78**

Dividende (pro Aktie in £)

0,16

0,13

0.03

--

Beschäftigte

k.A.

15,060

17,034

k.A.

*Operating Income

**zum damaligen Zeitpunkt als NTL an der Börse gehandelt

 

Tab. II: Umsatz nach Segmenten (in Mio. £)

Sparten

2008

2007

2006

2005

Kabel (Kunden)

3,082.3*

3,128.0*

2,393.3

1,520.0

Kabel (Business)

--

--

614.0

427.6

Mobil

597.6

597.6

292.1

--

Content

363.6

348.1

302.8

--

* inklusive Segment "Kabel (Business)"

Geschäftsführung

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Geschäftsführung /Management Team:

  • Neil Berkett, CEO
  • Andrew Barron, Chief Customer & Officer Operations
  • Eamon O'Hare, Chief Financial Officer
  • Bryan H. Hall, General Counsel
  • Mark Schweitzer, Chief Commercial Officer
  • Elisa Nardi, Managing Director People
  • Marin Wyke, Chief Technology & Information Officer
  • Jeff Wollen, Executive Director of Change
  • Robert Gale, Vice President & Controller
  • Cindy Rose, Executive Director of Television



Vorstand/Board of Directors:

  • Neil Berkett
  • James F. Mooney, Sirius Satellite Radio, CRN
  • Charles Allen, Global Radio
  • Jeffrey D. Benjamin, Goodman Global, Inc.
  • William R. Huff, W.R. Huff Asset Management Co.
  • Gordon McCallum, Virgin Group
  • George R. Zoffinger, New Jersey Resources Inc.
  • James A. Chiddix, Open TV Corp.
  • Andrew Cole, Asurion
  • Steven J. Simmons, Simmons/ Patriot Media Communications
  • John Rigsby, Bright House Networks


Gesellschafter: Fidelity (12,2 %), Franklin Mutual Advisors (9,9 %), Wellington Management Company (8,6 %), Virgin Entertainment Investment Holdings Ltd. (Sir Richard Branson; 6,5 %), RBC Trust Co (International) Ltd (6,5 %), Capital World Investors (6,4 %), Level Global Investors, L.P. (6,1 %), MFS Investment Management (4,2 %), Gandhara Capital Management Limited (3,7 %), Goldman Sachs Asset Management (US) (3,1%).

Geschichte und Profil

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Der Konzern Virgin Media, wie er in seiner heutigen Form existiert, ist das Produkt einer Reihe von länderübergreifenden Fusionen und Joint Ventures, angesichts derer man schnell den Überblick verlieren kann. Grundsätzlich spielen drei Firmen eine zentrale Rolle bei der Genese des einflussreichsten und diversifiziertesten Medienkonzerns Groß Britanniens: National Transcommunications Limited (NTL), Telewest und die Virgin Group.

Der älteste der drei Konzerne ist der Kabelnetzbetreiber Telewest, der 1984 unter dem Namen Croydon Cable gegründet wurde. Vier Jahre später wurde Croydon von United Cable of Denver aufgekauft, das wiederum 1989 mit United Artists Cable fusionierte. Doch damit nicht genug: 1991 wurde United Artists Cable mit Tele-Communications, Inc. (TCI) zusammengeschlossen, die zusammen den damaligen größten Kabelanbieter Nordamerikas formten. In der Folge sorgte ein Joint Venture zwischen TCI und dem Kommunikationsunternehmen US West für eine Umbenennung in Telewest. 1995 erreichte das Kabelnetz von Telewest bereits 1.3 Millionen Haushalte, nicht zuletzt wegen der Übernahme von SBC Communications. Durch Aufkäufe von Konkurrenten wie General Cable, Birmingham Cable, Cable London und Flextech vergrößerte Telewest seine Reichweite auf fast fünf Millionen Haushalte in den USA und Großbritannien.

Die Anfänge von NTL gehen auf den 1981 von Barclay Knapp und George Blumenthal in Groß Britannien gegründeten Mobilfunkbetreiber Cellular Communications zurück. Um ein Stück des Kuchens zu erhalten, der durch die Liberalisierung des britischen Kabelnetzes entstanden war, wurde 1993 die Tochterfirma International Cable Tel ins Leben gerufen. Was folgte, war der Startschuss für eine aggressive Expansionstour, an deren Ende die Marktführerschaft auf dem Kabel- und Telefoniemarkt der grünen Insel stand. Diverse Akquisitionen von britischen Konkurrenten und ein gleichzeitiger Ausbau des Glasfasernetzes sorgten für eine Monopolstellung, die es Cable Tel als einzigem Konzern in Groß Britannien ermöglichte, den Kunden Fernsehen und Telefondienste aus einer Hand anzubieten. 1996 verfügte Cable Tel über einen Stamm von etwa zweieinhalb Millionen Kunden in Städten wie Glasgow, Cardiff oder Newport. Im selben Jahr kauften Knapp und Blumenthal schließlich NTL, den privatisierten Nachfolger der britischen Kabelnetzbehörde IBA (Independent Broadcasting Authority), dessen Namen sie 1998 für ihr gesamtes Unternehmen adaptierten.  Durch ein Joint-Venture mit Virgin.net stieg NTL in das Internetzugangsgeschäft ein und expandierte auch zunehmend außerhalb des Vereinten Königreiches, etwa durch Minderheitsbeteiligungen an der deutschen Firma eKabel oder dem schwedischen Pendant Svenska Bredbandsbolaget.

Allerdings zeigte der ab dem Jahr 2000 einsetzende Zusammenbruch des Telekommunikationsmarkts NTL mehr als deutlich die Grenzen des Wachstums auf. Ein verantwortungsloser Umgang von CEO Knapp mit den in Zeiten der Euphorie der Neunziger zur Verfügung gestellten Bankkrediten ließ NTL einen Schuldenberg von 19 Milliarden Euro anhäufen, der 2002 in die Insolvenz führte.
Im Zuge der Rekapitalisierung des Konzerns wurde die Führungsetage ausgewechselt, der kontinentaleuropäische sowie der irische Geschäftsbereich abgestoßen und die Rundfunksparte an die Macquire Communications Infrastructure Group veräußert. Stattdessen begann man 2005 „Video On Demand“ anzubieten.

Im März 2006 schließlich kreuzten sich die Wege von Telewest und NTL. Die Fusion ließ den neuen Konzern NTL: Telewest Business entstehen, der fortan sogenannte „Triple-Play Services“ anbot (TV, Festnetztelefonie, Breitband).
Doch um das Angebot mittels eines Mobilfunkdienstes eine Stufe höher auf „Quadruple-Play“ (Triple-play + Mobilfunk) zu erweitern, schloss NTL:Telewest im Juli 2006 die Akquisition von Virgin Mobile ab, der Mobilfunksparte von Sir Richard Bransons Firmenimperium Virgin Group. Für 962 Millionen Pfund wechselte Virgin Mobile den Besitzer, wobei Branson sowohl Bargeld als auch mehr als zehn Prozent Aktienanteile am neuen Konzern erhielt. Aufgrund der Attraktivität und dem Bekanntheitsgrad der Marke „Virgin“ wurde vor der Übernahme eine Vereinbarung über ein 30 Jahre andauerndes exklusives Nutzungsrechte des Namens der Marke Virgin ausgehandelt. Seit Februar 2007 firmiert der Zusammenschluss aus NTL: Telewest Business und Virgin Mobile unter dem Namen Virgin Media Inc..

Das erste Geschäftsjahr war für Virgin Media vor allem durch einen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Schlagabtausch mit der konkurrierenden News Corp.-Tochter British Sky Broadcasting (BSkyB) geprägt. BSkyB, der Betreiber des größten Pay-TV-Anbieters Sky wurde bis Ende 2007 von James Murdoch, dem Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch, gemanagt und strahlt traditionell die attraktiveren Hollywood-Serien sowie englischen Premier League-Fußball aus.
Ausgangspunkt für die Fehde waren Pläne von Virgin Media, mit dem Marktführer unter den britischen Privatfernsehsendern, ITV, zu fusionieren. Doch als James Murdoch davon erfuhr, eignete er sich für eine knappe Milliarde Pfund Aktienanteile an ITV an und ließ auf diese Weise die Fusion platzen.
Die entrüsteten Reaktionen von Seiten Virgin Media ließen nicht lange auf sich warten. Ex-CEO Burch nannte BSkyBs Geschäftspraktiken „unfair“. Richard Branson bezeichnete Murdoch als „Gefahr für die Demokratie“. Er drängte Wirtschaftsminister Alistair Darling dazu, eine Untersuchung bei der Ofcom-Behörde (Office for Communication) einzuleiten, die klären soll, ob BSkyB’s Einkauf bei ITV rechtswidrig ist. Eine endgültige Entscheidung im Streitfall lässt weiter auf sich warten. Sollte BSkyB gezwungen werden, seine Anteile an ITV abzugeben, würde RTL bereit stehen, um diese zu erwerben.
In der Zwischenzeit übte sich BSkyB in Vergeltung und entfernte im März 2007 praktisch über Nacht Sky-Sender, die Top-Serien wie „Lost“, „24“ oder „The Simpsons“ ausstrahlen aus den Fernsehpaketen für Virgin Media-Kunden. Zuvor hatte BSkyB die illusorische Forderung gestellt, die Sender für 35 Millionen Pfund im TV-Angebot von Virgin Media zu belassen, worauf sich die Virgin-Verantwortlichen nicht einließen. Der Schachzug, die Fernsehkonsumenten von ihren Lieblingsformaten abzukappen, wurde als besonders niederträchtiger Versuch gewertet, die Virgin-Kunden zu BSkyB zu locken. Tatsächlich verlor Virgin Media im zweiten Quartal 2007 rund 40.000 Kunden. Nach Verhandlungen der beiden Rivalen können Virgin-Kunden die Sky-Programme inzwischen wieder empfangen.

Management

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Virgin Medias erster Geschäftsführer Stephen Burch trat nach weniger als einem Jahr bereits zurück und wurde von Neil Berkett beerbt. Berketts Engagement war anfänglich nur als Interimslösung gedacht, der Konzern beauftragte eigens eine entsprechende Agentur für die Suche eines offiziellen Nachfolgers. Im März 2008 schließlich wurde der gebürtige Neuseeländer als offizieller CEO von Virgin Media inthronisiert . Ein Vorteil des als pragmatisch geltenden Berketts ist es, dass er sich offensichtlich besser mit dem einflussreichen Vorstandsvorsitzenden Mooney versteht als Vorgänger Burch. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Berkett im März 2008, als er die Idee der Netzwerk-Neutralität als „einen Haufen Schwachsinn“ bezeichnete, und ankündigte, jeden Internet-Service oder jede Website, die nicht bereit wäre, eine Extra-Gebühr an Virgin Media zu zahlen „in die Warteschleife“ zu stellen. Im Klartext heißt das, dass kommerziell agierende, zahlende Content-Anbieter gegenüber unabhängigen, allgemeinwohlorientierten Anbietern in Bezug auf Schnelligkeit und Erreichbarkeit bevorzugt werden. Virgin Media nimmt sich also das Recht heraus, die Schnelligkeit der Internetverbindung je nach Inhalt zu erhöhen oder zu drosseln. Dieser Vorgang ist nicht nur medienpolitisch höchst fragwürdig, sondern könnte in Kombination mit den repressiven und unverhältnismäßigen Maßnahmen gegen Internetpiraterie zu einem sukzessiven Kundenrückgang führen.

Nicht ins operative Tagesgeschäft involviert, dafür aber mit 6,5-Prozent Aktienbesitz viertgrößter Anteilseigner ist Sir Richard Branson. Der Entrepreneur und „Hippie-Milliardär“ (FAZ) fungiert jedoch nicht nur als Namengeber, sondern bezieht auch immer wieder Stellung zu wichtigen Unternehmensfragen. Dabei spielt seine langjährige Erfahrung publicitywirksamer Selbstinszenierungsauftritte im Namen der Virgin Group eine wichtige Rolle, um nun auch den Virgin Media-Konzern angemessen zu promoten. Branson operiert Zeit seines Lebens mit dem „Trial & Error“-Prinzip: Bei den über 350 verschiedenen Firmen seines Imperiums, zu denen u. a. ein Cola-Ableger, ein Brautkleid-Hersteller, eine samoanische Billigfluglinie und ein Betreiber von Weltraumtourismus gehören, investiert er scheinbar wahllos Kapital in verschiedene Unternehmungen, um sich je nach Profit von ihnen wieder zu trennen oder an ihnen festzuhalten.

Branson verkaufte im May 2009 einen erheblichen Teil seiner Virgin Media-Anteile und trat die Stimmrechte für 12,8 Millionen Aktien an die Credit Suisse-Gruppe ab. Branson, der von der Zeitung "Telegraph" im August 2009 zu einem der einflussreichsten Personen in der britischen Technologie-Branche ernannt wurde, benötigt das Geld aus dem Verkauf, um in seine anderen weltweiten Projekte, darunter vor allem die amerikanische Fluglinie Virgin America, zu investieren.

Geschäftsfelder

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Virgin Media bietet seinen Kunden digitales Fernsehen, Mobilfunk- und Festnetztelefonie, sowie Breitband-Internetdienste. Ein als "Quadruple-Play" vermarktetes Paket aller vier Dienste, einst das wichtigste Produkt von Virgin Media, verliert zunehmend an Bedeutung. Unter CEO Berkett konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf schnelle Breitband-Internetdienste.

Virgin Cable
Von seinen zehn Millionen Kunden in Großbritannien nutzen die Hälfte die Kabeldienste von Virgin Media. Ein Glasfasernetz sorgt für die Übertragung von Breitband-Internet, Digital-TV und Festnetztelefonie.
Die Kabel-Kunden von Virgin Media sehen immer mehr Online-Videoinhalte über ihren Breitbandanschluss. Im Geschäftsjahr 2008 wurden allein 500 Millionen Onlinevideos abgerufen, wobei sich insbesondere der iPlayer der BBC größter Beliebtheit erfreut und ein Fünftel der abgerufenen Inhalte ausmacht. Der Service von Virgin erlaubte es den Kunden, Sendungen der BBC, Channel 4 und ITV aufzuzeichnen oder nachträglich on demand abzurufen. Das Unternehmen trägt der wachsenden Beliebtheit des Breitband-Fernsehens Rechnung, indem es gegenwärtig die Datenübertragungsrate von 2,5 Millionen Haushalten kostenlos von zwei auf mindestens zehn Mbit/s erhöht.

Unklar ist, inwieweit 1,6 Millionen Virgin Cable-Kunden, die den Dienst vor allem für die Fußball-Liveübertragungen Sportkanals Setanta in Anspruch nehmen, entschädigt werden, wenn der finanziell schwer angeschlagene Sender bankrott gehen sollte.

Virgin Broadband
Virgin Broadband bietet Nutzern unabhängig von ihrem Standort schnelle Verbindungsgeschwindigkeiten inklusive unbegrenzter Download-Kapazitäten und Antivirenschutz. Rund 250.000 User nutzen dabei den Provider Virgin Net.

Neil Berketts Haltung zum Thema Netzwerk-Neutralität (siehe Management) droht für das Unternehmen zu einem ernsthaften Problem zu werden. Die groß angelegte Werbekampagne von Virgin Media, die den Kunden ab dem 15.12.2008 unbegrenztes 50 Mps-High-Speed-Internet versprach, entpuppt sich als Farce, zieht man Berketts Pläne in Betracht, die Internetauftritte von zahlungswilligen Kunden in Punkto Geschwindigkeit zu begünstigten, während die Verbindungen zu alternativen Inhalten gedrosselt werden. Als Reaktion hat sich in der Internet-Community eine Protestbewegung formiert, an deren Spitze die „STOP Virgin“-Kampagne steht. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Virgin daran zu hindern, „das Internet zu zerstören“ und warnt davor, das Internet Service Provider in Zukunft wie Fernsehsender agieren, die ihren Zuschauern vorschreiben, wann sie welche Inhalte abrufen können. „STOP Virgin“ ruft die Virgin Media-Kunden dazu auf, umgehend ihren Provider zu wechseln.

Die Virgin Media-Kunden müssen sich zudem um ihre Privatsphäre sorgen. Genau wie die Internet Service Provider der Konkurrenzunternehmen BT und Carphone Warehouse kooperiert auch Virgin Media mit der Online-Firma Phorm, die in der Vergangenheit als Produzent von Spyware in Erscheinung getreten ist. Phorm generiert seinen Umsatz, indem es Daten aus den Surfgewohnheiten eines Users an werbetreibende Firmen vermittelt, die daraufhin zielgruppengerichtete Werbung schalten. Der Internet-Think Tank „Foundation for Information Policy Research“ (FIPR) bezeichnete Phorm als “illegal”. Nachdem sowohl Amazon als auch die Wikimedia Foundation ihre Zusammenarbeit mit Phorm aufgrund schlechter Publicity beendet haben, überdenkt nun auch Virgin Media seine Partnerschaft.

Doch seit Ende 2009 laufen Datenschützer gegen eine weitere geplante Maßnahme von Virgin Media Sturm. Das Unternehmen plant mittels dem auf der Deep Packet Inspection-Technologie basierenden Programm CView das Ausmaß der Internet-Piraterie seiner Nutzer zu messen. Bemerkenswert ist dies vor allem, da Virgin Media diese Messungen freiwillig vornimmt und nicht von Regierungsseite dazu verpflichtet wird. Andere Internet Service Provider haben sich in der Vergangenheit damit gerühmt, keine DPI-Scans vorzunehmen, um die Privatssphäre der Nutzer zu respektieren. Virgin Media agiert mit dem Einsatz von CView in einer rechtlichen Grauzone. Der britische Datenschutz-Aktivist Alexander Hanff hat Virgins Gebrauch von Cview als illegal bezeichnet, da es unter Berücksichtigung der Gesetze RIPA (Regulation of Investigatory Powers Act) und PECR (Privacy and Electronic Communications Regulations) einer richterlichen Anordnung bedarf, den Datenverkehr von 1,6 Millionen Internetnutzern auszuspionieren. CView, das vom Rüstungskonzern BAE Systems entwickelt wurde, wird auch von diversen Regierungen zum Schutz der nationalen Sicherheit benutzt. Für Virgin Media soll das Programm den Inhalt der (anonymisierten) Daten auf Verletzungen von Urheberrechten überprüfen. Auf diese Weise kann etwa ermittelt werden, welcher Song am häufigsten illegal heruntergeladen wurde.

Virgin Mobile
4.5 Millionen Menschen in Groß Britannien nutzen den Mobilfunkservice von Virgin Media. Wie bei herkömmlichen Anbietern können die Kunden zwischen diversen monatlichen Komplettpaketen, sowie verschiedenen Pay-as-you-go-Tarifen auswählen.

Virgin Phone
Virgin Phone ist das Festnetzpendant zu Virgin Mobile.

Virgin Television
Das Fernseh-Segment soll zukünftig eine größere Rolle im Konzern spielen als bisher. Für den TV-Bereich engagierte Virgin Media im August 2009 Cindy Rose als Verantwortliche, die zuvor Chefin von Disney Interactive Media Group war.

Zu Virgin Television gehören insgesamt elf Fernsehsender: Living, Living+1 und Living 2 sind reine Entertainment-Kanäle, die erfolgreiche Serien wie „Grey’s Anatomy“ oder Showformate wie „Britain’s Next Topmodel“ ausstrahlen. Im Oktober 2009 wird zudem ein Web-TV-Ableger von Living im Internet gestartet. Bravo, Bravo+1 und Bravo 2 sind Sender, die eine rein männliche Klientel ansprechen und sich vor allem auf Hollywoodfilme spezialisieren und den zunehmend populären Kampfsport „Ultimate Fighting“ übertragen. Challenge und Challenge+1 sind reine Gameshowsender, während Trouble und Trouble+1 die junge Zielgruppe ansprechen. Im Oktober 2007 wurde mit Virgin 1 der erste "Flagship Channel von Virgin Media gestartet. Virgin 1 ist eine Art Best-Of-Sender der Virgin-Kanäle. Virgin Central dagegen ist Free-Video-On-Demand Kanal. Des weiteren existiert mit UKTV, einer Partnerschaft mit der BBC, eine anspruchsvolle Alternative zu den übrigen Sendern. UKTV strahlt zum größten Teil Wiederholungen von BBC-Produktionen aus. Im April 2008 wurde bekannt, dass BBC Worldwide Gespräche mit mehr als zehn Private Equity-Firmen, darunter Cinven, Kohlberg Kravis Roberts und Providence Equity Partners, mit dem Ziel aufgenommen hat, die Fernseh-Content-Sparte von Virgin Media aufzukaufen. Die 1,5 Milliarden Pfund teure und vom BBC Trust autorisierte Investition soll BBC Worldwide dabei helfen, weltweit über mehr Kanäle zu verfügen, um den jährlichen Profit zu verdoppeln. Der Deal beinhaltet die vollständige Übernahme von UKTV, samt seiner Spartenkanäle UKTV Food, UKTV Style und UKTV History. Virgin Media braucht das Geld aus dem Verkauf, um ein Teil seiner Verbindlichkeiten in Höhe von sechs Milliarden Pfund zu tilgen (bis zum 29.12.2008 waren erst 461 Millionen US-Dollar davon abbezahlt). Noch im Besitz von Virgin Television befindet sich Sit-Up TV, samt seiner Tochtersender bid tv und speed auction tv (Live-Fernsehauktionen), price-drop TV und Screenshopping (Teleshopping).
Der eigentlich fest geplante Verkauf der Mehrheit der Fernsehkanäle von Virgin Media wurde Ende 2009 erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Management hat offensichtlich entweder einen neuen Weg gefunden, Geld für die Schuldentilgung zu generieren oder zögert mit dem Verkauf, um dem Erzrivalen BSkyB keine Fernsehsender zu überlassen.

Aktuelle Entwicklungen

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Negative Publicity erhielt Virgin Media im April 2009, als CEO Berkett nach einem verlustreichen ersten Jahresquartal 2,000 Mitarbeiter vor die Tür setzte und parallel dazu sich und dem restlichen Management großzügige Bonus-Zahlungen genehmigte. Zudem wurde in der Presse dokumentiert, wie die Rechnungstelle des Unternehmens die Tochter einer an Krebs gestorbenen Telefonkundin von Virgin wegen ausstehenden Zahlungen von fünf Pfund belästigte. Die Konflikte zwischen dem Konzern und seinen Kunden schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. Im Dezember 2009 wurde eine Virgin-Kunde aus Glasgow zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er angedroht hatte, die Firmenzentrale in die Luft zu sprengen, da sein Zugang zu einem Virgin Media-Chatraum wegen ungebührenden Verhalten gesperrt wurde.

Außerdem gilt Virgin Media gilt als einer der schlechtesten Arbeitgeber in Großbritannien. Für Aufsehen sorgte ein Anfang 2008 im Internet veröffentlichter Brief eines Servicemitarbeiters, der an Sir Richard Branson gerichtet war. Der anonyme Techniker ist dafür verantwortlich, im Auftrag von Virgin Media die Internetzugänge der Kunden zu installieren. Er skizzierte ein deprimierendes Bild über die Arbeitszustände der Servicekräfte, die von Virgin an die Firma Avonline ausgelagert wurden. Dem Brief zufolge leidet die Mehrheit der Belegschaft von Avonline unter einem akuten Burn-Out-Syndrom, das aus einer den Mindestlohn unterschreitenden Bezahlung (weniger als umgerechnet fünf Euro pro Stunde), 72-Stunden-Wochen und mangelnder technischer Ausrüstung resultiert. Da die Techniker bei Hausbesuchen der Kunden zum Gesicht des Unternehmens werden, bekommen sie den ganzen Zorn unzufriedener Virgin-Kunden jeden Tag aufs Neue zu spüren.

Derweil ist der Konflikt zwischen Virgin Media und BskyB in eine neue Runde gegangen. Grund für das Wiederaufflammen des bereits seit 2007 schwelenden Disputs (siehe Geschichte) war ein Vorschlag der britischen Regulierungsbehörde Ofcom, das Pay-TV-Unternehmen des Medienkonzerns News Corp. aus kartellrechtlichen Gründen dazu zu zwingen, seine Spielfilm- und Sportskanäle zu von der Ofcom bestimmten Preisen an Konkurrenten wie Virgin Media und BT zu verkaufen. Nachdem BskyB den Vorschlag als illegitimen Eingriff in die freie Martktwirschaft interpretierte, sprang Virgin Media-CEO Neil Berkett der Ofcom zur Seite, indem er BskyB bezichtigte, unfaire Preise zu verlangen und die Distribution von TV-Inhalten zu manipulieren.

Mit Spannung wird Virgin Medias angekündigtes Musikportal erwartet. Gemeinsam mit der zum Medienkonzern Vivendi gehörenden Universal Music Group plant Virgin Media, 2010 einen Flatrate-Dienst für den unbegrenzten Download von Musikstücken zu starten. Gegen Gebühr sollen zahlenden Kunden beliebig viele Songs herunterladen dürfen und diese auch behalten. Ziel ist es, neben Universal auch die drei anderen großen Plattenfirmen für das Projekt zu begeistern. So standen im Dezember 2009 die Verhandlungen mit EMI kurz vor dem Abschluss. Das Musikportal sollte eigentlich schon längst gestartet sein. Die Verantwortlichen der großen Labels sind aber noch skeptisch, ob sich dieses Modell für die Musikindustrie rechnet.