11. Thomson Reuters Corporation
Umsatz 2008: $ 13,441 Mrd. (€ 9,139 Mrd.)
Überblick
Das Angebot des in Kanada gegründeten Informationsdienstleisters Thomson besteht aus Spezialkommunikationsdiensten und richtet sich an Geschäftskunden. Das Angebot umfasst Informationen aus den Bereichen Recht, Finanzen, Wissenschaft, Gesundheit sowie Steuern und Buchführung. Thomson vertreibt die Informationen online, über Printmedien und mittels CD-Rom. In der ersten Jahreshälfte 2007 hat Thomson ein Übernahmeangebot für die britische Nachrichten-agentur Reuters Group plc. Abgegeben, die im Unterschied zu Thomson auch Finanzdienstleistungen und spezialisierte Kommunikationsprodukte anbietet. Durch die Fusion würde das Unternehmen neben dem Hauptkonkurrenten Bloomberg (Bloomberg in der Mediendatenbank) zum größten Informationsdienstleister weltweit aufsteigen.
Basisdaten
Hauptsitz - The Thomson Corporation:
Metro Center
One Station Place
Stamford, CT 06902
USA
Tel: +01 203 539 8000
www.thomson.com
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1934 (Roy Thomson erwirbt seine erste Zeitung); 1989 (Fusion von Thomson Newspapers und International Thomson); 2007 (Thomson-Reuters soll durch Fusion entstehen)
Hauptsitz – Reuters Group plc:
The Reuters Building
South Colonnade
Canary Wharf
London
E14 5EP
Großbritannien
www.reuters.com
Tel.: +44 20 7250 1122
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1851
2008 | |
Umsatz (in Mio. $) | 13.441 |
Gewinn (Verlust) (in Mio. $) | 1.936 |
Beschäftigte | k.A. |
2008 | |
Legal | 3.531 |
Tax & Accounting | 861 |
Scientific | 604 |
Healthcare | 468 |
Sales & Trading | 3.828 |
Investment & Advisory | 2.371 |
Enterprise | 1.295 |
Media | 450 |
Tab. III: The Thomson Company: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
Umsatz
7.296
6.941
6.173
8.089
7.436
7.756
7.237
Gewinn (nach Steuern)
1.297
1.258
1.127
1.341
1.174
1.124
836
Beschäftigte
k.A.
32.375
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
* Operating Profit
2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz | 2.605 | 2.566 | 2.409 | 2.885 | 3.235 | 3.575 | 3.885 |
Gewinn (Verlust) vor Steuern | 292 | 305 | 238 | 198 | 130 | (144) | 302 |
Beschäftigte | 16.302 | k.A. | 14.500 | 16.744 | 17.414 | 19.429 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung/Vorstand The Thomson Company:
EXECUTIVE COMMITTEE
- Richard J. Harrington, President & Chief Executive Officer
- Robert D. Daleo, Executive Vice President & Chief Financial Officer
- Brian H. Hall, Vice Chairman
- James C. Smith, Executive Vice President & Chief Operating Officer
- Michael E. Wilens, Executive Vice President & Chief Technology Officer
MANAGEMENT COMMITTEE
- James C. Smith (Chair), Executive Vice President & Chief Operating Officer
- Richard Benson-Armer, Senior Vice President & Chief Strategy Officer
- Robert B. Bogart, Executive Vice President, Human Resources
- Mike Boswood, President & Chief Executive Officer, International Legal & Regulatory
- Vin Caraher, President & Chief Executive Officer, Scientific
- Gustav Carlson, Senior Vice President & Chief Marketing and Communications Officer
- Robert C. Cullen, President & Chief Executive Officer, Healthcare
- Roy M. Martin Jr., President & Chief Executive Officer, Thomson Tax & Accounting
- Sharon Rowlands, President & Chief Executive Officer, Financial
- Deirdre Stanley, Senior Vice President & General Counsel
- Peter Warwick, President & Chief Executive Officer, North American Legal
- Michael E. Wilens, Executive Vice President & Chief Technology Officer
Besitzverhältnisse: Die Thomson-Familie besitzt über ihre Investmentfirma Woodbridge ca. 70 Prozent der Thomson-Aktien, der Rest befindet sich in Streubesitz.
Geschäftsführung/Vorstand Reuters:
VORSTAND
- Tom Glocer - Chief Executive
- Niall FitzGerald KBE (Vorsitzender)
- Penny Hughes
- Lawton Fitt
- Sir Deryck Maughan
- Ken Olisa
- Dick Olver
- Ian Strachan
- David Grigson - Chief Financial Officer
- Devin Wenig - Chief Operating Officer
- Nandan Nilekani
- Rosemary Martin (Beratung und Sekretariat)
EXECUTIVE TEAM
- Tom Glocer (CEO)
- Devin Wenig (Chief Operating Officer)
- Devin Grigson (Finance)
- Christopher Hagman (Global Sales & Service Operations)
- David Schlesinger (Editor-in-Chief)
- David Craig (Corporate Strategy)
- Stephen Dando (Group Human Resources Director)
- Rosemary Martin (General Counsel)
- Ed Williams (Director of Corporate Affairs)
Direktoren der Reuters Founders Share Company:
- Pehr Gyllenhammar (Vorstandsvorsitzender)
- Len Berkowitz
- Anson Chan
- Sir Michael Checkland
- Uffe Ellemann-Jensen
- Bertrand Collomb
- Toyoo Gyohten
- Sir Christopher Mallaby
- Mammen Mathew
- John H. McArthur
- Baroness Noakes
- Sir William Purves
- Jaakko Rauramo
- Dr. Mark Wossner
- Dr. Frene Ginwala
- Joseph Lelyveld
- John Fairfax
- Jiri Dienstbier
- Alejandro Junco
Geschichte und Profil
1934 kauft der Kanadier Roy Thomson seine erste Zeitung, die „Timmins Press“ aus Ontario. Roy Thomson ist der Großvater des gegenwärtigen Präsidenten, David Thomson, der laut Forbes-Liste 2007 die zehntreichste Person der Welt ist. Thomson baut in den Jahrzehnten nach dem Kauf der „Timmins Press“ das größte Zeitungsimperium Kanadas auf, so dass er sich in den 50er Jahren im Ausland nach Betätigungsfeldern umsieht. In Großbritannien, seiner neuen Wahlheimat, wird er fündig. Er kauft 1959 den Zeitungsverlag Kemsley Group, zu der die einflussreiche Regionalzeitung „The Scotsman“ gehört. 1967 folgt die Akquise des Kronjuwels der britischen Zeitungslandschaft, der Londoner Tageszeitung „The Times“. Die siebziger Jahre sind von einem Ausflug des Unternehmens ins Ölbusiness geprägt. Thomson beteiligt sich an der Erschließung eines Ölfelds in der Nordsee. Außerdem übernimmt Thomson-Sohn Kenneth die Leitung der Gesellschaft. Zu Beginn der 80er Jahre wendet man sich schließlich dem Segment des Informationshandels zu und baut die Aktivitäten in den folgenden Jahren durch Zukäufe kontinuierlich aus. Durch den Erwerb von Anbietern spezialisierter Informationen in den Bereichen Recht, Gesundheit, Wissenschaft und Finanzen, sowie Anbietern von Datenbanksystemen entsteht sukzessive das gegenwärtige Firmenprofil. Das Engagement bei verschiedenen britischen Zeitungen wird 1995 ebenso beendet wie die Eigentümerschaft der Qualitätszeitung „The Times“, die bereits 1981 an Murdochs News International Ltd. geht [interner Link: News Corporation]. Seit 2002 kooperiert Thomson mit der Investmentbank Merrill Lynch, deren Büros 2005 mit 23000 Workstations ausgestattet werden. 2007 legt David Thomson, der seit 2002 die Führungsposition innehat, ein freundliches Übernahmeangebot für die Nachrichtenagentur Reuters in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (ca. 13 Milliarden Euro) vor. Sollten die Fusionsgespräche erfolgreich verlaufen, entstünde mit „Thomson-Reuters“ der größte Informationskonzern der Welt. Das Unternehmen wäre 33 Milliarden Euro wert und läge mit 34 Prozent Marktanteil knapp vor seinem Konkurrenten Bloomberg (Bloomberg in der Mediendatenbank).
Fusionspartner Reuters blickt als eine der wichtigsten Nachrichtenagenturen der Welt auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück, obgleich mittlerweile weniger als 10 Prozent des Umsatzes mit klassischen Nachrichten generiert werden. Institutionelle Kunden aus dem Finanzsektor, die über spezielle Terminals mit Finanzdaten beliefert werden, machen den Großteil des Geschäfts aus. Reuters’ Historie beginnt kurios: Der Deutsche Paul Julius Reuter (1816-1899) nutzt Mitte des 19. Jahrhunderts eine Lücke im Telegrafennetz zwischen Aachen und Brüssel, um mit Hilfe von Brieftauben Informationen zu versenden. Als die Telegrafenleitung fertig gestellt wird, eröffnet Reuter 1851 ein Büro in London und betreibt seinen Informationshandel von dort aus über das Calais-Dover-Unterseekabel. In den folgenden Jahrzehnten expandiert Reuters und beliefert britische Zeitungen mit Nachrichten aus Büros in ganz Europa, später aus aller Welt. 1872 wird ein Büro in Japan eingeweiht, nachdem die Öffnung des Landes erzwungen worden war. Während der beiden Weltkriege werden die Reuters-Berichte von der britischen Regierung zensiert, woraufhin die Eigentümer 1941 den Reuters-Trust konstituieren. Dieser soll die Unabhängigkeit der Agentur sicherstellen. Die Grundsätze des Trusts untersagen Beteiligungen von über 15 Prozent. Außerdem hält die Reuters Founders Share Company Ltd. seit dem Börsengang von 1984 eine „Goldene Aktie“, die mit einem Vetorecht bei Entscheidungen der Hauptversammlung verbunden ist. Mit diesen Prinzipien soll die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit von Reuters gesichert werden. Reuters hat seine Position auf dem Internationalen Nachrichtenmarkt in der Vergangenheit auch durch frühe Adaption neuer Technologien ausbauen können. Ab 1923 erfolgt die Nachrichtenübermittlung per Funk, ab 1961 per Satellit und ab 1971 per Computerverbindung. In den 90er Jahren expandiert Reuters stark – eine Strategie, die nach Ende des Dot.com-Booms Probleme verursacht. Das Angebot ist zu unübersichtlich geworden. Zudem kündigen die Kunden reihenweise die Reuters-Terminals, die viele als unflexibel ansehen. Mit neuem Stil und harten Sparmaßnahmen kann Tom Glocer, der den Chefposten 2001 von Peter Job übernimmt, das Unternehmen jedoch wieder in die Erfolgsspur zurückbringen.
Management
Tom Glocer (Jahrgang 1959) wird voraussichtlich die Führung des neu entstehenden Unternehmens Thomson-Reuters übernehmen. Thomson-CEO Harrington verlässt den Konzern. Als Glocer 2001 als erster Amerikaner das Ruder übernahm, erwirtschaftete das Unternehmen Reuters zwar Gewinne, man verlor jedoch zunehmend Marktanteile an Wettbewerber Bloomberg. Die Marke Reuters war zudem in den Vereinigten Staaten wenig bekannt. Mit dem New-Economy-Crash rutschte Reuters zum ersten Mal seit dem Börsengang 1984 in die Verlustzone. Die Unternehmensführung gab daraufhin Pläne bekannt, 1600 Stellen zu streichen und innerhalb von zwei Jahren eine halbe Milliarde Euro zu sparen. Außerdem sollten die teuren Terminals, die Reuters an seine Kunden verpachtete, von internetbasierten Angeboten ergänzt werden, so wie es von der Konkurrenz vorgemacht wurde. An anderer Stelle ging Glocer indes einen anderen Weg als der größte Konkurrent aus New York: Der unprofitable Fernsehsender Reuters Financial TV wurde 2002 eingestellt, während Bloomberg TV weitersendet. Das klassische Geschäftsfeld des Agenturjournalismus wurde mit diesen Managemententscheidungen weiter marginalisiert, ist aber wichtig fürs Renommee. Glocer: „Das klassische Mediengeschäft ist das historische Herz des Unternehmens.“ Es unterstreiche die Glaubwürdigkeit und stütze Reuters’ Marktposition. Auf Widerstand bei den angestellten Journalisten stieß Glocer, als er ankündigte, aus Kostengründen die kundengerechte Aufarbeitung der gesammelten Finanzdaten ins indische Bangalore zu verlagern. Tom Glocer ist der erste Nicht-Journalist im Reuters-Chefsessel.
Glocers Counterpart, Thomson-CEO Harrington, arbeitet seit 1982 für Thomson und wurde 1997 zu einer Zeit CEO, als das Internet noch nicht die Branche auf den Kopf gestellt hatte. Harrington spürte dennoch die sich ankündigenden Veränderungen und verfolgte eine visionäre Strategie für den Konzern. Als Chef von Thomson Newspaper war er vor harten Einschnitten nicht zurückgeschreckt. Obwohl die Zeitungen seit Gründung 1934 den Kern des phasenweise hoch diversifizierten Unternehmens Thomson bildeten, sagte Harrington diesem Sektor eine sinkende Rentabilität voraus. Als Konsequenz baute er den Konzern um: weg von Print hin zu elektronischen Informationsdiensten und Datenbanksystemen. Ziel war ein schlankes und fokussiertes Unternehmen. Sparten, die nicht mehr ins Konzept passten, wurden abgestoßen. Paradebeispiel ist der Verkauf von Thomson Travel 1998. Innerhalb von sechs Jahren verkaufte Harrington über 60 Tochterfirmen und 130 Zeitungen. Die meisten von diesen arbeiteten hoch profitabel - es waren die Spitzenzeiten des New-Economy-Booms. Dementsprechend hoch war die Liquidität des Konzerns nach den Verkäufen. Die Erlöse wurden zur Akquisition von über 200 Spezialinformationsfirmen aus den Bereichen Recht, Steuern und Buchführung, Bildung, Finanzen, Wissenschaft und Gesundheitswesen genutzt. Bereits 2006 wurden 80 Prozent der Umsätze im elektronischen Bereich erwirtschaftet, auf Druckerzeugnisse entfielen nur noch 20 Prozent. The Thomson Corporation liefert nicht nur Inhalte, sondern auch fachspezifisch zugeschnittene Software. So zum Beispiel Lösungen für das Rechnungswesen.
Geschäftsfelder
1. The Thomson Corporation
Das Unternehmen ist in fünf Sparten aufgeteilt: „Financial“, „Healthcare“, „Legal“, „Scientific“ sowie „Tax & Accounting“, wobei allein im Bereich „Legal“ 46% des Umsatzes generiert wird.
Recht
The Thomson Company bietet eine große Bandbreite an Dienstleistungen für den juristischen Bereich an, d. h. für Kanzleien, Unternehmen, Verwaltung, Fachbibliotheken und Institute.
Die Unternehmenstätigkeiten im juristischen Bereich stellten besondere Herausforderungen an Thomsons Strategie dar, einen möglichst großen Teil der Dienste auf Papierlose Information umzustellen. Aufgrund von rechtlichen Vorgaben und traditionellen Einstellungen müssen Dokumente in gedruckter Form vorliegen, um gerichtsfest zu sein. Thomsons zentrales Angebot im Bereich der juristischen Informationen, Westlaw, liefert daher die Daten im pdf-Format. Die Abonnementen haben so die Möglichkeit, alles Relevante auszudrucken.
Finanzdaten
Das Angebot der Thomson Corporation umfasst Dienstleistungen für Unternehmen, Investmentbanken, Hedge Funds, Private Equity sowie Vermögens- und Einkommensmanagement.
Steuern und Buchführung
Thomson „Tax & Accounting“ ist ein Anbieter von technologischen Produkten und Informationsdiensten, der sich an Beschäftigte im Steuer- und Buchführungsbereich richtet. Softwarelösungen und Informationen werden Buchführungsagenturen, Kanzleien, Banken und Verwaltung angeboten.
Gesundheit
Thomson „Healthcare“ bietet Datenbanken und Software für Krankenhäuser, Klinikverwaltungen, Pharma- und Biotechnologieforschung, etc.
Wissenschaft
Die Produkte der Thomson „Scientific“ versorgen staatliche, private und universitäre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen mit Berichten über aktuelle Entwicklungen. Web of Science beispielsweise bietet Zugriff auf Abstracts und Zitationen aus 8500 Fachzeitschriften.
2. Reuters Group plc
Finanzinformationen
Der Kernbereich des Reuters-Geschäfts, „Institutional Sales & Trading“, stellt Informationen für institutionelle Kunden im Bereich Wertpapierhandel zu Verfügung.
Anlagenverwaltung
Reuters „Asset Management & Research“ bietet in diesem Segment Nachrichten, historische Daten und Analysen zur Unterstützung der Bewertung von Investitionsmöglichkeiten. Hauptprodukte sind Reuters 3000 Xtra, Reuters Station und Reuters Konwledge for Investment Management.
Unternehmen
Reuters „Enterprise“ bietet Produkte zur Unterstützung der Unternehmensorganisation an, so zum Beispiel Kondor+ zum Risikomanagement und Global Limits zur Kreditverwaltung.
Nachrichten
Die Nachrichtenagentur Reuters ist innerhalb der Unternehmensstruktur in der Sparte „Media“ angesiedelt. Das Produktangebot wird auf die Bedürfnisse der Kunden aus den Bereichen Print, Online und Rundfunk zugeschnitten. Es umfasst Meldungen, Bilder, Grafiken und Videos. Außerdem besteht unter der Firmenbezeichnung factiva.com ein Joint-Venture mit Dow Jones (News Corp. in der Mediendatenbank) (jeweils 50%). Factiva.com bündelt weltweite Nachrichtenquellen und stellt diesen Informationspool zusammen mit umfangreichen Filter- und Suchfunktionen seinen Abonnenten zu Verfügung.
Bis Ende 2008 wird im Rahmen der Fusion der Konzern umstrukturiert. Danach sollen in der Thomson Reuters Professional Division die früheren Thomson-Bereiche Legal (Recht), Tax & Accounting (Steuern/Buchführung), Scientific (Wissenschaft) und Healthcare (Gesundheit) gebündelt werden. Eine neue Markets-Division umfasst dann die Reuters-Kerngeschäfte Sales&Trading (Finanzdaten), Investment & Advisory (Anlagenverwaltung), Enterprise (Unternehmen) sowie Reuters Media (u.a. Nachrichtengentur). Thomson Financial wird in die Markets Division integriert.
Aktuelle Entwicklungen
Seit dem 17. April 2008 ist die Fusion von The Thomson Corporation und Reuters zu Thomson Reuters Realität, nachdem zuvor außerordentliche Hauptversammlungen der Aktionäre in Kanada und London dem Zusammenschluss ihren Segen erteilt hatten. Analysten zufolge ergänzen sich beide Unternehmen gut. Im Zuge der Fusion ist die Familie Thomson über ihren Investmentarm Woodbridge im Besitz von 53% der Aktien, was eine Änderung der Reuters-Grundsätze erforderlich machte. Bisher durften Einzelaktionäre bei Reuters höchstens 15% der emittierten Aktien halten. Im Gegenzug für die Satzungsänderung gelten die Unabhängigkeitsprinzipien der Reuters Foundation für das gesamte neue Unternehmen, das heißt die Familie Thomson und die Foundation kontrollieren den Konzern gemeinsam. Reuters wurde allerdings, wie ursprünglich geplant, alleiniger Namensgeber für den neuen Finanzinformationskonzern, was Insider auf den Druck der Thomson-Familie zurückführen. Die Nachrichtenagenturdienste sollen weiter unter der Marke Reuters News bzw. Reuters Media laufen. „Thomson Reuters wird wie Procter & Gamble arbeiten: Jeder Mitarbeiter hat dieselbe Marke auf seiner Visitenkarte stehen“, zitiert die FT Geoff Beatie, Präsident der Thomson-Familien-Holding Woodbridge. Auch da hieße es immer Procter & Gamble, egal, „ob jemand im Geschäftsbereich Abfallprodukte oder Waschmittel arbeitet“. An die Spitze der Reuters Foundation, die über die so genannte „Goldene Aktie“ de facto ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen ausüben kann, wechselten Ende April 2008 der bisherige Thomson CEO Richard Harrington und Monique Villa, bislang Geschäftsführerin von Reuters Media.
Der Zusammenschluss beider Unternehmen war nicht unumstritten: Der neue Konzern werde zusammen mit Bloomberg zwei Drittel des Marktes kontrollieren, so das Argument, so entstehe ein Duopol. Überraschenderweise fiel die seit Oktober 2007 laufende Prüfung durch die EU-Kommission als zuständige Kartellbehörde für Europa trotz solcher „erheblicher Bedenken“ milde aus. Den beiden beteiligten Unternehmen gelang es, „den Großteil dieser Bedenken zu zerstreuen, und sowohl die Europäische Kommission wie das zuständige US Justizministerium und das Canadian Competition Bureau erteilten schon am 18.02.2008 eine vorläufige, mit Auflagen bewehrte Genehmigung. Dabei sind beide Konzerne nach Brancheneinschätzung billig davon gekommen: Die Wettbewerbshüter hätten sich lediglich auf vier relativ kleine Bereiche konzentriert, wo die Angebote von Reuters und Thomson schon heute identisch seien, schrieb beispielsweise die Financial Times.
Wesentliches Zugeständnis des neuen Konzerns ist danach der Verkauf diverser Datenbanken an Mitbewerber. Thomson hat sich verpflichtet, eine Kopie seiner Thomson Fundamentals (Worldscope) Datenbank zu verkaufen. Reuters muss analog jeweils Kopien der Datenbanken Reuters Estimates, Reuters Aftermarket Research und Reuters Economics (EcoWin) auf dem Markt anbieten. Dieser „Verlust“ dürfte leicht zu verschmerzen sein, denn der Umsatz der vier Bereiche liegt zusammen bei gerade einmal 25 Millionen US-Dollar – was für den künftigen 13-Milliarden-Dollar Umsatz-Koloss gut zu verkraften sein dürfte. Der designierte CEO äußerte sich denn auch zufrieden: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich“, sagte Tom Glocer laut FT.
Der Börsenstart des im Rahmen eines so genannten Dual Listing sowohl in London wie in Toronto notierten Konzerns am 17. April geriet allerdings zu einer kleinen Farce: Weil falsche Ausgangskurse zugrunde gelegt wurden, lieferte Thomson Reuters seinen Kunden ausgerechnet in eigener Sache ungenaue Daten und musste sich im Tagesverlauf korrigieren. Bis heute werden die Thomson Reuters-Aktien in London zudem zu niedrigeren Preisen als in Toronto gehandelt. Dies liegt laut der renommierten Lex-Kolumne der FT daran, dass der Konzern in Kanada weiter als starkes, vor Angriffen der Konkurrenz weitgehend immunes Schlachtschiff gilt. Während die Londoner City um den Einfluss der Reuters-Hauptkunden, der Investmentbanken, auf das Unternehmen weiß – und die Kanadier aus Londoner Sicht „keine Ahnung haben, was da auf sie zukommt“. Da der größte Teil des Handels mit Thompson-Reuters-Aktien in London laufe, müsse CEO Tom Glocer vor allem die britischen Aktionäre bearbeiten, so FT-Lex.
Glocer präsentierte sich schon vor der endgültigen Fusionsgenehmigung Anfang März mit Oberwasser: Der neue Konzern werde keinesfalls das Schicksal anderer wenig erfolgreicher Medien-Zusammenschlüsse wie AOL-Time-Warner oder CBS-Viacom teilen, sagte der künftige Konzernchef vor der Presse. „Ich sehe das ganze auch gar nicht als Mega-Medien-Merger, es ist eine Kombination von zwei Unternehmen, die ohnehin schon in derselben Branche unterwegs sind.“
Aktuell nehmen auch die durch die Fusion möglichen Einsparungen - in der Branche schätzt man, dass die bislang angekündigten 500 Millionen US-Dollar bis 2011 noch übertroffen werden könnten – Gestalt an. Ein Jobabbau sei unvermeidlich, hatte Glocer bereits vor dem Vollzug des Zusammenschlusses erklärt. Da die Fluktuation pro Jahr aber ohnehin rund zehn Prozent der Mitarbeiter ausmache – für Thomson Reuters rund 5.000 Stellen – hoffe er, „das meiste auf diese natürlich Weise“ erreichen zu können. Im Mai 2008 ließ Glocer die Katze aus dem Sack: Nachdem es zunächst hieß, Reuters News und die Agenturdienste seien vom Jobabbau nicht direkt betroffen, da in erster Linie Doppelstrukturen im Finanzinformationsbereich auf der Liste stünden, sollen nun doch rund 140 Journalisten bis Ende 2008 ihren Hut nehmen. Die britische Journalistengewerkschaft National Union of Journalists (NUJ) rechnet nach Londoner Presseberichten damit, dass rund fünf Prozent der 2.800 redaktionellen Jobs auf dem Spiel stehen. Konzernweit sollen in einem ersten Schritt insgesamt 650 Stellen abgebaut werden, dabei sind bis zu 250 Kündigungen vorgesehen. Nach Ankündigungen von Reuters News Chef David Schlesinger soll die Zahl der Mitarbeiter des neuen, fusionierten Reuters News-Bereichs 2.500 betragen. „Mehr als die Hälfte des Stellenabbaus wird in Europa stattfinden müssen, wo sich die bisherigen Angebote von Reuters und Thomson am meisten überschneiden“, schrieb Schlesinger laut Guardian per E-mail an die Mitarbeiter.
Anfang Mai 2008 präsentierte Thomson Reuters ein erster gemeinsames Pro-Forma-Ergebnis für das erste Quartal des laufenden Jahres, die endgültige Integration beider Konzerne wird aber noch mindestens bis Ende 2008 dauern. Danach stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar, der Operating Profit stieg um 37 Prozent auf 653 Millionen $. Das neue Unternehmen soll durch Synergien auch noch mehr einsparen als bisher angekündigt: Bis Ende 2011 steht das ehrgeizige Ziel nun bei 750 statt bislang 500 Millionen $. Bei der Präsentation der Quartalszahlen wollte sich Glocer zwar nicht auf konkrete Wachstunmsprognosen festlegen. Doch wachse die Zahl der Hauptkunden international weiter, zudem trage das Wirtschaftswachstum gerade in den so genannten Emerging Markets wie Indien dazu bei, dass sich „die professionelle Klasse“ weiter ausbreite und so für neue Kunden sorge.
Die Stimmung im Konzern bleibt in der Umbauphase weiter gespannt, vor allem in London sind Streiks wegen des Jobabbaus und der laut Gewerkschaften undurchsichtigen Informationspolitik der Geschäftsführung weiterhin möglich: „Unsere Botschaft ist klar: Wenn die Konzernleitung nicht zügig ihr Verhalten ändert und Verhandlungen aufnimmt, haben wir ganz schnell einen Arbeitskampf“, heißt es in einer NUJ-Mitteilung von Anfang Juni 2008. Berichte, nach denen Thomson-Reuters CEO Tom Glocer kurz nach Verkündung des Jobabbaus eine teure Yacht in Monaco charterte, um dort Kunden während des Formel-1-Rennens im Fürstentum zu bespaßen, heizten die Stimmung zusätzlich an.
Doch die Entwicklung im Geschäftsjahr 2008 scheint die Strategie von Thomson Reuters zu bestätigen: Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 13,4 Milliarden US-Dollar, der Operation Profit wuchs sogar um 19 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Und die Integration von Reuters in die gemeinsame Firma liegt gut im Kurs: CEO Tom Glocer konnte sich über deutlich höhere fusionsbedingte Einsparungen als geplant freuen, man habe das Ziel „eine gemeinsame Firma in nur einem Jahr zu werden“ beinahe geschafft, sagte Glowers bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2008. (Offiziell gilt der 17. April 2008 als Startschuss für die neue Firma Thomson-Reuters). Besonders erfolgreich waren in der Professionel Division die Bereiche Legal, Tax & Accounting und Scientific. In der Market-Division fielen die Steigerungen etwas niedriger aus, der Bereich rund um die Nachrichtenagentur Reuters stagnierte umsatzmäßig auf der 450 Millionen-Dollar-Marke, hier wirkten sich vor allem Anzeigenrückgänge im Bereich Professional Publishing zum Jahresende 2008 aus. Heftig, jedoch nicht ungeplant hoch, fielen die Kosten für die Integration der beiden Konzerne und die damit einhergehenden Restrukurierungsmaßnahmen aus. Dafür wurde die Prognose, wie viel das neue gemeinsame Unternehmen durch den Zusammenschluss spart nochmals kräftig angehoben: Nach jüngsten Konzernmitteilungen wird die Kostenreduzierung bis Ende 2011 jetzt auf mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr beziffert. Bislang war man von 750 Millionen Dollar ausgegangen. Einsparungen von 750 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2008 standen vereinigungsbedingte Kosten von rund 360 Millionen US-Dollar gegenüber.
Im Media-Bereich setzt Thomson Reuters derzeit klar auf weitere Diversifizierung: Im Dezember ging die Agentur eine strategische Allianz mit dem Capitol News Company-Ableger Politico, einem werbefinanzierten, crossmedialen Anbieter von Politikjournalismus aus Washington ein. Politico liefert Beiträge für das Internet, Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk über alle Bereiche der US-Bundespolitik und kann jetzt auch auf Reuters-Inhalte zurückgreifen. Damit könnte auch dem Trend begegnet werden, dass US-Medien in Zeiten knapper Kassen noch mehr als sonst auf internationale Nachrichten verzichten. Reuters hat seinerseits Politico-Beiträge in seine Dienste aufgenommen, man verfüge gemeinsam jetzt über mehr als 120 Journalisten, die aus Washington ständig über das Weiße Haus, sowie Senat und Repräsentantenhaus berichten, erklärte Christoph Pleitgen, der bei Reuters für das internationale Geschäft zuständig ist. Anders als bei den normalen Reuters-Diensten üblich, läuft das Politico-Geschäft aber nicht über ein festes Abonnement. Politico-Kunden räumen der Politico-Werbetochter vielmehr das Recht ein, Online-Werbung zu verkaufen. Die Einkünfte hieraus werden geteilt.
Im Februar 2009 führte Reuters zudem eine neue Management-Struktur für den Bereich Multimedia ein: Chefredakteur Chris Cramer steht damit allen fünf Abteilungen TV, Foto, Reuters Financial Video Service, Online und Nachrichtenagentur vor. Jede der fünf Abteilungen wird nun von eigenen Senior Editors vertreten.
Der Financial Video Service (FVS) richtet sich an Finanzkunden, ist derzeit noch in der Entwicklungsphase („pre-beta stage") und soll im Laufe des Jahres 2009 offiziell an den Start gehen. Als Distributionsmedium setzt Reuters aufs Hochgeschwindkeits-Internet (Broadband). Derzeit können FVS-Testkunden hier Live-Berichte von den Weltbörsen, Analysen und Finanznachrichten. Der Dienst soll als interaktiver Video Service weiter ausgebaut und um Live-Berichtenaus Reuters-Büros weltweit ergänzt werden. Neue Produktionsstudios wurden dafür in London und New York eingerichtet. „Unsere Kunden wollen unsere Informationen schneller und nicht mehr linear wie im klassichen Rundfunk, sondern auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten: Interaktiv und on-demand“, sagt Multimedia-Chef Cramer: Damit gehe man vom „Broadcasting“ zum „Narrowcasting“ über.
Für den Media-Bereich des Konzerns stehen auch die asiatischen Märkte weiter hoch im Kurs: Im März kündigte Reuters eine exklusive Partnerschaft mit der zu Indiens größtem Wirtschaftsmedienhaus gehörenden Times Global Broadcast Co Ltd. (TGBCL) an. TGBCL gehört die Economic Times, Indiens Financial-Times, sowie der TV-Nachrichtenkanal Times Now. Für den im Frühsommer startenden neuen Business-Kanal ET Now soll Reuters Finanznachrichten vor allem aus London, New York, Frankfurt/M., Tokio und Singapur liefern. Zum 1. April 2009 verstärkte Reuters zudem sein japanisches Agentur-Angebot. Der seit 24 Jahren bestehende japanisch-sprachige Nachrichtendienst „Reuters Scoop“ soll vor allem die Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung über Asien ausbauen. Dazu werde man auch mit Japans größter Nachrichtenagentur Kyodo zusammenarbeiten, kündigte Reuters Japan-Chef Mark Smith an. Geplant sind auch Multimedia-Angebote wie Blogs, Chats und Videos.
Anders als die meisten übrigen international operierenden Medienunternehmen hat Thomson Reuters für 2009 bislang keine allzu pessimistischen Szenarien in die Welt gesetzt: Auch für 2009 erwartet der Konzern Wachstum bei Umsatz und Gewinn. Allerdings dürfte die Umsatzrendite in etwa wie 2008 ausfallen und nicht signifikant steigen, so Reuters-Chef Tom Glocer bei der Präsentation des Jahresergebnisses 2008.
Ganz anders dürften das die „alten“ Reuters-Agenturmitarbeiter in London sehen: Hier droht aktuell mal wieder Streik, weil im Rahmen der Intergration mit den Thomson-Bereichen die Arbeistzeiten zu Ungunsten der alten Reuters-Regelungen angepasst werden sollen. Zudem gibt es nach Gewerkschaftsangaben große Unterschiede bei den Gehältern: „Manche Thomson-Mitarbeiter verdienen gerade einmal das, was bei Reuters ein Trainee bekommt“, zitierte der Guardian Barry Fitzpatrick von der National Union of Journalists (NUJ).
Für Thomson Reuters ging das 1. Quartal 2009 trotz der globalen Finanzkrise glimpflich aus: Der Umsatz stieg insgesamt leicht, ging aber rechnerisch aufgrund von Währungsschwankungen um rund drei Prozent von 3,228 auf 3,121 Mrd. US-Dollar zurück. Dank weiterhin spürbarer Ersparnisse aus der Integration der beiden Unternehmensteile Thomson und Reuters stieg der Gewinn um zwei Prozent von 576 auf 588 Mio. US-Dollar. „Dass wir trotz der schwierigen Marktbedingungen zulegen, zeugt von der Stärke unseres Geschäftsmodells“, sagte Thomson-Reuters-Vorstandschef Tom Glocer bei der Präsentation der Zahlen. Ein Jahr nach der Fusion der beiden Konzerne sei die Integration auf gutem Kurs und dem Zeitplan voraus. Kurzfristig sollen nun rigides Kostenmanagement und die Synergien im integrierten Konzern die Renditen in bestehender Höhe schützen. Langfristig rechne Thomson Reuters mit erneutem Wachstum im Markt, sagte Glocer, ohne konkrete Zeiträume zu nennen. „Manche Menschen reden davon, dass sie einen guten Krieg haben – wir haben eine gute Rezession“, zitierte der Londoner „Guardian“ Glocer. Allerdings sei die Talsohle noch nicht zu erkennen, doch aktuell sei die Stimmung im Markt wieder etwas besser.
Die Professional Division verbesserte sich im 1. Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent bei Umsatz und Gewinn (Umsatz 1,268 Mrd. US-Dollar, Gewinn 307 Mio. US-Dollar). Die wichtige Markets Division mit den bisherigen Reuters-Diensten stagnierte dagegen aufgrund der kriselnden Welt- und Finanzwirtschaft und verlor sieben Prozent beim Umsatz (1,854 Mrd. US-Dollar) vor Berücksichtigung von Währungseffekten, die für das rechnerische Ergebnis positiv ausfielen. Der Gewinn blieb mit 337 Mio. US-Dollar nur knapp unter dem Vorjahreswert (338 Mio. US-Dollar). Der eigentliche Media-Bereich mit dem Nachrichtenagenturbetrieb war Hauptverlierer der Markets Division, der Umsatz ging von 108 auf nur noch 89 Mio. US-Dollar zurück – ein Minus von 18 Prozent vor Berücksichtigung von Währungseffekten.
Im Markets-Bereich setzt der Konzern auf eine Verbesserung des Service-Angebots für Firmenkunden und versucht Marktnischen strategisch zu besetzen: Ende April wurde auf reuters.com zum „Earth Day“ eine „Green Business Community“ gestartet, in der sich Firmen zum Thema Grüne Produkte und Dienstleistungen sowie Nachhaltigkeit informieren und vernetzen können. Im Mai startet auf reuters.com eine ähnliche Community, die sich vor allem an Kleinunternehmen richtet.
Außerdem hat der Konzern Mitte Mai eigene – derzeit noch kostenlose - Applikationen für Apples iPhone und Blackberry-Handys vorgestellt, die die Dienste von Thomson Reuters fit für die mobile Welt machen sollen.
Die wesentlichste Veränderung von Thomson-Reuters steht aber erst für die zweite Jahreshälfte an: Anfang August sollen die Aktionäre der bislang noch parallel in London und Toronto an der Börse gelisteten Thomson Reuters plc (London) und Thomson Reuters Corporation (Toronto) einem ausschließlichen Listing in Toronto zustimmen. Die Thomson Reuters plc American Depository Shares sollen dabei im Verhältnis 1 zu 6 gegen Thomson Reuters Corporation Common Shares eingetauscht werden. Mit dem Abschied vom Status als so genannte Dual Listing Company (DLC) entfällt auch das separate Listing von Thomson Reuters im Nasdaq (New York). Hintergrund des Abschieds vom DLC-Statuts sind die dann nach Konzernangaben größere Liquidität sowie die dann deutlich vereinfachte Kapitalstruktur des Konzerns. „Kurz nach dem Zusammenschluss schien der DLC-Status der beste Weg, um die bisherigen Reuters-Aktionäre einzubinden“, erklärte CEO Tom Glocer zur Begründung. Seitdem habe sich die Aktionärsstruktur aber drastisch verändert; nur noch fünf Prozent der Aktionäre des Gesamtkonzerns seien in Großbritannien ansässig, so Glocer. Der Schritt bedeute aber keinen Abschied von London oder Europa: „Unsere Verpflichtung ihnen gegenüber bleibt so hoch wie immer“, sagte Glocer: „London ist mit die wichtigste Stadt der Welt für die Märkte, in denen wir unterwegs sind – und der Ort, wo mehr als 5.000 unserer Mitarbeiter leben und arbeiten.“ Die endgültige „Vereinigung“ der Aktienbestände soll, die Zustimmung aller Aktionäre vorausgesetzt, zum Ende des dritten Quartals 2009 erfolgen.
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15.06.09 / Thomson Reuters Corporation
Thomson Reuters verkauft dpa-AFX-Anteil
Der Informationsdienstleister Thomson Reuters hat seinen Anteil an der Nachrichtenagentur dpa-AFX an die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und die österreichische Austria Presse Agentur (APA) verkauft. Wie die Unternehmen mitteilten,...
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Thomson Reuters erzielt Gewinnzuwachs
Die Nachrichtenagentur Thomson Reuters konnte im vergangenen Quartal einen Umsatz- und Ergebnisanstieg verzeichnen. Der Gewinn stieg von 432 auf 656 Mio. US-Dollar. Dies teilte das Unternehmen am Dienstag in New York mit. Der...
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