11. Thomson Reuters Corporation
Umsatz 2009: $ 12,997 Mrd. (€ 9,318 Mrd.)
Überblick
Das kanadisch-britische Medienunternehmen ging 2007/2008 aus einer Fusion des Informationsdienstleisters Thomson mit der traditionsreichen britischen Nachrichtenagentur Reuters hervor und stieg so zum weltweit größten Anbieter von Spezialkommunikationsdiensten auf. Das Angebot richtet sich – wie beim Hauptkonkurrenten Bloomberg – in erster Linie an Geschäftskunden aus Wirtschaft und Finanzindustrie. Die Aktie wird an den Börsen von New York und Toronto gehandelt. Der Hauptsitz von Thomson Reuters befindet sich in New York direkt am Times Square.
Basisdaten
Hauptsitz:
Thomson Reuters Corporation
3 Times Square
New York, NY 10036
Tel: +1 646.223.4000
www.thomsonreuters.com
Gründungsjahr: 1851 (Gründung von Reuters); 1934 (Roy Thomson erwirbt seine
erste Zeitung); 2007/2008 (Fusion von Thomson und Reuters.)
2009 | 2008 | |
Umsatz (in Mio. $) | 12.997 | 13.441 |
Gewinn (Verlust) (in Mio. $) | 1.575 | 1.936 |
Beschäftigte | ca. 50.000 | k.A. |
2009 | 2008 | |
Legal | 3.586 | 3.531 |
Tax & Accounting | 1.006 | 861 |
Scientific | * | 604 |
Healthcare | 878 | 468 |
Sales & Trading | 3.550 | 3.828 |
Investment & Advisory | 2.304 | 2.371 |
Enterprise | 1.316 | 1.295 |
Media | 365 | 450 |
*2009 nicht mehr einzeln ausgewiesen
Tab. III: The Thomson Company: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
Umsatz
7.296
6.941
6.173
8.089
7.436
7.756
7.237
Gewinn (nach Steuern)
1.297
1.258
1.127
1.341
1.174
1.124
836
Beschäftigte
k.A.
32.375
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
* Operating Profit
2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz | 2.605 | 2.566 | 2.409 | 2.885 | 3.235 | 3.575 | 3.885 |
Gewinn (Verlust) vor Steuern | 292 | 305 | 238 | 198 | 130 | (144) | 302 |
Beschäftigte | 16.302 | k.A. | 14.500 | 16.744 | 17.414 | 19.429 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung:
- Thomas H. Glocer – Chief Executive Officer
- Gustav Carlson – Executive Vice President & Chief Marketing Officer
- David Craig – Executive Vice President & Chief Strategy Officer
- Robert D. Daleo – Executive Vice President & Chief Financial Officer
- Stephen Dando– Executive Vice President & Chief Human Ressources Officer
- James Powell – Executive Vice President & Chief Technology Officer
- Deidre Stanley – Executive Vice President & General Counsel
Professional Division:
- James C. Smith – Chief Executive Officer, Professional Division
- Mike Boswood – Chief Executive Officer, Healthcare & Science
- Roy Martin – Chief Executive Officer, Tax & Accounting
- Peter Warwick – Chief Executive Officer, Legal
Markets Division:
- Devin Wenig – Chief Executive Officer, Markets Division
- Chris Aheam – President, Reuters Media
- Eric Frank – President, Investment & Advisory
- Mark Redwood – President, Sales & Trading
- Jon Robson – President, Enterprise
Board of Directors:
- David Thomson (Chairman)
- W. Geoffrey Beattie (Deputy Chairman)
- Niall FitzGerald, KBE (Deputy Chairman)
- Thomas H. Glocer
- Manvinder S. Banga
- Mary Cirillo
- Steven A. Denning
- Lawton Fitt
- Roger L. Martin
- Sir Deryck Maughan
- Ken Olisa
- Vance K. Opperman
- John M. Thompson
- Peter J. Thomson
- John A. Tory
Geschichte und Profil
Thomson Reuters ist 2007 aus der Fusion des kanadischen Medienunternehmens Thomson mit der 1851 gegründeten britischen Nachrichtenagentur Reuters hervorgegangen.
Der Grundstein für das Unternehmen Thomson wurde über 80 Jahre nach der Gründung der Agentur Reuters gelegt: 1934 kaufte der Kanadier Roy Thomson (1894–1976) seine erste Zeitung, die „Timmins Press“ aus Ontario und baute in den folgenden Jahrzehnten das größte Zeitungsimperium Kanadas auf. In den 50er Jahren begann er, sich im Ausland nach Betätigungsfeldern umzusehen, und wurde in Großbritannien, seiner neuen Wahlheimat, fündig. 1959 erwarb er den Zeitungsverlag Kemsley Group, zu der die einflussreiche Regionalzeitung „The Scotsman“ gehörte. 1967 folgte die Akquise des Kronjuwels der britischen Zeitungslandschaft, der Londoner Tageszeitung „The Times“. Die 70er Jahre waren von einem Ausflug des Unternehmens ins Ölbusiness geprägt. Thomson beteiligte sich an der Erschließung eines Ölfelds in der Nordsee. Zu dieser Zeit übernahm auch Thomson-Sohn Kenneth (1923–2006) die Leitung der Gesellschaft. Zu Beginn der 80er Jahre wandte man sich schließlich dem Segment des Informationshandels zu und baute die Aktivitäten in den folgenden Jahren durch Zukäufe kontinuierlich aus. Durch den Erwerb von Anbietern spezialisierter Informationen in den Bereichen Recht, Gesundheit, Wissenschaft und Finanzen sowie von Datenbank-Firmen entstand sukzessive ein neues Firmenprofil. Das Engagement bei verschiedenen britischen Zeitungen wurde 1995 beendet. Die „Times“, war bereits 1981 an Murdochs News International Ltd. verkauft worden. Seit 2002 kooperierte Thomson mit der Investmentbank Merrill Lynch, deren Büros 2005 mit 23.000 Workstations ausgestattet wurden. 2007 legte Thomson ein freundliches Übernahmeangebot für die Nachrichtenagentur Reuters in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (ca. 13 Milliarden Euro) vor.
Fusionspartner Reuters, eine der wichtigsten Nachrichtenagenturen der Welt, blickte zum Zeitpunkt der Fusion auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück. Allerdings wurden inzwischen weniger als zehn Prozent des Umsatzes mit klassischen Nachrichten generiert. Institutionelle Kunden aus dem Finanzsektor, die über spezielle Terminals mit Finanzdaten beliefert werden, machten den Großteil des Geschäfts aus. Reuters’ Historie hatte kurios begonnen: Der Deutsche Paul Julius Reuter (1816-1899) nutzte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Lücke im Telegrafennetz zwischen Aachen und Brüssel, um mit Hilfe von Brieftauben Informationen zu versenden. Als die Telegrafenleitung fertig gestellt worden war, eröffnete Reuter 1851 ein Büro in London und betrieb seinen Informationshandel von dort aus über das Calais-Dover-Unterseekabel. In den folgenden Jahrzehnten expandierte Reuters und belieferte britische Zeitungen mit Nachrichten. Zunächst aus Büros in ganz Europa, später aus aller Welt. So wurde 1872, nachdem die Öffnung des Landes erzwungen worden war, ein Büro in Japan eingeweiht. Während der beiden Weltkriege wurden die Reuters–Berichte von der britischen Regierung zensiert, woraufhin die Eigentümer 1941 den Reuters–Trust konstituieren. Dieser sollte die Unabhängigkeit der Agentur sicherstellen. Die Grundsätze des Trusts untersagten Beteiligungen von über 15 Prozent. Außerdem hielt die Reuters Founders Share Company Ltd. seit dem Börsengang von 1984 eine „Goldene Aktie“, mit der ein Vetorecht bei Entscheidungen der Hauptversammlung verbunden war. Mit diesen Prinzipien sollte die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit von Reuters gesichert werden. Reuters konnte seine Position auf dem internationalen Nachrichtenmarkt in der Vergangenheit auch durch eine frühe Adaption neuer Technologien ausbauen. Ab 1923 erfolgte die Nachrichtenübermittlung per Funk, ab 1961 per Satellit und ab 1971 per Computerverbindung. In den 90er Jahren expandierte Reuters stark – eine Strategie, die nach Ende des dot.com-Booms zu Beginn des neuen Jahrhunderts indes Probleme verursachte. Das Angebot war zu unübersichtlich geworden; die Kunden kündigten reihenweise die als unflexibel geltenden Reuters-Terminals. Vor diesem Hintergrund übernahm 2001 Tom Glocer den Chefposten von Peter Job. In den folgenden Jahren gelang es ihm, das Unternehmen neu aufzustellen und in die Erfolgsspur zurückzuführen. Nicht zuletzt setzte er dabei auf drastische Sparmaßnahmen.
Seit April 2008 ist die Fusion der Thomson Corporation und Reuters zum weltweit größten Informationsdienstleister Realität, nachdem zwei außerordentliche Hauptversammlungen der Aktionäre in Kanada und London ihren Segen erteilt hatten. Analysten zufolge ergänzen sich beide Unternehmen gut. Im Zuge des Zusammenschlusses ist die Familie Thomson über ihren Investmentarm Woodbridge im Besitz von 53% der Aktien. Dies hatte eine Änderung der Reuters–Grundsätze erforderlich gemacht, da diese bis dahin einzelnen Reuters–Aktionären einen maximalen Anteil von 15% der emittierten Aktien gestatteten. Im Gegenzug für die Satzungsänderung gelten die Unabhängigkeitsprinzipien des Reuters Trusts (heute: Thomson Reuters Trust) nun für das gesamte neue Unternehmen.
Die aus der Reuters Founders Share Company hervorgegangene Thomson Reuters Founders Share Company, die über die Einhaltung der Prinzipien des Trusts zur Sicherung der Unabhängigkeit des Unternehmens wacht, verfügt mittels der so genannten „Goldene Aktie“ wie ihre Vorgängerin über ein Vetorecht bei Übernahmeversuchen. Die Einhaltung der Trust–Prinzipien wie etwa Überparteilichkeit, Integrität, Unabhängigkeit und Freiheit wird von einem Direktorengremium wahrgenommen, dem zwischen 14 und 18 Honoratioren angehören. Zuletzt wurde 2009 Pascal Lamy berufen, der Chef der Welthandelsorganisation.
Management
Tom Glocer, Jahrgang 1959, hat 2001 als erster Amerikaner das Ruder von Reuters übernommen und steht nach der Fusion mit Thomson im Jahr 2007 an der Spitze des neu entstandenen Konzerns Thomson Reuters.
Als Glocer 2001 die Führung von Reuters übernahm, erwirtschaftete das Unternehmen zwar Gewinne, man verlor jedoch zunehmend Marktanteile an Wettbewerber Bloomberg. Die Marke Reuters war zudem in den Vereinigten Staaten wenig bekannt und mit dem New-Economy-Crash geriet man zum ersten Mal seit dem Börsengang 1984 in die Verlustzone. In der Folgezeit konnte sich Glocer als harter Sanierer profilieren. Die Unternehmensführung gab Pläne bekannt, 1600 Stellen zu streichen und innerhalb von zwei Jahren eine halbe Milliarde Euro zu sparen. Außerdem sollten die teuren Terminals, die Reuters an seine Kunden verpachtete, mit internetbasierten Angeboten ergänzt werden, so wie es von Bloomberg vorgemacht worden war. An anderer Stelle ging Glocer indes einen anderen Weg als der mächtige Konkurrent aus New York: Der unprofitable Fernsehsender Reuters Financial TV wurde 2002 eingestellt, während Bloomberg–TV weitersendet. Das klassische Geschäftsfeld des Agenturjournalismus wurde mit diesen Managemententscheidungen weiter marginalisiert, blieb aber wichtig fürs Renommee. „Das klassische Mediengeschäft ist das historische Herz des Unternehmens,“ so Glocer. Es unterstreiche die Glaubwürdigkeit und stütze Reuters’ Marktposition. Auf Widerstand bei den angestellten Journalisten stieß Glocer, als er ankündigte, aus Kostengründen die kundengerechte Aufarbeitung der gesammelten Finanzdaten ins indische Bangalore zu verlagern. Tom Glocer ist der erste Nicht-Journalist im Reuters–Chefsessel.
Glocers Counterpart bei der Fusion, Thomson–CEO Harrington, hatte seit 1982 für Thomson gearbeitet und wurde 1997 zu einer Zeit Geschäftsführer, als das Internet noch nicht die Branche auf den Kopf gestellt hatte. Harrington baute den Konzern, dessen Kern seit jeher Zeitungsbeteiligungen gebildet hatten, radikal um – weg von Print hin zu elektronischen Informationsdiensten und Datenbanksystemen. Ziel war ein schlankes und fokussiertes Unternehmen. Sparten wurden abgestoßen, wenn sie nicht mehr ins Konzept passten. Paradebeispiel ist der Verkauf der Tourismussparte Thomson Travel im Jahr 1998. Innerhalb von sechs Jahren verkaufte Harrington über 60 Tochterfirmen und 130 Zeitungen. Da die meisten Tochterfirmen in den damaligen Spitzenzeiten des New-Economy-Booms hoch profitabel arbeiteten, war die Liquidität des Konzerns nach den Verkäufen äußerst hoch. Die Erlöse wurden zunächst zur Akquise von über 200 Spezialinformationsfirmen aus den Bereichen Recht, Steuern und Buchführung, Bildung, Finanzen, Wissenschaft und Gesundheitswesen genutzt, dann wurde ein Übernahmeangebot für Reuters auf den Tisch gelegt. Harrington wechselte 2008 an die Spitze der Reuters Foundation.
CEO Tom Glocer präsentierte sich schon vor der endgültigen Fusionsgenehmigung zu Beginn des Jahres 2008 angesichts der Integrationsherausforderung zuversichtlich: Der neue Konzern werde keinesfalls das Schicksal anderer wenig erfolgreicher Medien-Zusammenschlüsse wie AOL-Time-Warner oder CBS-Viacom teilen, sagte der künftige Konzernchef vor der Presse. „Ich sehe das ganze auch gar nicht als Mega-Medien-Merger, es ist eine Kombination von zwei Unternehmen, die ohnehin schon in derselben Branche unterwegs sind.“
Bei Bekanntgabe der Fusionsabsicht schätzte man in der Branche die durch den Zusammenschluss möglichen Einsparungen auf 500 Millionen US-Dollar bis 2011. Mittlerweile wurde die Prognose auf das ehrgeizige Ziel von 750 Millionen US-Dollar erhöht. Dass ein Jobabbau unvermeidlich sein würde, hatte Glocer bereits vor dem Vollzug der Fusion erklärt und damit Streikdrohungen der britischen Journalistengewerkschaft NUJ ausgelöst.. Da die Fluktuation pro Jahr aber ohnehin rund zehn Prozent der Mitarbeiter ausmache – für Thomson Reuters rund 5.000 Stellen – hoffe er, „das meiste auf diese natürlich Weise“ erreichen zu können. Im Mai 2008 ließ der Manager die Katze schließlich aus dem Sack: Nachdem es zunächst hieß, Reuters News und die Agenturdienste seien vom Jobabbau nicht direkt betroffen, da in erster Linie Doppelstrukturen im Finanzinformationsbereich auf der Liste stünden, sollten nun doch rund 140 Journalisten bis Ende 2008 ihren Hut nehmen, das entspricht fünf Prozent der 2.800 Beschäftigten. Konzernweit sollen in einem ersten Schritt insgesamt 650 Stellen abgebaut werden, dabei sind bis zu 250 Kündigungen vorgesehen. Nach Ankündigungen von Reuters News Chef David Schlesinger soll die Zahl der Mitarbeiter des neuen, fusionierten Reuters News-Bereichs 2.500 betragen. „Mehr als die Hälfte des Stellenabbaus wird in Europa stattfinden müssen, wo sich die bisherigen Angebote von Reuters und Thomson am meisten überschneiden“, schrieb Schlesinger laut Guardian per E-Mail an die Mitarbeiter.
Im Februar 2009 führte Reuters eine neue Management-Struktur für den Bereich Multimedia ein: Chefredakteur Chris Cramer steht damit allen fünf Abteilungen TV, Foto, Reuters Financial Video Service, Online und Nachrichtenagentur vor. Jede der fünf Abteilungen wird nun von eigenen Senior Editors vertreten.
Geschäftsfelder
Die Geschäftsbereiche sind zwei übergeordneten Abteilungen zugeordnet: „Professional“ und „Markets“. Organisatorisch sind diese wiederum in sechs Sparten gegliedert: „Sales & Trading“, „Enterprise“, „Legal“, „Healthcare & Science“, „Investment & Advisory“, „Tax & Accounting“ sowie „Media“.
Die Produktpalette der fünf Thomson-Angebotsbereiche wurde im Zuge der Fusion um das Ressort Medien erweitert. Damit bestehen die Bereiche:
- Finanzen: Produkte aus dem Bereich Finanzen umfassen Informationsangebote für Investoren mit aufbereiteten Wirtschafts- und Finanzdaten aus aller Welt.
- Recht: Dieser Bereich bietet eine große Bandbreite an Dienstleistungen wie Datenbanken und Softwarelösungen für den juristischen Bereich, etwa für Kanzleien, Rechtsabteilungen in Unternehmen sowie für Verwaltung, Fachbibliotheken und Institute.
- Gesundheitswesen: Der Bereich „Healthcare“ bietet Datenbanken und Software für Krankenhäuser, Klinikverwaltungen sowie für die Pharma- und Biotechnologiebranche an.
- Wissenschaft: Die Produkte der Abteilung „Science“ versorgen staatliche, private und universitäre Forschungsinstitute mit Berichten über aktuelle Entwicklungen im jeweiligen Wissenschaftsfeld, beispielsweise durch Zeitschriftendatenbanken.
- Steuern und Buchführung: Der Bereich „Tax & Accounting“ ist ein Anbieter von technologischen Produkten und Informationsdiensten, der sich an Beschäftigte im Steuer- und Buchführungsbereich richtet. Softwarelösungen und Informationsdienste werden Buchführungsagenturen, Kanzleien, Banken und Verwaltung angeboten.
- Medien: Im Bereich „Media“ ist die Reuters Nachrichtenagentur angesiedelt. Reuters-Dienste umfassen Nachrichtenticker, Videos, Bilder, Grafiken sowie speziell für Online-Medien aufbereitete Angebote. Finanznachrichten bilden eine eigene Sparte.
Aktuelle Entwicklungen
Der Zusammenschluss der zwei Unternehmen war 2007/2008 nicht unumstritten: Der neue Konzern werde zusammen mit Bloomberg zwei Drittel des Marktes kontrollieren, so das Argument – es entstehe ein Duopol. Überraschenderweise fiel die seit Oktober 2007 laufende Prüfung durch die EU-Kommission als zuständige Kartellbehörde für Europa trotz solcher „erheblicher Bedenken“ milde aus. Den beiden beteiligten Unternehmen gelang es, den Großteil dieser Bedenken zu zerstreuen, und sowohl die Europäische Kommission wie das zuständige US Justizministerium und das Canadian Competition Bureau erteilten schon im Februar 2008 eine vorläufige, mit Auflagen bewehrte Genehmigung. Dabei sind beide Konzerne nach Brancheneinschätzung günstig davon gekommen: Die Wettbewerbshüter hätten sich lediglich auf vier relativ kleine Bereiche konzentriert, wo die Angebote von Reuters und Thomson schon heute identisch seien, schrieb beispielsweise die Financial Times.
Wesentliches Zugeständnis des neuen Konzerns war der Verkauf diverser Datenbanken an Mitbewerber. Thomson hat sich verpflichtet, eine Kopie seiner Thomson Fundamentals (Worldscope) Datenbank zu verkaufen. Reuters muss analog jeweils Kopien der Datenbanken Reuters Estimates, Reuters Aftermarket Research und Reuters Economics (EcoWin) auf dem Markt anbieten. Dieser „Verlust“ dürfte leicht zu verschmerzen sein, denn der Umsatz der vier Bereiche liegt zusammen bei gerade einmal 25 Millionen US-Dollar – was für den künftigen 13-Milliarden-Dollar Umsatz-Koloss gut zu verkraften gewesen sein dürfte. Der seinerzeit designierte CEO äußerte sich dementsprechend zufrieden: „Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich“, sagte Tom Glocer laut Financial Times.
Für den Media-Bereich des Konzerns stehen derweil auch die asiatischen Märkte weiter hoch im Kurs: Im März 2009 kündigte Reuters eine exklusive Partnerschaft mit der zu Indiens größtem Wirtschaftsmedienhaus gehörenden Times Global Broadcast Co Ltd. (TGBCL) an. TGBCL gehört die Economic Times, Indiens Financial-Times, sowie der TV-Nachrichtenkanal „Times Now“. Für den im Frühsommer 2009 startenden neuen Business-Kanal „ET Now“ soll Reuters Finanznachrichten vor allem aus London, New York, Frankfurt am Main, Tokio und Singapur liefern. Zum 1. April 2009 verstärkte Reuters zudem sein japanisches Agentur-Angebot. Der seit 24 Jahren bestehende japanisch-sprachige Nachrichtendienst „Reuters Scoop“ soll vor allem die Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung über Asien ausbauen. Dazu werde man auch mit Japans größter Nachrichtenagentur Kyodo zusammenarbeiten, kündigte Reuters Japan-Chef Mark Smith an. Geplant sind auch Multimedia-Angebote wie Blogs, Chats und Videos.
Eine wesentliche Veränderung für Thomson Reuters ist im September 2009 umgesetzt worden, nachdem die Aktionäre der bislang noch parallel in London und Toronto an der Börse gelisteten Thomson Reuters plc (London) und Thomson Reuters Corporation (Toronto) einem ausschließlichen Listing in Toronto zugestimmt hatten. Mit dem Abschied vom Status als so genannte Dual Listing Company (DLC) ist auch das separate Listing von Thomson Reuters im Nasdaq (New York) weggefallen. Motive des Abschieds vom DLC-Statuts sind die dann nach Konzernangaben größere Liquidität sowie die dann deutlich vereinfachte Kapitalstruktur des Konzerns. „Kurz nach dem Zusammenschluss schien der DLC-Status der beste Weg, um die bisherigen Reuters-Aktionäre einzubinden“, erklärte CEO Tom Glocer zur Begründung. Seitdem habe sich die Aktionärsstruktur aber drastisch verändert; nur noch fünf Prozent der Aktionäre des Gesamtkonzerns seien in Großbritannien ansässig, so Glocer. Der Schritt bedeute aber keinen Abschied von London oder Europa: „Unsere Verpflichtung ihnen gegenüber bleibt so hoch wie immer“, sagte Glocer. „London ist mit die wichtigste Stadt der Welt für die Märkte, in denen wir unterwegs sind – und der Ort, wo mehr als 5.000 unserer Mitarbeiter leben und arbeiten.“
Trotz der andauernden Finanzkrise, die etliche der Thomson-Reuters-Kunden aus der Finanzbranche getroffen hat, lagen Umsatz und Gewinn 2009 nur moderat unter dem Vorjahresniveau. Der Konzern erwirtschaftete dabei 59 Prozent seines Umsatzes in Nord- und Südamerika. Lediglich 10 Prozent des Gesamtumsatzes werden durch Printprodukte generiert. Vor diesem Hintergrund nahmen in der ersten Jahreshälfte 2010 Pläne Gestalt an, einen sogenannten Financial Video Service zu starten. Dafür waren in London und New York neue Produktionsstudios eingerichtet worden. „Unsere Kunden wollen unsere Informationen schneller und nicht mehr linear wie im klassischen Rundfunk, sondern auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten: Interaktiv und on-demand“, erklärte Multimedia-Chef Cramer. Damit gehe man vom „Broadcasting“ zum „Narrowcasting“ über. Für monatlich 2.000 US-Dollar können Abonnenten seit Mai 2010 den Online-Videodienst „Reuters Insider“ nutzen, eine Art „YouTube für am Finanzmarkt Interessierte,“ wie die New York Times kommentierte. Kunden können sich Videos mit aufbereiteten Informationen abrufen, diese nach Schlagworten durchsuchen und sich so ihr personalisiertes Angebot zusammenstellen. Mit diesem Internet- und Abonnentenbasierten Modell verfolgt Thomson Reuters, das auch mit dem crossmedialen Politiknachrichtendienst „Politico.com“ kooperiert, eine andere Strategie als Wettbewerber Bloomberg, der weiter auf klassische Massenmedien setzt, was jüngst durch den Kauf des Magazins „BusinessWeek“ illustriert wurde.
Links
» Allgemeine Informationen (Englisch)
» Aktueller Geschäftsbericht
» Manager-Magazin: (9. Oktober 2007): „Reuters-Übernahme: Erhebliche Bedenken“
News
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- Charter Comm. Inc.
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Virgin Media Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Mediaset SpA
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- Wolters Kluwer nv
- The Washington Post Company
- Grupo PRISA
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Globo Communicação e Participações S.A.
- The Hearst Corporation
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- ProSiebenSat.1
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- Quebecor Inc.
- TF1 S.A.
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