25. The McGraw-Hill Comp. Inc.
Umsatz 2010: $ 6,168 Mrd. (€ 4,653 Mrd.)
Überblick
McGraw-Hill Companies, Inc. ist ein Medienunternehmen aus den Vereinigten Staaten, dessen Firmenhauptsitz sich in New York befindet. Das Unternehmen gehört zu den 500 größten, börsennotierten US-amerikanischen Firmen und ist deshalb im S&P 500 gelistet.
McGraw-Hill Companies publiziert Medien in den Bereichen Bildung, Fernsehen, Finanzen und Wirtschaft und gibt in diesen Bereichen zahlreiche Fach- und Lehrbücher sowie Magazine heraus. Zum Unternehmen gehört die Tochterfirma Standard & Poor's und J.D. Power and Associates.
Basisdaten
Hauptsitz: 1221 Ave. of the Americas New York, NY 10020-1095
Tel: 001 (212) 904-2000
Fax: 001 (212) 512 3840
Internet: www.mcgraw-hill.com
Branche: Fachverlage, Finanzdienstleister, TV-Sender, Marketing, Rating-Agenturen
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1888 (1909)
2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | |
Umsatz (in Mio. US-Dollar) | 6.168 | 5.951 | 6.355 | 6.772 | 6.225 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. US-Dollar) | 828 | 730 | 799 | 1.013 | 882,2 |
Aktienkurs (in US-Dollar, Jahresende) | 36,41 | 33,51 | 23,19 | 43,81 | 68,02 |
Dividende (in US-Dollar) | 0,94 | 0,90 | 0,88 | 0,82 | 0,73 |
Beschäftigte | 20.755 | 21.077 | 12.649 | 21.171 | 20.214 |
2010 | 2009 | 2008 | |
Information and Media Services | 907,5 | 953,8 | 1.061 |
Financial Services | 1.188 | 1.121 | 1.113 |
Education | 2.433 | 2.387 | 2.638 |
2010 | 2009 | 2008 | |
Information and Media Services | 160,4 | 92,6 | 92,0 |
Financial Services | 314,9 | 301,9 | 321,1 |
Education | 363,4 | 276,0 | 321,3 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung / Vorstand:
- Harold McGraw III, Chairman, President und CEO
- Jack F. Callahan Jr., Executive Vice President, CFO
- John Berisford, Executive Vice President, Human Resources
- D. Edward (Ted) Smyth, Executive Vice President, Corporate Affairs
- Kenneth M. Vittor, Executive Vice President und General Counsel (Justiziar)
- Charles L. Teschner, Jr., Executive Vice President, Global Strategy
- Douglas Peterson, President, Standard & Poor's
- Robert J. Bahash, President, McGraw-Hill Education
- Glenn S. Goldberg, President, Information and Media
- Lou Eccleston, President, Mc-Graw-Hill Financial
Board of Directors:
- Pedro Aspe, Evercore Partners
- Winfried Bischoff, Lloyds Banking Group
- Douglas N. Daft, The Coca-Cola Company
- William D. Green, Accenture
- Linda Koch Lorimer, Yale University
- Harold McGraw III, McGraw-Hill
- Robert P. McGraw, Averdale Holdings
- Hilda Ochoa-Brillembourg, Strategic Investment Group
- Michael Rake, BT Group
- Edward B. Rust, Jr., State Farm Insurance Companies
- Kurt L. Schmoke, Howard University School of Law
- Sidney Taurel, Eli Lilly and Company
- Harold McGraw, Jr., McGraw-Hill
Besitzverhältnisse: Barclays Bank Plc (6,4%), Goldman Sachs Group Inc. (5,73%), Sarofim (4,07%, Rest Streubesitz.
Geschichte und Profil
Die Geschichte von McGraw-Hill beginnt auf dem Höhepunkt des Eisenbahnzeitalters. 1888 hatte James H. McGraw das „American Journal of Railway Appliances“ gekauft und wenig später John A. Hill, damals Redakteur beim „Locomotive Engineer“, kennengelernt. Beide bauten nach und nach eigene Verlage für Ingenieur-Zeitschriften und ein entsprechendes Buchprogramm auf. 1909 legten sie ihre Buchsparten zusammen, nach dem Tod von John A. Hill wurden 1917 auch die anderen Unternehmensbereiche in einer Firma zusammengefasst. McGraw-Hill war geboren. 1929 erfolgte der Börsengang und die Gründung des Wirtschaftsmagazins „Business Week“. Über die Jahre kamen mehr und mehr Fachzeitschriften aus Bereichen wie Industrie, Verkehr oder Gesundheit dazu.
Nach dem 2. Weltkrieg weitete McGraw-Hill vor allem das Lehrbuch-Segment aus. Neben den etablierten Reihen für College-Studenten wurden jetzt auch Schulbücher für Grund- und weiterführende Schulen aus allen Unterrichtsbereichen produziert. 1966 stieg McGraw-Hill mit dem Kauf der Rating-Agentur Standard & Poor’s in den Bereich der Business-Information und Analyse ein.
Peinlich wurde für den Konzern das Jahr 1970. Ein damals unbekannter Autor hatte einem der McGraw-Hill-Buchverlage eine Biographie des angeblich im Sterben liegenden, exzentrisch-zurückgezogen lebenden Milliardärs Howard Hughes angeboten, die sogar von diesem autorisiert sei. Doch das Buch war eine Fälschung, Hughes erschien aus der Versenkung und klagte gegen den Autor, der zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.
1972 expandierte das Unternehmen erstmals Richtung elektronische Medien und erwarb TV-Stationen u.a. in San Diego, Indianapolis und Denver. Eine schleppende Geschäftsentwicklung insgesamt und dagegen überdurchschnittlich gute Ergebnisse bei Standard & Poor’s führten 1979 zu einem – allerdings erfolglosen – Übernahmeversuch durch American Express. 1980 überstiegen die Umsätze erstmals die Grenze von einer Milliarde US-Dollar. 1995 wurde das Unternehmen in die heute bestehenden drei Geschäftsbereiche Education, Financial Services und Information & Media Services umstrukturiert, 1996 lag der Umsatz bei über drei Mrd. US-Dollar. Nach einem „familienfremden“ Interregnum von 1988-1998 führt mit Harold McGraw III nun wieder der Nachkomme eines Firmengründers das Verlagsimperium.
Management
„The Mc Graw Hill Companies liefern die entscheidenden Informationen und Kenntnisse, die es Menschen, Unternehmen und der Gesellschaft ermöglichen, ihr Potenzial auszuschöpfen. Sie teilen dabei ein gemeinsames Ziel: Sich den Anforderungen einer sich ständig verändernden globalen Welt anzupassen und das Wachstum der Wirtschaft zu fördern“, heißt es etwas schwülstig im „Mission Statement“ des Konzerns. Mit dem Wachstum meint McGraw-Hill vor allem sich selbst. Im knallharten Geschäft der Wissenschafts- und Fachmedienbranche konkurriert man mit Reed Elsevier und Pearson um die Spitze.
Bei der Anpassung an die sich veränderte globale Welt musste auch McGraw-Hill Lehrgeld zahlen: Vor allem in den Bereichen Informationen und Media Services gingen durch die weltweite Medien- und Werbekrise Umsatz und Gewinne zum Teil empfindlich zurück. 2001 kam es – für McGraw-Hill bis dahin eigentlich so gut wie undenkbar – zu einer Gewinnwarnung. Obwohl der Konzern nach Medienberichten ohnehin schon das am höchsten bezahlte Management aller US-Medienunternehmen hat – CEO Harold McGraw erhielt neben 1,116 Mio. $ Gehalt noch 1,764 Mio. $ Bonus-Zahlungen, weiter zwei Mio. $ als „langfristige Kompensation“ sowie Aktiensonderzuteilungen (Restricted Performance Shareholding) im Wert von knapp vier Mio. $ – sorgt seit 2005 ein neuer „Performance Bonus Plan“ für noch mehr Möglichkeiten, dem Management leistungsabhängige Sondervergütungen zukommen zu lassen.
Geschäftsbereiche
Informations- and Mediendienste/Information and Media Services: Der Bereich bündelt die Fach- und Publikumsmedien des Konzerns.
Aviation Week Group: Fachmagazine („Aviation Week“ u.a.) rund um Flugverkehr und Luftfahrtindustrie, Branchendienste, Datenbanken, Bücher, Messen und Konferenzen.
Business Week Group (seit 2009 in der Hand von Bloomberg L.P.): „Business Week”, Online-Angebote, Business-Week-TV.
Im Bereich Informationsdienste profitiert der Konzern von der Akquisition der J.D. Powers Gruppe. Beim Flaggschiff Business Week, das seit 2000 mit eigenen landessprachlichen Ausgaben für China, Polen, Indonesien und die arabischen Staaten aggressiv auf internationale Expansion gesetzt hatte, läuteten 2006 dagegen die Alarmglocken. 2006 mussten Abstriche bei der Auflage hingenommen werden, die eigenen Print-Ausgaben für Asien und Europa wurden eingestellt. Die Probleme bei der Business Week hatten personelle Konsequenzen: Im April 2007 löste Keith Fox den glücklosen William Kupper als Präsident des Wirtschaftsmagazins ab, nachdem die Anzeigenpreise in zwei aufeinander folgenden Jahren gesunken waren.
Besser verläuft dafür die Entwicklung der Internet-Plattform BusinessWeek-Online.
2009 wurde das Business Magazine vom US-amerikanischen Finanzinformationsdienstleister Bloomberg L.P übernommen.
Broadcasting Group: KMGH-TV (Denver), KGTV (San Diego), KERO-TV (Bakersfield), WRTV (Indianapolis) – alle Sender sind dem ABC-Network (Walt Disney) angeschlossen. Sorgen bereiten Anfang 2007 Anzeigenrückgänge im TV-Werbemarkt, die den Umsatz um fast ein Fünftel auf nur noch 23,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2007 drücken. Auch diese Aussichten sind schlecht: Die MCGrawHill-Stationen haben die Ausstrahlungsrechte für den Superbowl verloren, außerdem überträgt das Unternehmen die erfolgreiche Oprah Winfrey Show nicht mehr landesweit.
Healthcare Information Group: The Physician and Sports Medicine, Postgraduate Medicine Healthcare Informatics, Healthcare Information Programs. Platts: Fachinformationen für die Energiebranche. McGraw Hill Construction: Fachinformationen für die Baubranche. J.D. Power & Associates (seit 2005): Marketing-Informationen, Verbraucherbefragung, Studien vor allem in der Automobilindustrie.
Finanzdienstleistungen/Financial Services: Der Bereich läuft heute vollständig unter der Dachmarke Standard & Poor’s. Angebot: Aktien- und Unternehmensratings (S&P 1200, S&P 500), allgemeine Finanz- und Unternehmensdaten, Unternehmensberatung. McGraw-Hill profitiert stark von der rasanten Entwicklung bei Standard & Poor’s. Der Financial Services Bereich hat seit 2001 bis 2005 seinen Umsatz um knapp 700 Mio. $ gesteigert und den Operating Profit beinahe verdoppelt.
Bildung/McGraw Hill Education: McGraw Hill Education umfasst Schul-, Lehr- und Fachbuchverlage für alle Altersstufen von der Vorschule bis zur Universität. Die Marken sind u.a.: CTB/McGraw-Hill, Macmillan/McGraw-Hill, McGraw-Hill Contemporary, McGraw-Hill Digital Learning, McGraw-Hill Higher Education, McGraw-Hill Professional, McGraw-Hill Custom Publishing (Books-On-Demand-Verlag für Kleinauflagen und Selbstverleger),Wright Group/McGraw-Hill (produziert das „Everday Mathematics“-Programm, das von über drei Millionen Schülern in 185.000 Klassenräumen in den Vereinigten Staaten genutzt wird). Folgende internationale Beteiligungen bestehen: McGraw-Hill/Ryerson (Kanada), Tata/McGraw-Hill (Indien), McGraw-Hill Interamericana (Südamerika), Open University Press (Großbritannien).
Wegen des in den USA üblichen „adoption cycle“ – das Gros der US-Bundesstaaten entscheidet turnusmäßig alle zwei bis drei Jahre über die Anschaffung neuer Schulbücher – fielen hier 2005 Umsatz und Rendite deutlich höher aus als in den beiden Jahren zuvor. Im Education-Markt kann McGraw-Hill durch Zukäufe in den USA aufgrund seiner Größe allerdings kaum noch wachsen. Als 2003 aus der Erbmasse von Vivendi Universal deren Fachverlagssparte Houghton Mifflin (Jahresumsatz knapp 2 Mrd. $) zum Verkauf stand, winkte McGraw-Hill ab, weil die Wettbewerbsaufsicht einer solchen Elefantenhochzeit niemals zugestimmt hätte.
Aktivitäten in Deutschland
McGrawHill bietet diverse Dienstleistungen auch in Deutschland an, verfügt aber über keine eigenen deutschen Tochterunternehmen.
Aktuelle Entwicklungen
"An 2008 wird man sich lange als eines der schwierigsten Jahre für unser Land, unsere Wirtschaft – und unser Unternehmen erinnern“, schreibt Harold McGraw im Anfang 2009 erschienen Jahresbericht: Der Umsatz ging um 6,2 Prozent auf rund 6,36 Milliarden US-Dollar zurück, der Gewinn brach sogar um über ein Fünftel auf nur noch 799,5 Millionen Dollar ein. Auf Fragen, wie McGrawHill in der aktuellen Krise aufgestellt sei, antwortet der Chairman, President und CEO allerdings mit eher schablonenhaften Antworten: Zum einen habe das konservative Wirtschaften und die Restrukturierung des Konzerns McGrawHill vor zu hohen Schulden bewahrt – schließlich wurden allein seit Ende 2007 rund 1650 Stellen weltweit abgebaut. Zum anderen seien die drei Geschäftsfelder Education, Financial Services und Information & Media aller Krisenszenarien zum Trotz gewissermaßen krisenfest: „Schüler und Studenten aller Altergruppen brauchen Wissen – in allen Ländern der Welt“, schreibt Harold McGraw III an seine Aktionäre. Und damit, will der Konzernchef sagen, sei der Bereich Education ja wohl schon mal aus dem Schneider.
Ähnlich simpel argumentiert er bei den Financial Services („Alle Regierungen, Unternehmen und Individuen brauchen Kapital, um Investitionen zu ermöglichen, Arbeitsplätze zu schaffen und Wachstum zu stimulieren.“) und im Informations-Bereich: „Wirtschaftsführer brauchen transparente Informationen, um begründete Entscheidungen zu treffen“. Doch gerade hier sah es auch bei McGrawHill – genauer: vor allem bei der Rating-Agentur Standard & Poor's – ziemlich düster aus. Schließlich waren es die guten S+P-Bewertungen für Subprime Mortgages und ähnliche heute als „Schrottpapiere“ bezeichnete Investment-Varianten, die zum aktuellen Fiasko geführt haben. „Es ist nur ein schwacher Trost, dass beinahe alle Marktteilnehmer – Banken, Rating-Agenturen, Hausbesitzer, Regulierungsbehörden und Investoren – den anhaltenden Verfall des US-Immobilien- und Hypothekenmarktes nicht vorhergesehen haben“, heuchelt der Konzernchef: „Hätten wir – und andere – diese außergewöhnlichen Entwicklungen vorhergesehen, hätten wir ohne Zweifel viele der Ratings, die wir vergeben haben, nicht vergeben.“ Sieh an! Und so ruft nun auch Harold McGraw III nach einem „globalen Regulierungsrahmen“ für die Kapitalmärkte. Konkrete Folgen für S+P sind aber bislang nicht in Sicht – lediglich die schon im Frühjahr 2008 verkündeten Ziele hin zu mehr Transparenz und zu neuen Bewertungsmaßstäben sollen nun noch hartnäckiger umgesetzt werden.
Auch im Geschäftsjahr 2009 musste McGrawHill weitere ökonomische Rückschläge hinnehmen. Besonders im Education-Bereich kam es zu Einbrüchen (ca. 10 Prozent Verlust), da hier vor allem der wichtige US-Markt einzubrechen droht und die neuen Märkte in Indien und China wegen der Wirtschaftskrise diese Rückgänge nicht kompensieren können, auch wenn dort die Zahl der Studierenden weiter rapide ansteigt. Trotz der unsicheren Lage auf den Finanzmärkten blieben die Umsätze für das Segment Financial Services relativ stabil (knapp 1 Prozent Verlust). Im Information & Media-Bereich kam es ebenfalls zu Rückgängen (11 Prozent Verlust) wegen allgemein lahmende Konjunktur im Werbemarkt und vor allem bei der Automobilindustrie. Hiervon sind vor allem die Fachmagazine der J.D. Power-Gruppe betroffen, die sich derzeit verstärkt online aufstellen. Der Verkauf des Flaggschiffes "Business Week" an Bloomberg L.P. war somit ein logischer Schritt auf Grund der anhaltenden der Zeitungs- und Werbekrise für das Unternehmen.
Somit steht fest, dass die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise an McGraw-Hill nicht spurlos vorüber gegangen ist, zumal die geplanten neuen Aufsichts- und Kontrollvorschriften im Banken- und Investmentsektor direkt auf die Arbeit von Standard & Poor's durchschlagen werden. Der Gewinn brach um über zwanzig Prozent von 81,1 Mio. US-Dollar auf 63 Mio. im ersten Quartal 2009 ein. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent auf 1,1 Mrd. US-Dollar zurück.
McGraw-Hill-CEO Harold McGraw III machte neben der Krise vor allem den saisonbedingt schwachen Start im Schulbuchsektor für den Rückgang verantwortlich – und warb hier für Geduld: Da die neue US-Regierung den Schulbereich mit öffentlichen Geldern unterstützt, könne der Wert des klassischen „Adoption Cycles“, also des regelmäßigen Austauschs von alten gegen neue Schulbüchern in den US-Bundesstaaten, für 2010 die Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten. Für 2011 rechnet McGraw nochmals mit einer Steigerung, an der sein Konzern mitverdienen werde.
Bei den anhängigen Klagen wegen zu optimistischer S&P-Ratings erwartet der Konzern, dass „viele Fälle von den Gerichten zurückgewiesen werden“, wie es bei der Präsentation hieß. Zur Zeit sorgt allerdings ein Prozess für Aufsehen: Ein spanischer Anwalt, der zuvor schon die US-Regierung wegen ihrer Guantánamo-Politik verklagte, legt sich nun mit den drei Ratinggiganten Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch an. Der Spanier behauptet, dass die Ratingagenturen vorsätzlich falsche Berichte über die Kreditwürdigkeit Spaniens verfasst hätten, und damit systematisch sein Heimatland zerstört hätten.
Im Herbst 2011 sieht sich der Medienkonzern stürmische Zeiten entgegen. Nur wenige Wochen nach der umstrittenen und heftig kritisierten Herabstufung der US-Bonität durch die hauseigene Ratingagentur Standard & Poor's tritt deren Präsident Deven Sharma zurück. Die Nachfolge Sharmas werde der ehemalige Citibank Top-Manager Douglas Petersen antreten. Außerdem soll das Unternehmen bis 2012 aufgespaltet werden. Auf Druck der Aktionäre sollen die Bereiche Finanzdienstleistung (dann McGraw-Hill Markets) - mitsamt der umstrittenen Ratingagentur Standard & Poor - und der Bildungsverlag (McGraw-Hill Educations) zukünftig getrennt operieren. Die Aktionäre erhoffen sich neben einer Steigerung des Unternehmenswertes, dass S&P unabhängiger bei der Ratingvergabe agieren könne und somit der Druck von der angeschlagene Bildungsspalte genommen werde.
Auch kurz vor dem Jahresende bestimmt S&P wieder die Schlagzeilen der internationalen Presse. Nur wenige Tage vor dem mit Spannung erwarteten Euro-Krisenkipfel setzt S&P insgesamt 15 Euroländer auf ihre rote Liste und bedroht damit die Kreditwürdigkeit eines Großteils der Europäischen Union. Es kann also niemanden verwundern, wenn viele europäische Politiker mit Wut und Ablehnung auf die Drohungen von S&P reagieren. Zudem kursieren auch diverse Verschwörungstheorien in den Medien: Die Aktion scheinz von hoher politische Bedeutung, da die Agentur gezielt jetzt mit ihrer scharfen Kritik kommt, um von den europäischen Finanzpolitikern Entscheidungen in ihrem Sinne erzwingen will. Damit hebt sie sich über ihre Rolle als Kreditwürdigkeitsprüfer hinaus und schwingt sich zum politischen Akteur auf. Besonders brisant ist dabei auch die Tatsache, dass der Forderungskatalog von S&P durchdrungen ist von der amerikanischen Vorstellung, Wachstum nach Belieben mit billigem Geld schaffen zu können.
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14.10.09 / The McGraw-Hill Comp. Inc., Bloomberg L.P.
Bloomberg kauft Wirtschaftsmagazin BusinessWeek
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