15. Tencent Holdings Ltd.

Umsatz 2015: RMB 102,863 Mrd. (€ 14,765 Mrd.)

Überblick

Tencent ist eine Investment Holding Firma aus China, die neben den Bereichen E-Commerce, Webportalen und Social Media-Applikationen auch in den Bereichen (Multiplayer Online-)Games aktiv ist, die über das Portal QQ Games vertrieben werden (u.a. "Dungeon & Fighter", "QQ Fantasy" und "QQ Kingdoms"). Tencent gilt neben Google, Amazon, Ebay und Facebook als einer der größten Onlinekonzerne der Welt.

Basisdaten

Hauptsitz:
Tencent Building, Kejizhongyi Avenue, Hi-techPark,
Nanshan District, Shenzhen 518057
Tel: +86-755-86013388
Fax: +86-755-86013399
www.tencent.com

Branche: Online Games, Social Media, E-Commerce
Rechtsform:  Holdinggesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1998

 

Tab.I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. RMB)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz151.938102.86378.93260.43743.89428.49619.64612.4397.1553.8202.800
Gewinn41.44729.10823.88815.56312.78510.2248.1155.2212.8161.5681.064
Aktienkurs (Jahresende; HKD)189,70116,20111,92494,00249,80156,00171,00168,7050,0056,0027,70
Mitarbeitern/a30.64127.69027.49224.16017.44710.6927.5156.1944.3443.017

 

 

Geschäftsführung

Management:

  • Pony Ma, Chief Executive Officer
  • Martin Lau, President
  • Daniel Xu, Chief Information Officer
  • Mark Ren, Chief Operation Officer
  • James Mitchell, Chief Strategy Officer, Senior Executive Vice President
  • Lau Sy, Senior Executive Vice President, President, Online Media Group
  • Dowson Tong, Senior Executive Vice President, President of Social Network Group
  • Allen Zhang, Senior Executive Vice President, President, Weixin Group
  • Shan Lu, Senior Executive Vice President, President, Technology and Engineering Group
  • Free Wu, Senior Management Advisor
  • David Wallerstein, Chief Exploration Officer, Senior Excutive Vice President
  • Steven Ma, Senior Vice President, Tencent Games International
  • John Lo, Chief Financial Officer, Senior Vice President
  • Leon Guo, Senior Vice President
  • Dan Xi, Senior Vice President

 

Board of Directors:

  • Pony Ma, Tencent
  • Martin Lau, Tencent
  • Koos Bekker, Naspers
  • Charles Searle, Naspers
  • Li Dong Sheng, TCL Corporation
  • Iain Bruce, KCS Ltd.
  • Ian Stone, PCCW Ltd., SITC

Geschichte und Profil

Tencent wird in China auch als das Pinguin-Imperium bezeichnet. Grundlage für den Erfolg des 1998 von Ma "Pony" Huateng gegründeten Konzern aus Shenzen war die Entwicklung des Instant Messaging Tools QQ, als dessen Logo ein Pinguin fungierte. QQ war im Prinzip ein Klon vom damaligen Marktführer ICQ, der Teil von AOL war. Nach dem Launch im Februar 1999 konnte QQ seine Nutzerbasis innerhalb von zwei Jahren von 200.000 auf 50 Millionen Nutzer erhöhen.

Im Rahmen einer Partnerschaft mit Chinas größten Telekommunikationsunternehmen China Mobile wurde eine kostenpflichtige mobile QQ-Version auf die Handys und Smartphones von Millionen von Chinesen gebracht. QQ User mussten pro Monat fünf Yuan an China Mobile für die Nutzung abtreten und Tencent bekam davon 20 Prozent. Auf diese Weise konnte das Unternehmen zwischen 2000 und 2004 erstmals signifikante Umsätze erwirtschaften.

Dennoch war Tencent in den ersten drei Jahren des Bestehens unprofitabel und sah sich deshalb nach Investoren um. Neben diversen Risikokapital-Gebern, entschied sich der südafrikanische Medienkonzern Naspers dazu, in das aufstrebende Start-Up zu investieren. 2001 erwarb Naspers für 34 Millionen Dollar 46,5 Prozent von Tencent - ein Anteil, der heute rund 90 Milliarden Dollar wert ist.

Doch das Management um Pony Ma begann schon früh sich nach alternativen Einnahmequellen umzusehen. Mit Interesse verfolgte man, wie in Südkorea ein Markt für virtuelle Güter entstanden war und wie Nutzer von sozialen Netzwerken zunehmend bereit waren, kleine Geldbeträge für virtuelle Grafiken und Geschenke auszugeben. Dem koreanischen Vorbild folgend (und weil zahlreiche Chat-Apps wie MSN, Fetion und Taobao den Konkurrenzdruck erhöhten) änderte QQ seine Preispolitik und führte ein 'Freemium'-Modell ein, das Gratisdienste mit kostenpflichtigen Services verband. Zu einer weiteren wichtigen Einnahmequelle wurde die anzeigenfinanzierte Portal-Seite QQ.com, die auch dank der Cross-Promotion über die diversen QQ-Dienste schnell die drei größten Konkurrenten (Sina, Sohu, NetEase) überholen konnte und heute nach Baidu die meistbesuchte Website Chinas ist. Ein weiterer Meilenstein erfolgte 2010 als Tencent eine mobile Messaging-Applikation namens Weixin entwickelte. Das später für den internationalen Markt in WeChat umbenannte Tool entwickelte sich in der Folge zu einer der meistgenutzten Apps weltweit.

Einen erheblichen Imageschaden erlitt Tencent Ende 2010. Das Unternehmen startete sein eigenes Antivirus-Tool QQ Doctor und erhielt aufgrund der Verknüpfung mit QQ auf Anhieb einen Marktanteil von 40 Prozent. Der chinesische Marktführer für Antiviren-Programme, Qihoo 360, beschuldigte Tencent daraufhin mit QQ Doctor ein Spionageprogramm entwickelt zu haben, das auf die privaten Daten der Nutzer zugreift. Tencent reagierte, indem es QQ-User aufforderte, Qihoo 360 von deren Rechnern zu entfernen, da sie sonst QQ nicht mehr nutzen könnten. Millionen von chinesischen Internetnutzern mussten sich für oder gegen Tencent, bzw. Qihoo entscheiden. Das chinesischen Ministerium für Technologie zwang daraufhin beide Unternehmen, sich öffentlich für die Eskalation des Disputs zu entschuldigen. Tencent wurde 2013 in einem der größten Kartellrechtsverfahren von einem chinesischen Gericht bestätigt, nichts unrechtes getan zu haben. Dennoch entschied sich das Unternehmen seine QQ-Platform auch für externe Entwickler zu öffnen.

2003 begann das Unternehmen mit Online-Games zu experimentieren und diese in seine diversen Dienste zu integrieren. Auch hier setzte Tencent auf das Freemium-Modell: die Spieler konnten entweder durch eigenen Einsatz und Können in den Games Fortschritte erzielen oder durch den Kauf von Items. Games wurden schnell zum wichtigsten Eckpfeiler des Unternehmens, insbesondere weil Tencent in den Bereichen Internetsuche von Baidu und E-Commerce von Alibaba überholt wurde. Erster Tencent-Titel war QQ-Tang, der der bekannten "Bomberman"-Reihe aus den 1990er Jahren nachempfunden war. Mittlerweile spielen mit 450 Millionen Menschen rund ein Drittel der chinesischen Bevölkerung regelmäßig Games. Tencent konnte von dieser Entwicklung profitieren und stieg durch eine Reihe von Zukäufen internationaler Entwicklungsstudios zum größten Games-Publisher in China auf.

Management

Pony Ma wurde zwar während der Kulturrevolution geboren, studierte jedoch Computerwissenschaften an der Universität Shenzen, als Deng Xiaoping schon längst Reformen eingeleitet hatte, die China auf den Pfad der Marktwirtschaft brachten. Ma hat Tencent innerhalb von 20 Jahren von einer Instant Messaging-App in den viertgrößten Onlinekonzern der Welt verwandelt. Als er das Unternehmen gemeinsam mit vier Freunden 1998 gründete, war Ma abwechselnd als Webdesigner und Hausmeister der noch bescheidenden Firmenzentrale tätig - nach dem Börsengang 2004 avancierte er mit einem geschätzten Vermögen von 18 Milliarden US-Dollar zum drittreichsten Chinesen hinter Alibaba-Gründer Jack Ma und Immobilien-Magnat Wang Jianlin. Geholfen hat ihm dabei sicherlich auch eine große Portion Rücksichtslosigkeit. Tencent eilt selbst in China der Ruf hinterher, gnadenlos sämtliche Ideen der Konkurrenz zu kopieren.

In englischsprachigen Medien lässt sich wenig über Ma finden außer, dass er offensichtlich ein Technik-Geek ist. Über sein Privatleben weiß man nichts. Wie andere chinesische CEOs kann er nur verlieren, wenn er Interviews gibt. Seine Antworten auf kritische Fragen - etwa die Rolle, die Tencent in Chinas "Great Firewall"-getauften, gigantischen Überwachungsprojekt spielt, würden entweder chinesische oder westliche Beobachter verprellen. 2011 bei einer Entwicklerkonferenz ließ sich Ma dann doch zu einem Statement hinreißen. Wie "FastCompany" berichtete, soll er bezüglich Chinas Internetzensur sinngemäß gesagt haben: "Viele Leute glauben sie können sich öffentlich äußern und verantwortungslose Statements abgeben. Ich glaube, das ist nicht richtig."

Geschäftsbereiche

Insgesamt hat Tencent mehr als 500 verschiedene Dienste und Games in seinem Portfolio. Die wichtigsten davon sind das WhatsApp-Pendant WeChat, das über weltweit 700 Millionen User verfügt und insbesondere unter Auslands-Chinesen sowie in Indien sehr populär ist. Im Gegensatz zu WhatsApp versucht Tencent seinen Dienst durch Display-Werbung zu monetarisieren. Außerdem hat sich Tencent bei 58.com, einer Craigslist-Kopie, der Technik-E-Commerce-Seite JD.com und dem Immobilien-Anbieter Leju Holdings eingekauft.

Für den chinesischen Markt hat Tencent diverse Games selbst entwickelt und mit seinen QQ-Diensten verknüpft, etwa das Rollenspiel "Journey to the Fairyland", "DNF" oder "QQ HUAXIA". International ist Tencents Games Sparte durch Übernahmen und Beteiligungen an diversen Publishern expandiert, darunter Riot Games, Entwickler des E-Sports-Marktführer "League of Legends" oder Plain Vanilla Games ("QuizUp"). Weitere Beteiligungen umfassen Pocket Gems (20-prozentiger Anteil), Glu Mobile (20%), JGames (28%) und Epic Games (28%). Um von dem wachsenden Markt für Video-Übertragungen von Games Events zu profitieren wurde zudem der Twitch-Klon Douyu TV übernommen.

Aktuelle Entwicklungen

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 180 Milliarden US-Dollar ist Tencent bereits größer als US-Technologieunternehmen wie Oracle oder Intel. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren vermehrt Experten von Google, Facebook und Baidu abgeworben und mit James Mitchell, Martin Lau und Stephen Wang englischsprachige Top-Leute von Goldman Sachs und US-Eliteuniversitäten verpflichtet. Erst im April 2016 nahm der Konzern einen Bankkredit von vier Milliarden US-Dollar auf, um seine internationale Einkaufstour fortzusetzen. Innerhalb von China leistet sich Tencent einen erbitterten Konkurrenzkampf mit Alibaba und hat mit der Übernahme diverser Logistik-Unternehmen einen neuen Versuch unternommen, neben sozialen Netzwerken, Games und Onlinemedien endlich auch im E-Commerce-Sektor Fuß zu fassen.

Auf lange Sicht könnte sich Pony Ma's Strategie von internationalem Wachstum und strenger Unterwerfung der heimischen Zensurbehörden zu einem nicht aufzulösenden Widerspruch entwickeln. Suchbegriffe, die den chinesischen Behörden nicht passen, werden systematisch zensiert. Aktivisten in und außerhalb Chinas haben sich in der Vergangenheit beklagt, dass der Inhalt ihrer WeChat-Konversationen in Regierungshände gelangt sind. Die indische Regierung hat den Messaging Dienst ebenfalls öffentlich als "Sicherheitsrisiko" bezeichnet. Solange es Facebook nicht gelingt in China Fuß zu fassen, wird Tencent zumindest national weiter wachsen. Ob es gelingt, als erstem chinesischen Onlineunternehmen in den USA Fuß zu fassen, bleibt angesichts der engen Beziehungen zur kommunistischen Partei in China jedoch fraglich.