24. RELX Group

Umsatz 2015: £ 5,971 Mrd. (€ 8,226 Mrd.)

Überblick

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Wissenschaftliche Zeitschriften, Datenbanken, Fachblätter - seit mehr als hundert Jahren ist der Zugang zu Informationen ein hochlukratives Geschäft für das britisch-niederländische Medienunternehmen Reed Elsevier, das seit 2015 unter dem Namen RELX Group firmiert. Die Hochpreispolitik der RELX-Journals hat in den letzten Jahren zu einer Boykott-Bewegung geführt, der sich immer Universitäten und Akademiker angeschlossen haben.

Basisdaten

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Hauptsitz: 1-3 Strand, London WC2N 5JR, Großbritannien
Telefon: 0044 – 20 – 7930 - 7077
Telefax: 0044 – 20 – 7166 - 5799
Internet: www.relx.com

Branche: Zeitschriften, Buchverlage, Fachverlage, Informationsdienste, Messen und Ausstellungen
Rechtsform:  Kooperierende Aktiengesellschaft aus den selbständigen Unternehmen Reed International und Elsevier N.V.
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1894 (Reed), 1880 (Elsevier), 2015 (RELX) 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz6.8955.9715.7736.0356.1166.0026.8006.0715.3344.5845.398
Gewinn nach Steuern1.1611.0089551.1101.069760642982901888625
Aktienkurs (Jahresende)17,9717,5316,3214,019,527,017,026,615,7710,118,05
Beschäftigten/a30.00028.50028.20030.40030.50030.20032.00034.80031.50036.800

 

Tab: II: Umsatz 2005-2011 nach Geschäftsfeldern (in Mio. £)

ElsevierLexisNexisHarcourt Education*Reed ExhibitionsReed Business
20112.0582.542---*707695
20102.0262.618---*693718
20091.9852.557----*638891
20081.7001.940----*----1.694
2007 1.5071.594----*----1.483
2006 1.5211.570889----1.418
2005 1.4361.466901----1.363

*Harcourt Education-Sparte wurde 2007 verkauft.

 

Tab. III: Umsatz nach Geschäftsfeldern 2012-2015 (in Mio. £)
ScientificRisk & Business InformationRisk SolutionsBusinessLegalExhibitions
20122.063---9266631,610854
20132.126---9335471,567862
20142.0481.439------1.396890
20152.0701.601------1.443857
20162.3201.9061.6221.042

Geschäftsführung

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Management:

  • Erik Engstrom, Chief Executive Officer, RELX
  • Nick Luff, Chief Financial Officer, RELX
  • Ron Mobed, Chief Executive Officer, Scientific, Technical & Medical
  • Mark Kelsey, Chief Executive Officer, Risk & Business Analytics
  • Mike Walsh, Chief Executive Officer, Legal
  • Chet Burchett, Chief Executive Officer, Exhibitions
  • Youngsuk Chi, Director of Corporate Affairs and Chairman Elsevier
  • Ian Fraser, Human Resources Director
  • Henry Udow, Chief Legal Officer and Company Secretary

 

Board Of Directors:

  • Anthony Habgood, Reed Elsevier
  • Erik Engstrom, Reed Elsevier
  • Nick Luff, Reed Elsevier
  • Dr. Wolfhart Hauser, Intertek Group
  • Adrian Hennah, Smith & Nephew plc
  • Robert Macleod, Johnson Matthew plc
  • Carol Mills, Xactly Corporation
  • Marike van Lier Lels
  • Linda Sanford, IBM Corporation
  • Ben van der Veer, KPMG

Geschichte und Profil

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1993 begann die Zusammenarbeit des britischen Verlagsriesen Reed International mit der niederländischen Elsevier-Gruppe. Beide Unternehmen agieren als selbständige Konzerne, firmieren seit April 2002 aber nur noch als Reed-Elsevier. Reed hatte 1894 als Papierfabrik angefangen, später auch Tapeten und Farbe produziert und war erst knapp 80 Jahre später durch den Kauf von Publikumszeitschriften und Tageszeitungen - unter anderem des "Daily Mirror" - zum Medienunternehmen geworden. Ab den 1980er Jahren war Schluss mit Papier- und Anstreicherbedarf, ein Jahrzehnt später stieg Reed dann nach und nach von der Publikums- zur Fachpresse um.

Elsevier, gegründet 1880 in Rotterdam, war bereits zu Beginn der Zusammenarbeit mit Reed der größte Fachzeitschriftenverlag der Niederlande und besaß führende Tageszeitungen wie das "Allgemeen Dagblad". Wie Reed hat auch Elsevier seine Publikumstitel beginned in 1995 fast gänzlich abgestoßen, um sich ganz auf den weiteren Ausbau der Fachinformationssparte zu konzentrieren (zuletzt, im Oktober 2012, verkaufte Reed das Hollywood-Branchenblatt Variety). Eine sicher geglaubte Fusion mit dem ebenfalls niederländischen Fachverlagsriesen Wolters Kluwer scheiterte aber überraschend im März 1998. Reed Elsevier machte zwar kartellrechtliche Auflagen dafür verantwortlich, doch auch die Doppelstruktur des britisch-niederländischen Unternehmens mit zwei Hauptsitzen und doppeltem Management war wohl nicht ganz unschuldig.

Seit 1999 ist die komplexe Reed-Elsevier-Geschäftsstruktur grundlegend reformiert worden. Mittlerweile gibt es ein einheitliches Management unter einem Chairman und einem CEO. Untergeordnet sind jeweils eigene Vorstandsvorsitzende für die verschiedenen Kernbereiche des Konzerns. Der ehemalige CEO Crispin Davis gilt als treibende Kraft hinter dem erfolgreichen Umbau des Unternehmens, das der "Guardian" einst als "archaisches Zweiländerkonstrukt" bezeichnete.

Von 2005 bis Mitte 2008 sorgten Verbindungen des Konzerns zum internationalen Waffenhandel für Schlagzeilen. Ausgerechnet die renommierte und von Reed Elsevier herausgegebene Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ kritisierte in einem Artikel die Aktivitäten der Tochterfirma Spearhead/Reed Exhibitions. Letztere ist auf die Organisation von Messen und Ausstellungen spezialisiert. Im September 2005 veranstaltete die Firma erstmals die DSEi (Defence Systems and Equipment international), eine der größten Militäraustellungen der Welt, auf der unter anderem auch von der UNO geächtete Streubomben ausgestellt wurden. Über zwei Jahre lang distanzierte sich „The Lancet“ regelmäßig von den Beziehungen des Mutterkonzerns zur internationalen Rüstungsindustrie mit dem Hinweis, diese wären für eine medizinische Publikation moralisch nicht tragbar. Im März 2007 verfassten rund 80 „Lancet“-Redakteure einen offenen Brief samt kritischem Fragenkatalog an Davis. Auf drei Seiten protestierten unter anderem Ian Gilmore, Präsident der obersten britischen Ärzteorganisation Royal College of Physicians, und der US-Linguist Noam Chomsky in Leserbriefen gegen die Waffenmessen. Sir Michael Atiyah, ehemaliger Präsident der einflussreichen Royal Society, forderte einen Boykott von Reed-Elsevier-Publikationen. Der ehemalige CEO Crispin verteidigte das kontroverse Engagement mit dem kurzen Statement, dass „die Verteidigungsindustrie notwendig für die Aufrechterhaltung von Freiheit und nationaler Sicherheit“ sei. Im Mai 2008 reagierte das Management und kündigte an, die DSEi werde zukünftig nicht mehr von Reed Elsevier organisiert. Der Druck von Seiten der Aktionäre und der Protestbewegung  „The Campaign Against Arm Trade“ war zu groß  für das Unternehmen geworden.

Das Ansehen litt weiter, als 2009 bekannt wurde, dass Elsevier in Australien zwischen 2000 und 2005 im Auftrag von Pharmakonzernen wie etwa Merck Zeitschriften publizierte, die wie unabhängige Fachtitel aussahen. Zusätzlich wurden in den insgesamt sechs Pseudo-Fachblättern Artikel über Hormonersatz-Therapien abgedruckt, die nachweißlich von Ghostwritern geschrieben wurden, die im Dienste der Pharmaindustrie stehen.

Die monopolistische Hochpreispolitik der Elsevier-Fachzeitschriften führte 2012 zu einer Boykott-Bewegung, der sich mehr als 15.000 Wissenschaftler angeschlossen haben. Sie waren und sind nicht mehr bereit, im Elsevier-Verlag ihre Beiträge zu publizieren, nur damit dieser die bereits durch öffentliche Mittel finanzierten Forschungsergebnisse völlig überteuert an Studenten, Wissenschaftler und Bibliotheken verkauft - und damit verhindert, dass das in akademischen Einrichtungen gewonnene Wissen sich schnell und günstig in aller Welt verbreiten kann. Immer mehr Unis weigern sich deshalb, neue Elsevier-Magazine in ihre Kataloge aufzunehmen - eine Entwicklung - selbst die renommierte Harvard-Universität warnte öffentlich, dass die exorbitanten Preise, die Bibliotheken für Fachjournals ausgeben müssen, langfristig den Wissenschaftsbetrieb einschränken könnten. Der Boykott wuchs weiter an, als CEO Engstrom die Kritik an den exorbitanten Preisen als "Missverständnis" abtat. Selbst Preissenkungen (Elsevier-Zeitschriften sind in der Regel dreimal so teuer wie vergleichbare Publikationen von Universitätsverlagen) konnten die Protest-Bewegung jedoch nicht besänftigen. Der Vorsitzende des Deutschen Bibliothekenverbandes Frank Simon-Ritz bezeichnete die Preispolitik von Elsevier als "zum Teil sittenwidrig".

Management

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Erik Engstrom ist seit 2009 CEO von RELX. Der Schwede gilt als extrem öffentlichkeitsscheu und introvertiert. Öffentliche Auftritte und Interviews mit Engstrom sind rar gesät und würden nur die zahlreichen Kontroversen befeuern, die das Unternehmen in Bezug auf seine Ausstellungs- und Fachjournal-Sparten in den letzten Jahren generiert hat. Man wird bei ihm vergeblich auf einen öffentlich verkündeten Strategieplan warten, nur um den Aktienwert um ein paar Prozentpunkte anzuheben. Stattdessen arbeitet er im Stillen daran, Reeds Transformation von einem herkömmlichen Verlagshaus in ein Online- und Softwareunternehmen voranzutreiben. Eine von Private Equity Gruppen und Aktionären immer wieder geforderte Aufsplittung des Unternehmens in Reed und Elsevier lehnt Engstrom ab.

Geschäftsfelder

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16 Prozent aller wissenschaftlichen Artikel erscheinen in RELX-Journals. RELXs Scientific, Technical & Medical-Sparte organisiert für diese Titel die Redaktion und das Peer-Review-Verfahren. 12 Millionen monatliche User haben über Elseviers ScienceDirect-Portal Zugriff auf über 13 Millionen akademische Fachzeitschriften. Ebenfalls zu Scientific-Sparte zählen diverse Datenbanken über Zeitschriftenartikel (wie etwa Scopus) und medizinische Referenzen (Clinical Key).

Mittels diverser Datenbanken und Big Data-Techniken die unter dem Dach der Risk & Business Analytics- sowie der Legal-Sparte organisiert sind, bietet RELX Informationsdienste an, die öffentlichen Institutionen und Privatkunden dabei helfen, Entscheidungen in Bezug auf Steuerzahlungen, Krankenversicherungen, oder juristischen Fragen zu treffen. Bekannteste Datenbank im Portfolio von RELX ist LexisNexis.

Mit über 500 Ausstellungen in 30 Ländern ist Reed Exhibitions der größte kommerzielle Ausrichter von Trade Shows und Fachmessen wie etwa Comic-Cons, FIBO, MIPIM oder dem World Travel Market.

Engagement in Deutschland

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Seit 2006 gehören die B2B-Suchmaschine Kellysearch und das Firmenportal Hotfrog zur Reed Business Information GmbH.
Elsevier verlegt in den deutschsprachigen Ländern über 60 Fachblätter und Journals, überwiegend aus dem medizinischen Bereich – von „Akupunktur“ über „Krankenhaus-Hygiene und Infektionsverhütung“ bis zur „Zeitschrift für Medizinische Physik“. Außerdem bietet Elsevier ausgewählte „Lancet“-Studien in deutscher Sprache zum Download an.  Seit 2003 gehören auch die akademischen Fachverlage Urban & Fischer sowie der Heidelberger Spektrum Verlag („Spektrum der Wissenschaft“) zu Elsevier. Der juristische Teil des deutschen LexisNexis-Ablegers wurde Anfang 2011 an Wolters Kluwer verkauft.

Als einer der ersten deutschen Bildungseinrichtungen hat die Universität Konstanz seit April 2014 aus Protest gegen die aggressive Preispolitik in Bezug auf wissenschaftliche Zeitschriften die Lizenzverhandlungen mit Elsevier abgebrochen.

Aktuelle Entwicklungen

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Entgegen aller Prognosen, die davon ausgingen, dass Wissenschaftsverlage mit der Verbreitung des Internets Schritt für Schritt obsolet werden würden, ist RELX in den letzten zwei Dekaden signifikant gewachsen und hat heute eine Börsenkapitalisierung von rund 25 Millionen Pfund. Trotz der weltweit wachsenden Boykott-Bewegung gegen die Hochpreispolitik (zuletzt trat die gesamte Redaktion des Linguistik-Journals Lingua zurück, da viele Universitäten es sich schlicht nicht mehr leisten konnten jährlich 1.640 Pfund für ein Abonnement an Elsevier zu bezahlen) erwirtschaftet RELX weiterhin enorme Gewinne. Da RELX weiterhin einen großen Teil der prestigeträchtigen Titel kontrolliert, in denen Akademiker veröffentlichen müssen, wenn sie eine ernstzunehmende Hochschul-Karriere anstreben, ist davon auszugehen, dass die Boykott-Bewegung bis auf weiteres nicht die kritische Größe erreicht, um dem Konzern gefährlich zu werden.

LexisNexis, RELXs Anbieter für Wirtschaftsfachinformationen, bekommt derweil immer mehr Konkurrenz. In Großbritannien sind die LexisNexis-Datenbanken zwar noch immer Marktführer; in den USA wurde Reed Elsevier jedoch bereits von Thomson Reuters Pendant Westlaw überholt. Weitere Konkurrenz droht durch Bloomberg Law.

Weiterführende Literatur

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Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Essel Group
  27. Lagardère Media
  28. BBC
  29. ARD
  30. Pearson plc
  31. Netflix
  32. Advance Publications
  33. Amazon.com Inc.
  34. Discovery Communications
  35. iHeart Media
  36. Nielsen Holdings plc
  37. Shanghai Media Group
  38. The Naspers Group
  39. Nippon Hoso Kyokai
  40. Grupo Televisa
  41. S&P Global
  42. Fuji Media Holdings, Inc.
  43. Yahoo! Inc.
  44. Globo Communicação e Participações S.A.
  45. Wolters Kluwer nv
  46. Activision Blizzard Inc.
  47. ITV plc
  48. Electronic Arts
  49. Verizon (AOL)
  50. Nintendo Company Ltd.
  51. Mediaset SpA
  52. Axel Springer SE
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. Phoenix Publishing & Media Group
  55. France Télévisions S.A.
  56. Nippon Television Holdings
  57. IAC/InterActiveCorp.
  58. Time Inc.
  59. Bonnier AB
  60. TEGNA
  61. Quebecor Inc.
  62. Grupo Clarin
  63. Scripps Networks Interactive
  64. Gannett Co. Inc.
  65. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  66. Univision Communications
  67. Daily Mail & General Trust plc
  68. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  69. Bandai Namco Holdings Inc.
  70. Graham Holdings Company
  71. Bauer Media Group
  72. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  73. China Central Television
  74. ZDF
  75. Lionsgate Entertainment Corporation
  76. Bell Media
  77. TF1 S.A.
  78. Twitter
  79. Hunan Broadcasting System
  80. Spotify AB
  81. tronc, Inc.
  82. Modern Times Group
  83. Georg von Holtzbrinck GmbH
  84. Sanoma Group
  85. Schibsted Media Group
  86. Grupo Planeta
  87. Egmont Group
  88. John Wiley & Sons, Inc.
  89. SRG SSR
  90. Asahi Shinbun Company
  91. Tribune Media
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep