45. RCS Media Group

Umsatz 2008: € 2,674 Mrd.

Überblick

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Die RCS Media Group ist die größte Verlagsgruppe Italiens. Sie vertreibt Tageszeitungen, Zeitschriften und Bücher. Außerdem ist sie in den Bereichen Rundfunk, Werbung und Internet aktiv. Zu ihr gehört die wichtige italienische überregionale Tageszeitung “Corriere della Sera”, die in Mailand erscheint. Hohe Verbreitung und Bekanntheit genießt außerdem die siebenmal wöchentlich erscheinende Sportzeitung “La Gazzetta dello Sport”. RCS macht 40 Prozent des Geschäfts außerhalb von Italien und ist damit die am stärksten auf ausländischen Märkten vertretene italienische Verlagsgruppe. Zu ihr gehören die spanische Tageszeitung “El Mundo” sowie Verlage in Frankreich und Großbritannien. Der Verlag ist an der Mailänder Börse notiert.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Via San Marco 21
20121 Mailand, Italien
www.rcsmediagroup.it

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1909

 

Tab. 1: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €)

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Umsatz

2.673.9

2.737.9

2.379,7

2.191

2.150,8

2.236,9

2.214

3.357,2

Gewinn nach Steuern

38,3

219.7

219,5

219,3

102,6

46,1

-152,3

-232,1

Beschäftigte

6.701

k.A.

5.179

5.210

4.902

5.580

6.417

10.849

Geschäftsführung

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Geschäftsführung/Verwaltungsrat:

  • Präsident: Piergaetano Marchetti*
  • Vizepräsident: Gabriele Galateri di Genola
  • CEO: Antonello Perricone*
     

Board of Directors:

  • Raffaele Agrusti
  • Roberto Bertazzoni
  • Claudio De Conto
  • Diego Della Valle
  • John P. Elkann*
  • Giorgio Fantoni
  • Berardino Libonati
  • Jonella Ligresti
  • Paolo Merloni
  • Andrea Moltrasio
  • Renato Pagliaro*
  • Corrado Passera
  • Alessandro Pedersoli
  • Carlo Pesenti*
  • Virginio Rognoni


(*) Mitglieder des Executive Committee

Besitzverhältnisse: 64,8% der Aktien befinden sich in Besitz eines Stimm- und Beratungstrusts. Die größten Anteilseigner in diesem Block sind Mediobanca (14,2%) und FIAT (10,3%). Ferner gehören dem Pakt der Kontrollaktionäre mit Anteilen um 5% Banca Intesa, Pirelli, Ligresti und Dorint Holding (Diego Della Valle) an. Andere Aktionäre: 20%. Streubesitz: 14,5%.

Geschichte und Profil

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Die Geschichte der RCS Media Group (vormals RCS/Rizzoli-Corriere della Sera Group) ist eng verbunden mit der Verlegerfamilie Rizzoli. Den Grundstein des heutigen Unternehmens legt 1909 Angelo Rizzoli (1889-1970). Im Alter von 20 Jahren gründet der in einem Waisenhaus aufgewachsene Mailänder eine Druckerei, 1929 folgt die Gründung des Verlages Rizzoli & Co., der vier Zeitschriften verlegt: „Novella“, „Commedia“, „La Donna“ und „Il Secolo Illustrato“. 1943 gründet Rizzoli die Produktionsgesellschaft „Cineriz“, welche die Don-Camillo-und-Peppone-Serie sowie später Filme von de Sica und Fellini („La Dolce Vita“, „Otto e Mezzo“) produziert. Nach Kriegsende nutzt Rizzoli die neue Pressefreiheit zur Gründung einer Reihe von Wochenzeitschriften. 1945 erscheinen die ersten Ausgaben von „Oggi“ und „Candido“ mit einer monarchistischen bis reaktionären Linie. („In der Wahlkabine sieht Gott dich, nicht Stalin.“). Erster Chefredakteur von „Oggi“ ist Edilio Rusconi, der 1956 den Rusconi-Verlag gründet. 1953 erwirbt Verleger Rizzoli den Hauptanteil an der Zeitschrift „L’Europeo“, die klar Position für die junge Republik bezieht. Für „L’Europeo“ schreiben bis zur vorübergehenden Einstellung 1995 viele bedeutende italienische Journalisten. Als Rizzoli 1970 stirbt, übernimmt Sohn Andrea die Geschäfte. Rizzoli Editore, zu dieser Zeit der größte Verlag Italiens, gerät jedoch ab 1974 in Schieflage. Auslöser ist der Kauf der Kommanditgesellschaft Editore del Corriere, die die 1876 gegründete Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ herausgibt.

Der „Corriere della Sera“ ist neben dem Verlag Rizzoli die zweite Keimzelle der RCS Media Group. Das renommierte Blatt ist seit Jahrzehnten eine der führenden Tageszeitungen Italiens. Zu Beginn der siebziger Jahre wird allerdings auch der „Corriere“ von der allgemeinen Strukturkrise im Pressesektor erfasst. Aufgrund der angespannten Lage auf dem Zeitungsmarkt verkaufen die Familie Crespi, FIAT-Boss Gianni Agnelli und andere ihre Anteile an den Verleger Rizzoli. Dieser kann das Blatt jedoch nicht sanieren, da die Politik Preisanpassungen untersagt und die staatlichen Banken Kredite zurückhalten. Damit soll Druck auf den für die Regierung unbequemen Chefredakteur Piero Ottone ausgeübt werden. Der kritische Ottone wird 1977 abserviert. 1980 übernimmt Angelo Rizzoli, Enkel des Unternehmensgründers, das Ruder des Konzerns. Als Konsequenz der finanziellen Krise des „Corriere“ gerät Angelo Rizzoli und mit ihm das Verlagshaus in den Strudel der Skandale, die das Italien der beginnenden 80er Jahre erschüttern. Mit dem Zusammenbruch der Ambrosiano-Bank steht auch Rizzoli vor dem Konkurs. Der Verlag wird unter staatliche Kontrolle gestellt und schließlich 1984 an die FIAT-Finanzgesellschaft „Gemina“ verkauft. Außerdem sichert sich der Mailänder Bauunternehmer Silvio Berlusconi (Mediaset in der Mediendatenbank) die erfolgreiche Fernsehzeitschrift „TV Sorrisi e Canzoni“. Die Übernahme des in RCS/Rizzoli-Corriere della Sera umbenannten Verlags spiegelt den Trend wider, dass Tageszeitungen in Italien zu großen, branchenfernen Konzernen gehören. In den Jahren nach der Übernahme durch FIAT expandiert RCS. Allerdings gelingt es nicht, wie geplant im aufkommenden privaten Fernsehmarkt Fuß zu fassen. Das TV-Engagement mittels des Senderzusammenschlusses PIN (Prima Rete Indipendente) wird 1981 beendet. Stattdessen wird eine Reihe von Verlagen aufgekauft. Hinzu kommen Aktivitäten in den Bereichen Home-Video und Kino sowie eine 45-prozentige Beteiligung an der zweitgrößten spanischen Tageszeitung „El Mundo“. Eine zweiprozentige Beteiligung am französischen Privatsender TF1 wird 1993 verkauft.

Mitte der neunziger Jahre gerät RCS/Rizzoli-Corriere della Sera erneut in die Krise, als zehn Haftbefehle gegen Manager der Gruppe und Gemina wegen Bilanzmanipulation ergehen. Verluste sind verschleiert worden. Im Zuge der folgenden Sanierung müssen 1000 Angestellte gehen und zudem wird die traditionsreiche Filmproduktions- und Distributionssparte aufgelöst. Auch die Überkreuzbeteiligung mit dem deutschen Burda-Konzern wird umstrukturiert. 1997 erfolgt die Umwandlung in die RCS S.p.A., die Kernstück der Holding HdP (Holding di partecipazioni Industriali) ist. Die Familie von FIAT-Gründer Agnelli hält eine Sperrminorität an der Holding, zu der auch der Sportartikelhersteller FILA gehört. RCS expandiert unterdessen weiter international, indem die Gruppe weitere Verlage zukauft: So kann man sich beispielsweise mit der Akquise von Flammarion auf dem französischen Markt positionieren. 2001 startet RCS zudem die Gratiszeitung „City“ in Mailand. Die Holding HdP verkauft 2003 die Sportbekleidungsfirma FILA an den Finanzinvestor Cerberus, womit man sich endgültig auf RCS, also den Medienbereich konzentriert. Ausdruck dieser Neuausrichtung ist die Umbenennung der Holding in RCS Media Group.
Die RCS-Gruppe ist heute in den Bereichen Tageszeitungen, Zeitschriften, Bücher und Rundfunk aktiv.

Management

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Die RCS Media Group wird von einem Stimm- und Beratungstrust kontrolliert, der rund 65% der Aktien hält. Der Trust gibt die Verlagsstrategien vor und trifft wichtige Personalentscheidungen. Er nimmt eigenen Angaben zufolge keinen Einfluss auf einzelne Entscheidungen von Verwaltungsrat, Management oder Journalisten der Gruppe. Präsident des RCS-Syndikatspakts ist der Zementuntermehmer Giampiero Pesenti, der 2004 auf den Stahlunternehmer Luigi Lucchini folgte.

Der RCS-Stimm- und  Beratungstrust wird von der eng verbandelten Industrie- und Finanzelite Italiens beherrscht. Mitglieder des Pakts sind etwa die Finanzinstitute Mediobanca und Banca Intesa sowie der Versicherungskonzern Generali. Der frühere Mehrheitsaktionär Fiat hält noch gut 10 Prozent an dem Verlag. Außerdem poolten der Reifenhersteller Pirelli, der Bau- und Versicherungsunternehmer Ligresti und der Lederwarenunternehmer Della Valle ihre Anteile in dem Trust.  Die Gesellschafter Mediobanca und Fiat entsenden jeweils zwei Mitglieder in den Verwaltungsrat. Alle anderen Anteilseigner bestimmen jeweils ein Mitglied, sofern sie über 2% der Aktien besitzen. Vier der 19 Verwaltungsratsmitglieder sind unabhängig.  Der Verwaltungsrat bestimmt aus seiner Mitte den Präsidenten, den Vizepräsidenten, den CEO, das Executive Committee, das Komitee für interne Kontrolle sowie das Komitee für die Vergütung des Managements.

Zum zweitgrößten RCS-Aktionär ist der Klinikbetreiber Giuseppe Rotelli mit einem Aktienanteil von 10,9% aufgestiegen. Der Unternehmer aus Pavia gehört nicht dem Syndikatspakt von 17 Aktionären an und verfügt über keinen Vertreter im Verwaltungsrat. Rotelli baute sein Verlagsengagement durch die Übernahme von Anteilen des römischen Immobilienhändlers Stefano Ricucci aus, der im Sommer 2005 versucht hatte, sich den ehrwürdigen Verlag des "Corriere della Sera" einzuverleiben. Der windige Spekulant stockte seine Aktienbeteiligung innerhalb weniger Wochen von zwei auf 21 Prozent auf. Dann kam die Justiz den krummen Touren des gelernten Zahntechnikers und seiner Geschäftsfreunde, die damals auch eine Schlacht zur Übernahme des Kreditinstituts Banca Antonveneta entfesselt hatten, auf die Schliche. Ricucci musste sein RCS-Paket mit einem hohen Millionenverlust verkaufen und wurde verhaftet.

Gewichtige Aktionäre, die nicht dem RCS-Syndikatspakt angehören, sind ferner Edizione Holding der Textilfamilie Benetton (5,1%) und der römische Bauunternehmer Toti (5%).

Geschäftsfelder

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Die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ ist eine italienische Institution. Mit einer durchschnittlichen Auflage von 613.000 Exemplaren ist sie die meistgelesene Zeitung des Landes, gefolgt von "La Repubblica" aus Rom. Im Dezember 2004 kehrte Paolo Mieli als Chefredakteur in das 1876 gegründete Blatt aus der Via Solferino zurück. Mieli hatte die Zeitung des lombardischen Bürgertums bereits in den 90er Jahren geführt. Neben der Hochglanzbeilage "Corriere Magazine" gibt es verschiedene Supplements („Style Magazine“, „Casamica“, "IO Donna" etc.) sowie Regionalteile für Venetien, Trient, Südtirol, Verona, Rom und Süditalien. Die Online-Ausgabe bietet Archiv, E-Paper, SMS-Nachrichtenservice und Multimediacontent. Die Auflage ging 2008 um 6,3% gegenüber dem Vorjahr zurück.


Unter der Regierung von Silvio Berlusconi befürchten neben den elektronischen Medien auch die Tageszeitungen eine Einschränkung redaktioneller Freiheiten. Bereits bei der Neubesetzung des Chefredakteurspostens beim "Corriere" 2003 fühlten sich viele Journalisten an die 70er Jahre erinnert, als die Redaktion stark in politische Machtkämpfe verstrickt war. Vor sechs Jahren provozierte die Entlassung von Chefredakteur Ferruccio De Bortoli einen dreitägigen Streik zur Verteidigung der Pressefreiheit. Der Verlagspräsident beschwichtigte damals, bei der Entlassung habe es „keinen politischen Druck gegeben.“ Im Frühjahr 2009 wurde wochenlang über die Ablösung Mielis und die Nominierung seines Nachfolgers gestritten.

Nicht zu unterschätzen ist im fußballvernarrten Italien der Einfluss der täglichen Sportzeitung „La Gazetta dello Sport“ – zumindest auf die Welt des Sports. Im Schnitt wurden 2008 380.000 Exemplare der auf rosa Papier gedruckten Zeitung verkauft. Das entsprach einem leichten Rückgang um 1,3%. Die „Gazetta“ publiziert die Samstagsbeilage „Sportweek“ und eine Internetausgabe. Chefredakteur ist Carlo Verdelli.
Zur RCS Gruppe gehören weiterhin einige Zeitungen in Spanien, darunter die überregionale Tageszeitung „El Mundo“ aus Madrid.

Gratiszeitung
Die Gratiszeitung „City“, geleitet von Bruno Angelico, startete 2001 in Mailand. Mittlerweile werden Ausgaben in den 15 Städten verteilt, darunter Bari, Brescia, Bologna, Como, Florenz, Genua, Rom, Neapel, Turin und Verona. Die Druckauflage beträgt 850 000 Exemplare. Laut Verlag wird „City“ täglich von 1,7 Mio. Menschen gelesen.

Zeitschriften
Die verschiedenen Verlage der Zeitschriftentochter RCS Periodici geben zusammen über 30 Titel heraus, darunter der Klassiker „Oggi“ sowie „Max“ und „Amica“. Der Umsatz der Zeitschriftensparte ging 2008 von 330,7 Mio. Euro im Vorjahr auf 313 Mio. Euro zurück. Es schrumpften sowohl die Auflagen als auch die Werbeerlöse.

Bücher
Die Gruppe RCS Libri publiziert mit ihren Verlagen und Verlagsbeteiligungen ein breites Programm. Der Umsatz der Gruppe ging 2008 von 730,8 Mio. auf 691,9 Mio. Euro zurück. Über die Hälfte davon wird im Ausland realisiert. Zur RCS-Büchergruppe gehören die Verlage Adelphi, Bompiani, BUR, Fabbri, Marsilio, Rizzoli, Sonzogno, etc. Auf die französische Tochter Flammarion entfällt ein Großteil des ausländischen Umsatzes. Zur Zweiggesellschaft Divsione Education gehören verschiedene wissenschaftliche Verlage, darunter Oxford University Press. Zu den 100%igen Töchtern kommen Beteiligungen in mehreren Ländern.

Rundfunk
Über eine Beteiligung an Gruppo Finelco ist RCS Media Group im Radiogeschäft aktiv mit den landesweit ausstrahlenden Sendern Radio 105, Radio Monte Carlo und Virgin Radio sowie zahlreichen Web-Radiokanälen. Der Finelco-Anteil wurde im Juli 2009 auf 37,2% erhöht. Die Radio-Sparte sei "strategisch für die Weiterentwicklung integrierter Medienaktivitäten", begründete RCS-Chef Perricone den Schritt. Die Umsätze der Fernsehsparte Digicast stiegen 2008 um 27% auf 27 Mio. Euro.  Im Januar 2009 ging RCS mit dem neuen Frauenkanal LEI TV beim Satellitensender Sky Italia an den Start. 

Werbung
RCS Media Group verfügt über eine Werbetochter, RCS Pubblicità, die italienische Marktführerin im Presse-Werbegeschäft mit einem Anteil von 19% ist. Ferner kontrolliert RCS Pubblicità die Gesellschaft Blei, die Werbung italienischer Unternehmen in ausländischen Medien platziert. Die RCS-Werbetochter hält 34,5 Prozent an IGPDecaux, Italiens Marktführer in der Außenwerbung.

Neue Medien
RCS Media Group hält 49,51% an dem börsennotierten Unternehmen Dada aus Florenz, das international Internet- und Handydienste wie Portale, Unterhaltungsangebote und Social-Networking-Plattformen produziert. Dada verwaltet 1,3 Mio. Portale für 430000 Firmenkunden. Die Community "The Music Movement" hat nach Unternehmensangaben 12 Mio. Nutzer in 40 Ländern. Dada beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in Mailand, New York, Barcelona, Paris, London, Peking und Rio de Janeiro.  

RCS Media Group kontrolliert zu 100% die multimediale Presseagentur AGR, die Nachrichten in Text, Audio und Video für Web-Plattformen und lokale TV-Sender anbietet. AGR ist spezialisiert auf die Bereiche News, Sport, Wetter und Verkehrsmeldungen.

 
Vertrieb
Die RCS Media Group hält 45% an der Firma m-Dis Distribuzione Media, Italiens führendem Pressevertrieb. Die übrigen Anteile gehören den Verlagen De Agostini (45%) und Hachette Rusconi (10%).

Engagement im Ausland

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Die RCS Media Group agiert international. Besonders stark ist der Mailänder Verlag in Spanien, wo man über das zu 96,3% kontrollierte Unidad Editorial die zweitgrößte Tageszeitung "El Mundo" (Auflage 323 000), die führende Sportzeitung „Marca“ (Auflage 296 000) und das Wirtschaftsblatt „Expansión“ herausgibt. Unidad Editorial betreibt außerdem eine Reihe von Websites. In Frankreich besitzt RCS mit Flammarion einen der größten Verlage. Ein weiterer wichtiger Auslandsmarkt ist Großbritannien. Oxford University Press beispielsweise verlegt akademische Bücher sowie Schul- und Wörterbücher.

Mit der Beendigung der nahezu zehnjährigen Kooperation zwischen RCS und dem deutschen Medienunternehmen Hubert Burda Media im Jahr 2004 endete auch das Deutschland-Engagement der Gruppe. Die gegenseitigen Beteiligungen wurden gelöst: Burda verkaufte seinen 40%-Anteil an der Zeitschriftengruppe der RCS Media Group, RCS Periodici, an Rizzoli und übernahm von diesem gleichzeitig dessen Anteile an der Burda Verlag Osteuropa GmbH sowie an der Burda RCS International Holding GmbH. Wenige Monate später kaufte Burda der RCS-Gruppe auch noch den 50%-Anteil an der gemeinsamen Burda Rizzoli Verlagsbeteiligungen GmbH ab. Dieser GmbH gehörten 80% an der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße („Amica“, „Fit for Fun“, „TV-Spielfilm“). Milchstraße ging damit in den Besitz der Hubert Burda Media über.

Aktuelle Entwicklungen

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Die Wirtschaftskrise und die schlechte Werbekonjunktur haben im letzten Quartal 2008 auch Italiens größte Verlagsgruppe getroffen. Der RCS-Umsatz verringerte sich aufs ganze Jahr gerechnet um 4,6%. Neben dem Rückgang der Werbeerlöse und einem Auflagenschwund erlitt der Mailänder Großverlag auch Einbußen beim Kioskverkauf von Büchern, Filmen, CDs und diversen anderen Artikeln, die den Zeitungen beigelegt werden.  Der Gewinn stürzte auf weniger als ein Fünftel des Vorjahresniveaus ab. In der zweiten Jahreshälfte ergriffene Maßnahmen zur Kostenreduzierung führten zu Einsparungen in Höhe von 40 Mio. Euro. Gleichzeitig investierte RCS in den Ausbau der digitalen Aktivitäten aller Geschäftssparten sowohl in Italien als auch im Ausland. Die Umsatzsteigerungen bei Internet-Aktivitäten und den Verlagstöchtern Dada und Blei glichen die Verluste im angestammten Printgeschäft jedoch nur zum Teil aus. Die Werbeeinnahmen im Web stiegen 2008 in Italien um 40%. Besonders hoch waren die Umsatzeinbußen der spanischen Tagespresse.

2009 litt der Verlag unter der drastischen Verschlechterung der Marktbedingungen. "Trotz Sparmaßnahmen rechnen wir 2009 mit starken Verlusten", teilte RCS Mediagroup Ende Juli mit. In den ersten neun Monaten ging der Umsatz um 17,2% zurück. Die Werbeeinnahmen sanken um knapp 30%. Der Verlag verbuchte im Dreivierteljahr 73,3 Mio. Euro Verlust. Das Management arbeitet seit dem Frühjahr an einem Maßnahmenkatalog zur Revision des Geschäftsmodells von RCS und zur Durchsetzung weiterer Kostenreduzierungen. Um der Branchenkrise zu begegnen, werde der Verlag "außerordentliche Einschnitte" vornehmen, hatte RCS-Chef Antonello Perricone angekündigt. Man würde auch die Veräußerung von Sparten und Beteiligungen erwägen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Konkrete Schritte erfolgten jedoch nicht. Perricone stellte lediglich fest, dass die spanische Tageszeitungsgruppe Unidad Editorial als "strategische Beteiligung" angesehen wird.  Unidad Editorial schloss ein Abkommen mit Gruppo Bermont zur Gründung eines gemeinsamen Druckereiunternehmens in Spanien, an dem die RCS-Tochter 37% hält. Die Gemeinschaftsfirma soll zu Rationalisierungen und Effizienzsteigerungen im Druckgeschäft führen. 

Erste Krisenmaßnahmen für 2009 wurden Mitte Mai verabschiedet. Um die Kostenstruktur an den Auflagenschwund und die sinkenden Werbeumsätze anzupassen, sollten im Jahresverlauf 200 Mio. Euro Ausgaben gestrichen werden. Im Juli einigte sich die Verlagsführung mit den Journalistengewerkschaften auf den Abbau von 100 Stellen in den RCS-Redaktionen von RCS. Der Wegfall von Redakteursstellen trifft vor allem den "Corriere della Sera" (49 Stellen) und die angeschlagene Zeitschriftensparte (35 Stellen). An eine Einstellung von Zeitschriften-Titeln sei nicht gedacht, hieß es im Frühjahr. Zu diesem Zeitpunkt erwartete der Verlag, 2010 aus den roten Zahlen zu kommen. Doch mit einem raschen Krisenende rechnete man im November 2009 nicht mehr. Nach dem Erlöseinbruch sei bei den Werbeeinnahmen "keine baldige Trendwende vorhersehbar", teilte RCS mit.

Im Zentrum des öffentlichen italienischen Interesses stand zum Jahresbeginn der sogenannte "Krieg um die Via Solferino". Über Wochen hinweg tobte ein Kampf um die Absetzung von Paolo Mieli als Chefredakteur des "Corriere della Sera", Flaggschiff des traditionsreichen Verlags, und um die Berufung eines Nachfolgers. Unter den Großaktionären der RCS Media Group herrschte Dissens in der Frage. Die Redaktionsversammlung pochte darauf, dass der "Corriere" und seine Führung "nicht als Tauschware zwischen wirtschaftlichen Mächten und der Politik betrachtet werden". Im Anschluss an ein Treffen des Syndikatspakts berief der RCS-Verwaltungsrat am 30. März Ferruccio De Bortoli nach sechs Jahren zurück an die Spitze des "Corriere". De Bortoli hatte Mieli 1997 schon einmal ersetzt.  Der 55-jährige Mailänder war im Juni 2003 nach Kontrasten mit dem damaligen Regierungschef Berlusconi zurückgetreten. Seither war er Chefredakteur des Mailänder Wirtschaftsblattes "Il Sole 24 Ore".