41. ProSiebenSat.1

Umsatz 2009: € 2,761 Mrd.

Überblick

einklappen

Das Kerngeschäft der ProSiebenSat.1 Media AG ist Free-TV. Daneben ist sie in den Bereichen Produktion, Vermarktung, Vertrieb von Sendungen, Pay-TV, Internet und Transaktionsfernsehen aktiv. Seit 2003 wird die Sendergruppe, aus der die (seit Gründung von Sat.1 im Jahr 1984 beteiligte) Axel Springer AG 2008 ausstieg, von internationalen Finanzinvestoren kontrolliert.

Die Investoren der zweiten Generation, KKR und Permira, verschmolzen ProSiebenSat.1 2007 mit der paneuropäischen SBS Broadcasting Group. Dadurch wurde das Unternehmen mit Hauptsitz bei München zum zweitgrößten Fernsehkonzern Europas, allerdings auch mit hohen Schulden beladen.

Basisdaten

einklappen

Hauptsitz:
Medienallee 7
85774 Unterföhring
Tel. +49-89-9507-10
Fax +49-89-9507-1122
Internet: www.prosiebensat1.de

Branche: TV-Sender, TV-Produktion, Radio, Internet
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000 (Fusion von Sat.1 und ProSieben Media AG)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €; vorläufige Zahlen 2008)

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

Umsatz

2.761

3.054,2

2.702,5

2.105

1.989

1.840

1.807

1.895

2.015

2.155

Konzern-Überschuss

144,5

-129,1

384.284

444,3

383,7

133,6

39,4

12,58

68

93

Aktienkurs (Jahres-Schlusskurs in Euro)

8,06

2,40

16,39

24,85

16,35

13,50

13,25

6,50

5,75

32,09

Dividende

0,02

0,02

1,25

0,89

0,84

0,30

0,02

0,02

0,16

0,30

Beschäftigte

4980

6057

4852

2.976

2.788

2.699

2.899

3.062

3.029

3.187

Geschäftsführung

einklappen

Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Thomas Ebeling (Jahrgang 1959), Vorstandsvorsitzender, Vorstand für Group Content, International Free-TV, Radio, Print, Merchandising, Corporate, Human Resources sowie Sales & Marketing
  • Axel Salzmann (Jahrgang 1958), Vorstand für Group Operations, Group Controlling, Finance/Investor Relations, Legal Affairs, Accounting, Tax und Portfolio Management, Regulatory Affairs und Administration
  • Dan Marks (Jahrgang 1962), Vorstand für German Pay TV, Video on Demand, Participation TV and Business Development
    Andreas Bartl (Jahrgang 1962), Vorstand für German Free-TV


Aufsichtsrat:

  • Johannes Peter Huth, Vorsitzender, Partner und Europa-Chef bei Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR)
  • Götz Mäuser, Stv. Vorsitzender, Partner bei der Permira Beteiligungsberatung GmbH (Permira)
  • Robin Bell-Jones, Principal bei Permira
  • Greg Dyke, Medienberater
  • Philipp Freise, Principal bei KKR
  • Lord Clive Hollick, Partner bei KKR
  • Jörg Rockenhäuser, Geschäftsführer Permira Beteiligungsberatung GmbH
  • Adrianus Johannes Swartjes, Vorstandsvorsitzender bei Telegraaf Media
  • Prof. Dr. Harald Wiedmann (ehemals Präsident des Standardisierungsrates)

 

Gesellschafter (Anteile in Prozent): 56,7% Lavena Holding 4 Gmbh, 6 % Telegraaf Media Groep, 37,3% Streubesitz (Lavena 5 besitzt 88 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und rund 25 Prozent der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien). Die ProSiebenSat.1-Aktie ist im M-Dax notiert.

Geschichte und Profil

einklappen

Das Unternehmen ProSiebenSat.1 ist mit den großen Namen und Dramen der jüngeren deutschen Mediengeschichte eng verbunden und steht als größter deutscher Medienkonzern im Besitz von Finanzinvestoren weiter im Brennpunkt des Interesses.

Zuerst gehörte die Firma zum Imperium des Filmhändlers Leo Kirch, der das Unternehmen im Oktober 2000 durch die Fusion der beiden Sender Sat. 1 und ProSieben aus der Taufe hob - zuvor hatten die Konzentrationsregeln dies nicht erlaubt. Daher hatte jahrelang offiziell sein Sohn, Thomas Kirch, ProSieben geführt. Im Zuge dieser Fusion erwarb die Axel Springer AG einen 11,5-prozentigen Anteil an der neuen ProSiebenSat.1 Media AG. Springer war zuvor bereits an Sat.1 beteiligt gewesen; Kirch wiederum hielt 40% an der Springer AG. Nachdem 2001 erste Zweifel an Kirchs Zahlungsfähigkeit aufgekommen waren, versuchte Springer-Chef Mathias Döpfner, Kirch den Todesstoß zu versetzen: Er übte eine Put-Option aus, die es ihm erlaubte, den Anteil an ProSiebenSat.1 für 790 Millionen € zu verkaufen. Er hoffte, bei Zahlungsunfähigkeit die Sendergruppe zu erhalten. Allerdings hatte Döpfner die Rechnung ohne die Gläubigerbanken gemacht: Die Kirch-Gruppe zerfiel und die „Überreste“ wurden einem jahrelangen Insolvenzverfahren überantwortet. Im Zuge der Verhandlungen wurde fast jedes größere Medienunternehmen als potenzieller Käufer gehandelt, etwa Sony, TF1, der Bauer-Verlag, die WAZ-Gruppe oder auch der internationale Medien-Tycoon Rupert Murdoch (News Corp.).

Schließlich erhielt im August 2003 ein hierzulande bis dato unbekannter US-amerikanischer Medienunternehmer den Zuschlag: Haim Saban übernahm gemeinsam mit einem Bankenkonsortium die Aktienmehrheit am Konzern. Damit wurde ein wichtiger Teil der Deutschland AG an ausländische Investoren verkauft - obwohl einige deutsche Medienpolitiker dies mit einer ‚deutschen Lösung’ zu verhindern suchten. Saban schien sein Glück im Nachhinein selbst kaum fassen zu können, hatte er doch für ‚nur’ 525 Millionen Euro ein Herzstück der deutschen TV-Industrie erworben. "That level of ownership would never be allowed in the U.S.. It would be too much concentration", so Saban 2004 zur "New York Times". Insbesondere sein charmantes Auftreten dürfte ihm bei dem Deal geholfen haben. Während John Malones kompromissloser Übernahmeversuch der deutschen Kabelnetze gescheitert war, konnte Saban die Bedenken der Aufsichtsbehörden en passant ausräumen. Der "NYT" verriet er sein Erfolgsgeheimnis: „I sweet talked them“.

Trotz aller Beteuerungen, längerfristig engagiert zu bleiben, entschied sich Saban bereits Mitte 2005 für den Verkauf von ProSiebenSat.1. Verhandlungen mit der Axel Springer AG über eine Komplettübernahme des Konzerns waren bereits weit gediehen, als das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) dem Verlagshaus einen Strich durch die Rechnung machten. Die offizielle Begründung rekurrierte auf die nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähige Marktmacht des Springer-Konzerns, die  auf dem Fernsehwerbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen sowie dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen durch einen Zusammenschluss entstünde. Das sich abzeichnende Veto der Behörden führte Anfang 2006 zu einer Rücknahme des Übernahmeangebots aus dem Hause Springer.

Im zweiten Anlauf zum Verkauf einigte sich Saban Ende 2006 mit einem Konsortium ausländischer Finanzinvestoren. Zu einem Preis von ca. 3 Milliarden Euro ging der Konzern an Permira und KKR. Am 6. März 2007 erlangte die Mehrheitsübernahme der ProSiebenSat.1 AG durch die von KKR und Permira kontrollierte Lavena Holding 4 GmbH Rechtskraft. Der größten Deal in der deutschen Mediengeschichte hatte Sabans eingesetztes Kapital nahezu versechsfacht.

Die Axel Springer AG verkaufte im Dezember 2007 überraschend ihren 12-prozentigen Anteil an der Sendergruppe für gut 19 Euro pro Aktie an Permira / KKR. Im Sommer zuvor war eine Aktie noch 30 Euro wert gewesen; im späteren Rückblick erwies sich das Geschäft als dennoch nicht schlecht: 2008 unterschritt der Kurs (trotz inzwischen erfolgter Fusion mit SBS Broadcasting) 5 Euro, im März '09 fiel er zeitweilig unter die 1-Euro-Marke. Vor diesem Hintergrund kein Wunder, dass Gerüchte über ein Springer-Engagement in der Sendergruppe oder bei einzelnen Sendern weiter kursieren. Nachdem das Oberlandesgericht Düsseldorf 2008 das Verbot der ProSiebenSat.1-Übernahme bestätigt hatte, zog Springer vor den Bundesgerichtshof - der das Verbot im Juni 2010 allerdings ebenfalls bestätigte.

Ebenfalls wegen des Kursverfalls beschloss die zuvor an der SBS-Gruppe beteiligte niederländische Telegraaf Media Group, eine zum 1. Juni 2008 eingeräumte Kaufoption auf 12% der Stammaktien nicht auszuüben. Dennoch wurde sie von Permira/ KKR zur Übernahme der Anteile zum für die Verkäufer vorteilhaften Preis von 377 Mio. Euro "gezwungen" ("blogs.taz.de"). Das entsprach einem Preis von 28,71 Euro pro Aktie, die an der Börse zum gleichen Zeitpunkt für 5,50 Euro zu haben war.

Management

einklappen

Als durch Fusionen entstandene Sendergruppe hat ProSiebenSat.1 immer darum gerungen, das Marktpotenzial seiner einzelnen Sender zu nutzen und auf digitalen Märkten einzusetzen: Die Programminhalte der beiden großen Kanäle Sat.1 und ProSieben waren aufeinander abzustimmen, Kostenreduktionen bestimmten die Unternehmensstrategie, wobei die Gruppe durch die Etablierung kostengünstiger, seriell hergestellter Formate („Verliebt in Berlin“, „Richterin Barbara Salesch“, „Lenßen&Partner“, „Schillerstraße“) zeitweise den Publikumsgeschmack treffen und den Marktführer RTL als Innovationsmotor ablösen konnte. Ein wichtiger Schritt zu Synergien und weiteren Einsparungen ist der 2009 vollzogene Umzug des Berliner (vormals Mainzer bzw. Hamburger) Senders Sat.1 ins Sendergruppen-Hauptquartier nach Unterföhring.

Nach dem Ausscheiden des schillernden Saban wird das Unternehmen offiziell von den neuen Gesellschaftern, der Permira Beteiligungberatung GmbH und Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) kontrolliert. KKR zählt zu den weltweit größten und erfahrensten Finanzinvestoren. Seit 1976 übernimmt die in den USA gegründete Beteiligungsgesellschaft angeschlagene Konzerne und trimmt diese auf Rendite. Nach eigenen Angaben hat KKR mehr als 165 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von über 420 Mrd. US-Dollar getätigt (Stand 2009). Dagegen wirkt die Unternehmensvita 1985 gegründeten Partners Permira (lat.: „sehr überraschend“) bescheiden, auch wenn das Unternehmen inzwischen auf über 190 Investments zurückblickt. Beide Unternehmen verfügten und verfügen über Mehrheitsbeteiligungen in den Bereichen Medien und Telekommunikation.  KKR gehörten oder gehören zum Beispiel „PagesJaunes“ (Frankreich), „SevenMediaGroup“ (Australien) und „Primedia“ (USA). In Deutschland engagierte sich Permira als Mehrheitseigner des Telekomunternehmens „debitel“ und war Eigentümer des Bezahlsenders „Premiere“ (heute: "Sky") bis zu dessen Börsengang. 
Auch wenn ein Gutachten des Bredow-Instituts zum Ergebnis kam, dass Finanzinvestoren aus rundfunkrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden seien, bleibt die Frage nach den langfristigen Auswirkungen ihres Engagements im sensiblen Medienbereich auf der Agenda.

Bereits vor ihrem ProSiebenSat.1-Deal besaßen Permira und KKR gemeinsam die paneuropäische Sendergruppe SBS. Erwartungsgemäß fusionierten die Eigentümer ihre beiden Sendergruppen am 3. Juli 2007. Als Nummer zwei in Europa hinter der RTL Gruppe erreichte die "neue" ProSiebenSat.1 nach eigenen Angaben 78 Millionen Haushalte in 14 Ländern (2010: über 78 Mio. Haushalte in 12 Ländern). Ihren Sitz hat sie weiterhin bei München. Unter Permira/ KKR wurde sie zunächst weiterhin operativ von Guillaume de Posch geführt, den bereits Vorbesitzer Saban von der französischen TF1-Groupe abgeworben hatte. Der Belgier hatte Sabans Vorgabe, den Konzern für den Verkauf aufzupolieren, meisterhaft bewältigt und richtete sein Handeln auch auf die Renditeziele der neuen Herren aus. Experten bezifferten das Einsparpotenzial nach der Fusion auf bis zu 90 Millionen Euro. Schon wegen des hohen SBS-Kaufpreises von rund 3,3 Mrd. Euro, der ProSiebenSat.1 in Form von Schulden auferlegt wurde, setzte de Posch seinen harten Sparkurs fort. Trotz gegenteiliger Versicherungen wurden 2007 und 2008 100e Mitarbeiter entlassen. Als Sat.1 die Boulevardformate „Sat 1 am Mittag“ und „Sat 1 am Abend“ einstellte und an Nachrichtensendungen sparte, woraufhin Anchorman Thomas Kausch den Sender verließ, beklagte "FAZ" "Heuschreckenlogik" ("Die Eigentümer des Privatsenderkonzerns ProSiebenSat.1 haben in dieser Woche ein Kapitel der deutschen Rundfunkgeschichte beendet. Sie haben es begraben ...").

Im Geschäftsjahr 2007, in dem die Nettofinanzverschuldung des Unternehmens von 122 Mio. € auf  3.328,4 Mio € stieg, führte vor allem das Bußgeld von 120 Millionen Euro, das das Bundeskartellamt gegen den konzerneigenen Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia verhängt hatte, zum faktischen Gewinneinbruch. 2008 verschärfte sich die Krise. Zwar stieg der Konzernumsatz auf rund 3 Mrd. Euro, doch war das Jahresergebnis mit -129,1 Mio. Euro negativ. Beides hängt mit der erstmaligen ganzjährigen Konsolidierung der SBS-Gruppe zusammen - mit der sich die ursprünglich erhofften Synergien auf dem national zersplitterten europäischen Fernsehmarkt weiterhin kaum realisieren lassen.

Dass trotz der schlechten Lage und des hohen Schuldenstands 98,9 Prozent des bereinigten Konzernjahresüberschuss als Dividende ausgeschüttet wurden, während andererseits zusätzliche 70 Millionen Euro im Budget fürs laufende Jahr eingespart werden sollten, löste bei Kleinaktionären und Presse heftige Kritik aus ("Süddeutsche Zeitung": "Ein Schlachtfest"). Auch die Eigentümer hinterfragten daraufhin ihre Geschäftspolitik öffentlich (Permira- Chairman Thomas Krenz im November '08 zum "Spiegel": "Als die Entscheidung gefallen ist, hatten wir keine drohende Weltrezession und berechtigte Hoffnungen wegen des neuen Verkaufsmodells. Deshalb ist es aus heutiger Sicht richtig, zu fragen, ob man das nicht anders hätte machen sollen"). Nachdem Finanzkrise und sinkende Werbeeinnahmen die Lage weiter verschlechtert hatten und der Schuldenstand im dritten Quartal 2008 3,85 Milliarden Euro erreichte, verzichteten die Gesellschafter für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 ganz auf Dividenden (auf Stammaktien, von denen KKR und Permira die meisten halten, wurde keine Dividende gezahlt, je Vorzugsaktie lediglich die Mindestdividende von 0,02 Euro pro Aktie) und stellten ein Gesellschafterdarlehen in Aussicht. Seither besserte sich die finanzielle Lage leicht.

Zu diesem Zeitpunkt war das Personalkarussell bereits in Schwung. Die Nachfolgersuche begann mit de Poschs Ankündigung im Juni 2008, das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen. Sie brachte erst im Dezember ein Ergebnis: Seit März 2009 führt Thomas Ebeling, bisheriger CEO des Pharma-Unternehmens Novartis Consumer Health, den Medienkonzern.
Parallel gab es zahlreiche weiteren Umstrukturierungen. So schieden aus dem Vorstand Lothar Lanz (Finanzen, seit Oktober 2000 dabei, inzwischen in gleicher Position bei Axel Springer) und Peter Christmann (Sales & Marketing) aus, dessen Werbezeiten-Verkaufsmodell zu schlechten Zahlen geführt hatte: "rund fünf Prozent Werbemarktanteil – in absoluten  Zahlen etwa 100 Mio. Euro – hat die Gruppe 2008 durch eigenes Verschulden mit ihrem missglückten Vermarktungsmodell verloren", schätzte der "kressreport". Die beiden wurden durch Axel Salzmann sowie Klaus-Peter Schulz, der schon 2009 wieder ausschied, ersetzt.  Sein Nachfolger als Sales und Marketing-Vorstand ist Vorstandschef Ebeling selbst.

Auch unterhalb dieser Ebene hatte bereits de Posch neue Management-Ebenen eingeführt: Der bisherige ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl stieg zum "Managing Director" der "German Free-TV Holding GmbH auf (und wurde kurz darauf in den Vorstand berufen). In Bartls Verantwortung wiederum koordinieren "Content-Manager" die Bereiche Fiction, Infotainment & Magazine und Unterhaltung senderübergreifend. Das sei eine "Anpassung an das erfolgreiche Management-Modell in anderen Ländern der Gruppe wie den Niederlanden, Belgien, Schweden oder Norwegen", erläuterte de Posch. Mit der 2009 gegen viele Widerstände durchgesetzten Entscheidung, Sat.1 nach Unterföhring zu verlagern, ging und geht weiterer Managment-Umbau einher. So führte ein steiler Aufstieg bei P7S1 den vorherigen Kabel 1-Chef Guido Bolten in die Sat.1-Geschäftsführung -  bis er im Januar 2010 den Posten wegen des schwachen Erfolgs seiner Maßnahmen aufgab.

Auch wenn der neue Vorstandschef Ebeling 2009 und 2010 wiederholt durch missverständliche oder unglückliche Äußerungen zur künftigen Strategie auffiel - ob es um einen vermeintlichen Einstieg ins Pay-TV ("Handelsblatt") ging oder um die Zukunft der Nachrichtensendungen auch in den "Vollprogrammen" der Sendergruppe (siehe N24-Verkauf, "aktuelle Entwicklungen") - die für die Gesellschafter allein wichtigen Geschäftszahlen bewegen sich unter seiner Ägide aufwärts.

Geschäftsfelder

einklappen

Die ProSiebenSat.1 Media AG ist auf allen Stufen der TV-Wertschöpfung aktiv. Dies umfasst Produktions- und Distributionsaktivitäten sowie die Vermarktung (Werbezeiten, Multimedia, Merchandising). Die Strategie des Konzerns zielt auf den Ausbau seiner Position auf dem Free-TV-Markt und im Internet sowie die Stärkung von Randbereichen (Diversifikation). Der neue Vorstandschef Ebeling kündigte (ähnlich wie seine Vorgänger) an, bis 2014 30 Prozent der Einnahmen außerhalb der Werbung erzielen.
Im Zuge kontinuierlicher Konzernumbau-Maßnahmen bemüht sich der Konzern immer wieder sowohl um Konzentration auf Kernkompetenzen wie auch um Expansion.

1.) Free-TV
Kernstück des Unternehmens sind die inzwischen in der "German Free TV Holding" zusammengefassten Sender Sat.1, ProSieben und Kabel 1, die 2009 einen durchschnittlichen Zuschauermarktanteil (Zuschauer ab 3 Jahren) von 21,9 % erreichten. ProSiebenSat.1 beziffert seinen Anteil auf dem Markt der deutschen Fernsehwerbung auf 43 Prozent (Stand 2009). Der Sender N 24 schied 2010 durch Verkauf aus dieser Sendergruppe aus (siehe unten). Insgesamt konnten sich die deutsche Sendergruppe 2009 über eine Steigerung ihres Gesamtmarktanteils bei den "werberelevanten" Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren um 0,7 Prozentpunkte auf 30,1 Prozent freuen. Beim Gesamtpublikum kamen Sat.1 auf 10,4 Prozent und ProSieben auf 6,6 Prozent Marktanteil.

Seitdem sämtliche deutschen P7S1-Sender unter einem Dach sitzen, wird besonders emsig an Synergieeffekten gearbeitet. Viele Manager sind nicht mehr für einzelne Sender, sondern für die gesamte Sendergruppe tätig. Anfang 2010 wurde die Ebene von für einzelne Sender zuständigen Chefredakteuren abgeschafft.

Sat.1
Der Sender, für den aktuell Vorstandsmitglied Andreas Bartl die Verantwortung trägt (nachdem Guido Bolten, der 2008 Geschäftsführer Matthias Alberti abgelöst hatte, im Januar 2010 ausschied) ist 2009 trotz Mitarbeiter-Protesten und des ersten Streiks im deutschen Privatfernsehen aus Berlin ins Sendergruppen-Hauptquartier nach Unterföhring umgezogen.
Beim Publikumserfolg erlebt Deutschlands ältester Privatsender seit je ein heftiges Auf und Ab. 2006 hatten Quotenbringer wie die Telenovela „Verliebt in Berlin“ (bis zu 38,6 Prozent Marktanteil bei den "Werberelevanten") und US-Serien wie „Navy CIS“ (bis zu 22,0%) sowie ein verbessertes Kostenmanagement dazu geführt, dass Sat.1 nach Konzernangaben „zur Riege der profitabelsten TV-Sender im deutschen TV-Markt“ gehörte; der durchschnittliche Marktanteil lag bei 11,3%.  2007 sank er auf 10,6 Prozent. Mutige Entscheidungen wie die zu einer Hauptnachrichtensendung, die wie die ARD-"Tagesschau" um 20.00 Uhr beginnt, und zur Ausstrahlung deutscher Fiction-Serien - trotz zahlreicher Flops - zahlten sich kaum aus. So kam es 2008 zu zahlreichen Umstrukturierungen; N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann etwa wurde zeitweilig zum weiteren Geschäftsführer ernannt. Große Teile der Berliner P7S1-Unternehmen gingen 2009 im Rahmen einer Auslagerung an die konzernfremde Fernsehwerft GmbH über. Den Umzug nach Bayern machten nur wenige Berliner Sat.1-Mitarbeiter mit - was dem Konzern zur Einsparung durchaus zupass kam. Inzwischen ist von rund 500 bei Sat.1 entfallenen Stellen die Rede.

2009 sorgten spektakuläre Verpflichtungen bekannter Fernseh-Namen für Schlagzeilen: Inzwischen senden Oliver Pocher (zuvor neben Harald Schmidt für die ARD tätig) und Johannes B. Kerner, der langjährige Multi-Talker des ZDF, für Sat.1. Auch in das Personal hinter den Kulissen wurde investiert: Wolfgang Link, zuvor Executive Producer der Show "Deutschland sucht den Superstar" des Rivalen RTL, ist Sat.1-Unterhaltungschef. Die reanimierte Fußball-Show "ran" (in der Sat.1 schon bis 2003 von der Fußball-Bundesliga berichtet hatte) kapitalisiert den Erwerb wichtiger Fußballrechte. Der durchschlagende Erfolg dieser Maßnahmen ließ auf sich warten, Kerner musste seinen anfänglichen Sat.1-Sendeplatz am Montagabend bereits aufgeben. Der durchschnittliche Marktanteil des Senders in seiner Zielgruppe bewegt sich 2010 bei 11 Prozent. 

ProSieben
Im Jahr 2009 steigerte ProSieben seinen Zielgruppen-Marktanteil wie im Vorjahr um 0,1 Prozentpunkt - auf 11,9 Prozent. Traditionell erfolgreich sind Hollywood-Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, die Marktanteile von bis zu 40% erreichen. Zu den wesentlichsten Erfolgsgaranten gehört Stefan Raab, der im März 2009 das zehnjährige Jubiläum seiner viermal pro Woche ausgestrahlten Show "tv total" beging. Mit der Samstagabendshow "Schlag den Raab" entwickelte er zudem einen veritablen Exportschlager. Für viel Aufsehen sorgt er 2010 überdies mit der Pro Sieben/ ARD-Kooperation "Unser Star für Oslo", in der der deutsche Beitrag zum "Eurovision Song Contest" ermittelt wurde. Ebenfalls langfristig erfolgreich laufen Castingshows wie „Popstars“ (bis zu 30%) und „Germany’s Next Topmodel“ mit Heidi Klum; das Finale der dritten Staffel erreichte 30,0 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe. Mit zahlreichen Internetaktivitäten entwickelte sich "GNTM" zu einem Paradebeispiel für crossmediale Vermarktung.

Kabel1, N24, Sixx
Der Marktanteil von Kabel1 liegt 2010 um die sechs Prozent und steigt damit weiterhin leicht (2008: 5,5 Prozent). Anstelle von Wiederholungen von Spielfilmklassikern, die das Programm des einstigen "Kabelkanals" früher bestimmten, prägen zunehmend Dokutainment-Formate das Profil des Senders.

N24 erreichte 2008 bei den "Werberelevanten" 1,3% und beim Gesamtpublikum 1,0%. Der als Nachrichtenkanal bezeichnete Sender (der freilich im Abendprogramm längst vor allem US-amerikanische Dokumentationen à la "Job am Limit: Einsatz im Atomkraftwerk" zeigt) war seit dem Wegzug von Sat.1 einziges ProSiebenSat.1-Standbein in der Hauptstadt. Im Sommer 2010 ist er durch Verkauf aus dem Konzern ausgeschieden, wird jedoch weiterhin Nachrichten zuliefern (siehe "aktuelle Entwicklungen").

Dennoch schrumpft die Anzahl der deutschen P7S1-Sender nicht. Im Mai 2010 ging, zunächst nur digital (mit etwa 40 Prozent technischer Reichweite), "Sixx" auf Sendung. Geschäftsführerin Katja Hofem-Best, die zuvor für Discovery Communications den deutschen Männersender Dmax aufgebaut hatte, will damit ein Fernseh-Äquivalent zum Segment der zahlreichen Frauenzeitschriften schaffen. Der Frauensender will zunächst auf Unterbrecher-Werbung verzichten und stattdessen mit Sonderwerbeformen (und Werbekunden, die bisher nicht im TV, sondern nur in der Presse warben) experimentieren. Gezeigt werden u.a. Oprah Winfrey-Shows und Serien, deren Rechte aus Output-Deals der Sendergruppe mit amerikanischen Studios stammen.

Vermarktung
Beim konzerneigenen Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia stellte das Bundeskartellamt am 19. Juni 2007 Unterlagen sicher, die wettbewerbswidrige Absprachen belegen sollten. Dabei ging die Behörde, wie zugleich auch beim Werbezeitvermarkter IP (RTL), Hinweisen über so genannte „Share Deals“ (Werbezeitvermarkter gewähren Mediaagenturen hohe Rabatte, wenn diese einen großen Anteil Werbespots bei ihnen buchen) nach.  ProSiebenSat1 erklärte sich zur Zahlung eines Bußgeldes von 120 Millionen Euro bereit, um weitere Untersuchungen abzuwenden (ebenso wie RTL, das 96 Millionen Euro zahlen musste). Diese Strafe und die erforderliche Umstellung des Rabattsystems, die den Unterföhringern schlechter gelang als RTL, belasteten ProSiebenSat1 lange erheblich. 

2009 wurden die Konzernfirmen SevenOne Media und SevenOne Interactive zum "mit Abstand größten medienübergreifenden Vermarktungsunternehmen im deutschen Werbemarkt" fusioniert. Seit 2010 ist dieses zu einem Viertel am gemeinsam mit G + J Electronic Media Sales (Gruner + Jahr/ Bertelsmann), IP Deutschland (RTL-Group/ Bertelsmann) und Tomorrow Focus (Burda) gegründeten Joint-Venture "Ad Audience" beteiligt. Der deutsche Internet-Vermarkter soll mit der gewaltigen Online-Werbemacht von Google konkurrieren. 

 

2.) TV-Produktion
Immer wieder werden bei P7S1 der Ausstieg aus der und der Einstieg in die Fernsehproduktion verkündet. Bemühungen, die ProSiebenSat.1-Produktion, die überwiegend als technischer Dienstleister fungiert, im Zuge einer Konzentration auf Kernkompetenzen zu verkaufen, blieben lange erfolglos. Daraus entwickelte sich u.a. 2008 die Übernahme der IT-Abteilung durch IBM im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags; auch der geplante Ausbau eines neuen Playout-Centers in München war mit Stellenstreichungen verbunden.

2005 gründete das Unternehmen gemeinsam mit dem Produzenten Christian Popp die Firma "Producers at work" (PAW). Popp war zuvor für die Herstellung der erfolgreichen Telenovelas/Daily Soaps bei der zur Bertelsmann AG gehörenden UFA tätig. Während Konkurrent RTL im Bereich der TV-Produktion mit Firmen wie UFA und der Fremantle Media blendend aufgestellt ist, bleibt der Erfolg von "Producers at Work"-Produktionen noch oft aus. So wurden 2008 die am Donnerstag nacheinander programmierten Sat.1-Serien "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" und "Dr. Molly & Karl" vorzeitig abgesetzt. Die Telenovela "Anna und die Liebe" knüpfte erst spät an den erhofften "Verliebt in Berlin"-Erfolg an. Dennoch wurden weitere Produktionsfirmen wie die "Red Seven Entertainment", die Unterhaltungsformate inhouse produzieren soll anstatt sie an externe Produzenten zu vergeben, und die PAW-Tochter "Magic Flight Film" gegründet. Beide sind inzwischen Teil der 2010 neu gegründeten Red Arrow Entertainment Group, die auch "die internationale Expansion der Gruppe im Bereich Produktion, Programmvertrieb und Formatentwicklung vorantreiben" soll. Alte und neue Beteiligungen (wie an der belgischen Produktionsfirma "Sultan Sushi") werden hier gebündelt.

 

3.) Weltvertrieb
Darüber hinaus zum Konzern gehört die internationale Vermarktungsabteilung SevenOne International, die die Eigenproduktionen der Gruppe weltweit vertreibt: Zu einem gewaltigen Exporterfolg entwickelte sich das von der (konzernunabhängigen) Brainpool AG für ProSieben entwickelte Format „Schlag den Raab“. Adaptionen der Sendung, bei der Zuschauer den Moderator Stefan Raab herausfordern und im Falle eines Sieges bis zu 500.000 € einstreichen können, laufen in 14 Ländern zwischen England und China. SevenOne International vertreibt Produktionen Dritter, aber auch eigene Produktionen wie die in acht Länder zwischen Frankreich und der Ukraine verkaufte Telenovela "Verliebt in Berlin" international. Die dabei erzielten Gewinne werden nicht veröffentlicht.

 

4.) Transaktions-TV
Um die Abhängigkeit vom Werbemarkt zu verringern, übernahm ProSiebenSat.1 im Juni 2005 sämtliche Anteile an der Euvia Media AG, die den Call-In-Sender 9Live und den Reise-Shoppingkanal sonnenklar.tv betreibt. 9Live finanziert sich hauptsächlich durch Telefonanrufe. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs verdoppelte sich im Vergleich zunächst nahezu (auf 95,8 Mio. Euro). Wollte der heftig umstrittene Sender sich 2006 noch „durch innovative Programmformate“ von Mitbewerbern abgrenzen, führten mehrere Kurswechsel ab 2008 nicht zu Erfolg. Eine neue Sendung der einstigen WDR- und Sat.1-Moderatorin Margarethe Schreinemakers erreichte Marktanteile zwischen 0,0 und 0,2 Prozent und wurde eingestellt (siehe "Tagesspiegel"). Mit Programmideen wie Teleshopping und Gewinnspiele für Minderjährige (vgl. dwdl.de) erregt der Sender bei Medienkritikern Ärger, macht aber keine guten Geschäfte mehr. 2010 versucht 9Live mit einer "Multiplayer-Skill-Gaming-Plattform" sein Geschäftsmodell ins Internet zu verlängern, doch beklagt der Konzern weiterhin Umsatzrückgänge im Transaktions-Geschäft, auch aufgrund der im März 2009 in Kraft getretenen "Gewinnspielsatzung der Landesmedienanstalten". Gerüchte, er könne den (nicht in die "German Free TV Holding" integrierten) Sender verkaufen, kommen immer wieder auf.

 

 5.) Digital/ Internet
Vor allem das Internet gewinnt bei den Konzernaktivitäten rasant Bedeutung. Im Juli 2006 wurde das Video-on-Demand-Portal „maxdome“ gestartet. Dank einer Kooperation mit dem Internetprovider United Internet (gmx, web.de), seit 2008 50-prozentiger Miteigner, erreicht maxdome nach eigenen Angaben rund 200.000 aktive Nutzer (Stand: 2009/10). Die Anzahl der in "Deutschlands größter Online-Videothek" verfügbaren Titel liegt inzwischen bei 25.000 und umfasst inzwischen auch: Filme in HD-Qualität (High Definition), dank Vereinbarungen mit den Rechteinhabern Transit Film und Progress deutsche Filmklassiker aus der DDR ("Die Legende von Paul und Paula") und der Vorkriegszeit (Fritz Langs "Metropolis") sowie ZDF-Produktionen wie die zahllosen Rosamunde Pilcher-Verfilmungen. Überdies lassen sich auf Sendern wie "Schalke 04 TV" auch Fußballspiele verfolgen, die das Free-TV nicht überträgt. 2010 strebt Maxdome wie zahlreiche Wettbewerber die Verbreitung auf hybriden Fernsehern und Receivern an, die das Internet aufs Fernsehgerät bringen sollen.

2008 neu eingeführte Videoportale der Free-TV-Sender wie www.ProSieben.tv, auf denen Eigenproduktionen wie "Galileo" und aktuelle "Germany`s next Topmodel"-Folgen meist zumindest eine Woche nach der TV-Ausstrahlung kostenlos abrufbar sind, sind ebenfalls mit dem (überwiegend) kostenpflichtigen maxdome-Angebot verbunden.

2006 erwarb die Sendergruppe Anteile an den Onlineplattformen „MyVideo.de“ (einer deutschen Variante der erfolgreichen amerikanischen Bewegtbild-Webseite "Youtube") und „lokalisten.de“ (seit 2008 zu 90 Prozent in P7S1-Besitz; 2009 zumindest nach PageImpressions unter den zehn erfolgreichsten deutschen Webseiten), die es Nutzern erlauben, eigene Inhalte im Internet zu präsentieren und sich untereinander zu vernetzen. So wie die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Mediendatenbank), die „StudiVZ“ erwarb, erkannte auch ProSiebenSat.1 Vermarktungspotentiale auf diesem Gebiet. Viele Inhalte wie etwa die (von der konzerneigenen "Producers at work" hergestellte) Telenovela "Anna und die Liebe" tauchen inzwischen auf mehreren konzerneigenen Plattformen auf. Unter dem Label "MyVideo Prime TV" vermarktet P7S1 2009 mit monatlich 1,45 Millionen Zuschauern bzw. Unique Usern (2010: 2,5 Mio.) "eine der größten vermarktungsfähigen Reichweiten im Bereich Bewegtbild im deutschsprachigen Internet."

Bereits 2007 übernahm der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung an der Ratgeberplattform "wer-weiss-was.de", 2008 eine an "Webnews.de", einem "Social-News"-Angebot, das auf den Erfolg des US-Angebots "digg.com" spekuliert. Bei Webnews ist Holtzbrinck Minderheitspartner. Außerdem wurde "Feeem Media" (inzwischen: "fem.com") erworben, ein Internetportal für Frauen. Das entsprach Marktforschungs-Ergebnissen, denen zufolge weibliche Zielgruppem im Internet noch nicht hinreichend adressiert würden und Engagements konkurrierender Medienkonzerne im selben Segment (Springer: aufeminin.com, Burda: bequeen.de). Der 2010 gestartete digitale Fernsehsender "Sixx" sollte ursprünglich "FEM TV" heißen.
Die Preissuchmaschine "billiger.de", ebenfalls mehrheitlich 2007 erworben und noch 2008 Objekt von Internationalisierungs-Bestrebungen, wurde wieder verkauft, da "eine sinnvolle Vernetzung zu unserem TV-Content jedoch kaum realisierbar" schien.

 

6.) Pay-TV 
Bei SevenSenses wird das Pay-TV Angebot des Konzerns gebündelt, das in Deutschland in den Kanälen „Sat.1 Comedy“ und „kabel eins classics“ besteht. Eigenproduktionen dieser Sender wie etwa "Die Niels Ruf-Show" („Sat.1 Comedy“ und zeitweise auf Sat.1) werden auch über "Maxdome" angeboten und treiben so die Konvergenz voran.

 

7.) Diversifikation
Seit 2005 betreibt das Unternehmen in Kooperation mit Warner Music das Label "starwatch music", das eigene Künstler aufbauen und vermarkten soll. Die Popband „Monrose“, die als erster Sieger aus der ProSieben-Show „Popstars“ hervorging, ist bei diesem Label ebenso unter Vertrag wie der deutsche Swingsänger Roger Cicero und der irische Sänger Chris der Burgh. Das "Künstlermanagement von familieneigenen und -fremden Stars" zählt zur Mission des Unternehmens. Angekündigt wurden die "Gründung eines Profit Centers für Live-Entertainment" wie "Public-Viewing-Events" zu "Germany's next Topmodel".Mit der 2010 ins Leben gerufenen Agentur "talent management agency" stieg Starwatch Music wiederum "ins Künstler-Management ein". Auch die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein steht dort unter Vertrag (die während der Fußball-WM 2010 allerdings nicht als besonders gut beratene öffentlich-rechtliche Journalistin auffiel).

Die 2006 gegründete ProSiebenSat.1 Mobile krankte daran, dass sich Handy-TV bislang nicht in Deutschland durchsetzte. Die Spiele-Plattform "sevengames.com" und Ableger für Handy-Empfang sollen am wachsenden Markt für Computerspiele und ab 2009 auch für Multiplayer-Online-Games partizipieren. ProSiebenSat.1 beteiligte sich mit neun Prozent am US-amerikanischen Spieleproduzenten ZeniMax. Auch in diesem Segment werden Synergien gesucht. Beispielsweise erschloss SevenOne Interactive "Germany's next Topmodel" für das In-Game-Advertising und band Werbepartner (die Kosmetikmarke Maybelline Jade und den Einzelhändler C&A) in das begleitende Online-Spiel "Germany's next Topmodel - the Game" ein.

Engagement im Ausland

einklappen

Bis Ende Juni 2007 war ProSiebenSat.1 kaum im Ausland aktiv, sondern bot bloß über den deutschsprachigen Pay-TV-Sender „ProSiebenSat.1 Welt“ Programminhalte in den USA (seit 2004) und Kanada (seit 2006) an. 2009 wurden 20.000 (2008: 18.000) Abonnenten des Angebots in Nordamerika vermeldet, das neuerdings mit dem Slogan "The best of one nation on one station!" wirbt.

Mit der Übernahme der Sendergruppe SBS 2007 wurde aus ProSiebenSat.1 mit einem Schlag ein multinationaler Anbieter von 19 kommerziellen TV-Sendern in neun europäischen Ländern (Niederlande, Schweden, Dänemark, Norwegen, Belgien, Finnland, Bulgarien, Ungarn und Rumänien). In der Schweiz und Österreich ist er mit lokalen Ausgaben von Sat.1  und ProSieben vertreten, außerdem erwarb er 2007 den Wiener Ballungsraumsender "Puls TV". Hinzu kommen diverse Radiostationen, eine davon in Griechenland. 2009 beschäftigte die integrierte Sendergruppe 2009 bei Free-TV-Sendern und Radiostationen gut 5.400 Mitarbeiter in 14 europäischen Ländern von Finnland bis Griechenland.

2008 wurde das schwedische Pay-TV-Unternehmens "C More" an TV 4 (Bonnier Group) verkauft. Die Rede war von einem Preis von rund 320 Mio. Euro. 

Zwar bemüht sich ProSiebenSat.1 in vielen kleinen Schritten um das Internationalisieren der zahlreichen Aktivitäten. Beispielsweise expandierte die Internet-Video-Community "MyVideo" nach Belgien und in die Niederlande, die deutsche Games-Plattform SevenGames.de startete in einer englischsprachigen Version. Mit der Produktion der Show "The next Uri Geller" in einer deutschen und der holländischen Fassung "back to back" in einem Studio in Köln wurden Synergiepotenziale im Fernsehbereich ausgetestet. Doch die von den Eigentümern bei der P7S1/ SBS-Verschmelzung avisierten Synergieeffekte großen Stils blieben aus. Immer mal wieder bringt die Wirtschaftspresse die Idee ins Spiel, es würde ProSiebenSat.1 am ehesten helfen, die europäischen Aktivitäten, die zu SBS gehörten, wieder zu verkaufen.

Aktuelle Entwicklungen

einklappen

Wie sich bereits andeutete, entwickeln sich die Geschäftszahlen unter dem 2009 angetretenen Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling positiv. Im ersten Quartal 2010 stiegen der Marktanteil im deutschen Kernmarkt um 0,6 Prozentpunkte auf 29,7 Prozent und der Umsatz um fünf Prozent auf 658,4 Mio. Euro (jeweils gegenüber dem Vorjahresquartal). Im zweiten Quartal 2010 stieg der Umsatz gar um 9,6 Prozent auf 760,6 Mio. Euro. Besonders erfolgreich entwickelte sich die Diversifikationssparte, an der der Konzern seit langem feilt (14 Prozent mehr Umsatz: 96,1 Mio Euro).

Diese Zahlen stehen nicht mehr vor allem vor dem Hintergrund konsequenter Einsparungen wie etwa bei der "Bündelung der inländischen TV-Aktivitäten" am Standort Unterföhring. Während das Programm der deutschen P7S1-Sender 2009 noch von kostspieligen Flops wie den Neuverpflichtungen Johannes B. Kerners und Oliver Pochers gekennzeichnet war, gab es 2010 einige Image-trächtige Erfolge. So konnte Sat.1 seine langjährigen, häufig vergeblichen Bemühungen um deutsche Fernsehserien mit den Publikumserfolgen "Danni Lowinski" und "Der letzte Bulle" krönen. Beide Serien werden fortgesetzt. Auch die teure Investition in Fußballrechte erwies sich als richtig, weil mit Bayern München 2010 erstmals seit 2002 wieder eine deutsche Mannschaft das Champions League-Finale erreichte. Mit zeitweise mehr als zwölf Millionen Zuschauern bescherte das Endspiel Sat.1 einen Marktanteil 45,8 Prozent in der Zielgruppe (bei allen Zuschauern: 43,8 Prozent).

Bei Pro Sieben wiederum sorgte der Sender-Dauerbrenner Stefan Raab im Frühjahr 2010 für spektaktuläre Erfolge, als er sich im Vorfeld des "Eurovision Song Contest" zum lange kaum für möglich gehaltenen Joint Venture mit der öffentlich-rechtlichen ARD zusammenfand und in einer Reihe von abwechselnd auf Pro Sieben und in der ARD übertragenen Shows die Sängerin Lena Meyer-Landrut als deutsche Teilnehmerin bestimmte, deren Song "Satellite" den Song Contest tatsächlich auch noch gewann. Auch wenn diese Einschaltquoten vor allem der ARD zugute kamen - ein gewaltiger Image-Erfolg für Pro Sieben (den der im Sendezeit-Ausfüllen äußerst routinierte Raab auch für seine eigenen ProSieben-Shows zu nutzen vermochte).

Auch seine meistbeachtete geschäftliche Transaktion des Jahres wickelte der P7S1-Vorstand um Thomas Ebeling 2010 zumindest vorläufig achtbar ab. Im Herbst 2009 hatte Ebeling die Zukunft des als "Nachrichtensender" firmierenden Kanals N24 zur Disposition gestellt ("Süddeutsche") und mit seiner Interview-Aussage, dass Nachrichten im Fernsehen "für das Image bei Politikern wichtig" seien, "aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", die Medienpolitiker verärgert. Nach längeren Verkaufsverhandlungen ging im Juni 2010 der Zuschlag für den Sender sowie die Berliner Produktionsgesellschaft "MAZ & More" unter mehreren Interessenten an die neuformierte N24 Media GmbH, die sich sogleich als "größter unabhängige TV-Informations-Produzent Deutschlands" präsentierte. Hinter der GmbH stecken der frühere „Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust und N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann, die jeweils 26 Prozent halten, sowie weitere Manager.
Das komplexe Geschäft beinhaltet bis Ende 2016 (für die Zulieferung sämtlicher Nachrichtenformate der Sender Sat.1, ProSieben und kabel eins) sowie bis 2014 (für die Erstellung des Sat.1-Frühstücksfernsehens und des "Sat.1-Magazins") laufende Zulieferungsverträge mit P7S1. Die Herauslösung von N24 aus der Sendergruppe lässt sich der Konzern 41 Mio. Euro kosten, erwartet dafür aber ab 2011 positive Effekte "in einer jährlichen Größenordnung von mehr als 25 Mio Euro." N24 soll von P7S1 für die Nachrichtenzulieferung rund 30 Millionen Euro pro Jahr erhalten - knapp die Hälfte der bislang veranschlagten Summe. Das Echo auf diese Entscheidung fiel kontrovers aus (vgl. dasaltpapier.de), mehrere Beobachter meinten, dass es hätte schlimmer kommen können.
Zumindest hat Ebeling größeren Streit mit Landesmedienanstalten und Ministerpräsidenten zunächst vermieden. Ob sich das neue N24 tatsächlich als unabhängiger Sender/ Produzent etablieren kann, der auch von anderen Konzernen und womöglich öffentlich-rechtlichen Sendern Aufträge erhält, wird spannend zu beobachten sein.

Auf diese Weise wurde auch ein roter Faden der P7S1-Geschichte fortentwickelt: die emsige Umstrukturierung und Schaffung neuer Posten ("Immerhin in einem Punkt wird bei P7S1 nicht gespart: Bei der Länge der Bezeichnung der Posten, die der Konzern zu vergeben hat", scherzte dwdl.de 2009 aus Anlass einer Beförderung zum "Senior Vice President Group Format Acquisitions & Development"). Der weiterhin die Sat.1-Hauptnachrichten moderierende Peter Limbourg wechselte von N24 in den Konzern und bekleidet jetzt den P7S1-Titel "Senior Vice President Nachrichten & Politische Information". Zu weiteren neu geschaffenen Positionen zählt die eines "Commercial Director der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH". Unter diesem Titel soll sich Rainer Heneis um "zielgruppengerechte Markenerweiterung und Diversifizierung der TV-Marken" kümmern.

Die Nettofinanzschulden der Sendergruppe wurden von 3,5 auf 3,275 Mrd. Euro leicht abgebaut, sind aber immer noch gewaltig. Zudem schwebt über dem Unternehmen die Gewissheit, dass die Finanzinvestoren sich mittelfristig aus dem Geschäft verabschieden wollen - mit möglichst hohem Gewinn oder zumindest geringem Verlust. Im Sommer 2007 sagte der damalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Götz Mäuser, als "Investor auf Zeit" pflege Permira bei deutschen Unternehmen durchschnittlich fünfeinhalb Jahre an Bord zu bleiben.

Organigramm

einklappen
Quelle: ProSiebenSat.1

News

12.05.10 / Bertelsmann AG, Axel Springer AG, ProSiebenSat.1

Deutsche Medienkonzerne erwirtschaften Umsatzplus im 1. Quartal

Nach einem durch die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise geprägten Geschäftsjahr 2009 haben die wichtigsten deutschen Medienkonzerne im ersten Quartal 2010 ihre Umsätze gesteigert. Die Bertelsmann AG, der Axel-Springer-Verlag...

» mehr

09.02.10 / ProSiebenSat.1

N 24: Auch Permira betont gesellschaftspolitische Verantwortung

Der Finanzinvestor Permira, der wie die Beteiligungsgesellschaft KKR 50 Prozent an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 hält, will die Nachrichtenproduktion nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. „Als großer...

» mehr

13.01.10 / ProSiebenSat.1

Stefan Aust plant den Kauf von N24

Torsten Rossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von N24, plant, den defizitären Nachrichtenkanal gemeinsam mit dem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust zu übernehmen. Ein entsprechendes Management-Buy-out-Modell sieht...

» mehr