26. Pearson plc

Umsatz 2014: GBP 4,874 Mrd. (€ 6,046 Mrd.)

Überblick

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Der britische Medienkonzern Pearson hat sich auf die Veröffentlichung von Wirtschaftspublikationen, Sachbücher und Bildungsangeboten spezialisiert.

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand, London WC2R 0RL, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7010-2000
Telefax: 0044-20-7010-6060
Internet: www.pearson.com

Pearson Deutschland:
Martin-Kollar-Straße 10-12, 81829 München
Telefon: 089 46003 0
Telefax: 089 46003 100
Internet: www.pearson.de

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
2015201420132012201120102009200820072006
Umsatz (in Mio.£) 4.7804.5405.1776.1125.8625.6635.6244.8114.2184.423
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. £)723720736936942857858762634592
Aktienkurs (in £, Jahresende)10,3518,4518,2919,5418,8715,8914,059,3114,577,62*

*Ende des Geschäftsjahres: 9. Januar des Folgejahres

Tab. II: Umsätze nach Sparten (in Mio. £)
2015201420132012201120102009200820072006
Education ------4.3184.4264.3904.2073.7803.112*2.684**2.877**
Penguin------5131.0531.0451.0531.002903846848
FT Group------449443427403842796688698
Professional8521.152410390382
School1.8802.027
Higher Education1.7361.152

* Education = North American Education, International Education, Professional

** Education = Higher Education, School, Professional 

Geschäftsführung

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Management:

  • John Fallon, CEO
  • Robin Freestone, CFO
  • John Ridding, CEO - FT Group
  • John Makinson, Chairman and CEO - Penguin Group
  • Will Ethridge, CEO - North American Education
  • Genevieve Shore, Chief Technology Officer


Board of Directors:

  • Glen Moreno, Chairman
  • John Fallon, CEO 
  • Robin Freestone, CFO
  • David Arculus, Non-Executive Director - Aldermore
  • Ken Hydon, Non-Executive Director - Reckitt Benckiser Group 
  • Joshua Lewis, Non-Executive Director - Salmon River Capital
  • Elizabeth Corley, Allianz Global Investors
  • Viviene Cox, Non-Ececutive Director - BP
  • Linda Lorimer, Yale University
  • Harish Manwani, Unilever
  • Tim Score, ARM Holdings

 

Besitzverhältnisse:    
The Capital Group Companies Inc. (15%), Franklin Resources, Inc.(10%), Legal&General (3%), Rest Streubesitz.

Geschichte und Profil

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1844 begann S. Pearson & Son als bescheidene Baufirma in Yorkshire, doch schon bald wuchs das Unternehmen über Nordenglands Grenzen hinaus. Erste Spezialität waren Straßentunnel unter den Flüssen Londons und New Yorks und später der Eisenbahnbau in aller Welt. Als erfolgreiche Privatleute investierten die Pearsons in die unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte "Financial Times" und Beteiligungen an den großen britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 80er Jahre zum Opfer fielen. Zehn Jahre später waren die Ölgesellschaft Camco und letzte Unternehmen im Baugewerbe verkauft. Seit 1997 sorgt die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem sofort von Beteiligungen an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett) und baut den Konzern vor allem im Education-Bereich aus.

Pearson ist der erste große internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wird. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent, wurde Pearson Television Ende der 90er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf.

Management

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Ende 2012 ging die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino an der Spitze von Pearson zuende. „Marje in charge“, die mittlerweile im Aufsichtsrat von Twitter sitzt, galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche „Dear Everyone“-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versuchte. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Zerplatzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Berühmt wurde sie durch ihr Bekenntnis zur "Financial Times": "nur über ihre Leiche" werde sie die Zeitung verkaufen.

Ihr Nachfolger John Fallon, der zuvor die Bildungssparte betreute, verkaufte die FT im Sommer 2015 schließlich. Unter Fallon wurde Pearson so zu einem reinen Bildungsmedien-Anbieter umfunktioniert.

Geschäftsfelder

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Pearson ist in drei Kernbereiche aufgeteilt: "school", "higher education" und "professional". Zur letzteren zählte auch die Financial Times Group, die jedoch im Sommer 2015 an den japanischen Finanzinformationsdienstleister Nikkei verkauft wurde.

Seit Übernahme der Bildungssparte des Verlagsriesen Simon & Schuster von der Viacom-Gruppe (1998) ist Pearson Education weltweit der größte Anbieter von Schul- und Sachbüchern sowie Nachschlagewerken und Lexika. Der Bereich wurde seitdem strategisch planmäßig ausgebaut und bildet heute den Kern des Pearson-Konzerns, der allein knapp zwei Drittel zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Zweiter Hauptverlag neben Simon & Schuster ist Addison Wesley Longman. Außerdem gehören die US-Schulbuchverlage Prentice Hall und Scott Foresman zur Gruppe. 2000 kam das US-Schulsoftwarehaus NCS dazu. Der anfangs hart kritisierte und teure Erwerb von NCS (National Computer Systems) verschaffte Pearson einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Reed Elsevier, die bis jetzt nicht in Bildungssoftware investiert haben.

Pearson betreibt insgesamt mehr als 5000 Testcenter weltweit. Die 2005 abgeschlossene Übernahme der britischen Prüfungskommission Edexcel sorgte für eine doppelte Kontroverse: Zum einen wurde heftig dagegen protestiert, dass die Kommission, die mittels Tests und Fragebögen Qualifikationen an Studenten vergibt, die weltweit erste ist, die sich in privater Hand befindet. Zum anderen gab es einen Aufschrei der Empörung als das „Educational Supplement“ der „Times“ enthüllte, die Bewertungsgrundlagen der Tests seien viel zu niedrig angesiedelt und hätten für verzerrte Testergebnisse gesorgt.

Im Mai 2006 akquirierte Pearson von Apple das Schul-Infosystem „PowerSchool“. PowerSchool bietet Pädagogen, Schülern und Eltern einen webbasierten Service an, der sie über Noten, Hausarbeiten und Anwesenheit informiert. Der Dienst soll vor allem in den USA der Umsetzung der Anforderungen der „No Child Left Behind“-Kampagne dienen. Interessant ist der Kauf von PowerSchool insofern, als dass Pearson damit plant, iPod-Lösungen für Pädagogen und Schüler zu entwickeln, also etwa Podcasts zur Aufarbeitung von Lerninhalten oder Vorbereitungshilfen für Prüfungen für den iPod anzubieten. Diese geradezu revolutionäre Idee könnte für Pearson ein weiterer Schritt sein, die Konkurrenz auf dem Online-Education-Markt abzuhängen.

Nach dem in den USA üblichen “adoption cycle” entschieden 2005 die meisten Bundesstaaten über die Anschaffung neuer Schulbücher. Der entsprechende Markt legte nach Branchenschätzungen um bis zu 80 Prozent zu. Anders als die Konkurrenten Thompson und Reed Elsevier hält Pearson weiter an seinem „Education“-Arm fest und baut diesen weiter aus. Anfang Mai 2007 übernahm Pearson für rund 950 Millionen US-Dollar den Examen-Auswerter Harcourt Assessment (USA) und den weltweit aktiven britischen Lehrbuch-Verlag Harcourt Education International von Reed Elsevier.

Nach der Übernahme der Harcourt Education-Sparte von Reed Elsevier führt Pearson seinen Expansionszug im Bildungssegment unbeirrt fort. Im Juni 2007 kaufte der Konzern für 538 Millionen US-Dollar eCollege, einen der größten Bereitsteller von Online-Weiterbildungskursen und Online-Studienangeboten in den USA. eCollege kooperiert mit ca. 180 Bildungseinrichtungen in den Staaten. Die Akquisition unterstreicht den Fokus auf digitale Bildungsprodukte, die bereits rund eine Milliarde des Umsatzes des Pearson-Konzerns ausmachen. Das bislang auf die USA beschränkte eCollege soll in den nächsten Jahren mit Hilfe der vorhandenen Strukturen durch Pearson zu einer globalen Marke ausgebaut werden.

Literaturverlag/Penguin Group: Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen und überall in der englischsprachigen Welt aktiv. 2012 wurde ein Mehrheitsanteil des Traditionsverlag an Bertelsmann verkauft. Dessen Buchsparte Random House hält nun 53 Prozent am Unternehmen, Pearson hingegen 47 Prozent.

Engagement in Deutschland

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Sichtbarstes Engagement von Pearson in Deutschland war für einige Jahre die seit Februar 2000 erscheinende Financial Times Deutschland (FTD). Mit dem Blatt ist Pearson allerdings seit Anfang 2008 nur noch lizenzrechtlich verbunden. Alle Anteile am frühreren Joint-Venture liegen jetzt bei der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr, der Pearson zunächst bis 2018 die Nutzung des FT-Labels gestattet.

Aber auch der 2000 von Pearson übernommene Sachbuchverlag Dorling Kindersley hat seit 1999 einen eigenständigen deutschen Ableger, die Dorling Kindersley GmbH mit Sitz in München. Er verlegt vor allem Lexika, Ratgeber und Kochbücher, darunter die deutschen Ausgaben des britischen Starkochs Jamie Oliver.

Pearson Education ist ebenfalls als eigenständige GmbH in Deutschland aktiv, 1999 wurde der Verlag Markt+Technik übernommen. Pearson ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von EDV-Literatur im deutschen Markt. Daneben gehören der Lehrbuchverlag Pearson Studium und ein auf den Englisch-Unterricht spezialisierter Ableger von Longman zur Münchner Pearson Education Deutschland GmbH.

Aktuelle Entwicklungen

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Mit dem Verkauf der altehrwürdigen Wirtschaftszeitung Financial Times wurde die Transformation zu einem reinen Anbieter von Bildungsmedien abgeschlossen. Dabei will sich Pearson vom reinen Schul- und Textbuch-Markt möglichst unabhängig machen und auch die Stärken der anderen beiden Konzernbereiche mit einbeziehen. Ziel ist es die Dominanz des derzeit wegen der allgemeinen Krise unwägbaren US-Geschäfts zu beschränken, das für rund 60 Prozent des Umsatzes in der Education-Sparte von Pearson zuständig ist – ohne sich die Chancen mit Blick auf die ursprünglich unter ganz andere bildungspolitischen Vorzeichen angetretene Obama-Administration zu verbauen.

In Nordamerkia übernahm Pearson 2012 zwei Software-Häuser, die spezielle Anwendungen für den Education-Bereich entwickeln. National Transcript Center (NTC) ist auf Programme zum sicheren Austausch von Noten und Testergebnissen zwischen Schulen und Universitäten spezialisiert; Intellipro entwickelt Online-Lernprogramme wie „MyMathLab“ oder „MyEconLab“.

Zusätzlich hat Pearson den Selfpublishing Anbieter Author Solutions für rund 116 Mio. Dollar gekauft. Das Unternehmen wird bei der Penguin Group angesiedelt, soll aber ein unabhängiger Unternehmensbereich bleiben. Über den Kauf von Author Solutions will Pearson neue Möglichkeiten des Verlegens ausloten, wobei besonders der Selfpublishing-Markt im Interessenmittelpunkt des Unternehmens liegt. Author Solutions bietet Autoren ,die den Weg des Selfpublishing gewählt haben, Lektorats- und Marketingdiensleistungen an und veröffentlich Bücher in gedruckter oder digitaler Form. 

Außerdem plant Pearson eine "firmeneigene" Hochschule für Witschaftsabschlüsse aufzubauen. Ziel sei es, aufgeweckte und unternehmerisch denkende Studenten für die einzelnen Kurse, die in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen entwickelt wurden, zu rekrutieren und diese für die Welt der Wirtschaft vorzubereiten. Das Pearson College entsteht in Zusammenarbeit mit dem Royal Holloway College und dem Bedford New College, die beide Teil der Universität London sind. Der Jahresbeitrag für die ausgewählten Nachwuchswissenschaftler liegt dabei bei rund £5.500, was einem Betrag von ca. 7000€ entspricht.

News

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22.07.15 / Bloomberg L.P., Axel Springer AG, Pearson plc

Springer und Bloomberg: Interesse an der Financial Times

10.12.12 / Pearson plc, Bloomberg L.P., Thomson Reuters Corporation

Die Zukunft der Financial Times

29.10.12 / Bertelsmann AG, Pearson plc

Random House und Penguin fusionieren (Hintergründe)

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Comcast
  2. Google Inc.
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. DirecTV, LLC
  6. Viacom Inc./CBS Corp.
  7. Time Warner Inc.
  8. Sony Entertainment
  9. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  10. Apple Inc.
  11. Cox Enterprises Inc.
  12. Liberty Media Corp./Liberty Interactive
  13. Dish Network Corporation
  14. Vivendi S.A.
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Thomson Reuters Corporation
  17. Facebook, Inc.
  18. Rogers Comm.
  19. The Hearst Corporation
  20. Microsoft Corporation
  21. Lagardère Media
  22. RELX Group
  23. Charter Comm. Inc.
  24. Bloomberg L.P.
  25. ARD
  26. Pearson plc
  27. Advance Publications
  28. BBC
  29. Baidu Inc.
  30. Globo Communicação e Participações S.A.
  31. The Naspers Group
  32. Cablevision Systems Corp.
  33. iHeart Media
  34. The Nielsen Company
  35. Discovery Communications
  36. Nippon Hoso Kyokai
  37. Fuji Media Holdings, Inc.
  38. Grupo Televisa
  39. Gannett Co. Inc.
  40. Netflix
  41. Nintendo Company Ltd.
  42. S&P Global
  43. ITV plc
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Shaw Communications
  46. Yahoo! Inc.
  47. Mediaset SpA
  48. Asahi Shinbun Company
  49. Activision Blizzard Inc.
  50. Electronic Arts
  51. Axel Springer SE
  52. Amazon.com Inc.
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. France Télévisions S.A.
  55. Graham Holdings Company
  56. Bonnier AB
  57. Nippon Television Holdings
  58. Shanghai Media Group
  59. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  60. Quebecor Inc.
  61. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  62. Time Inc.
  63. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  64. IAC/InterActiveCorp.
  65. Daily Mail & General Trust plc
  66. Bauer Media Group
  67. Univision Communications
  68. Tribune Co./Tribune Publishing
  69. China Central Television
  70. TF1 S.A.
  71. Bandai Namco Holdings Inc.
  72. ZDF
  73. Scripps Networks Interactive
  74. Lions Gate Entertainment Corporation
  75. Hunan Broadcasting System
  76. AOL
  77. Sanoma Group
  78. Schibsted Media Group
  79. Modern Times Group
  80. Georg von Holtzbrinck GmbH
  81. King Digital Entertainment plc
  82. Grupo Planeta
  83. Scholastic Corporation
  84. Egmont Group
  85. Jiangsu Broadcasting Corporation
  86. Ubisoft Entertainment
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. Grupo PRISA
  89. NOS
  90. SRG SSR
  91. De Agostini Group
  92. Gazprom-Media
  93. RCS Media Group
  94. Seven West Media Ltd.
  95. GungHo Online Entertainment
  96. New York Times Company
  97. Mondadori Group
  98. China Publishing Group
  99. Meredith Corporation
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