30. Pearson plc

Umsatz 2015: GBP 4,780 Mrd. (€ 6,156 Mrd.)

Überblick

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Der britische Medienkonzern Pearson mit Sitz in London hat sich nach dem Verkauf der renommierten Wirtschaftszeitung "Financial Times" auf die Bereitstellung Bildungsangeboten aller Art spezialisiert. Aktiv in Europa, Nordamerika und China kontrolliert mittlerweile einen erheblichen Teil Lehrpläne und des lukrativen Markt für standardisierte Tests.

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand, London WC2R 0RL, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7010-2000
Telefax: 0044-20-7010-6060
Internet: www.pearson.com

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. £)
20162015201420132012201120102009200820072006
Umsatz 4,5524.7804.5405.1776.1125.8625.6635.6244.8114.2184.423
Gewinn (Verlust)  635723720736936942857858762634592
Aktienkurs (in £, Jahresende)9,9910,3518,4518,2919,5418,8715,8914,059,3114,577,62*
Mitarbeiter36.44141.04140.87642.11542.13541.52136.12737.16433.68032.69234.341

*Ende des Geschäftsjahres: 9. Januar des Folgejahres

Tab. II: Umsätze nach Sparten (in Mio. £)
20152014201320122011201020092008200720062005
Education ----4.3184.4264.3904.2073.7803.1122.6842.8772.663
Penguin----5131.0531.0451.0531.002903846848804
FT Group----449443427403842796688698629
Professional8521.152410390382------------
School1.8802.027------------------
Higher Education1.7361.152------------------

 

 

Geschäftsführung

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Management:

  • John Fallon, Chief Executive Officer
  • Coram Williams, Chief Financial Officer


Board of Directors:

  • Sidney Taurel, Chairman
  • John Fallon, Pearson 
  • Coram Williams, Pearson
  • Joshua Lewis, Salmon River Capital
  • Elizabeth Corley, Allianz Global Investors
  • Viviene Cox, BP
  • Linda Lorimer, Yale University
  • Harish Manwani, Unilever
  • Tim Score, ARM Holdings
  • Lincoln Wallen, DreamWorks Animation

Geschichte und Profil

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1844 begann S. Pearson & Son als bescheidene Baufirma in Yorkshire, doch schon bald wuchs das Unternehmen über Nordenglands Grenzen hinaus. Erste Spezialität waren Straßentunnel unter den Flüssen Londons und New Yorks und später der Eisenbahnbau in aller Welt. Als erfolgreiche Privatleute investierten die Pearsons in die unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte "Financial Times" und Beteiligungen an den großen britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 80er Jahre zum Opfer fielen. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent, wurde Pearson Television Ende der 90er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf.  Zehn Jahre später waren die Ölgesellschaft Camco sowie weitere Unternehmen im Baugewerbe verkauft.

Pearson war der erste große internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wurde. 1997 stieg die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson ein und sorgte für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem sofort von Beteiligungen an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett) und baute den Konzern vor allem im Education-Bereich aus - ein Trend, den ihr Nachfolger John Fallon, seit 2013 im Amt, weiter verstärkte.

Management

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Ende 2012 ging die 16-jährige Ära von Marjorie Scardino an der Spitze von Pearson zuende. „Marje in charge“, die mittlerweile im Aufsichtsrat von Twitter sitzt, galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche „Dear Everyone“-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versuchte. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Sie manövrierte den Konzern in ihrer Amtszeit erfolgreich durch das Zerplatzen der dot.com-Blase und die Finanzkrise 2007/2008. Berühmt wurde sie durch ihr Bekenntnis zur "Financial Times": "nur über ihre Leiche" werde sie die Zeitung verkaufen.

Ihr Nachfolger John Fallon, der zuvor die Bildungssparte betreute, verkaufte die FT im Sommer 2015 schließlich. Unter Fallon - Sohn eines Grundschullehrers - wurde Pearson so zu einem reinen Bildungsmedien-Anbieter umfunktioniert. Wichtigster Kollege von Fallon ist Pearsons Bildungsexperte Michael Barber, ein ehemaliger Professor, der im Auftrag von Tony Blair einst eine auf Testergebnissen basierte Bildungsreform in Großbritannien durchboxte und dafür zum Ritter des Königreichs ernannt wurde. Scardino, Fallon und auch Barber haben früh erkannt, dass sich mit  in einem zunehmend globalisierten Bildungs- und Arbeitsmarkt ein Vermögen verdienen lässt - insbesondere wenn man Erfahrungen im Verlagswesen, Interesse an neuen Technologien vereint und exzellente Kontakte zur Politik vereint. Exzessives Lobbying um an wertvolle Regierungsaufträge zu kommen, wurde Pearson 2011 beinahe zum Verhängnis. Als herauskam, dass das Unternehmen über seine hauseigene Stiftung US-Bildungspolitiker zu Reisen nach Brasilien oder Singapur eingeladen hatte, wurde ein Verfahren des New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman, erst nach einer  Zahlung von 7,7 Millionen Dollar eingestellt.

Geschäftsfelder

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Pearson ist in drei Kernbereiche aufgeteilt: "school", "higher education" und "professional", die wiederum in die Segmente "North America", "Core" und "Growth" unterteilt sind.

In Nordamerika, wo Pearson 60 Prozent seiner Umsätze generiert produziert das Unternehmen Lehrbücher, Online-Kurse und standardisierte Tests (VUE) für Grundschulen, High Schools und Universitäten, beispielsweise das Mathematik-Tool enVisionMATH oder die Biologie-Standartwerk Miller-Levine Biology. Die Gestaltung, Durchführung und Auswertung elektronischer Tests an US-Schulen hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dank Regierungsaufträgen wertete Pearson allein 2015 über 111 Millionen Essay und weitere Milliarden an Multiple Choice-Fragen in 25 Bundesstaaten aus. Auch im Markt für Onlinekurse ist der Konzern mit seinen Angeboten Pearson On Line Services und Connections Educations in den USA präsent.

Die Growth-Sparte umfasst aufstrebende Märkte wie Brasilien, China, Indien und Südafrika. Hier versucht Pearson das wachsende Bedürfnis nach Englischkursen zu bedienen. Millionen Menschen nutzen Lern-Tools wie COC, NAME oder Dom Bosco; wichtigste Marken sind Wall Street English, ELT (Longman), Global Scale of English und Grupo Multi. Zu den Kernmärkten zählen hingegen Großbritannien, Australien, Deutschland, Frankreich und Italien. Wichtigste Lern- und Weiterbildungs-Angebote sind hierbei Edexcel, BTEC, LCCI, Bug Club und ActiveLearn.

Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen. 2012 wurde ein Mehrheitsanteil des Traditionsverlag an Bertelsmann verkauft. Dessen Buchsparte Random House hält nun 53 Prozent am Unternehmen, Pearson hingegen 47 Prozent.

Engagement in Deutschland

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Sichtbarstes Engagement von Pearson in Deutschland war für einige Jahre die seit Februar 2000 erscheinende Financial Times Deutschland (FTD). Mit dem Blatt ist Pearson allerdings seit Anfang 2008 nur noch lizenzrechtlich verbunden. Alle Anteile am frühreren Joint-Venture liegen jetzt bei der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr, der Pearson zunächst bis 2018 die Nutzung des FT-Labels gestattet.

Aber auch der 2000 von Pearson übernommene Sachbuchverlag Dorling Kindersley hat seit 1999 einen eigenständigen deutschen Ableger, die Dorling Kindersley GmbH mit Sitz in München. Er verlegt vor allem Lexika, Ratgeber und Kochbücher, darunter die deutschen Ausgaben des britischen Starkochs Jamie Oliver.

Pearson Education ist ebenfalls als eigenständige GmbH in Deutschland aktiv, 1999 wurde der Verlag Markt+Technik übernommen. Pearson ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von EDV-Literatur im deutschen Markt. Daneben gehören der Lehrbuchverlag Pearson Studium und ein auf den Englisch-Unterricht spezialisierter Ableger von Longman zur Münchner Pearson Education Deutschland GmbH.

Aktuelle Entwicklungen

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Pearson hat von der "No Child Left Behind"-Initiative der George W. Bush-Administration sowie der umstrittenen "Common Core State Standards Initiative" der Obama-Ära enorm profitiert. Die Programme sehen vor, dass US-Schüler in Grund- und Oberschulen zum Ende jeden Schuljahres standardisierte Englisch- und Mathematiktests absolvieren müssen, um allgemeine Standards zu erfüllen und auf die Hochschule vorbereitet zu sein. Pearson, das zu einem erheblichen Teil entscheidet, was in diesen Test abgefragt wird, sie durchführt und auswertet, ist deshalb in den letzten Jahren in die Schusslinie von Kritikern sowohl aus dem linken als auch aus dem konservativen Spektrum geraten.

Für linke Kritiker und Lehrergewerkschaften hat der massive Fokus auf Tests zu einer pervertierten Lernkultur geführt, in der Schüler und Lehrer sich fast auschließlich auf die Vermittlung von Testwissen beschränken. Rechte Kritiker, für die Bildungspolitik Sache der Bundesstaaten bleiben soll, befürchten hingegen eine von Pearson angeführte Zentralisierung des gesamten US-Bildungssektors.

Doch der Einfluss von Pearson geht mittlerweile über Schüler - deren schulische und berufliche Karriere nicht zuletzt von Pearson-Testergebnissen abhängen - hinaus. So hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in Online-Bildungsangebot für Erwachsene investiert. Insbesondere in Transformationsländern, wo nicht jeder Zugang zu Universitäten hat, nutzen immer mehr Erwachsene Weiterbildungsmaßnahmen aus dem Hause Pearson.

News

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22.07.15 / Bloomberg L.P., Axel Springer AG, Pearson plc

Springer und Bloomberg: Interesse an der Financial Times

10.12.12 / Pearson plc, Bloomberg L.P., Thomson Reuters Corporation

Die Zukunft der Financial Times

29.10.12 / Bertelsmann AG, Pearson plc

Random House und Penguin fusionieren (Hintergründe)

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Essel Group
  27. Lagardère Media
  28. BBC
  29. ARD
  30. Pearson plc
  31. Netflix
  32. Advance Publications
  33. Amazon.com Inc.
  34. Discovery Communications
  35. iHeart Media
  36. Nielsen Holdings plc
  37. Shanghai Media Group
  38. The Naspers Group
  39. Nippon Hoso Kyokai
  40. Grupo Televisa
  41. S&P Global
  42. Fuji Media Holdings, Inc.
  43. Yahoo! Inc.
  44. Globo Communicação e Participações S.A.
  45. Wolters Kluwer nv
  46. Activision Blizzard Inc.
  47. ITV plc
  48. Electronic Arts
  49. Verizon (AOL)
  50. Nintendo Company Ltd.
  51. Mediaset SpA
  52. Axel Springer SE
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. Phoenix Publishing & Media Group
  55. France Télévisions S.A.
  56. Nippon Television Holdings
  57. IAC/InterActiveCorp.
  58. Time Inc.
  59. Bonnier AB
  60. TEGNA
  61. Quebecor Inc.
  62. Grupo Clarin
  63. Scripps Networks Interactive
  64. Gannett Co. Inc.
  65. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  66. Univision Communications
  67. Daily Mail & General Trust plc
  68. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  69. Bandai Namco Holdings Inc.
  70. Graham Holdings Company
  71. Bauer Media Group
  72. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  73. China Central Television
  74. ZDF
  75. Lionsgate Entertainment Corporation
  76. Bell Media
  77. TF1 S.A.
  78. Twitter
  79. Hunan Broadcasting System
  80. Spotify AB
  81. tronc, Inc.
  82. Modern Times Group
  83. Georg von Holtzbrinck GmbH
  84. Sanoma Group
  85. Schibsted Media Group
  86. Grupo Planeta
  87. Egmont Group
  88. John Wiley & Sons, Inc.
  89. SRG SSR
  90. Asahi Shinbun Company
  91. Tribune Media
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep