18. Pearson plc

Umsatz 2008: £ 4,811 Mrd. (€ 6,042 Mrd.)

Basisdaten

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Hauptsitz:
80 Strand, London WC2R 0RL, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7010-2000
Telefax: 0044-20-7010-6060
Internet: www.pearson.com

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Lehrmittel, Bücher, Informationsdienste, Multimedia, Internet-Services
Rechtsform:  Aktiengesellschaft (seit 1969)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1844

Tab. I: Ökonomische Basisdaten

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Umsatz (in Mio.£)

4.811

4.218

4.423

4.096

3.696

3.850

4.172

4.225

Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. £)

762

634

592

509

400

416

464

403

Aktienkurs (in £, Jahresende)

9,31

14,57

7,62**

7,02**

8,80

8,75

8,90

12,28

Dividende (Pence)

33,8

31,6

29,3

27,0

25,4

24,2

23,4

22,3

Beschäftigte

k.A.

k.A.

k.A.

30.584

33.086

32.203

k.A.

29.027

 *Bilanzierung bis 2002 nach UK GAAP, seitdem IFRS
**jeweils 9. Januar des Folgejahres

 

Tab. II: Umsatz/Gewinn* 2002-2008 nach Geschäftsfeldern (Beträge in Mio. £)

Financial Times Group

Pearson Education

Penguin Group

2008 Umsatz

796

3.112

903

2008 AOP*

195

474

93

2007 Umsatz

688

2.684

846

2007 AOP*

634

404

74

2006 Umsatz

698

2.877

848

2006 AOP*

121

405

66

2005 Umsatz

629

2.663

804

2005 AOP*

101

348

60

2004 Umsatz

777

2.356

786

2004 AOP*

86

293

54

2003 Umsatz

757

2.451

840

2003 AOP*

58

313

91

2002 Umsatz

726

2.756

838

2002 AOP*

51

326

87

 * NB: Aufgrund des saisonalen Geschäftsverlaufs im Bereich Verlage/Education wird ein Großteil der Umsätze und beinahe der gesamte Operating Profit im 2. Geschäftshalbjahr erzielt.
* Adjusted Operating Profit

Geschäftsführung

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Geschäftsführung / Vorstand:

  • Glen Moreno (63), Chairman
  • Marjorie Scardino (60), CEO
  • Robin Freestone (48), CFO
  • David Bell (60), Director for People und Chairman, Pearson Inc.
  • Rona Fairhead (45), CEO, Financial Times Group
  • John Makinson (52), Chairman and CEO Penguin Group


Board of Directors:

  • Glen Moreno (63), Chairman
  • Marjorie Scardino (60), CEO
  • Robin Freestone (48), CFO
  • David Bell (60), Director for People und Chairman, Pearson Inc.
  • Rona Fairhead (45), CEO, Financial Times Group
  • John Makinson (52), Chairman and CEO Penguin Group
  • David Arculus (60), Non-Executive Director
  • Terry Burns (62), Non-Executive Director & Senior Independent Director
  • Patrick Cescau (58), Non-Executive Director
  • Susan Fuhrmann (62), Non-Executive Director
  • Ken Hydon (62), Non-Executive Director
  • Rana Talwar (58), Non-Executive Director

Besitzverhältnisse:    
The Capital Group Companies Inc. (15%), Franklin Resources, Inc.(10%), Legal&General (3%), Rest Streubesitz

Geschichte und Profil

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1844 begann S. Pearson & Son als bescheidene Baufirma in Yorkshire, doch schon bald wuchs das Unternehmen über Nordenglands Grenzen hinaus. Erste Spezialität waren Straßentunnel unter den Flüssen Londons und New Yorks und später der Eisenbahnbau in aller Welt. Als erfolgreiche Privatleute investierten die Pearsons in die unterschiedlichsten Branchen: Banken, Stahl- und Hochbau, Erdöl und Verlagswesen. Als man 1969 an die Börse ging, gehörten bereits die Regional- und Lokalzeitungskette Westminster Press, die renommierte "Financial Times" und Beteiligungen an den großen britischen Buchverlagen Penguin und Longman zum Portfolio. Zu solch eher prosaischen Aktivitäten kamen noblere Unternehmungen wie der Erwerb von Anteilen an den Edel-Weinbergen von Château Latour und der königlichen Porzellanmanufaktur Royal Doulton, die allerdings den ersten Verschlankungen der 80er Jahre zum Opfer fielen. Zehn Jahre später waren die Ölgesellschaft Camco und letzte Unternehmen im Baugewerbe verkauft. Seit 1997 sorgt die gebürtige Texanerin Majorie Scardino bei Pearson für die Konzentration auf das mediale Kerngeschäft (so trennte sie sich bei Amtsbeginn unter anderem sofort von Beteiligungen an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett) und baut den Konzern vor allem im Education-Bereich aus.

Pearson ist der erste große internationale Medienkonzern, der von einer Frau geführt wird. Seit 1990 im Fernsehgeschäft präsent, wurde Pearson Television Ende der 90er Jahre eines der größten europäischen TV-Produktionsunternehmen, ging aber inklusive seiner Senderbeteiligungen im Jahr 2000 in der von Bertelsmann geführten RTL Group auf.

Management

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Pearson blieb bis in die 90er Jahre hinein ein verschachteltes Konglomerat, auch wenn diese Art der Unternehmensorganisation schon lange nicht mehr zeitgemäß war. Kritiker karikierten das Unternehmen gern als verschlafenes, blaublütiges Familienunternehmen, bei dem die Etoner Privatschulzeit mehr zählte, als dass man sich Unternehmern vom Schlage eines Rupert Murdoch gewachsen zeigte. Als im Oktober 1996 die Amerikanerin Marjorie Scardino als neue Konzernchefin präsentiert wurde, kündigte sich der längst überfällige Generationswechsel an. Die ehemalige Reporterin der US-Nachrichtenagentur AP hatte in den USA eine eigene Zeitung gegründet (und in die Pleite geritten) und war über den amerikanischen Zweig der Economist Group zu Pearson gekommen. „Marje in charge“ galt zunächst als harte Saniererin, die durch beinahe tägliche „Dear Everyone“-e-mails auch den Kontakt mit den einfachen Pearson-Mitarbeitern zu halten versucht. Schnell wurde sie zum „Darling“ der Londoner City, die bei Pearson Renditen und Dividenden steigerte. Die ersten fünf Jahre der Ära Scardino schien dieser „Honeymoon“ fast unbegrenzt anzuhalten.

Doch ihr so ehrgeiziges wie teures Ziel, mit der Financial Times dem Wall Street Journal den Rang als international führende Wirtschaftstageszeitung abzulaufen und der durch die Werbekrise seit 2001 verursachte Gewinneinbruch bei der gesamten FT-Group sorgten aber immer stärker für Unzufriedenheit bei den großen institutionellen Anlegern. Die Pearson-Aktie entwickelt sich seit Jahren schlechter als der wichtigste britische Aktienindex, der ironischerweise von der Financial Times etablierte FTSE 100. Scardino, die nun seit 10 Jahren die einzige Konzern-Chefin im männlich dominierten FTSE 100 ist, hatte in den vergangenen Jahren vor allem die Begehrlichkeiten einflussreicher Analysten und Aktionärsvertreter abzuwehren, die immer lauter einen Verkauf der kränkelndern FT-Gruppe forderten. Doch dies, ginge wie Scardino schon 2002 markig verkündet hatte, „nur über meine Leiche“.

Im Februar 2005 erhielt Pearsons US-Tochter Pearson Government Solutions den Zuschlag, für die US-Behörden die Auszahlung der staatlichen Studenten-Darlehen abzuwickeln. Der nach einjähriger Probephase auf dann insgesamt zehn Jahre angelegte Deal hat einen Umfang von 430 Millionen Pfund. Doch schon im Dezember 2006 verkaufte Pearson seine in „Pearson Government Solutions“ umgetaufte Einheit, die auch Callcenter für das staatliche US-Gesundheitspogramm Medicare betreibt, für 307 Millionen US-Dollar an die Investmentgruppe Veritas capital. Analysten sehen hinter diesem überraschenden Schritt das deutlichste Zeichen dafür, dass sich der neue Chairman Glen Moreno, anders als sein Vorgänger Dennis Stevenson, sehr viel stärker auch im Tagesgeschäft engagiert. Der Harvard-Absolvent Moreno, der nach einer langen und erfolgreichen Karriere bei der Citibank und dem Finanzinformationsdienstleister Fidelity bis heute als Treuhänder das Vermögen der Liechtensteinischen Fürstenfamilie managt, hatte Scardino eine weitere Konzentration auf die Kernbereiche FT-Group, Penguin und Education nahe gelegt.

Die Regelung ihrer Nachfolge scheint Majorie Scardino indes schon selbst in den Hand genommen zu haben. Die im Sommer 2006 vom Posten der zweiten Finanz-Chefin auf den CEO-Sessel der FT-Group gewechselte Rona Fairhead gilt als wahrscheinlichste Erbin Scardinos. Mit gerade einmal 46 Jahren ist sie die mit Abstand jüngste im Pearson-Vorstand. Fairhead soll als weiteren Beweis ihrer Fähigkeiten die weitere Sanierung der Konzern-Spitzenmarke vorantreiben. Ist sie damit erfolgreich, so wabert es durch die Gerüchteküche der Londoner City, könnte sie in ein paar Jahren zur Chefin aufsteigen - und die FT-Group womöglich zu einem Premium-Preis verkaufen.

Geschäftsfelder

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Business Informationen: Kernstück der Financial Times Group (FT Group) sind die internationale Wirtschaftszeitung "Financial Times", Fachdienste sowie das Online-Portal ft.com. Ferner gehört eine Beteiligung am Zeitschriftenverlag The Economist Group (50% am Wochenmagazin „The Economist“ und den angeschlossenen Fachdiensten) zum Portfolio. 2007 ging das französische FT-Schwesterblatt, die Wirtschaftszeitung Les Echos, für 240 Millionen Euro an den Luxuskonzern LVMH (Luis Vuitton Moët Hennessy). Schon 2004 hatte sich Pearson von seinem spanischen Wirtschaftsblatt „Recoletos“ getrennt. Der Abschied von den FT-Partnerblättern ist Teil der neuen Strategie, sich künftig noch stärker auf den englischsprachigen Markt und den Ausbau von Pearson zum Bildungskonzern zu konzentrieren.

Hierzu gehört auch der Verkauf des 50-Prozent-Anteils an der „Financial Times Deutschland“, die rückwirkend zum Januar 2008 ganz in den Besitz des bisherigen Joint-Venture-Partners Gruner + Jahr überging. G +J kam nach Branchenberichten recht günstig davon: Neben einer Einmalzahlung von 10 Millionen Euro werden noch einmal 500.000 Euro für die Nutzung des FT-Labels bis 2018 fällig. Die FTD muss zudem bestimmte, von der FT-Group definierte redaktionelle Standards einhalten und kann dafür auch weiterhin auf das weltweite Korrespondentennetz der FT zurückgreifen. Bei Nichterfüllen dieser Standards sieht der Vertrag nach FT-Angaben vor, dass Pearson die Namensrechte zurückfordern darf.

Andrew Gowers, 2002 nach erfolgreicher Gründung der deutschen FT-Schwester als Chefredakteur nach London geholt, schied Ende 2005 wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ über die weitere Entwicklung des Blattes bei Pearson aus. Gowers hatte die FT durch die Ergänzung von Sportseiten, Kulturberichten und einem Wochenendmagazin stärker auf den Wettbewerb im britischen Markt ausgerichtet, in dem die FT in den vergangenen Jahren kaum wachsen konnte und auch 2006 massiv Leser verlor. Unter dem neuen Chefredakteur und früheren FT-USA-Chef Lionel Barber ist das Blatt seit 2006 wieder klarer auf die „reine Wirtschaft“ verpflichtet und internationaler geworden. „Die FT will nicht mehr eine allgemeine Zeitung sein“, schreibt der frühere Guardian-Chefredakteur und Medienexperte Peter Preston: „Sie hat ihre speziellen News – und ihre speziellen Leser.“ Sie sei zwar noch nicht das eine Wirtschaftsblatt „für die ganze Welt“, so Preston, „aber sie kommt dem ziemlich nahe“. Die Zeitung bekam im April 2007 einen vor allem für den britischen Heimatmarkt gedachten Re-Launch verpasst. Unterstützt wurde der Relaunch durch eine mehrere Millionen Pfund schwere Werbekampagne unter dem Motto: „We live in Financial Times“. Zuvor hatten Marktumfragen ergeben, dass die FT von ihren alteingesessenen Leser für ihre Unabhängigkeit und globale Berichterstattung respektiert wird, jedoch auf neue Leser und britische Jung-Manager altmodisch und abschreckend wirkt.

Trotz zuletzt guter Ergebnisse wird in Analystenkreisen immer wieder über einen Verkauf der FT spekuliert. Dass es bald dazu kommt, ist nach dem Pearson-Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2007 aber unwahrscheinlich. Das Blatt hat bekannte Kolumnisten für den britischen Markt angeworben, und Clive Crook, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur des „Economist“ schreibt künftig aus Washington für die FT. Bei der FT-Website gab es einen Strategiewechsel. Während Scardino 2006 noch laut überlegt hatte, die kostenpflichtigen Bereiche von FT.com nach dem Vorbild der jetzt gänzlich kostenlosen Online-Ausgabe der New York Times zurückzufahren, will Pearson nun an der so genannten „Chargewall“ der Internet-FT festhalten – allerdings mit einem abgestuften Verfahren: Aktuell können Nutzer sechs Beiträge pro Monat kostenlos aus dem eigentlich kostenpflichten Bereich von ft.com downloaden. Eine kostenlose Registrierung wird mit 30 Gratis-Beiträgen belohnt, alles darüber hinausgehende gibt es nur gegen Gebühr.

Die chinesischsprachige Internet-Ausgabe der FT ist mit 400.000 registrierten Nutzern hingegen die einflussreichste Quelle für Wirtschaftsinformationen in China und die führende internationale Zeitung in ganz Asien - und hat damit die Business Week von Konkurrent McGraw-Hill komplett vom Markt verdrängt. Hauptkonkurrent bleibt international aber weiter das jetzt zum NewsCorp.-Imperium gehörende Wall Street Journal (WSJ). Unklar ist bislang, welche Auswirkungen die Übernahme des Dow Jones Konzerns und dessen Flagschiff „Wall Street Journal“ durch den internationalen Medienunternehmer Rupert Murdoch auf Pearson und die FT-Group hat. Mit rund 2,1 Millionen täglicher Auflage ist das „WSJ“ über viermal so groß wie das britische Blatt, allerdings verkauft es davon über 1,6 Millionen Exemplare in den USA. Der von Branchenexperten erwartete erbitterte Angriff des „Wall Street Journal Europe“ auf die führende Stellung der FT in den EU-Staaten ist bislang aber ausgeblieben.

Bildung/Pearson Education: Seit Übernahme des Bildungsverlagsriesen Simon & Schuster von der Viacom-Gruppe (1998) ist Pearson Education weltweit der größte Anbieter von Schul- und Sachbüchern sowie Nachschlagewerken und Lexika. Der Bereich wurde seitdem strategisch planmäßig ausgebaut und bildet heute den Kern des Pearson-Konzerns, der allein knapp zwei Drittel zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Zweiter Hauptverlag neben Simon & Schuster ist Addison Wesley Longman. Außerdem gehören die US-Schulbuchverlage Prentice Hall und Scott Foresman zur Gruppe. 2000 kam das US-Schulsoftwarehaus NCS dazu. Der anfangs hart kritisierte und teure Erwerb von NCS (National Computer Systems) verschaffte Pearson einen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Reed Elsevier, die bis jetzt nicht in Bildungssoftware investiert haben.

Pearson betreibt insgesamt mehr als 5000 Testcenter weltweit. Die 2005 abgeschlossene Übernahme der britischen Prüfungskommission Edexcel sorgte für eine doppelte Kontroverse: Zum einen wurde heftig dagegen protestiert, dass die Kommission, die mittels Tests und Fragebögen Qualifikationen an Studenten vergibt, die weltweit erste ist, die sich in privater Hand befindet. Zum anderen gab es einen Aufschrei der Empörung als das „Educational Supplement“ der „Times“ enthüllte, die Bewertungsgrundlagen der Tests seien viel zu niedrig angesiedelt und hätten für verzerrte Testergebnisse gesorgt.

Im Mai 2006 akquirierte Pearson von Apple das Schul-Infosystem „PowerSchool“. PowerSchool bietet Pädagogen, Schülern und Eltern einen webbasierten Service an, der sie über Noten, Hausarbeiten und Anwesenheit informiert. Der Dienst soll vor allem in den USA der Umsetzung der Anforderungen der „No Child Left Behind“-Kampagne dienen. Interessant ist der Kauf von PowerSchool insofern, als dass Pearson damit plant, iPod-Lösungen für Pädagogen und Schüler zu entwickeln, also etwa Podcasts zur Aufarbeitung von Lerninhalten oder Vorbereitungshilfen für Prüfungen für den iPod anzubieten. Diese geradezu revolutionäre Idee könnte für Pearson ein weiterer Schritt sein, die Konkurrenz auf dem Online-Education-Markt abzuhängen.

Der größte Posten im Pearson-Portfolio ist der Education-Bereich. Hier erzielt der Konzern im US-Geschäft stetige Zuwächse. Nach dem in den USA üblichen “adoption cycle” entschieden 2005 die meisten Bundesstaaten über die Anschaffung neuer Schulbücher. Der entsprechende Markt legte nach Branchenschätzungen um bis zu 80 Prozent zu. Anders als die Konkurrenten Thompson und Reed Elsevier hält Pearson weiter an seinem „Education“-Arm fest und baut diesen weiter aus. Anfang Mai 2007 übernahm Pearson für rund 950 Millionen US-Dollar den Examen-Auswerter Harcourt Assessment (USA) und den weltweit aktiven britischen Lehrbuch-Verlag Harcourt Education International von Reed Elsevier.

Nach der Übernahme der Harcourt Education-Sparte von Reed Elsevier führt Pearson seinen Expansionszug im Bildungssegment unbeirrt fort. Im Juni 2007, kauft der Konzern für 538 Millionen US-Dollar eCollege, einen der größten Bereitsteller von Online-Weiterbildungskursen und Online-Studienangeboten in den USA. eCollege kooperiert mit ca. 180 Bildungseinrichtungen in den Staaten. Die Akquisition unterstreicht den Fokus auf digitale Bildungsprodukte, die bereits rund eine Milliarde des Umsatzes des Pearson-Konzerns ausmachen. Das bislang auf die USA beschränkte eCollege soll in den nächsten Jahren mit Hilfe der vorhandenen Strukturen durch Pearson zu einer globalen Marke ausgebaut werden.

Literaturverlag/Penguin Group: Die Penguin Group ist der weltweit erste und größte Taschenbuchverlag mit zahlreichen Tochterverlagen und überall in der englischsprachigen Welt aktiv. Seit 1996 gehört auch der renommierte US-Verlag Putnam Berkley als Penguin Putnam zum Unternehmen. Weitere bekannte Verlage der Penguin Group sind Viking, Dutton, seit 2000 Dorling Kindersley und seit Frühjahr 2002 die Reiseführer-Marke Rough Guide.

Im Mai 2007 erhielt Penguin den renommierten „KPMG Publisher of the Year Award“, der an Verlage mit „sozialer und ökologischer Verantwortung“ verliehen wird. Zum Jahresgewinn 2007 trug die Penguin Group 74 Millionen Pfund (bei einem Gesamtumsatz von 846 Millionen Pfund) bei und erzielt damit eine deutlich höhere Umsatzrendite als die weltgrößte Verlagsholding Random House des Bertelsmann-Konzerns.

Engagement in Deutschland

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Sichtbarstes Engagement von Pearson in Deutschland war für einige Jahre die seit Februar 2000 erscheinende Financial Times Deutschland (FTD). Mit dem Blatt ist Pearson allerdings seit Anfang 2008 nur noch lizenzrechtlich verbunden. Alle Anteile am frühreren Joint-Venture liegen jetzt bei der Bertelsmann-Verlagstochter Gruner + Jahr, der Pearson zunächst bis 2018 die Nutzung des FT-Labels gestattet.

Aber auch der 2000 von Pearson übernommene Sachbuchverlag Dorling Kindersley hat seit 1999 einen eigenständigen deutschen Ableger, die Dorling Kindersley GmbH mit Sitz in München. Er verlegt vor allem Lexika, Ratgeber und Kochbücher, darunter die deutschen Ausgaben des britischen Starkochs Jamie Oliver.

Pearson Education ist ebenfalls als eigenständige GmbH in Deutschland aktiv, 1999 wurde der Verlag Markt+Technik übernommen. Pearson ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von EDV-Literatur im deutschen Markt. Daneben gehören der Lehrbuchverlag Pearson Studium und ein auf den Englisch-Unterricht spezialisierter Ableger von Longman zur Münchner Pearson Education Deutschland GmbH.

Aktuelle Entwicklungen

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Scardino musste 2009 heftige Kritik wegen weiterer Einsparungen bei der Financial Times einstecken, die dieses Mal auch vor der Redaktion nicht halt machten. Ob wirklich wie angekündigt 80 Stellen, davon rund 20 Redakteure, gestrichen werden, ist derzeit aber noch unklar. Mitte Februar musste zunächst die 1990 eingeführte Sportseite dran glauben. Bislang wurde aber nur der Umfang der britischen Ausgabe um zwei Seiten reduziert.

Anfang März 2009 machten sich FT-Mitarbeiter persönlich bei Vorstandschefin Scardino Luft: Das gute Ergebnis der FT-Group mache einen Lohnerhöhungsstopp oder betriebsbedingte Kündigungen unnötig. Die FT-Group konnte mit 796 Millionen Pfund Umsatz und einem Operating Profit von 195 Millionen Pfund ihr Ergebnis dabei nochmals deutlich steigern. Laut Pearson kommen mittlerweile aber über zwei Drittel (67 Prozent) der Einkünfte aus digitalen Angeboten. Sorgenkind bleiben also die klassischen Print-Angebote, allen voran die gedruckte FT: Die weltweite Auflage der FT lag im Jahresdurchschnitt 2008 stabil bei 435.000 Exemplaren pro Tag, doch Anzeigenerlöse trugen nur noch mit exakt einem Viertel zum Umsatz bei (2000 lag dieser Wert noch bei 52 Prozent). Wie alle Wirtschaftstitel verlor die FT vor allem im 4. Quartal 2008 Anzeigenaufträge – ein Trend, der wegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bis heute anhält. Dass die Zeitung dennoch deutlich zum Umsatz beitragen konnte, liegt an den dramatischen Preiserhöhungen der letzten Monate: In gerade einmal anderthalb Jahren stieg der Preis der FT im Heimatland Großbritannien um fast das Doppelte von 1,00 auf 1,80 Pfund - und er steigt weiter.

Problematisch bleibt, dass sich die FT mit zahlungspflichtigen Online-Angeboten weiter schwer tut: Die Internet-Platform ft.com hat zwar mehr als eine Million registrierter Nutzer, die persönliche Daten angeben, um eine größere Auswahl an Archivfunktionen zu haben und die damit für gezielte Anzeigenplatzierungen attraktiv sind. Tatsächliche zahlende Nutzer des Online-Angebots gibt es aber gerade einmal knapp 110.000. Innerhalb der FT-Group ist in "reifen" Märkten die Orientierung weg von der gedruckten Zeitung hin zu digitalen Geschäftsmodellen weiter stark: Nach dem Ausstieg bei den nationalen Print-Töchtern in Frankreich (Les Echos), Spanien (Recoletos)  und Deutschland (FTD) setzt man weiter auf den Ausbau von spezialisierten Abo-Diensten wie Mergermarket oder dem Stellenmarkt Exec-Appointments.com. 2008 wurde mit Money-Media, einem Online-Fachdienst für Fonds-Manager, ein weiteres derartiges Angebot übernommen, seit März gibt es den Digital-Kanal “China Confidential”, der zuverlässige Informationen und Analysen über das auch nicht mehr ganz so boomende Reich der Mitte verspricht.

Bei den Penguin-Buchverlagen zahlt sich die Strategie der weltweit koordinierten und vermarkteten Neuerscheinungen aus. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 903 Millionen Pfund, der Operating Profit um vier Prozent auf 93 Millionen Pfund. Eine ganze Reihe von Bestsellern sorgte in den USA, Kanada, Australien, Indien und im Heimatmarkt Großbritannien für gute Zahlen, dazu kamen gleich zwei Pulitzer-Preise für Penguin-Autoren. Penguin investiert auch weiter ins digitale Geschäft: Die neue Website bietet alle ersten Kapitel neuer Penguin-Romane zum kostenlosen Download, auch der Bereich der eBooks wurde deutlich ausgebaut und umfasst mit rund 8.500 Titeln heute mehr als doppelt soviele wie 2007. Penguin setzt außerdem auf “Audience Participation” zur Kundenbindung: www.blogpenguinclassic.com bietet Lesern die Möglichkeit, über ihre Lieblingsbücher zu bloggen, und beschreitet seit 2008 auch für einen Buchverlag ganz ungewöhnliche Wege: Gemeinsam mit einem etablierten Anbieter betreibt man nun auch www.penguindating.com – als Partnerbörse für Leseratten.

Im Fokus der Unternehmenspolitik bleibt aber der Umbau von Pearson zum Bildungs-Konzern: Dabei will sich Pearson laut Vorstandschefin Scardino vom reinen Schul- und Textbuch-Markt möglichst unabhängig machen und auch die Stärken der anderen beiden Konzernbereiche mit einbeziehen: “Unsere Strategie erstreckt sich auch auf die Sorte von (Weiter-)Bildung, die die Financial Times in der globalen Finanzkrise gibt oder die Inhalt an klassischer Bildung, die die Penguin Classic-Reihe ihren Lesern vermittelt”, schreibt Scardino im aktuellen Jahresbericht. Neben solch eher philosophischen Ansätzen ist aktuell vor allem ein klares Ziel zu erkennen: Die Dominanz des derzeit wegen der allgemeinen Krise unwägbaren US-Geschäfts zu beschränken, das für rund 60 Prozent des Umsatzes in der Education-Sparte von Pearson zuständig ist – ohne sich die Chancen mit Blick auf die ursprünglich unter ganz andere bildungspolitischen Vorzeichen angetretene Obama-Administration zu verbauen.

"Ein Genie zu sein", zitiert Scardino Thomas A. Edison, "ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Schweiß" - in diesem Sinne wolle sie weiter für Pearson arbeiten. Und was die eingefrorenen Löhne bei der Financial Times angeht, gehe sie selbst doch mit gutem Beispiel voran. Nun ja: Richtig ist, dass im Vergleich zu 2007 alle Pearson-Vorstände mit weniger Gehalt nach Hause gingen – Scardinos Salär sank um 275.000 Pfund auf "nur noch" 2,057 Millionen.

Trotz der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise konnte Pearson sehr gute Zahlen für das erste Quartal 2009 vorlegen: Der Umsatz stieg von 800 Mio. Britischen Pfund auf rund 1 Milliarde, der Konzern bleibt daher bei seiner Gewinn-Prognose für das Geschäftsjahr 2009, nach der das Vorjahresergebnis über oder zumindest auf dem Level von 2008 liegen wird. Sorgenkinder sind nach Konzernangaben der US-Schulbuchmarkt, wo die Finanzierungszusagen der neuen US-Regierung erst 2010 richtig greifen, der Werbemarkt sowie die Publikumsverlage wie Penguin. Für die Fachbuchsparten, die Test- und Prüfungsangebote im Hochschulbereich sowie die Financial Times Group als Ganzes erwartet Pearson auch im Jahresverlauf 2009 weiteres Wachstum. „Natürlich sind wir vorsichtig, aber ermutigt durch den guten Start in ein schwieriges Geschäftsjahr“, erklärte Pearson-CEO Majorie Scardino. Man wolle auch weiterhin in digitale Märkte und neue Geschäftsfelder investieren.

Im Education-Bereich lahmt zwar das US-Geschäft, dafür wachsen die internationalen Märkte in Großbritannien, Südafrika, Lateinamerika und  vor allem Asien deutlich. Mitte April übernahm Pearson für 95 Mio. Britische Pfund die Firma Wall Street English (WSE) vom Finanzinvestor Carlyle. WSE ist Chinas größter Anbieter von Englischkursen mit 39 Sprachschul-Zentren. Pearson selbst ist bereits mit 27 Sprachschulen unter dem Longman-Label in Schanghai und Peking aktiv. Experten kritisierten zwar den verhältnismäßig hohen Preis, der aber durch die exzellenten Wachstums-Aussichten – laut Pearson ist der WSE-Umsatz seit 2006 um jährlich rund 40 Prozent gestiegen – gerechtfertigt sei.

Ende Juni investierte Pearson nochmal rund 30 Mio. US-Dollar in den indischen Education-Markt: Ein 50:50-Joint Venture mit dem indischen Marktführer Educomp Solutions bietet berufsbezogene Ausbildungsgänge und Sprachkurse an. Der Konzern beteiligte sich zudem mit 17,2 Prozent der Anteile an der Online-Tutoren-Plattform TutorVista, die bereits 200.000 Highschool- und College-Studierende in Indien als Kunden hat.

In Lateinamerika verhandelt Pearson nach Presseberichten über einen Einstieg bei Santillana, dem Marktführer für spanischsprachige Schul- und Lehrbücher in Lateinamerika. Santillana gehört zur spanischen Prisa-Mediengruppe, die laut Financial Times rund 30 Prozent der Anteile verkaufen wolle; als möglicher Preis werden rund 500 Millionen US-Dollar genannt. In Nordamerkia übernahm Pearson im April zwei Software-Häuser, die spezielle Anwendungen für den Education-Bereich entwickeln. National Transcript Center (NTC) ist auf Programme zum sicheren Austausch von Noten und Testergebnissen zwischen Schulen und Universitäten spezialisiert; Intellipro entwickelt Online-Lernprogramme wie „MyMathLab“ oder „MyEconLab“.

Trotz großer Rückgänge im Anzeigenmarkt erweist sich auch die früher oft schwächelnde Financial Times-Group als erstaunlich krisenfest: Durch eine auf Abonnements und digitale Geschäftsmodelle setzende Strategie hat sich die Abhängigkeit von Werbung weiter verringert, der Anzeigenumsatz machte im ersten Quartal 2009 nur noch 16 Prozent des Umsatzes der FT-Group und damit gerade einmal drei Prozent am Gesamtumsatz des Konzerns aus. Die FT-Group kompensierte dies durch eine abermalige heftige Preiserhöhung bei der Financial Times, die seit April in London werktags zwei und am Wochenende 2,50 Pfund kostet. Die Auflage der FT ging wegen der Preiserhöhung im Mai 2009 um knapp neun Prozent zurück und liegt jetzt weltweit bei gut 410.000 Exemplaren (GB/Irland 120.000; USA: 140.000; Europa: 113.000, Asien: 40.000). Die Zahl der FT-Leser nimmt dagegen zu – zwar werden deutlich weniger Exemplare verkauft, diese teilen sich aber immer mehr Leser: Nach Angaben der National Readership Survey stieg die Zahl der Leser in Großbritannien zum Stichtag 31.03. im Jahresvergleich 2008/2009 um 15 Prozent auf knapp 420.000 pro Tag.
 
Die Umsätze aus digitalen Geschäftsfeldern der FT-Group legten nach Pearson-Angaben um 8,4 Prozent zu, der Gewinn stieg sogar um 13 Prozent. Die FT-Group profitierte im ersten Quartal 2009 auch wieder einmal von ihrem 50-Prozent-Anteil an der Economist-Gruppe. Hier stieg der Gewinn (Operating Profit) gegen den Branchentrend in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 56 Mio. Britische Pfund, der Umsatz legte 17 Prozent auf 313 Mio. Britische Pfund zu. Die „Economist“-Auflage stieg im zweiten Halbjahr 2008 um 6,4 Prozent auf 1,39 Mio. Exemplare pro Ausgabe weltweit.  Economist-Group Chairman Robert Wilson, der sich am 16.07.2009 in den Ruhestand verabschiedet und die Geschäfte an Rupert Pennant-Rea übergibt, erklärte, die Anzeigenkunden würden sich derzeit zu wenigen seriösen Qualitätstiteln retten. Allerdings seien Rekordergebnisse wie 2008 wegen der trüben Aussichten für den Rest des Jahres nicht zu erwarten. Ein wenig trübte auch eine Personalie die Stimmung bei der FT-Group: Ausgerechnet in der größten Bankenkrise seit 1929 nahm Peter Thal Larsen, der Banking Editor der Financial Times seinen Hut und wechselte zu Reuters. 

Bei den Buchverlagen der Penguin Group ist die Krise wohl am stärksten angekommen: Hier publizierte Pearson für das erste Quartal keinerlei Zahlen. Pearson-Chefin Scardino sagte, die Nachfrage nach Belletristik und vor allem Bestsellern sei nach wie vor hoch, schwächer falle dagegen der Bereich Nachschlagewerke und Reiseführer aus. Für den klassischen Buchmarkt ist das erste Quartal ohnehin nicht sonderlich aussagefähig, da auch die wesentlichen Neuerscheinungen eines Jahres traditionell eher in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht werden. Die Verlagsgruppe setzt beim Marketing und der Leser-Buch-Bindung verstärkt auf Online-Angebote. So startete Penguin in den USA ein eigenes Online-Netzwerk unter dem Titel „From the Publisher's Office“, dass in drei Kanälen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder Texte, Audio-Podcasts und Videos rund um das Penguin-Angebot enthält.

Trotz insgesamt guter Performance geriet der Konzern gleich zweimal im ersten Quartal mit Investoren und Aktionären in Konflikt. Ende April beschieden Investoren eine geplante Kapitalerhöhung um 270 Mio. Britische Pfund abschlägig, da ihnen laut Presseberichten die Ansage, Pearson brauche das Geld für weitere nicht näher beschriebene Akquisitionen zu unkonkret erschien. Bei der Hauptversammlung im Mai stimmte knapp ein Drittel der Aktionäre gegen die Entlohnungs- und Prämienvorschläge für den Vorstand. Hintergrund war ein Bonus in Höhe von mehr als 800.000 Britischen Pfund für Will Ethridge, der seit Mai 2008 Pearson Education in Nordamerika führt. Pearson rechtfertigte die Sonderzahlung damit, dass Ethridge seit seinem Amtsantritt Aufgaben neben seinem eigentlichen Geschäftsbereich mit übernommen habe. Insgesamt waren im Konzern die Vorstandsgehälter und -boni für das Geschäftsjahr 2008 im Vergleich zu 2007  deutlich gekürzt worden.

Und auch sonst gibt sich Pearson trotz guter Zahlen inmitten der Krise sparsam: Die traditionelle  Sommerparty der Financial Times fand nicht mehr wie im Jahr zuvor in einem Londoner Nobelrestaurant, sondern in der Konferenzetage im FT-Verlagshaus an der Southwark Bridge statt.

News

03.03.09 / Pearson plc

Pearson kann Umsatz und Gewinn steigern

Das britische Medienunternehmen Pearson plc hat im vergangenen Geschäftsjahr 2008 Umsatz und Gewinn gesteigert. Nach Angaben des Unternehmens stieg der Nettogewinn um 2,8 Prozent von 284 auf 292 Mio. Pfund. Der Umsatz nahm um 8...

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