3. News Corp. Ltd.
Umsatz 2010: $ 32,778 Mrd. (€ 24,725 Mrd.)
Überblick
Das Medienreich Murdochs ist selbst für Experten undurchsichtig und komplex. Es umfasst auflagenstarke Boulevardblätter wie die „Sun“ in Großbritannien, Sport- und Nachrichtensender von Indien über Europa bis Lateinamerika, Filmproduktionen in Hollywood und seit 2007 den renommierten Dow Jones Verlag, der unter anderem das „Wall Street Journal“ herausgibt. Wichtigster Bestandteil von News Corp. ist mittlerweile Fox News, der kommerziell erfolgreichste Nachrichtensender der USA. Spätestens seit der Zahlung von einer Million US-Dollar an die Republican Governors Association im Jahr 2010 handelt es sich bei News Corp. um einen der größten Unterstützer der Republikanischen Partei. In Großbritannien steht das Unternehmen gegenwärtig wegen eines Abhör-Skandals der Zeitung "News of the World" unter besonderem Druck (siehe dazu die Dossiers und Analysen der Mediadb.eu-Redaktion).
News
30.01.12 / News Corp. Ltd.
News Corp: Abhörskandal weitet sich aus
20.01.12 / NBC Universal Inc., News Corp. Ltd., Walt Disney Corp., Vivendi S.A., Time Warner Inc., Viacom Inc./CBS Corp., Sony Entertainment
Medienkonzerne vs. freies Internet
06.12.11 / Georg von Holtzbrinck GmbH, Lagardère Media, News Corp. Ltd., Pearson plc, Apple Inc., Amazon.com Inc., Viacom Inc./CBS Corp.
E-Books: Geheime Absprachen von Apple mit Lagardère, News Corp., CBS, Pearson und Holtzbrinck?
Basisdaten
Hauptsitz:
1211 Avenue of the Americas
New York, NY 10036, USA
Telefon: 001 212-852-7000
Telefax: 001 212-852-7145
Internet: www.newscorp.com
Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Film, Fernsehsender, Satelliten-TV, Kabel-TV, Internet-Content
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.07. - 30.06.
Gründungsjahr: 1952
2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | |
Umsatz (in Mio. US-Dollar) | 32.788 | 30.423 | 32.996 | 28.655 | 25.327 | 23.859 | 20.802 | 17.380 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. US-Dollar) | 2.539 | (3.378)* | 5.387 | 3.420 | 2.314 | 2.128 | 1.533 | 822 |
Aktienkurs (in US-Dollar, Jahresende) | 14,50 | 15,92 | 9,44 | 22,94 | 22,26 | 16,61 | 19,20 | 36,10 |
Dividende (pro Aktie in US-Dollar) | 0,075 | 0,12 | 0,12 | 0,11 | 0,13 | 0,04 | 0,02 | 0,02 |
Beschäftigte | k.A. | k.A. | 64.000 | 53.000 | 47.300 | 47.300 | 38.000 | 37.000 |
* inklusive Wertminderungsaufwendungen und anderer Kosten in Höhe von 9,298 Mio. US-Dollar
Geschäftsbereich | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 |
Kino/Filme | 7.631 | 5.936 | 6.699 | 6.734 |
Fernsehen | 4.228 | 4.602 | 5.807 | 5.705 |
Zeitungen | 6.087 | 5.858 | 6.248 | 4.486 |
Kabeldienste | 7.038 | 5.580 | 4.993 | 3.902 |
Satellitenfernsehen | 3.802 | 3.760 | 3.749 | 3.076 |
Bücher | 1.269 | 1.141 | 1.388 | 1.347 |
Magazine | ---* | 1.168 | 1.124 | 1.119 |
Rest | 2.723 | 2.378 | 2.988 | 2.286 |
Geschäftsführung
Management:
- K. Rupert Murdoch, Chairman und CEO, News Corp.; Chairman, BSkyB
- James R. Murdoch, Chairman & Chief Executive, Europe & Asia, Executive Chairman News International
- Chase Carey, Deputy Chairman, President & COO
- David F. DeVoe, Senior Executive Vice President & CFO
- Roger Ailes, Chairman & CEO, Fox News Channel, Fox Business Network, Chairman, Fox Televisions Stations, Twentieth Television
- Janet Nova, Interim Group General Counsel
- Teri Everett, Senior Vice President, Corporate Affairs & Communications
- John Nallen, Executive Vice President, Deputy CFO
- Jeff Mook, Executive Vice President, Chief Human Resources Officer
- Michael Regan, Executive Vice President, Government Affairs
- Genie Gavenchak, Senior Vice President, Deputy General Counsel, Chief Compliance & Ethics Officer
- Reed Nolte, Senior Vice President, Investor Relations
Board of Directors:
- Rupert Murdoch, Chairman and Chief Executive Officer, News Corporation
- José María Aznar, ehemaliger spanischer Ministerpräsident, President, FAES - Foundation for Social Studies and Analysis
- Natalie Bancroft, Director, News Corporation
- Peter Barnes, Chairman, Ansell Ltd.
- Chase Carey, Deputy Chairman, President & COO, News Corporation
- Joel Klein, Executive Vice President, News Corporation
- David F. DeVoe, Chief Financial Officer, News Corporation
- Viet Dinh, Professor of Law, Georgetown University
- Rod Eddington, Non-Executive Chairman for Australia and New Zealand, J.P. Morgan
- Andrew S.B. Knight, Director, Rothschild Investment Trust C.P.
- James Murdoch, Chairman and Chief Executive, Europe and Asia, News Corporation
- Lachlan Murdoch, Chief Executive, Illyria Pty Ltd.
- Thomas J. Perkins, Partner, Kleiner, Perkins, Caulfield & Byers
- Arthur M. Siskind, Senior Advisor to the Chairman, News Corporation
- John L. Thornton, Professor and Director of Global Leadership, Tsinghua University of Beijing
- Stanley S. Shuman (Director Emeritus), Managing Director, Allen & Company LLC
Größte Anteilseigner: Murdoch Family Trust, Lachlan Murdoch, James Murdoch, Stanley Shuman, John Nallen, Chase Carey, Prinz Al-Walleed bin Talal, Rest: Streubesitz (Stand: November 2010).
Geschichte und Profil
Die Wiege der News Corporation stand in Australien: Nach einem Studium in Oxford und – für die spätere Karriere wohl weitaus wichtiger – einem Job bei der Londoner „Daily Mail“ als Junior Reporter, erbte der 21jährige Rupert Murdoch 1952 die angeschlagenen „Adelaide News“ von seinem Vater Sir Keith Murdoch. Als wenig später der Verleger des übermächtigen Konkurrenztitels am Ort die „News“ billig zu übernehmen gedachte, zeigte der junge Rupert zum ersten Mal die Zähne und wandte eine Taktik an, die er 40 Jahre später mit ähnlich durchschlagendem Erfolg am britischen Pressemarkt wiederholen sollte: Er senkte den Preis. Die Konkurrenz schlief, verlor scharenweise ihre Leser und musste wenig später ihrerseits an Murdoch verkaufen. 1964 gründete Murdoch die erste landesweite, australische Tageszeitung und startete 1968 in Großbritannien durch. Hier kaufte er zunächst die Massenblätter „News of the World“ und „The Sun“, die er zu populär-konservativen Sensationstiteln umbaute. Das Page-Three-Girl sorgte für Furore und dürfte einer der Gründe sein, warum Rupert, anders als sein eigentlich viel unbedeutender Vater Sir Keith, bis heute ohne Ritterschlag geblieben ist.
Im Jahr 1973, seit dem Kauf der „San Antonio Express News", mischte Murdoch zum ersten Mal auf dem US-Medienmarkt mit. Erster Höhepunkt der US-Karriere war 1976 die Übernahme der schwächelnden „New York Post“, bei der Murdoch mit der „Sun“-Taktik in kurzer Zeit ebenfalls die Auflage erheblich steigern konnte. Erst 1979 schlug die offizielle Geburtsstunde der heutigen News Corporation, die noch heute von Sydney aus sämtliche Murdoch-Aktivitäten in aller Welt steuert und ihre jährlichen in Adelaide abhält. 1980 übernahm Murdoch mit der Londoner „Times“ und der „Sunday Times“ erstmals Qualitätsblätter von Weltformat, später kamen andere Zeitungen in Australien und den USA hinzu. Bis 1986 blieb News Corp. ein reiner Verlagsriese. Mit der Übernahme der Twentieth-Century-Fox-Filmstudios begab sich Murdoch erstmals auf audiovisuelles Terrain. Als Australo-Brite vom amerikanischen TV-Markt ausgeschlossen, schwor Murdoch 1986 den Eid auf die amerikanische Verfassung, kaufte sofort sechs lokale TV-Sender und bastelte daraus die Keimzelle für die erste landesweite TV-Network-Gründung seit 1948, Fox Broadcasting. 1989 ging in Großbritannien Europas erstes Satelliten-Fernsehen Sky Television auf Sendung. Nach 18 Monaten fusionierte Sky mit dem erfolglosen British Satellite Broadcasting zu BSkyB.
Trotz des Engagements auf dem Fernsehmarkt wuchs die News Corp. auch im Verlagsbereich weiter: Anfang der 1990er Jahre brachen die Unsummen verschlingenden TV-Aktivitäten News Corp. fast den Hals: Kurzfristig wurden 7,6 Milliarden Dollar Schulden fällig, einige Gläubigerbanken wurden nervös und verweigerten zunächst eine Umschuldung. News Corp., so Murdoch-Biograph William Shawcross, war nur noch Minuten von der Liquidation entfernt. Gerettet haben sollen Murdoch ausgerechnet die Einnahmen aus dem Weihnachts-Blockbuster seiner bislang eher erfolglosen Twentieth Century Fox: „Kevin allein zu Haus“. Die Warnung kam allerdings an, News Corp. begrenzte die Neuverschuldung drastisch und sorgte für besseren Cash-Flow in Krisenzeiten. Murdoch war bald wieder obenauf und übernahm ab 1993 nach und nach den asiatischen Satelliten-Sender Star TV. Außerdem kaufte er sich 1994 zunächst mit einem 20-Prozent-Anteil bei der US-Senderkette New World Communications ein, die dafür ihre zehn Stationen dem Fox-Network anschloss. Anfang 1996 übernahm Murdoch New World komplett und startete seinen eigenen Nachrichtensender Fox News als Konkurrenz zu CNN. Seit Ende der 1990er Jahre arbeitete Murdoch an seinem wohl ambitioniertesten Plan: Sky Global soll die bestehenden Murdoch-Sender integrieren und zum weltweiten digitalen Satelliten-TV-Netz ausgebaut werden. Doch diesen Plan hat er vorläufig ad acta gelegt.
Am 31. Juli 2007 gab die Verleger-Familie Bancroft bekannt, sie habe sich dafür entschieden, Rupert Murdochs Offerte für den Kauf des Zeitungsunternehmens Dow Jones anzunehmen, das auch das renommierte „Wall Street Journal“ herausgibt. Um die Bedenken einiger Mitglieder der Eigentümerfamilie auszuräumen, Murdoch könnte zu viel Einfluss auf die redaktionelle Unabhängigkeit der Publikationen des Verlages nehmen, wurden Erklärungen abgegeben und Versicherungen unterzeichnet, die eine zu starke Einflussnahme seitens des News Corp. Chefs verhindern sollen. Ein prominent besetztes Aufsichtsgremium sollte außerdem die journalistische Unabhängigkeit überwachen und schützen. Knapp drei Jahre nach der Übernahme haben sich die Befürchtungen der Kritiker jedoch bewahrheitet (siehe Geschäftsfelder).
Im Sommer 2011 trennte sich News Corp. wieder von der Social Community MySpace. Das ehemalige Start-Up wurde 2005 für 580 Millionen US-Dollar übernommen. Damals noch das größte soziale Netzwerk der Welt, fantasierte Murdoch davon, MySpace irgendwann für sechs Milliarden wieder weiterzuverkaufen. Nachdem aufgrund von technischen Schwachstellen, internen Führungskämpfen und Managementfehlern die User in Strömen zu Konkurrent Facebook abwanderten, verlor auch Murdoch das Interesse am Unternehmen. Im Juli 2011 wurde Myspace für 35 Millionen US-Dollar an ein Konsortium bestehend aus dem Onlinewerbevermarkter Specific Media sowie dem Popstar Justin Timberlake verkauft.
Für den größten Skandal der Unternehmensgeschichte sorgte ein 2011 in seiner Gänze bekannt gewordener Abhör-Skandal beim Boulevard-Blatt "News of the World". Die Zeitung engagierte seit 1998 Privatdetektive, die sich in die Mobiltelefone von britischen Prominenten einhackten, um an deren vertrauliche Informationen zu gelangen. Diverse Opfer der Abhöraktionen einigten sich außergerichtlich mit News International gegen die Zahlungen hoher Summen. "News of the World"-Reporter Clive Goodman und Privatdetektiv Glenn Mulcaire mussten Haftstrafen absitzen, weil sie die Mailboxes der königlichen Familie abgehört hatten. Sie erhielten laut Presseberichten hohe Zahlungen von Schweigegeld von News Corp. (ebenso wie korrupte Londoner Polizisten), damit sie über die auch bei anderen Reporten der "News" weitverbreitete Praxis des Mobiltelefon-Hackings kein Wort verlieren. Der ehemalige Chefredakteur Andy Coulson will von den Bespitzelungen während seiner Amtszeit nichts gewusst, geschweige denn sie angeordnet haben. Er war Kommunikationsberater des neuen Premiers David Cameron, ehe er im Zuge der Affäre Anfang 2011 von seinem Amt zurücktrat. Im Juli 2011 kam zudem heraus, dass die "News of the World" sich 2002 in das Mobiltelefon des vermissten und später ermordeten Teenagers Milly Dowler und ihrer Familie hackte und so die Polizeiermittlungen systematisch behinderte. Aufgrund des enormen öffentlichen Drucks entschlossen sich Murdoch und Sohn James zu einem radikalen Schritt. Sie stellten die 150 Jahre alte Zeitung ein.
Management
Keith Rupert Murdoch
Das Geheimnis von Rupert Murdochs Erfolg liegt laut Biograph William Shawcross, darin, dass er die Instinkte eines Glücksspielers mit puritanischer Disziplin kombiniert. Als „Apostel der globalen Kommunikation“ erreicht er mit seinen Fernsehsendern, Zeitungen und Magazinen eine Reichweite von 4,7 Milliarden Menschen oder drei Viertel der Weltbevölkerung.
Ein Blick auf die Literatur über den Aufstieg von Murdoch lässt zwei entgegengesetzte Strömungen erkennen. Manche Autoren, darunter Michael Wolff, Autor der neuesten Murdoch-Biographie, argumentieren, Murdoch sei in seinem Herzen immer noch der Reporter geblieben, der er zu Beginn seiner Karriere als Lokalredakteur einer australischen Zeitung war. Murdoch, so Wolff, würde journalistische Ideale wie stete Neugier und eigenständige Recherche hochhalten und sei auf diese Weise zu einem der erfolgreichsten Medienunternehmer der Welt avanciert.
Andere Journalisten behaupten das Gegenteil. Für Autor Bruce Page sind alle News Corp.-Blätter „Pseudo-Zeitungen“, die mit einer „Kitsch-Ideologie“ und vorgeheuchelter Anti-Establishment-Rhetorik angereichert werden. Robert Greenwald hat mit seiner Dokumentation „Outfoxed“ gezeigt, wie „Fox News“ Berichterstattung und Kommentar vermischt, Rufmordkampagnen gegen liberale Politiker und Aktivisten initiiert und die permanente Propagierung rechter Ideologien als „fair and balanced“ verkauft. Für Greenwald ist klar: Rupert Murdoch führt einen Krieg gegen seriösen Journalismus.
Bei dem von Murdoch selbst gezeichneten Bild eines Mannes aus kleinen Verhältnissen, der im Auftrag des Subproletariats gegen elitäre Zirkel und die herrschenden Machtverhältnisse zu Felde zieht, sind Zweifel angebracht. Seine Familie war Teil der post-kolonialen Oberschicht Australiens. Die Eltern Murdochs schickten den Sohn auf die Eliteuniversität Oxford. Im Verlauf seiner Karriere suchte er stets den Kontakt zu den obersten politischen Führungsriegen. Legendär sind in diesem Zusammenhang die Besuche von Margaret Thatcher in den Redaktionsräumen der britischen „Sun“, wo sie mit Murdoch Whiskey trank.
Es ist umstritten, wo genau man Murdoch auf dem politischen Koordinatenkreuz verorten kann. Seine Allianzen zu politischen Machthabern wirken beliebig. Unter den von ihm favorisierten Politikern, zu denen er in der Vergangenheit zwecks Verbesserung der medienpolitischen Rahmenbedingungen die Nähe gesucht hat, sind Persönlichkeiten wie Margaret Thatcher, Tony Blair, John Major, Ronald Reagan und Deng Xiaoping. Spätestens nach dem britischen Abhörskandal zweifeln jedoch immer mehr an der Urteilskraft des inzwischen 80-jährigen und seinem Krisenmanagement. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis Murdoch, zunehmend greise und schwerhörig, für seinen Nachfolger an der Spitze des Unternehmens Platz macht.
James Murdoch
Weil zwei der Töchter noch Kleinkinder sind (Grace Helen und Chloé) und Tochter Prudence aus erster Ehe mit Patricia Booker sich nie für das Unternehmen interessiert hat, blieb als favorisierter Thronfolger aus der Murdoch-Familie lange Zeit nur der jüngste Sohn James. Der 38-jährige war Vorstandschef bei BSkyB, dem digitalen Bezahlfernsehen in Großbritannien. Er machte BSkyB zu einem der erfolgreichsten kommerziellen Fernsehsender im Vereinten Königreich. Die Zahl der Abonnenten stieg unter seiner Leitung auf zehn Millionen, ehe er zusätzlich Europa-, bzw. Asien-Chef von News Corp. wurde. Sein Handling des Abhörskandals - insbesondere die Schweigegeldzahlungen an Opfer und Polizisten und sein Auftritt vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, bei dem er gelogen haben soll - haben seine Chancen, irgendwann seinen Vater zu beerben, massiv verringert.
Chase Carey
Chase Carey ist als engster außerfamiliärer Vertrauter von Rupert Murdoch für das operative Tagesgeschäft von News Corp. zuständig. Er erntete das Vertrauen von Murdoch als er in den 1980er Jahren die Fox-Senderkette in den USA etablierte, unter anderem indem er Konkurrent CBS die NFL-Football-Rechte abluchste. Carey gilt als Hirn hinter der jüngsten paid content-Strategie des Konzerns. Wenn man sein stattliches Jahresgehalt (2011: 30,2 Millionen US-Dollar) als Indikator betrachtet, dann wird der als unideologisch geltende Carey die Konzernspitze bei einem Rückzug von Murdoch übernehmen. Im Zuge des Abhörskandals - mit dem Carey im Gegensatz zu James Murdoch nichts zu tun hatte - hat er sich schleichend zum neuen Gesicht des Konzerns gewandelt.
Elisabeth Murdoch
Seit Anfang 2011 wieder zurück im Unternehmen ist Murdochs zweite Tochter Elisabeth. Nachdem sie in den 1990er Jahren diverse Fox-TV-Sender in den USA leitete und später in leitender Position für den britischen Pay-TV-Sender BskyB arbeitete, kehrte sie News Corp. für elf Jahre den Rücken und gründete ihre eigene Fernsehproduktionsfirma Shine. Diese wurde im Februar 2011 für 415 Millionen Pfund von News Corp. gekauft, was Liz Murdoch als Mehrheitsanteilseignerin allein 150 Millionen Pfund reicher machte. Erboste News Corp. -Aktionäre verklagten daraufhin das Unternehmen, da sie der Meinung waren, der Kaufpreis wäre viel zu hoch und es handele sich um einen klassischen Fall von Vetternwirtschaft. Einen Platz im Aufsichtsrat lehnte sie im Zuge des Abhörskandals vorerst ab.
Wendy Deng
Unklar ist, welche Rolle Murdochs dritte Ehefrau Wendy Deng (verheiratet seit 1999), ehemals Direktorin bei News Corp. Star-TV in der Nachfolgedebatte spielt. Ihr Einfluss auf den Konzernchef soll erheblich sein. An beruflichem Ehrgeiz wie einem ausgeprägten Sinn für Macht hat es ihr offenkundig nie gemangelt, wie ehemalige Kollegen bei Star TV andeuteten. Wenn es sowas wie eine Gewinnerin des Abhörskandals gibt, dann ist es Deng. Sie wurde in den Medien für ihren resoluten Auftritt vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss gefeiert, als sie ihren Mann vor einem Angreifer schützte, der ihn mit Rasierschaum attackieren wollte.
Geschäftsfelder
Die News-Corp.-Aktivitäten einer Branche sind in jedem Land als eigene Gesellschaft mit weiteren Untergesellschaften eingetragen. Murdoch selbst dominiert sämtliche wichtigen Entscheidungen bis in die Einzelunternehmen hinein. Dabei gelten seine Manager und Statthalter als Untergebene, die die Anweisungen ihres Chefs ausführen bzw. in seinem Sinne handeln. Die US-Aktivitäten der News Corp. sind in der News America Holding Inc. (News America) zusammengefasst, deren Führungsspitze zwar offiziell eigenständig, de facto aber von der News-Corp.-Chefetage in Personalunion besetzt ist. Seit 1998 firmiert mit News Corp. Europe (mit Sitz in Rom) erstmals eine eigene europäische Konzerntochter, der allerdings News-Corp.-Aktivitäten in Großbritannien nicht unterstehen. Sie soll eher den italienischen Markt erschließen.
Fernsehen
Am 9. Oktober 2006 feierte die Fox Broadcasting Company, die Serienhits wie „24“ oder „Dr. House“ produziert, ihr 20. Jubiläum. "The Simpsons" ist mit der im September 2009 angelaufenen 21. Staffel zur am längsten laufenden US-Prime Time-Serie aller Zeiten avanciert.
Seit 1996 ist der als Nachrichtenkanal getarnte rechte Propaganda-Sender „Fox News Channel“ on Air. Während traditionelle Nachrichtensender wie CNN in den USA in den letzten Jahren dramatisch an Zuschauern verloren haben, konnte Fox News in den Ratings stetig zulegen. Der Sender erwirtschaftet in manchen Timeslots längst mehr Gewinne als MSNBC, CNN sowie die Nachrichtenformate von NBC, ABC und CBS zusammen. Bekanntestes Gesicht von Fox News ist Kommentator Bill O'Reilly, dem 2005 von einer Mitarbeiterin vorgeworfen wurde, sie sexuell belästigt und genötigt zu haben. Vermutlich im Zuge einer hohen Geldzahlung, einigten sich O'Reilly und die Produzentin auf eine außergerichtliche Verständigung.
Nummer zwei in Sachen fragwürdiger Popularität bei Fox News ist der auch im Radio aktive Kommentator Glenn Beck. Beck sorgt in seiner nach ihm benannten täglichen Sendung regelmäßig für Skandale, etwa wenn er Präsident als "Rassisten mit einem tiefsitzen Hass auf weiße Menschen" bezeichnet, Bürgerrechtler wie Van Jones oder Milliardäre wie George Soros als "Kommunisten" diffamiert oder abstruse Verschwörungstheorien über die progressive Bewegung in den USA in die Welt setzt. Im Zuge seiner extremer werdenden Meinungsäußerungen, fallender Einschaltquoten, und Werbeboykotten entschied das Fox-Management, Becks Vertrag zu Jahresende nicht zu verlängern.
Fox News berichtet seit 2009 geradezu exzessiv über die sogenannten "Tea-Party"-Proteste. Medienbeobachter und NGOs beschuldigten Fox News daraufhin, die Proteste in seinem Programm beworben und größer dargestellt zu haben, als sie tatsächlich waren. Wie der der Demokratischen Partei nahe stehende Medien-Think Tank MediaMatters.org etwa entlarvte, sorgten Fox-Mitarbeiter bei der Berichterstattung über die Proteste dafür, die Demonstranten im Hintergrund anzustacheln. Anita Dunn, die inzwischen nicht mehr amtierende Pressesprecherin des Weißen Haus, bezeichnete Fox News in einem Interview als "Kommunikationsarm der Republikanischen Partei", der eher "als politischer Gegner und nicht als neutraler Nachrichtensender" anzusehen sei. Die Kritiker von Fox News sind inzwischen selbst unter Angehörigen des Murdoch-Clans zu finden. Elisabeth und James Murdoch sollen sich in der Vergangenheit immer häufiger bei ihrem Vater über die mangelnden journalistischen Standards und die rassistische Berichterstattung beschwert haben. Rupert Murdochs Schwiegersohn Matthew Freud erzählte der New York Times jüngst, dass ein Teil der Murdoch-Familie "beschämt" wegen des Fox News-Programms sei. Derweil sucht Fox News-Chef Roger Ailes fieberhaft nach einem republikanischen Kandidaten, der 2012 Obama beerben soll. Sarah Palin, die für ihre Fox News-Auftritte eine Million US-Dollar pro Jahr erhält, hat wohl keine Chance mehr. Ailes hält sie für "dumm".
Am 15. Oktober 2007 wurde der neue Wirtschaftskabelfernsehkanal "Fox Business Network" mit 31,5 Millionen angeschlossenen Haushalten gestartet. Damit will der Konzern einen eigenen Business-Fernsehkanal unter dem wertvollen Label Wall Street Journal etablieren, der in Konkurrenz zum Marktführer CNBC gehen soll, wobei das Wall Street Journal bis 2012 mit der von General Electric kontrollierten CNBC einen exklusiven Inhaltelieferungsvertrag hat. Der Sender ist auch in Australien zu empfangen. Anfang 2010 konnte Fox Business mit Gerri Willis (ehemals CNN) und Charles Gasparino (CNBC) zwei namhafte News-Anchormen der Konkurrenz verpflichten. Im Gegensatz zu Fox News ist "FBN" aber noch zu keiner Erfolgsgeschichte geworden. Die Mehrheit der dort ausgestrahlten Formate haben weniger als 35.000 Zuschauer zu verzeichnen.
Gemeinsam mit den Medienkonzernen Walt Disney und NBC Universal betreibt News Corp. zudem die erfolgreiche TV-Plattform Hulu.com, deren Börsengang wohl 2011 durchgeführt wird.
Film
Die Produktionsschmiede „Twentieth Century Fox Film Corporation“ hat in der Vergangenheit Klassiker wie „Star Wars“, „Die Hard“ oder „Avatar“ produziert. 2011 war für das Studio durchaus erfolgreich. Es war insbesondere Blockbuster wie "Rise of the Planet of the Apes" oder "X-Men: First Class" die zu einem positiven Geschäftsergebnis des gesamten News Corp.-Konzern beitrugen.
Print
Wie groß Rupert Murdochs Einfluss auf seine Zeitungsredakteure ist, zeigte sich Anfang 2003, als der zweite Golf-Krieg unmittelbar bevorstand. Von den damals 175 Tageszeitungen im Besitz der News Corporation befürworteten ausnahmslos alle in entsprechenden Leitartikeln die Invasion des Iraks.
Die Printsparte von News Corp. befindet sch in Zeiten des allgemeinen Zeitungssterbens in einer ernsthaften Krise. Die "New York Post" bringt dem Konzern jedes Jahr Verluste im zweistelligen Millionenbereich ein, wird jedoch von Murdoch nicht verkauft oder aufgelöst, da sie neben dem Nachrichtensender Fox News als das wichtigste politische Sprachrohr des Unternehmens gilt. Die ehemalige Redakteurin Sandra Guzman verklagte die Zeitung und deren Management im November 2009, nachdem sie entlassen wurde, als sie sich gegen die Veröffentlichung einer Karikatur aussprach, die Präsident Obama als Schimpansen darstellte, der von Polizisten erschossen wird. Ihr Vorwurf lautete, dass weibliche sowie afro-amerikanische, bzw. hispanische Mitarbeiter der New York Post systematisch diskriminiert werden. In einem 36-seitigen Schreiben an ein New Yorker Bezirksgericht schildert Guzman die vermeintlich erschreckende Arbeitsatmosphäre in der Redaktion, bei der die Schikane der nicht-weißen Mitarbeiter sowie die sexuelle Belästigung von deren Kolleginnen auf der Tagesordnung stehen.
Im Jahr 2007 gelangte Murdoch nach zähen Verhandlungen mit der Bancroft-Familie in den Besitz des "Wall Street Journals". Unter seiner Ägide führte er erfolgreich eine Zahlmauer für den Zugang zur Webseite ein. Mittlerweile verzeichnet der Onlineauftritt 1,1 Millionen zahlende Abonnenten. Kritiker, wie etwa der "New York Times"-Redakteur David Carr, werfen Murdoch jedoch vor, das "Wall Street Journal" innerhalb von zwei Jahren in ein rechtes Meinungsblatt verwandelt zu haben, das mehr Wert auf Stimmungsmache gegen die Obama-Administration als auf nüchterne Berichterstattung aus der Finanzwelt legt. Bei der im Sommer 2010 gestarteten "Greater New York"-Sparte des Journals handelt es sich um nichts anderes als einen Frontalangriff auf die "New York Times" und Verleger Arthur Sulzberger, Murdochs Erzfeind im Zeitungswesen.
In Großbritannien stellte Murdoch im Zuge des Abhörskandals mit der "News of the World" eine seiner vier Zeitungen ("The Times of London", "The Sunday Times" und "The Sun") ein.
Bücher
1989 akquirierte News Corp. den britischen Traditionsverlag Collins und fusionierte ihn mit dem US-amerikanischen Verlag Harper & Row. Heute veröffentlicht Harper Collins Bücher über 30 Verlagstöchter. Die erfolgreichste Veröffentlichung der jüngsten Zeit war "Going Rogue", die von einem Ghostwriter verfasste Autobiographie der 2008 gescheiterten Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin.
Internet
Fox Interactive Media wurde 2005 als neuer Internet-Bereich aufgebaut. Bis Mai 2006 wurden für digitale Medien mehr als 1,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Zu den Neuerwerbungen gehörten die Videospiel-Websites von IGN Entertainment, das Lifestyle-Portal AskMen.com, die College-Sport-Website scout.com, das Job-Portal Simplyhired.com, der IMDB-Konkurrent Rotten Tomatoes sowie die Foto-Sharing-Site Photobucket. Gemeinsam mit NBC wurde die TV-Streamingplattform Hulu gestartet, die bereits ausgestrahlte Fernsehprogramme von NBC und Fox in Nordamerika online abrufbar macht und durch Werbung finanziert wird. Inzwischen wurden Rotten Tomatoes und Photobucket wieder verkauft, da sie nicht den gewünschten Profit abwarfen. Der größte Flop in der Unternehmensgeschichte war jedoch der Kauf der inzwischen in der Versenkung verschwundenen Social Community MySpace. 2005 für knapp 600 Millionen US-Dollar gekauft, trennte sich News Corp. sechs Jahre später wieder von dem Netzwerk, das einst mehr Mitglieder hatte als Facebook.
Um die Online-Aktivitäten besser zu koordinieren, wurde Ende März 2009 eigens der Posten des "Chief Digital Officer" geschaffen, der von dem AOL-Veteran Jonathan Miller bekleidet wird. Seit April 2010 unterstützt News Corp. das digitale Musik-Start-Up Beyond Oblivion mit Kapital. Die Macher von Oblivion wollen 2011 ein Musikportal etablieren, bei dem die Copyright-Verantwortung den Breitband-Anbietern übertragen wird, so dass die User kostenlos und legal Musik hören und herunterladen können.
Games
Im April 2010 wagte News Corp. einen ernsthaften ersten Schritt in den Video- und Computerspiel-Sektor. Der Konzern kaufte für eine nicht bekannte Summe das Drei-Mann-Unternehmen Irata Labs, das zuvor mit dem Twitter-Spiel "Spymaster" auf sich aufmerksam gemacht hatte. Im Februar 2011 folgte der Kauf der Social-Games-Publisher Making Fun, der sich auf Spiele für Social Communities und Smartphones spezialisiert hat. Die Games-Sparte von News Corp wird von Sean Ryan angeführt.
Sonstiges
Die Sparte News America Marketing generiert ihren Umsatz durch die Veröffentlichung von Zeitungs-Coupons für Lebensmittel und das Aufstellen von Werbematerial innerhalb von Supermärkten. Im Februar 2010 erklärte sich das Management von News America im Rahmen eines Rechtsstreits dazu bereit, 650 Millionen US-Dollar an drei Konkurrenten zu zahlen, um sich außergerichtlich zu einigen. News America wird vorgeworfen, kleineren Rivalen geschadet zu haben, indem Mitarbeiter bedroht und deren Computer ausgespäht wurden. Chef von News America Marketing ist Paul Carlucci, der bekannt ist für seine zweifelhafte Geschäftsführung. Carlucci erklärte seinen Untergebenen jüngst, dass sie ersetzt würden, wenn sie "liberale Bettnässer" seien. Um die Belegschaft zu motivieren, zeigte er eine Szene aus dem Film "The Untouchables", in der Al Capone einen unloyalen Mitstreiter mit einem Baseball-Schläger totschlägt.
Engagement in Europa
Nach einem Anfang 2010 abgeschlossenen kompletten Rückzug aus Osteuropa (Bulgarien, Lettland, Serbien und Polen) konzentrieren sich die Geschäftsaktivitäten von News Corp. in Europa in erster Linie auf Deutschland, Großbritannien und Italien.
Deutschland
In wenig schöner Erinnerung dürfte Rupert Murdoch Deutschland sein. Hier hat er seine größten Niederlagen einstecken müssen. 1991, wenige Monate nach der Wiedervereinigung, startete er mit Hubert Burda das Boulevardblatt „Super“ für die neuen Bundesländer mit dem Ziel, „Bild“ insbesondere auf dem ostdeutschen Markt Konkurrenz zu machen. 1992 wurde das Projekt bereits begraben. Die „Super“ hatte die Erwartungen verfehlt. Auch mit seinem Engagement am deutschen Fernsehmarkt hatte Murdoch wenig Glück. Seine Beteiligungen an den Sendern Vox (Bertelsmann) und TM3 (Kirch Gruppe) verkaufte er rasch wieder. Auch die Millionen, die er in eine Beteiligung an Premiere gesteckt hatte, waren schnell weg. Sein Partner Leo Kirch meldete 2002 Insolvenz an. Im Zuge von Kirchs Untergang musste Murdoch um die 1,7 Mrd. Euro abschreiben.
Einen großen, neuen Schritt in den deutschen TV-Markt machte Murdoch im Januar 2008 mit dem Kauf von 14,58 Prozent der Aktien am Münchener Unternehmen Premiere vom einstigen Besitzer Unity Media. Der Anteil wurde zwischen 2008 und 2010 auf 49,9 Prozent aufgestockt, womit News Corp. nun über eine Sperrminorität verfügt.
Doch auch Murdochs zweiter Ausflug in den deutschen Pay-TV-Sektor ist mit Schwierigkeiten behaftet. Zwar konnte Murdoch den aus „persönlichen Gründen“ zurückgetretenen Geschäftsführer Michael Börnicke durch seinen Intimus Mark Williams ersetzen. Doch dieser musste nur drei Wochen später einen operativen Verlust zwischen 40 und 70 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2008 verkünden, worauf die Premiere-Aktie um mehr als 60 Prozent fiel. Den geschockten Aktionären wurde mitgeteilt, dass die wahre Anzahl der Premiere-Abonnenten aufgrund von Karteileichen, Gratis-Probe-Angeboten und Schwarzsehern bei 2,4 anstatt vorher ausgewiesenen 3,5 Millionen lag.
Mittels einer Umbenennung des Unternehmens in "Sky Deutschland" sollte ab Juli 2009 ein erfolgreicher Neuanfang gestartet werden. Änderungen der Programm-Pakete und eine neue Preisstruktur sollten eigentlich dabei helfen, endlich mehr Neukunden zu gewinnen. Doch der Abwärtstrend hielt an. Die siebte Kapitalerhöhung seit dem Börsengang seit 2005 (340 Millionen Euro) scheiterte im September 2010 bis auf weiteres am mangelnden Interesse der Aktionäre. Von den geplanten Einnahmen fehlten 100 Millionen, da nur 60 Prozent der Aktien abgesetzt worden konnten. Privatplatzierungen der restlichen Aktien bei institutionellen Investoren sollen dieses Defizit ausgleichen.
Noch im zweiten Quartal des Kalenderjahres 2010 verlor Sky täglich eine Million Euro. Mittlerweile hat sich die Situation deutlich verbessert, schwarze Zahlen sollen - auch im Zuge eines 24-Stunden-Sportnachrichtenkanal - aber erst 2012 geschrieben werden. Sky kämpft damit, dass das Monopol auf Pay-TV in Deutschland durch den Markteintritt von Unity Media, KDG und der Deutschen Telekom endgültig der Vergangenheit angehört. Letztere bietet mit seinem Liga Total!-Format ebenso wie Sky Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga an.
Großbritannien
Neben diversen britischen Tageszeitungen (darunter auch "The Sun" und "The London Times") ist das Herzstück von News Corps Engagement in Großbritannien der Satellitensender BskyB, dessen komplette Übernahmen (News Corp. hält nur 39 Prozent) wegen des Abhörskandals auf Eis gelegt wurde.
Im Juni 2010 kaufte BskyB für 1,6 Milliarden Pfund sämtliche Fernsehkanäle vom britischen Konkurrenten Virgin Media. Im Rahmen der größten Konsolidierung des britischen Privatfernsehmarktes dieses Jahrzehnts erwarb Sky acht Kanäle: Living, Livingit, Challenge, Challenge Jackpot, Bravo, Bravo 2 und Virgin1. Im Gegenzug darf Virgin Media künftig sämtliche Sky-Sender an seine Kabelkunden vertreiben.
Italien
In Italien ist News Corp. in erster Linie über den Pay-TV-Sender Sky Italia präsent. Das Kalenderjahr 2009 war für Sky Italia vor allem durch einen erbitterten Streit mit dem zum Medienimperium von Silvio Berlusconi gehörenden privaten Fernsehunternehmen Mediaset geprägt. Nachdem Mediaset sich geweigert hatte, Werbung für Sky Italia auf seinen frei empfangbaren Kanälen auszustrahlen, konterte Sky, indem es eine neue digitale Verschlüsselung veröffentlichte, die es Skys HD-Kunden ermöglichte, auch alle frei empfangbaren Sender inklusive den Mediaset-Kanälen zu empfangen. Berlusconi bezeichnete Sky daraufhin als "Feind", während Sohn und Mediaset-Vizechef Pier von einem "Krieg" mit Sky sprach.
Engagement in Asien
News Corp. wird in Asien laut der Consulting Firma Media Partners Asia 2011 einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar Umsatz und 250 Millionen operativen Gewinn erwirtschaften.
China
Murdoch betont in seinen spärlichen Interviews gerne die Macht der internationalen Medien, Diktaturen und Unrechtsregime durch Information schlagen zu können – sobald es die Wirtschaftsinteressen von News Corp. erfordern, steht er aber selbst auf der Seite der Mächtigen: Als der chinesischen Staats- und Parteiführung das über Murdochs Asia2Sat in ganz Asien ausgestrahlte Nachrichtenprogramm von BBC World ein Dorn im Auge war und Konsequenzen für Murdochs Star TV drohten, nahm er die BBC einfach vom Satelliten. Diese Haltung ist bis heute Garant für Murdochs Erfolg im chinesischen Markt: Joint-Venture-Partner für die Online-Dienste ist die kommunistische Parteizeitung, seine Partner bei Phoenix Satellite Television sind in den Augen der Pekinger Führung wohlgelittene Geschäftsleute und Ex-Militärs. Als der chinesische Staatschef Jiang Zemin 1999 Großbritannien besuchte, berichtete die Murdoch-Presse übertrieben wohlwollend und sparte das Thema Menschenrechte aus.
Der im August 2010 angekündigte Verkauf diverser Mehrheitsanteile der unter dem Dach von Star China operierenden Fernsehunternehmen - Xing Kong, Xing Kong International, Channel V und Fortune Star - an die staatliche Shanghai Media Group könnte der Anfang vom Ende von News Corps Aktivitäten in China bedeuten. Ähnlich wie andere global operierende Medienunternehmen tut sich News Corp. schwer auf dem chinesischen Markt, der von staatlichen oder regierungsnahen Konzernen dominiert wird.
Indien
In Indien hat News Corp. seit 1993 bereits mehr als zwei Milliarden US-Dollar investiert. Murdoch betreibt dort 13 Fernsehsender, darunter auch den Marktführer Star India Plus, der ein hindisprachiges Programm ausstrahlt. Mittlerweile stammen siebzig Prozent des Umsatzes, den News Corp. im asiatischen Raum generiert, aus den Aktivitäten in Indien. Deshalb wurde im September 2008 weiter kräftig investiert: fünf weitere Fernsehsender wurden gestartet, zwei davon in den Sprachen Marathi und Gujarati. Außerdem wurden die Fox Star Studios ins Leben gerufen, die Hollywoodfilme in Indien vertreiben und eigenständige Bollywood-Werke produzieren sollen.
Türkei
Auch für den türkischen Fernsehmarkt kann sich der medienmächtige Murdoch offenbar begeistern. Im Juli 2006 erwarb Murdoch mit seinem Geschäftspartner Achmet Ertegün für rund 77 Millionen Euro die Mehrheit an dem Privatsender TGRT. TGRT gehört zur Unternehmensgruppe Ihlas, die wiederum zu den größten Medien-Holdings der Türkei zählt.
Saudi-Arabien
Im Februar 2010 erwarb News Corp. für 70 Millionen US-Dollar einen neunprozentigen Anteil an der saudischen Mediengruppe Rotana. Das Unternehmen betreibt mehrere Fernsehsender und Plattenfirmen und kontrolliert einen erheblichen Teil der in Ägypten ansässigen arabischen Filmproduktion. Ein erfolgreicher Einstieg bei Rotana würde News Corp. den Zugang zu mehr 300 Millionen Menschen des mittleren Ostens erschließen. Langfristig möchte News Corp. in die Produktion von arabischsprachigem Content einsteigen. So ist es durchaus denkbar, dass eine arabische Version von Fox News als Konkurrenz zu Al Jazeera und Al Arabiya gelauncht wird.
Als im Sommer 2010 der Bau eines muslimischen Gemeindezentrums in der Nähe von Ground Zero in New York intensiv in der amerikanischen Öffentlichkeit diskutiert wurde, fiel die Berichterstattung von Fox News besonders ablehnend aus. Einer der auf Fox News immer wieder vorgetragenen Gründe, warum das Zentrum dort nicht gebaut werden dürfte: einer der Hauptinvestoren des Projekts, Al-Waleed bin Talal, finanziere angeblich islamischen Terrorismus und radikale Koranschulen. Was den Fox News-Zuschauern dabei verheimlicht wurde: Rotana-Chef Al-Waleed hält neun Prozent der stimmberechtigten Aktien von News Corp. und ist damit der größte Anteilseigner, dessen Nachname nicht Murdoch lautet.
Iran
Im Iran betreibt News Corp. den Fernsehsender Farsi1, der unter anderem synchronisierte Wiederholungen der Oprah Winfrey Show ausstrahlt. Ein zweiter Sender ist in Planung.
Australien
In seinem Heimatland kontrolliert Murdoch fast drei Viertel des gesamten Printsektors, darunter die führenden Tageszeitungen in vier australischen Großstädten. Hauptfeind von Murdoch und seinen der konservativen Partei nahestehenden Chefredakteuren: die seit November regierende rot-grüne Regierungskoalition. Diese kündigte jüngst an die Meinungsmacht von News Corp. in Australien auf den Prüfstand stellen zu wollen.
Aktuelle Entwicklung
Die vergangenen Monate wurden bei News Corp. im Wesentlichen von drei Themen dominiert: der Abhörskandal in Großbritannien, die Einführung einer Bezahlwand für sämtliche Onlineinhalte, sowie die millionenschwere Lobbyarbeit zwecks Beeinflussung der Politik.
Abhörskandal
Der Skandal bezüglich illegaler Abhöraktionen bei der britischen Sonntagszeitung "News of the World" droht zumindest in Großbritannien den Anfang vom Ende der Meinungsmacht des Murdoch-Imperiums einzuläuten. Noch ist nicht abzusehen, welche weiteren Wellen die Affäre schlagen wird (das FBI untersucht gegenwärtig, ob News Corp.-Angestellte auch in den USA Opfer von Terrorattacken abgehört haben). Beobachter müssen sich zunehmend mit dem Gedanken an ein News Corp.-Konzern ohne Murdoch-Familie auseinandersetzen. Wenn die Affäre etwas positives hat, dann dass die alte Debatte über Meinungsmacht und das Verhältnis zwischen Medien, Politik und Polizei neu entflammt ist.
Paid Content-Strategie
Rupert Murdochs Festhalten an einem sich im Sterben befindlichen Zeitungsgeschäft wurde lange als von Nostalgie geblendete Altersstarrheit interpretiert. Wenn sich News Corp. weiter an chronisch defizitäre Medien wie der "New York Post" oder der britischen "Times" festklammert, so die Sorge einiger Analysten, könnten die Verluste anhalten.
Um seine Kritiker Lügen zu strafen, sollen schrittweise alle Websiten von News Corps 174 Zeitungen ihren frei zugänglichen Content entfernt haben und stattdessen Bezahlabos anbieten - wobei der quantitative Niedergang der Leserschaft billigend in Kauf genommen wird. Zudem wurde Anfang 2011 eine neue Zeitung ("The Daily") ins Leben gerufen werden, die ausschließlich kostenpflichtig als App für Tablet-PC vertrieben wird (unmittelbar nach Launch jedoch als täglicher Gratis-Scan im Netz kursierte). Der gewagte, je nach Lesart geniale oder falsche Bezahl-Plan kann jedoch im Prinzip nur funktionieren, wenn Murdochs Konkurrenten ebenfalls auf "paid content" umschalten, da ansonsten die Leser auf die kostenlosen Nachrichtenangebote der Konkurrenz zurückgreifen werden, so die Mehrheit der Experten. (siehe hierzu das Dossier der Mediadb-Redaktion) Einer Studie von knowDigital zufolge ist "The Daily" für nachrichteninteressierte Vielleser eher uninteressant.
Neben dem Webauftritt des Wall Street Journals, das bereits seit geraumer Zeit seine Leser zur Kasse bittet, machte im Juni 2010 der Onlineauftritt der "Times of London" den Anfang. Die Inhalte werden auf einer separaten Website nur gegen Bezahlung abrufbar gemacht, wobei der Preis für einen 24-stündigen Zugriff dem der Printausgabe entspricht (ein Pfund Sterling). Wie der "Guardian" einen Monat nach Beginn des Experiments ausrechnete, verringerte sich der Traffic zur Homepage um 90 Prozent. Im März 2011 hatte die "Times" 79,000 Online-Abonennten, die News Corp. 7,1 Millionen Pfund an Umsatz pro Jahr bescheren, eine Summe, die jedoch zu gering ist, die massiven Verluste der Printausgabe (71 Millionen US-Dollar im Kalenderjahr 2010) auszugleichen. Generell ist die Bereitschaft der Online-Leser Geld für Artikel zu zahlen, gering - seien sie noch so exklusiv und journalistisch hochwertig. Das Zukunftsmodell scheint er in einer "porösen" Bezahlmauer zu liegen, wie sie beim Onlineauftritt der New York Times erfolgreich eingeführt wurde.
Wahlkampf- und Parteispenden
Spätestens seit der im Sommer 2010 bekannt gewordenen Spende von News Corp. von einer Million US-Dollar an die Governors Association der Republikanischen Partei wird der letzte Zweifler einräumen müssen, dass es sich bei Murdochs Unternehmen nicht um einen Dienstleister für "fairen und ausgeglichenen" Journalismus handelt. Die im Vorfeld der Mid-Term-Wahlen getätigten Spenden - neben der Governors Association ging eine weitere Million an die Republikaner-nahe US Chamber of Commerce - überraschen nicht, stimmen sie doch mit den Meinungskolumnen und Kommentaren vom Wall Street Journal und Fox News überein.
Doch die Versuche, die politischen Rahmenbedingungen mit Geld zu beeinflussen, gehen darüber hinaus. Seitdem der Oberste Gerichtshof in den USA im Rahmen seines Urteils "Citizens United" sämtliche Beschränkungen für Konzerne aufgehoben hat, Wahlkampfspenden zu tätigen, hat News Corp. 2010 mindestens weitere 2,4 Millionen US-Dollar an Republikaner-nahe Gruppen gezahlt. Als im Zuge der Mid-Term-Wahlen in Kalifornien über "Proposition 24" abgestimmt wurde (ein Gesetz, das 1,7 Milliarden US-Dollar Steuererleichterungen von großen Konzernen rückgängig gemacht hätte) berichtete Fox Business eine Woche lang über die vermeintlich verheerenden Auswirkungen des Gesetzesentwurf. Den Zuschauern wurde dabei verschwiegen, dass News Corp. 1,3 Millionen US-Dollar an Organisationen zahlte, die "Proposition 24" erfolgreich bekämpften.
Weiterführende Literatur
- Arsenault, Amelia/Castells, Manuel 2008: Switching Power: Rupert Murdoch and the Global Business of Media Politics: A Sociological Analysis, in: International Sociology, July 2008, Vol. 23(4): S. 488–513.
- Barthel, Nadine 2008: Murdoch, Keith Rupert. In: Hachmeister, Lutz (Hrsg.): Grundlagen der Medienpolitik. DVA, München, S. 272-277.
- Chenoweth, Neil 2002: Rupert Murdoch: The Untold Story of the World’s Greatest Media Wizard, Crown Business, New York.
- Crainer, Stuart 2001: Big Shots. Business the Rupert Murdoch Way. Capstone, Mankato.
- Ellison, Sarah 2010: War At The Wall Street Journal. Inside The Struggle To Control an American Business Empire. Houghton Mifflin Harcourt, Boston.
- Guthrie, Bruce 2011: Man Bites Murdoch. Carlton: Melbourne University Press.
- Page, Bruce 2004: The Murdoch Archipelago. Pocket Books, London.
- Shawcross, William 1997: Murdoch. The Making of a Media Empire. Simon & Schuster, New York.
- Wolff, Michael 2008: The Man Who Owns the News: Inside the Secret World of Rupert Murdoch. Broadway, New York.
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