95. New York Times Company

Umsatz 2015: $ 1,579 Mrd. (€ 1,423 Mrd.)

Überblick

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Kernbestimmung der New York Times Company ist nach eigener Aussage, „to enhance society by creating, collecting and distributing high-quality news, information and entertainment”. Neben „The New York Times“, „The Boston Globe“ und „The International Herald Tribune“ gehören zur Verlagsgruppe  Lokalzeitungen sowie Radiosender und Websites,. „The New York Times“ ist das Herzstück der Verlagsgruppe und die einflussreichste liberale Qualitätszeitung weltweit.  Seit Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sie sich im Besitz der Familie Ochs-Sulzberger.

News

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07.02.12 / Advance Publications, The Hearst Corporation, Lagardère Media, New York Times Company, Time Warner Inc.

Weltweiter Rückgang der Kioskverkäufe von Printexemplaren

18.03.11 / News Corp. Ltd., New York Times Company, Apple Inc.

Zeitungen hinter Bezahlmauern: The Daily vs New York Times

20.10.09 / New York Times Company

New York Times will wieder Stellen streichen

Basisdaten

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Hauptsitz:
620 Eight Avenue, New York, NY 10018, USA
Telefon: 001-212-556-1234
Telefax: 001-212-557-7389
Internet: www.nytimes.com (Zeitung), www.nytco.com (Verlagsgruppe)

Branche: überregionale Tageszeitungen, Lokalzeitungen, Radiosender, Online-Angebote
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: 1851

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. $)
201520142013201220112010
Umsatz Gesamt1.5791.5891.5771.5951.5551.557
Gewinn (Verlust) (nach Steuern)633365136(38)110

Geschäftsführung

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Management

  • Arthur O. Sulzberger, Chairman & Publisher, The New York Times
  • Mark Thompson, President & CEO
  • Michael Golden, Vice Chairman
  • James Follo, EVP & CFO
  • Kenneth A. Richieri, EVP & General Counsel
  • Dean Baquet, Executive Editor, The New York Times
  • Andrew M. Rosenthal, Editor, Editorial Page, The New York Times
  • Roland A. Caputo, EVP, Print Products & Services Group
  • Meredith Kopit Levien, EVP, CRO
  • Kinsey Wilson, EVP, Product & Technology & Editor, Innovation and Strategy

 

Board of Directors

  • Raul E. Cesan
  • Michael Golden
  • Carolyn D. Greenspon
  • James A. Kohlberg
  • Ellen R. Marram
  • Robert Denham
  • Steven B. Green
  • Joichi Ito
  • David E. Liddle
  • Brian P. McAndrews
  • Mark Thompson
  • Doreen A. Toben
  • Arthur O. Sulzberger, Jr.

Geschichte und Profil

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Trotz seines gespaltenen Verhältnisses zur Presse gestand Richard Nixon der New York Times einige Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt eines zu: „Some read it and like it, some read it and don’t like it, but everyone reads it.“ Seit über 150 Jahren behauptet sich „The Gray Lady“, wie sie von ihren Verehrern liebevoll genannt wird, im hart umkämpften US-Zeitungsmarkt und ist seitdem eines der meistzitierten Qualitätsblätter der Welt, dem sogar die Funktion eines politischen Agenda-Setters zugeschrieben wird. Spezielle Supplements der New York Times liegen den meinungsführenden Tageszeitungen vieler Länder bei, z. B. der „Süddeutschen Zeitung“, „El Nacional“ in Venezuela oder „Izvestia“ in Russland. Der ehrgeizige Traum ihrer Gründerväter, die lokalen New Yorker Boulevardblätter in den Schatten zu stellen, wurde in vielerlei Hinsicht übertroffen: Heute ist ihr Blatt nicht nur Taktgeber des globalen Zeitgeistes, sondern gehört zum Lifestyle der New Yorker wie die Baseball-Caps der Yankees.

Die New York Times, die häufig nur „Times“ heißt und nicht mit der Londoner „The Times“ verwechselt werden darf, wurde am 18. September 1851 von dem Journalisten und Politiker Henry Jarvis Raymond und dem ehemaligen Finanzfachmann George Jones unter dem Namen „New-York Daily Times“ gegründet und sechs Jahre später in „The New York Times“ umgetauft. Einer größeren Leserschaft bekannt wurde die „Times“ dann in den 1860er Jahren unter ihrem damaligen Redaktionsleiter, dem umtriebigen wie umstrittenen John Swinton (1829-1901). Die eigentliche Geburtsstunde muss allerdings auf jenen Tag datiert werden, als der deutsch-jüdische Immigrantensohn Adolph Simon Ochs (1858-1935), Verleger der „Chattanooga Times“ aus Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, am 19. August 1896 das vor dem Bankrott stehende Blatt für 75.000 $ kaufte und es zur einflussreichsten US-Qualitätszeitung ausbaute. Seine Absicht war es, eine seriöse Alternative zur damals tonangebenden Yellow Press zu etablieren, v. a. der reißerischen „New York World“ unter der Leitung von Joseph Pulitzer und dem „New York Journal American“ des Medienzaren William Randolph Hearst. Ochs erreichte dieses hehre Ziel, indem er sich in einer Zeit, in der das Gros der Presse hochparteiisch war, zu einem objektiven Nachrichtenjournalismus bekannte und sich durch eine geschickte Preispolitik (er senkte den Preis pro Ausgabe von drei auf einen Cent) erfolgreich gegen die Wettbewerber durchsetzte.

Dabei hatte sich Adolph Ochs, Vater von Arthur Ochs "Punch" Sulzberger und Urgroßvater von Arthur Ochs-Sulzberger Jr. (dem seit 1992 bis heute amtierenden Verlegers der „Times“), schon in seiner Jugend als cleverer Blattmacher erwiesen, als er sich mit 19 Jahren 250 $ lieh, um Anteile an „The Chattanooga Times“ zu erwerben, deren Verleger er später wurde. Im Alter von 38 Jahren übernahm er die „Times“, ein kränkelndes, verlustbringendes Blatt, dem man kaum noch Chancen gab: Mit einer verkauften Auflage von 9.000 Exemplaren stand es im Vergleich zu den anderen 12 Tageszeitungen New Yorks an letzter Stelle. Und so nahm die Branche höchst verwundert zur Kenntnis, dass die ersten publizistischen Neuerungen des neuen Verlegers die Abschaffung der Comics und bunten Geschichten waren. Stattdessen konzentrierte sich Ochs auf das Schwarzbrot des Journalismus: News, News, News, die er seinen Lesern in trockenem Stil und nüchterner Aufmachung servierte – ein bahnbrechendes Erfolgsmodell, wie sich später herausstellte. Als zwei Jahre später der spanisch-amerikanische Krieg begann, hatte Ochs die Auflage fast verdreifacht. Während potentere Wettbewerber wie das „Morning Journal“ und „The World“ Korrespondenten an die Kriegsschauplätze schickten, um Amerika mit Frontnachrichten zu versorgen, entschloss sich Ochs zu einer Radikalmaßnahme und reduzierte den Preis seiner Zeitung um für die Branche unvorstellbare zwei Drittel – und bewies erneut Weitsicht: Wiederum verdreifachte sich die Auflage binnen eines Jahres und immer mehr Firmen inserierten Anzeigen.

Ochs hatte es allen gezeigt, vor allem seinen Konkurrenten. Ihn selbst hatte der verlegerische Kunstgriff indes mehr mitgenommen, als es seine Zeitgenossen vermuteten. Schließlich hätte der Schuss auch nach hinten losgehen können. Auf eine Radikalmaßnahme folgte gleich die nächste: Ochs investierte – und zwar ohne Rücksicht auf die Interessen der Anteilseigner der „Times“, welche in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit nur spärlichen Dividenden bedacht wurden. Er setzte auf den nachhaltigen Ausbau des redaktionellen Apparates, installierte ein vielgliedriges Netz an Korrespondenten weltweit, kaufte neue Druckmaschinen und bezog 1904 ein neu errichtetes Hauptquartier am Longacre Square – der auf Ochs‘ Drängen vom Bürgermeister von New York City öffentlichkeitswirksam in Times Square umbenannt wurde.

Bereits 1927 übertrug Ochs die Kontrolle über das Flaggschiff seinem Schwiegersohn, Arthur Hays Sulzberger, der auch den Posten der Verlagsführung übernahm, als Ochs 1935 starb. Zu diesem Zeitpunkt hatte die „Times“ schon eine werktägliche Auflage von 465.000 Exemplaren, sonntags waren es 745.000. Sie wuchs bis zu Sulzberger Ausscheiden im Jahre 1961 auf 713.000, die Sonntagsausgabe gar auf 1,4 Mio Exemplare. Seitdem war der Verlag nicht nur auflagentechnisch auf Expansionskurs. Zwar dämpften wirtschaftliche Krisen wie die Depression Ende der 1920er und eine Flaute Anfang der 1970er Jahre die Anzeigenerlöse, doch der Auflage schadeten diese Beeinträchtigungen unwesentlich. Die New York Times Company wagte 1969 durch den Kauf des Magazins „Golf Digest“ einen ersten Schritt in den Zeitschriftenmarkt und erwarb nur zwei Jahre später ihren ersten Fernsehsender: WREG-TV in Memphis. Seit den 1960er Jahren machte die „Times“ aber vor allem publizistisch von sich reden, hauptsächlich wegen ihrer aufklärerischen redaktionellen Linie. Der Bedarf an liberaler Berichterstattung wuchs durch die konfliktgeladene gesellschaftliche Atmosphäre im Zuge der Anti-Vietnamkriegsbewegung immens, und die „Times“ wurde zum gefeierten Vorbild für Enthüllungsjournalismus. 1971 veröffentlichte sie Auszüge aus den so genannten Pentagon Papers, einem 7.000 Seiten starken Geheimbericht, der die Strategien des Verteidigungsministeriums in Bezug auf den Vietnamkrieg offenbarte. Auch infolge des medialen wie politischen Aufruhrs um den berüchtigten Watergate-Skandal bezog die „Times“ öffentlich Stellung, ohne allerdings eine tragende Rolle bei seiner Enthüllung zu spielen.
Das wertvollste Gut des Verlages ist bis heute unbestreitbar die gedruckte „Times“. Das Blatt definiert sich laut Sulzberger Jr. als „urban“. Hinter diesem liberal verstandenen Schlagwort verbirgt sich Vieles. Zwar wurde die Zeitung durch ihr Renommee als Aufklärer zum globalen Meinungsführer: Skandale und Zäsuren der Zeitgeschichte wie der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion in der kubanischen Schweinebucht 1961 oder Kriegsverbrechen in Vietnam wurden von „Times“-Reportern aufgedeckt. Doch wie Stefan Elfenbein in dem Standardwerk „Macht und Mythos eines Mediums“ (1996) darlegt, könnte der Schein trügen: Die politische Haltung der Zeitung sei schon immer von Eigeninteressen bestimmt worden, behauptet er. Demnach waren und sind die politischen Zeitungsinhalte alleinig auf den Machterhalt der „Times“ als führende Pressepublikation mit Entscheiderfunktion in elitären Kreisen wie der Washingtoner Machtzentrale ausgerichtet. Je nachdem, ob eine Regierung diese Position stärke oder gefährde, nehme die Berichterstattung eine eher liberale oder konservative Haltung ein. Dies soll auch zu der zunächst abwartenden Haltung beim Umgang mit Hinweisen auf die Watergate-Affäre geführt haben, den letztlich von Bob Woodward und Carl Bernstein von der „Washington Post“ enthüllten.

Trotz dieser durchaus fragwürdigen Redaktionspraxis steht die Marke „The New York Times“ im öffentlichen Bewusstsein für exzeptionelle publizistische Qualität. Mit 95 Pulitzer Preisen ist das Blatt, das vor mehr als 100 Jahren dem Times Square seinen Namen gab, die meistdekorierte Publikation in den USA: Allein 2002 ging eine Rekordzahl von sieben Pulitzers an die Redaktion, vor allem für die Berichterstattung über die Terrorangriffe vom 11. September 2001 und deren Folgen. Allerdings macht ihr guter Ruf die „Times“ medienpolitisch umso angreifbarer: Die Arbeit der für die Druckausgabe und den Online-Ableger schreibenden Redakteure und Reporter wird von einer Reihe kritischer Watchblogs beobachtet – so im Fall Jayson Blair: Der Jungredakteur hatte bereits einen beispiellosen Aufstieg bei der „Times“ hinter sich, als im April 2003 bekannt wurde, dass sich unter den 600 Artikeln, die er in seinen vier Reporterjahren verfasst hatte, offenkundige Fälschungen fanden, die er entweder erfunden oder woanders abgeschrieben hatte.

Umso notwendiger waren erste Schritte zur Wiedererlangung der Glaubwürdigkeit. Die Redaktion sah sich gezwungen, zu eigenen Verfehlungen öffentlich Stellung zu beziehen. Die detaillierte Aufarbeitung des Falles Blair durch ein fünfköpfiges Rechercheteam, das uneingeschränkten Einblick in die Verlags- und Redaktionsprozesse erhielt, zeigt, wie sehr sich das bis dato so angesehene Blatt in der Pflicht sah, mit sich selbst ins Gericht zu gehen, um seine verloren geglaubte Reputation wiederzuerlangen. Der Ausbau von interner Kontrolle weist auf zahlreiche Risikofaktoren und Versäumnisse auch im allgemeinen Zeitungsbetrieb hin. So war die Selbstkritik der „Times“ an der eigenen Berichterstattung zum Irakkrieg nur oberflächlich betrachtet ein Eingeständnis von Schwäche: Der couragierte Umgang mit eigenen Fehlern forderte anderen Medien Anerkennung ab. Nach dem Prinzip der kollektiven Übernahme von Verantwortung hat es das Blatt immerhin vermieden, öffentlich Schuld an Einzelne in der Redaktion zu adressieren.

Konkret wurden nach dem Blair-Skandal auch eine Reihe von Weg weisenden Änderungen der inhaltlichen Struktur vorgenommen: Die Korrekturrubrik wurde gestärkt und augenfälliger in geringfügigere Richtigstellungen („For the record“) und erhebliche Korrekturen („Corrections“) aufgeteilt. Auch wurde eine typographische Anpassung der Nachrichtenseiten eingeführt, um dem Leser die Unterscheidung von informierenden Texten und Meinungsartikeln zu erleichtern. Umfangreicher waren die internen Umstellungen: Jedes einzelne Redaktionsmitglied wird seitdem einer regelmäßigen Leistungsüberprüfung unterzogen, um schneller eingreifen zu können, sollten sich Konflikte mit dem Ethikkodex abzeichnen, der 2005 in Kraft trat. Hinzu kommt eine automatisierte „Fehlerdatenbank“, um den Verbreitungsweg von Irregularitäten durch die einzelnen Redaktionsinstanzen besser verfolgen zu können und ein wiederholtes Auftreten zu verhindern. Zusammen mit einer neuen Verfasser-Richtlinie zur klaren Kennzeichnung der redaktionellen Mitarbeiterschaft und einer Termin-Richtlinie, die keinen Zweifel daran lassen soll, welcher Reporter sich wann wo aufhält, spannt sich das Kontrollnetz enger um die Belegschaft. Der „Public Editor“ der „Times“, Clark Hoyt (seit 2007), hat zudem die Rolle eines Ombudsmanns, der auf Leseranfragen reagiert und ihnen in der Zeitung Gehör verschafft. Hoyt ist nach Daniel Okrent (2003-2005) und Byron E. Calame (2005-2007) der dritte Ombudsmann der Zeitung.

Geschäftsfelder

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Zeitungen
Die „Times“ ist eine der bekanntesten Zeitungsmarken der Welt und damit gerade für global agierende Unternehmen ein wichtiger Werbepartner. Im Januar 2008 kostete eine ganzseitige Farbanzeige bis zu 260.000 US-Dollar. Das ist zwar kein Rekord – das „Wall Street Journal“ verlangt pro farbiger Anzeigenseite maximal 309.000 Dollar –, im internationalen Vergleich gehört die „Times“ aber zum Spitzenfeld: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ verlangte Anfang 2008 für eine Farbseite knapp 96.000 Euro, der „Guardian“ 18.000 Britische Pfund. Dennoch verlässt sich die New York Times Company schon lange nicht mehr auf ihr Zugpferd allein: Der Name des Verlages ist insofern irreführend, als er neben der “Times” noch 18 weitere Tageszeitungen herausgibt, darunter die überregionalen Qualitätsblätter „Boston Globe“ und „International Heald Tribune“. Der größte Zukauf war 1993 die Übernahme des „Boston Globe“ für 1,1 Mrd. US-Dollar. Heute wird der „Globe“, das wichtigste Qualitätsblatt der Universitätsstadt Boston, gemeinsam mit der im Januar 2000 erworbenen „Worcester Telegram & Gazette“ (Auflage 2006: 106,000) als eigene Sparte geführt und bildet die New England Media Group. Alle anderen 15 Lokal- und Regionalblätter sind in der Regional Media Group gebündelt. Die meisten sind im Süden der USA beheimatet – vier in Florida („The Gainesville Sun“, Auflage 2006: 47.600; „The Ledger”: 69.800; “Sarasota Herald-Tribune”: 108.000; “Star Banner”: 49.100), je drei in Alabama (“Times Daily”: 29.900; “The Gadsen Times”: 20.700; “The Tuscaloosa News”: 33.600) und North Carolina (“The Dispatch”: 11.000; “Times-News”: 18.500; “The Star News”: 51.000) sowie zwei in Louisiana (“The Courier”: 18.600; “The Daily Comet”: 10.700) und eine in South Carolina (“Spartanburg Herald Journal”: 46.200). Die restlichen beiden Blätter werden in Kalifornien verbreitet („The Press Democrat“: 83.000; „Petaluma Argus-Courier“: 7.400, erscheint wöchentlich).

Wichtigste Sparte ist jedoch nach wie vor die New York Times Media Group, zu der neben dem gleichnamigen Mutterblatt auch die im Ausland erhältliche „International Herald Tribune“ gehört. Lange Jahre erschien die „Tribune“ gemeinsam mit der „Washington Post“. Im Jahre 2003 machte der neue Mann der Verlagsgruppe, Arthur Ochs Sulzberger Jr., Schluss mit diesem Joint Venture: Er bot den Verlegern der „Washington Post“ eine Ablöse für ihre Anteile – mit der Drohung, dass er bei einer Ablehnung auf eigene Faust eine neue US-Auslandszeitung als Konkurrenzprodukt starten würde. Für 65 Mio. US-Dollar ließ sich die „Washington Post“ schließlich widerwillig auskaufen.

In der Broadcast Media Group (Umsatz 2006: 139 Mio. US-Dollar, Gewinn: 33 Mio. Dollar), die die New York Times Co. 35 Jahre lang aufgebaut und Anfang 2007 an die kalifornische Private-Equity-Firma Oak Hill Capital Partners LP für 575 Mio. Dollar verkauft hat, waren neun lokale Fernsehstationen mit zusammen 900 Mitarbeitern gebündelt, von denen vier mit dem Netzwerk CBS, je zwei mit ABC bzw. NBC und einer mit der zu Rupert Murdochs News Corporation gehörenden MyNetworkTV verpartnert sind. Das Unternehmen war einer der ersten Zeitungsverlage in den USA, die in den 1970er Jahren in die elektronischen Medien investierte und bereits 1971 ihre TV-Station in Memphis erwarb. Sulzberger und Robinson erklärten in einem Communiqué, dass die Unternehmensstrategie künftig ganz auf Printmedien und das wachsende Internetgeschäft sowie die Synergien zwischen beiden Bereichen ausgerichtet sein müsse.

Online-Angebote
Die wirtschaftlichen Probleme, ein in zwei Jahren um etwa die Hälfte gesunkener Aktienkurs und der Einbruch im Anzeigengeschäft, sollen durch ein verstärktes Engagement im Internet aufgefangen werden. Mitte 2006 erwarb die New York Times Company für 35 Millionen Dollar die Business-to-Business Datenbank Baseline StudioSystems. Mit dem Anbieter von Informationen über die Film- und Fernsehwirtschaft möchte sich das Unternehmen diversifizieren. Ein Jahr zuvor, im Februar 2005, hatte der Konzern bereits für 410 Mio. Dollar das internetbasierte Ratgeberportal About.com gekauft, womit er nach eigenen Angaben zum zwölftgrößten Internet-Player der Welt aufstieg. In diese Entwicklung passt auch der konsequente Einstieg bei Automattic, einem Software-Unternehmen, im Januar 2008. About.com arbeitet auf Basis des Weblog-Publishing-Programms Wordpress, dessen Entwicklung Automattic leitet und weiter auszubauen plant. Obwohl der Verlag den kleinsten Investitionsbeitrag leistet, verspricht er sich dadurch Fortschritte in der Blog-Technologie, um eigene Angebote attraktiver zu machen.

Am 19. September 2007, beinahe exakt zwei Jahre nach der Einführung des Bezahlangebots TimesSelect, schaffte die „Times“ diese Bezahlhürde auf ihrer Website  wieder ab. Bisher musste für die Nutzung dieses Angebots ein Abo-Preis in Höhe von 49,95 US-Dollar jährlich bzw. 7,95 Dollar monatlich gezahlt werden. Die Öffnung fast des gesamten Archivs, also sämtlicher Artikel mit 92 Archiv-Jahrgängen des Blattes und allen Kolumnen der Edelfedern, begründeten Verlagssprecher, dass man bei den Prognosen über das Wachstum des Online-Anzeigemarktes falsch lag. Insbesondere habe man nicht erwartet, dass die Anzahl der Leser, die über Suchmaschinen wie Google oder Yahoo zu den Artikeln der „Times“ gelangen, derart stark ansteigen würde. Die nahezu völlige Abschaffung der kostenpflichtigen Inhalte soll für mehr Traffic sorgen und damit konsequenterweise mehr Einnahmen durch Online-Werbung einspielen.

Literatur

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Diamond, Edwin (1995): Behind the Times: Inside the New New York Times. Chicago: The University of Chicago Press.

Elfenbein, Stefan W. (1996): The New York Times: Macht und Mythos eines Mediums. Frankfurt am Main: Fischer.

Kramp, Leif (2008): New York Times. In: Hachmeister, Lutz (Hg.): Grundlagen der Medienpolitik. München: DVA.

Mnookin, Seth (2004): Hard News: Twenty-one Brutal Months at The New York Times and How They Changed the American Media. New York: Random House.

Talese, Gay (2007): The Kingdom and the Power: Behind the Scenes at The New York Times: The Institution That Influences the World, New York: Random House.

Tifft, Susan E./ Jones, Alex S. (1999): The Trust: The Private and Powerful Family Behind The New York Times. Boston [u.a.]: Little, Brown and Company.

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Alphabet Inc.
  2. Comcast
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Time Warner Inc.
  7. Viacom Inc./CBS Corp.
  8. Sony Entertainment
  9. Apple Inc.
  10. Altice Group
  11. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  12. Cox Enterprises Inc.
  13. Facebook, Inc.
  14. Liberty Media Corp./Liberty Interactive/Starz
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Dish Network Corporation
  17. Thomson Reuters Corporation
  18. Vivendi S.A.
  19. The Hearst Corporation
  20. Rogers Comm.
  21. Baidu Inc.
  22. Microsoft Corporation
  23. Charter Comm. Inc.
  24. RELX Group
  25. Bloomberg L.P.
  26. Essel Group
  27. Lagardère Media
  28. BBC
  29. ARD
  30. Pearson plc
  31. Netflix
  32. Advance Publications
  33. Amazon.com Inc.
  34. Discovery Communications
  35. iHeart Media
  36. Nielsen Holdings plc
  37. Shanghai Media Group
  38. The Naspers Group
  39. Nippon Hoso Kyokai
  40. Grupo Televisa
  41. S&P Global
  42. Fuji Media Holdings, Inc.
  43. Yahoo! Inc.
  44. Globo Communicação e Participações S.A.
  45. Wolters Kluwer nv
  46. Activision Blizzard Inc.
  47. ITV plc
  48. Electronic Arts
  49. Verizon (AOL)
  50. Nintendo Company Ltd.
  51. Mediaset SpA
  52. Axel Springer SE
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. Phoenix Publishing & Media Group
  55. France Télévisions S.A.
  56. Nippon Television Holdings
  57. IAC/InterActiveCorp.
  58. Time Inc.
  59. Bonnier AB
  60. TEGNA
  61. Quebecor Inc.
  62. Grupo Clarin
  63. Scripps Networks Interactive
  64. Gannett Co. Inc.
  65. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  66. Univision Communications
  67. Daily Mail & General Trust plc
  68. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  69. Bandai Namco Holdings Inc.
  70. Graham Holdings Company
  71. Bauer Media Group
  72. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  73. China Central Television
  74. ZDF
  75. Lionsgate Entertainment Corporation
  76. Bell Media
  77. TF1 S.A.
  78. Twitter
  79. Hunan Broadcasting System
  80. Spotify AB
  81. tronc, Inc.
  82. Modern Times Group
  83. Georg von Holtzbrinck GmbH
  84. Sanoma Group
  85. Schibsted Media Group
  86. Grupo Planeta
  87. Egmont Group
  88. John Wiley & Sons, Inc.
  89. SRG SSR
  90. Asahi Shinbun Company
  91. Tribune Media
  92. Scholastic Corporation
  93. NOS
  94. Meredith Corporation
  95. New York Times Company
  96. Gazprom-Media
  97. Grupo PRISA
  98. China Publishing Group
  99. Ubisoft Entertainment
  100. De Persgroep