12. Lagardère Media
Umsatz 2008: € 8,214 Mrd.
Überblick
Die Lagardère-Gruppe ist ein milliardenschwerer Mischkonzern. Einerseits ist er in den Medienbereichen Presse, Verlage, Pressevertrieb sowie Fernsehen, Radio und Multimedia aktiv. Dazu hält Lagardère einen Anteil von noch 7,5 Prozent (seit dem 24.3.2009) am europäischen Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (dieser Bereich wird im Folgenden nicht einbezogen). Lagardère ist in mehr als 40 Ländern vertreten und hat über 30.000 Mitarbeiter in 235 Tochterfirmen.
Basisdaten
Hauptsitz: 4, rue de Presbourg 75016 Paris, Frankreich
Telefon: 0033-1-40 69 16 00
Telefax: 0033-1-40 69 21 31
Internet: www.lagardere.com
Öffentlichkeitsarbeit: Thierry Funck-Brentano
Telefon: 0033-1-40 69 16 34
E-Mail: tfb(at)lagardere.fr
Branche: Buchverlage, Zeitungen, Magazine, Pressevertrieb, Radio, Spartensender, Satelliten-TV, TV-Produktion, Multimedia, Luft- und Raumfahrt, Rüstung (Lagardère SCA)
Rechtsform: Kommanditgesellschaft auf Aktien
Geschäftsjahr: 01.01. - 30.12.
Gründungsjahr: 1826 (Hachette), 1992 (Lagardère Groupe)
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | |
Umsatz Gesamt | 8.214* | 8.582* | 13.999 | 13.013 | 13.389 | 12.454 | 13.216 |
Umsatz Medien | 8.214 | 8.582 | 8.092 | 7.901 | 8.594 | 7.944 | 8.095 |
Gewinn Medien | (30) | 151 | 270 | 431 | 390 | 334 | 37 |
Aktienkurs (in €, Jahresende) | 29,00 | 51,29 | 61,00 | 65,00 | 53,10 | 45,77 | 38,71 |
Dividende (pro Aktie in €) | n/a | 1,30 | 1,20 | 1,10 | 1,00 | 0,90 | 0,82 |
Beschäftigte (Medien) | n/a | 32.810 | 31.528 | 30.863 | 30.786. | 26.239 | 27.147 |
* seit dem 1.1.2007 werden Umsatz/Gewinn aus dem EADS-Anteil nicht mehr mit den Lagardère-Zahlen proportional konsolidiert. Der Konzernumsatz entspricht nunmehr dem Umsatz aus dem Mediengeschäft
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | |
Lagardère Publishing (Verlage) | 2.159 | 2.130 | 1.975 | 1.644 | 1.431 | 959 |
Lagardère Active (Presse, Radio, TV) | 2.111 | 2.291 | ||||
Zuvor: Presse | 1.848 | 1.863 | 2.120 | 2.072 | ||
Zuvor: Radio, TV | 590 | 621 | 677 | 580 | ||
Lagadère Service (Pressevertrieb) | 3.500 | 3.721 | 3.679 | 3.773 | 4.366 | 4.333 |
Lagardère Sports | 444 | 440 | ||||
Gesamt | 8.214 | 8.582 | 8.092 | 7.901 | 8.594 | 7.944 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung / Vorstand:
- Arnaud Lagardère, Associé-Commandité, Gérant de Lagardère SCA
- Philippe Camus, Co-Gérant Lagardère SCA
- Pierre Leroy, Co-Gérant Lagardère SCA
- Dominique D'Hinnin, Directeur Financier, Lagardère SCA
- Arnaud Molinié, Directeur de la Stratégie et du Développement, Lagardère SCA
- Jean-Paul Gut, Directeur des Affaires Internationales, Lagardère SCA
- Ramzi Khiroun, Porte-parole de Lagardère SCA
- Olivier Guiguet, Président du Directoire, Lagardère Sports
- Jean-Louis Nachury, Président-Directeur Général, Lagardère Services
- Didier Quillot, Président du Directoire, Lagardère Active
- Arnaud Nourry, Président-Directeur Général de Hachette Livre
- Virginie Banet, Directeur des Relations Investisseurs
Besitzverhältnisse: Lagardère Capital & Management (7,12 %); französische Investoren (28,11 %); ausländische Investoren (49,36 %); Beschäftigte (2,41 %); Public (15,33 %), Arnaud Lagardère (2,41 %)
Geschichte und Profil
Louis Hachette (1800-1864) kaufte 1826 die Pariser Librairie Brédif als Basis für das Kerngeschäft des heutigen Medienmultis: Bücher, Presse und Printvertrieb. Nach wenigen Jahrzehnten war Hachette europäischer Marktführer und verlegte Schulbücher, Enzyklopädien, Reiseführer und Publikumszeitschriften. 1945 erschien erstmals das bis heute bekannteste Blatt des Hauses, die Frauenzeitschrift Elle. In Zusammenarbeit mit Henri Filipacchi entstand 1953 Le Livre de Poche, Frankreichs bestverkaufte Taschenbuch-Reihe; zudem kontrollierte Hachette seit den 50er Jahren die Verlagshäuser Grasset, Fayard und Stock. 1986 übernahm Hachette den quotenstarken Radiosender Europe 1.
Jean-Luc Lagardère (1928-2003) wechselte 1963 von Dassault Aviation als Generaldirektor zum Rüstungskonzern Matra (Mécanique Aviation Traction) und wurde dort 1977 zum Firmenchef ernannt. 1980 übernahm Matra dann über 40 Prozent des Medienhauses Hachette. Zwei spektakuläre Firmenzusammenschlüsse folgten 1999. Matras Technologie- und Rüstungspol fusionierte mit der staatlichen Aerospatiale und im Oktober verschmolzen Aerospatiale-Matra und Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) zur European Aeronautic Defense and Space Company (EADS).
Lagardère, der Beamtensohn aus der Gascogne, war eine französische Unternehmer-Legende. Erst Diplomingenieur, dann Waffenhändler, Medientycoon, Frankreichs bedeutendster Pferdezüchter und stets auf Du mit all den Pariser Präsidenten und Premiers formte er aus einem mittelständischen Unternehmen ein globales Konglomerat. Und eigentlich blieb ihm nur eines verwehrt: ein eigener terrestrischer Fernsehkanal. Beim Privatisierungsrennen um den französischen Marktführer TF1 unterlag Lagardère, immerhin Chef einer mächtigen Mediengruppe, 1987 dem (qua Profession sehr politiknahen) Bauunternehmer Francis Bouygues. Nach der unbedachten, ja kopflosen Investition in Berlusconis La Cinq 1990 tat es dann richtig weh: Als ihm der damalige „Figaro“-Herausgeber Robert Hersant den ersehnten Einstieg ins Leitmedium anbot, griff Lagardère natürlich zu. Tatsächlich wurde er vom alten Fuchs Hersant, der La Cinq auf den Abgrund zusteuern sah und seinen Anteil losschlagen wollte, gehörig über den Tisch gezogen.
Das zweite Trauma im Leben Jean-Luc Lagardères war ein schwerer Verkehrsunfall seines einzigen Sohnes Arnaud (Jg. 1961) im September 1981. Es ging glimpflich aus und bald konnte Vater und Sohn nichts mehr trennen, eine fidélité obsessionelle entstand. Arnaud Lagardère trat 1986 in das Unternehmen ein, wurde Chef der Mediensparte und Teil des Triumvirats an der Konzernspitze und an die Firmenleitung herangeführt. „Ich liebe meinen Sohn", hat Jean-Luc Lagardère gesagt, „und ich liebe mein Unternehmen. Beides zu verbinden ist für mich das Größte." Als Jean-Luc Lagardère am 14.3.2003 an einer seltenen Autoimmun-Erkrankung starb, war die Nachfolge geregelt. Arnaud Lagardère stand für eine sofortige Übernahme der Geschäfte bereit.
Seit 2006 unternimmt Arnaud Lagardère eine weitreichende Neuordnung des Konzerns. Im Dezember 2006 wurde verkündet, dass der Presse-Pol Hachette Filipacchi Médias (HFM) und Lagardère Active (TV, Radio, Internet) zur neuen medienübergreifenden Sparte Lagardère Active Media verschmolzen werden. Damit solle ein „internationaler Marktführer beim Verlag von Inhalten in allen Medien“ entstehen. Nur lohnen muss es sich, wofür die Regionalpresse offenbar nicht mehr garantieren kann, denn Mitte August 2007 stieß Lagardère seine südfranzösischen Regionaltitel ab (darunter Nice-Matin, La Provence und Var Matin). 160 Mio. EURO zahlte die Gruppe Hersant-Média dafür, und steigerte die Anzahl ihrer Regionalblätter damit auf fast 40.
Management
Es war kein Geheimnis, dass Arnaud Lagardère zum Rüstungsgeschäft und den damit verbundenen politischen Akrobatien keine besondere Affinität hat. Seine erste Maßnahme nach dem Tod des Vaters 2003 war der Verkauf der Matra-Automobilsparte an Pininfarina. Arnaud Lagardère setzte die vom Vater begonnene Konzentration auf die Medienbranche konsequent fort. Doch auch nach der Reduzierung des Lagardère-Anteils an EADS von 14,95 auf 10 Prozent, und trotz der deutsch-französischen Turbulenzen und der Lieferschwierigkeiten bei Airbus (und deren negative Auswirkungen auf die Lagardère-Zahlen) will man sich kurzfristig nicht aus EADS zurückziehen. Dazu Arnaud Lagardère in einer AP-Meldung vom 13.3.2007: „Man verlässt das Schiff nicht während des Sturms“.
Arnaud Lagardère ist ein Medien-Mann. Einmal gibt er sich als Fan von Hollywoods Blockbuster Business („Gladiator“ war eine Zeit lang sein Lieblingsfilm). Gleichzeitig spielt er, wie bei der Übernahme des Europa-Pols von Vivendi Universal Publishing, vor angelsächsischen Investmentfonds den Retter der französischen Hochkultur. Und im Hinterkopf hat er stets, Gipfel der sexiness, das Fernsehen - ganz der Vater. Eine weitere Tradition des Hauses, die Nähe zu den politischen Machthabern, setzt sich ebenfalls fort. Nach Nicolas Sarkozys Wahlerfolg am 6. Mai 2007 taucht Arnaud Lagardère fast täglich auf in Artikeln über die Medienmacht des neuen Präsidenten – wenn auch nicht als „Intimus“ wie Figaro-Herausgeber Serge Dassault oder TF1-Chef Martin Bouyges (Sarkozys Trauzeuge), so doch immerhin als „Freund“.
Geschäftsfelder
Lagardère Publishing:
Angesiedelt unter der Konzernsparte Lagardère Publishing (Umsatz 2008: 2,16 Mrd. €) sind die größten Verlagskonglomerate Frankreichs (mit Häusern wie Hachette, Grasset, Fayard, Stock, Lattès) und Großbritanniens (Hodder Headine). In Spanien (Amaya) ist man die Nummer zwei. In den USA verzeichnete Hachette Livre 2008 die marktgrößte Wachstumsrate (+26%), dank des Sensationserfolges der „Twilight“-Serie von Stephenie Meyer. Als Joanne K. Rowling-Nachfolgerin gehandelt und weltweit vielfach ausgezeichnet, wurden in Deutschland auch kritische Stimmen laut: Die Handlung sei „klischeehaft“ und „stereotyp“ (Deutschlandradio), die dort propagierte Weltanschauung sei „reaktionär“ (ZDF Aspekte), „übersexualisiert und unemanzipatorisch“ (Die Welt). 29,7 Millionen Exemplare der „Twilight“-Reihe wurden 2008 in den USA verkauft.
Ein Blick zurück: 2006 hatte das Verlagsgeschäft einen markanten Umsatzanstieg von über 20 Prozent verzeichnet, im wesentlichen zurückzuführen auf den Ankauf der Time Warner Book Group im Februar 2006. Mit diesem 537 Millionen Dollar-Deal wurde Lagardère Publishing zum drittgrößten Buchverlag der Welt. Dabei kam es nicht ungelegen, dass einer der Time Warner-Mitbieter Rupert Murdoch hieß, weil der Handel so eine nationale Dimension bekam und Lagardère zum Aushängeschild eines wirtschaftlich erstarkenden Frankreich wurde. 43 Prozent des Umsatzes von Lagardère Publishing stammten 2008 aus angelsächsischen Ländern.
Lagadère Services:
Lagardère Services gehört zu den weltweit größten Pressevertrieben mit 22 Tochterunternehmen in den USA und in 16 europäischen Ländern. Die Lagardère-Tochter unterhält ein umfassendes Netzwerk von über 4.000 Verkaufsstellen für Kultur- und Freizeitprodukte. Rund zwei Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftete das Unternehmen außerhalb Frankreichs. Neben Printerzeugnissen werden auch Musik, Film-DVDs und andere Multimedia-Produkte vertrieben. 2008 ging der Umsatz um rund 6% zurück auf 3,5 Mrd. €, in erster Linie zurückzuführen auf den Verkauf der Mehrheit an der Virgin-Einzelhandelskette Ende Februar 2008 – an Butler Capital Partners, eine Private-Equity-Gruppe mit Sitz in Paris. Die 34 Virgin Megastores, 2001 von Richard Branson übernommen, passten letztlich nicht mehr zur Konzernstrategie, wie es offiziell hieß. Auch die Stagnation der CD/DVD-Branche angesichts zunehmender Konkurrenz durch Download-Geschäfte mag eine Rolle gespielt haben. Finanzielle Einzelheiten der Transaktion wurden nicht genannt.
Im Gegenzug kam es 2008 zu den folgenden Zukäufen: am 1.3.2008 51% der australischen Purely Group (Einzelhandel in Flughäfen); am 1.9.2008 100% von Delstar (Verkaufspunkte in US-Flughäfen).
Lagardère Active:
Das Pressegeschäft und die audiovisuellen (Radio/TV) und digitalen (Lagardère Digital France) Aktivitäten sowie die Werbezeitenvermarktung (Lagardère Publicité) sind seit 2006 gebündelt unter dem Signet Lagardère Active.
Presse:
Auf dem französischen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt hat Lagardère fast eine Monopolstellung und publiziert mittlerweile mehr als 260 Titel in 41 Ländern. Flaggschiff-Publikationen sind die Wochenmagazine Elle (mit weiteren 15 Ausgaben weltweit) und Paris Match. Ginge es nach nationalen Politikinteressen, hätte Lagardère wohl auch die zum Verkauf stehende Regionalzeitungsgruppe Emap übernehmen dürfen. Auch in diesem Fall sah es kurzfristig so aus, als könne man einer strengen Regulierung mit nationalen Argumenten beikommen. Die Verbindungen der Konkurrenz aus dem Ausland waren gleichwohl besser: Den Zuschlag erhielt für 545 Millionen EURO am 20. Juni 2006 der italienische Bieter Mondadori, kontrolliert von Silvio Berlusconi.
Ergebnis 2008: ein starker Umsatzrückgang von über 10% auf 1.593 Mio. €, verursacht durch die Wirtschaftskrise (contexte difficile) und besonders spürbar in den USA, Russland und Spanien. Mit der französischen Elle aber geht es noch immer bergauf: 2008 um fast 5 %.
Rundfunk und Internet:
Zum TV-Bereich gehören elf Spartenkanäle, zum Beispiel die MCM-Musiksenderfamilie, der Jugend/Musik/Film/Serien-Kanal Virgin 17 (zuvor Europe 2 TV) und weitere Jugendsender u.a. mit CanalJ (4-14 Jahre) und Gulli. Herstellung und Vertrieb übernehmen die Verwerter von Fernsehrechten Lagardère Images International und Produktionsfirmen wie DEMD, GMT und Images et Cie. „Match TV“, das seit 2001 ausgestrahlte TV-Pendant zum Klatschblatt Paris Match, wurde im August 2005 wegen schlechter Quote und hohen Verlusten eingestellt. Nach diesem Fehlschlag hat sich Lagardère Active auf Kinder- und Musiksendungen spezialisiert. In beiden Sparten hat das Unternehmen zugkräftige Interpreten und Formate unter Vertrag und bereits das Interesse ausländischer Sender geweckt. Als Al Jazeera Unterstützung für einen eigenen Kinderkanal bei Programm- und Personalauswahl suchte und gleichzeitig den nach Al Jazeeras Ansicht schädlichen Einfluss amerikanischer Fernsehserien verhindern wollte, wandte der arabische Sender sich an Lagardère.
Ende November 2006 wurde bekannt, dass die Karten beim ruhmreichen Pay TV-Sender Canal+ neu gemischt und die konkurrierenden Bouquets CanalSat (Canal+ Gruppe bzw. Vivendi) und TPS (TF1, M6) fusioniert werden. Bis dahin war Frankreich das letzte europäische Land mit zwei rivalisierenden Plattformen. Lagardère bringt seine 34-prozentige Beteiligung an CanalSat ein und erhält im Gegenzug 20 Prozent an Canal+ France.
Am 4. März 2008 wird gemeldet: Lagardère verpflichtet TF1-Programmchef Takis Candilis (53) für die Produktionssparte. Das erklärte Ziel ist, laut Arnaud Molinié, Président Lagardère Entertainment, eine verstärkte Ausrichtung der Firmenpolitik in Richtung Programmproduktion. Dazu Takis Candilis in einem Interview mit Le Monde (5.3.2008): „Die französische TV-Produktion ist eine zersplitterte Branche. Es wird zu vereinzelt gearbeitet, um auf dem internationalen Markt bestehen zu können. Auf dem Produktionssektor gibt es außer Lagardère kein starkes, konkurrenzfähiges Unternehmen.“
2008 war ein den Umständen entsprechend gutes Jahr: beim Radio ging es sowohl in Frankreich als auch in Osteuropa aufwärts (ein Umsatzplus von 4,2% auf 311 Mio. €), für die TV-Sparte ging es nur marginal runter (-1,4%) auf 207 Mio. €.
Lagadère Sports:
Lagardère Sports ist die vierte der im März 2007 eingerichteten operating divisions bzw. pôles opérationnels, zuständig für Management und Marketing von Sport-Senderechten. Im Mittelpunkt steht der Ende November 2006 gekaufte Sportrechte-Vermarkter Sportfive (Hamburg/Paris), mit dem Arnaud Lagardère den Rückzug aus dem Rüstungsgeschäft fortsetzte, weniger aus moralischen Gründen, eher aufgrund persönlicher Vorlieben. Auch wenn die Firma hier Neuland betrat: die Sportfive-Investition von 865 Millionen Euro mit der Strategie, exklusive Sportrechte über die diversen Vertriebskanäle des Konzerns global zu vermarkten, wurde in Fachkreisen allgemein positiv bewertet. Der junge Lagardère gehe nicht kopflos vor, er emanzipiere sich von der Last des Erbes und schaffe etwas Eigenes. Sportfive wurden übrigens im Februar 2009 die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 vom IOC zugesprochen. Erstmals bekam somit nicht die Europäische Rundfunkunion, sondern eine Agentur den Zuschlag.
Im Juni 2007 kauft Lagardère die schwedische Sportrechte-Agentur International Events and Communication in Sports (IEC), Ende Oktober 2007 den Hamburger Sportvermarkter Upsolut Sports AG. Deren Kernkompetenz: Planung und Umsetzung von Ausdauersport-Veranstaltungen (Radrennen, Triathlon). Ebenfalls zu Lagardère Sports gehört Newsweb, französischer Internetseiten-Veranstalter (in den Bereichen Sport, Auto, News, Wirtschaft).
Engagement in Deutschland
Lagardère Active Radio International ist an deutschen Radioveranstaltern wie Kiss FM (Berlin, Black Music/Dance/House), Antenne AC (Würselen) , Delta Radio (Kiel) und Main FM (Frankfurt) beteiligt. Hachette Filipacchi Médias betreibt ein 50/50-Joint Venture mit Hubert Burda Medien: im Elle Verlag (München) erscheinen die deutsche Monatsausgabe der Elle (Auflage 212.000), die zweimonatliche Elle Decoration und Elle Bistro. Die legion Telekommunikation Düsseldorf (100%) organisiert für Sender quer durch die deutsche TV-Landschaft die Abwicklung etwa von Gewinnspielen und Voting-Aktionen, also „Responsemanagement und Anrufautomation“.
Dazu die oben erwähnten Sportrechte-Agenturen Upsolut und Sportfive (beide Hamburg). Und fast hätten die deutschen Lagardère-Aktivitäten Ende 2007 eine weitere, ausgesprochen markante Facette erhalten, als sich die Sportfive um die Bundesliga-Rechte bemühte. Umsonst: man wurde von der Deutschen Fußball Liga gar nicht erst gefragt. Sportfive-Chef Thomas Röttgermann kritisierte in der Folge sowohl DFL-Geschäftsführer Christian Seifert („In Seiferts Schuhen wäre ich mutiger gewesen. Die Bundesliga-Rechte sind deutlich mehr wert“) als auch an Leo Kirch, vorläufiger Sieger der Rechte-Auktion (Kirchs Bankbürgschaft ist nur eine „Scheinsicherheit“, keine hundertprozentige Absicherung). Auch bei der zweiten Rechtevergabe im November 2008 (nötig geworden nach der Blockade von Kirchs Vermarktungskonzept durch das Bundeskartellamt im September 2008) kam Sportfive nicht zum Zuge. Es blieb alles beim alten: Premiere, ARD, ZDF, Telekom und DSF teilen sich die Rechte bis 2013.
Im Februar 2009 gelingt Sportfive dann doch ein großer Coup: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) spricht Sportfive die Vermarktungsrechte für die Spiele 2014 und 2016 zu (Free-TV, Pay-TV, Internet, Handy). Die Europäische Rundfunkunion (EBU) und die Schweizer Agentur Infront werden nicht berücksichtigt; eine „Zäsur in der olympischen Fernsehgeschichte“ (Focus online).
Aktuelle Entwicklungen
Nach deutlichen Signalen im Jahr 2006 (Abgabe von 50 Prozent der EADS-Anteile, Kauf von Time Warner Publishing und Sportfive, Verstärkung im Pay-TV) ist die Umorientierung ein wiederkehrendes Thema bei Beobachtern der Branche. Der französische Medienmarkt sei in Bewegung, heißt es dort, auch Lagardère scheint betroffen. Eine mangelnde vertikale Integration wird beklagt und mangelnde finanzielle Möglichkeiten, um auf dem Weltmarkt mitzuspielen. Auch die Millioneninvestition in Canal+ France, für eine Minderheitsbeteiligung, wird kritisiert. Tatsächlich scheint Lagardère hier den Ausstieg zu planen, vielleicht schon, meldet Reuters, bis zum 15. April 2010 (wenn das vertraglich festgelegte jährliche Verkaufsfenster endet). Canal Plus-Hauptanteilseigner Vivendi, soviel steht fest, will weitere Anteile erwerben. Bereits Ende November 2009 hat Vivendi dem Pariser TV-Konzern TF1 dessen zehnprozentigen Anteil für 744 Mio. € abgenommen.
Keine aktuelle Entwicklung, eher ein Dauergerücht: der Lagardère-Ausstieg bei EADS. Mitte Mai 2007 hatte Lagardère-Finanzvorstand Dominique D’Hinnin bekanntgegeben: "Unsere Strategie ist es, die Minderheitsbeteiligungen bei EADS (...) eines Tages vielleicht abzustoßen - das ist das langfristige Ziel". Auf Nachfrage sagt D'Hinnin, dass darunter "fünf Jahre, so um den Dreh" als Zeitrahmen zu verstehen seien. Kein Gerücht dagegen die handfesten Vorwürfe von „massiven Insidergeschäften“ bei EADS, die Anfang Oktober 2007 auch gegen Großaktionär Arnaud Lagardère erhoben werden. Vor Bekanntwerden der Fertigungsprobleme beim A380, also vor dem Einbruch der EADS-Aktie im Sommer 2006, habe Lagardère (und mit ihm DaimlerChrysler und eine Reihe von EADS-Topmanagern) Aktien abgestoßen und Millionengewinne gemacht. Die Pariser Börsenaufsicht AMF ermittelte, am 1.4.2008 wurde das Ganze an die Pariser Staatsanwaltschaft übergeben, ab Ende Mai kam es zu ersten Verhaftungen von früheren und amtierenden Managern.
Entwarnung dann Mitte Dezember 2009: Freispruch von sämtlichen Vorwürfen für alle beschuldigten EADS-Manager; sie hätten kein Insidervergehen begangen und die hohen Gewinne zu Recht kassiert. Kaum war der lästige Rechtsstreit vom Tisch, wurde wieder spekuliert, war wieder vom Anteilsverkauf die Rede. Der Widerruf kam postwendend: "Nichts rechtfertigt heute die Gerüchte über einen Verkauf (...) des EADS-Anteils", so Lagardère-Sprecher Ramzi Khiroun am 15. Januar 2010. Finanzvorstand D’Hinnin hatte sich im November 09 geäußert mit den Worten: „Lediglich eine Frage des Preises“. Der Eindruck bleibt: Die Tage als Rüstungskonzern scheinen für Lagardère gezählt.
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- Charter Comm. Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Nippon Hoso Kyokai
- Mediaset SpA
- Grupo PRISA
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Tribune Co.
- The Hearst Corporation
- The Nielsen Company
- Daily Mail & General Trust plc
- Wolters Kluwer nv
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Bonnier AB
- ProSiebenSat.1
- The Washington Post Company
- Sanoma Group
- Grupo Televisa
- France Télévisions S.A.
- Axel Springer AG
- RCS Media Group
- TF1 S.A.
- Georg von Holtzbrinck GmbH
- ITV plc
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
- Nippon Television Network Corporation
