21. Lagardère Media

Umsatz 2014: € 7,170 Mrd.

Überblick

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Seit dem Verkauf der restlichen Anteile von 7,4 Prozent an EADS im April 2013 und somit dem Ausstieg aus dem Geschäft mit Rüstung, Luft- und Raumfahrt ist die Lagardère-Gruppe ein reiner Medienkonzern, aktiv in den Bereichen Presse, Verlage, Pressevertrieb, Sportrechte sowie Fernsehen, Radio und Multimedia. Lagardère ist in rund 30 Ländern vertreten und beschäftigt mehr als 23.000 Mitarbeitern in 428 Tochterfirmen.

Basisdaten

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Hauptsitz: 4, rue de Presbourg, 75016 Paris, Frankreich
Telefon: 0033-1-40 69 16 00
Telefax: 0033-1-40 69 21 31
Internet: www.lagardere.com

Öffentlichkeitsarbeit: Thierry Funck-Brentano
Telefon: 0033-1-40 69 16 34
E-Mail: tfb(at)lagardere.fr

Branche: Buchverlage, Zeitungen, Magazine, Pressevertrieb, Radio, Spartensender, Satelliten-TV, TV-Produktion, Multimedia, Sportvermarktung, Luft- und Raumfahrt, Rüstung (Lagardère SCA)
Rechtsform: Kommanditgesellschaft auf Aktien
Geschäftsjahr: 01.01. - 30.12.
Gründungsjahr: 1826 (Hachette), 1992 (Lagardère Groupe)

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
201520142013201220112010200920082007
Umsatz Gesamt (in Mio. €)7.1907.1707.2167.3707.6577.966*7.892*8.214*8.582*
Gewinn Medien (in Mio. €)185240106(439)194164627564
Aktienkurs (in €, Jahresende)27,4521,6027,0225,9820,4030,8328,4129,0051,29
Beschäftigte (Medien)n/an/an/a23.81826.49328.51029.51929.88932.810

* seit dem 1.1.2007 wurden Umsatz/Gewinn aus dem EADS-Anteil nicht mehr mit den Lagardère-Zahlen proportional konsolidiert. Der Konzernumsatz entsprach nunmehr dem Umsatz aus dem Mediengeschäft.

Tab. II: Medien-Umsatz nach Geschäftsfeldern (in Mio. €)
201520142013201220112010200920082007
Lagardère Publishing (Verlage)2.2062.0042.0662.0772.0382.1652.2732.1592.130
Lagardère Active9629589961.0141.4411.8261.7252.1112.291
Lagadère Services--3.8143.7453.8093.7243.5793.3873.5003.721
Lagardère Sports/Unlimited515394409470454396507444440
Lagardère Travel Retail3.510
Gesamt7.1907.1707.2167.3707.6577.9667.8928.2148.582

Geschäftsführung

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Geschäftsführung / Vorstand:

  • Arnaud Lagardère, Associé-Commandité, Gérant de Lagardère SCA,
    Président Exécutif de Lagardère Unlimited
  • Pierre Leroy, Co-gérant de Lagardère SCA
  • Dominique D'Hinnin, Co-gérant de Lagardère SCA
  • Thierry Funck-Brentano, Co-gérant de Lagardère SCA
  • Ramzi Khiroun, Porte-parole de Lagardère SCA, Directeur des Relations Extérieures
  • Arnaud Nourry, Président-Directeur Général de Hachette Livre
  • Denis Olivennes, Président du Directoire de Lagardère Active
  • Dag Rasmussen, Président-Directeur Général de Lagardère Services
  • Gérard Adsuar, Directeur Financier Adjoint de Lagardère SCA
  • Norbert Giaoui, Directeur juridique de Lagardère SCA

 

Besitzverhältnisse (Stand: Ende 2012): Lagardère Capital & Management (9,30%); Investisseurs institutionnels français (16,79%); Investisseurs institutionnels étrangers (63,95%); Public (6,02); Salariés (1,45%); Autodétention (2,49%).

Geschichte und Profil

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Louis Hachette (1800-1864) kauft 1826 die Pariser Librairie Brédif als Basis für das Kerngeschäft des heutigen Medienmultis: Bücher, Presse und Printvertrieb. Hachette wird europäischer Marktführer und verlegt Schulbücher, Enzyklopädien, Reiseführer und Publikumszeitschriften. 1945 erscheint erstmals das bis heute bekannteste Blatt des Hauses, die Frauenzeitschrift Elle. In Zusammenarbeit mit Henri Filipacchi entsteht 1953 Le Livre de Poche, Frankreichs bestverkaufte Taschenbuch-Reihe; zudem kontrolliert Hachette seit den 1950er Jahren die Verlagshäuser Grasset, Fayard und Stock. 1986 übernimmt Hachette den quotenstarken Radiosender Europe 1.

Jean-Luc Lagardère (1928-2003) wechselt 1963 von Dassault Aviation als Generaldirektor zum Rüstungskonzern Matra (Mécanique Aviation Traction) und wird dort 1977 zum Firmenchef ernannt. 1980 übernimmt Matra dann über 40 Prozent des Medienhauses Hachette. Zwei spektakuläre Firmenzusammenschlüsse folgen 1999. Matras Technologie- und Rüstungspol fusioniert mit der staatlichen Aerospatiale und im Oktober verschmelzen Aerospatiale-Matra und Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) zur European Aeronautic Defense and Space Company (EADS).

Lagardère, der Beamtensohn aus der Gascogne, ist heute eine französische Unternehmer-Legende, der Inbegriff des Familienkapitalisten. Erst Diplomingenieur, dann Waffenhändler, Medientycoon, Luftfahrt-Enthusiast, Frankreichs bedeutendster Pferdezüchter und stets auf Du mit all den Pariser Präsidenten und Premiers formte er aus einem mittelständischen Unternehmen ein globales Konglomerat. Und eigentlich blieb ihm nur eines verwehrt: ein eigener terrestrischer Fernsehkanal. Beim Privatisierungsrennen um den französischen Marktführer TF1 unterlag Lagardère, immerhin Chef einer mächtigen Mediengruppe, 1987 dem (qua Profession sehr politiknahen) Bauunternehmer Francis Bouygues. Nach der unbedachten, kopflosen Investition in Berlusconis La Cinq 1990 tat es dann richtig weh: Als ihm der damalige Figaro-Herausgeber Robert Hersant den ersehnten Einstieg ins Leitmedium anbot, griff Lagardère natürlich zu. Tatsächlich wurde er vom alten Fuchs Hersant, der La Cinq auf den Abgrund zusteuern sah und seinen Anteil losschlagen wollte, gehörig über den Tisch gezogen.

Der einzige Sohn Arnaud Lagardère (Jg. 1961) tritt 1986 in das Unternehmen ein, wird Chef der Mediensparte, Teil des Triumvirats an der Konzernspitze und an die Firmenleitung herangeführt. „Ich liebe meinen Sohn", hat Jean-Luc Lagardère gesagt, „und ich liebe mein Unternehmen. Beides zu verbinden ist für mich das Größte." Weiter: „Er ist ich, und ich bin er.“ Als Jean-Luc Lagardère am 14.3.2003 nach einer eigentlich unkomplizierten Hüft-OP an einer Blutvergiftung stirbt, ist die Nachfolge geregelt. Arnaud Lagardère steht für eine sofortige Übernahme der Geschäfte bereit.

Seit 2006 unternimmt Arnaud Lagardère eine weitreichende Neuordnung des Konzerns. Im Dezember 2006 wird verkündet, dass der Presse-Pol Hachette Filipacchi Médias (HFM) und Lagardère Active (TV, Radio, Internet) zur neuen medienübergreifenden Sparte Lagardère Active Media zusammengeführt werden. Damit solle ein „internationaler Marktführer beim Verlag von Inhalten in allen Medien“ entstehen. Das Geschäft mit der Regionalpresse scheint sich allerdings bald nicht mehr zu rentieren, denn Mitte August 2007 stößt Lagardère seine südfranzösischen Titel ab (darunter Nice-Matin, La Provence und Var Matin). 160 Mio. EURO zahlt die Gruppe Hersant-Média dafür und steigert die Anzahl ihrer Regionalblätter auf fast 40. Im Frühjahr 2011 dann wird der Großteil von Lagardères „International Magazine Business“ für 606 Mio. Euro an die Hearst Corporation abgegeben. Der Grund: Es sei in den meisten Ländern nicht gelungen, im Zeitschriften-Geschäft eine „kritische Größe“ zu erreichen.

Der Ausstieg bei dem Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist seit Jahren ein Thema. Mitte Mai 2007 etwa hatte Finanzvorstand Dominique D’Hinnin bekannt gegeben: "Unsere Strategie ist es, die Minderheitsbeteiligung bei EADS (...) eines Tages abzustoßen - das ist das langfristige Ziel". D’Hinnin dann im November 09: Der Verkauf sei „lediglich eine Frage des Preises“. Arnaud Lagardère für seinen Teil hat ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn der Flugzeugbau nicht interessiert und er nur auf den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg wartet. Dazu passt, dass Lagardère seiner Ernennung zum EADS-Verwaltungsratschef Ende Mai 2012 einfach fernbleibt. Er habe „andere wichtige Dinge“ zu tun.

„Ich will, dass Lagardère in zehn bis 15 Jahren einer der drei größten Medienkonzerne weltweit ist“, so Arnaud Lagardère im Jahr 2004. Davon ist er heute noch ein ziemliches Stück entfernt. Sein Mischkonzern strauchelt und ist hoch verschuldet. Zugleich scheint es, als habe er am Medienbusiness längst das Interesse verloren und sozusagen die Pferde gewechselt, als habe er im „Sport“ seine wahre Bestimmung gefunden. Jetzt sagt er: Ich will als Sportvermarkter bis 2015 weltweit die Nummer eins werden. Bislang aber läuft es alles andere als rund. Was wohl der Hauptgrund dafür war, dass der Konzern am 20.9.2012 (nach 16 Jahren) aus dem französischen Leitindex CAC 40 geworfen wurde. Arnaud Lagardères „Sport business“-Strategie habe letztlich weder Investoren noch die Börsenbehörde überzeugt. Trotzdem: Auf der Hauptversammlung 2013 präsentiert Arnaud Lagardère die defizitäre Konzernsparte noch immer als „strategische Achse“ und geht davon aus, dass sich das Geschäft ab 2015 rentieren werde.

À propos Mischkonzern: Das ist im April 2013 auch vorbei. Lagardère stößt die letzten Prozent-Anteile an EADS ab und erlöst 2,3 Milliarden Euro. Siehe Aktuelle Entwicklungen

Management

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Am 27.3.2013, zehn Jahre nach dem Tod des Vaters, erscheint im Nouvel Observateur ein Artikel über Arnaud Lagardère („Papa, ich habe die Gruppe geschrumpft“), der all die Eigenheiten und Kaprizen des umstrittenen Konzernchefs (zu dem er sich mittlerweile fraglos entwickelt hat) noch einmal seitenlang schön zusammenfasst. Es beginnt mit: Zehn Jahre habe der Sohn gebraucht, um den Vater zu „töten“. Zehn Jahre braucht der Sohn, um das zu zerschlagen, was der Vater und legendäre Wirtschaftslenker Jean-Luc Lagardère in 40 Jahren aufgebaut hatte.

Es war kein Geheimnis, dass Arnaud Lagardère mit Industrie und Rüstung nie viel anfangen konnte. Seine erste Maßnahme nach dem Tod des Vaters 2003 ist der Verkauf der Matra-Automobilsparte an Pininfarina. Und dann? In zehn Jahren hat er die Lagardère-Gruppe halbiert. Er verkauft die internationalen Magazine, die Beteiligung an Le Monde, jetzt den Rest von EADS. 2002 waren es 45.500 Beschäftigte bei einem Umsatz von 13,2 Milliarden, heute sind es noch 23.000 Beschäftigte und ein Umsatz von 7,3 Milliarden Euro. „Es ist wie eine Rückkehr in die Zeit vor EADS“, so ein Analyst, „ein langweiliger Konzern. Nicht wirklich sexy.“

Arnaud, 52 Jahre, bleibt der Erbe von der traurigen Gestalt, vom Pariser Finanz-Establishment von Anfang an misstrauisch beobachtet, nur ein blasses Abbild des Seniors, des großen Konzernlenkers. Es ist deutlich: Arnaud Lagardère hat ein Image-Problem, ihm haftet das Image eines verwöhnten Vatersöhnchens an, „das Image des Luftikus“ (Süddeutsche Zeitung vom 28.4.2010). In seinen Reden auf den Hauptversammlungen bleibe er unverbindlich und überhaupt: Das harte Geschäft überlasse er seiner Nummer Zwei Dominique d’Hinnin, zuvor Lagardère-Finanzvorstand, heute Co-Geschäftsführer, für viele „der eigentliche Kopf des Konzerns“.

Der französischen Öffentlichkeit ist er mittlerweile (seit Juli 2011) als Witzfigur ein Begriff. Es fing an mit Fotos mit einem auffälligen Mannequin im Ganzkörper-Leopardenoutfit bei diversen Sport-Events. Was dann folgte, hatte „die Wirkung einer Bombe“ (La Tribune). Am 20.7. wird das Making-of eines Fotoshootings für das belgische Le Soir Magazine online gestellt. Das Video zeigt ihn in Schmusepose mit seiner neuen Freundin, dem exakt 30 Jahre jüngeren (und 20 Zentimeter größeren) belgischen Dessous-Model Jade Forêt („unsere Liebe kennt kein Limit, Chéri“) und wird binnen kurzer Zeit millionenfach angeklickt.

Ganz Frankreich und vor allem Tout Paris sind sprachlos und entsetzt. „Was traurig ist: er wirkt wie ein Baby in diesem Film“, so ein EADS-Angestellter zu Libération. Will man das sehen von einem der mächtigsten Wirtschaftsführer Frankreichs, vom Vorstand eines Weltkonzerns? Warum muss man ihn und seine schwangere Freundin im April 2012 am Strand von Miami sehen? Braun gebrannt in gelbem Partnerlook, mit Tätowierungen an Hand- und Fußgelenk. Arnaud Lagardère verteidigt sich: „Vielleicht bin ich ein untypischer Patron, na und?"

Mitte November 2012 dann ist es wieder so weit, der untypische Konzernchef sorgt ein weiteres Mal mit privaten Eskapaden mit großem Fremdschäm-Potenzial für Aufsehen. Diesmal geht es um eine Reportage des belgischen Senders RTBF mit Szenen aus dem Alltag des Milliardärs, seiner Freundin und ihrer Mutter, die eigentlich immer dabei ist.

Arnaud schenkt Jade ein weißes Hochzeitskleid, fliegt sie im Privatjet zum Shooting nach Barcelona, schenkt ihr einen schwarzen Porsche („Was für ein schönes Geschenk, mon amour.“) Oder: Arnaud, seine Freundin und ihre Mutter fummeln eine gefühlte Stunde lang auf ihren iPhones rum und reden über das Wetter von morgen. Man möchte es gar nicht sehen, aber kann doch nicht wegschauen. Und klar, Arnaud Lagardère ist jetzt ungeheuer präsent in allen bunten Blättern. Und Jade, Jade, Jade in sexy und/oder schicken Outfits mit und ohne Tochter Liva. Dann aber wird es ihm doch zuviel. Im Juli 2013 kauft er (für eine nicht veröffentlichte Summe) die französischen Senderechte der RTBF-Doku und verhindert so eine Ausstrahlung im französischen Fernsehen.  Dumm nur, dass der Film in ganzer Länge im Internet zu sehen ist (auf der RTBF-Page): "La Belle, le Milliardaire et la Discrète". Als würde Lagardère „von Höhlenmenschen beraten“, schreibt Le Figaro.

Die Zweifel an den Managementqualitäten des Firmenerben, die latent immer da waren, werden auf der Lagardère-Führungsebene und im Kreis der Aktionäre offen ausgesprochen. Wie konnte man in Libération schon am 3.12.2010 lesen? „Die Strategie von Arnaud Lagardère und seinen zahllosen Leutnants, die oft genug damit beschäftigt sind, einander auszustechen, zeichnet das Bild eines von Zweifeln gequälten Konzerns.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Geschäftsfelder

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Lagardère Publishing:
Mit dem weltweit zweitgrößten Verlagskonglomerat Lagardère Publishing ist man Marktführer in Frankreich (mit Häusern wie Grasset, Fayard, Stock, Calmann-Lévy, Lattès),  die Nummer zwei in Großbritannien (u.a. mit Octopus; Orion; Hodder; Headline; Little, Brown) und in Spanien (Anaya), und in den USA die Nummer fünf (u.a. mit Grand Central Publishing; Little, Brown).

Das Geschäftsjahr 2012 verlief alles in allem stabil (Umsatz 2012: 2,106 Mrd. €, Umsatz 2011: 2,072 Mrd. €), der Buchmarkt erwies sich im Angesicht der Krise als relativ widerstandsfähig, verglichen mit dem Musik-, Film- und Werbemarkt. Konkret konnte man sinkende Verkaufszahlen nach dem erwarteten Abflauen des Sensationserfolgs der „Twilight“-Serie von Stephenie Meyer auffangen mit zwei spektakulären, weltweiten Bestsellern: „Ein plötzlicher Todesfall/A casual vacancy“ von Joanne K. Rowling  und die Erotik-Trilogie „Fifty Shades of Grey“ von E L James.

Interessant: Weltweit werden bei digitalen Büchern deutlich geringere Steigerungszahlen verzeichnet. Im Lagardère-Geschäftsbericht 2012 geht man bereits davon aus, dass sich das Geschäft mit e-books auf einem Niveau von rund 30% des Gesamtmarkts stabilisieren wird. Man könne davon ausgehen, dass das Geschäftsmodell im Verlagswesen vom Aufkommen der e-book-Technologie nicht wesentlich betroffen sein wird. Die digitalen Bücher würden sich lediglich als weiteres Vertriebsformat etablieren. Lagardère veröffentlicht hierzu die Zahlen der US-Tochter Hachette Book Group: Konnte man zunächst noch ein bemerkenswertes Wachstum bei digitalen Büchern feststellen (Anfang 2010 3%, Ende 2010 10%, Ende 2011 20%), stieg der Anteil am Gesamtumsatz 2012 von Lagardère Publishing nur noch auf 25%.

Noch ein Blick zurück: 2006 hatte das Verlagsgeschäft einen markanten Umsatzanstieg von über 20 Prozent verzeichnet, zurückzuführen auf den Ankauf der Time Warner Book Group im Februar 2006. Mit diesem 537 Millionen Dollar-Deal wurde Lagardère Publishing damals zum drittgrößten Buchverlag der Welt. Dabei kam es nicht ungelegen, dass einer der Time Warner-Mitbieter Rupert Murdoch hieß, weil der Handel so eine nationale Dimension bekam und Lagardère zum Aushängeschild eines wirtschaftlich erstarkenden Frankreich wurde.
2012 wurden 37,1 Prozent des Umsatzes von Lagardère Publishing in den USA und in Großbritannien generiert (2011: 35,7%).

Lagardère Active:
Das Pressegeschäft und die audiovisuellen (Radio/TV) und digitalen (Lagardère Digital France) Aktivitäten sowie die Werbezeitenvermarktung (Lagardère Publicité) sind seit 2006 gebündelt unter dem Signet Lagardère Active. Hier sank der Umsatz im Jahresvergleich deutlich von 1.441 Mio. € (2011) auf 1014 Mio. € (2012).

„Presse Magazine“:
Die Zeitschriften-Konzernsparte befindet sich im Umbruch. Lange Jahre hatte man in Frankreich fast eine Monopolstellung und publizierte weltweit über 200 Titel. 2007 bereits verkaufte Lagardère seine französischen Regionalzeitungen, im Frühjahr 2011 dann den Großteil des „International Magazine Business“ für 606 Mio. Euro an die Hearst Corporation. Der Verkauf der internationalen Magazine an Hearst war auch der wesentliche Grund für den Lagardère Active-Umsatzrückgang 2012 von 427 Mio. Euro. (Übrigens: auch Bauer hatte sich im Bieterwettstreit Hoffnungen gemacht, konnte aber dem amerikanischen „Zeitschrift-Giganten“ Hearst nicht genug entgegensetzen.) Von der Flaggschiff-Publikation ELLE möchte man sich, vorerst, nicht trennen. Die französische Ausgabe und die Marken- und Merchandising-Rechte bleiben im Rahmen eines Sonderabkommens bei Lagardère.

Rundfunk und Internet:
Die Konzernradios heißen Europe 1, französischer Referenzsender in Sachen News und Talk, Virgin Radio (zuvor Europe 2, Musik für Leute von 25 bis 34) und RFM (Mainstream-Pop). Lagardère Active Radio International hält weiterhin Anteile an 18 Radiosendern in sechs Ländern (Deutschland, Osteuropa, Südafrika) mit über 13,5 Millionen Hörern täglich.

Zum TV-Bereich gehören TV-Spartenkanäle (über Kabel, Satellit, ADSL) wie die MCM-Musiksenderfamilie, Gulli, June (zuvor Filles TV) und Jugendsender wie canalj (6-14 Jahre) und TIJI (Kinder). Gulli (hier ist France Télévisions mit 34% beteiligt) ist in Frankreich auch über das terrestrische Digitalfernsehen (TNT) zu empfangen. Mezzo schließlich (Klassik, Jazz, Tanz) ist empfangbar in 41 Ländern (Anteil von France Télévisions: 40%). Produktion und Rechtevertrieb finden sich seit 2008 gebündelt in dem Unternehmen Lagardère Entertainment. Darunter finden sich bekannte Fiction-Produzenten wie Telmondis, DEMD Productions, GMT und Image & Compagnie sowie die Distributionsfirma Lagardère Entertainment Rights.
8% des Umsatzes von Lagardère Active wurden 2012 im Internet verdient. Weltweit hält man ein Portfolio von über 100 Websites mit monatlich mehr als 80 Millionen Besuchern; in Frankreich belegt man in dieser Hinsicht den ersten Platz. Die erfolgreichsten Lagardère-Internetseiten sind: Doctissimo.fr, Elle.fr, Premiere.fr.

Hinsichtlich der 20-prozentigen Lagardère-Beteiligung an Canal + France siehe „Nicht strategische Aktiva“.

Lagardère Services:
Lagardère Services ist der weltweit zweitgrößte „Travel Retailer für Presse und Buch“. Die Lagardère-Tochter beschäftigt über 11.000 Mitarbeiter und unterhält ein Netzwerk von über 4.000 Verkaufsstellen (Relay, Aelia) für Kultur- und Freizeitprodukte in 25 Ländern weltweit – vornehmlich auf Flughäfen und Bahnhöfen. Mehr als 70% seines Umsatzes erwirtschaftete das Unternehmen auch 2012 außerhalb Frankreichs. Neben Printerzeugnissen werden Musik, Film-DVDs und andere Multimedia-Produkte vertrieben.

Lagardère Unlimited:
Bei der Sportvermarktung gibt Arnaud Lagardère Vollgas, insgesamt investiert die Gruppe hier mehr als eine Milliarde Euro. Ende Mai 2010 wird der Zukauf des US-Sportvermarkters BEST (Blue Entertainment Sports Television) gemeldet (A.L.: „Den Preis können wir nicht verraten. Das macht niemand in dieser Branche“) und der Geschäftsbereich Lagardère Sports in Lagardère Unlimited umbenannt. Das neue Unternehmen positioniere sich als acteur majeur auf dem Sportmarkt, vertritt heute über 500 Sportler aus 30 Disziplinen, kümmert sich um das Management von Sportakademien (Lagardère Paris Racing im Bois de Boulogne, Saddlebrook/Florida) und hat eine klare Zielvorgabe: der derzeitigen Nummer Eins der Sportvermarktung IMG (International Management Group) bis 2015 den Spitzenplatz abzunehmen.
Zu Lagardère Unlimited gehört auch der 2007 gekaufte Sportrechte-Vermarkter Sportfive (Hamburg/Paris), der z.B. die Gesamtvermarktung bei 14 Bundesligavereinen umsetzt (darunter Borussia Dortmund, HSV, Bayer Leverkusen). Im Februar 2009 wurden Sportfive die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2014 (Sotschi, Russland) und 2016 (Rio de Janeiro) für 40 europäische Länder vom IOC zugesprochen. Erstmals bekam nicht die Europäische Rundfunkunion, sondern eine Agentur den Zuschlag; eine „Zäsur in der olympischen Fernsehgeschichte“ (Focus online).

Weitere Töchter von Lagardère Unlimited: die World Sport Group (Singapur), die größte Sportagentur in Asien; PR Event, Veranstalter von Profitennisturnieren; seit Juni 2007 die schwedische Sportrechte-Agentur International Events and Communication in Sports (IEC); seit 2008 das Hamburger Sportunternehmen Upsolut Sports AG. Dessen Kernkompetenz: Planung und Umsetzung von Ausdauersport-Großveranstaltungen (Radrennen, Triathlon).

„Nicht strategische Aktiva“:
Im Dezember 2005 wurde bekannt, dass die Karten beim ruhmreichen Pay TV-Sender Canal+ neu gemischt und die konkurrierenden Bouquets CanalSat (Canal+ Gruppe bzw. Vivendi) und TPS (TF1, M6) fusioniert werden. Bis dahin war Frankreich das letzte europäische Land mit zwei rivalisierenden Plattformen. Lagardère brachte seine 34-prozentige Beteiligung an CanalSat ein und erhielt im Gegenzug 20 Prozent an Canal+ France. Diese 20 Prozent will Lagardère seit März 2010 verkaufen; im Herbst 2013 wurde schließlich bekannt, dass Mehrheitsbesitzer Vivendi den Lagardère-Anteil für 1,3 Milliarden US-Dollar übernehmen will.

Insofern gilt Haupteigner Vivendi als logischer Abnehmer. Zu einer Einigung über einen Kaufpreis aber kam es bislang nicht. Im Gegenteil. Vielmehr scheint es heute wie eine Geschichte ohne Ende – bestimmt von erratischen Ideen Arnaud Lagardères. Mal will er seine 20% an die Börse bringen (ein Plan, der Mitte März 2011 abgebrochen wird wegen der „Volatilität der Märkte“ nach den Natur- und Atomkatastrophen in Japan), zuletzt kündigte er an, Canal+ France komplett kaufen zu wollen. Nur: erstens will Vivendi definitiv nicht verkaufen, und zweitens lässt Lagardère alle Fragen offen, wie er die dafür nötigen 3,5 Milliarden aufbringen will. Beobachter schreiben, Lagardère taktiere. Oder, so Libération: „Nono le farceur – Nono (A.L.s Spitzname) der Witzbold“. Ende offen, Fortsetzung folgt.

Es scheint fast, als liege ein Fluch über dem Verhältnis der Familie Lagardère mit dem Fernsehen, als erginge es dem Sohn mit Canal+ wie dem Vater mit der Pleite von La Cinq und der Niederlage im Käuferwettstreit um TF1. Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass man Canal+ nach der Vivendi/Messier-Katastrophe 2003 hätte kaufen können, für einen symbolischen Euro.

Grundsätzlich hatte Arnaud Lagardère den Aktionären und Analysten ja versprochen, Minderheitsbeteiligungen abzustoßen, um das hier blockierte Geld wieder zu investieren. Mit den 20% an Canal +  France ist es ihm noch nicht gelungen, auch für die 42% an der Groupe Marie Claire findet er keinen Käufer.

Erfolg hatte Lagardère im April 2013 mit dem Verkauf des 25-prozentigen Anteils an Les Editions P. Amaury (Le Parisien, L’Equipe, Veranstalter der Tour de France und der Rallye Paris-Dakar). Die Amaury-Gruppe selbst hat die Anteile erworben – für 91,4 Mio. Euro. Schon 2010 wurden die 17,27% an der renommierten Tageszeitung Le Monde für ca. 3,8 Mio. € an die neuen Eigentümer um Pierre Bergé verkauft.

Engagement in Deutschland

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Das Elle-Joint-Venture zwischen Hachette Filipacchi Médias und der Burda GmbH ist obsolet, seit Lagardère 2011 seine internationalen Magazin-Titel an Hearst verkauft hat. Hearst wird insofern der neue Joint-Venture-Partner von Burda; die deutsche Ausgabe von Elle erscheint unter dem Dach der Burda Hearst Publishing GmbH.

Lagardère Active Radio International ist an deutschen Radioveranstaltern wie Kiss FM (Berlin, Black Music/Dance/House), Antenne AC (Würselen), Delta Radio (Kiel), Radio Salü (Saarbrücken) und Main FM (Frankfurt) beteiligt. HDS Retail Deutschland GmbH (Wiesbaden) ist die deutsche Abspaltung von Lagardère Services und Deutschlands größter Flughafen-Medienhändler mit Marken wie Relay, Virgin und L’Occitane (weiterhin aktiv an „attraktiven Bahn-Drehkreuzen“ und „hochfrequenten Pendlerstationen“, heißt: Einkaufszentren). Dazu besitzt Lagardère die erwähnten Sportrechte-Agenturen Upsolut und Sportfive (beide Hamburg) und legion Telekommunikation Düsseldorf (100%), die für Sender quer durch die deutsche TV-Landschaft die Abwicklung etwa von Gewinnspielen und Voting-Aktionen organisiert.

Aktuelle Entwicklungen

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Jetzt ist das Kapitel Mischkonzern und EADS Vergangenheit, jetzt ist es vorbei mit Rüstung und Flugzeugbau. Nach zehn Jahren an der Spitze hat Arnaud Lagardère, möchte man glauben, endlich einen Konzern, wie er ihn sich vorstellt: Medien, Medienvertrieb, Sport. Dazu hat er mit dem Verkauf der EADS-Anteile einen Erlös von 2,28 Milliarden erzielt und ein sehr gutes Geschäft gemacht. Geld für den Schuldenabbau (geschätzter Schuldenstand am 31.12.2012: 1,7 Mrd. Euro) und eine Sonderdividende von neun Euro pro Aktie.

„Ich freue mich, mit ihnen ein neues Kapitel in der Geschichte der Gruppe zu beginnen“, ruft ein sichtlich zufriedener Arnaud Lagardère den Aktionären bei der Hauptversammlung am 3.5.2013 zu. Er teilt den Anwesenden noch einmal seine Freude über den erfolgreichen Verkauf der EADS-Anteile mit, und auch seinen „immensen Stolz“ auf alles, was er in den letzten zehn Jahren erreicht habe. Und gegenwärtig geht es durchaus bergauf. Nach einem sehr enttäuschenden 2011 mit einem Nettoverlust von 440 Mio. Euro (begründet im wesentlichen in den schlechten Geschäften der Sport-Filiale Lagardère Unlimited) wurden 2012 wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Dann aber, noch auf derselben Veranstaltung, plötzlich das: Zunächst beklagt Lagardère sich, „die Medien“ hätten ihn in den vergangenen Monate „schlecht behandelt“. Es stünde aber zu vermuten, schreibt der Nouvel Observateur, dass sich genau das in absehbarer Zeit nicht ändern wird. Denn Lagardères Pläne für die Zukunft seines Konzerns sind kaum zu entschlüsseln. Zum einen spricht er davon, dass die Lagardère-Gruppe mit dem Verkauf der EADS-Beteiligung ein „pure player im Inhaltegeschäft“ geworden sei. Gleichzeitig aber verkündet er, sich über kurz oder lang auch von den zu sehr vom Werbemarkt abhängigen klassischen Medien (Radios, Fernsehsender) lossagen zu wollen. Also adieu Elle, Paris Match, Europe 1? Jetzt setzt Lagardère offenbar nicht mehr auf seine Traditionstitel, sondern auf TV-Produktion und Wachstumsmärkte im Internet. Dazu passt eine Meldung in L’Express vom 27.6.2013, derzufolge Lagardère plane, drei seiner Monatsmagazine (Le journal de la maison, Mon jardin, ma maison, Campagne décoration) in Kürze verkaufen zu wollen.

"Was unsere Strategien betrifft, da sind wir immer ein wenig schizophren“, wird Arnaud Lagardère zitiert. Noch vor Kurzem, beendet der Nouvel Observateur den Artikel, habe Lagardère bekräftigt, dass er Europe 1 niemals verkaufen werde...
Bleibt noch zu vermerken: Die staatliche Qatar Holding ist mit mittlerweile 12,83% größter Lagardère-Aktionär. Was die Frage nach den weiteren Absichten von Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani aufwirft, Emir von Katar, Verwalter von Erdölmilliarden. Auch angesichts weiterer massiver Investitionen der Katarer in ganz Frankreich: In Bau- und Umweltkonzerne, in den Ölkonzern Total und in Immobilien von allerhöchstem Prestige (z.B. das Hotel Carlton in Cannes, das Hotel Royal Monceau in Paris). Den meisten Medienwirbel gab es natürlich nach dem Kauf des Fußballklubs Paris Saint-Germain (David Beckham nicht zu vergessen!).

Lagardère zumindest wird der Scheich nicht komplett übernehmen können. Denn ein Gesetz verhindert, dass ein nicht-europäischer Investor mehr als 20% an einem französischen Unternehmen erwirbt, das einen landesweiten TV-Sender betreibt.

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Comcast
  2. Google Inc.
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. DirecTV, LLC
  6. Viacom Inc./CBS Corp.
  7. Time Warner Inc.
  8. Sony Entertainment
  9. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  10. Apple Inc.
  11. Cox Enterprises Inc.
  12. Liberty Media Corp./Liberty Interactive
  13. Dish Network Corporation
  14. Vivendi S.A.
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Thomson Reuters Corporation
  17. Facebook, Inc.
  18. Rogers Comm.
  19. The Hearst Corporation
  20. Microsoft Corporation
  21. Lagardère Media
  22. RELX Group
  23. Charter Comm. Inc.
  24. Bloomberg L.P.
  25. ARD
  26. Pearson plc
  27. Advance Publications
  28. BBC
  29. Baidu Inc.
  30. Globo Communicação e Participações S.A.
  31. The Naspers Group
  32. Cablevision Systems Corp.
  33. iHeart Media
  34. The Nielsen Company
  35. Discovery Communications
  36. Nippon Hoso Kyokai
  37. Fuji Media Holdings, Inc.
  38. Grupo Televisa
  39. Gannett Co. Inc.
  40. Netflix
  41. Nintendo Company Ltd.
  42. S&P Global
  43. ITV plc
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Shaw Communications
  46. Yahoo! Inc.
  47. Mediaset SpA
  48. Asahi Shinbun Company
  49. Activision Blizzard Inc.
  50. Electronic Arts
  51. Axel Springer SE
  52. Amazon.com Inc.
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. France Télévisions S.A.
  55. Graham Holdings Company
  56. Bonnier AB
  57. Nippon Television Holdings
  58. Shanghai Media Group
  59. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  60. Quebecor Inc.
  61. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  62. Time Inc.
  63. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  64. IAC/InterActiveCorp.
  65. Daily Mail & General Trust plc
  66. Bauer Media Group
  67. Univision Communications
  68. Tribune Co./Tribune Publishing
  69. China Central Television
  70. TF1 S.A.
  71. Bandai Namco Holdings Inc.
  72. ZDF
  73. Scripps Networks Interactive
  74. Lions Gate Entertainment Corporation
  75. Hunan Broadcasting System
  76. AOL
  77. Sanoma Group
  78. Schibsted Media Group
  79. Modern Times Group
  80. Georg von Holtzbrinck GmbH
  81. King Digital Entertainment plc
  82. Grupo Planeta
  83. Scholastic Corporation
  84. Egmont Group
  85. Jiangsu Broadcasting Corporation
  86. Ubisoft Entertainment
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. Grupo PRISA
  89. NOS
  90. SRG SSR
  91. De Agostini Group
  92. Gazprom-Media
  93. RCS Media Group
  94. Seven West Media Ltd.
  95. GungHo Online Entertainment
  96. New York Times Company
  97. Mondadori Group
  98. China Publishing Group
  99. Meredith Corporation
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