48. ITV plc
Umsatz 2008: £ 2,029 Mrd. (€ 2,548 Mrd.)
Überblick
ITV ist das führende privatwirtschaftliche Free-TV-Unternehmen in Großbritannien. Zum Portfolio des Konzerns gehören diverse TV-Sender, Produktionsfirmen und Online-Portale.
Basisdaten
Hauptsitz:
The London Television Centre, Upper Ground
London SE1 9LT, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7620-1620
Telefax: 0044-20-7261-3520
Internet: www.itvplc.com
Branche: Fernsehsender, Produktion, Distribution, Rechtehandel
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 1.01.-31.12.
Gründungsjahr: 2003 (1934 Granada, 1985 Carlton)
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003* | |
Umsatz | 2.029 | 2.080 | 2.181 | 2.177 | 2.083 | 2.025 |
Werbeeinnahmen | 1.494 | 1.631 | 1.588 | 1.517 | ||
Gewinn** | 188 | 375*** | 460 | 325 | 218 |
*pro Forma, Carlton und Granada
**Operating Profit
***Operating EBITA
Geschäftsführung
- Michael Grade, Executive Chairman
- Sir George Russel, Deputy Chairman
- Sir Robert Phillips, Non-executive Director
- Sir Brian Pitman, Non-executive Director
- Baroness Usha Prashar, Non-executive Director
- Sir James Crosby, Senior independent non-executive Director
- Mike Clasper, Non-executive Director
- John McGrath, Non-executive Director
- John Cresswell, Chief Operating Officer and Finance Director
- James Tibitts, Company Secretary
- Dawn Airey, Director Global Content
Besitzverhältnisse: News Corp. (18%), Rest Streubesitz
Geschichte und Profil
Die Geschichte von ITV ist die Geschichte der Konsolidierung des privaten britischen Fernsehmarktes. 1954/55 wurde das „Independent Television“ als werbefinanzierte Alternative zur öffentlich-rechtlichen BBC eingeführt, aufgeteilt in 15 regionale Lizenzen, die wie das deutsche ARD-Fernsehen ein Gemeinschaftsprogramm mit regionalen Fenstern zu bilden hatten. ITV gilt als kommerzieller Sender gleichwohl als „Public Service Broadcaster“ und muss quasi-öffentlich-rechtliche Auflagen hinsichtlich Umfang, Qualität und Ausgewogenheit von Nachrichten- und Informationsprogrammen erfüllen. Bis Ende der 1990er Jahre hatten sich hier zwei Medienunternehmen durchgesetzt: Granada und Carlton kontrollierten 11 der 15 ITV-Lizenzen. Granada war 1934 gegründet worden, um eine Kette von Filmtheatern zu übernehmen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang, und bis in die 70er Jahre, als aus Filmpalästen Bingo-Schuppen wurden, gehörte das Unternehmen zu den größten Kino-Betreibern landesweit. Gleich mit der Einführung von ITV stieg Granada 1954 mit der Lizenz für den Norden Englands ins Fernsehgeschäft ein: Granada Television sendet noch heute von Manchester aus, erfand die Daily Soap („Coronation Street“ läuft seit über 40 Jahren) und wurde eines der profitabelsten TV-Unternehmen Großbritanniens.
Carlton hatte in der Druckbranche begonnen und wechselte Mitte der 1980er Jahre in die Film und TV-Produktion (Post Production, Special Effects). 1986 gelang mit der Übernahme eines 20%-Anteils am ITV-Sender Central der Einstieg in den Fernsehmarkt. Nach der ersten Deregulierung des TV-Marktes durch die Regierung Thatcher erhielt Carlton bei der Neuvergabe der Lizenzen 1991 dann den dicksten Fisch: London. Das neue Programm hieß Carlton Broadcasting. 1993 gelang mit der Übernahme der restlichen 80% von Central TV der nächste große Coup. Bis 2000 kamen noch vier weitere ITV-Lizenzen dazu. Carlton und Granada hatten schon seit 1998 beim Aufbau einer eigenen digitalen Pay-TV-Plattform kooperiert. Doch ONdigital wurde einer der größten Flops der britischen Mediengeschichte: Im April 2002 wurde das noch kurz zuvor in ITV Digital umbenannte Projekt abgeschaltet – die beiden Unternehmen hatten zusammen rund eine halbe Milliarde Pfund in den Sand gesetzt.
Über eine mögliche Fusion hatten Carlton und Granada parallel stets ebenso erfolglos verhandelt – sie hätte allerdings kaum den damals gültigen Kartellvorschriften entsprochen. Doch im Mai 2002 präsentierte die britische Regierung ein deutlich liberalisiertes Mediengesetz: Bislang durfte ein TV-Unternehmen maximal 15% aller Werbebuchungen im Free-TV-Bereich auf sich vereinigen. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass die Beherrschung des ITV-Verbundes durch ein großes Medienunternehmen tabu war. Doch diese Vorschrift wurde nun genauso gekippt wie die Aufteilung des Ballungsraums London auf zwei ITV-Lizenzen für den Werktag bzw. das Wochenende. Der Weg zum einheitlichen ITV war frei, im Oktober war die sechs Milliarden Pfund schwere Fusion von Granada und Carlton perfekt. Allerdings dauerte es wegen Prüfungen der Kartellbehörden noch knapp anderthalb Jahre, bis Aktien der ITV plc erstmals am 2. Februar 2004 an der Londoner Börse gehandelt wurden.
Management
Im August 2006 trat Charles Allen vom Posten des CEO zurück. Nachdem Finanzdirektor John Creswell drei Monate als Interims-Manager fungiert hatte, wurde im November 2006 sein Nachfolger präsentiert. Der Personalwechsel wurde als Coup gefeiert, denn der neue Chef ist Michael Grade, unmittelbar zuvor noch Vorsitzender des höchsten BBC-Gremiums, dem Board of Governors. Grade beerbt nicht nur Charles Allen, sondern übernimmt als „executive chairman“ auch die Aufgaben des ebenfalls abgetretenen Sir Peter Burt. Der erfolgreiche Abwerbungsversuch führte bei der BBC, wo Grade eigentlich den Vorsitz beim neuen Aufsichtsgremium BBC Trust übernehmen sollte, dass das alte Board of Governors ersetzt hat, zu einem ausgewachsenen Schock.
Michael Grade ist einer der erfahrensten und zugleich kontroversesten Figuren der britischen Fernsehlandschaft. Er ist ein Sprössling der jüdisch-ukrainischen Grade-Dynastie, deren bereits verstorbenes Oberhaupt Leslie Grade in den dreißiger Jahren nach England emigrierte und in Londoner Theatern Variete-Shows präsentierte. Sein Sohn Michael hatte jedoch anfangs keine Lust in die Fußstapfen des Vaters zu treten und begann seine berufliche Karriere als Sportreporter des „Daily Mirror“ für zehn Pfund Wochengehalt. Erst als Leslie Grade infolge eines Herzinfarktes berufsunfähig wurde, begann Michael seine ersten Erfahrungen im Entertainment-Bereich. Er organisierte Variete-Veranstaltungen und lernte dazu noch, diese effizient zu finanzieren.
Seinen ersten Fernseh-Job erhielt er beim Londoner Kanal London Week Television (LWT), dessen Programmdirektor er später wurde. Seine nächste Station war Hollywood, wo er die Independent-Produktionsfirma Embassy TV leitete. Von 1984 bis 1988 fungierte er als Controller und Programmdirektor der BBC. In dieser Position gelang es ihm, dem Rückgang der Einschaltquoten erfolgreich entgegenzuwirken. Zu den effektivsten Maßnahmen in seiner Amtszeit gehörte die Verlegung der Erfolgs-Soap „Neighbours“ ins Vorabendprogramm, nachdem seine Tochter sich bei ihm beschwert hatte, dass die Folgen zuvor während der Schulzeit gesendet wurden. Des Weiteren schmiss er das beliebte Science-Fiction-Format „Dr Who“ aus dem Programm und machte „Blackadder“ zur bis Dato erfolgreichsten britischen Comedy. Grade galt damals als ein visionärer Programmmacher, der stets betonte, dass sich Qualität und Popularität gegenseitig nicht ausschließen würden. Unter seiner Ägide etwa wurde 1985 das erste Live Aid-Konzert von Bob Geldof übertragen. Im selben Jahr legte er sich mit Premierministerin Thatcher an, als er öffentlich einen BBC-Beitrag verteidigte, in dem der ehemalige IRA-Anführer Martin McGuinness zu Wort gekommen war.
Nach seiner Amtszeit bei BBC wechselte Grade 1988 zum privatwirtschaftlich operierenden, sich aber in öffentlicher Hand befindenden Channel 4, der als Gegengewicht zum Duopol von BBC und ITV konzipiert wurde. Hier bekam das Bild von Grade, als einem gewissen inhaltlichen Anspruch verpflichteter Senderchef erste Risse. Ein „Daily Mail“-Autor nannte ihn in einem Artikel „pornographer-in-chief“, als er Anfang der Neunziger Jahre niveauarme Sendungen wie „Eurotrash“, „Dyke TV“ oder „The Word“ zwecks besserer Einschaltquoten im Abendprogramm platzierte. Die Aufregung war groß, zumal Channel 4, laut Programmauftrag, einen multikulturellen Erziehungs- und Bildungsauftrag hat. Doch gelang es Grade, gerade durch seine „Trash-Strategie“ den Sender auf finanziell stabile Füße zu stellen, bevor er ihn 1997 wieder verließ.
Nach einem Intermezzo als Betreiber einer Kette von Nachtclubs und Fitnessstudios kehrte er 2004 zur BBC zurück, diesmal als Vorsitzender. Ein Jahr später ließ er den zuvor von ihm abgesetzten „Doctor Who“ wiederauferstehen. Die Neuauflage wurde von den Zuschauern und der Kritik gleichermaßen gefeiert, worauf der für gewöhnlich nicht für seine Freundlichkeit bekannte Grade eine persönliche Dankesmail an jeden BBC-Mitarbeiter sandte.
Mit dem Engagement bei ITV hat Michael Grade (Markenzeichen: rote Hosenträger und dicke Zigarren) die großen drei Free-TV-Stationen Großbritanniens geleitet. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte die Verpflichtung von drei der prominentesten Frauen im britischen Mediensektor: Dawn Airey (ehemals BSkyB), Carolyn Fairbairn (ehemals BBC), und Annelies van den Belt („Times“).
Das Engagement von Airey war allerdings von extrem kurzer Dauer: Entnervt warf sie nach nur sechs Monaten als Chefin der ITV Production/Global-Content Sparte das Handtuch. Begründung: Die ihr auferlegte Forderung, ITV Production solle drei Viertel des gesamten ITV-Programms liefern, sei völlig überzogen und selbst bei optimalen Marktbedingungen nicht zu erreichen.
Geschäftsbereiche
ITV plc ist seit der Verschmelzung der Konzerne Granada und Carlton in nur noch drei Geschäftsfelder (Broadcast, Granada, News) aufgeteilt und dominiert unangefochten den britischen Free-TV-Markt. Nach dem ITV Digital-Debakel 2002 sieht sich der Konzern aus gutem Grunde nicht mehr selbst als Pay-TV-Betreiber, sondern kooperiert mit den am Markt etablierten Anbietern, darunter Rupert Murdochs BSkyB und Kabelgesellschaften wie Telewest/NTL (Virgin Media). Beteiligungen im Post-Produktions- (Moving Picture Company), Verlags- (Carlton Books) und Kinowerbungs-Bereich (Carlton Sreen Advertising, Screenvision) stehen mittelfristig zum Verkauf bzw. sind bereits veräußert.
TV-Sender
ITV plc hält derzeit 11 der 15 regionalen ITV-Lizenzen für das analoge Programm ITV 1. Damit beherrscht ITV plc de facto mit England und Wales den wichtigsten Teil des britischen Free-TV-Marktes: Die verbleibenen ITV-Lizenzgebiete Schottland (Grampian TV, Scottish TV), Nordirland (Ulster TV) und Kanalinseln (Channel TV) sind nach Größe und Werbeeinnahmen klar nachrangig. ITV plc ist zudem mit 16,9 Prozent an der Scottish Media Group, die die ITV-Lizenzen für Schottland hält, beteiligt.
ITV 1 (analog)
Programmprofil: familienorientiertes Vollprogramm.
ITV 2 (digital)
ITV 2 ist seit dem Ende der eigenen digitalen TV-Plattform ITV Digital im Jahr 2002 im Programmbouquet der digitalen Free-TV-Plattform „Freeview“, im digitalen Pay-TV-Angebot von BSkyB und in vielen britischen Kabelnetzen zu empfangen. Programmprofil: auf junges Publikum ausgerichteter Unterhaltungskanal.
ITV3 (digital)
ITV 3 ging im November 2004 als auf Sendung und ist ebenfalls über Freeview, Sky Digital und im digitalen Kabelnetz zu empfangen.
Programmprofil: Wiederholungskanal für ITV-Produktionen und Spin-offs aus dem Programm von ITV.
ITV 4 (digital)
ITV 4 ging 2005 auf Sendung und ist auch über Freeview, das digitale Kabelnetz und Satellit empfangbar.
Programmprofil: Männerorientierter Kanal, in dem hauptsächlich Sport und US-amerikanische Action- und Comedyserien ausgestrahlt werden.
CITV ist seit Ende 2006 auf Sendung und teilt sich den Sendeplatz mit ITV 4. CITV ist ein Kooperationsprojekt mit dem ebenfalls zu 75 Prozent zu ITV gehörenden Frühstückssender GMTV.
Programmprofil: Sender für Kinder bis neun Jahren.
Produktionsfirmen (ITV Production/ITV Global Content):
Die Produktionssparte ITV Production, die aus der bisherigen Granada Media Group hervorging, ist eine der drei größten europäischen TV-Produktionsfirmen und im nationalen wie internationalen Produktionsgeschäft aktiv. Zu den Top-Programmen gehören die Soaps „Coronation Street“ und „Emmerdale“ und Shows wie „I’m a celebrity – get me out of here“, aber auch hochwertige TV-Movies sowie News- („Tonight with Trevor McDonald“) und Kulturprogramme („The South Bank Show“). Seit 1998 produziert Granada auch für nicht zum Konzern gehörende TV-Anbieter wie die BBC, Channel 4, Channel 5 und Rupert Murdochs Sky Television. Internationale Tochterfirmen existieren in dien Vereinigten Staaten (Granada Entertainment USA), Australien (Granada Australia) und Deutschland (Granada Produktion für Film und Fernsehen).
Online
Trotz des Debakels mit OnDigital/ITV Online vor sechs Jahren setzt ITV weiter auf die wachsende Bedeutung des Internets. Der größte Konkurrent auf dem Online-Markt ist die BBC, die mit dem Portal bbc.co.uk und der Mediathek iPlayer Pionierarbeit in Sachen Internetfernsehen leistete. Als Antwort darauf launchte ITV Ende 2006 den Onlineableger ITV.com, auf dem man neben 1000 Stunden Archivmaterial auch kostenlos auf alle Sendungen der letzten 30 Tage, sowie User Generated Content zurückgreifen kann. ITV.com bleibt trotz deutlicher Steigerungen 2007-2008 aber weiter mit 9,4 Millionen unique users hinter dem Erfolg der BBC zurück, obwohl der Konzern sein „Catch-up“- und Archivangebot analog zum BBC iPlayer seit Ende 2008 als ITVplayer relaunched hat.
- Granada International: Ko-Produktionen und internationaler Vertrieb von Granada-Content, ca. 60.000 Programmstunden, in 120 Ländern aktiv
- Granada Ventures: Auswertung der Zweitrechte von ITV-Programmbeständen (Video, DVD, Bücher, Merchandising)
- Granada Resources: Studios und Post-Produktionsanlagen in London, Manchester und Leeds (mit Aufgabe der Studiokapazitäten von Yorkshire Television wird der Standort Leeds 2009 abgewickelt, die Produktion der dort beheimateten Shows zieht, soweit die Formate nicht ohnehin eingestellt werden, nach Manchester um).
- Friends Reunited: Web 2.0 Social Networking-Plattform, steht zum Verkauf
Die Kinowerbe-Firma Carlton Screen Advertising wurde im Rahmen der Konzentration aufs Kerngeschäft 2008 verkauft.
Wichtige Beteiligungen
- 16,9 % an der Scottish Media Group (ITV-Lizenzen für Scottish TV und Grampian TV)
- 40 % an Independent Television News (ITN), liefert Nachrichten für ITV, Channel 4 und Five
- 50 % an Screenvision: Kinowerbung in Kontinentaleuropa und USA
- 25 % an Mammoth Screen Limited: Distribution, integriert in Granada International)
- 51% an Jaffe/Braunstein Entertainment LLC (US-amerikanische Fernsehproduktionsfirma, integriert in Granada Entertainment USA)
- 100 % an Silverback Production (unabhängige skandinavische Produktionsfirma, seit 2008)
- 25 % an Crackit Productions (unabhängige brit. Produktionsfirma, seit 2008)
- 25 % an Carbon Media (unabhängige brit. Produktionsfirma, seit 2009)
Engagement in Deutschland
Seit Februar 2000 mischt der Konzern mit der Granada Produktion für Film- und Fernsehen GmbH auf dem deutschen TV-Markt mit. Die in Berlin und Köln ansässige Firma produziert mit „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ (RTL) die deutsche Version von „I’m a celebrity…“, deren dritte Staffel in Deutschland gerade vorbereitet wird, sowie Formate wie „Let’s Dance“ (RTL) oder „Das perfekte Dinner“ (Vox).
2008 übernahm ITV zudem 50,1 % der Anteile an der Produktionsfirma Imago TV.
Aktuelle Entwicklungen
Auch 2008 muss sich Michael Grade also gleich mit mehreren Baustellen befassen: Die Sanierung von ITV steht und fällt weiterhin mit der Bereitstellung attraktiver Programminhalte – doch eine erste Bilanz von Grades Arbeit in der britischen Presse fiel Anfang März durchwachsen aus: ITV hat, gemeinsam mit der BBC, für das Sportjahr 2008 die Rechte an Übertragungen des FA-Cups und der Europameisterschaft 2008 erworben. Zu den ersten Amtshandlungen von Grade gehörte es auch, eine umfassende Reform der vier ITV-Sender zu initiieren, die mittels neuer Erscheinungsbilder eigenständige Identitäten erhielten und sich seitdem besser voneinander abgrenzen lassen. Einige ehrgeizige Programminvestitionen wie die TV-Dramen „Moving Wallpaper“ oder „The Palace“, mit denen die Dominanz der BBC in diesem Genre gebrochen werden sollte, floppten. Auch das neue „News at Ten“-Format, für das sogar der legendäre Anchorman Sir Trevor McDonald reaktiviert wurde, schafft es nicht, den „10 O'Clock News“ der BBC ernsthaft Konkurrenz zu machen: Beim gebührenfinanzierten Sender schalten durchschnittlich doppelt so viele Zuschauer ein. Damit bleibt ITV weiter auf sattsam bekannte Programmware angewiesen, die seit Jahren verlässlich Quotenerfolge einfährt – vom Rugby World Cup und Formel Eins im Sport bis zu Unterhaltungsformaten wie „Dancing on Ice“, „The X-Factor“, „Lewis & Kingdom“ oder der Casting-Show „Britain's got Talent“.
Nach Meinung britischer Medienbeobachter hat Grade den Umbau von ITV zu rasch und zu radikal versucht – und vergessen, dabei das Publikum mitzunehmen. Zudem sei der jetzt 65-jährige Grade eher ein Branchen-Dinosaurierer, dessen Versuche, mit großen Sportevents und dem „News at Ten“-Relaunch die Zuschauer zurückzugewinnen, aus einer längst vergangenen Fernsehzeit stammten. ITV sei verdammt, wenn es den Mut zu Innovation habe, weil dies zunächst zu weniger Zuschauern bedeute, aber auch verloren, wenn es weiter „more of the same“ biete, fasste der Guardian das Dilemma zusammen. Die Financial Times kommentierte: „Alles ist derzeit relativ bei ITV“. Natürlich seien die aktuellen Zahlen nicht berauschend, doch noch vor anderthalb Jahren habe „ITV schneller Zuschauer und Werbeeinnahmen verloren, als man Emmerdale sagen kann“, schrieb das Blatt mit feinem Spott: „Emmerdale“ war über Jahre einer der großen Soap-Erfolge des Senders.
Erschwerend kommt für Michael Grade hinzu, dass er sich noch einige Zeit mit dem Murdoch-Clan herumschlagen muss. Rupert Murdochs Pay-TV-Unternehmen BskyB ist seit November 2006 mit 17,9 Prozent der Aktienanteile größter Einzelgesellschafter von ITV. Die Wettbewerbs-Kommission hat im Januar 2008 zwar konzentrations- und wettbewerbsrechtliche Bedenken angemeldet und den Spruch von Wirtschaftsminister John Hutton bestätigt, nach dem BSkyB 60 Prozent seiner ITV-Anteile weiterverkaufen muss und mit nur noch maximal 7,49 Prozent beteiligt sein darf. Doch BSkyB hat Ende Februar formell Einspruch gegen diese Auflagen eingereicht und beteuert, man sehe sich als langfristiger Investor, der mit weniger als 20 Prozent der Stimmrechte ohnehin keine strategischen Entscheidungen beeinflussen könnte. Wahr scheint zumindest, dass der Einstieg von BSkyB bei ITV 2006 nicht eine kalte Fusion vorbereiten soll, wie die Monopolkommission unterstellt. Sondern damals zur Abwehr eines feindlichen Übernahmeangebots für ITV von Virgin Media, der Firma von Murdochs Erzfeind Richard Branson war. Die Angelegenheit dürfte sich nun noch mindestens das erste Halbjahr 2008 hinziehen.
Michael Grade, dessen Vertrag Ende Februar 2008 um ein Jahr bis Ende 2010 verlängert wurde, schoss Anfang März bei einer Pressekonferenz gegen seine Kritiker zurück: „Schauen Sie sich unsere Performance zum Jahresende 2008 noch einmal an“, forderte Grade seine Kritiker auf. Der Zuschauererfolg innerhalb der ITV-Gruppe sei spürbar – vor allem der Digitalkanal ITV 2 legt zu – zudem sei 2007 erstmals seit Mitte der 1990er Jahre der Marktanteil aller ITV-Sender gemeinsam wieder gestiegen.
2008 soll zudem ein neuer Kopf für weniger Flopps sorgen: Im April stößt der bei der BBC wegen des „Crowngate“-Skandals in Ungnade gefallene Peter Fincham zu ITV. Fincham war bisher höchst erfolgreicher Programmdirektor (Controller) beim Erzrivalen BBC 1 und löst den als ITV-Programmchef weniger erfolgreichen Simon Shaps ab, der das Unternehmen verlässt.
In Analystenkreisen zirkulierende Spekulationen, dass eine mögliche leichte Rezession in Großbritannien die jetzt wieder stark auf klassische TV-Werbeeinnahmen angewiesene ITV-Gruppe hart treffen könnte, wies Grade heftig zurück: Solches Weltuntergangs-Gerede zeuge nur von der Frustration einiger Möchtegern-Propheten, sagte der legendäre Zigarrenraucher und Hosenträger-Fan: „Wir sehen davon rein gar nichts“. Die ersten Umsatzzahlen für 2008 lägen deutlich über Plan und höher als der Branchendurchschnitt.
Dennoch: Dass am 5. März bei „Rock Rivals“, dem neuen ITV-Drama, das am Abend der Bilanz-Präsentation gezeigt wurde, am Ende ein roter Ferrari langsam in einem Swimming-Pool versinkt, deuteten am Tag danach fast alle Medien als Omen, wie es für Grade und ITV auch kommen könnte. Allerdings in keinem Medienbericht über die ITV-Performance.
Das Bild vom Swimming-Pool war kein gutes Omen: Schon im Jahresverlauf 2008 musste ITV auf teure Sportrechte wie die an der Formel 1 verzichten und verhandelt derzeit mit der Football Association über einen Nachlass bei den Rechtekosten am FA Cup in Höhe von rund 50 Millionen Pfund.
Heute, spotten Branchenbeobachter, könnte sich ITV nicht mal mehr einen roten Ferrari zum Versenken leisten: Der Gewinn vor Steuern aus dem laufenden Geschäft brach 2008 um 41 Prozent auf nur noch 167 Millionen Pfund ein. Daneben steht ein Gesamtverlust von 2,7 Milliarden Pfund durch zweimalige Wertberichtigungen um 1,6 Milliarden und nochmals 1,09 Milliarden Pfund im Jahresverlauf, die auch mit Schwierigkeiten bei den ITV-Pensionsfonds zu tun haben. Die Sendergruppe hat zwar ihre gute Stellung im Werbemarkt wie im Zuschauermarkt nach Marktanteilen halten können. Vor allem die Digitalkanäle legten um rund 20 Prozent beim Zuschauermarktanteil zu. Doch die Netto-Werbeeinnahmen gingen konzernweit um vier Prozent auf 1,4 Milliarden Pfund zurück, und so richtig bekommt ITV erst jetzt die Krise zu spüren: In den ersten drei Monaten 2009 brachen die Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 17 Prozent ein – eine dramatische Lage für einen Konzern, der immer noch 70 Prozent seines Umsatzes mit klassischer TV-Werbung macht.
Die Entwicklung im Bereich Production/Global Content verlief 2008 zwar positiver als 2007, konnte die enormen Verluste aber nicht ausgleichen. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 622 Millionen Pfund, die In-house-Aufträge gingen dabei erstmals auf nur noch knapp die Hälfte (316 Millionen Pfund) zurück (2007: 320 Millionen Pfund). Entsprechend sparsam bewegte sich ITV hier bei weiteren Firmenzukäufen: Seit der zweiten Jahreshälfte 2008 gab es nur noch zwei kleinere Beteiligungen an unabhängigen britischen Produktionsfirmen.
Neben guten internationalen Geschäften, vor allem in Deutschland und den USA, konnte die Produktionssparte jetzt vor allem die Zulieferungen für andere britische Sender wie Channel 4 ausbauen. Doch gerade dieser unabhängige, werbefinanzierte Kanal ist wie der zur RTL-Group gehörende Sender Five durch Krise noch schwerer als ITV gebeutelt, was die Aussichten auf künftige Geschäfte trübt.
Dies gilt erst recht für die Auftragsproduktionen fürs eigene Haus: Wegen der Krise wird ITV seine Programmausgaben für dieses Jahr um 65 Millionen Pfund senken und auch für 2010 eingefroren lassen. 2011 ist dann nicht etwa wieder eine Steigerung, sondern eine weitere Reduzierung um noch einmal 70 Millionen Pfund geplant. Teure Fiktion-Produktionen werden von bislang acht auf sieben Stunden pro Woche zurückgefahren, der Fokus soll künftig auf den billigeren Entertainment-Formaten und Shows liegen.
Damit ist Michael Grades Strategie des „Content-led Turnaround“ gescheitert, und der Vorstandschef versuchte bei der Bilanzpräsentation daher auch gar nicht erst, die Zahlen zu beschönigen: „Das ist das Heftigste, was ich seit 30 Jahren im britischen TV-Geschäft mitbekommen habe“, sagte Grade – und kassierte die ambitionierten Ziele, mit denen ITV bis 2012 die Gunst der Investoren zurückgewinnen wollte. Nun gibt es für sie nicht einmal mehr eine Dividende, und auch die ITV-Mitarbeiter bekommen den Kostendruck zu spüren: Nach den bereits 2008 von der Beratungsfirma Boston Consulting zum „Abbau“ vorgesehenen rund 1000 Stellen auf dann noch 4.500 verkündete Grade das Aus für weitere 600 Jobs. So wird der traditionsreiche Standort Leeds, einst Heimat der separaten ITV-Franchise Yorkshire Television, aufgegeben. Doch auch wer seinen Job behält, zahlt mit: Gehälter über 60.000 Pfund im Jahr – dies betrifft nach britischen Presseberichten rund zehn Prozent der Belegschaft – sind seit Februar eingefroren, wer über 25.000 Pfund verdient, kann dieses Jahr maximal Gehaltsanpassungen unterhalb der Inflationsrate erwarten.
Im Online-Bereich konnten ITV.com und der zum Jahresende 2008 mit neuer benutzerfreundlicherer Technik relaunchte Catch-up und Archiv-Dienst ITVplayer zwar deutlich zulegen. Dafür wurde das deutlich ambitioniertere Projekt Kangagoroo, eine 2007 als Joint-Venture mit der BBC und Channel 4 gestartete Download-Plattform, von den Regulierungsbehörden 2008 erst ausgebremst und im Februar 2009 schließlich aus Wettbewerbsgründen ganz verboten. ITV hatte hier 2007 und 2008 jeweils einen zweistelligen Millionen-Pfund-Betrag investiert. Im Rahmen der Konzentration aufs Kerngeschäft – und weil der Erlös mittelfristig dringend zum Schuldenabbau gebraucht wird – will ITV zudem seine Social Networking-Plattform Friends United vekaufen. Dies geschehe aber erst „zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Preis“, so ITV-COO John Cresswell.
Ebenfalls zum Verkauf steht der digitale Multiplex-Ouputcenter von ITV, SDN, dessen Lizenz 2010 ausläuft, aber bis 2022 verlängert werden kann. SDN wird derzeit von zehn Kanälen, unter anderem Channel Five, QVC und Citv genutzt.
Programmlich machte ITV in den ersten Monaten 2009 durch zwei ganz unterschiedliche Aktionen auf sich aufmerksam: Anders als die BBC strahlten die ITV Sender (wie auch Channel 4 und Five) den umstrittenen Gaza Appeal einer Gruppe britischer Hilsforganisationen zum Wiederaufbau im Gaza-Streifen aus, was dem Image des Unternehmens gut bekam. (Die BBC hatte die Ausstrahlung mit der Begründung abgelehnt, sie sei zu politischer Neutralität verpflichtet.) Wenige Wochen später machte ITV alle Imagegewinne aber wieder zunichte, als bei der Übertragung des Merseyside-Derbys das Siegtor für Everton in der 118. Minute für die meisten Zuschauer unsichtbar war: Wer nicht über Satellit schaute, sah stattdessen – Werbung.
Ausblick
Kritiker werfen Grade vor, alle Probleme von ITV mit der Finanz- und Wirtschaftskrise zu begründen und die eigenen Fehler dabei unter den Tisch zu kehren. Dass Grade am Tag nach Veröffentlichung der miesen Zahlen auch noch im Guardian schrieb, das Unternehmen habe „drei Jahrzehnte des Niedergangs gestoppt: Wir machen bessere Programme und gewinnen die Zuschauer zurück“, tat ein Übriges. Grade versuche weiterhin mit untauglichen Methoden ITV zu sanieren, heißt es in der Branche – und schiebe alles auf die Regulierungsbehörden und ihre Vorgaben für die Sendergruppe. In der Tat hatte der ITV-Chef in einem Beitrag für den Daily Telegraph im Februar damit gedroht, das Public Service-Element (PSB) bei ITV aus Kostengründen zu streichen und die Sendergruppe zu einem „fully commercial business“ zu machen. Sollte die Krise im Medien- und Werbegschäft anhalten, sei auch eine Fusion mit den ebenfalls angeschlagenen Konkurrenz-Kanälen Channel 4 und Five zu erwägen, so Grade. Unabhängig davon, dass so ein Schritt garantiert an der Medienaufsicht Ofcom und den Kartellbehörden scheitern würde, hatte Grades markiges Auftreten dennoch einigen Erfolg: Mit amtlichem Segen verhandeln ITV und BBC gerade über die Details ihrer künftigen Zusammenarbeit bei den Regionalnachrichten, die den Kerns des PSB-Auftrags bei ITV ausmachen. Geplant sind gemeinsame Regionalstudios und ein Pool-System, bei dem die BBC auf ITV-Bilder und umgekehrt zurückgreifen könnten. Nach Berichten des Guardian ist offenbar konkret geplant, acht ITV-Regionalredaktionen (Birmingham, Bristol, Manchester, Newcastle, Southampton, Leeds und Norwich in England sowie Cardiff in Wales) in BBC-Gebäude einziehen zu lassen. ITV schließt im Zuge der Neuausrichtung zudem 20 kleinere Redaktionsbüros in England und Wales. Über die künftige redaktionalle Unabhängigkeit der beiden ungleichen Partner soll ein noch zu schaffendes Monitoring-System wachen. ITV könnte mit dem neuen Konzept, dass ab 2010/2011 greifen soll, nach eigenen Angaben jährlich rund 8 Millionen Pfund sparen. Kritiker befürchten allerdings, dass dann noch mehr als die schon Ende 2008 angekündigten 1.000 Jobs im Bereich Regional News bei ITV auf dem Spiel stehen.
Als wäre die Medienkrise nicht schon genug für ITV, hat der größte britische Privatsender nun auch noch eine veritable Führungskrise: Ende April kündigte Vorstandschef Michael Grade seinen vorzeitigen Rückzug aus seiner bisherigen Doppelrolle als Chairman und CEO an – ein Jahr eher als geplant. Nach einem neuen Vorstandschef wird seitdem gesucht, ist die Person gefunden, wird Grade nur noch als Chairman, also als eine Art Aufsichtsratsvorsitzender von ITV, firmieren. Damit reagiert ITV auf lang bestehende Vorbehalte gegen die Machtkonzentration in einer Hand, mit der Garde so ziemlich das Gegenteil von dem erreicht hat, was ursprünglich erhofft war: Die Machtfülle sollte dem vor zwei Jahren als Retter willkommen geheißenem ex-BBC-Mann alle Möglichkeiten für den Turn-Around von ITV öffnen. Stattdessen hat ITV unter Grade ein Drittel seines Börsenwerts eingebüßt und machte auch im ersten Quartal 2009 vor allem durch neue drakonische Sparpläne von sich reden. Für das erste Halbjahr 2009 – ITV publiziert keine Quartalszahlen im klassischen Sinne – rechnet der Konzern mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Bereits im März musste ITV einräumen, dass die 2008 teuer eingekauften Sportrechte sich wegen der Werbekrise nicht refinanzieren lassen und der Sender bis zu 50 Millionen Britische Pfund abschreiben muss. Im Rahmen des Personalabbaus haben auch langjährige Programmverantwortliche wie Chef-Programmeinkäufer Jay Kandola oder die für das Regionalprogramm Verantwortlichen ITV verlassen. Auch die legendäre „South Bank Show“, ein für einen Privatsender höchst ambitioniertes, aber auch erfolgreiches Kulturprogramm, wird nächsten Sommer nach mehr als 30 Jahren eingestellt und Moderator Melvyn Bragg in die Wüste geschickt.
ITV hat sich im Mai einen nochmals verschärften Sparkurs verordnet – zu den bereits beschlossenen Summen gilt es nun nochmals 40 Mio. Britische Pfund zu sparen, davon allein die Hälfte im Programmbereich. Auch weiter Entlassungen über die bisher bekannten 1600 Jobs hinaus werden nicht ausgeschlossen. ITV 1, der Hauptkanal der Gruppe, soll 2011 mit einem Programmbudget von nur noch 750 Mio. Pfund auskommen – 2008 durfte der Kanal noch eine Milliarde Pfund für Programm ausgeben. Die National Movie Awards, eine erst 2007 von ITV erfundene TV-Gala sind für 2009 offenbar abgesagt, die National Television Awards werden auf Januar 2010 verschoben.
Im Programmbereich profitierte ITV in den ersten Monaten 2009 vor allem vom Erfolg der Talent-Show „Britain's Got Talent“, die wegen der charismatischen Zweitplatzierten Susan Boyle für Quotenrekorde sorgte. Der Produktionsbereich ITV Production konnte den bislang größten Deal mit dem indischen Subkontinent vermelden: Mitte Juni kaufte Sony Entertainment (SET) das in Deutschland als „Dschungelshow“ bekannte Format „I'm a Celebrity, get me out of here“, das SET nun gemeinsam mit ITV Production in einer indischen Version drehen will, die anders als die bisherigen Ableger nach britischen Presseberichten über zwei volle Monate laufen soll. Um den Samstagabend attraktiver zu machen, wird außerdem Piers Morgan's Talkshow „Piers Morgan's Chatshow“ vom Sonntag vorgezogen und soll nun mit der „The X Factor Show“ für gute Quoten und höhere Werbeeinnahmen sorgen.
Doch die Sparbemühungen machen selbst vor heiligen Kühen nicht halt: Ende Mai wurde bekannt, dass die Marke Granada – die Keimzelle der heutigen ITV plc – endgültig aus dem Unternehmen verschwinden soll. Die US-Produktionssparte wird von Granada America in ITV Studios umbenannt, das gleiche Schicksal trifft auch die Granada-Produktionsfirmen in Deutschland und Australien.
Außerdem prüft ITV laut Medienberichten, seine bisher Free-to-Air empfangbaren Digtalkanäle ITV 2, ITV 3 und ITV 4 in Pay-Angebote umzuwandeln.
Doch nicht alle Aussichten sind gänzlich grau: Auf dem Feld der Rundfunkregulierung kann ITV offenbar auf Entgegenkommen der zuständigen staatlichen Stellen rechnen. Die Mitte Juni veröffentlichte Endfassung des „Digital Britain Reports“ sieht vor, dass die ITV-Regionalnachrichten künftig aus der BBC-Fernsehgebühr mitfinanziert werden können. ITV hatte erklärt, diesen Teil seines öffentlich-rechtlichen Angebots aus Kostengründen nicht Weiterführen zu können. Die zuständige Kommunikationsbehörde Ofcom beziffert die Kosten für ITV auf 40 bis 60Mio. Britische Pfund für eine Basis-Versorgung. Nun sollen bis zur nächsten Gebührenperiode 2013 drei ITV-Pilotprojekte in Schottland, England und Wales zu Teilen aus der Gebühr finanziert und ab 2013 eine langfristige Regelung gefunden werden.
Die bereits verabredete direkte Kooperation von ITV und BBC im regionalen News-Bereich (z.B. gemeinsame Studios, etc.) geriet Anfang Juni allerdings schon wieder ins Stocken, da die BBC die von der Ofcom angesetzten Zahlen in Sachen Kostenaufwand für die ITV-Regionalnachrichten für deutlich überzogen hält. Auch ITV soll von der kurzfristigen Soforthilfe, die Einsparungen von rund sieben Mio. Pfund brächte, nicht mehr voll überzeugt sein und drängt bei der Ofcom auf eine langfristige Lösung.
Auch das so genannte Contract Rights Renewal System (CRR), das bisher ITV enge Grenzen bei der TV-Werbeakquise setzt, könnte bald zugunsten des angeschlagenen TV-Konzerns geändert werden. Es war 2003 als eine Bedingung eingeführt worden, damit sich die beiden damaligen ITV-Riesen Carlton und Granada überhaupt zur heutigen ITV plc zusammenschließen durften. Das CRR soll verhindern, dass der Kanal ITV 1 seine dominierende Position im britischen TV-Werbemarkt zuungunsten der Anzeigenkunden ausnutzt. Nun scheinen das zuständige Office of Fair Trading und die Competition Commission sowie die Ofcom der Ansicht zu sein, dass sich der TV-Werbemarkt seit 2003 gewandelt hat und insbesondere ITV nicht mehr so stark ist wie damals. ITV versucht derzeit im Rahmen einer „Charme-Offensive“ (Guardian) Werbekunden zu ITV 1 zurückzulotsen, um im Herbst und für das Weihnachtsgeschäft 2009 wieder besser aufgestellt zu sein.
Erste Zeichen, ob es hier zu einer Entspannung kommt, werden aber erst im September erwartet. So lange könnte sich nach britischen Medienberichten auch die Suche nach einem neuen CEO für ITV hinziehen, obwohl zahlreiche Kandidaten heiß gehandelt werden. Als aussichtsreicher Kandidat gilt derzeit Tony Ball, ehemals Vorstandschef bei Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB und seit Mitte Juni Aufsichtsrat bei der British Telecom, die nun selbst via Broadband-Internet im TV-Geschäft mitmischen will. Auch John Smith, CEO der kommerziellen BBC-Tochter BBC Worldwide, Malcolm Wall, bis Frühjahr 2009 Content-Chef bei Virgin Media, der ehemalige Medienminister Lord Carter und sogar RTL-Group-Chef Gerhard Zeiler tauchen als mögliche Nachfolger in den Medien auf. Zeiler schweigt allerdings derzeit zu allen Fragen rund um seine Person oder einen möglichen Einstieg der RTL-Group bei ITV.
Michael Grade gerät wegen seiner desaströsen Performance an der ITV-Spritze dagegen zunehmend in Erklärungsnot: Der ehemalige Chairman des ITV-Networks vor der Fusion 2003, Leslie Hill, fragt auf jedem Medienkongress „Wo ist das ganze Geld geblieben“ - und auch der ehemalige Privatfunker und einstige BBC-Director General Greg Dyke schießt scharf gegen Grade: „Grade's ITV is in a classical lose-lose-situation“, hatte Dyke im März in einem Meinungsbeitrag für die „Times“ geschrieben – und sich prompt einen Rechtsstreit mit Grade eingehandelt. Die Sache wurde per Vergleich beigelegt. Denn auch Michael Grade kann Niederlagen zugeben – allerdings noch nicht so ganz in Sachen ITV: Sein größter Fehler sei bis heute, dass er damals als zuständiger Anstaltsboss die US-Serie „The X-Files“ abgelehnt habe, erklärte Grade nach einem Bericht des „Guardian“. Doch da war Grade noch beim im Vergleich zu ITV kleinen, feinen Channel Four.
Links
Informationen des Unternehmens:
- Aktuelle Pressemitteilungen
- Geschäftsberichte
Presseberichterstattung:
- Handelsblatt: Britischer Sender ITV steht ohne Führung da (28.09.2009)
News
13.03.09 / BBC, ITV plc
ITV und BBC bestätigen Kooperation
Der angeschlagene britische TV-Sender ITV darf künftig auf Regional-Nachrichten der öffentlich-rechtlichen BBC zugreifen. Dies gaben die beiden Konzerne in einer gemeinsamen Stellungnahme bekannt. Die Zusammenarbeit soll vor...
» mehr26.01.09 / BBC, ITV plc
Nahost-Konflikt: BBC im Kreuzfeuer der Kritik
Die britische Rundfunkanstalt BBC ist in die Kritik geraten, weil Generaldirektor Mark Thompson (Foto) sich geweigert hat, einen Spendenaufruf des Disasters Emergency Commitee (DEC) für die Opfer der israelischen...
» mehr06.10.08 / Bertelsmann AG, ITV plc
RTL plant Kauf von ITV
Das Bertelsmann-Tochterunternehmen RTL hat von der Mohn-Familie grünes Licht erhalten, das britische Free-TV-Unternehmen ITV zu akquirieren. So soll die Konzernspitze RTL-Chef Gerhard Zeiler mit einem Budget von mehr als einer...
» mehrInhalte
Ranking - Top 50 2008
- Time Warner Inc.
- Walt Disney Corp.
- Comcast Corp.
- News Corp. Ltd.
- Viacom Inc./CBS Corp.
- Sony Entertainment
- Bertelsmann AG
- NBC Universal Inc.
- Vivendi S.A.
- Cox Enterprises Inc.
- Thomson Reuters Corporation
- Lagardère Media
- Dish Network Corporation
- Rogers Comm.
- Liberty Media Corp.
- Reed Elsevier PLC
- ARD
- Pearson plc
- BBC
- Advance Publications
- Virgin Media Inc.
- Cablevision Systems Corp.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Charter Comm. Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Nippon Hoso Kyokai
- Mediaset SpA
- Grupo PRISA
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Tribune Co.
- The Hearst Corporation
- The Nielsen Company
- Daily Mail & General Trust plc
- Wolters Kluwer nv
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Bonnier AB
- ProSiebenSat.1
- The Washington Post Company
- Sanoma Group
- Grupo Televisa
- France Télévisions S.A.
- Axel Springer AG
- RCS Media Group
- TF1 S.A.
- Georg von Holtzbrinck GmbH
- ITV plc
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
- Nippon Television Network Corporation