42. Grupo Televisa

Umsatz 2008: MXN 47,972 Mrd. (€ 2,945 Mrd.)

Überblick

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Der mexikanische Medienkonzern Televisa dominiert mit Reichweiten von 60% bis zu 85% Zuschaueranteilen den Fernsehmarkt des größten spanischsprachigen Landes. Er exportiert seine Telenovelas in über 75 Länder. Televisa befindet sich im Besitz von drei Familien und gilt als staatsnah. In Mexiko werden die elektronischen Medien mit Abstand am stärksten genutzt. Eine Zeitungskultur existiert aufgrund fehlender Distributionsnetze und hoher Analphabetenrate nur in den Städten. Televisa und Konkurrent TV Azteca teilen 90% der kommerziellen Sendekonzessionen des hochkonzentrierten mexikanischen Rundfunkmarktes unter sich auf. Kleinere staatliche Kultursender und nicht kommerzielle, kommunale Radios spielen als Gegengewicht kaum eine Rolle.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Avenida Vasco de Quiroga, No. 2000,
Colonia Santa Fe,
Delegación Álvaro Obregón
01210 México, D.F.,
Mexico

Phone: +52-55-5261-2445
Fax: +52-55-5261-2494
http://www.televisa.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1973

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. Euro)*

2008

2007

2006*

2005*

2004*

2003*

2002*

2001*

Umsatz

2.950

2.705,3

2.771,3

2.495,6

2.086,6

2.032,7

2.372,2

2.485,6

Gewinn nach Steuern

536,8

572,6

627,3

470,6

307,3

310,3

88,8

170,1

Beschäftigte

k.A.

k.A.

16.300

15.100

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

*Verwendete Jahresdurchschnittskurse MXN-EUR: www.oanda.com/convert/fxaverage_result

Geschäftsführung

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Board of Directors/Executives:

  • Emilio Azcárraga Jean, Chairman of the Board, President and Chief Executive Officer of Grupo Televisa
  • Alfonso de Angoitia Noriega, Executive Vice President of Grupo Televisa
  • Bernardo Gómez Martínez, Executive Vice President
  • Ma. Asunción Aramburuzabala Larregui, Vice Chairwoman of the Board of Grupo Modelo
  • Pedro Aspe Armella, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Protego Asesores
  • Alberto Bailleres González, President of Grupo Bal
  • Julio Barba Hurtado, Legal Advisor to the President of Grupo Televisa
  • José Antonio Bastón Patiño, Corporate Vice President of Television of Grupo Televisa
  • Manuel Cutillas Covani, Director of Grupo Bacardi Limited
  • José Antonio Fernández Carbajal, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Femsa
  • Carlos Fernández González, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Grupo Modelo
  • Bernardo Gómez Martínez, Executive Vice President of Grupo Televisa
  • Claudio X. González Laporte, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Kimberly-Clark de México
  • Roberto Hernández Ramírez, Chairman of the Board of Banco Nacional de México
  • Enrique Krauze Kleinbort, Chief Executive Officer of Editorial Clío, Libros y Videos
  • Germán Larrea Mota Velasco, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Grupo México
  • Gilberto Perezalonso Cifuentes, Financial Advisor and Member of the Audit and Corporate Practices - Committee of Grupo Televisa
  • Alejandro Quintero Iñiguez, Corporate Vice President of Sales and Marketing of Grupo Televisa
  • Fernando Senderos Mestre, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Grupo Desc
  • Enrique F. Senior Hernández, Executive Vice President and Managing Director of Allen & Company Inc.
  • Lorenzo H. Zambrano Treviño, Chairman of the Board and Chief Executive Officer of Cemex
  • Félix Araujo Ramírez, Vice President of Televisa Regional
  • Maximiliano Arteaga Carlebach, Vice President of Operations, Technical Service and Television - Production
  • José Antonio Bastón Patiño, Corporate Vice President of Television
  • Jean Paul Broc Haro, Chief Executive Officer of Cablevisión
  • Rafael Carabias Príncipe, Chief Financial Officer of La Sexta
  • Salvi Folch Viadero, Chief Financial Officer
  • Javier Mérida Guzmán, Chief Executive Officer of Radiopolis
  • Eduardo Michelsen Delgado, Chief Executive Officer of Editorial Televisa
  • Jorge Eduardo Murguía Orozco, Vice President of Production
  • Alexandre Penna, Chief Executive Officer of Innova
  • Alejandro Quintero Iñiguez, Corporate Vice President of Sales and Marketing


Besitzverhältnisse: Größter Anteilseigner ist der Azcárraga-Trust mit 43,7% der A-Aktien und 0,1% der B-Aktien. A- und B-Aktien sind im Gegensatz zu D- und L-Aktien mit dem vollen Stimmrecht ausgestattet. Es folgen als Hauptaktionäre der Inbursa-Trust (1,4%/2,5%), die Investmentbank Morgan Stanley (3,0%/5,6%), Capital Research and Management Co. (2,7%/5,0%) sowie Cascada Investment (4,9% der B-Aktien).

Geschichte und Profil

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In Mexiko verzichtete man beim Aufbau des Fernsehsystems in den 40er Jahren wie schon zuvor beim Radiosystem auf eine starke öffentlich-rechtliche Säule. Vielmehr entschied man sich sowohl bei der Technik als auch bei der Rundfunkorganisation für US-amerikanische Standards. Die Rundfunkgesetze von 1960 und 1973 enthielten die wichtigsten Bestimmungen, nach denen sich die 1973 gegründete Televisa richten musste. Unter anderem wird darin der Rundfunk als öffentliches Gut bezeichnet. Televisa ging aus einer Fusion von Telesistema und Televisión Independente de México (TIM) hervor. Dabei brachte der ehemalige Monopolist Telesistema 75% ein. Das neu entstandene Unternehmen befand sich in Besitz von vier Familien, die zum Teil mit Radiounternehmen zu Reichtum gekommen waren und diese Gewinne in den Aufbau von Fernsehnetzen investiert hatten: den Azcárragas, O´Farrills, Alemáns und den Garza Sadas. Mitglieder dieser Familien übernahmen die wichtigsten Posten bei der Televisa. Mit der recht unbedeutenden Konkurrenz durch den staatlichen „Kanal 13“ wurde eine Aufteilung der Fernsehsendern nach Zielgruppe verabredet, die so genannte „Fórmula Mexicana“. Dabei fiel dem staatlichen Sender die wirtschaftlich unattraktive Aufgabe zu, Bildungsprogramme zu senden. Die medienorganisatorischen Rahmenbedingungen waren also denkbar gut für Televisa und begünstigten in den folgenden Jahrzehnten ihren Aufstieg zu einem internationalen Mediengiganten. Für Mexiko indes bedeutete ihre exponierte Stellung auf Jahrzehnte rundfunkkulturellen Einheitsbrei – nicht zuletzt durch die in Mexiko erfundenen Telenovelas.
Wichtig für Televisa war die Nähe zu den mexikanischen Präsidenten, die bis zum Jahr 2000 sämtlich durch die Partei PRI gestellt wurden. Als Gegenleistung für medienpolitische Protektion stellte der Konzern sein Programm in den Dienst der Dauer-Regierungspartei. „Lange Zeit galten Televisa und die PRI als die beiden Machtzentren des Landes, die sich gegenseitig stützten,“ schrieb das österreichische Magazin „Der Standard“ und zitiert Televisa-Boss Azcárraga, den Vater des derzeitigen CEO Azcárraga Jean: „Wir sind von der PRI, wir waren schon immer von der PRI; wir glauben an keine andere Formel. Und als Mitglieder dieser Partei werden wir alles Mögliche tun, dass unser Kandidat gewinnt."
Auch die Partei von Vicente Fox, dessen Partei PAN im Jahr 2000 die PRI an der Regierung ablöste, konnte sich auf eine regierungsnahe Berichterstattung verlassen, was ein Aufbrechen der Monopolstruktur im Rundfunkbereich effektiv verhinderte. Der Konzern entwickelte sich zum größten Medienkonzern Lateinamerikas, der neben dem Rundfunk in allen Medienzweigen vertreten ist, von Print bis Online.

Management

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Die Mehrheit der Televisa-Aktien befindet sich nach wie vor in Besitz der Azcárraga-Familie. Präsident des Unternehmens ist Emilio Azcárraga Jean (Jahrgang 1968), ein Enkel des Televisa-Wegbereiters Emilio Azcárraga Vidaurrete. Laut dem US-Magazin „Forbes“ besitzt Azcárraga Jean ein Vermögen von 1,7 Milliarden US-Dollar und einen 15-prozentigen Anteil an den Televisa-Aktien. „Forbes“ berichtet weiterhin, dass er 2006 einen Versuch unternahm, die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, um weitere Anteile am US-Ableger Univision erwerben zu können. Beim Bieterwettstreit um Univision wurde Televisa schließlich allerdings vom ehemaligen ProSiebenSat1-Besitzer Haim Saban ausgestochen. Azcárraga Jean arbeitete seit 1988 für Televisa und übernahm das Ruder des Konzerns 1999, zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters. Er begann, in dem paternalistisch geprägten Unternehmen moderne Management-Strukturen einzuführen und unterzog das Logo (ein orange-blaues Auge) einem Re-Design. Schwierigkeiten bereitete ihm in den ersten Jahren als Chef das Ende des „Dot-Com-Booms“, in den letzen Jahren zogen Umsatz und Gewinn durch den Expansionskurs von Azcárraga Jean jedoch kräftig an (siehe Tabelle unter Basisdaten).

Geschäftsfelder

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Fernsehen
Zum Fernsehimperium Televisa gehören 258 Sendestationen. Damit werden die Televisa-Programme über mehr als die Hälfte der lizensierten Fernsehstationen Mexikos ausgestrahlt. Das wichtigste Programm ist Canal 2, ein landesweit empfangbarer Free-TV-Sender. Weiterhin gehören zum Konzern die Kanäle Canal 4, 5 und 9. Der einzig nennenswerte Wettbewerber der Televisa ist das 1993 gegründete TV Azteca. Die exakten Zuschauerzahlen sind in Mexiko nicht zu ermitteln. Als beliebteste Sendungen gelten jedoch die Comedy-Sendungen und Telenovelas von Televisa. Über ihre Kabelfernsehtochter Cablevisión, die auch Telefon- und Internetprovider ist, gehört dem Unternehmen auch das größte mexikanische Kabelfernsehnetz. Zudem ist Televisa auf dem hochdynamischen Pay-TV-Markt in Mexiko aktiv. In den Jahren 1998 bis 2003 verdoppelte sich der Anteil der Bezahlfernsehen-Abonnenten von 8% auf knapp 16% der Haushalte. Televisa hält 58,7% der Aktien von Innova, das den Pay-TV-Sender Sky betreibt. (Innova ist ein Joint-Venture mit DirecTV, an dem News Corporation [News Corp. in der Mediendatenbank] beteiligt ist.)   
Der Pay-TV-Markt in Mexiko ist im Vergleich zum frei empfangbaren Fernsehen weniger stark konzentriert; ein Gegengewicht zur TV-Meinungsmacht von Televisa und TV Azteca ist jedoch nicht in Sicht.

Hörfunk
Radio ist in Mexiko das Medium mit der größten Reichweite. Die für das Betreiben eines Senders erforderlichen Lizenzen werden in kommerzielle und nicht-kommerzielle Konzessionen unterschieden. Viele Programme werden von kulturellen Institutionen oder Universitäten gestaltet. Televisa Radio betreibt über die Tochter Radiópolis 17 Sender und ist an insgesamt über 80 Sendern beteiligt. Damit erreicht Televisa Radio ca. 70% der Mexikaner. 

Film
Der Ableger Videocine produziert und vertreibt Filme in Mexiko und den USA.

Presse
Editorial Televisa ist eines der größten Verlagshäuser für spanischsprachige Presseprodukte. Sie verlegt Zeitschriften in 20 Ländern in Nord- und Südamerika. Zu dem konzerneigenen Vertriebsnetz Intermex gehören über 105000 Verkaufsstellen in Lateinamerika, 25000 davon liegen in Mexiko.

Internet
Televisa Digital ist verantwortlich für Online- und mobile Dienste und betreibt das Internet-Portal Esmas.com, das unter anderem Videos, Chats, Foren und Email-Dienste anbietet. Esmas movíl bietet Services rund ums Handy an, darunter Klingeltöne und Spiele. Hinzu kommt noch das Videoportal EsmasTV.

Sonstige
Televisa Home Entertainment produziert und vertreibt die TV- und Filmproduktionen des Konzerns auf DVD. Durch Televisa Musica ist das Unternehmen auf dem Musikmarkt aktiv. Außerdem sorgt die Lizenzabteilung für die Vermarktung der Televisa-Marken. Televisa vertreibt Inhalte in über 100 Ländern weltweit. Fußball ist eine große Leidenschaft von Televisa-Chef Azcárraga Jean, folgerichtig besitzt Televisa drei Teams sowie das berühmte Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt.

Engagement in Europa

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Das 2006 in Spanien auf Sendung gegangene Free-TV-Programm „La Sexta“ gehört zu 40% der Televisa. Im Sommer 2007 sorgte „La Sexta“ für Gesprächsstoff, als es sich mit Hilfe von Televisa-Millionen die Fernsehrechte an den Spielen des FC Barcelona und von Real Madrid sicherte und damit die spanische Grupo Prisa (Grupo Prisa in der Mediendatenbank) ausbootete, mit der sie allerdings auf dem mexikanischen Radiomarkt kooperiert.

Aktuelle Entwicklungen

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Am 7. Juni 2007 beendete ein Urteilsspruch des mexikanischen Verfassungsgerichts einen mehrere Jahre andauernden Disput um ein neues Mediengesetz für das 100-Millionen-Einwohner-Land, indem es dieses in Teilen für verfassungswidrig erklärte.
Das Gericht war von Senatoren angerufen worden, die eine Zementierung der hohen Konzentration auf dem Rundfunkmarkt in Folge der als „Televisa-Gesetz“ titulierten Novelle fürchteten. Der Televisa-Konzern hatte offenbar die hohe Abhängigkeit der politischen Klasse Mexikos von seiner Berichterstattung genutzt, um parallel zum Wahlkampf Anfang 2006 das neue Mediengesetz verabschieden zu lassen. Laut Beobachtern passierte dieses die Institutionen ungewöhnlich schnell. Außerdem wurde kolportiert, dass der Text von Televisa-Lobbyisten verfasst worden war. Der Gesetzentwurf hatte eine erbitterte Debatte darüber ausgelöst, ob es bestehende Probleme bei der Frequenzvergabe löst oder verschärft. Die bisherige Praxis, nach der der Präsident das alleinige Recht besaß, das „öffentliche Gut“ Frequenzen zu verteilen, hatte in den vergangenen Jahrzehnten die dominante Stellung der Televisa ermöglicht. Die bisherige Praxis sollte nun einer Regelung weichen, der zufolge neue Frequenzen versteigert werden sollten. Das Gesetz sah jedoch gleichzeitig vor, das die TV-Sender die von ihnen belegten Frequenzen des Breitbandspektrums de facto besitzen sollen und diese selbst dann kontrollieren, wenn aufgrund der Digitalen Dividende Frequenzen frei werden. Folglich unterstützte auch das zweitgrößte private Network, TV Azteca, das „Ley Televisa“. 
Nachdem der Gesetzentwurf im Unterhaus einstimmig verabschiedet worden war, formierte sich der Widerstand in der zweiten Kammer des Mexikanischen Parlaments, dem Senat, wodurch schließlich die Verfassungsklage ermöglicht wurde. Der oberste Gerichtshof war mit einem enormen Druck der Öffentlichkeit konfrontiert, nicht zuletzt durch die Televisa-Programme. Die Folge war der ungewöhnliche Schritt, das Verfahren so öffentlich und transparent wie möglich zu gestalten und die Verhandlungen über den gerichtseigenen Fernsehkanal und das Internet zu übertragen. Durch dieses „Court TV“ („The Economist“) erreichte das Gericht den notwendigen Rückhalt, um eine unabhängige Entscheidung zu fällen, die seine Position im institutionellen Gefüge Mexikos stärkt.
Im August 2007 gab Televisa den Kauf von 99,9% der Aktien des argentinischen Verlags Editorial Atlantida durch die Verlagstochter Editorial Televisa bekannt.