2. Google Inc.

Umsatz 2014: $ 66,001 Mrd. (€ 49,681 Mrd.)

Überblick

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Sergey Brin und Larry Page entwickelten als Studenten die schnellste Suchmaschine der Welt. Dank kontextbezogener Web-Werbung konnte Google innerhalb von 17 Jahren zum umsatzstärksten Konzerne der Branchen Medien und Online-Technologie aufsteigen. Mit seinen inzwischen riesigen Pool an Informationen der User wandelt der Konzern auf einem schmalen Grat zwischen Benutzerfreundlichkeit und Ausspähung und Verarbeitung privater Daten. Heute generiert Google 96 Prozent seines Umsatzes mit Werbung.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Google Inc.                
1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA  94043                 
Telefon: 001-650-253-0000
Telefax: 001- 650-253-0001
Internet: www.google.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1998

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
2015201420132012201120102009200820072006
Umsatz (in Mio. $)74.98966.00159.82550.17537.90529.32123.65121.79616.59410.605
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. $)16.34814.44412.92010.7379.7378.5056.5204.2274.2043.077
Aktienkurs (in $, in Jahresende)759526,41.120707,38645,90593,97619,98307,56702,53460,48
Beschäftigte61.81453.60047.75653.86132.46724.40019.83520.22216.80510.674

Geschäftsführung

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Management:

  • Sundar Pichai, Chief Executive Officer, Google 
  • Larry Page, President, Alphabet and Co-Founder
  • Sergey Brin, President, Alphabet and Co-Founder
  • Eric Schmidt, Executive Chairman
  • Ruth M. Porad, Senior Vice President and Chief Financial Officer, Alphabet
  • David C. Drummond, Senior Vice President, Corporate Development and Chief Legal Officer
  •  

Board of Directors:

  • Eric Schmidt, Google Inc.
  • Sergey Brin, Google Inc.
  • Larry Page, Google Inc.
  • John Doerr, Kleiner Perkins Caufield & Byers 
  • K. Ram Shriram, Sherpalo Ventures
  • John L. Hennessy, Stanford University
  • Paul S. Otellini, Intel 
  • Shirley M. Tilghman, Princeton University 
  • Ann Mather, Central European Media Enterprises
  • Diane B. Greene, VMWare
  • Alan R. Mulally, Ford Motor Company

Geschichte und Profil

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Nach offizieller Überlieferung von Google waren sich die beiden Konzerngründer Larry Page und Sergey Brin 1995 bei ihrer ersten Begegnung als Studenten der Computerwissenschaften auf dem Campus der Stanford Universität alles andere als sympathisch. Page war ein 24-jähriger Absolvent der Universität von Michigan, der nur über das Wochenende in Stanford war: Brin, 23, war einer der Studenten, der beauftragt wurde, Page das Universitätsgelände zu zeigen. Schnell zeigte sich, dass beide über jede Sachfrage, die in ihren Diskussionen zur Sprache kam, keine gemeinsame Meinung hatten. Ihre unterschiedlichen Standpunkte und Philosophien fanden nur einen gemeinsamen Resonanzboden in Bezug auf eine der größten Herausforderungen der Computerwelt: die Auslese relevanter Informationen aus einem exponentiell wachsenden Online-Datenschatz.

Anfang des Jahres 1996 begannen Brin und Page zusammenzuarbeiten. Sie entwickelten die Suchmaschine „BackRub“, die ihren Namen aufgrund der einzigartigen Fähigkeit erhielt, Rückverweise („back links“) einer beliebigen Website zu analysieren. Technikgenie Page, der einst einen Drucker aus Lego-Steinen konstruiert hatte, übernahm hierbei die Aufgabe, ein neuartiges Serverumfeld zu generieren, das aus veralteten Rechnern, anstatt aus teuren high-end-Maschinen bestand. Ihre chronische Geldknappheit veranlasste sie dazu, die Onlineumgebung ihrer Fakultät nach neuen Rechnern zu durchforsten, die sie an ihr Netzwerk anschließen konnten, um die Serverkapazitäten zu erhöhen. Ein Jahr später bescherte dieser einmalige Ansatz der Link-Analyse Page und Brin ein wachsendes Maß an Ansehen innerhalb der relativ jungen Web-Community.

Page und Brin wurden nicht müde, die Technologie ihrer Suchmaschine weiter zu perfektionieren. Sie schlugen einen Weg ein, der später einer der Schlüssel für die Lieferung hervorragender Suchergebnisse sein würde. Sie kauften einen Terabyte an Festplatten zum Discountpreis und legten in Pages Zimmer des Studentenwohnheims ein Computerlager an, das zu Googles erstem Datencenter wurde. Währenddessen eröffnete Brin ein Geschäftsbüro und fragte bei potentiellen Partnern an, ob sie nicht eine Suchmaschine lizenzieren wollten, die überdurchschnittlich bessere Ergebnisse lieferte, als alle vergleichbaren Technologien. Im Gegensatz zu dem in dieser Zeit grassierenden „dot-com-Fieber“, zeigten die beiden Erfinder zunächst wenig Interesse, einen Konzern auf Basis ihrer Errungenschaften aufzubauen.

Unter den Leuten, die Brin von seinem Büro aus anrief, war unter anderem auch David Filo, der Co-Erfinder der Suchmaschine Yahoo!. Filo bestätigte, dass ihre Technologie ausgereift sei, aber er ermutigte die beiden dennoch dazu, ihren Service weiter auszubauen und eine eigene Suchmaschinenfirma zu gründen. Viele CEO’s von Webportal-Konzernen erkannten damals das große Potential des Produkts nicht. Sie unterschätzten die Vorteile der Suchfunktionen, die Brin und Page entwickelt hatten. Deshalb entschieden sich Brin und Page, es auf eigene Faust zu probieren. Was sie dafür brauchten, war das Startkapital für neue Räume und Finanzen, um ihre Rechnungen und Schulden zu bezahlen. Die Jungerfinder hatten ihre Kreditkarten zum Erwerb des Terabyte-Speichers bereits über Gebühr strapaziert. Ein Geschäftsplan wurde erstellt, und die Pläne, einen Universitätsabschluss zu erwerben, wurden vorerst auf Eis gelegt. Brin und Page begaben sich auf die Suche nach einem Investor. Ihr erster Besuch galt einem Freund eines Fakultätsmitglieds.

Andy Bechtolsheim, einer der Mitgründer von Sun Microsystems, war dafür bekannt, langfristig zu denken. Ein Blick auf die Demoversion genügte ihm, um zu wissen, dass Google ein enormes Potential aufwies. Bechtolsheim verlor weder viele Worte noch Zeit, er stellte kurzerhand einen Scheck aus. Der Adressat war Google, Inc., und der Scheck belief sich auf 100.000 $.

Bechtolsheims Investition sorgte für ein Dilemma. Da es keine juristische Einheit namens Google, Inc. gab, war es unmöglich, den Scheck bei der Bank einzureichen. Der Scheck lag also erst einmal mehrere Wochen in der Schublade von Pages Schreibtisch, während er und Brin sich in Akkordarbeit daran machten, einen Konzern aufzubauen und unter Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten weitere Geldgeber zu rekrutieren. Ein Startkapital von circa einer Million Dollar kam zusammen, und Mitte 1998 öffnete Google, Inc. seine Pforten in Menlo Park Nord, Kalifornien. Die Tür wurde per Fernbedienung geöffnet, da sie Teil einer Garage war, die ein Freund dem inzwischen dreiköpfigen Konzern untervermietet hatte. Obwohl das Büro klein war, bot es einige Besonderheiten, darunter eine Waschmaschine und einen Whirlpool. Außerdem stellte das „Firmengelände“ einen Parkplatz für den ersten eingestellten Mitarbeiter zur Verfügung: Craig Silverstein, Geschäftsführer der technischen Abteilung.

Schon zu diesem Zeitpunkt bearbeitete Google.com, noch immer in der Beta-Test-Version, bis zu 10.000 Suchanfragen pro Tag. Schnell begann die internationale Presse auf die Suchmaschine mit den relevanten Ergebnissen aufmerksam zu werden, und Artikel über Google erschienen in USA Today und Le Monde. Die Fachzeitschrift PC Magazine nahm Google in seine Rangfolge „Top 100 Websites and Search Engines“ auf. Google eroberte die Welt im Sturm. Open Source-Riese Red Hat war das erste Unternehmen, das als kommerzieller Kunde die Suchdienste von Google in Anspruch nahm.

Am 7. Juni 1999 verkündete Google, dass die Finanzierung von insgesamt 25 Millionen Dollar von den führenden Risikokapital-Firmen aus Silicon Valley, Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers, zugesichert worden seien. Beide Firmen, ansonsten gnadenlose Konkurrenten, investierten erstaunlicherweise zu gleichen Teilen in Google und erhielten die gleiche Anzahl von Sitzen im Aufsichtsrat. Mike Moritz von Sequoia und John Doerr von Kleiner Perkins setzten sich mit einem dritten Investor, Ram Shriram, CEO von Junglee, an die Tischtennisplatte, die als Möbelstück des Google-Quartiers fungierte, und planten ihre Kooperation.

In der darauf folgenden Zeit wurden Schlüsselpositionen bei Google zunehmend mit hochkarätigen Fachkräften aus anderen Unternehmen besetzt. So wurde Omid Kordestani von Netscape zum Vizepräsidenten der Geschäftsführung ernannt. Urs Hölzle, Computerwissenschaftler von der University of California, Santa Barbara, übernahm den Posten des Vizepräsidenten der technischen Abteilung.

Der drohende Kollaps durch das zu klein gewordene Büro wurde durch den Umzug in das „Googleplex“ in Mountain View verhindert, das bis zum heutigen Tag als Zentrale fungiert. Das Interesse an Google war ungebrochen. AOL/Netscape wählte 1999 Google als Suchmaschine für deren Seite aus. Die Zahl der Suchanfragen stieg in der Zeit täglich um drei Millionen User. Offensichtlich hatte Google sich weiterentwickelt. Was als Universitätsprojekt begonnen hatte, war nun ein etablierter Betrieb, der eine Dienstleistung anbot, deren Nachfrage lebhaft wuchs.
Im September 1999 wurde schließlich das „beta“-Zeichen von der Homepage entfernt, die Testversion hatte sich bewährt. Der nächste Schritt war folgerichtig die internationale Expansion. Sowohl das italienische Portal Virgilio als auch das britische Pendant Virgin Net wurden Klienten von Google. Das Time Magazine nahm Google in seine Cybertech-Top-Ten auf. )

Im Googleplex kristallisierte sich indes eine einzigartige Unternehmenskultur heraus. Um die Flexibilität im Arbeitsbereich zu erhöhen, wurden große Gymnastikbälle zu mobilen Bürostühlen umfunktioniert. Die Büros blieben frei von Trennwänden, was eine offene Arbeitsumgebung schaffte. Während die Rechner der Mitarbeiter mit State-of-the-art-Funktionen ausgestattet waren, bestanden die Schreibtische teilweise aus alten Holztüren, die man provisorisch auf Sägeböcken platziert hatte. Als Chefkoch für die Kantine engagierte man Charlie Ayers, der eine gesundheitsbewusste Speisekarte mit Gerichten kreierte, die er schon als Tourkoch der Band „Grateful Dead“ serviert hatte. Regelmäßig wurde der Parkplatz vor dem Gebäude für Rollhockey-Turniere geräumt. Jeden Freitag kam es zu den berühmten T.G.I.F-,(„Thank God It’s Friday“-)Meetings, die von den Vorständen inmitten der Schreibtische der Mitarbeiter zwecks Wochenresümee abgehalten wurden. Im Juni 2000 wurde Google offiziell zur größten Suchmaschine des WWW, es hatte damals ein Verzeichnis von einer Milliarde Seiten.

Da die Ressourcen des Unternehmens sorgfältig verwaltet wurden, bestand kein Bedarf für den weiteren Bezug von Fremdkapital. Die Gründe für die finanzielle Beständigkeit waren die sich steigernden Nutzerzahlen, darunter viele Klienten, die die Google-Suchmaschine auf ihre Homepages integrierten und die Entwicklung eines Stichwort-basierten Anzeigenprogrammes. Dank wachsender Einnahmen durch Bannerverkäufe begann der Konzern, schwarze Zahlen zu schreiben.

Mitte 2000 verkündeten die Google-Chefs und die Vertreter des Hauptkonkurrenten Yahoo den Beginn einer strategischen Partnerschaft, die die Reputation von Google weiter stärkte – nicht nur in technologischer, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, da jetzt täglich achtzehn Millionen Sucheinfragen eingingen. Der weltweite Siegeszug wurde fortgesetzt, als der chinesische Portal-Marktführer NetEase sowie der japanische Dienst Bigglobe Google ihren Seiten hinzufügten. Ende 2000 wurden durch Google bereits um die 100 Millionen Suchanfragen pro Tag bearbeitet.

Um die wirtschaftliche Prosperität weiter voranzutreiben, wurde 2001 Dr. Eric Schmidt, der zuvor unternehmerische Erfahrungen bei Novell, Inc. und Sun Microsystems gesammelt hatte, als CEO eingestellt. Um auf die Euphorie zu reagieren, die das neue Medium der Blogs entfacht hatte, akquirierte Google 2003 die Pionierfirma Pyra Labs, die mit „Blogger“ die bekannteste Plattform auf diesem Gebiet geschaffen hatte. Googles Webindex vergrößerte sich weiterhin wöchentlich. Anfang 2004 standen fünfeinhalb Milliarden Seiten zur Durchforstung bereit. Um weitere Ordnung in die Masse von Websites, Items und Bildern zu bringen, launchte man Google Local (später Google Maps), das den Usern den schnellsten Weg zu Anbietern in ihrer unmittelbaren Nähe aufzeigte. Im weiteren Verlauf von 2004, im Jahr des Börsengangs, der Brin und Page über Nacht zu Milliardären werden ließ, kündigte der Konzern an, einen kostenlosen Web-basierten Mail-Dienst auf den Markt bringen zu wollen. Gmail bot den Nutzern gratis fast drei Gigabyte an Speicherplatz für den Emailverkehr und integrierte das Anzeigensystem in die Mails. Gmail wird von Datenschützern seither heftig kritisiert, da die Inhalte jeder Email automatisiert nach Stichwörtern durchsucht werden, um sie mit Werbebotschaften zu koppeln .

In Dublin wurde die neue Europazentrale, ein Paradebeispiel für die Globalisierung der Wirtschaft, eingerichtet. Hier kommunizieren 150 Mitarbeiter aus 35 Ländern in siebzehn Sprachen miteinander. Als Chef holte man Nikesh Arora ins Boot, der zuvor unter anderem bei T-Mobile aktiv gewesen ist. Eröffnungen von Büros in Sao Paolo und Mexiko-City folgten, mit dem Ziel das Engagement in Süd- und Mittelamerika zu forcieren. 2005 wurde Google China mit Kai Fu-Lee an der Spitze gegründet - zog sich jedoch fünf Jahre später wieder zurück - offiziell, da man die Zensur der kommunistischen Partei nicht mehr dulden wollte.

Die wohl bedeutendste Expansion Googles war, neben der Übernahme von Handy-Hersteller Motorola, der Kauf der Videoplattform YouTube. Der weltweit populäre Entertainmentdienst, der Bewegtbildkonsumenten vom Fernseher weg und ins Internet sog, wurde im November 2006 für 1,65 Milliarden Dollar gekauft. Der Deal machte die drei YouTube-Gründer, ehemalige Mitarbeiter von Paypal, Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim zu ebenso solchen Jungstars wie einst Brin und Page. Der Erwerb war aus Sicht von Google dadurch notwendig, da das eigene Videoportal Google Video mit circa sieben Prozent Markanteil kein Erfolg war. Mit YouTube verfügt Google heute über ein gigantisches Online-Medienimperium, das User generated Content mit zunehmend professionell produzierten Online-Formaten vereint. 500 Stunden Videomaterial wurden Ende 2015 minütlich bei YouTube hochgeladen.. 

Im Sommer 2015 kam es schließlich zu einer großangelegten Umstrukturierung des Google-Imperiums. Künftig wird Googles Onlinegeschäft Teil einer Holding namens Alphabet, die ähnlich wie Warren Buffets Konglomerat Berkshire Hathaway als Dachgesellschaft für Googles verschiedene Geschäftsbereiche fungiert. Neben der weiterhin unter dem Namen Google firmierenden Onlinesparte gehören zum Mutterkonzern Alphabet künftig Calico (Gesundheit), der Kabelkonzern Fiber, der Investment-Arme Google Ventures und Google Capital, der High Tech-Sparte Google X (inklusive Life Sciences) sowie der "Internet of Things"-Marke Nest.

Management

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Sundar Pichai

Nachdem sich die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin formal aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen haben um sich der Leitung von Alphabet Inc. zu widmen, ist nun Sundar Pichai als CEO für das Google-Kerngeschäft verantwortlich. Pichai hat in den vergangenen zehn Jahren eine in jeglicher Hinsicht bemerkenswerte Laufbahn absolviert. Unter ärmlichen Verhältnissen im indischen Chennai aufgewachsen, hielt er erst mit 12 Jahren erstmals ein Telefon in der Hand - und avancierte dennoch als Chef von Googles Android-Sparte zu einem der einflussreichsten Mobile-Manager der Welt. Nachdem er nach dem Studium bei Google anfing, machte er erstmals auf sich aufmerksam, als er das Suchfenster im rechten, oberen Rand von Webbrowsern entwickelte. Später setzte er sich gegen die Bedenken des damaligen CEOs Eric Schmidt dafür ein, dass Google mit Chrome einen eigenen Webbrowser entwickelte. In der Folge zeichnete er sich für viele von Googles beliebtesten Applikationen und Produkten verantwortlich, u.a. Chromebooks, Gmail, Docs und Maps. Als Chef von Android sorgte er dafür, dass die lange Zeit geltende strikte Trennung zwischen Android und den übrigen Search-Bereichen langsam aufgehoben wurde.

Unter Google-Mitarbeitern gilt Pichai als äußerst beliebt und zugänglich; für Page und Brin gab den Ausschlag ihn zum CEO zu ernennen, dass er technisches Fachwissen mit diplomatischen Geschick und Geschäftssinn vereint. Zudem teilt Pichai das für außenstehende manchmal utopisch anmutende visionäre Weltbild. So besteht sein oberstes Ziel darin, "the next billion" zu erreichen - also die Milliarde Menschen im globalen Süden mit mobilen Internet und Smartphones auszustatten. Erreicht werden soll dies im Rahmen von Project Loon, das vorsieht mittels Wetterballons drahtloses Internet in die entlegensten Regionen der Welt zu bringen.

Larry Page
Google-Mitgründer Larry Page kehrte im April 2011 wieder als CEO zurück und ersetzte damit Eric Schmidt an der Firmenspitze. Als Hintergrund für den Wechsel, der in der Branche für großen Wirbel sorgte, wurden Zwistigkeiten zwischen dem Triumvirat Schmidt, Page und Brin vermutet, besonders in Folge des unfreiwilligen Rückzugs aus China. Page wurde nach Restrukturierung im Sommer 2015 CEO der Holding Alphabet Inc. Nicholas Carlson von "Business Insider" hat den auf Außenstehende oft seltsam und eigenwillig wirkenden Page als "Steve Jobs von Google" bezeichnet, der trotz Gratis-Massagen und bunter Büros eine knallharte Arbeitsatmosphäre bei Google geschaffen hat.

Sergey Brin
Der Sohn russisch-jüdischer Emigranten ist der stillere der beiden Google-Gründer. Brin ist mit Anne Wojcicki verheiratet, die das Start-Up Unternehmen 23andMe ins Leben gerufen hat, in das auch Google investiert hat. Privatpersonen können via 23andMe ihre persönlichen Gen-Details entschlüsseln lassen, indem sie in einen Plastikbehälter spucken und ihren Speichel für 400 US-Dollar genetisch analysieren lassen. 
Sowohl Brin als auch Page haben sich in Folge eines im April 2012 verkündeten Aktien-Splits mit der Mehrheit der stimmberechtigten Aktien auf langfristige Sicht ihre Entscheidungsmacht gesichert. Brin ist Präsident von Alphabet

Eric Schmidt
Von 2001 bis 2011 war Eric E. Schmidt CEO von Google. Zuvor beim Hardwareanbieter Sun Microsystems und dem Softwarehersteller Novell tätig, gilt als der Mann, der Ordnung in die anarchischen Strukturen des Unternehmens gebracht hat. Die FAZ nannte ihn in einem Artikel den „Schluß jetzt-Sager bei Google“. Er professionalisierte Google, jedoch machte das Unternehmen zu einem gewissen Grad auch bürokratischer und weniger innovativ. Schmidt pflegt zudem ein sehr gutes Verhältnis zur Obama-Administration. Er und weitere hochrangige Google-Manager spendeten für Obamas erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf mehr als 800,000 US-Dollar. Gemeinsam mit Jigsaw/Google Ideas-Chef Jared Cohen fungiert er als Außenminister des Konzerns und pflegt intensive Kontakte mit Machthabern aus aller Welt. Wikileaks-Gründer Julian Assange hat diese Verbindungen - etwa zwischen Hillary Clinton, dem US-Außenministerium und Alphabet - als eine gefährliche Form von Techno-Imperialismus kritisiert.

Geschäftsbereiche

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Googles Kerngeschäft besteht darin Werbung zu verkaufen. Mittels den Anzeigenprogrammen Adwords (für Google-Seiten) und AdSense und DoubleClick (für das Google Network aus Partnerseiten von Drittanbietern) und in Kombination mit Google Analytics, einem statistischen Tool zur Messung der Häufigkeit von Suchanfragen, werden so Suchanfragen und mit Textanzeigen, bzw. Content mit interaktiven Anzeigen verknüpft.

Zu den wichtigsten Web- und Mobilanwendungen gehören die gleichnamige Suchmaschine sowie der 2008 gestartete Webbrowser Chrome, die Karten-App Maps und der Emaildienst Gmail. Im Medienbereich verfügt das Unternehmen mit YouTube über die größte Video-Community der Welt. Hinzu kommen das Foto-Netzwerk Picasa, das 25 Millionen eingescannte Bücher umfassende Google Books, der Android-App-Store Google Play, der mehr als 1,4 Millionen kostenpflichtige und gratis Anwendungen umfasst sowie der Restaurantführer Zagat.

Neben der weiterhin unter dem Namen Google firmierenden Onlinesparte gehören zum Mutterkonzern Alphabet künftig Calico (Gesundheit), die Investment-Arme Google Ventures und Google Capital sowie die High Tech-Sparte Google X, die an der Entwicklung selbstfahrender Autos arbeitet. Bei den vielversprechendsten Unterfirmen handelt es sich um Verily (die "Life Sciences"-Abteilung, die momentan beispielsweise an intelligenten Kontaktlinsen oder Genomprojekten arbeitet), Nest (intelligente Heizungen und Rauchmeldersysteme) sowie Fiber (Alphabets Internet Service Provider, bzw. Glasfasernetz). Allesamt sind jedoch noch im "Pre-revenue"-Stadium, was bedeutet, dass noch nicht absehbar ist, wann diese Geschäftszweige tatsächlich signifikante Umsätze erwirtschaften werden. In bezug auf militärische Robotertechnologie hat Alphabet eine Kehrtwende vollzogen und seine Anteile am Hersteller Boston Dynamics im Frühjahr 2016 wieder zum Verkauf angeboten.

Engagement in Deutschland und Europa

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Deutschland
In Deutschland ist Google seit 2001 mit einem Standort in Hamburg vertreten. Derzeit existieren auch Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin. Deutschland-Chef von Google war von 2008 bis 2013 Country Sales Director Stefan Tweraser ehe er von Philip Justus beerbt wurde. Europäische Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält das Unternehmen in München, Aarhus (Dänemark), Dublin (Irland), Krakau (Polen), London (Großbritannien), Lulea (Schweden), Moskau und St. Petersburg (Russland), Trondheim (Norwegen) und Zürich (Schweiz). In München-Marienhof eröffnete Google im Herbst 2007 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Hier will Google die Bedürfnisse deutscher User analysieren, um sie für Produktentwicklungen zu nutzen. 2011 wurde in Kooperation mit der Humboldt-Universität das Berliner Forschungsinstitut für Internet und Gesellschaft ins Leben gerufen. Deutsche Chef-Lobbyistin für Google ist seit 2008 Annette Kroeber-Riel. Als "European Policy Counsel" verteidigt sie das Unternehmen in Politik, Branchenverbänden und gegenüber Verbraucherschützern. Im September 2012 wurde eine neue Lobbying- und Informationszentrale in Berlin eröffnet, der sieben Mitarbeiter angehören. Wichtigstes Projekt war in den letzten Jahren der Kampf gegen das im August 2013 in Kraft getretende Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das insbesondere von der Axel Springer AG forciert wurde. In Belgien und Frankreich konnte Google ein solches Gesetz abwenden, indem der Konzern millionschwere Fonds für die Unterstützung von Online-Journalismus einrichtete und den Verlagen bei der Web-Vermarktung hilft. In Deutschland hingegen entfernte Google jedes Onlinemedium, das sich weigerte, weiter unentgeltlich bei Google News aufzutauchen, aus dem Nachrichten-Aggregator. Die paradoxe Folge: Alle Großverlage, die das Leistungsschutzrecht gefordert und unterstützt haben, gaben kleinlaut bei und akzeptierten zunächst aus Angst vor Reichweiteverlusten zähneknirschend weiterhin kostenfrei ihre Inhalte für Google News zur Verfügung zu stellen. 2015 startete Google die 150 Millionen schwere "Digital News Initiative", um gemeinsam mit den Verlegern an neuen journalistischen Projekten zu arbeiten.

Die Digitalisierung von Büchern, die Google online zugänglich machen will, stieß bei vielen deutschen Verlagen auf Unmut. Anfang 2007 verkündete die Bayerische Staatsbibliothek überraschend, sich dem Google Buch-Projekt anzuschließen. Andere Bibliotheken halten sich in Bezug auf eine Kooperation aber bedeckt. Beschränkt wurde die Zusammenarbeit von Google und der bayrischen Staatsbibliothek allerdings auf rund eine Million Werke der Bibliothek, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist. Diese Werke werden nun kostenfrei von dem US-Privatkonzern digitalisiert und in die Google Buch-Suche integriert.

Gegenüber der Musikverwertungsgesellschaft GEMA musste Google im April 2012 eine Niederlage hinnehmen. In Folge eines jahrelangen Rechtsstreites entschied das Hamburger Landesgericht, dass YouTube künftig eine sog. "Störerhaftung" wahrnehmen müsse, die es dazu verpflichtet, sämtliche Userbeiträge auf Urheberrechstverletzungen zu überprüfen.

Europa
Der Europäische Gerichtshof entschied im Mai 2014, dass Google innerhalb Europa Ergebnisse aus seiner Suche entfernen muss, die die Privatssphäre einzelne Bürger einschränken. Ein Spanier hatte dagegen geklagt, dass sein Name in der Google-Suche in einem Zusammenhang mit einer gepfändeten Immobilie auftauchte. Der Gerichtshof etablierte damit erstmals juristisch ein "Recht auf Vergessen" in der digitalen Welt.

Im November 2014 beschloss das EU-Parlament mehrheitlich in einer nicht-bindenden Resolution Googles Europageschäft zu entflechten, bzw. zu zerschlagen. Die EU-Wettbewerbskommission ist damit unter Druck geraten, Google in den kommenden Jahren stärker zu regulieren und gegebenenfalls auch zu sanktionieren.

Aktuelle Entwicklungen

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2015 steht ganz im Zeichen der im Sommer verkündeten Umstrukturierung unter dem Dach der neuen Holding Alphabet Inc.

Trotz entgegenlautender Beteuerungen hat Google seine Transformation von einem Such- zu einem onlinebasierten Medienkonzern längst abgeschlossen. Der Algorithmus der Google-Suche wurde mittlerweile so angepasst, dass er Benutzer auf qualitativ hochwertigen medialen Content leitet anstatt auf Content-Farmen. YouTube, das einst auschließlich Amateurfilmchen beherbergte ist zu einem globalen Quasi-Kabelkanal geworden, der seine professionell hergestellten Inhalte Dritter nach Themen sortiert anbietet. Exklusive Sport-Clips, hochwertige Nachrichtenangebote und komplette Filme sind längst gratis oder gegen Bezahlung bei YouTube (YouTube Red) erhältlich. Damit bewegt sich Google auf dem klassischen Betätigungsfeld traditioneller Medienkonzerne: Bereitstellung von Inhalten für Benutzer, die durch Verkauf von Werbung monetarisiert wird.

Anfang 2013 erreichte Google einen historischen Sieg in einem jahrelangen Rechtsstreit vor der Federal Trade Commission. Die Behörde kam in einem finalen Urteil zu dem Entschluss, dass Google seine eigenen Dienste und Produkte bei der Google-Suche nicht gegenüber anderen Anbietern bevorzugt - sicherlich auch teilweise den massiven Lobbyanstrengungen geschuldet (2015 kam heraus, dass die FTC-Kommissare sich gegen die Empfehlungen der zuständigen Sachbearbeiter durchgesetzt hatten, die eindeutig wettbewerbschädigendes Verhalten von Google identifiziert hatten). Google gibt mittlerweile mehr Geld für die Beeinflussung des politischen Prozess aus als die US-Rüstungsindustrie. Die Europäische Kommission ist in einem ähnlichen Konflikt um die Anordnung der Suchergebnisse zu einem anderen Schluss gekommen: entweder Google macht freiwillig Konzessionen bei der Präsentation der Suchergebnisse oder es drohen Sanktionen. Die neue Wettbewerbskommissarin Margrethe Verstager leitete im April 2015 schließlich ein offizielles Verfahren Verfahren ein.

Während die klassischen Google-Dienste hochprofitabel operieren geraten die als langfristige moonshots angelegten Aktivititäten wie selbstfahrende Autos oder Internet-generierende Heißluftballons zunehmend unter den Druck von Investoren. Die auf kurzfristige Gewinne schielende Wall Street gibt Alphabet anscheindend nicht genug Zeit. Davon zeugt unter anderem der jüngst verkündete Verkauf der Roboter-Sparte Boston Dynamics. Aktionäre hatten gehofft, das die von Alphabet erworbenenen Robotik-Unternehmen zumindest moonshots with discipline (also Start-Ups, die zumindest mittel- oder langfristig profitabel operieren). Doch Boston Dynamics ist anscheinend weit davon entfernt, in absehbarer Zeit Umsätze, geschweige denn Gewinn abzuwerfen. Experten zufolge ist der Verkauf von Boston Dynamics der Anfang vom vollständigen Rückzug aus den Robotik und evtl. auch dem künstlichen Intelligenz-Aktivitäten des Konzerns.

Doch auch die zumindest marginal umsatzträchtigen Firmen Verily und Nest sind unter Zugzwang geraten, endlich positive Ergebnisse zu erzielen. Nest, der Hersteller smarter Thermostate hat jedoch stattdessen in letzter Zeit mit den Eskapaden seines extrovertierten CEO Tony Fadell sowie einem Exodus an Mitarbeitern Schlagzeilen gemacht. Der ehemalige Apple Manager, der für die Entwicklung des iPods verantwortlich war, hat mit seinem autoritären Führungsstil einen erheblichen Teil der Belegschaft gegen sich aufgebracht und es bisher nicht geschafft, die für 3,2 Mrd. Dollar erworbene Kamera-Firma Dropcam erfolgreich in die Nest-Produktpalette zu integrieren. Das selbe gilt auch für Verily, Googles langfristig angelegtes Projekt, moderne Medizin zu revolutionieren. Bei Verily ist es CEO Andrew Conrad der mit seiner impulsiven Art Teile der Mitarbeiter zum Gehen veranlasst hat. Die visionären Ideen von Alphabet geraten immer in Konflikt mit der Realität. Oder wie es Nest-CEO Tony Fadell ausdrückt: "Die Ära fiskalischer Disziplin überschattet alles."

Weiterführende Literatur

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  • Assange, Julian 2014: When Google Met Wikileaks. OR Books.
  • Auletta, Ken 2009: Googled: The End of the World as We Know It. London: Penguin Press.
  • Edwards, Douglas: I'm Feeling Lucky: The Confessions of Google Employee Number 59. New York: Houghton Mifflin Harcourt.
  • Girard, Bernard 2009: The Google Way: How One Company Is Revolutionizing Management As We Know it. San Francisco: No Starch Press.
  • Levy, Stephen 2011: In the Plex: How Google Thinks, Works, and Shapes our Lives. New York: Simon & Schuster
  • Jarvis, Jeff 2009: What Would Google Do?. New York: HarperBusiness.
  • Vaidhyanathan, Siva 2011: The Googlization of Everything (And Why We Should Worry). Princeton: University of California Press.
  • Vise, David A. 2008: The Google Story: Inside the Hottest Business, Media and Technology Success of Our Time. Surrey: Delta Publishing.