36. Globo Communicação e Participações S.A.
Umsatz 2009: BRL 8,400 Mrd. (€ 3,035 Mrd.)
Überblick
Globo Communicação e Participações S.A. ist mit Abstand die führende Mediengruppe Lateinamerikas. Den Grundstein der Erfolgsgeschichte legte Irineu Marinho bereits 1925 mit der Gründung der Zeitung O Globo; später kam die gleichnamige Radiostation hinzu. Unter der brasilianischen Militärdiktatur begann schließlich der Aufstieg des Imperiums, das heute Brasiliens führender Anbieter von Free- und Pay-TV-Angeboten ist und sich im Printmarkt als zweitgrößter Herausgeber von Büchern und Magazinen etabliert hat. Globo TV ist mit einer Reichweite von 99,99 % der größte Sender Brasiliens. Darüber hinaus mischt das Unternehmen kräftig im Markt für Filmproduktionen mit und hat in seinem schwer durchschaubaren Beteiligungsgeflecht ebenfalls Einfluss in der Musikindustrie. Das Konglomerat setzt sich aus mehr als 80 verschiedenen Unternehmen zusammen. Insgesamt zählen mehr als 24.000 Menschen im In- und Ausland zu seinen Angestellten. Zuletzt konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 10 Prozent steigern (2009), was vor allem auf die strategische Ausrichtung auf elektronische Medien zurückzuführen ist.
Basisdaten
Hauptsitz:
Rua Lopez Quintas 303 (Verwaltung)
Jardim Botancio
Rio de Janeiro 2460-010
Brasil
Telefon +55 21 2540 2000
Internet: http://redeglobo.globo.com und www.cdn.com.br (Investor Relations)
Branche: Fernsehen: Free- und Pay-TV – Vermarktung, Produktion, Sendestationen, Satelliten- und Kabel-TV, Internationale Rechtevermarktung, Zeitungen und Zeitschriften, Buchverlag, Radio, Kabelnetzanbieter, Satellitennetzanbieter, Internetportale
Rechtsform: Personengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01.-31.12.
Gründungsjahr: Zeitung 1925, Unternehmensgruppe 1965 (feiert in diesem Jahr 45-jähriges Bestehen)
Umsatz | Schulden | EBITDA | |
2009 | 8,4 | 1,99 | 1,5 |
2008 | 7,6 | 1,5 | 1,7 |
2007 | 6,7 | 1,2 | 1,325 |
2006 | 6,3 | 1,4 | 1,297 |
2005 | 5,6 | 2,7 | 1,355 |
Geschäftsführung
- Roberto Irineu Marinho - Präsident
- Joao Roberto Marinho - Vizepräsident
- José Roberto Marinho - Vizepräsident
- Octavio Frioli Florisbel - Generaldirektor TV Globo
- Jorge Luiz de Barros Nobrega – CEO, Direktor Mediensegmente
- Rossana Fontenele Berto - Direktor Planung und Kontrolle
- Stefan Alexander - CFO
- Brunno Cruz da Silva - Leitung Rechnungswesen
Geschichte und Profil
Die Erfolgsgeschichte der Organizações Globo ist unteilbar mit der Familiendynastie Marinho – vor allem mit dem Sohn des Gründers, Roberto Marinho – verwoben. 1925 gründet dessen Vater Irineu das Blatt O Globo. Nur drei Wochen nach der Gründung stirbt Irineu und die Verantwortung für die Zeitung geht für die kommenden fünf Jahre auf einen Freund der Familie über. 1931 übernimmt Irineus ältester Sohn die Geschäfte, die er bis zu seinem Tod 2003 nicht mehr aus der Hand geben wird.
Mitten im Zweiten Weltkrieg, als das Radio wegen der Kriegsberichterstattung an Bedeutung stark zugenommen hat, gründet Roberto Marinho 1944 die erste Radiostation des Konzerns, Rádio Globo, die 1957 auch die Konzession zur Ausstrahlung von Fernsehprogrammen erhält. Überreicht wird sie vom damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek. Böse Zungen behaupten, Kubitschek habe sich mit der Konzession für die lediglich moderate Opposition der Mediengruppe Globo während seines Wahlkampfes bedankt. Damit jedenfalls beginnt der Aufstieg des Familienunternehmens zum größten Medienkonzern Südamerikas. Zwei Dinge spielen Marinho dabei in die Karten: die Militärdiktatur und die Unterstützung der US-amerikanischen Time-Life Company.
Am 24. Juli 1962 unterschreiben Time-Life und Globo ein Joint-Venture-Abkommen. Der Vertrag verpflichtet Gobo von Sendebeginn 1965 an, 30 Prozent seines Gewinns an Time-Life abzugeben. Als Gegenleistung erhält der Sender einen Kredit über umgerechnet etwa 20 Millionen Euro sowie umfangreiche technische Unterstützung. Der Deal widerspricht der brasilianischen Verfassung, sind doch ausländische Direktinvestitionen in Medienunternehmen verboten. Doch die Regierung drückt ein Auge zu. Das Abkommen steht aber auch im Widerspruch zur Geschäftspolitik des Gründers Irineu. Er hatte scharf gegen die Beteiligung ausländischen Kapitals an brasilianischen Unternehmen gekämpft.
Am 26. April 1965 geht der erste Globo-Sender, Canal 4, on air. Mit dem Kredit im Hintergrund kann Marinho seine Expansionsideen verwirklichen. Nur ein Jahr später weiht er TV Globo São Paulo ein, dessen Station er von einem Wettbewerber gekauft hat. In den folgenden Jahren geht die Shoppingtour weiter: 1968 Kauf und Einweihung von TV Globo Belo Horizonte, Anfang der 70er Jahre geschieht das gleiche mit TV Globo Recife und TV Globo Brasília. Auf Druck der Opposition muss Globo 1968 zwar den Vertrag mit Time-Life kündigen. Der Sender wird nationalisiert, der Joint-Venture-Partner ausbezahlt. Dennoch gelingt es Roberto innerhalb von lediglich sieben Jahren, die erste nationale Senderkette zu etablieren.
Den Ausbau der Kette ermöglicht die Militärdiktatur, die großzügig die erforderlichen Sendelizenzen vergibt, um über das Vehikel Fernsehen und mit Hilfe von Roberto Marinho ein nationales Bewusstsein für eine gemeinsame brasilianische Kultur zu schaffen. Der aufstrebende Marinho erscheint den Militärs für ihre Zwecke ideal: Er ist Inhaber der führenden Tageszeitung und des nationalen Radiosenders, er unterstützt die Militärs und er führt sein Unternehmen nach neuen ökonomischen Maßstäben.
Bis zum Ende der 60er Jahre ist für die Werbeindustrie nur die Primetime von 18 bis 22 Uhr interessant. Marinho setzt hier mit einem neuen Werbesystem an: Wer zu den besten Sendezeiten Werbung ausstrahlen will, muss auch Werbeminuten zu den ungeliebten Zeiten kaufen – die Konkurrenz hält am alten Konzept fest. Als erster Sender Brasiliens richtet sich TV Globo nach den Tagesabläufen und Gewohnheiten seiner Zuschauer. Das wird durch eine enge Bindung der Konsumenten belohnt, die sich verstanden fühlen, weil auf ihre Wünsche eingegangen wird. Ein Konzept, das bis heute bei Globo funktioniert – so zum Beispiel bei der Zeitung Extra.
1995 erschafft Marinho mit der Einweihung von Projac (Projeto Jacarepaguá) das größte TV- und Film Produktionszentrum Lateinamerikas. Auf 1,6 Millionen Quadratmetern stehen zehn Studios, sieben Produktionseinheiten und die neueste Digitaltechnik zur Verfügung. Gedacht dazu, das schlechte Image aus den Jahren der Militärdiktatur aufzupolieren, geschieht genau das Gegenteil. Vorwürfe werden laut, der Bau sei illegal gewesen, da er mit Subventionen der Regierung unterstützt wurde.
In den letzten Jahren vor seinem Tod lebt Roberto Marinho mehr und mehr in der Vergangenheit. Offiziell ist er weiterhin Präsident des Globo-Imperiums, in Interviews und Gesprächen spricht er allerdings immer häufiger ausschließlich von O Globo, der Zeitung, die sein Vater einst gründete. Als der Firmenpatriarch 2003 stirbt, übernimmt sein Sohn Roberto Irineu die Zügel. Er forciert die Ausrichtung des Unternehmens auf digitale Geschäftsfelder. Bei der Bilanzpressekonferenz 2009 verkündete der Enkel des Gründers stolz, dass das Unternehmen den digitalen Markt nicht nur zur Entwicklung neuer Technologien nutze, sondern auch neue Formate erfinde, um dem Leser zu jeder Zeit einen besseren Zugang zu seiner Tageszeitung und der Öffentlichkeit eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen. „Wir sind heute die erste Wahl im Internet für alle, die in Brasilien nach journalistischen Inhalten suchen.“
Dies alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Organizações Globo aus Sicht der Konsumenten immer noch der Makel anhaftet, mit der Militärdiktatur paktiert und tendenziösen Journalismus betrieben zu haben. Auch ist den Menschen noch gut im Gedächtnis, dass sich die Globo-Gruppe Anfang der 80er Jahre, als der Prozess der Re-Demokratisierung Brasiliens sich zusehends beschleunigte, nicht von ihrer politischen Linie abbringen ließ und weiterhin die Diktatur unterstützte. Slogans wie „Das Volk ist nicht dumm, nieder mit dem Rede Globo“ (O povo não é bobo, abaixo a Rede Globo) haben ihren Weg aus den 80er Jahren ins neue Jahrtausend gefunden. Eine Studie aus dem Jahr 2009 belegt: Die Brasilianer stehen Globo nach wie vor kritisch gegenüber. Sowohl die Affäre um den Time-Life-Deal als auch die klare Bevorzugung Globos zu Zeiten der Militärdiktatur lassen die Konsumenten vermuten, dass die Erzeugnisse von Globo ihr Fähnchen nach dem politischen Wind drehen, wenn es gerade günstig erscheint. Belege für diese These liefert ihnen gegenwärtig auch die Tageszeitung O Globo. So hatte sich das Blatt entschieden gegen den damaligen Präsidentschaftskandidaten Inacio Lula da Silva bei dessen erster Kandidatur 1989 ausgesprochen und stattdessen den Gegenkandidaten Fernando Collor unterstützt. Die Führungsetage bei Globo sah Lula als „zu sehr limitiert, um wichtige Exekutivfunktionen zu erfüllen.“ Collor gewann. Erst 2002 schafft Lula den Wahlsieg. Nach zwei Legislaturperioden scheidet Lula nun im Herbst 2010 aus dem Amt – er und Globo sind über die Zeit zu dicken Freunden geworden.
Management
Der Gründer:
Irineu Marinho Coelho de Barros (*19.07.1876 - 21.08.1925)
Schon während der Schulzeit ist Irineu, der aus wohlsituierten Verhältnissen stammt, als Journalist, Publizist und Herausgeber aktiv. So gründet er bereits 1891 die beiden Schulzeitschriften A Pena und O Ensaio und arbeitet regelmäßig als Autor für die Zeitschrift O Fluminense. Nach seinem Umzug vom Rio-Vorort Nitéroi in die Stadt lernt er beim populären Diário de Notícias das Zeitungsgeschäft von der Pike auf. Er beginnt dort als Reporter, arbeitet sich bis zum Chefredakteur empor. Mit seiner Frau Francisca, die er 1903 heiratet, setzt er sechs Kinder in die Welt. Irineu arbeitet bei der angesehen Tagesszeitung A Notícia und wird 1911 Teilhaber der neu gegründeten ersten Abendzeitung Rios, der A Noite.
Mehr und mehr macht Irineu als Verteidiger nationaler Interessen auf sich aufmerksam und wird zum starken Kritiker des Kolonialismus und des Imperialismus. Er schießt sich vor allem auf die in Brasilien agierenden internationalen Großkonzerne ein. So ist ihm beispielsweise die Brasil Railway Co., die mehrheitlich in der Hand eines amerikanischen Investors ist, ein Dorn im Auge. Die ständigen Attacken gegen das Unternehmen und die ablehnende Haltung gegenüber ausländischen Investitionen führt letztendlich dazu, dass er 1924 während einer Europareise durch einen Finanztrick von seinem Gegner und Mitinhaber Geraldo Rocha als Minderheitsaktionär aus A Noite herausgedrängt wird – Rocha sympathisiert mit der Brasil Railway Company.
1925 gründet Irineu daraufhin seine eigene Zeitung, O Globo, dessen erste Ausgabe am 29. Juli mit einer Auflage von zunächst knapp 33.500 Exemplaren erscheint. Damit legt er den Grundstein für das heutige Globo-Imperium. Nur drei Wochen nach der Gründung der Zeitung erleidet Irineu einen tödlichen Herzinfarkt. Bis sein ältester Sohn Roberto in seine Fußstapfen treten kann, übernimmt auf Anraten der Mutter Francisca der Journalist Euricles de Matos den Posten des Chefredakteurs.
Jahre des Aufbaus:
Roberto Pisani Marinho (*3. Dezember 1904 - 06.08.2003)
Der Sohn Irineus hat die Gründungsphase von O Globo miterlebt, fühlt sich mit 21 Jahren zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters den Aufgaben eines Chefredakteurs jedoch noch nicht gewachsen. Vielmehr entscheidet er sich – auch auf Anraten der Mutter Francisca –, als rechte Hand des Interimsgeschäftsführers und Chefredakteurs Euricles de Matos zu fungieren. In dieser Position lernt er alle Facetten des Zeitungsgeschäfts kennen und übernimmt 1931, fünf Jahre nach dem Tode de Matos die Leitung des Blattes. Die Brüder Ricardo und Rogério werden ebenfalls im Unternehmen eingesetzt, jedoch ist in der Familie klar geregelt, dass die Erbrangfolge den Ältesten begünstigt.
Und Roberto nutzt diese Chance. Kein anderer Brasilianer hat im 20. Jahrhundert wohl so viel Macht ausgeübt wie der Journalist und Unternehmer Roberto Marinho. Er führt und entwickelt das Unternehmen zum größten Medien- und Unterhaltungskonglomerat des Landes. In sieben Jahrzehnten häuft er ein privates Vermögen von rund einer Milliarde US-Dollar an, Forbes führt ihn als einen der reichsten Männer der Welt.
Der Chef des Globo-Konzerns wird zu einer wichtigen Person des öffentlichen Lebens, er positioniert sich als Gönner von Kunstprojekten und gilt als frenetischer Sportfan. Bis ins hohe Alter nimmt er an Reitturnieren teil und ist mit der Harpune unter Wasser auf Großfischjagd. Zahlreiche Preise werden ihm verliehen (unter anderem der Emmy 1983), genauso wie die Ehrendoktorwürde verschiedener Universitäten. 1993 wird er in die brasilianische Academia de Letras gewählt, der Hüterin der brasilianischen Sprache und Kultur. 1977 gründet er die Stiftung Roberto Marinho, die keine monetären Ziele verfolgt, sondern sich für den Erhalt der Kultur und Umwelt in Brasilien einsetzt. Die Stiftung finanziert unter anderem die Restaurierung der Jesusstatue (Cristo Redentor) und der Nationalbibliothek, die Renaturierung des Botanischen Gartens in Rio und des Ibirapuera-Parks in Sao Paulo.
1946 heiratete Roberto Sellat Goulart, mit der er vier Söhne zeugt. Der älteste von ihnen, Roberto Irineu, führt heute das Familienimperium. Roberto senior heiratete noch zwei weitere Male und hinterlässt bei seinem Tod, knapp hundert Jahre alt, zwölf Enkel und sechs Urenkel.
Übergang ins moderne Zeitalter
Roberto Irineu Marinho (*13. Oktober 1947)
Wie schon sein Vater und auch sein Großvater lernt auch der neue Chef des Imperiums das Handwerk mit Fleiß, Ausdauer und von allen seinen Seiten kennen. Er beginnt 1963 im Kon-zern als Setzerlehrling, wird später Reporter und erhält, als sein Vater die Zeit für reif befindet, 1971 einen Direktorenposten. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern studiert er jedoch vor Antritt des Familienerbes BWL an der renommierten Fundação Getúlio Vargas. Es folgt ein Posten als Vizepräsident von Globo TV, dann wird er Vizepräsident der ganzen Organisation. Seit 1998 sitzt er in der Geschäftsführung und hält wohl in den letzten Jahren des Lebens seines Vaters mehr und mehr die Zügel in der Hand. Den Posten des Präsidenten übernimmt er jedoch erst offiziell, nachdem sein Vater 2003 gestorben ist. In der Pressemitteilung zur Übernahme nimmt sich der neue Präsident, der von seinen beiden Brüdern an der Spitze unterstützt wird, einiges vor: „Unsere Verpflichtung ist es, das Werk Robert Marinhos zu erweitern und das brasilianische Volk zu informieren, zu unterhalten und zu bilden. Wir tun dies, weil es wichtig ist für unsere gesamte Gesellschaft aber auch, weil wir ihn auf diesem Wege lebendig halten.“ Gleichzeitig mit der Übernahme durch Roberto Irineu wird auch bestätigt, dass seine beiden Brüder João Roberto (für Internationale Beziehungen) und José Robert (für Soziales und die Stiftung Roberto Marinho) dauerhaft zuständig sind. Der dritte Marinho an der Spitze des Unternehmens hat drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn.
Geschäftsfelder
Fernsehen
Öffentliches Fernsehen
Das öffentliche TV-Netz der Organizações Globo firmiert unter dem Namen Rede Globo und ist, nach eigenen Angaben, sowohl die größte Station Lateinamerikas als auch die viertgröß-te Sendergruppe der Welt. Gegründet 1964, on air seit 1965, feiert die Gruppe 2010 mit viel Pomp und Getöse ihr 45-jähriges Bestehen und verweist nicht ohne Stolz darauf, dass täglich 120 Millionen Zuschauer die Programme von Rede Globo verfolgen. Das Netzwerk verfügt über 122 eigene oder verbundene Sender in ganz Brasilien, die portugiesisch-sprechende Gemeinde im Ausland wird über die Programme von TV Globo Internacional versorgt.
„Im Jahr 2009 haben wir etwa 11.000 Stunden Inhalt für unsere nationalen Sender produziert. Wir beschäftigen um die 12.000 Mitarbeiter bei Rede Globo und arbeiten mit 130 freien Produzenten in Brasilien zusammen. Wir glauben, dass nur finanziell gesunde Unternehmen Innovationen treiben, Qualitätsprodukte produzieren und die journalistische Unabhängigkeit garantieren können. Wir wissen, dass Länder, die nicht über starke Kommunikationsunternehmen verfügen, das Risiko eingehen müssen, zu passiven Konsumenten von im Ausland produzierten Inhalten zu werden“, sagt Inhaber Marinho bei der Vorstellung der aktuellen Bilanz und weist damit darauf hin, dass auch Globo selbst auf kräftigem Expansionskurs ist. (siehe TV Globo Internacional).
Das Geschäft von Rede Globo wird hauptsächlich von drei Sparten bestimmt: Nachrichten, Telenovelas und Sport. Das abendliche Jornal Nacional ist in Brasilien so etwas wie das deutsche Heute-Journal, nur deutlich reißerischer. Es wurde als erste nationale Nachrichten-sendung am 1. September 1969 ins Leben gerufen und informiert die Zuschauer zwischen 30 und 45 Minuten lang über aktuelle Ereignisse, wobei häufig Verkehrsunfälle, Morde oder Nachrichten über Stars und Sternchen das meiste Gewicht bekommen. In der Wahlperiode wird die Dauer von 30 Minuten strikt eingehalten, damit in der Folge das politische Programm nicht zu kurz kommt.
Brasilianer sind nicht nur sportbegeistert, sie sind sportfanatisch, speziell, wenn es um die Übertragung von Spielen der Seleccão (der brasilianischen Fußballnationalmannschaft) oder der großen Clubs (Flamenco oder Fluminense) geht. Während der Spielzeiten der 1. Liga mittwochs und samstags sind die Straßen meist leergefegt. Seit etwa 20 Jahren hat Rede Globo ein Abonnement auf die Übertragungsrechte der meisten brasilianischen Fußball-Großereignisse. Seit der Saison 09/10 hat sich das Netzwerk auch die Rechte an der UEFA Champions League sowie an den Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und natürlich auch an der Heim-WM 2014 gesichert. Auch bei der Formel 1 und den Olympischen Spielen lässt Globo seinen Mitbewerbern keinen Spielraum, wobei für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro auch das Netz Rede Bandeirantes Zuschläge bekam.
Besonders wichtig sind zudem die überaus beliebten Telenovelas. Mit viel Herzschmerz, Drama und Romantik werden allabendlich vor einer traumhaften – meist lokalen – Kulisse die Zuschauer gefesselt. Das geht bisweilen so weit, dass sogar der Beginn von Fußballspielen verlegt werden muss, wenn es in der Telenovela gerade heiß hergeht. Mehr als 70 Novelas hat Rede Globo an seinen Produktionsstandorten Rio de Janeiro und Sao Paulo bereits produziert. Der letzte Exportschlager heißt Caminho das Índias und wurde in zahlreiche Länder verkauft (siehe Aktuelle Entwicklungen). Mittlerweile arbeitet Rede Globo für die Produktion seiner Telenovelas auch mit Marketinginstituten zusammen, löst doch beispielsweise die Strumpfhose oder Handtasche einer der Hauptdarstellerinnen bisweilen eine regelrechte Kaufhysterie aus. Der massive Erfolg der Novelas liegt wohl auch darin be-gründet, dass sich viele der brasilianischen Zuschauer – trotz der großen kulturellen Unterschiede in dem riesigen Land – sehr gut mit den Hauptdarstellern und dem Lieben, Leiden, Hassen und Versöhnen der Figuren identifizieren können.
TV Globo Internacional (TVGI) richtet sich an Exilbrasilianer und das portugiesischsprachige Publikum außerhalb Brasiliens. Bislang sind etwa 10 Prozent der 5,5 Millionen Menschen umfassenden Zielgruppe feste Abonnenten (u.a. Angola 175.000, USA 100.000, Portugal 30.000, Japan 25.000). 2010 feiert der Kanal sein zehnjähriges Bestehen und kann einige weitreichende Erfolge verbuchen. So nimmt der US-Anbieter Verizon das Programm in sein Pay-TV-Paket mit auf. Konkret bedeutet das für TV Globo Internacional, dass in Zukunft 53 Kabelanbieter in 115 Ländern die Sendungen aus Brasilien anbieten können. Darüber hinaus wird der Service für Afrika erweitert. Bislang werden Zuschauer in Moçambique oder Angola mit den gleichen Inhalten versorgt wie die Zuschauer in Portugal. Nicht zuletzt wegen des großen Einflusses der Werbeeinahmen – das Auslandsnetzwerk erzielt 20 % seiner Einkünf-te in diesem Segment – soll sich das in Zukunft ändern. Afrika bekommt ein – vor allem auf Angolas Bedürfnisse zugeschnittenes – Programm mit eigens dafür produzierten Inhalten und dem neuen Format A Revista África.
Kabelfernsehen und Pay-TV
Der Globo-eigene Anbieter NET ist der größte Lieferant von Breitbandanschlüssen des Lan-des. Über ein einziges Kabel versorgt er Abonnenten mit Kabelfernsehen, Breitbandinternetanschluss und Telefon. Mit etwa vier Millionen Kabelfernseh-Abonnenten hat NET einen Marktanteil von etwa 50 Prozent; beim Breitbandinternet liegt der Anteil bei knapp 40 Pro-zent.
Der populärste und größte Pay-TV-Kanal Lateinamerikas ist eine 100-prozentige Tochter der Organisações Globo. Gegründet im Jahr 1991, begann Globosat seinen Siegeszug zunächst im brasilianischen, später im ganzen lateinamerikanischen Markt. Heute besteht der Sender aus 27 Kanälen auf denen Shows wie Big Brother, playboy TV oder Sportsendungen gezeigt werden. Der neueste Schlager soll ein Kanal speziell für die Frau werden, Viva. In einer Umfrage unter Werbetreibenden landeten auf den ersten vier Plätzen der beliebtesten Kanäle vier Sender von Globosat.
Radio
Generell ist Radio in Lateinamerika weit weniger wichtig als Fernsehen oder Zeitungen und Zeitschriften. Unter der Firmierung Sistema Globo de Rádio (SGR) verfügen die Organi-sações Globo gleichwohl über acht eigene Radiostationen und zahlreiche weitere, landesweite Beteiligungen. Als wichtigste Sendestationen sind der Gründungssender Rádio Globo mit Sitz in Rio de Janeiro und CBN mit Sitz in Sao Paulo zu nennen. Beide Sender werden in mehr als 30 Städten des Landes empfangen. Mit dem Slogan von CBN will die Gruppe ganz klare Prioritäten im Nachrichtengeschäft setzen: „Das Radio, das Nachrichten spielt“. Rádio Globo hingegen legt seinen Schwerpunkt auf leichte Unterhaltung: „Viel Liebe hineingesteckt!“ lautet hier der Slogan, die Inhalte sind geprägt von populären Themen, Lokalnews, Kochrezepten, Horoskopen oder Star-und-Sternchen-Nachrichten. Auch im Web ist SGR mit Globo FM SporTV, GNT und weiteren 40 Themensendern vertreten. Sie alle finden sich auf dem Portal Globoradio.com wieder und können sowohl über online Livestreams als auch auf dem nationalen Territorium über das Handy gehört werden.
Zeitungen
Unter Infoglobo subsumiert der Konzern seine Aktivitäten im brasilianischen Zeitungsmarkt. Obwohl von vielen Quellen als das erste Produkt des Konzerns genannt, gehörte die Abendzeitung A Noite nie zum Besitz des Konzerns. Vielmehr war Gründungsvater Irineu Marinho kurze Zeit an dem Blatt beteiligt, bevor er 1925 mit O Globo das Print-Flagschiff des Kon-zerns ins Leben rief.
O Globo
Zunächst ebenfalls als Abendzeitung konzipiert, wurde O Globo im Jahr 1962 zur Tageszei-tung. Das Blatt, mit einer durchschnittlichen täglichen Auflage von 260.000 Exemplaren, ist zusammen mit der Folha de Sao Paulo (2009: durchschnittlich 296.000 Exemplare täglich) das auflagenstärkste überregionale Brasiliens. Ein ständiger Wettkampf besteht zwischen den beiden Blättern um die Sonntagsedition, wobei genaue Zahlen nicht veröffentlicht wer-den. Die Blattlinie, offiziell als liberal ausgegeben, ist eher rechts der Mitte anzusiedeln. Ein großer Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf den Lokalthemen, was bei einer Millionenmetropole wie Rio de Janeiro – Sitz des Blattes – auch nicht verwundert. Wie in allen brasilianischen Medien kommt die Auslandsberichterstattung sehr kurz daher. Die Sprache von O Globo ist volksnah und eher einfach gehalten (im Gegensatz zur Folha, die wohl am ehesten mit der Frankfurter Allgemeinen vergleichbar ist). Nach eigenen Angaben ist O Globo marktführend in den sozialen Klassen A und B (höchstes Bildungs- und Einkommensniveau, repräsentiert weniger als 10 Prozent der brasilianischen Bevölkerung. Die Sozialstrukturen aller Länder Lateinamerikas sind in dieses Klassensystem A-E unterteilt, vgl. mit dem deutschen System Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht.) und hat sich neben der Informationspflicht auch die Unterstützung von Kultur- und Bildungsprojekten auf die Fahne geschrieben. Das Blatt war das erste in Lateinamerika, dass seine Inhalte über das E-Book von Kindle zur Verfügung stellte. Damit wurde es dem eigenen Anspruch gerecht, nicht nur auf Papier zu informieren, sondern eine multiple Plattform für Nachrichten und Informationen zu schaffen, die mobil und interaktiv abgerufen werden können.
Extra
Die Zeitung Extra begann ihre Geschichte 1998 mit einer Promotion-Aktion: Die Bevölkerung Rios wurde dazu aufgerufen, einen neuen Namen für eine Zeitung zu finden. Damit bewies Infoglobo, wie wichtig die frühzeitige Einbindung von Lesern für eine stabile Leser-Blatt-Bindung ist. Bis heute ist dies das Konzept von Extra geblieben: Die Meinungen, Vorschläge und Anmerkungen der Leser sind mehr als willkommen und werden ernst genommen. Extra gibt dem Leser ein gedrucktes Forum. Um auch die niedrigeren sozialen Klassen zu erreichen, ist Extra preislich mit 0,50 Reais im Billigsegment positioniert, bedient sich einer sehr einfachen Sprache und fokussiert sich auf regionale Nachrichten und die alltäglichen Prob-leme seiner Leser. Die Verkaufszahlen geben dem Konzept recht: Innerhalb kurzer Zeit wurde Extra zum meistverkauften Titel an den Zeitungskiosken. 2009 lag die tägliche Auflage bei 262.000 Exemplaren.
Expresso
Mit einer sehr einfachen, leicht zu verstehenden und schnellen Sprache wirbt der Expresso seit 2006 an den Kiosken um die Gunst der Leser aus den sozialen Klassen C und D. Die Zeitung wird im Tabloid-Format herausgegeben und ist eher reißerisch. Sie wurde von Info-globo als Konkurrenzprodukt zur Meia Hora der O-Dia-Gruppe positioniert und zirkuliert lediglich im Großraum Rio de Janeiro. Da sie vor allem an die Zielgruppe der Pendler gerichtet ist, die täglich eingepfercht in den öffentlichen Verkehrsmitteln von Rio die mehrstündige Anreise zu ihren Arbeitsstellen antreten muss, erscheint sie nicht am Wochenende. Die tägliche Auflage lässt jedoch mit 63.000 Exemplaren (2009) noch zu wünschen übrig.
Valor Econômico
Als Joint-Venture zwischen den Verlagshäusern Globo und Folha de Sao Paulo im Mai 2000 gegründet, entwickelte sich der Valor Econômico schnell zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsblätter Brasiliens. Obwohl das Blatt mehrere internationale Preise für Design und Sprache gewann, musste auch hier während der Krise der Gürtel enger geschnallt werden.
Agência O Globo
Die hauseigene Nachrichtenagentur produziert, formatiert und distribuiert Informationen für brasilianische Journalisten und internationale Nachrichtenagenturen. Gemeinsam mit dem Service von „Tempo Real“ und der Internetseite von O Globo verteilt die Agentur etwa 500 verschiedene Texte und einige Hundert Bilder täglich. In der eigenen Bilderdatenbank wird die Geschichte von mehr als 80 Jahren Globo aufbewahrt.
Zeitschriften und Bücher
Unter dem Namen Livraria do Globo entstand 1883 in Porto Alegre zunächst ein kleiner Buchhandel, der von den beiden Teilhabern Laudelino de Barcellos und Saturnino Pinto geführt wurde. Mit den Jahren entwickelte sich aus dem kleine Geschäft ein Treffpunkt für Intellektuelle, der Almanach do Globo erlangte landesweite Aufmerksamkeit. Wegen Erbfolgestreitigkeiten und fehlenden Kapitals wurde das Unternehmen 1986 an Rio Gráfica Editora verkauft, dessen Besitzer Roberto Marinho war. Seither existiert das Unernehmen nur noch unter dem Namen Editoria Globo. Unter dieser Firmierung laufen seither alle Zeitschriftentitel des Unternehmens: Auto Esporte, Casa e Jardim, Crescer, Criativa, Época, Época Negócios, Galileu, Globo Rural, Marie Claire, Pequenas Empresas e Grandes Negócios, Quem, Casa e Comida, Revista do Globo, Monet. Innerhalb der Editoria Globo kümmert sich das Unternehmen unter dem Titel Globo Livros um das Buchgeschäft. Da in Brasilien generell wenig gelesen wird und Bücher verhältnismäßig teuer sind, ist das Buchgeschäft für Globo lediglich ein Teilbereich, in dem man als großes Medienunternehmen präsent zu sein hat. Die Überlegungen sind nicht umsatz- sondern eher taktikgetrieben. Eine Studie aus dem Jahr 2004 stellt fest, dass es in ganz Brasilien lediglich 1.500 Buchläden gibt. Im Jahr 2002 verkauften sich in dem Land mit ca. 180 Millionen Einwohnern lediglich 345 Millionen Bücher. Zum Vergleich: 120 Millionen Japaner kauften im gleichen Zeitraum 1,4 Milliarden Bücher.
Internet
Im August 2009 veröffentlichte das Ibope Nielsen Institut erstmals für Brasilien ein Ranking der beliebtesten Internetportale. Demnach nutzen in jenem Sommer 65,8 Millionen Brasilianer über 16 Jahren das Internet (zu Hause, bei der Arbeit, in öffentlichen Einrichtungen). 46,7 Millionen Menschen nutzen das Netz von einem eigenen Computer zu Hause oder bei der Arbeit. Im Nielsen Ranking (bezogen auf Nutzer mit eigenem oder Arbeitsplatzcomputer und exklusive Heavy User) landete Globo mit 22,918 Unique Page Impressions auf Platz 6. Die Liste wurde angeführt von Google mit 34,137 UPIs und dem in Brasilien für die Jugendlichen quasi lebensnotwendigen sozialen Netzwerk Orkut mit 27,893 UPIs. Globo konnte sich damit noch vor Youtube (22,434 UPIs), Yahoo (21,781 UPIs) und Blogger (19,134 UPIs) positionieren.
Die Globo-Gruppe entschied sich im Jahr 2000, ihr Portal Globo.com online zu bringen. Dort wird die Integration aller Mediensparten vorangetrieben, das Portal dient als Tür in die bunte und vor allem riesige Welt des Globo-Konzerns. Jedes eigene Produkt ist hier repräsentiert, durch einen Klick kann der Besucher sofort zur korrespondierenden Website verbunden werden und findet sich auf den Seiten des Auftritts des jeweiligen Mediums wieder.
Der Aufbau der globo.com Seite beruht auf den vier Pfeilern Nachrichten, Sport, Unterhaltung und Videos. Im Nachrichtenbereich hat Globo durch die Gründung des Portals G1 eine Seite geschaffen, die inhaltlich 24 Stunden am Tag mit News gefüttert wird. Bei G1 wird viel Wert auf Aktualität und Schnelligkeit gelegt, es ist das Aushängeschild des Konzerns für den seriösen und vor allem schnellen Nachrichtenjournalismus. Die Seite lebt neben ihrer Schnelligkeit auch von ihren multimedialen Inhalten. Unter der Rubrik Videos sind zu zahlreichen Nachrichtenthemen in kurzer Zeit bewegte Bilder zu finden.
Außerdem findet sich auf globo.com auch der Link zum Online-Portal der Zeitung O Globo. Im Vergleich zu G1 kommt der Onlineauftritt des Printproduktes optisch etwas altbacken da-her, obwohl zum zehnjährigen Bestehen 2006 ein kompletter Seitenrelaunch vorgenommen wurde. Auch hier wurde dem Leser mehr Platz eingeräumt, die Idee des partizipativen Journalismus drängt sich auch ins seriöser gehalten Blatt O Globo. Die Seite zählt 2,5 Millionen registrierte Benutzer, im täglichen Durchschnitt wird sie von 350.000 Lesern besucht. Der Konzern drängt mit allen Mitteln darauf, auch online Geld zu verdienen und trifft seine Vorbereitungen. Viele der älteren Nachrichtentexte und Reportagen können nur als Teaser gelesen werden, danach ist eine – bislang noch kostenfreie – Registrierung notwendig.
Eine der erfolgreichsten Einzelproduktseiten ist der Online-Auftritt der populären Zeitung Extra. Unter www.extra.globo.com finden sich täglich laut GoogleAnalytics (Stand: September 2009) 5,7 Millionen Leser ein. Mit 21,4 Millionen täglichen Page Impressions liegt Extra damit unter den drei meistbesuchten Onlinezeitungsseiten des Landes.
Neben dem reinen Nachrichten und Unterhaltungsgeschäft, versucht der Konzern seit dem Jahr 2000, seine breite Merchandise- und Markenpalette an den Konsumenten zu bringen. Auf der Seite globomarcas.com.br stehen DVD- und CD-Kollektionen genauso bereit wie Bücher zur Serie oder Modeschmuck und Schuhe. Nach eigenen Auskünften hält die Seite 1700 Produkte zur Auswahl bereit. Seit 2003 expandiert Globomarcas auch ins Ausland, damit „nicht nur der Fernsehzuschauer in Brasilien dem Universum von Rede Globo näher sein kann“.
Tonstudios
Die Studios von Som Livre wurden 1969 mit dem Ziel gegründet, die Titelmelodien der Telenovelas zu entwickeln, aufzunehmen und zu vermarkten. Doch selbst bei der strammen Produktionsgeschwindigkeit der Seifenopern waren die Studios mit dieser Aufgabe nicht ausgelastet. So wurden nach und nach Aufnahmen und ganze Kollektionen vor allem nationaler Künstler, später auch internationaler Bands und Sänger auf den Markt gebracht. Derzeit sind die Studios von Som Livre eine 100-prozentige Tochter von TV Globo und dienen, auch im Internet, als Kanal für die Vermarktung von DVDs und CDs, genauso wie dem elektronischen Vertrieb von Musik und Handyklingeltönen. Mit einer Produktionskapazität von 80 Neuerscheinungen jährlich arbeitet das Studio exklusiv für den Globo-Konzern.
Filmproduktion
Seit 1998 ist der Globo-Konzern mit seiner Tochterfirma Globo Filmes auch im Markt für Filmproduktion tätig. Hauptunternehmenszweck ist „die Produktion von qualitativ hochwertigen, künstlerisch anspruchsvollen Filmen“, die die „nationale Kultur fördern, die audiovisuelle Industrie Brasiliens stärken, neue Talente anziehen und die Synergien zwischen Kino und Fernsehen erhöhen.“ Bislang hat Globo Filmes mehr als 90 Filme produziert, die 90 Millionen Besucher in die Kinosäle zogen. Dieser Unternehmenszweig der Globo-Gruppe hat sich ausdrücklich nicht dem Profit, sondern der Kulturförderung verschrieben. Mit relativ großem Erfolg: Lag der Anteil der Zuschauer, die sich im Kino brasilianische Filme anschauten, im Jahr 1993 noch bei 0,1 Prozent (45.500 Zuschauer), sahen sich zehn Jahre später mehr als 22 Millionen Menschen (21 Prozent) brasilianische Produktionen an. Große Erfolge feierten die Filme „Se Eu Fosse Você – Wenn ich du wäre“ und der Favelafilm „Cidade de Deus – Stadt der Götter“, der vier Nominierungen für den Oscar bekam.
Aktuelle Entwicklungen
Markt
Die Unternehmensberatung Ernst&Young sorgt für Unruhe im Globo-Lager: In einer Studie über die Emerging Markets Brasilien, Indien, Russland und China macht sie ausländische Investoren auf die Einstiegsmöglichkeiten aufmerksam. In der Studie wird vor allem auf das Potential des Fernsehens und der Mobilfunkplattformen hingewiesen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die globalen Medienunternehmen bislang wenig tun, um die Marktlücken zu füllen. Obwohl die genannten Länder 40 Prozent der ökonomisch aktiven Bevölkerung stellen, erzielen die großen Mediengruppen lediglich 10 Prozent ihrer Einnahmen in diesen Märkten. Gerade Brasilien wird laut Studie mit der Erschließung durch Breitbandanschlüsse und einer Verschiebung von frei zugänglichem Fernsehen hin zu Abo-TV für die großen globalen Medienkonzerne deutlich attraktiver.
Bei der Eröffnung des ABTA-Kongresses am 10. August 2010, der größten Zusammenkunft von Kabel-, Direct-to-Home-, elektronischen Medien- und Telekom-Anbietern Lateinamerikas, spricht Roberto Irineu Marinho klare Worte. Die Präsenz von ausländischen Medienunternehmen im Land betrachte er mit Stirnrunzeln und kritisiere sie. Die brasilianische Verfassung sei in diesem Punkt klar und deutlich. Paragraph 222 bestimme, dass journalistisch tätige Unternehmen mehrheitlich brasilianisch kontrolliert sein müssen. „Das bezieht sich auch auf Internet- oder Fernsehunternehmen: Sobald die Firma einen journalistischen Zweck verfolgt und an die brasilianische Öffentlichkeit gerichtet ist, kann sie nicht vor der Verfassung flüchten“, sagte Marinho.
Im März 2010 unterzeichnen Roberto Irineu Marinho und der amtierende Gouverneur von Sao Paulo und Präsidentschaftskandidat José Serra ein Abkommen über die Gründung der Journalistenschule Roberto Marinho. Ab 2011 sollen 240 junge Menschen in den Studiengängen Multimedia und Audio- und Videoproduktion ausgebildet werden.
Im Mai 2010 schließt die Globo-Gruppe erfolgreich die Vertragsverhandlungen mit Paramount Pictures und Twentieth Century Fox ab. Bis jeweils 2015 bzw. 2012 liegen die Exklusivrechte in Brasilien für Produktionen dieser Häuser bei Globo. Dies schließt auch die Animationsfilme aus dem Hause DreamWorks wie „Shrek für immer“ mit ein.
Neue Technologien
Globo setzt auf den Vertrieb von Inhalten über multiple Plattformen.
Im Bereich der Mobilfunkplattformen baut die Globo-Gruppe vor. So steht eine Applikation im Raum, die in Zukunft Fernsehinhalte leichter auf mobile Endgeräte übertragen soll und vor allem die Beteiligung und Interaktion mit den Zuschauern vereinfacht. Bei der kommenden brasilianischen Big Brother Staffel sollen die Hausbewohner nicht mehr per SMS abgewählt werden, sondern mittels eines simplen Klicks auf das Foto des jeweiligen Kandidaten aus dem Haus fliegen. Benchmark ist laut Raymundo Barros, Technologiedirektor der Sendergruppe, der japanische Markt. Dort werden bereits 80 Millionen mobile Endgeräte verwendet, die die neue Applikation verarbeiten können. „Bis zur Fußballweltmeisterschaft 2014 wollen wir 30 Millionen solcher Endgeräte im Markt haben“, sagte Barros.
Seit Oktober 2009 zeigt das Fernsehnetzwerk in 300 Autobussen der Kette BusMídia in São Paulo sechsminütige Zusammenschnitte beliebter Serien und Telenovelas. Es gäbe darüber hinaus Expansionspläne, sagt Jorge Rosa, Promotiondirektor für Multimediainhalte von Rede Globo. Die Sendergruppe stattet demnach 30 Busse mit Full TV digital aus, um die Übertragung von Livesendungen zu testen. Da die Übertragung von Ton in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Wirtschaftsmetropole verboten ist, wird auch die gleichzeitige Übertragung des Tons auf mobile Endgeräte getestet.
In einem Testlauf überträgt Globo zum ersten Mal den Karneval 2010 aus dem Sambódromo in Rio de Janeiro in 3D. Gleichzeitig wird über das Internetportal G1 per Zuschauervoting zum ersten Mal der Publikumspreis „Troféu Globeleza“ in fünf Kategorien vergeben.
Expansion
Gemeinsam mit der RBS-Gruppe gründet Globo Communicação e Participações S.A. die Geo S.A. Die Neugründung soll sich um Promotion, Produktion und Realisierung von Sportereignissen, Unterhaltungs- und Bildungsevents, Messen und Kundengroßveranstaltungen kümmern. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 240 Millionen R$, Globo wird 60 Prozent am Unternehmen halten. Sitz des Unternehmens ist São Paulo.
Telenovelas
Die Erfolgsserie „Caminho das Índias“ gewinnt bei den 37. Emmy Awards 2010 den Preis für die beste Telenovela. Es ist bereits der vierte Emmy für Globo nach den Erfolgen 1981, 1982 und 1983. Außerhalb Brasiliens wird die für 50 Millionen US-Dollar produzierte Serie zum ersten Mal in Rumänien ausgestrahlt. Im April 2010 meldet der Direktor für Internationales, Ricardo Scalamandré, stolz, dass die Serie bereits an 90 Länder verkauft wurde. „Normalerweise brauchen wir zwei Jahre, um diese Verkaufszahl zu erreichen, Caminho das Índias hat es in 90 Tagen geschafft.“ Der bislang erfolgreichste Soap-Verkaufsschlager der Globo-Gruppe ist „Da Cor do Pecado“. Sie wurde in 100 Ländern ausgestrahlt.
Globo beginnt nach der erfolgreichen Koproduktion einer Telenovela mit Stationen in den USA und Mexiko über eine Expansion nach Europa nachzudenken. Mit Portugal laufen bereits konkrete Verhandlungen. Die Koproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2010 beginnen.
Das Merchandising für in Telenovelas gezeigte Produkte wird unterdessen ausgebaut. Im Mai 2010 präsentiert das Unternehmen Globo Marcas den ersten virtuellen Shop ausschließlich für Produkte der Novela „Passione“. Dort sind neben anderen Requisiten auch Schuhe, Schmuck und Taschen im Angebot.
Inhalte
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