13. Facebook, Inc.

Umsatz 2015: $ 17,928 Mrd. (€ 16,159 Mrd.)

Überblick

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Facebook, Inc. ist mit 1,65 Milliarden aktiven Nutzern (Stand: April 2016) die größte Social Networking Plattform der Welt. 2004 von Havard-Student Marc Zuckerberg gegründet und 2012 an die Börse gebracht, hat sich Facebook neben  Google zum größten und mächtigsten Online- und Wissenskonzern der Welt entwickelt. Längst ist Facebook mehr als ein Tool um Fotos hochzuladen, Status-Updates zu versenden oder mit Freunden zu chatten. Der Konzern kontrolliert im Zuge einer rasanten Expansionsstrategie zahlreiche weitere Kommunikationskanäle, hat massiv in Virtual Reality-Technologie investiert und hat die Art und Weise revolutioniert, wie Medieninhalte über das Internet konsumiert werden.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Facebook Headquarters
471 Emerson St.
Palo Alto, CA 94301-160
www.facebook.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 2004

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
2015201420132012201120102009
Umsatz (in Mio. $)17.92812.4667.8725.0893.7111.974777
Gewinn (in Mio. $)3.6882.9401.500531.000606229
Aktienkurs (Jahresende)104,6678,0254,6530,98---------
Mitarbeiter12.6919.1996.3374.6193.2002.1271.218

Geschäftsführung

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Management:

  • Mark Zuckerberg, Founder & Chief Executive Officer
  • Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer
  • Dave Wehner, Chief Financial Officer
  • Mike Schroepfer, Chief Technology Officer
  • Chris Cox, Chief Product Officer

 

Board of Directors:

  • Marc Zuckerberg, Facebook
  • Sheryl Sandberg, Facebook
  • Marc L. Andreessen, Andreessen Horowitz
  • Erskine B. Bowles, University of North Carolina, BDT Capital Partners
  • Susan D. Desmond-Hellmann, The Gates Foundation
  • Reed Hastings, Netflix
  • Peter A. Thiel, Founders Fund, Clarium Capital Management, LLC.
  • Jan Koum, WhatsApp

Geschichte und Profil

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Die Geschichte von Facebook begann im Sommer 2004. Gründer Mark Zuckerberg, damals noch Student der renommierten Harvard-Universität, verschaffte sich Zugriff auf den Uni-Server und gelangte so an tausende von Fotos von Studenten, die er auf einer Homepage namens „Facemash“ postete. Das Konzept von Facemash bestand darin, die Personen auf den Bildern nach dem Attraktivitätsgrad zu bewerten. In nur wenigen Stunden verzeichnete die Seite rund 500 Besucher, die zusammen mehr als 20.000 Fotos betrachteten. Zwar flog der Datendiebstahl schnell auf und Zuckerberg musste sich bei seinen Kommilitonen entschuldigen, doch sein Experiment zeigte, wie viel Potential in einem solchen Online-Studentenverzeichnis steckte. Im Februar 2004 ging der Prototyp namens Thefacebook.com exklusiv für Harvard-Studenten online. Es dauerte weniger als zwei Wochen, bis zwei Drittel der Studentenschaft registriert waren. Zuckerberg engagierte seine Zimmernachbarn Dustin Moskovitz und Chris Hughes, die ihm halfen, weitere Anwendungen und Funktionen für die Seite zu entwickeln. Nach und nach erhielten weitere Hochschulen ihr eigenes Facebook-Netzwerk. Zunächst expandierte Facebook in die Universitätsstädte Stanford und Yale; drei Monate nach Start verfügten bereits 30 Universitäten über eine Facebook-Community.

Sean Parker, der Mitbegründer der Musiktauschbörse Napster, vermittelte den Kontakt zu Peter Thiel, dem Präsident von Clarium Capital, der als erster externer Investor 500.000 US-Dollar an Risikokapital in Facebook investierte. Das dreiköpfige Facebook Team entschied sich dafür, wie ihr Vorbild Bill Gates erst einmal Abstand vom Universitätsalltag zu nehmen, um sich auf die weitere Entwicklung ihrer Social-Networking-Seite zu konzentrieren. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Im November 2004 registrierte sich der millionste User bei Facebook. Im Mai 2005 erhielt das junge Unternehmen eine weitere Finanzspritze in Höhe von 13 Millionen US-Dollar von der Risikokapitalfirma Accel Partners. Zuckerberg stellte weitere Internet-Ingenieure ein, darunter Steve Chen, der später mit dem Videoportal YouTube für Furore sorgte. Ende 2005 waren fünf Millionen Benutzer bei Facebook angemeldet. Die Zahl stieg weiter, als die Seite auch für High School-Schüler geöffnet wurde und eine Foto-Funktion integriert wurde.

Im September 2006 fielen dann bei Facebook sämtliche Zugangsbarrieren. Diese Entwicklung führte zwar zu einem weiteren Mitgliederanstieg, wurde jedoch von den alteingesessenen, studentischen Usern mit Skepsis oder Unverständnis aufgenommen. Zu einem ersten Aufstand in der Community kam es, als neue Features namens „News Feed“ und „Mini Feed“ den Profilen der Facebook Nutzer hinzugefügt wurden. Auf einmal erschienen auf jedem Benutzerprofil in Form kurzer News alle Facebook-internen Aktivitäten und Änderungen von Freunden und Bekannten. Der Ärger der User war derart groß, dass sich innerhalb kurzer Zeit 700.000 Leute der Benutzergruppe „Students Against Facebook News Feed“ anschlossen. Nachdem Zuckerberg über seinen Blog Fehler eingeräumt und versprochen hatte, die Privatsphäre künftig besser zu schützen, entspannte sich die Situation.

Die Anzahl registrierter Facebook-User stieg weiterhin an. Aber auch kritische Stimmen von Datenschützern wurden laut. Den Betreibern der Social Networking-Seite wurde ein verantwortungsloser Umgang mit persönlichen Informationen vorgeworfen. Medienberichte über Strafverfolgungen und Verhaftungen amerikanischer Teenager, die auf Facebook-Fotos mit Alkohol oder Drogen posierten, häuften sich. Hochschulen und Firmen verboten die Nutzung von Facebook, da Studenten und Mitarbeiter davon abgelenkt würden und weil Gruppen gegründet worden waren, die Lehrer oder Vorgesetzte diffamierten. Facebook wurde nicht nur im Bezug auf Datenschutz und aufgrund der Missachtung der Privatsphäre kritisiert, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Zensur.

Im November 2007 testete das Management um Zuckerberg die Grenzen der Toleranz der User in Sachen Marketing und Privatssphäre weiter aus. Zuckerberg präsentierte auf einer Pressekonferenz ein neues Feature namens Beacon (zu deutsch etwa „Signallicht“). Dieses Marketingtool informierte die Freunde eines Benutzers, sobald dieser über seine Facebook-Seite ein Produkt eines Herstellers kaufte, der eine Partnerschaft mit Facebook abgeschlossen hatte. Unmittelbar nachdem Beacon gestartet wurde, kam es zu einem Aufschrei sowohl unter Facebook-Nutzern als auch unter Datenschützern. Die Anti-Beacon-Bewegung, an dessen Spitze die demokratische Bewegung MoveOn.org stand, kritisierte vor allem, dass das Anzeigenprogramm ohne Zustimmung der Benutzer gestartet wurde. Zwei Wochen nach dem Start erschien eine modifizierte Version von Beacon. Grund dafür waren wohl weniger die Proteste von Nichtregierungsorganisationen, sondern die Unruhe, die durch die negative Publicity auf Seiten der Beacon-Partnerfirmen entstanden war.

Den wachsenden Stellenwert Facebooks in der Gesellschaft symbolisiert nicht zuletzt der 2010 erschienene Film „The Social Network“ (Regie: David Fincher). Der Film porträtiert Unternehmensgründer Marc Zuckerberg und hinterfragt dessen Ambitionen bei der Schaffung des weltweit größten sozialen Netzwerks. 2012 erfolgte dann der Börsengang der zunächst mit technischen Schwierigkeiten verbunden war und wegen Unregelmäßigkeiten von der Aufsichtsbehörde SEC untersucht wurde. Insbesondere weil Facebook zunächst keinen effektiven Weg fand, die wachsende mobile Nutzung seiner Dienste zu monetarisieren, schwankte der Aktienkurse zunächst bedenklich. Doch mit der Entwicklung des Android-Interface Facebook Home und vor allem nach der spektakulären, 19-Milliarden Dollar schweren Übernahme des Messaging-Dienstes Whatsapp sowie dem Kauf des konkurrierenden sozialen Netzwerks Instagram, konnte der Konzern Schritt für Schritt seinen Einfluss auf Smartphone-Screens ausweiten.

In den Markt für Unterhaltungselektronik stieg Facebook mit der Erwerb des Virtual Reality-Technologieunternehmen Oculus ein. Die Oculus Rift-VR-Brille, die 2016 auf den Markt kam, richtet sich in erster Linie an PC-Gamer, könnte aber langfristig in das Facebook-Network integriert werden und die Art und Weise revolutionen wie Freunde im sozialen Netzwerk kommunizieren. Ein weiteres bemerkenswertes Tool veröffentlichte das Unternehmen im Mai 2015: Instant Articles erlaubte es Verlagen und Medienhäusern ihre Artikel innerhalb von Facebook prominent zu veröffentlichen und so Leser zu erreichen, die sich während ihrer Online-Sessions fast ausschließlich im walled garden von Facebook Aufenthalten.

Management

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Marc Zuckerberg
Der Gründer und das Aushängeschild von Facebook wuchs im Großraum New York auf und begann schon in Alter von elf Jahren, sich mit Codes und Programmiersprachen auseinanderzusetzen. Sein erstes bedeutendes Projekt war eine Computerversion des Brettspiels „Risiko“, das der Latein und Altgriechisch beherrschende Studienabbrecher im Zeitalter des Römischen Reiches ansiedelte.Der wegen der Kombination aus Erfolg und Nerd-Image oft als „the next Bill Gates“ titulierte Zuckerberg wurde im Jahr 2007 durch massive Medienpräsenz zum bekanntesten Gesicht unter den Web 2.0-Entrepreneuren. Leitet man aus den 240 Millionen US-Dollar, die  Microsoft 2007 für seinen bloß 1,6 Prozent-Anteil an diesem Start-Up ausgab, den Gesamtwert von Facebook ab, so ergibt sich daraus für Zuckerberg ein persönlicher 20 Prozent-Anteil von drei Milliarden US-Dollar - ein Betrag der heute deutlich höher ausfällt. Seit dem 1. Januar 2013 beträgt sein Basisgehalt ein symbolischen US-Dollar.

Sheryl Sandberg
Die ehemalige Google-Managerin Sheryl Sandberg leitet bei Facebook seit 2008 das operative Tagesgeschäft. Sie ist bei Facebook für die Werbestrategie, Personalentscheidungen und Beeinflussung der politischen Rahmenbedingungen zuständig. Während Zuckerberg für die technische Seite und die Außendarstellung des Unternehmens verantwortlich ist, war Sheryl Sandberg es, die Facebook von einer Internetseite in ein milliardenschweres Geschäft verwandelte. Nicht wegen ihres vergleichsweise bescheidenen Jahresgehalt von durchschnittlich 300.000 Dollar sondern wegen ihrer Facebook-Anteile ist Sandberg, die mit "Lean In" auch als Sachbuchautorin auf sich aufmerksam machte, inzwischen eine der wenigen Milliardärinnen im Silicon Valley.

Peter Thiel
Während Zuckerberg zum öffentlichen Aushängeschild avancierte und in Talkshows Werbung für Facebook wirbt, gilt Peter Thiel als die entscheidende Figur im Hintergrund. Der PayPal-Gründer investierte 2004 500.000 US-Dollar in das Unternehmen und besitzt gegenwärtig 2,5 Prozent von Facebook sowie sitzt im Aufsichtsrat. Dank seiner Kapitalfirmen Clarium Capital Management und Founders Fund gilt Thiel als einer der erfolgreichsten Hedge Fond-Manager der USA. Thiel ist nicht nur Geschäftsmann, sondern auch Philosoph, Futurologe und neoliberaler Aktivist. 1998 veröffentlichte er zusammen mit David O. Sacks das Pamphlet „The Diversity Myth“, in dem er den Liberalismus und Multikulturalismus an amerikanischen Hochschulen angriff und die These aufstellte, derartige Mentalitäten würden die individuelle Freiheit beschneiden. Weitere ideologisch motivierte Aktivitäten Thiels waren die Gründung der rechtskonservativen Zeitschrift „The Stanford Review“ sowie die Mitgliedschaft bei TheVanguard.org, einer Website, die kreiert wurde, um den Einfluss der liberalen NGO MoveOn.org einzudämmen. Weitere millionenschwere Investitionen hat Thiel in den Bereichen Künstliche Intelligenz ("Singularity Institute for Artificial Intelligence“) und Medizin getätigt.

Geschäftsbereiche

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Facebook
Das soziale Netzwerk hat sich vor allem zu einem Smartphone-Dienst entwickelt. Von den weltweit 1,04 Milliarden Usern, die sich täglich bei Facebook einloggen, taten dies 934 Millionen von ihren Mobilgeräten. Kernstück von Facebook ist der News Feed, der den Usern individualisierte und auf Algorithmen basierte Werbung und Artikel präsentiert.  Der Anzeigenbereich von Facebook nennt sich Facebook Ads. Es handelt sich dabei um ein System, dass es Unternehmen ermöglicht, auf Facebook zu werben und jeweils die gewünschte Zielgruppe zu erreichen. Facebook Ads besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen: Facebook Pages erlaubt es Unternehmen und werbenden Künstlern, ein Profil zu erstellen, genau wie es Studenten oder andere Personen tun. Facebook Social Ads ist ein Programm, dass es Werbekunden unter der Berücksichtigung der sozialen Aktivitäten des Facebook-Freundeskreises, ermöglicht, individuell zugeschnittene Anzeigen auf Benutzerprofilen zu schalten.

Instagram
Auch dank Instagram hat wählte das Oxford English Dictionary "Selfie" 2013 zum Wort des Jahres. Das von Kevin Systrom und Mike Krieger entwickelte soziale Netzwerk, das vor allem für das Teilen von Fotos und kurzen Videos genutzt wird, hat rund 400 Millionen aktive Nutzer (Stand: November 2015).

WhatsApp
Der Messaging- und Telefonie-Dienst wird von rund einer Milliarde Menschen vor allem außerhalb der USA als Alternative zum Facebook Messenger genutzt. Beobachter vermuten, Facebook war vor allem bereit, 19 Milliarden für WhatsApp zu bezahlen, um an die Mobiltelefonnummern von möglichst vielen Usern zu kommen. Gründer Jan Koum, der in den 1980er Jahren in der Sowjetunion aufwuchs und weiß, was es bedeutet unter staatlicher Überwachung zu stehen, entschied sich hingegen 2014 zu einem radikalen Schritt: er verschlüsselte die komplette Kommunikation der User (zunächst nur in der Android-Version), was dem Unternehmen Ärger in mehreren Ländern einbrachte (etwa in Brasilien, wo der Dienst zwischenzeitlich abgeschaltet wurde).

Oculus
Die mit hardwarestarken PCs kompatible VR-Brille Rift wurde im Frühjahr 2016 für ein Verkaufspreis von rund 600 Dollar erstmals an Kunden ausgeliefert. Facebook hatte das Unternehmen 2014 gekauft, als es noch Investitionen über Kickstarter sammelte. Mehr als 200 Games-Titel wurden angekündigt und die Brille kann auch zum Chatten oder Anschauen von Filmen genutzt werden.

Engagement in Deutschland

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In Deutschland hatten im April 2013 rund 25 Millionen Menschen einen Facebook-Account. Facebook hatte in Deutschland lange Zeit starke Konkurrenz von nationalen Social Networking-Seiten wie StudiVZ und Xing. Erst Ende 2009 schaffte es das US-Unternehmen, StudiVZ hinsichtlich der Nutzerzahlen zu überholen. Seit März 2008 gibt es Facebook in deutscher Sprache.

Das Nordeuropageschäft, dass auch Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst, wird seit 2012 von Martin Ott geleitet. Der Nordeuropasitz von Facebook ist Hamburg. Zunächst war Eva Maria Kirschsieper von 2011 bis 2012 als Lobbyistin für Facebook in Deutschland tätig. Die "Privacy-and-Policy-Managerin" agierte neben Europasprecher Richard Allen als Bindeglied zwischen Facebook und Berlin und Brüssel. Ihr Nachfolger wurde im April 2012 Gunnar Bender, zuvor bei E-Plus tätig. 

Eines der großen Probleme Facebooks, das Thema Datenschutz und Datensicherheit, wird seit Ende 2009 in Deutschland heftig diskutiert. Anlass war eine Untersuchung der Stiftung Warentest, in der Facebook im Vergleich am schlechtesten abschnitt und insgesamt nur mit der Note "Ausreichend" bewertet wurde. Gründe waren mangelnde Transparenz und die im Dezember 2009 geänderten Datenschutzeinstellungen, wonach Profildaten öffentlich einsehbar sind und erst durch umständliche Einstellungsänderungen verborgen werden können. Im April 2010 publizierte Facebook schließlich auf der eigenen Homepage den Vorschlag, die Datenschutzrichtlinie so zu ändern, dass die Weitergabe an Dritte möglich ist. Damit sollte Nutzern die Möglichkeit gegeben werden, auch andere „überprüfte Webseiten und Anwendungen“ innerhalb des Facebook-Besuchs zu nutzen. Hierauf hagelte es heftige Kritik von Nutzern aus aller Welt und sogar die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner protestierte in einem Brief an Facebook-Chef Zuckerberg. In diesem drohte sie mit der Kündigung ihrer Mitgliedschaft. „Privates muss privat bleiben – ich denke, ich spreche hier für viele Internetnutzer“, schrieb Aigner in dem auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten Brief. Sie appellierte: „Gerade weil besonders jungen Nutzern meist nicht bewusst ist, dass ihre persönlichen Profile zu kommerziellen Zwecken genutzt werden sollen, kommt Unternehmen wie Facebook eine besondere Verantwortung zu.“ Das Onlineunternehmen reagierte umgehend auf diese massive Kritik, bot der Ministerin Gespräche an und gab Pläne bekannt, seinen Sicherheitsbereich weiter auszubauen.

Aktuelle Entwicklungen

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Im Mai 2016 wurde im US-Kongress erstmals über die wachsende Meinungsmacht von Facebook diskutiert. Grund dafür war ein Bericht im Technologie-Blog Gizmodo, demzufolge der Konzern systematisch Nachrichten und Meinunsartikel zensiert und aus dem einflussreichen News Feed entfernt haben soll, die eine konservative Haltung vertreten. Nicht auf Popularität basierende Algorithmen bestimmten, was auf die "Titelseite" der User gelangte, sondern - wie in einer traditionellen Zeitungsredaktion - politische Präferenzen der zuständigen Facebook-Mitarbeiter. Artikel, die nicht von den etablierten Mainstream-Medien stammten, sollen schlicht ignoriert worden sein. Bestimmte Themen widerum  wurden aus politischen Gründen angeblich aktiv in den News Feed hinein forciert: die Black Lives Matter-Bewegung, für die sich im Gegensatz zu Twitter-Nutzern auf Facebook vergleichsweise wenig User zu interessieren schienen, soll auf Anweisung von Zuckerberg persönlich zu einem trending Thema auf Facebook gemacht worden sein.

Facebooks neuestes Feature, Live Video push, könnte das soziale Netzwerk langfristig in eine Art Online-TV-Sender transformieren. Schon jetzt bezahlt der Konzern Medien wie die New York Times oder Vox.com um Video-Content für Live Video push zu produzieren. Auch will das Unternehmen Prominente dafür bezahlen, die Video App zu benutzen. Ähnlich wie Instant Articles könnte Facebook so zu ersten Adresse für das Streamen von Videos avancieren. CEO Zuckerberg hat Berichten zufolge Videostreaming zur obersten Priorität gemacht, auch um den Live-Video-Offensiven von Twitter und Snapchat Konkurrenz zu machen.

Bei seinem Vorhaben, die nächste Milliarde Facebook-User in Entwicklungs- und Schwellenländern zu rekrutieren, musste der Konzern derweil eine herbe Niederlage einstecken. Die indische Regierung lehnte es ab, Facebooks Free Basics-Dienst (zuvor Internet.org) zu genehmigen, der verarmten Bewohnern einen kostenlosen jedoch stark limitierten Zugang zum Internet ermöglichen soll. Free Basics wurde bereits in 18 Ländern des globalen Südens ausgerollt, doch Indien galt das Hauptaugenmerk der Kampagne, der Kritiker vorwerfen, ein als Charity getarnter, neokolonionaler, gegen Netzneutralitätsprinzipien verstoßender Plan zu sein, an die lukrativen persönlichen Daten von Millionen neuer Nutzer zu kommen.

Literatur

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  • Bond, Robert M./Fariss,  Christopher J./Jones,  Jason J./Kramer,  Adam D. I./Marlow,  Cameron/Settle,  Jaime E./Fowler, James H. (2012): A 61-Million-Person Experiment in Social Influence and Political Mobilization. In: Nature 489, S. 295-298. DOI 10.1038/nature11421
  • Ellison, Nicole B./Steinfield, Charles (2007): The Benefits of Facebook “Friends”. Social Capital and College Students’ Use of Online Social Network Sites. In: Journal of Computer-Mediated Communication, 12 Jg., Nr. 4, S. 1143–1168. DOI 10.1111/j.1083-6101.2007.00367.x
  • Mezrich, Ben (2009): The Accidental Billionaires. Sex, Money, Betrayal and the Founding of Facebook. London: William Heinemann. 
  • Valenzuela, Sebastián/Park, Namsu/Kee, Kerk F. (2009): Is There Social Capital in a Social Network Site? Facebook Use and College Students' Life Satisfaction, Trust, and Participation. In: In: Journal of Computer-Mediated Communication, 14 Jg., Nr. 4, S. 875-901. DOI 10.1111/j.1083-6101.2009.01474.x

News

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19.12.16 / Google Inc., Facebook.com

Fake News und die Online-Monopolisten

12.12.16 / Facebook.com, Time Warner Inc., Google Inc.

Trump und die Medienkonzerne

05.12.16 / Facebook.com, Google Inc., Microsoft Corporation/MSN

EU: Internetkonzerne tun zu wenig gegen Online-Hetze