35. Daily Mail & General Trust plc
Umsatz 2007/2008: £ 2,312 Mrd. (€ 3,377 Mrd.)
Überblick
Das britische Medienhaus Daily Mail and General Trust plc (DMGT) ist auf den Feldern nationaler und regionaler Zeitungen, Internet und Radio aktiv, bemüht sich aber schon seit Jahren, vom klassischen Geschäftsfeld der Presse unabbängiger zu werden. 2007/ 08 stammten bereits 62% (Vorjahr: 53%) des operativen Ergebnisses aus anderen Geschäftsbereichen, vor allem den Business-to-Business-Sparten DMG Information und Euromoney.
Obwohl DMGT international operiert, sind die wichtigsten Geschäftseinheiten in Großbritannien angesiedelt. Zugpferd des Konzerns ist die zweitmeistverkaufte Tageszeitung des Landes, das erstmals 1896 publizierte Tabloid "Daily Mail". Durch den Verkauf der Mehrheit des "Evening Standard" an den russischen Milliardär Alexander Lebedew, den "Sieg" im Londoner Gratiszeitungskrieg gegen Rupert Murdoch und die folgende Einstellung auch des eigenen Gratistitels "London Lite" erregte DMGT 2009 wiederholt globales Aufsehen.
Basisdaten
Hauptsitz:
Northcliffe House, 2 Derry Street, London W8 5TT, Großbritannien
Telefon: 0044-020-7938 6000
Telefax: 0044-020-7937 3745
Internet: www.dmgt.co.uk
Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Informationsdienste, Internet, Radio
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.10. – 30.09.
Gründungsjahr: 1896 (Aktiengesellschaft seit 1922)
2008/2009* | 2007/2008 | 2006/07 | 2005/06 | 2004/05 | 2003/04 | 2002/03 | 2001/02 | |
Umsatz | 2.118 | 2.312 | 2.235 | 2.176 | 2.136 | 2.109 | 1.933 | 1.945 |
Gewinn (nach Steuern | 278 | 317 | 322 | 300 | 283 | 284 | 238 | 241,6 |
Kurs (in £, Ende des Kapitaljahres) | 456p | 318p | 742 | 659 | 581,5 | |||
Dividende | 14,70p | 14,70p | 14.35p | -- | -- | 11p | 10p | 9,2p |
Beschäftigte | 14.764 | 17.424 | 16.000 (est.) | 15.949 | k.A. | 18.000 | k.A. | k.A. |
* Anm. der Red.: Die Umsatzzahl für 2008/2009 hat keinen Einfluss auf das Ranking der größten Medienkonzerne 2008, sondern wird erst für das kommende Ranking der größten Medienkonzerne 2009 relevant.
Geschäftsführung
Geschäftsführung / Vorstand (Schlüsselpositionen):
- Jonathan Harmsworth = 4th Viscount Rothermere, Chairman
- Martin Morgan, CEO
- J. Peter Williams, Group Finance Director
- K. J. Beatty, Cheif Executive, A & N Media (Associated Newspapers, Northcliffe Media)
- Paul M. Dacre, Editor-in-Chief, Associated Newspapers
- Padraic Fallon, Chairman, Euromoney Publications
- D. M. M. Dutton, Chairman, DMG Information
(weitere Informationen zu Geschäftsführung und den Non-Executive Directors bei DMGT)
Besitzverhältnisse: Streubesitz (100%), 80 % der Aktien mit Stimmrecht in Familienbesitz.
Geschichte und Profil
Die Geschichte der DMGT ist die Geschichte der britischen „Press Barons“ der Jahrhundertwende: Im Mai 1896 erschien die „Daily Mail“ - als erste landesweite „Billigzeitung“ auf dem britischen Zeitungsmarkt. Verleger Alfred Harmsworth, später als Lord Northcliffe geadelt, bot ein journalistisch gut gemachtes, modernes Blatt. Bereits um 1900 lag die Auflage bei über einer Millionen Exemplare. Die „Mail“ machte schon immer Politik: Im Burenkrieg setzte sie sich über die Zensur hinweg und deckte untertriebene Verlustzahlen der eigenen Seite auf; im Ersten Weltkrieg erzwang das Blatt den Rücktritt des damaligen Premierministers. Nach Lord Northcliffes frühem Tod 1922 ging das Unternehmen auf seinen Bruder Harold (mittlerweile ebenfalls als Viscount Rothermere von Adel) über, der das Kunststück fertigbrachte, in den 30er Jahren sowohl Winston Churchill als auch die britischen Faschisten zu fördern - und damit der Reputation der „Daily Mail“ als unabhängig-konservativer Zeitung schwer zuzusetzen. Seit 1928 gehörte bereits eine Kette von Regionalzeitungen (Northcliffe Newspapers) zum Konzern.
Obwohl die „Mail“ vom Zeitungssterben der 60er Jahre profitiert hatte, steckte sie in einer tiefen Krise, als 1971 Vere Harmsworth in die Konzernspitze aufrückte. Der Hauptkonkurrent „Daily Express“ hatte eine mehr als so große große Auflage, ein Zusammenschluss beider Blätter stand unmittelbar bevor. Doch Harmsworth widersetzte sich seinem eigenen Aufsichtsrat, positionierte die „Mail“ als anspruchsvolle Boulevardzeitung und setzte auf eine jüngere, durchschnittlich gebildete Leserschicht. Später verordnete er dem Blatt noch die Sonntags-Schwester „Mail on Sunday“. Mit der Verpflichtung von David English (1931-1998) als Chefredakteur gelang ein weiterer Coup. Bis zu seinem Tode galt English als einer der erfolgreichsten Zeitungsmacher Großbritanniens. 1991 überstieg die Auflage der „Daily Mail“ erstmals die des „Daily Express“.
Die Verlagsaktivitäten florierten lange - auch dank umfangreicher Investitionen in die DMGT-eigenen Druckereien. Die Auflage der "Daily Mail" liegt bei 2.228.897, die der "Mail On Sunday" bei 2.189.432 (jeweils Januar 2009). Damit halten sich diese Blätter relativ stabil im insgesamt schrumpfenden britischen Zeitungsmarkt, auf dem die Verlage überides über Jahren ihren Mitbewerbern wie ihren eigenen Kaufzeitungen Konkurrenz durch Gratiszeitungen machten: Die 1999 in London gestartete Gratis-Zeitung „Metro“ - nicht zu verwechseln mit dem international verbreiteten schwedischen Gratiszeitungs-Konzept "Metro International" - schreibt seit 2002 schwarze Zahlen. DMGT vertreibt sie als Joint-Venture mit regionalen Mediengruppen auch in Yorkshire, Manchester und Schottland. So werden landesweit täglich durchschnittlich 1,3 Millionen Exemplare verteilt, die nach Angaben von DMGT über drei Millionen Leser erreichen. Von 2006 an bekämpfte DMGT auch mit der Abendzeitung "London Lite" das "London Paper" des Rivalen Rupert Murdoch (News Corp.) im "Gratiszeitungs-Krieg" ("The Independant": "A vicious press war with no real victors"). Als der international tätige Medienmogul seine in zuletzt über 500.000 Exemplaren verteilte Gratiszeitung zum September 2009 überraschend einstellte, erzielte die DMGT-Tochter Associated Newspapers einen viele Beobachter überraschenden Sieg. Murdochs Titel soll binnen zwölf Monaten Verluste von 9,1 Millionen Pfund gemacht haben - "um die Hälfte mehr als veranschlagt" ("Frankfurter Rundschau"). Bei "London Lite" freilich werden kaum geringere Verluste vermutet. Folglich stellte DMGT den Titel am 13. November 2009 ebenfalls ein.
Schon zuvor hatte die England heftig treffende Zeitungskrise zu einem spektakulären, im In- und Ausland viel diskutierten Schritt geführt: Im Februar verkaufte DMGT 76 Prozent der Anteile am "Evening Standard" an die Holding des russischen Milliardärs Alexander Lebedew. Zuletzt stimmte auch Lord Rothermere dem Geschäft zu - und verglich den Schritt im Interview mit der "Sunday Times" mit dem Tod seiner Eltern. Der Kaufpreis für das defizitäre Blatt, dessen Auflage unter die Marke von 300.000 Exemplaren gefallen war, dem aber großer Einfluss auf die Londoner Politik zugeschrieben wird (vgl. "Tagesspiegel"), betrug nur einen symbolischen Pfund Sterling. Der als "Oligarch" und "ehemaliger KGB-Agent" apostrophierte Käufer ist u.a. an der russischen Fluggesellschaft Aeroflot, aber auch an der Oppositionszeitung "Nowaja Gaseta" beteiligt. Investionen von rund 25 Millionen Pfund in das kriselnde Blatt sollen dessen Bestehen sichern. Sein Sohn Evgeny Lebedew wurde Geschäftsführer des "Standard". Mit einem Minderheitsanteil bleibt DMGT beteiligt, dieser wird allerdings in den Büchern mit Null bewertet (vgl. "Times").
Ironischerweise beschloss Lebedew kurz nach dem Ende des Londoner Gratiszeitungs-Krieges, den zuvor 50 Pence teuren "Standard" fortan als Gratis-Qualitätszeitung verteilen zu lassen (Berliner Zeitung).
Auch im Regionalzeitungsmarkt, der in Großbritannien außer unter den global bekannten Faktoren auch unter einem Einbruch des bis dahin noch florierenden Kleinanzeigenmarkts leidet, setzt die DMGT-Tochter Northcliffe Media radikale Pläne um. Nachdem das Betriebsergebnis für das erste halbe Geschäftsjahr 2008/09 um 85 Prozent sank, wurde die Anzahl der angekündigten Stellenstreichungen bei Northcliffe auf rund 1000 Stellen verdoppelt ("Financial Times"). Zu weiteren Maßnahmen gehören ein "pay freeze" für alle Mitarbeiter, die Schließung von Gratiszeitungsredaktionen wie "Total Essex" und "Focus" in West Kent und Zusammenlegungen von Einheiten. Insgesamt wurden im jüngsten Geschäftsjahr über 2500 Mitarbeiter freigesetzt.
Dank der betont langfristigen Strategie, vom zyklischen Werbemarkt und auch den Vorgaben der Medienpolitik unabhängiger zu werden und ein diversifiziertes Portfolios marktführender B-to-B- und B-to-C-Aktivitäten aufzubauen, leidet DMGT unter der globalen Krise einstweilen jedoch weniger als die britischen Konkurrenten. Von einigen Medien-Aktivitäten hatte sich DMGT im Zuge einer Konzentration aufs Kerngeschäft getrennt, so 2005 vom letzten Rest der eher erfolglosen TV-Aktivitäten, dem über BSKyB und Kabelfernseh-Netze verbreiteten Kulturkanal "Performance". Im Radiobereich trennte sich DMGT 2004 vom Gros seiner bisher rund 70 Stationen in Australien: Die regionalen Sender wurden abgegeben, an acht Stationen in den Metropolen wie Sydney und Melbourne hielt der Konzern fest. 2009 verkaufte er 50 Prozent der Anteile an Illyria, die Beteiligungsfirma des (unabhängig von seinem Vater operierenden) Rupert-Murdoch-Sohns Lachlan Murdoch.
Schon im Dezember 2009 statt wie zuvor geplant 2010 beziehungsweise 2012 werden die Aktivitäten im (in Deutschland so unbekannten) Geschäftsfeld des privatwirtschaftlichen Teletexts eingestellt und auch im Bereich des Digitalfernsehens heruntergefahren. Bislang lieferte die DMGT-Tochter Teletext Videotext-Angebote für den kommerziellen Channel 4 sowie die analogen und digitalen Kanäle der ITV-Senderfamilie. Nach eigenen Angaben erreichte sie bis zu 13 Millionen Zuschauer pro Woche. Im Geschäftsjahr 2007/ 08 erwirtschaftete der Bereich einen Verlust von drei Mio. Pfund. Gründe für den Ausstieg aus dem Geschäft sind laut DMGT die steigende Konkurrenz durch das Internet und die Haltung der Ofcom, einem kommerziellen Teletext-Dienst keinen public value beizumessen.
Allein die profitablen Online-Aktivitäten der Sparte, vor allem im Touristiksektor (z.B. thisistravel.co.uk), werden fortgeführt.
Management
DMGT ist durch und durch Familienunternehmen, sogar der Vorstandsposten ist quasi erblich: Als im September 1998 Vere Harmsworth, der dritte Viscount Rothermere verstarb, rückte umgehend sein Sohn Jonathan zum vierten Viscount Rothermere auf - und als Chairman an die Spitze des Konzerns. Der Harmsworth-Clan sichert seinen Einfluss durch Festhalten an Strukturen, die im Zeitalter der Globalisierung eher als überholt gelten: Von den rund 100 Millionen DMGT-Anteilen haben nur knapp fünf Millionen auch ein Stimmrecht bei den Aktionärsversammlungen - und diese befinden sich zu beinahe 80% in Familienbesitz.
Daher vollziehen sich Personalien bei DMGT ruhig. Wie im November 2007 angekündigt folgte im Oktober 2008 Martin Morgan als CEO auf Charles Sinclair, der in den Ruhestand ging.
Diese Strukturen ermöglichten lange grundsolides Wachstum, auch in Zeiten kleinerer Krisen. Paul Dacre, Chefredakteur der „Mail“-Titel, gilt als einer der einflussreichsten Journalisten Großbritanniens und als "the best-paid editor in Fleet Street" ("Guardian") - und ist anders als die Familie Harmsworth verlässlicher Gegner der Labour-Partei und einer Einführung des Euro in Großbritannien. Seine Blätter verkörpern die Wertvorstellungen und Ansichten von „Middle England“ und verstehen sich trotz ihrer Aufmachung nicht als Boulevardblatt, sondern als „Kompaktzeitung“ (Dacre). Komplexe Sachverhalte würden in der „Mail“ stets „erfolgreich zu Fragen der Moral oder Identität“ vereinfacht, lästert der liberale „Guardian“: Nicht die Konservative Partei bestimme das Blatt, nein, die Partei käme derzeit eher wie der „Juniorpartner der Mail daher“.
Der junge Konzernchef Jonathan Harmsworth hatte sich nach dem Tod seines Vaters als unerwartet erfolgreicher Erbe erwiesen. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 1.020 Millionen Pfund ist er der reichste der britischen Press Barons und landete auf der "Sunday Times Rich List" 2006 auf Platz 51 unter den reichsten Briten; 2008 taucht er in der der Liste nicht mehr auf.
Niederlagen musste Harmsworth bisher nur wenige einstecken: 2004 beim Bieterwettkampf um den konservativen „Daily Telegraph“ unterlag das von DMGT geführten Konsortium dem Angebot der Gebrüder Barclay („Scotsman“). Um zu verhindern, dass diese ihm auch noch Star-Chefredakteur Dacre abspenstig machen, erhöhte Harmsworth dessen Bezüge um rund 30 Prozent auf über eine Millionen Pfund. Der Verkauf des "Evening Standard" 2009 dürfte ein schmerzlicheres Ereignis gewesen sein.
Geschäftsfelder
DMGT ist die Holding für sämtliche Unternehmungen der Familie Harmsworth. Der Konzern ist ganz überwiegend in Großbritannien aktiv. Auch die (überschaubaren) internationalen Aktivitäten sind in die sieben Unternehmensbereiche eingegliedert:
Associated Newspapers: „Daily Mail“, „The Mail on Sunday“, der „Evening Standard“ (London) nunmehr nur als Minderheitsbeteiligung, „Metro“ (Gratisblatt, London und fünf weitere Städte), "Ireland on Sunday", "Loot". Darüber hinaus begleitende Supplements ("This is London" etc.) und weit über 100 Webseiten, darunter Finanz- und Dating-Portale (Übersicht). Auch die (massiv schrumpfende, siehe Geschichte und Profil) Sparte Teletext gehört zu Associated Newspapers.
Associated Newspapers und Nortchliffe Media firmieren gemeinsam als "A&N Media", für die CEO Kevin Beatty zuständig ist. Mit diesem Schritt soll in Teilbereichen die Effizienz verbessert werden. Nach außen treten beide Unternehmenszweige jedoch getrennt auf.
Die Regionalzeitungs-Tochter Northcliffe Media heißt seit Anfang 2007 nicht mehr "Northcliffe Newspapers", um die wachsende Bedeutung digitaler Medien zu reflektieren. Im November 2009 gehören 17 "paid-for daily titles", 28 "paid-for weekly papers" sowie 40 "free weeklies" mit einer Gesamtauflage von acht Mio. Exemplaren in Großbritannien zur Division, sowie regionale Druckereibetriebe. 2008/09 wurde angesichts rapide sinkender Einnahmen ein Bündel von Sparmaßnahmen beschlossen.
In Irland fusionierten AN und die (konzernunabhängige) "Irish Times" ihr bislang gemeinsam herausgegebenes Gratisblatt "Metro Ireland" mit der "Herald AM" des ebenfalls kriselnden Verlaghauses Independent News and Media. Jedes der Unternehmen hält ein Drittel am neuen Titel "Metro Herald", von dem rund 70.000 Exemplare täglich im Großraum Dublin verteilt werden. Die schwedische Metro International, zuvor mit zehn Prozent an "Metro Ireland" beteiligt, zählt nicht mehr zu den Gesellschaftern.
Über Northcliffe ist DMGT in Ungarn und der Slowakei aktiv. 2006 erwarb man die "Pravda", nach eigenen Angaben die führende Qualitätszeitung der Slowakei.
DMG Radio Australia: In dieser Sparte sind neun kommerzielle Radiosender „Down Under“ gebündelt. Seit Ende 2009 handelt es sich um ein 50-prozentiges Joint Venture mit Lachlan Murdochs Unternehmen Illyria.
Euromoney: weltweit aktives Business-to-Business Unternehmen mit Schwerpunkt internationale Finanzmärkte (rund 100 Newsletter, Datenbanken, Online-Dienste, Konferenz- und Seminarbetrieb).
DMG Information: international tätige Business-to-Business Unternehmen für die Bereiche Hochschule und Bildung, Immobilien, Vermessungswesen, Verwaltung und Gesundheit.
In Deutschland besitzt DMGT über die Landmark Information Group die in Dortmund und Frankfurt ansässige inframation AG, die u.a. das Daten-Service Portal "geoport", nach eigenen Angaben "die erste Adresse im Bereich der Immobilienbewertung", betreibt.
DMG World Media: internationaler Messe- und Kongressveranstalter. Auch in Deutschland aktiv (z.B. "Ad-tech", Kongressmesse für digitales Marketing in Hamburg).
Zudem gehört mit Risk Management Solutions (RMS) der nach eigenen Angaben weltweit führende Anbieter von Dienstleistungen und Know-how für die Berechnung und das Management von Katastrophenrisiken zum Konzern.
Aktuelle Entwicklung
Im Rahmen der Finanz- und damit Werbekrise bleibt die Lage angespannt. Wie schon für das dritte Quartal, gab DMGT auch für ihr gesamtes (im Oktober beginnendes) Geschäftsjahr DMGT einen erheblichen Rückgang von Umsatz (minus acht Prozent auf 2.118 Mio. Pfund) und operativem Gewinn (minus 12 Prozent auf 278 Mio. Pfund) an, der sich allerdings im Rahmen der Prognosen bewegte.
Mit dem Verkauf der Mehrheit des "Evening Standard", der Einstellung von "London Lite" wie auch weiter Teile des Teletextes hat sich DMGT von gleich mehreren Bestandteilen seines Mediengeschäfts getrennt. Weitere gravierende Entwicklungen werden durchaus erwartet - nicht zuletzt, weil Rupert Murdochs Londoner Gratiszeitungs-Rückzug auch vor dem Hintergrund seiner Ankündigung steht, auf "paid content" im Internet zu setzen. Ähnliche Pläne werden Berichten ("Financial Times") zufolge bei DMGT erwogen. Auch Spekulationen über die gemeinsame Errichtung einer "Paywall Company" durch britische Zeitungsunternehmen tauchen immer wieder auf.
Im Juli 2009 zählte Viscount Rothermere zu den internationalen Unterzeichnern der vom Axel Springer-Konzern initiierten "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums", mit der Zeitungsverlage "legalen bezahlten Inhalten" Marktchancen im Internet erschließen wollen.
Der Aktienkurs von DMGT, der im Sommer 2007 noch bei über 800 GBp gelegen hatte, ist seither gesunken. Wegen zu niedriger Börsenkapitalisierung wurde die DMGT-Aktie aus dem prestigeträchtigen FTSE 100-Index der börsennotierten britischen Unternehmen wieder in den FTSE 250-Index zurückgestuft. Trotz der teilweise alarmierenden Zahlen im Bericht über das erste halbe Geschäftsjahr 2008/ 09 geben Analysten wegen der früh eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen und der geringen Abhängigkeit vom klassischen Mediengeschäft inzwischen wieder Kaufempfehlungen. 2009 rangiert der Kurs meist etwas unterhalb der 400-Pence-Marke.
Literatur
S.J. Taylor, The Great Outsiders: Northcliffe, Rothermere and the Daily Mail, 1996.
Paul Ferris, The House of Norhtcliffe. A Biography of an Empire.
Inhalte
Ranking - Top 50 2008
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