29. Clear Channel Comm.
Umsatz 2009: $ 5,552 Mrd. (€ 3,980 Mrd.)
Überblick
Clear Channel Communications, heute mit über 800 Stationen und über 110 Millionen Hörern wöchentlich das mächtigste Radioimperium der USA, agiert auch im Bereich Außenwerbung sowie über das Tochterunternehmen Live Nation in der Promotion, Produktion und Präsentation von Live-Unterhaltung.
Basisdaten
Hauptsitz:
200 East Basse Road, San Antonio, Texas 78209
Telefon: 001 210 822 2828
Telefax: 001 210 822 2299
Internet: www.clearchannel.com
Branche: Radiostationen, Rechtehandel, Live Entertainment, Außenwerbung, Musikvertrieb im Internet,
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1972 als San Antonio Broadcasting Company, ab 1975 Clear Channel Communications
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz (in Mio. US-Dollar) | 5.552 | 6.689 | 6.817 | 7.067 | 6.610 | 9.418 | 8.930 | 8.421 | 7.970 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. US-Dollar) | (4,005) | 938,5 | 691,5 | 935,6 | (4,038)* | 1.146 | (16,778)* | 1.140 | |
Beschäftigte | k.A. | k.A. | k.A. | 31.800 | 55.000 | k.A. | k.A. | 35.700 |
*Verluste durch Änderung der Bilanzierungsregeln
Radio | Außenwerbung | Sonstiges | |
2007 | 3.559 | 3.282 | 207,7 |
2008 | 3.294 | 3.289 | 209,965 |
Geschäftsführung
Executives
- Tom Casey, Chief Financial Officer and Executive Vice President
- Brian Coleman, SVP - Treasurer
- Chad Dan, VP - Real Estate
- Lisa Dollinger, Chief Communications Office
- Dirk Eller, SVP - Corporate Development & Strategic
- Bill Feehan, SVP - Human Resources
- David Galvanek, SVP - Financial Planning
- Chris Harrington, SVP - Corporate Tax
- Herb Hill, SVP - Chief Accounting Officer
- Julie Hill, SVP - Finance
- Ace Horan, VP - Financial Information System
- Jessica Marventano, SVP - Government Affairs
- Lowry Mays, Founder
- Mark Mays, President and Chief Executive Officer
- Randall Mays, Vice Chairman
- Hamlet Newsom, VP - Associate General Counsel
- John Partilla, Corporate EVP and President, Global Media Sales
- Joe Shannon, VP - Chief Technology Officer
- Robert H. Walls, Jr., Executive Vice President and General Counsel
- David Wilson, SVP - Chief Information Officer
Besitzverhältnisse: Seit dem Fusion am 30. Juli 2008 ist Clear Channel Communications ein 100%-iges Tochterunternehmen von CC Media Holdings, gebildet von einer Private-Equity-Gruppe, die gemeinsam von den Investmentfirmen Bain Capital Partners, LLC und Thomas H. Lee Partners, L.P. geführt wird.
Geschichte und Profil
Clear Channel, heute das mächtigste Radioimperium der USA, erblickte 1972 durch einen Zufall das Licht der Welt. Der Investmentbanker L. Lowry Mays hatte für eine Anlegergruppe eine Finanzierung zum Ankauf einer Radiostation arrangiert. Als das Interesse der Investoren abkühlte, übernahm Mays den Sender gemeinsam mit dem ortsansässigen Autohändler B. J. „Red“ McCombs und gründete die San Antonio Broadcasting Company. 1975 quittierte Mays den Bankdienst und widmete sich ganz dem Radiogeschäft. Er kaufte seine erste überregionale Station und nannte sein Unternehmen Clear Channel Communications („Clear Channel“ bezeichnet im amerikanischen Radiomarkt eine Station, die USA-weit exklusiv auf einer Frequenz zu empfangen ist).
Das hohe Preisniveau und die restriktiven gesetzlichen Bestimmungen verdarben Mays Anfang der 90er Jahre kurzzeitig die Lust am Radiomarkt. Er entdeckte das Fernsehen für sich und erwarb bis 1992 sieben TV-Stationen. 1992 und 1996 wurden im Telecommunications Act die Konzentrationsbeschränkungen im US-Radiomarkt schrittweise aufgehoben. 1994 kontrollierte Clear Channel 35 Radio- und neun TV-Stationen, 1997 waren es bereits 175 Radio- und 18 TV-Stationen.
Ende der 90er Jahre schaffte Mays endgültig den Sprung zum Medienmogul. 1999 wurde Clear Channel durch die Übernahme von Jacor Communications zum zweitgrößten Radioanbieter der USA. Die Nummer 1, AMFM wurde 2000 für 23,8 Milliarden Dollar erworben. Im gleichen Jahr übernahm Clear Channel SFX Entertainment, den größten Anbieter von Musik- und Sportereignissen in Amerika. Heute besitzt Clear Channel in den USA über 800 Radiostationen, hält Beteiligungen an über 240 Radiostationen in Australien, Mexiko und Neuseeland und betreibt 800 000 Außenwerbeflächen in mehr als 60 Ländern. Die Live-Unterhaltungssparte Clear Channel Entertainment wurde Ende 2005 unter dem Namen "Live Nation" in einem Spin-Off als eigenständige, börsennotierte Firma ausgegründet. Dieser Schritt war notwendig geworden, weil der Spielraum des Unterhaltungsanbieters unter dem Dach des Großkonzerns durch kartellrechtliche Bestimmungen immer stärker eingeschränkt wurde. Allerdings gehören sowohl L. Lowry Mays als auch sein Sohn Randall T. Mays immer noch dem Board of Directors von Live Nation an.
Am 16. November 2006 kündigte die Unternehmensleitung an, Clear Channel Communications für 18,7 Milliarden Dollar an eine Investorengruppe um die Beteiligungsfirmen Thomas H. Lee Partners (Insidern bekannt durch ihre Beteiligung an der Übernahme von ProSiebenSat1 Media durch Haim Saban) und Bain Capital Partners zu veräußern. Die Familie Mays sollte das Unternehmen auch unter den neuen Eignern weiterführen. Nach Bekanntgabe der Jahresbilanz 2006 verweigerten die Großaktionäre Fidelity Management & Research (9%) und Highfields Capital Management (5%) ihre Zustimmung zu der Transaktion, da sie das Unternehmen für unterbewertet und das Übernahmeangebot für zu niedrig hielten. Am 25. Septemberb 2007 befürworteten schließlich über 70 Prozent der Aktionäre den Merger. Nachdem am 8. Januar auch die Federal Communications Commission (FCC) und am 14. Februar das Kartellamt ihre Zustimmung gegeben hatten, fand am 30. Juli 2008 die Übernahme von Clear Channel Communications durch die eigens zu diesem Zweck gegründete CC Media Holdings für 24 Milliarden US-Dollar statt.
Management
L. Lowry Mays, seit Gründung CEO von Clear Channel Communications übergab die Leitung des Konzerns im März 2005 an seine Söhne Mark P. Mays (CEO) und Randall T. Mays (President und CFO), um sich selbst in den Aufsichtsrat zurückzuziehen. Dieser familieninterne Wechsel sichert dem studierten Erdölingenieur, der seine Erfolge einer manischen Kosteneffizienz verdankt, weiterhin großen Einfluss auf den Konzern. Das von ihm eingeführte „Voice Tracking“, ist immer noch eines der gewichtigsten Argumente der stetig wachsenden Schar von Clear Channel-Gegnern. Mit modernen digitalen Techniken werden Radiosendungen ganz oder teilweise vorproduziert und dann an einem beliebigen Ort und Zeitpunkt als vermeintliche Live-Sendungen ausgestrahlt. Die Sprachbeiträge der Moderatoren können dabei - automatisch oder manuell - mit aktuellen Nachrichtenmeldungen, Reportagen und Wettervorhersagen beliebig kombiniert werden. Das macht es beispielsweise möglich, zentral hergestellte Inhalte an lokale Gegebenheiten anzupassen. Befürworter dieser auch „Cyber Jocking“ genannten Methode stellen heraus, dass durch ihre Kosteneffizienz zuvor unrentable, kleine, lokale Sender erhalten werden könnten und sich die Arbeitsbedingungen von Moderatoren (beispielsweise durch die Aufzeichnung von Morgen- und Wochenendshows) verbessern ließen. Auch könne man die Qualität des Programms durch den Einsatz zwar nicht ortsansässiger, aber professioneller, bekannter Moderatoren steigern. Kritiker prangern dagegen den drohenden Mangel an Diversität sowie die „Irreführung“ der Hörer durch die Suggerierung von Unmittelbarkeit und Lokalität an. Das traditionell als Live-Medium wahrgenommene Radio zeichne sich insbesondere durch die persönliche Interaktion mit dem Publikum aus. Darüber hinaus steht vor allem der stark reduzierte Bedarf an Moderatoren in der Kritik.
Maßnamen dieser Art und Massenentlassungen nach Senderübernahmen brachten dem Unternehmen Ende der 90er den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Cheap Channel“ ein.
Durch Übernahme von Jacor-Chef Randy Michaels in den Clear Channel-Vorstand nach dem Merger 1998 fand Mays den idealen Partner. Michaels, der seine Radiokarriere in den 70ern als Extrem-Moderator („incredibly horny, wet and ready naked in-studio guests“) begonnen hatte, machte aus seiner Geschäftsphilosophie schon zu Jacor-Zeiten keinen Hehl: „We’re big. We’re bad. We’re rich“. Unter der Ägide von Michaels und Mays wurde die Marktmacht des Konzerns voll genutzt. Die Verflechtung mit dem Veranstalter Clear Channel Entertainment führte 2001 zu einem Kartellverfahren, in dem Clear Channel beschuldigt wurde, Singles von Künstlern, die konkurrierende Veranstalter für Touren verpflichten, aus der Playlist zu streichen. Im Juli 2002 wurde Michaels aus der Schusslinie gebracht und verließ das Unternehmen. Die rechtlich ebenfalls fragwürdige Praxis, Independent Promoters, sogenannte „Indies“, als Mittelsmänner zu nutzen, um sich die Aufnahme von Songs in die Playlists von den Plattenfirmen bezahlen zu lassen, stellte Clear Channel im April 2003 auf öffentlichen Druck ein.
Praktiken wie diese waren zwar wirtschaftlich erfolgreich, führten aber zu erheblicher Kritik nicht zuletzt aus den Reihen der Hörerschaft. In der Branche werden Clear Channel Stationen inzwischen als „Radio Sweatshops“ bezeichnet, das Unternehmen wird in Insiderkreisen mit dem schon fast schmeichelhaften Namen „Evil Empire“ bedacht. Dazu passt der Vorwurf, Clear Channel habe seine Marktmacht missbraucht, um George W. Bushs Wiederwahl und den Irakkrieg zu unterstützen. Im Mai 2005 musste die Firma zugeben, einen Piratensender, der vor allem das eigene Unternehmen beschimpfte, aus Marketinggründen selbst betrieben zu haben. Im Dezember 2006 organisierte die "Songwriters Guild of America" unter dem Motto "Big radio is bad radio." eine Reihe von Hearings bei der Federal Communications Commission (FCC), um auf die speziell durch Clear Channel verursachte Top 40 Monokultur im US-Radiomarkt aufmerksam zu machen. Inzwischen besteht ein erheblicher Teil der Unternehmenskommunikation aus Imagepflege, um den Ruf des notorisch geldgeilen Megakonzerns abzustreifen. Clear Channel hat eine „Less-is-More“ Strategie für Webeunterbrechungen eingeführt und gehört mittlerweile zu den kommerziellen Networks mit den geringsten Werbeanteilen am Programm. Zumindest in mittleren und größeren Märkten arbeiten lokale Redakteure, das Voice-Tracking wurde vermindert. Die Quote jüngerer, weniger bekannter Künstler auf Clear Channel-Playlists entspricht in etwa dem Branchenschnitt, an den Boykotten von Bush-kritischen Künstlern zu Beginn des Irakkrieges beteiligte sich Clear Channel zumindest nicht als Network (auch wenn einige konservativere Sender des Unternehmens die Aufrührer aus dem Programm nahmen), so dass Madonna und die Dixie Chicks weiterhin auf CC-Stationen zu hören waren. Auch der Verkauf nahezu eines Drittels seiner Radiosender und all seiner TV-Stationen im Jahr 2007 ist wohl ein Versuch, Kritikern aus Gesellschaft und Justiz weniger Angriffsfläche zu bieten.
Geschäftsfelder
Radio:
Seit 2000 ist Clear Channel der mit Abstand größte Radioanbieter der USA. Mit seinen über 800 Stationen hat das Unternehmen über 110 Millionen Hörer wöchentlich, in der Zielgruppe der 18-49-Jährigen erreicht Clear Channel im Tagesdurchschnitt über 45 Prozent der Bevölkerung. Das Unternehmen agiert in annähernd 300 US-Märkten, einschließlich 89 der 100 größten Teilmärkte der USA. Insgesamt betreibt Clear Channel etwa 9 Prozent aller amerikanischen Radiostationen, bei einem Umsatzanteil von etwa 18 Prozent am Gesamtmarkt.
Clear Channels Premiere Radio Networks, der Vermarktungsarm für Eigenproduktionen, lizensiert 90 Programme für über 5.000 Radiostationen in den USA, vor allem Sendungen von Starmoderatoren wie Rush Limbaugh, Ryab Seacrest, Casey Kasam und Jim Rome. Insgesamt erwirtschaftet die Radiosparte etwa 50 Prozent des Konzernumsatzes. Ende 2006 bot Clear Channel 448 Radiostationen und alle Fernsehstationen seines Portfolios zum Verkauf an. Die Fernsehstationen wurden am 20. April 2007 von Newport Television (kontrolliert von Providence Equity Partners) für 1,2 Milliarden Dollar übernommen. Von den zur Disposition stehenden Radiosendern fanden bisher nur ein Teil einen neuen Besitzer. Da alle angebotenen Stationen außerhalb der Top-100-Märkte operieren, beträgt der Umsatzanteil der betroffenen Radioanbieter und der Fernsehstationen allerdings lediglich 10 Prozent am Gesamtumsatz der Clear Channel Radio Gruppe.
Außenwerbung:
Mit der Übernahme der Eller Media Company, Universal Outdoor und More Group 1997/98 wurde die Kontrolle von Radiostationen strategisch durch den Ausbau der Außenwerbung flankiert. Durch weitere Ankäufe entwickelte sich Clear Channel zum größten Anbieter von Werbeflächen weltweit. Von der exklusiven Vermarktung der Werbeflächen in Carrefour-Supermärkten und entlang finnischer Landstraßen bis hin zur Werbung an 80 Prozent aller Taxi- und Bushaltestellen in Singapur reicht der lange Arm des Unternehmens.
Seit Ende 2007 besteht gar eine Kooperation mit dem FBI, das Clear Channel’s weit verbreitete, digitale Werbeflächen für Fahndungsplakate („Wanted“) und Sicherheitshinweise nutzt.
Insgesamt sind über 800.000 Werbeflächen in aller Welt über Clear Channel zu buchen. Zum Gesamtumsatz trug Clear Channel Outdoor 2008 mit rund 50 Prozent bei.
Entertainment:
Das dritte Standbein in der Aufstellung des Konzerns war bis 2005 Clear Channel Entertainment. Mit SFX Entertainment hatte Clear Channel 2000 den Marktführer in der Promotion, Produktion und Präsentation von Live-Unterhaltung übernommen. 2005 wurde das Unternehmen als „Live Nation“ von Clear Channel gelöst und operiert heute als formal eigenständiger Anbieter von Unterhaltungsprogrammen, Musikshows und Sportereignissen. Die Familie Mays bekleidet allerdings auch im Vorstand von Live Nation noch wesentliche Positionen. Die Ausgründung war durch massive Proteste gegen die Marktmacht von Clear Channel vor allem im Musikbereich notwendig geworden. Da ohne die Unterstützung von Clear Channel Radio ein Top 40 Hit kaum zu erreichen ist, sahen sich Plattenfirmen gezwungen, Clear Channel Entertainment als Veranstalter zu wählen, zumal das Unternehmen einen Großteil der Veranstaltungsorte selbst besitzt. Nach kartellrechtlichen Schwierigkeiten, Künstlerboykots und Klagen war die Ausgründung der einfachste Weg, um weiteren Imageschaden und juristische Schwierigkeiten abzuwenden. Damit ist die schlagkräftige – und unter Konzentrationsgesichtspunkten extrem angreifbare – Kombination von Radio, Außenwerbung und Veranstaltungen auf dem Papier nicht mehr gegeben.
Aktuelle Entwicklungen
Die mittelfristige Strategie des Clear Channel-Imperiums sieht vor, in jedem Markt einen starken Player für jeden Vertriebskanal für Unterhaltungsprodukte zu installieren. Eine Fülle von kritischen Diskussionen in amerikanischen Blogs und eine Reihe anhängiger Fälle wegen Kartellrechtsverstößen und Wettbewerbsbehinderung zeigen, dass diese Strategie nicht überall auf Gegenliebe stößt. Den Vorwürfen begegnet Clear Channel durch die Konzentration auf die Kernbereiche Radio und Außenwerbung und die Entflechtung des Konzerns. Sinkenden Werbeerlösen versucht Clear Channel durch die Initiative „Less is More“ zu begegnen. Durch Reduzierung der Spots sollen Hörer, die zu Internetradios und Satellitenkanälen abgewandert sind, für das klassische Radio zurück gewonnen werden. Trotz vielfältiger Probleme gelingt es Clear Channel weiterhin, seine Marktposition zu stabilisieren, gleichwertige Konkurrenz ist nicht in Sicht. Mit der Gründung der Künstlerbetreuung Artist Nation unter dem Dach der formal eigenständigen Entertainment-Firma Live Nation ist es der Familie Mays zudem gelungen, ihre Aktivitäten im Musikgeschäft strategisch auszuweiten. Während die CD-Verkäufe in den vergangenen sechs Jahren um die Hälfte einbrachen, haben sich die Umsätze mit Live-Events im gleichen Zeitraum verdoppelt. Konzerterlebnisse kann man nicht illegal kopieren. Folgerichtig kündigte Superstar Madonna im Herbst 2007 nach einem Vierteljahrhundert ihren Plattenvertrag bei Warner und wechselte nicht zu einem anderen Major, sondern zum Veranstalter Live Nation. Artist Nation ist nun für alles verantwortlich, was die Madonnenvermarktung betrifft. Zu dieser Strategie passen die Mobile- und Internetaktivitäten der Radiogruppe. Der unternehmenseigene Think Tank „Format Lab“, ursprünglich eingerichtet, um digitale Radiokanäle mit Programm zu versorgen, produziert seit April 2006 werbefreies Material für über 80 Kanäle und stellt seine Programme im Internet und für mobile Plattformen kostenfrei zur Verfügung. Seit Ende 2008 wurde das Angebot jedoch erheblich reduziert und der Internetauftritt des Format Labs durch das Musikportal „iheartmusic.com“ ersetzt. Auf der Website werden Streams von über 750 Clear Channel Stationen sowie Musikvideos, einzelne Songs und ganze Alben kostenfrei angeboten. Das Portal richtet sich vornehmlich an iPhone- und Blackberry-Besitzer, die ihre Geräte mittels einer ebenfalls kostenfrei zur Verfügung gestellten Anwendung mit iheartmusic vernetzen können. Die Konvergenz von Internet und Radio wird forciert. So sollen die Hörerzahlen nicht nur erhalten, sondern möglichst ausgebaut werden, um die Rentabilität anderer Unternehmensbereiche zu verbessern. Die Musik kann man inzwischen getrost verschenken. Verdient wird nicht mehr mit Platten, sondern mit Konzerten und Merchandising. Seit dem Start von iheartradio ist die Gesamthörerzahl von Clear Channel Stationen nach eigenen Angaben um 15 Prozent gestiegen.
Der Verkauf der Gruppe Clear Channel im Juli 2008 an die Investmentfirmen Thomas H. Lee Partners und Bain Capital Partners lief nicht ohne Widerstände ab. So hatte die Federal Communications Commision (FCC) ihre Genehmigung am 8. Januar 2008 nur unter Auflagen und einschließlich kritischer Stellungnahmen von zwei der fünf Kommissionsmitglieder erteilt. Die zum Zeitpunkt des Übernahmeantrags bestehenden Besitzverhältnisse standen nicht in Einklang mit den Media Ownership Rules der FCC und wurden nur durch Bestandsschutzklauseln ermöglicht. Diese gelten jedoch nicht mehr für die neuen Eigner. Die FCC verlangte deshalb als Bedingung für die Übernahme den Verkauf von 48 im einzelnen aufgeführten Radiostationen innerhalb der Top-100-Märkte der USA - unabhängig von der ohnehin beabsichtigten Trennung von den 448 kleineren Stationen. Der Verkauf wurde im Laufe des Jahres über einen Trust abgewickelt.
Im Rahmen der Prüfung des beantragten Mergers von Clear Channel Communications und CC Media Holdings musste die FCC sich mit zwei ablehnenden Petitionen sowie zwei informellen Einwendungen auseinandersetzen. Die vorgebrachte Kritik richtete sich unter anderem gegen die einseitige, rechtslastige politische Berichterstattung von Clear Channel Stationen. Die ideologische Ausrichtung der Radioprogramme, so die Befürchtung, würde sich durch die Beteiligung von Bain Capital Partners noch verstärken, da einer der Gründer des Investmentunternehmens Mitt Romney ist, Gouverneur von Massachussetts und einer der ehemaligen republikanischen Kandidaten für die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2008. Außerdem wurden wettbewerbsschädigende Praktiken kritisiert. Das Unternehmen nutze seine marktbeherrschende Stellung zur Manipulation des Werbemarktes, so der Vorwurf. So sollen Werbekunden dazu angehalten worden sein, ihre gesamte Radiowerbung über Clear Channel Stationen laufen zu lassen, um überhaupt Werbezeiten zu erhalten. Weiterhin wurde auf das Risiko einer Überführung der Unternehmenskontrolle von öffentlichen Gesellschaftern an Private Equity-Unternehmer hingewiesen.
Alle Einwendungen wurden jedoch abgewiesen, da sie entweder formale Kriterien nicht erfüllten oder nach Ansicht der Kommission keine wesentlichen, substantiellen Hinderungsgründe darstellten. Gleichwohl wurden die beiden demokratischen Kommissionsmitglieder dazu veranlasst, der Genehmigung „concurring statements“ hinzuzufügen, in denen sie ihre Zweifel zum Ausdruck brachten. Ein zentraler Punkt in dieser Ergänzung ist die Frage nach der Rolle von Investmentfirmen in der Medienbranche. Problematisch sei vor allem die mit der Private Equity-Beteiligung verbundene hohe Neuverschuldung, die die finanzielle Stabilität oder gar den Fortbestand des Unternehmens gefährden könne. Es sei nicht ausreichend geklärt worden, ob so dem Gemeinwohl langfristig gedient werden könne. Die FCC befand dennoch, dass der Merger dem öffentlichen Interesse nicht nur nicht schade, sondern sogar diene, da er den Verkauf der besagten 48 Radiostationen mit sich bringe und damit den Wettbewerb verbessere.
Seit der Übernahme durch CC Media Holdings werden Clear Channel Wertpapiere nicht mehr an der New Yorker Börse, sondern über die außerbörsliche Plattform „Pink Sheets“ gehandelt. Da die dort geführten Titel weder die üblichen, strengen, gesetzlichen Pflichten erfüllen, noch bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC registriert sein müssen, gelten Geschäfte mit Pink-Sheet-Titeln als äußerst riskant.
Am 20. Januar 2009, kündigte CEO Mark Mays in einer Rundmail seinen Mitarbeitern die Streichung von 1850 Arbeitsplätzen an. Das Unternehmen stehe einer nie dagewesenen gesamtwirtschaftlichen Notlage gegenüber, so die Begründung.
Links
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Presseberichte:
taz: US-Hörfunkunternehmen Clear Channel - Der Radio-Aktiv-Konzern (26.08.2008)
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