25. Charter Comm. Inc.
Umsatz 2008: $ 6,467 Mrd. (€ 4,397 Mrd.)
Überblick
Charter Communications (CC) ist der viertgrößte Kabelnetzbetreiber der USA mit sieben Mio. Abonnenten in 40 Staaten. 2004 wurden 3,5 $ Mrd. in das Breitbandnetz investiert, um durch die Erhöhung der Übertragungskapazität eine größere Aufsplittung in genre- und zielgruppenspezifische Angebote zu ermöglichen. Das Unternehmen bietet mit seinem Kabelnetz derzeit digitales und interaktives Fernsehen, Video-on-Demand, Pay-per-View-Leistungen sowie High-Speed-Internetanbindung an. Darüber hinaus kann Charter Communications seinen Kunden neben moderner digitaler Breitbandtechnik eine Anzahl von Mehrleistungen wie Intenet-Telefonie, Business-to-Business-Video und -Datentransfer anbieten.
Kooperationen bestehen sowohl mit der ABC Cable Network Group (Walt Disney in der Mediendatenbank), HBO (Time Warner in der Mediendatenbank), Showtime, Cinemax und The Movie Channel als auch mit lokalen Sendern, Sport- und anderen Entertainmentanbietern. 2003 brachte Charter Communications eine eigene Breitbandkabelbox durch die konzerneigene Internet-TV-Software-Firma digeo auf den Markt. Seit 2005 hat Charter Communications auch GolTV in sein Kabelnetz eingespeist. GolTV ist der erste und einzige Fernsehsender der USA, der die kompletten Fußballspiele vieler lateinamerikanischer und europäischer Länder überträgt. Außerdem vertreibt die Gruppe Kabelmodems, Set-Top-Terminals, interaktive elektronische Programmführer und digitale Musik.
Basisdaten
Hauptsitz:
Charter Plaza, 12405 Powerscourt Drive,
Ste. 100,St. Louis, Missouri 63131, USA
Telefon: 001-314-965-0555
Telefax: 001-314-965-9745
Internet: www.charter.com
Branche: Kabelnetze, Internet-Service, Video-on-Demand
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1993
Hauptgeschäftsfelder: Kabelfernsehen, High-Speed-Internet, Telefonie
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz (in Mio. US-Dollar) | 6.467 | 6,002 | 5.504 | 5.254 | 4.977 | 4.819 | 4.556 | 3.807 |
Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. US-Dollar) | (2.451) | (1.616) | (1.370) | (967) | (4.341) | (238) | (2.514) | (1.167) |
Aktienkurs (in US-Dollar, Jahresende) | --- | --- | 3,06 | 1,31 | 2,34 | 4,02 | 1,18 | 16,43 |
Dividende (pro Aktie in US-Dollar) | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Beschäftigte | k.A. | k.A. | k.A. | 17.200 | 15.500 | 15.500 | 18.600 | 16.700 |
Branche/Jahr | Fernsehen | Internet | Telefon | Advertising Sales | Werbefilm & andere |
2006 | 3,349 | 1,051 | 135 | 319 | 650 |
2007 | 3,392 | 1,252 | 343 | 298 | 717 |
2008 | 3,463 | 1,356 | 555 | 308 | 797 |
Geschäftsführung
Aufsichtsrat:
- Paul G. Allen, Chairman
- Robert P. May, Interimspräsident, CEO und Direktor der Calpine Corporation
- W. Lance Conn, Director
- Nathaniel A. Davis, Managing Director
- Jonathan L. Dolgen, Senior Advisor der Viacom
- Rajive Johri, Director
- David C. Merritt, Managing Director
- Marc B. Nathanson, Chairman der Mapleton Investments LLC
- Jo Allen Patton, Director
- Neil Smit, Präsident, CEO und Director
- John H. Tory, Director
- Larry W. Wangberg, Director
Unternehmensführung:
- Neil Smit, Präsident und CEO
- Michael J. Lovett, Executive Vice President und COO
- Jeffrey T. Fisher, Executive Vice President und CFO
- Marwan Fawaz, CTO
- Robert A. Quigley, Executive Vice President und CMO
- Grier C. Raclin, Executive Vice President, Generalanwalt und Corporate Secretary
- Lynne F. Ramsey, Senior Vice President, Human Resources
- Eloise E. Schmitz, Senior Vice President, strategische Planung
- Kevin D. Howard, Vice President und CAO
Besitzverhältnisse: Paul Allen (90%), Rest gestreut
Geschichte und Profil
Charter Communications (CC) startete 1993 als lokaler Kabelnetzbetreiber in St. Louis (Missouri), übernahm Gaylord Entertainment Co. aus Nashville (Tennessee) und stieg schnell zum zehntgrößten Kabelnetzbetreiber der USA auf. Im Jahr 1998 wurde CC, nachdem es die Marcus Cable Company aus Dallas (Texas) für 2,77 Mrd. $ gekauft hatte, für 4,5 Mrd. $ von der Investmentfirma Vulcan Inc. übernommen. Dadurch wurde CC zum siebtgrößten US-Kabelanbieter. Hinter dem Deal steckte der Microsoft-Mitbegründer und, laut dem US-Magazin Forbes, drittreichste Mann der Welt, Paul G. Allen (geschätztes Vermögen: 20 Mrd. $). Allen zog sich krankheitsbedingt 1983 aus dem operativen Geschäft bei Microsoft zurück und begann, nach dem Teilverkauf seiner Microsoft-Anteile, in verschiedene New Media-Firmen zu investieren. Dazu hatte er 1986 die Investmentfirma Vulcan Inc. gegründet. Nachdem 1993 sein Versuch gescheitert war, den damaligen „Narrowband"-Branchenführer AOL zu übernehmen, richtete er Mitte der 90er Jahre sein Augenmerk auf das Kabelnetz, um im Breitband-Segment Marktführer zu werden. Allen versuchte, mit dem Kauf der beiden Kabelnetzbetreiberfirmen seine Vision der „verkabelten Welt" („Wired World") umzusetzen, in der jeder Mensch über PC und ein Breitbandkabel unzählige interaktive Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten nutzen kann.
Allen besitzt über seine Investmentfirma Anteile an über 40 Technologie-, Medien- und Sportunternehmen, und ist außerdem im kulturellen und karitativen Bereich aktiv. Er hält u.a. Anteile an den Produktionsfirmen Clear Blue Sky Productions und DreamWorks SKG sowie an dem von Oprah Winfrey gegründeten Frauensender Oxygen. Darüber hinaus gehören ihm u.a. der NBA-Basketballverein Portland Trail Blazers, der NFL Footballklub Seattle Seahawks, die Zeitschrift „The Sporting News", ein Kino und ein Jimi-Hendrix Rockmusik-Museum.
Der Aufstieg des Kabelnetzbetreibers CC vollzog sich rasant. 1999 ging CC an die Börse, 2001 wurde es in den Nasdaq 100-Index aufgenommen und galt als der Aufsteiger des Jahres in der Technologiebranche. Zwischen 1999 und 2000 expandierte das Unternehmen, indem es mehrere lokale Kabelnetzbetreiber übernahm. Mit dem Zusammenbruch der New Economy begannen aber für CC die Schwierigkeiten. Die enormen Schulden von 19,5 Mrd US $ konnte das Unternehmen bisher nicht verringern.
Hatte Charter 2001 noch den „Outstanding Corporate Growth Award" der Association of Corporate Growth gewonnen, kämpft das Unternehmen seither mit Problemen. Diese sind zum Teil hausgemacht: Neben den Abschreibungen und Investitionen in Höhe von vier Mrd. $ in die Modernisierung der Kabelsysteme, musste CC auf Grund von Unregelmäßigkeiten in den Geschäftsberichten der Jahre 1999 und 2000 insgesamt 144 Mio. $ an klagende Aktionäre zahlen. Zwischen 2002 und 2003 verbuchte das Unternehmen infolge hoher Abschreibungen erhebliche Verluste. Um diese aufzufangen, bot Chairman Paul Allen aus seinem Privatvermögen 300 Mio. $ als Darlehen an. Zusätzlich wurde das Image von Charter erheblich beschädigt, da Ermittlungen aufgrund von Bilanzierungsunregelmäßigkeiten aufgenommen wurden, in deren Folge schließlich die Bilanzen aus 2001 und 2002 angepasst werden mussten. Allen tauschte daraufhin seine Führungsebene aus; gehen musste auch Carl A. Vogel, der Präsident und Chief Executive von 2001-2004, in dessen Amtszeit Charter geschätzte 800.000 Kunden verlor.
Nur die Unterstützung einiger Großbanken rettete den Konzern vor dem endgültigen Bankrott. Doch ein Kredit über 8 Mrd. $ Anfang 2004 sowie Restrukturierungsmaßnahmen reichten auch in den nächsten Jahren nicht aus, um Charter wieder in die Gewinnzone zu bringen. 2006 verlor die Aktie innerhalb von 11 Monaten 90 % ihres Wertes. Das Unternehmen verstärkte daraufhin seine Konsolidierungsbemühungen. Von einem neuen Marketingkonzept und der Bevorzugung von „high return investments“, also Ausgaben mit einem hohen Rücklauf der Kosten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, erwartete sich die Firmenspitze positive Akzente. Doch lediglich bei den Highspeed-Internet-Anschlüssen mit seinen hohen Zugangsgeschwindigkeiten und Datendurchgangsraten sowie der Internetelefonie verzeichnete das Unternehmen aber Zuwächse. Die enormen Investitionen in die Verbesserung des Kabelnetzes bringen jedoch erst langfristig Gewinn.
Dazu kam ein Konflikt mit den großen US-Hollywood-Studios 2004/2005, die sich von den Netzbetreibern in Sachen Filmrechte-Vermarktung im Kabel das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen wollten: So rollten 2004 die ersten Klagewellen der Motion Picture Association of America (MPAA) gegen die Nutzer von Filmtauschbörsen an. Allerdings urteilten die Gerichte, das allein Verdachtsmomente keinen Zwang für einen Internet Provider bedeuten, die Daten von Nutzern herauszugeben. Damit wird Charter nicht für eventuelle Copyright-Verstöße seiner Nutzer verantwortlich gemacht. Allerdings ging die RIAA bald daraufhin dazu über, Anklage gegen Unbekannt einzureichen. Seit 2005 muss auf Verlangen des Gerichts ein Provider in Einzelfällen seine Daten offen legen.
Management
Paul Allen, ehemaliger Microsoft-Geschäftspartner von Bill Gates, dem Charter Communications gegenwärtig zu 90 % gehört, zählt mit einem Vermögen von 18 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Menschen der Welt. Er hält laut Forbes Magazin vom März 2007 Rang 19 auf der Reichenliste. Ende der 90er Jahre hatte der Mitbegründer der Microsoft Corp. Charter für 4,5 Milliarden Dollar erworben. Als Verwaltungsratsvorsitzender bekleidet er die höchste Stellung im Unternehmen. Ihm zur Seite steht seit 2004 W. Lance Conn als kontrollierender Teilhaber und Vorsitzender, der außerdem als Vizepräsident der Investment Management for Vulcan Inc. fungiert. Vulcan, ein Investment- und Projektmanagement Unternehmen, ist von Allen gegründet worden, um Investments in Höhe von mehreren Billionen Dollar abzuwickeln.
Eine weitere bedeutsame Rolle im Management von Charter spielt Neil Smit als CEO seit 2005. Probleme bereiten dem Management die hohen Schulden im zweistelligen Milliardenbereich und der kontinuierliche Abbau der Verluste.
Das Management von Charter befindet sich in der ungünstigen Situation, sich einerseits dem steigenden Wettbewerb stellen zu müssen und durch gezielte Investitionen den Verkauf seiner Serviceleistungen zu stützen, andererseits beschränken die Altlasten den Gestaltungsspielraum des Konzerns stark. Allen und seine Unternehmensführung, zu der u. a. Robert P. May, Interimspräsident und CEO, Jeffrey T. Fisher, Executive Vice President und CFO sowie Jonathan L. Dolgen zählen, versuchen durch neue Kredite dem Management Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Der Druck auf die Führungsriege ist hoch, und er hinterlässt auch Spuren in der Besetzungsriege. 2007 schied beispielsweise Kevin D. Howard, ehemals Vizepräsident und CAO, aus.
Für das Management geht es momentan vor allem darum, die Investitionen klug in Strategien umzusetzen, die Charter wachsende Gewinne bescheren. Der Konsolidierungskurs wird weiterhin verfolgt werden, mit dem Ziel, wieder an erfolgreiche Zeiten wie im Jahr 2001 anzuknüpfen, als Charter noch als Branchenliebling bejubelt wurde und Einzug in den Nasdaq 100-Index hielt.
Geschäftsbereiche
Charter Communications ist mit seinem Informations- und Serviceangebot im gesamten Telekommunikationsmarkt präsent. Der Kabel- und TV Systembetreiber bedient annähernd 6 Millionen Abonnenten in 40 US Staaten, was ihn zum viertgrößten Kabelnetzbetreiber nach Comcast, Time Warner Cable und Cox Communications, macht. Charters Telekommunikationssparte beinhaltet Kabel- und Satellitenangebote, insbesondere analoge und digitale Videoservices sowie Datenservices. Außerdem tritt CC als Internet und Online-Dienstleister sowie als Festnetzanbieter auf.
Im US amerikanischen Markt gliedert sich das Verbreitungsgebiet in drei Bereiche, die West Division mit den wesentlichen Märkten in Südkalifornien, North Central CA/NV, Nordwest-US und Texas, die Central Division in den Staaten Wisconsin, Minnesota/Nebraska, Michigan und den Zentralstaaten, der dritte Bereich liegt an der gesamten Ostküste mit den Staaten Alabama, Georgia, Louisiana, New England, South Carolina und Tennessee. Charter kann laut Angaben vom Juni 2007 in diesen Verbreitungsgebieten in seinem Kernmarkt der analogen Videodienstleistungen auf knapp 5,4 Millionen Kunden verweisen. CC konzentriert gegenwärtig seine Kräfte vor allem auf den Ausbau neuer Serviceleistungen, das ist, gemessen an den Konzernverlusten, auch dringend notwendig. Ein Systemupgrade, der mit einem Finanzvolumen von 3.5 Billionen US $ zu Buche schlägt, soll dem Unternehmen in der kommenden Zeit neue Einnahmen im Bereich Breitband-Dienstleistungen einbringen. Neuere Produktbereiche sind die der modernen HDTV-Technik und digitalen Telefonservices (CC versorgt über eine halbe Million Telefonkunden). Charter unterhält Partnerschaften mit Digeo und OpenTV, um interaktive TV-Dienstleistungen anbieten zu können.
Fernsehen
2006 trugen die Fernseh- bzw. Videoangebote zu 61% des Gesamterlöses bei. 2007 bleibt das Segment mit Umsätzen von 3,392 Mrd. $ der stärkste Firmensektor (2006: 3,349 Mrd. $). Um den gestiegenen Anforderungen auf Nutzerseite zu begegnen, bietet Charter in unterschiedliche Programmangebote wie Pay per View, Video On Demand, Abonnementsysteme und spezialisierte Angebote wie digitale Videoaufzeichnung und High Definition Fernsehen an. Ähnlich wie seine Konkurrenten reagiert Charter also auf den sich verstärkenden Wettbewerb um Kunden.
TV-Paketleistungen werden geboten, die Regionalprogramme ebenso enthalten können wie nicht Rundfunk gestützte Kanäle, zu denen Teleshopping, religiöse Sendern und Wetterberichterstattung zählen. Ein Paket bietet je Angebot zwischen 9 und 30 Kanälen. Ausgeweitete Fernsehangebote umfassen zwischen 20 und 60 Kanäle.
Zwischen 3 und 45 Fernsehkanäle werden außerdem digital angeboten. Um besondere Kundenbedürfnisse zu bedienen, bietet die Digitalsparte Premium Kanäle (z. B. HBO Family und HBO Comedy), Sport-Programme, ethnische Sender oder Filme.
Premiumkanäle bedienen spezielle Gruppen- und Einzelinteressen mit Sportprogrammen, Film- oder Familienthemen.
Telefondienste
Bisher findet die Datenübertragung hauptsächlich über Internet-VOIP statt. Die Telefonsparte erwirtschaftete 2006 mit 2% einen vergleichsweise geringen Umsatz. 2007 versuchte Charter deshalb, seine Erreichbarkeit bei bisher immerhin 6,8 Millionen Haushalten zu erweitern und sich durch neue Serviceangebote attraktiver zu machen. Nach vorläufigen Zahlen für 2007 konnte so der Umsatz auf 343 Mio. $ mehr als verdoppelt werden (2006: 135 Mio. $).
Internet
Im Zuge seiner Konsolidierungsbemühungen ist der Internetmarkt das Segment, in dem es dem Konzern am schwersten fallen wird, mehr Nutzen aus seinen Investitionen zu ziehen. Mit seinen Internetdienstleistungen konnte Charter 2006 mit 1,05 Mrd. $ 19 % seines Umsatzes erwirtschaften, 2007 waren es schon 1,23 Mrd. $ - eine Steigerung um knapp ein Fünftel.. Hier kämpft Charter mit den Wettbewerbern und hat Mühe, mit den rasanten Entwicklungen am Markt Schritt zu halten.
Werbung
Charter vermarktet Werbezeiten vor allem für Satelliten-Sender, zu den Kunden zählen u.a. MTV, CNN und ESPN. 2006 steuerte der Verkauf von Werbung 6% zum Unternehmensumsatz bei, wobei auch das Vertriebsinstrument des Cross-Channel-Advertising genutzt wird. 2007 konnte hier der Umsatz um knapp 12 % auf 341 Mio. $ gesteigert werden.
Aktuelle Entwicklung
Für das Geschäftsjahr 2008 konnte Charter gemischte Zahlen vorlegen: Der Gesamtumsatz stieg um knapp 8 Prozent auf 6,467 Milliarden US-Dollar. Das EBITDA lag mit 2,315 Milliarden US-Dollar knapp 10 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Durchschnittsgewinn pro Kund stieg sogar um 10,2 Prozent auf 108,27 US-Dollar. Hauptgrund hierfür ist nach Konzernangaben das so genannte „Charter Bundle“, das Telefonie, Kabel-TV und Internet vereint. Rund 53 Prozent aller Charter-Kunden sind bereits „Bundle-Customers“ (2007: 47 Prozent). Problematisch für den Konzern ist aber, dass die Zahl der Kunden im analogen Kabel-Geschäft deutlich sinkt, und neue Kunden für das digitale Kabelfernsehen bzw. als Umsteiger nur mit großen Preisabschlägen gewonnen werden können. Zudem sind die Kosten für Vertrieb, Marketing und das laufende Geschäft stark gestiegen – sie lagen im Vergleich zu 2007 mit 4,16 Milliarden US-Dollar um 6,9 Prozent höher.
Und so schreibt der Konzern – wie in jedem Jahr seit Börsengang 1991 – weiter Verlust: Zu 614 Milliarden US-Dollar Schulden aus dem laufenden Geschäftsbetrieb kam ein weiteres Minus in Milliardenhöhe durch Zinszahlungen und andere Wertberichtigungen – insgesamt 2,451 Milliarden US-Dollar (2007: - 1,407 Mrd.).
Die Reichweite von Charter im analogen Markt ging 2008 auf 42,3 Prozent (2007: 44,5 Prozent) zurück, das entspricht einem Verlust von rund 75.000 Haushalten pro Quartal. Andererseits ist der analoge Markt der größte Verlustbringer für den Konzern. Bei den digitalen Kabelhaushalten konnte Charter 2008 dagegen zwar über 200.000 neue Kunden im Vergleich zu 2007 gewinnen, doch ist hier das Wachstum längst nicht mehr so stark wie noch 2007: Während im Vorjahr noch knapp 60.000 Neukunden pro Quartal gewonnen werden konnten, sank dieser Wert Ende 2008 auf nur noch 22.300 Neukunden pro Quartal.
Ähnlich sieht die Entwicklung bei Broadband-Internetanschlüssen und bei der Telefonie aus: Auch hier sank Ende 2008 die Zahl der Neukunden pro Quartal auf jeweils nur noch knapp die Hälfte der 2007er Zahlen – und das bei leicht zurückgehenden Einnahmen: Gab der Durschnittskunde 2007 noch rund 40,54 US-Dollar pro Monat für seinen Hochgeschwindigkeits-Internetanschluss aus, waren es 2008 nur noch 40,26 Dollar; bei der Telefonie ging der Monatswert von 41,74 Dollar auf 41,06 Dollar zurück.
Die Geschäftstätigkeit von Charter Comm. wird zudem auch 2009 weiter von immensen Schulden belastet. Zum Jahresende 2008 stand der Konzern mit 21,666 Milliarden US-Dollar in der Kreide. Nach monatelangen Verhandlungen einigte man sich im Februar 2009 auf ein Refinanzierungs- und Umschuldungskonzept. Kern dieses Konzepts sind finanzielle Zusagen von Charters Hauptinvestoren in Höhe von rund drei Milliarden US-Dollar. Die Konzernschulden sollen insgesamt um rund acht Milliarden US-Dollar reduziert werden. Zwar ist ein Verkauf von Unternehmensteilen nicht ausdrücklich ausgeschlossen, ein Ausstieg aus dem Kabelfernsehgeschäft ist aber keinesfalls geplant. Man habe „genügend Liquidität, um auch während der finanziellen Restrukturierung das operative Geschäft aufrecht zu erhalten“, heißt es in einer Mitteilung von Charter Comm. CEO Neil Smit. Mit Blick auf die Kabel-Franchises müsse Charter allerdings weitere 1,5 Milliarden US-Dollar abschreiben. Dass die Rettung des Unternehmens allerdings alles andere als gesichert ist, verbirgt sich in der Konzernmitteilung zur vorläufigen Jahresbilanz 2008 im Kleingedruckten: Das „Agreement-in-principle“, dass im Februar zwischen Charter Comm.-Vorstand und den Hauptgläubigern geschlossen wurde, unterliege noch „zahlreichen weiteren Bedingungen“. Daher könne es „keine Zusicherung geben, dass sich die einzelnen Vertragspunkte“ dieses Agreements nicht noch „signifikant ändern“ könnten, heißt es in einer Mitteilung vom März 2009.
Im Zusammenhang mit der Restrukturierung hat Charter Comm. zum 1. April 2009 beim United States Bankruptcy Court for the Southern District of New York Insolvenz angemeldet und Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt (Fall-No 09-11435). Am 7.April 2009 wird im das im NASDAQ gehandelte Papier ausgesetzt.
Charter Communications kann für das erste Quartal 2009 relativ ordentliche Zahlen vorlegen. Der Umsatz stieg um 6,3 Prozent auf 1,66 Mrd. US-Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hauptursache sind die Entwicklung im Bereich Telefonie (+ 39,7 Prozent) und bei Broadband-Internet (+ 9,8 Prozent). Das Kabel-TV-Hauptgeschäft legte trotz der Medienkrise nochmals leicht um 1,6 Prozent zu und trägt mit 872 Mio. US-Dollar den Löwenanteil zum Quartalsergebnis bei. Die Werbeeinnahmen brachen wegen der Wirtschaftskrise im branchenüblichen Maße ein und liegen mit nur noch 54 Mio. US-Dollar knapp 20 Prozent unter den Zahlen des Vorjahres. Das EBITDA für das 1. Quartal liegt mit 616 Mio. US-Dollar satte 13 Prozent über dem Wert von 2008 (545 Mio. US-Dollar), der Verlust (Consolidated Net Loss) ging von 357 Mio. US-Dollar im ersten Quartal 2008 auf 334 Mio. US-Dollar in den ersten drei Monaten 2009 zurück.
Charter-CEO Neil Smit lobte seinen Laden bei der Präsentation der Quartalszahlen in den höchsten Tönen: Charter habe gezeigt, dass das Kerngeschäft trotz der Insolvenz nach Chapter 11 „stark“ sei, der Konzern sei gut aufgestellt und reagiere agil und mit Fingerspitzengefühl auf die Herausforderungen des Marktes. Die finanzielle Restrukturierung sei auf einem sehr guten Weg. Laut Konzernangaben war Charter zum 31. März 2009 mit 21,623 Mrd. US-Dollar verschuldet, von diesen Schulden sollen rund 8 Mrd. US-Dollar im Rahmen der Umstrukturierungsmaßnahmen abgebaut werden. Für das weitere Geschäftsjahr rechnet Charter mit ausreichendem Cash Flow, um der Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und Lieferanten und Dienstleister zu bezahlen.
Inhalte
Ranking - Top 50 2008
- Time Warner Inc.
- Walt Disney Corp.
- Comcast Corp.
- News Corp. Ltd.
- Viacom Inc./CBS Corp.
- Sony Entertainment
- Bertelsmann AG
- NBC Universal Inc.
- Vivendi S.A.
- Cox Enterprises Inc.
- Thomson Reuters Corporation
- Lagardère Media
- Dish Network Corporation
- Rogers Comm.
- Liberty Media Corp.
- Reed Elsevier PLC
- ARD
- Pearson plc
- BBC
- Advance Publications
- Virgin Media Inc.
- Cablevision Systems Corp.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Charter Comm. Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Nippon Hoso Kyokai
- Mediaset SpA
- Grupo PRISA
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Tribune Co.
- The Hearst Corporation
- The Nielsen Company
- Daily Mail & General Trust plc
- Wolters Kluwer nv
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Bonnier AB
- ProSiebenSat.1
- The Washington Post Company
- Sanoma Group
- Grupo Televisa
- France Télévisions S.A.
- Axel Springer AG
- RCS Media Group
- TF1 S.A.
- Georg von Holtzbrinck GmbH
- ITV plc
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
- Nippon Television Network Corporation