38. Bonnier AB
Umsatz 2008: SEK 29,597 Mrd. (€ 3,078 Mrd.)
Überblick
Bonnier ist ein schwedisches Familienunternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1804 zurückreichen. Mittlerweile gehören zu dem Konzern rund 180 Unternehmen in Europa, Russland und den USA. Das Kerngeschäft von Bonnier sind Buchverlage, darüber hinaus ist Bonnier aber auch mit Zeitschriften, Tageszeitungen, Wirtschaftspublikationen und Druckereien im Print-Bereich tätig. In Skandinavien ist Bonnier unter anderem Haupteigner bei den größten kommerziellen Fernsehkanälen TV4 in Schweden und MTV3 in Finnland. Zum Unternehmen gehören außerdem Musik- und Filmproduktionsfirmen, Online-Vertriebe und Dienstleister für Geschäfts- und Wirtschaftsinformationen.
Basisdaten
Hauptsitz:
BONNIER AB
Kungsgatan 49 (Besucheradresse)
SE-113 90 (Postadresse)
Stockholm, Schweden
Tel.: 0046 8 736 40 00
Fax: 0046 8 728 00 28
Internet: www.bonnier.se, www.bonnier.com
Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Fernsehen, Radio, Film, Musik, Finanzinformationen, Online-Spiele
Rechtsform: Aktiengesellschaft (nicht börsennotiert)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1804 (1998)
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | 2000 | |
Umsatz | 29.597 | 29.207 | 20.247 | 20.051 | 19.564 | 18.710 | 17.498 | 16.839 | 16.787 |
Gewinn (Verlust)nach Steuern | --- | --- | 948 | 2.167 | 439 | 465 | (642) | (364) | (645) |
Profit after net financial items | 1,533 | 2.425 | 1.439 | 2.585 | 800 | 1.011 | (66) | 116 | 986 |
Beschäftigte | 12,163 | 11,868 | 9,721 | 9,641 | 10,243 | 9,996 | 10,121 | 10,242 | 10,702 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung/Vorstand:
- Jonas Bonnier, CEO, President Magazine Group and Newspapers
- Casten Almqvist, President Bonnier Business Press
- Maria Curman, President Books
- Torsten Larsson, President Broadcasting & Entertainment
- Lennart Wiklund, Senior Vice President, Human Resources & Information
- Göran Öhrn, Chief Financial Officer
- Ulrika Saxon, Vice President Research & Development
Aufsichtsrat:
- Carl-Johan Bonnier, Chairman of the Board
- Bengt Braun, Second Vice Chairman
- Hans-Jacob Bonnier, Executive Vice President, Dagens Industri
- Jeanette Bonnier
- Pontus Bonnier, President of AB Boninvest
- Arne Karlsson
- Lars Carlberg, Union Representative
- Carl Wilhelm Ros
- Pernilla Ström
- Per-Olov Atle
- Claes Hallin, Representative for the Swedish Graphic Workers' Union
- Börje Andersson, Trade union representative of the Swedish Union of Journalists (SJF)
- Christian Caspar, Co-opted member
Besitzverhältnisse: Familienbesitz/Bonnier
Geschichte und Profil
1804 eröffnet der Buchhändler Gerhard Bonnier einen Laden in Kopenhagen – und wird damit zum Gründer der bis heute existierenden Mediendynastie der Familie Bonnier. Gerhard Bonnier hieß ursprünglich Gutkind Hirschel, er zieht von Dresden nach Kopenhagen und lässt dort seinen Namen ändern. Bonnier bleibt in Dänemark, heiratet und bringt im Jahr 1816 mit der „Dagsposten“ eine Tageszeitung heraus, die sich zwei Jahre hält. Als die wirtschaftliche Situation in Dänemark schlechter wird, siedelt Bonniers ältester Sohn Adolf ins schwedische Gothenburg über, gründet dort einen zunächst einen Buchhandel und 1837 den Buchverlag Bonnier Förlag in Stockholm, woraufhin die Firma ihr Hauptgeschäft nach Schweden verlegt.
1856 kauft die Bonnier Familie eine Druckerei. Um die Druckkapazitäten auszulasten gründet Gerhards Sohn, David Felix Bonnier, 1859 die erste Regionalzeitung im Raum Göteborg. Unter Albert Bonnier, dem jüngsten Sohn Gerhard Bonniers, entwickelt sich das Unternehmen kontinuierlich weiter. Der Albert Bonnier Verlag expandiert, auch die Verlage der beiden Brüder werden aufgekauft. Als Rudolf Wall, ein ehemaliger Angestellter von Albert Bonnier, 1864 die liberale Tageszeitung „Dagens Nyheter“ gründet, unterstützt Albert dieses Vorhaben. Die „DN“ wird bei Bonnier gedruckt, seit 1888 ist das Unternehmen direkt an dem Blatt beteiligt und übernimmt 1924 die Anteilsmehrheit.
Bereits seit 1907 gibt Bonnier eigene Magazine heraus (Bonniers Manadshäften), in den folgenden Jahrzehnten werden weitere Titel gegründet. Zunächst handelt es sich hierbei vor allem um politische und kulturelle Magazine sowie Fachzeitschriften, die nicht viel Umsatz generieren. 1924 steigt Bonnier mit „Bonniers Veckotidning“ und „Hemma“ in den Markt der profitableren Wochenmagazine ein. 1929 übernimmt Bonnier den damals größten schwedischen Zeitschriftenverlag Åhlén & Åkerlund (später Bonnier Tidskrifter) und verbessert so seine Stellung im Zeitschriftenmarkt erheblich. 1944 startet Bonnier die Abendzeitung „Expressen“.
Zu Beginn der 50er Jahre hat das Bonnier Familienunternehmen mit den Tageszeitungen „Expressen“ und „Dagens Nyheter“ sowie dem Albert Bonnier Verlag und dem Unternehmen Åhlén & Åkerlund drei solide Standbeine aufgebaut. Bonnier investiert darüber hinaus mit Druckereien und Druckmaschinen im industriellen Wirtschaftszweig. Absatzschwierigkeiten und mangelnde Expansionschancen in der Mediensparte führen zu einem verstärkten Engagement im industriellen Bereich. Allerdings lässt Bonnier den Mediensektor nicht vollkommen außer Acht. 1950 gründet Bonnier den zunächst auf Comics spezialisierten Semic-Verlag. Seit 1959 kooperiert Bonnier mit dem dänischen Medienunternehmer Palle Fogtdal. Dreizehn Jahre später findet mit der Übernahme der Produktionsgesellschaft Svensk Filmindustri der Einstieg ins Filmgeschäft statt.
Währenddessen entwickelt sich auch der Geschäftsbereich der Wirtschaftspublikationen. 1965 geht das schwedische Finanzmagazin „Veckans Affärer“ an den Markt, das zur Keimzelle für den 1983 gegründeten Geschäftsbereich Bonnier Business Information werden soll. 1976 startet in Schweden die Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“, die ab 1990 auch in andere europäische Länder expandiert.
In den 70er Jahren finden im Bonnier Unternehmen weitreichende Umstrukturierungen statt, um die finanziellen Verluste durch unprofitable Industriebeteilungen zu verringern. Das Unternehmen will international expandieren und konzentriert sich wieder stärker auf den Mediensektor, der zu dieser Zeit in Schweden gerade im Umbruch ist. Bonnier kauft Verlagshäuser und andere Medienunternehmen in Nordeuropa und festigt damit seine Position als internationales Medienunternehmen. 1993 entsteht mit der Firma Bonnier Carlsen die größte Kinderbuchverlagsgesellschaft in Nordeuropa. Im gleichen Jahr steigt Bonnier mit der Übernahme des Münchner Piper-Verlags in das deutsche Mediengeschäft ein. 1998 konzentriert das Familienunternehmen seine diversen Firmen und Beteiligungen in der nicht börsennotierten Bonnier AB.
In Deutschland übernimmt Bonnier 1999 den deutschen Fachinformationsverlag Hoppenstedt, 2000 starten in Lizenz die landessprachlichen Ausgaben von „National Geographic“ in Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Finnisch. In Schottland gründet Bonnier die Wirtschaftszeitung „Business a.m.“, die Ende 2002 allerdings wieder eingestellt wird. 2001 geht der deutsche Kinder- und Jugendbuchverlag Thienemann an Bonnier, 2003 übernimmt der Konzern von der Axel Springer AG die Buchverlagsgruppe Econ/Ullstein/List und das Nordeuropa-Geschäft der internationalen Wirtschaftsinformationsgruppe Dun & Bradstreet.
Nach heftigen Gewinneinbrüchen seit Beginn der Werbe- und Medienkrise 2001, versucht der Konzern in der Folgezeit sich wieder zu erholen. Nachdem Bonnier 2003 noch über eine Milliarde schwedische Kronen Gewinn melden kann, sinkt der Profit 2004 wieder auf 800 Millionen Kronen ab. Dieses immer noch „erfreulichen Ergebnis“ (Bonnier-Vice-President Eric Mansson) ist hauptsächlich auf einen bebrillter Internats-Schüler aus Großbritannien und seine deutschen Fans zurückzuführen: Die 2003 erschienene Harry-Potter-Übersetzung hat Bonnier aus dem deutschsprachigen Raum Rekordeinnahmen beschert, 2004 fand sich nichts dergleichen im Verlagsprogramm.
Dafür kauft der Konzern in Schweden die Kinokette Sandrew Metronome und fusioniert sie mit SF Bio, Bonnier betreibt daraufhin 55 Kinos mit 299 Leinwänden in ganz Schweden. Allerdings ist das Kinogeschäft weiter rückläufig und von geringen Margen gekennzeichnet, obwohl Bonnier mit Filmen wie der „Herr der Ringe“-Trilogie Rekordbesucherzahlen verzeichnen konnte.
Im Zeitungsbereich wird bei den meisten Titeln ein strikter Sparkurs verfolgt. Nach schmalen Gewinnen 2003 meldete der Bereich 2004 271 Millionen Kronen Verlust, obwohl sich vor allem beim „Expressen“ und im Druckgeschäft die Lage gebessert hat. Den anderen Blättern machen weiterhin fehlende Anzeigen zu schaffen, der überregionalen „Dagens Nyheter“ setzt vor allem der harte Wettbewerb um Immobilienanzeigen – auch mit dem Internet – zu. Kosten verursacht auch die Gratiszeitung „Stockholm City“. Der Magazinbereich läuft vor allem Dank internationaler Expansion (z.B. Start von „Illustrated Science“ in Griechenland) wesentlich besser und meldete für 2004 das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.
Nachdem die Privatsender TV4 (Schweden), TV 2 (Norwegen) und MTV 3 (Finnland) mit der Vetriebsorganisation Nordic World eine gemeinsame Plattform für internationale Programmvermarktung gegründet haben, gerät Bonnier 2004 in eine Übernahmeschlacht mit der norwegischen Schibsted ASA Gruppe. Die beiden Großverlage kämpfen um die Vormachtstellung im Fernsehbereich.
Insbesondere geht es um den Besitz an TV4, dem größten kommerziellen TV-Kanal in Schweden. Größter Aktionär von TV4 ist die Alma Media Gruppe, an der Bonnier auch mit 33 Prozent beteiligt ist. Bis dahin ist Bonnier wichtigster Anteilseigner bei der Alma Media Gruppe und stellt auch den Aufsichtsratschef für das Unternehmen. Außerdem hält Bonnier noch eigene Anteile an dem Sender TV4.
Schibsted baut Ende 2004 seinen Anteil an TV4 durch den Kauf weiterer Aktien aus und plant außerdem, die Alma Media Gruppe aufzukaufen, wodurch Bonnier seine Sonderstellung bei dem Sender in Gefahr sieht.
Bonnier tritt die Flucht nach vorne an und kauft Anfang 2005 gemeinsam mit dem privaten Finanzinvestoren Proventus für 463 Millionen Euro die Rundfunk-Sparte der Alma Media-Gruppe. Neben 23,4 % der Anteile an TV4 wird der zur Alma Media gehörende werbefinanzierte Fernsehsender MTV3 mit Sitz in Finnland übernommen. Zur MTV-Gruppe gehört außerdem die Tochtersender MTV3+, SubTV, Urheilukanava und Radio Nova.
Bonnier und Proventus bringen diese Anteile in ihr Joint Venture Nordic Broadcasting Oy ein, eine Produktionsfirma mit Sitz in Finnland, an der Bonnier und Proventus zu je 50 Prozent beteiligt.
Ende 2006 verkauft Schibsted seinen restlichen Anteil von 26,9 Prozent an TV4 für knapp 160 Millionen Euro an Bonnier und Proventus. Nach weiteren Aquisitionen und der Übernahme der Proventus- und Bonnier-Anteile besitzt Nordic Broadcasting nun (direkt und indirekt über die Tochtergesellschaft MTV Oy) 98.9 Prozent an TV4.
Bedeutende Aquisitionen finden auch in Bonniers Magazin-Sparte statt. Nach dem Kauf des US-amerikanischen Verlags World Publications übernimmt Bonnier im Januar 2007 von Time Inc. in den USA die Zeitschriftenverlage Time4Media und The Partenting Group für geschätzte 300 Millionen US-Dollar. Die beiden Verlage haben zusammen 18 Titel und rund 600 Mitarbeitern und sind neben verschiedenen Special-Interest-Zeitschriften vor allem führend auf dem Markt für Elternzeitschriften.
Im März 2007 gründet Bonnier das amerikanische Verlagshaus Bonnier Corporation, um die erworbenen US-Verlage zusammenzufassen. Mit mehr als 40 Titeln auf dem US-Markt und einem jährlichen Umsatz von 400 Millionen Dollar trägt die Bonnier Corporation etwas mehr als zehn Prozent zum Gesamtumsatz der Gruppe bei.
Management
Bonnier befindet sich im Besitz von rund 70 Familienmitgliedern und ist damit ein echtes Familienunternehmen in der mittlerweile siebten Generation. Die Aufsplitterung der Firma wird durch eine Übereinkunft der Bonnier Familie verhindert, wonach 70 Prozent der Eigentümer zustimmen müssen, wenn das Unternehmen verkauft bzw. an die Börse gebracht werden soll. Diese Abmachung wurde im Jahr 1998 bei der Gründung der Bonnier AB getroffen und soll noch bis 2030 gelten.
Rund ein Dutzend der Mitglieder des Bonnier-Clans sind im aktiven Geschäft oder im Aufsichtsrat für den Medienkonzern tätig. Ein besonders einflussreicher Mann im Unternehmen gehört allerdings nicht zur Familie. Bengt Braun, Jahrgang 1946, war von 1998 bis Ende 2007 CEO der damals neu gegründeten Bonnier AB, in der die insgesamt rund 180 Bonnier Unternehmen zusammengefasst sind. Braun hatte bei Amtsantritt schon Erfahrung mit dem Konzern, er war von 1989 bis 1998 CEO von Tidnings AB Marienberg, einem Zeitungsverlag der Bonniergruppe. Der Verlag ging 1998 durch die Fusion mit Bonnierföretagen in die Bonnier AB über.
Neben seinem Job bei Bonnier AB ist Braun auch noch in anderen Unternehmen als Aufsichtsrat tätig. Von 1998 bis 2000 war er Vorsitzender des Weltverbands der Zeitungen WAN.
Im Oktober 2007 wurde beschlossen, dass Jonas Bonnier neuer CEO der Bonnier–Gruppe wird. Bengt Braun, der zehn Jahre für Bonnier als CEO tätig war, wird 2008 abgelöst. Er bleibt dem Unternehmen als Vice Chairman und Aufsichtsratsmitglied erhalten. Jonas Bonnier hat bereits eine lange Karriere im Unternehmen hinter sich. Nach seinen Studium und einer Zeit als Lehrer veröffentlichte er 1988 seinen ersten Roman, dem noch sieben weitere folgten. Er arbeitete als Redakteur und Drehbuchautor, bevor er 1995 mit der Gründung der Internetfirma Bonnier Online betraut wurde. Es folgten Jahre bei der Bonnier Magazine Group sowie seine Tätigkeit als stellvertretender Geschäftsführer bei Bonnier, in der er mit allen Geschäftsbereichen in Berührung kam. Nun wird er 2008 zum CEO der Bonnier Gruppe. Parallel dazu wird Jonas Bonnier weiter als Vorstandsvorsitzender der US-amerikanischen Tochterfirma Bonnier Corporation im Amt bleiben.
Carl-Johann Bonnier (geb. 1951) wurde bei der Gründung der Bonnier AB 1998 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates ernannt. Zwischen 1992 und 1998 war er als Präsident und CEO bei AB Bonnierföretagen tätig. Seine Karriere begann 1978 nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften bei dem Bonnier-Unternehmen Semic International. Carl-Johann Bonnier ist neben seinem Posten als Aufsichtsratsvorsitzender auch Vorsitzender bei Bonnier Cityfastigheter und SNS, einem unabhängigen Forschungsinstitut mit einem Schwerpunkt auf politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen. Außerdem ist Carl-Johann Bonnier Mitglied des Aufsichtsrates in diversen Bonnier-Unternehmen.
Eine weitere wichtige Person ist Hans-Jacob Bonnier als Executive Vice President von Bonnier AB. Hans-Jacob Bonnier ist außerdem Vorsitzender bei dem Family Business Network in Schweden, der European Business Press Foundation und der Bonnier Family Foundation. Darüber hinaus ist er im Aufsichtsrat von Nordea und Stockholms Regional Board sowie als stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat vom Albert Bonnier AB Verlag tätig. Hans-Jacob Bonnier arbeitete zunächst zwischen 1974 und 1978 bei Duni Sarl in Frankreich, danach wurde er President bei Duni A/S in Norwegen. 1982 wurde er Assistant of President bei Bonnierföretagen und sechs Jahre später Marketingmanager bei Bonnier Business Information. Seit 1997 ist Hans-Jacob Bonnier außerdem Executive Vice President bei der Wirtschaftszeitung Dagens Industri.
Als weltweit bestes Familienunternehmen wurde Bonnier 2003 mit dem „The IMD-Lombard Odier Darier Hentsch Distinguished Family Business Award“ ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vom International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne und der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch verliehen. Wie viele skandinavische Unternehmen legt Bonnier auf soziale Verantwortung großen Wert und ist u.a. Mitglied der Business-Group der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und verschiedener UN-Initiativen.
Die Zeitungen, Zeitschriften und Magazine der Gruppe sind redaktionell unabhängig, durch die Unternehmenstradition aber auf einen „liberalen Geist“ verpflichtet. Trotzdem ist Bonnier alles andere als eine mediale Wohlfahrtseinrichtung: „Wir werden die führende Mediengruppe in Nordeuropa sein. Wir werden eines der größten, profitabelsten und am schnellsten wachsenden Unternehmen sein. Wir werden die Entwicklung im Verlagsbereich anführen und die Erwarten unserer Kunden übertreffen“, heißt es alles andere als bescheiden in den aktuellen Unternehmenszielen.
Geschäftsfelder
Bonnier vereint unter seinem Dach die unterschiedlichsten Medienprodukte, darunter Bücher, Zeitungen, Magazine, gedruckte und elektronische Geschäftsinformationen, Musik, Kino, Film- und TV-Produktionen, werbefinanziertes Lokalradio und Online-Angebote. Die insgesamt über 180 Unterfirmen sind derzeit in sieben Geschäftsbereichen organisiert: Bücher, Fernsehen, Wirtschaftspresse, Entertainment, Abendzeitungen, Morgenblätter und Magazine. Der Geschäftsbereich der Wirtschaftsinformationen wird von Bonnier nicht mehr aufgeführt, soll hier aber dennoch kurz aufgeführt werden, da er bis 2005 vor allem in Deutschland für Bonnier von relativ großer Bedeutung war.
Zeitungen
Bonnier Newspapers bringt Tageszeitungen in Schweden und Lettland heraus. In Lettland ist Bonnier mit einem Anteil von 84 Prozent an der Zeitung „Diena“ beteiligt. „Dagens Nyheter“ ist Schwedens auflagenstärkste überregionale Morgenzeitung. Wichtige schwedische Regionalzeitungen von Bonnier sind: „Sydsvenska Dagbladet“, „Trelleborgs Allehanda“, „Ystads Allehanda“, „Kristianstadsbladet“. Zu Bonnier gehört auch die nationale Abendzeitung „Expressen“ (mit mehreren regionalen Unterausgaben, u.a. „Göteborgs Tidningen“, „Kvällposten“ und „Stockholm City“). Außerdem hält Bonnier einen 73-prozentigen Anteil an Skånemedia mit den Zeitungen „Ystad Allehanda“, „Trelleborgs Allehanda“ und „Kristianstadsbladet“.
In den Bereich Bonnier Newspapers fallen darüber hinaus aus zeitungsverwandte Unternehmungen wie die Fotoagentur Pressens Bild und die Druckereien Bold Printing Group sowie Premo, an der Bonnier einen 50-prozentigen Anteil hält.
Zeitschriften/ Magazine
In der Bonnier Magazine Group erscheinen Special-Interest- und Lifestyle-Magazine sowie Wirtschafts- und Industrie-Magazine. Die Zeitschriften werden in zehn Ländern vertrieben, darunter Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, USA, Spanien und Portugal.
Bonnier Publications, der wichtigste Verlag dieses Geschäftsbereiches, hat Büros in Kopenhagen und Oslo und verlegt unter anderem Titel wie „Science Illustrated“, „In Form“ und die verschiedenen Ausgaben von „National Geographic“. Weitere Unternehmen sind der Verlag Tidskrifter in Stockholm, Global Communicacion in Madrid und Bonnier Corporation in den USA. Der Umsatz konnte 2006 um 9,1 Prozent gesteigert werden, was auf hohe Reichweiten und neue Titel zurückzuführen ist, die in den letzten Jahren lanciert wurden. Im Vergleich zum Vorjahr wurde noch stärker in Neuerscheinungen wie das „M-magasin“ in Schweden oder „Cosmopolitan“ in Dänemark investiert. Die Business-Sparte der Verlagsgruppe publiziert überwiegend Kundenzeitschriften, ist aber auch im Business-to-Business-Bereich tätig und gibt Gratis-Zeitungen heraus.
Nach der Übernahme des Verlags World Publications in den USA kaufte Bonnier im Januar 2007 von der Time Inc. (Time Warner Inc. in der Mediendatenbank) für geschätzte 300 Millionen Euro die Parenting Group und Time4Media. Titel sind unter anderem die erfolgreichen Elternmagazine “Parenting” und “Babytalk” aber auch und Special-Interest-Magazine wie “Popular Science”, “Field & Stream”, “Outdoor Life”, “Yachting”, “MotorBoating”, “Salt Water Sportsman”, “Skiing”, “Ski”, “TransWorld Skateboarding”, “TransWorld Snowboarding”, “TransWorld Motocross”, “TransWorld Surf”,” ride bmx”, “Quad”, “Shot Business” und “TransWorld business”.
Außerdem publiziert der Verlag World Publications rund 20 Magazine zu den Themen Reisen, Garten, Essen, Segeln und Tauchen. Bonnier verbindet die drei Verlage im März 2007 zum Unternehmen Bonnier Corporation, das in den USA über 40 Magazine herausbringt und einen Jahresumsatz von ungefähr 400 Millionen Dollar generiert.
Buchverlage
Bonnier ist die dominierende Verlagsgruppe in Skandinavien. In Schweden gehört zu Bonnier die Verlagsgruppe Bonnierförlagen (mit dem Albert Bonniers Förlag und Wahlström&Widstran), in Dänemark gibt es die Verlagsgruppe Bonnier Forlagene (mit Lindhart og Ringhof und Carlsen). Außerdem besitzt Bonnier den finnischen Tammi-Verlag, den norwegischen Cappelens-Verlag und mit AdLibris den größten Online-Buchhandel in Nordeuropa. Seit rund fünfzehn Jahren mischt Bonnier auch stark im deutschen Buchgeschäft mit (siehe Engagement in Deutschland). Zur Business-Sparte der Verlaggruppe gehört der britische Buchverlag Bonnier Publishing mit Zweigstellen in Frankreich, Australien und den USA.
Im vergangenen Jahr ist der Umsatz um 4,8 Prozent gestiegen, vor allem wegen eines stetigen Wachstums beim Online-Store AdLibris und dank der Übernahme des US-amerikanischen Verlags Weldon Owen durch Bonnier Publishing Anfang 2006. Der Verlag Weldon Owen produziert illustrierte und qualitativ hochwertige Bücher zu den Themen Kochen, Lifestyle, Bildung, sowie Nachschlagewerke. Auch die Umstrukturierung des dänischen Verlags Bonnier Forlagene trug zu der positiven Entwicklung bei. Somit konnte annährend das gute Ergebnis aus dem Vorjahr gehalten werden, dass besonders durch den Verkauf des vierten Harry-Potter-Bandes in Deutschland zustande gekommen war.
Broadcasting & Entertainment
Bonnier Broadcasting & Entertainment bündelt die Film-, Fernseh- und Radioaktivitäten des Konzerns. Ursprünglich hieß dieser Bereich Bonnier Entertainment. 2007 wurde die Bezeichnung um den Begriff Broadcasting erweitert. Hiermit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Sparte einen Großteil ihres Umsatzes im Rundfunkbereich erwirtschaftet. Zu Bonnier Broadcasting & Entertainment gehören neben dem traditionsreichen Filmproduktionsunternehmen Svensk Filmindustri, das in allen nordischen Ländern aktiv ist, auch die Kino-Kette SF Bio, die Filmtheater in Norwegen und Schweden betreibt. Mit Bonnier Amigo Music Group ist Bonnier auch in der skandinavischen Musikproduktion tätig. Mit Homeenter verfügt das Unternehmen außerdem über einen Internetvertrieb für Unterhaltungsmedien.
In Rundfunkbereich ist Bonnier zu 50 Prozent an dem Joint Venture Nordic Broadcasting beteiligt, dass unter anderem Haupteigner der beiden größten kommerziellen Fernsehsendern in Finnland (MTV3) und Schweden (TV4) ist. Über die MTV-Gruppe gehört hierzu auch Radio Nova, Finnlands erster landesweit ausgestrahlter privater Radiosender. Im März 2007 gibt Bonnier bekannt, die anderen 50 Prozent an Nordic Broadcasting von dem Finanzinvestor Proventus zu übernehmen
Wirtschaftspresse
Bonnier Business Press veröffentlicht Wirtschaftszeitungen in zehn Ländern, unter anderem die schwedische „Dagens Industri“ sowie Zeitungen in Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Russland, Polen, Slowenien, Bulgarien und Kroatien. In Russland und der Ukraine werden seit dem letzten Jahr auch Internetseiten angeboten. Die hohen Kosten im Bereich der Wirtschaftspublikationen werden teilweise durch den Verkauf der 50-prozentigen Beteiligung am österreichischen „WirtschaftsBlatt“ finanziert.
Medicine Today International, Herausgeber von Fachzeitschriften im Medizin- und Gesundheitssektor, wird Ende 2006 organisatorisch dem Bereich Business Press unterstellt. Hierdurch soll eine bessere Kooperation mit den Wirtschaftsblättern hergestellt werden, die beim Anzeigengeschäft ebenfalls vor allem auf den Business-to-Business-Bereich fokussiert sind.
Business Informationen
Bis 2005 waren in dem Unternehmen Bonnier Business Information rund 50 einzelne Tochterunternehmen wie der Informationsdienstleister D&B in Nordeuropa und die Fachverlagsgruppe Hoppenstedt in Deutschland zusammengefasst. Bei der Fusion von Bonnier Business Information mit dem Informationsanbieter Infodata entstand das Unternehmen Bisnode AB, an dem Bonnier noch 30 Prozent besitzt. Der Geschäftsbereich wird seit 2005 von Bonnier aber nicht aufgeführt.
Engagement in Deutschland
In Deutschland ist Bonnier mit Buchverlagen und mit einem Anteil von 30 Prozent auch bei Anbietern von Wirtschaftsinformationen aktiv.
Die Bonnier Media Deutschland GmbH (München) ist Teil von Bonnier Books und bündelt die Verlage Carlsen, Piper, Thienemann, arsEdition und Ullstein/Econ/List sowie den Buchvertrieb Blank. Dank der bei Carlsen erscheinenden deutschen Ausgaben der Harry-Potter-Romane trägt sie überdurchschnittlich zum Konzernergebnis bei.
Bonnier startete 1993 in Deutschland mit dem Kauf der Verlage Piper und arsEdition aus München und Carlsen aus Hamburg. Der Piper-Verlag publiziert vor allem fiktionale und non-fiktionale Literatur für Erwachsenen im Taschenbuchformat, während arsEdition neben hochwertigen Kinderbüchern auch Kunst- und Geschenkbücher produziert
2001 übernahm Bonnier außerdem den bereits 1849 gegründeten Kinderbuchverlag Thienemann. 2003 folgten die Ullstein Buchverlage, zu denen die Verlage Allegria, Claassen, Econ, List, List Taschenbuch, Marion von Schröder, Propyläen, Ullstein und Ullstein Taschenbuch gehören.
Im Bereich der Wirtschaftsinformationen hat Bonnier einen 30-prozentigen Anteil an dem Unternehmen Bisnode, zu dem unter anderem der in Darmstadt lokalisierte Fachverlag Hoppenstedt und der Wirtschaftsinformationsdienstleister D&B Deutschland gehören.
Hoppenstedt ist in Deutschland der führende Fachverlag für Informationstechnik, Automation und Logistik (Titel: „Scope“, „handling“, „LABO“, „Kunstoff Magazin“, „MTA Dialog“). Außerdem bietet das Unternehmen diverse Dienstleistungen von Finanzinformationen, Vertrieb und Direktmarketing bis zu Controlling und Unternehmensanalyse an. Die Bonnier Business Information (BBI) übernimmt Hoppenstedt im Jahr 2000. 2004 folgen die Dun & Bradstreet-Geschäfte (mittlerweile D&B) in Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen und der Schweiz. Der Wirtschaftsinformationsanbieter D&B Deutschland wird bei Hoppenstedt eingegliedert.
2005 schließt sich Bonnier Business Information mit dem Informationsdienstleister Infodata zusammen, der zu dem schwedischen Unternehmen Ratos AB gehört. Es entsteht das Unternehmen Bisnode AB, an dem Ratos mit siebzig Prozent und Bonnier mit dreißig Prozent beteiligt sind.
Durch den „Harry Potter“-Boom kam Bonnier in Deutschland vor allem mit dem Carlsen-Verlag in die Schlagzeilen. Mit dem Roman haben sich die Einnahmen des Verlages fast verdreifacht. Inklusive der „Harry Potter“-Verkäufe rechnet der Geschäftsführer Joachim Kaufmann 2007 mit einem Umsatz zwischen 70 und 80 Mio. Euro. Aber der Verlag ist auch ohne den Roman überlebensfähig. Wird „Harry Potter“ aus dem Umsatz herausgerechnet, ergibt sich für das Jahr 2007 immer noch eine Steigerung von rund 30 Prozent. Im Herbst 2007 übernimmt der Carlsen Verlag außerdem den Nelson Verlag aus Stuttgart, der mit Bilderbüchern für Kleinkinder (z.B. „Petzi“) ein ähnliches Segment bedient. Der Nelson Verlag verfügt außer eigenen Stoffen auch über eigene Vertriebswege, die Produkte werden beispielsweise auch in Drogerien und in Supermärkten verkauft.
Ein weiteres Zugpferd des Carlsen Verlags sind japanische Comics, so genannte Mangas. Der Verlag war schon früher im Comic-Bereich aktiv, und dort vor allem als Herausgeber der „Tim und Struppi“-Reihe zwar bekannt, jedoch nicht sehr erfolgreich. Nachdem der Verlag Ende der 90er Jahre ins Straucheln geraten war, kam 2000 mit „Harry Potter“ und der Manga-Reihe „Dragonball“ der Durchbruch. Durch diverse Zukäufe im Kinder- und Jugendbuch-Bereich fühlt sich der Verlag auch für die Zeit nach „Harry Potter” gerüstet. Es soll keine Stelle gestrichen werden, auch wenn sich die Mitarbeiterzahl seit 1999 verdoppelt hat.
Aktuelle Entwicklungen
Außerskandinavische Zielgebiete für neue Geschäfte bleiben auch weiterhin die baltischen Staaten, Russland und Polen: Mittlerweile wächst Bonnier nur noch dank des Auslandsgeschäfts, fast 50 % der Umsätze werden bereits außerhalb Schwedens erzielt. Dieser Anteil wird sich in 2007 noch einmal vergrößern, da Bonnier Anfang des Jahres in den USA die Verlage Time4 Media und die Parenting Group übernommen hat. Durch die Zusammenlegung mit World Publications entstand der Großverlag Bonnier Corporation, der in den USA über 40 Special-Interest-Magazine anbietet und damit einen Jahresumsatz von geschätzten 400 Millionen Dollar generiert. Auch im skandinavischen Rundfunkmarkt strebt Bonnier eine Vergrößerung an. Im März 2007 gibt das Unternehmen bekannt, den 50-prozentigen Anteil an Nordic Broadcasting von Proventus zu übernehmen. Bonnier ist dadurch indirekt über Nordic Broadcasting kompletter Eigner der finnischen MTV Gruppe und hat einen Anteil von 98,9 Prozent an dem schwedischen TV-Kanal TV4.
Im Juni 2008 kauft die zu Bonnier gehörende TV4 Gruppe den führenden skandinavischen Pay-TV-Sender Canal+. Verkäufer des Senders und der dazugehörigen Firma C More Entertainment ist der in Deutschland ansässige Medienkonzern ProSiebenSat.1 Media.
In Russland steigt Bonnier AB durch den Kauf eines Zeitschriftenverlags ein. Die Übernahme von 51 Prozent am Verlag Vkusnaja Zhizn soll zu einem Sprungbrett für weitere Aktivitäten im russischen Zeitschriftenmarkt werden.
Inhalte
Ranking - Top 50 2008
- Time Warner Inc.
- Walt Disney Corp.
- Comcast Corp.
- News Corp. Ltd.
- Viacom Inc./CBS Corp.
- Sony Entertainment
- Bertelsmann AG
- NBC Universal Inc.
- Vivendi S.A.
- Cox Enterprises Inc.
- Thomson Reuters Corporation
- Lagardère Media
- Dish Network Corporation
- Rogers Comm.
- Liberty Media Corp.
- Reed Elsevier PLC
- ARD
- Pearson plc
- BBC
- Advance Publications
- Virgin Media Inc.
- Cablevision Systems Corp.
- Gannett Co. Inc.
- Clear Channel Comm.
- Charter Comm. Inc.
- The McGraw-Hill Comp. Inc.
- Nippon Hoso Kyokai
- Mediaset SpA
- Grupo PRISA
- Bloomberg L.P.
- Fuji Media Holdings, Inc.
- Tribune Co.
- The Hearst Corporation
- The Nielsen Company
- Daily Mail & General Trust plc
- Wolters Kluwer nv
- RAI Radiotelevisione Italiana S.p.A.
- Bonnier AB
- ProSiebenSat.1
- The Washington Post Company
- Sanoma Group
- Grupo Televisa
- France Télévisions S.A.
- Axel Springer AG
- RCS Media Group
- TF1 S.A.
- Georg von Holtzbrinck GmbH
- ITV plc
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
- Nippon Television Network Corporation