9. Bertelsmann SE & Co. KGaA

Umsatz 2014: € 16,675 Mrd.

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Überblick

Die Bertelsmann SE & Co. KGaA mit Hauptsitz in der westfälischen Kreisstadt Gütersloh bezeichnet sich selbst als "internationalstes Medienunternehmen" der Welt. Das Unternehmenskonglomerat besteht aus ca. 1200 Einzelfirmen oder Firmenbeteiligungen, besitzt Tochterunternehmen in über 50 Ländern und beschäftigt weltweit über 115.000 Mitarbeiter. Bertelsmann ist damit das größte Medienhaus Europas. Die Produktpalette reicht von Zeitschriften, Druckdienstleistungen, Software-Entwicklung und TV-Kanäle bis hin zu Radiostationen. Zudem baut Bertelsmann sein Dienstleistungsgeschäft aus und setzt unter anderem darauf, Dienstleistungen von Kommunen zu übernehmen.

Basisdaten

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Hauptsitz
Carl-Bertelsmann-Straße 270
Postfach 111
33311 Gütersloh
Telefon: 05241-80-0
Telefax: 05241-80-62321
Internet: www.bertelsmann.de

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Buchverlage, Tonträger, Musiklabel, Video/DVD, Druckereien, Druck- und Mediendienstleistungen, Free-TV, Radio, Film-/TV-Produktion, Multimedia, Internet-Services, E-Commerce, Rechtehandel.

Rechtsform: SE & Co. KGaA (seit August 2012)
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1835

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (in Mio. €)
2015201420132012201120102009200820072006
Konzernumsatz 17.14116.67516.17916.06515.25315.78615.36416.11818.758*19.297
Konzerngewinn (Verlust) nach Steuern 1.108573885619612656352704052.424
Beschäftigte117.249112.037111.099104.286100.626104.419102.983106.083102.39797.132

* Im Geschäftsbericht 2008 führt die Bertelsmann AG für das Vorjahr einen Konzernumsatz in Höhe von 16,191 Mrd. Euro auf. Diese Zahl bezieht sich auf die fortgeführten Aktivitäten der Bertelsmann AG. Gesondert ausgewiesen wird der Umsatz der nicht fortgeführten Aktivitäten für das Jahr 2008 (1,404 Mrd. Euro) und das Jahr 2007 (2,567 Mrd. Euro).

Geschäftsführung

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Geschäftsführung / Vorstand:

  • Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender
  • Markus Dohle, CEO Penguin Random House
  • Anke Schäferkordt, Co-CEO RTL Group, CEO Mediengruppe Deutschland
  • Immanuel Hermreck, Personalvorstand
  • Bernard Hirsch, Finanzvorstand
  • Fernando Carro, CEO Arvato

 

Aufsichtsrat:

  • Christoph Mohn, Vorsitzender, Geschäftsführer der Christoph Mohn Internet Holding GmbH, Vorstandsvorsitzender der Reinhard Mohn Stiftung und Gesellschafter der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH
  • Gigi Levy-Weiss, Angel Investor
  • Werner J. Bauer, Nestle AG
  • Dr. Wulf H. Bernotat, Ehemaliger Vorsitzender des Vorstands der E.ON AG, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Annington Immobilien SE
  • Kai Brettmann, Vorsitzender des europäischen Betriebsrats der RTL Group und Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Mediengruppe RTL Deutschland 
  • Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg, Vorsitzender des Aufsichtsrats der BMW AG
  • Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und Geschäftsführerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft
  • Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe und Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft
  • Hans Dieter Pötsch, Finanzvorstand der Volkswagen AG
  • Kasper Rorsted, Vorstandsvorsitzender der Henkel AG & Co. KGaA
  • Bodo Uebber, Vorstandsmitglied der Daimler AG
  • Ian Hudson, stellv. CEO Random House UK
  • Christiane Sussiek, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Corporate, Bertelsmann
  • Murat Cetin, Vorsitzender des Betriebsrats Arvato Direct Services Dortmund und Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates Arvato CRM II
  • Helmut Gettkant, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Bertelsmann

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Geschichte und Profil

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1835 gründete der Gütersloher Drucker und Lithograph Carl Bertelsmann einen Verlag für religiöse Literatur. Sein Sohn Heinrich erweiterte das Geschäft durch Zukäufe von Verlagen und den Ausbau einer Druckerei; dessen Schwiegersohn Johannes Mohn fügte ab 1881 Fachzeitschriften und pädagogische Buchreihen hinzu. In der vierten Generation unter Johannes Mohns Schwiegersohn Heinrich Mohn dehnte sich der Verlag von Beginn der Weimarer Republik an kontinuierlich aus, vor allem durch populäre Unterhaltungsromane. In der NS-Zeit lavierte sich der überzeugte Protestant Mohn durch die politischen Wirren, etwa als passives SS-Mitglied und Verleger von Wehrmacht- und NS-Literatur ("Panzer am Feind", "Volk ohne Raum").

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Mohns politisch unbelasteter zweitjüngster Sohn Reinhard (Jahrgang 1921) den danieder liegenden Buch- und Kirchenverlag und formte daraus einen Weltkonzern. Das Erfolgsrezept: So genannte "Leseringe", die Bücher im Abonnement zum Billigpreis sowie auch eigene Lexika und Atlanten anboten. Für den Vertrieb sorgten aggressive Drückerkolonnen, die an Haustüren und in Innenstädten Kunden lockten. Das Club-Geschäftsmodell übertrug Mohn auch auf das Ausland. Mitte der 1950er Jahre trat er mit dem Kauf von Ariola zudem ins Schallplattengeschäft ein.

Der Ende der 1960er Jahre begonnene  Erwerb eines Mehrheitsanteils am Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr ("Stern", "Geo", "Brigitte") katapultierte das Unternehmen aus Gütersloh an die Spitze der deutschen Medienwirtschaft. Unter Bertelsmann-Regie stieß Gruner + Jahr als erster deutscher Großverlag ins Ausland vor und kaufte 1994 mehrere Titel der Zeitschriftengruppe der "New York Times" und Ende 2000 die Wirtschaftstmagazine "Fast Company" und "Inc." - doch im Juni 2005 beschloss das Medienhaus, für Branchenkenner eher unerwartet, wieder den Rückzug aus den USA.

Doch international bekannt wurde Bertelsmann bereits 1986 durch einen Doppelkauf : die Akquisition des New Yorker Traditionsverlags Doubleday und des Musikriesen MCA. Zeitweilig, bevor 1989 Time Inc. mit Warner Bros. fusionierte, war Bertelsmann damit das weltgrößte Medienunternehmen. Auch im deutschen Privatfernsehgeschäft gehörte Bertelsmann zu den Pionieren: Der 1984 zusammen mit der CLT gegründete Sender RTL wurde 1993 Marktführer in Deutschland und stieg zu Europas größtem Privatsender auf. Nachdem sich der Gütersloher Konzern 1995 an AOL beteiligt hatte, investierte der Konzern zunehmend in Internet-Aktivitäten, etwa den Aufbau der amerikanischen Internet-Buchhandlung barnesandnoble.com sowie in das europäische Pendant BOL. Um über möglichst viele Inhalte für das vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff (November 1998 bis Juli 2002) hoch geschätzte E-Commerce zu verfügen, kaufte Bertelsmann für 4,7 Milliarden Mark den New Yorker Verlag Random House und für knapp eine Milliarde Mark die Mehrheit am wissenschaftlichen Springer-Verlag aus Heidelberg. Anfang 1999 expandierten die Gütersloher weiter im TV-Bereich etwa durch den Kauf von Produktionsfirmen von Pearson und Fremantle, der Gründung des Kölner Sender Vox, sowie durch den Erwerb eines 47-prozentigen Anteil am Nachrichtensender n-tv, letzterer im Tausch gegen die "Berliner Zeitung".  Für hohe Sondererlöse sorgten die Verkäufe der 50 Prozent gehaltenen Anteile an AOL Europe und der 100 Prozent an der Technikfirma Mediaways an AOL. Middelhoffs Nachfolger Gunter Thielen trennte sich danach wieder von einigen Internet-Aktivitäten (E-Commerce), konsolidierte das Geschäft (Fusion von BMG und Sony) und akquirierte den DVD-Verkaufsklub Columbia House in den USA. Eine neue Firma für Tiefdruck vereinigte die Aktivitäten von Bertelsmann und der Tochter Gruner + Jahr sowie dem Juniorpartner Axel Springer AG.    

Der Direktvertrieb gehörte bis zum 30. Juni 2011 in den Geschäftsbereich Direct Group. Wegen sinkender Mitglieder- und Buchhandelsumsätze kam es neben Entlassungen und Portfolioveränderungen zu Verkäufen der Unternehmen u.a. in Portugal, Italien, Australien, Neuseeland und Frankreich. Schließlich wurde die Direct Group und damit auch die legendären Buchclubs als eigenständiger Unternehmensbereich Bertelsmanns aufgelöst und in andere Bereiche integriert bzw. verkauft.

Management

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Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft

Bertelsmann wird über die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) gesteuert, in der 100 Prozent der Stimmrechte für alle Aktien gebündelt sind. An der Spitze steht ein Lenkungsausschuss, dem drei Mitglieder der Familie Mohn und drei gewählte, familienfremde Mitglieder angehören. Die BVG wurde eingerichtet, um die Interessen der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn als Aktionäre der Bertelsmanns zu wahren. Außerdem soll sie die Kontinuität und die Unternehmenskultur von Bertelsmann sichern.

Zu Beginn des Jahres 2012 wurde Hartmut Ostrowski vom Finanzvorstand Thomas Rabe als Vorstandsvorsitzender abgelöst. Rabe läutete umgehend einen Strategiewechsel des Unternehmens ein: Der Konzern soll wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufgestellt werden. Dies will er durch vier strategische Stoßrichtungen erreichen: Konsolidierung des Portfolios, Digitalisierung der Kerngeschäfte, Bildung neuer Wachstumsplattformen und vor allem durch Expansion nach China, Indien und Südamerika. Auch im Bildungsbereich will Bertelsmann zukünftig mehr investieren. Zudem soll der Druckbereich in einer eigenen Sparte gebündelt werden. Details zur neuen digitalen Wachstumsoffensive wurden dazu erstmals im September 2012 präsentiert. Finanziert werden soll die Strategie durch RTL-Cashflow, Schulden und Kooperationen mit Private Equity-Kunden. Doch angesichts des stagnierenden Umsatzes des Konzerns und insbesondere die kritische Lage beim G+J-Verlag bescheinigen Kritiker CEO Rabe, er habe Bertelsmann in den vergangenen Jahren in eine Phase des Bedeutungsverlustes manövriert.

Bertelsmann Stiftung

Die 1977 gegründete Organisation soll einerseits die Unternehmenskontinuität sichern, wie das Fortbestehen des Betriebes im Gütersloher Jargon gern heißt, andererseits fördert sie Zukunftsprojekte auf den Gebieten Medien, Gesellschaftspolitik, internationale Verständigung, Kultur, Bildung, Medizin und Gesundheit. Die Stiftung hält 77,6 Prozent der Kapitalanteile an der Bertelsmann SE & Co. KGaA. Bertelsmann war in seiner Anfangszeit von der evangelischen Erweckungsbewegung geprägt und streng pietistisch sowie entschieden konservativ ausgerichtet. Ein bisschen Missionsgeist ist geblieben: Gesellschaftspolitisches Engagement nimmt Bertelsmann heute über die eigene Stiftung wahr, die sich auch zur Pflege des Meinungsklimas sowie der Kontaktaufnahme mit ranghohen Politikern gut nutzen lässt. Das Ergebnis der Anstrengungen war ein positives liberales Image, das der Bertelsmann SE & Co. KGaA seit Jahren anhaftet, anders als etwa dem 1985 verstorbenen Verleger Axel Springer oder dem Filmhändler Leo Kirch. Dabei hatte zum Beispiel die frühe Beteiligung des Bertelsmann-Personals am Betriebsgeschehen von vornherein den angenehmen Nebeneffekt, dass sich dank der Mitarbeiterdarlehen und Genussscheine die großen Akquisitionstouren des Konzerns auch ohne immense Bankschulden finanzieren ließen. Bertelsmann solle stets gegen Begehrlichkeiten von Geldgebern sowie Attacken von Konkurrenten immun sein, verfügte Mohn. Für Kritik an der Bertelsmann-Stiftung sorgt seit Mai 2014 deren Einsatz für das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP. Die Stiftung, so Kritiker, setze sich für das Vorhaben ein, von dem auch der in Europa und den USA aktive Bertelsmann-Konzern profitieren würde, was eine Verletzung der Stiftungsgrundsätze darstelle.

Geschäftsfelder

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Bertelsmann ist in acht Unternehmensbereiche unterteilt: RTL, Random House Penguin, G+J, BMG, Bertelsmann Eductation, arvato, die Bertelsmann Printing Group und Bertelsmann Investments.

Fernsehen:
Die RTL Gruppe (u.a. RTL, RTL 2, Super RTL, Vox, n-tv), an der Bertelsmann über die RTL Group Verwaltungs- und Holding GmbH mit insgesamt noch 92,3 Prozent beteiligt ist, hat ihr Portfolio auf 57 TV- und 31 Radio-Stationen in zehn Ländern sowie ca. 30 Produktionsfirmen in insgesamt 40 Ländern ausgedehnt. Zur Gruppe gehört auch die Produktionsfirme Freemantle Media, die zuletzt durch Beteiligungen and Wildside, Kwai und Corona expandierte und auch qualitativ hochwertige TV-Serien wie Deutschland 83 exportierte.

Seit Mitte Januar 2006 werden Fernsehserien über die Video-on-demand-Plattform RTL Now vertrieben. "RTL Now" ist, anders als Maxdome von ProSieben Sat.1, in die RTL.de-Websitestruktur integriert. Auf der hauseigenen Seite Clipfish bietet RTL seit April 2007 Musikvideodownloads aus den Häusern Universal und Sony BMG gratis an. Im Sommer 2012 schloss RTL ein Abkommen mit Sony Pictures ab, das den RTL-Sendern exklusive Rechte für die Ausstrahlung von Sonys Filmen und TV-Serien einräumt. Um das Onlinegeschäft, zu dem auch StyleHaul und Divimove gehören, weiter auszubauen, stieg RTL im Sommer 2013 beim YouTube-Aggregator Broadband TV ein. Ein weiteres Ausrufezeichen wurde durch den Erwerb der exklusiven Übertragungsrechte für die Qualifikationsspiele der Fußball EM 2016 und WM 2018 gesetzt.

Musik:
Im November 2006 trennte sich Bertelsmann von seinem Musikverlag BMG Music Publishing, der an die Universal Music Group, einem Tochterunternehmen von Vivendi, verkauft wurde. Im August 2008 zog sich Bertelsmann mit dem Verkauf seines 50-prozentigen Anteils an Sony BMG (an Joint Venture-Partner Sony) weiter aus dem Musikgeschäft zurück. Der Kaufpreis lag laut unternehmensnahen Kreisen wohl bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Jedoch bereits ein Jahr später gründete der Konzern ein Joint Venture mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) im Bereich Musikrechtevermarktung. Strategisch konnte sich Bertelsmann mit diesem Schachzug an die zunehmenden Möglichkeiten der Digitalisierung anpassen und weiterhin in der Musikbranche Umsätze generieren. Anfang März 2013 wurde bekannt, dass Bertelsmann die restlichen Anteile (51 Prozent) an BMG von KKR für rund 750 Millionen komplett übernehmen wird. BMG Rights Management expandierte daraufhin durch den Erwerb von Rechten der US-Firma Primary Wave (u.a. Nirvana, Aerosmith und Hall & Oates). Heute ist BMG der viertgrößte Musikverlag der Welt und verfügt über einen Katalog von mehr als 2,5 Millionen Titel.

Presse: 
Gruner + Jahr gehört seit Herbst 2014 zu 100 Prozent zu Bertelsmann. Zuvor gehörten Jahrzente lang 25,1 Prozent der Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr wurde 1965 von Richard Gruner, dem Inhaber einer Druckerei im schleswig-holsteinischen Itzehoe, und den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius in Hamburg gegründet. In Deutschland zählen insbesondere die Zeitschriften Stern, Geo, Capital, Neon und Brigitte zu den bekanntesten Titeln. Der Verlag ist aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern sowie in Russland oder der Volksrepublik China aktiv. G+J zog sich im Herbst 2014 komplett aus Osteuropa zurück und verkaufte seine Anteile an einem Joint Venture mit Sanoma an die Adria Media Zagreb Gruppe.
Spätestens im Herbst 2014, im Zuge der Ankündigung weitere 400 Mitarbeiter und Journalisten zu entlassen, offenbarte sich die prekäre wirtschaftliche Lage von G+J. Experten zufolge führten Managementfehler insbesondere im Bereich der Digitalisierung seines Produktangebots und mangelnde Investitionen zur augenblicklich düsteren Lage. G+J gilt Kritikern zufolge als kaputtgespart.

Buchverlage:
Dank der Übernahmen der Großverlage Random House (1998), Penguin (2012) und Santillana (2014) ist Bertelsmann heute mit rund 15.000 Neuerscheinungen pro Jahr und 250 internationalen Verlagsablegern in 19 Ländern (z.B. Goldmann oder der Deutsche Hörverlag in Deutschland, Doubleday und Alfred A. Knopf in den USA sowie Ebury und Transworld in Großbritannien) zur weltweit größten Buchverlagsgruppe angewachsen. Bertelsmann hält an Random House Penguin 53 Prozent der Anteile, die restlichen 47 Prozent sind im Besitz des britischen Medienkonzerns Pearson.

Medien- und Kommunikationsdienstleistungen:
Die zu Bertelsmann gehörende Arvato AG, einer der weltweit größten Medien- und Kommunikationsdienstleister, bietet, laut Selbstauskunft, alles „vom klassischen Druck bis zu modernen Dienstleistungen wie Servicecentern, Finanz-Clearing oder Mobile Services“.

Bildung:
An Bedeutung gewinnen soll in Zukunft die die Education-Sparte. Langfristig möchte der Konzern ein erheblichen Teil des auf fünf Milliarden schwer geschätzten Markt für digitale Bildungsangebote für sich gewinnen und dabei mit anderen Medienkonzernen wie Pearson, Thomson Reuters oder Discovery konkurrieren. Im Herbst 2014 stieg Bertelsmann folglich am Online-Kurs-Anbieter Udacity ein und kaufte für einen dreistelligen Millionenbetrag die E-Learning-Plattform Relias Learning, die auf Fortbildungen im Gesundheitsbereich spezialisiert ist.

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Aktivitäten in Brasilien, China und Indien

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In China ist Bertelsmann über den Investment-Fond BAI an 25 Unternehmen und Start-Ups beteiligt, darunter auch die Jobbörse Lagou.com. 2014 startete die RTL-Gruppe ihren ersten Fernsehsender in Indien. "Big Thrill RTL" sendet im Bundesstaat Uttar Pradesh Serien wie "Alarm für Cobra 11" auf Hindi. In Indien ist Bertelsmann zudem an den Online-Plattformen Pepperfry.com, Indianproperty.com, Wiziq.com dem Musikstreamingdienst Saavn sowie einem Kapitalgeber für Start-Ups, Digital Nirwana, und dem Hochschul-Dienstleister iNurture beteiligt.

In Brasilien ist Bertelsmann im privaten Bildungssektor aktiv und hält 40 Prozent der Anteile am Weiterbildungsunternehmen Affero Lab. Zu weiteren Aktivitäten zählen der Motorsport-Magazinverlag Motor Press Brasil und der Buchverlag Companhia das Letras.

Aktuelle Entwicklung

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RTL, Penguin Random House und Arvato bescheren Bertelsmann weiterhin Jahr für Jahr staatliche Gewinne - zuletzt, im Geschäftsjahr 2015 1,1 Milliarden Euro, was einer Steigerung um 93 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach. Die Education-Sparte soll in den kommenden Jahren ähnlich profitabel werden. Die mehrere hundert Millionen Euro teure Übernahme von Reliance Learning im Jahr 2014 war die größte seit dem Kauf von Random House in den 1990er Jahren.

Sorgenkind bleibt jedoch Gruner + Jahr. Mit der im Herbst 2014 nach jahrzehntelangem Tauziehen vollendeten Komplettübernahme stellt sich Bertelsmann scheinbar gegen den allgemeinen Trend: Die größten globalen Medienkonzerne haben ihre defizitären Printsparten längst verkauft oder in separate Unternehmen ausgegliedert. Doch Bertelsmann verspricht sich durch das Ausscheiden der Jahr-Familie mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei der Digitalisierung seines kriselnden Zeitschriftenangebots. -Dass dazu auch weitere Sparmaßnahmen, Entlassungen oder gar ein vollständiger Verkauf von Gruner+Jahr gehören, wurde zunächst von der Konzernspitze dementiert. Wie das von Bertelsmann-Chef Rabe geäußerte "Bekenntnis zum Journalismus" wirklich aussieht, wurde dann wenig später deutlich: beim Frauenmagazin "Brigitte" wurden sämtlichen elf Textredakteurinnen gekündigt; bei "GEO" wurden 14 Redakteure entlassen. G+J wurde zudem in eine kostengünstigere GmbH umgewandelt, der Verlagssitz am Baumwall wird wohl auch verkauft werden.

In Medienberichten wird indes seit 2012 darüber spekuliert, ob und wann sich sich der Konzern auf einen Börsengang vorbereitet. Dieser Vermutung liegt die Tatsache zugrunde, dass ein Wechsel der Rechtsform von Aktiengesellschaft in Europäische Aktiengesellschaft SE (Societas Europaea) sowie in Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) im August 2012 vollzogen wurde. Die SE ermöglicht es der Familie Mohn weiterhin, die Kontrolle über den Konzern zu behalten, während auf Ebene der KGaA frisches Geld aufgenommen werden kann.

News

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25.03.16 / Bertelsmann AG

Bertelsmann auf Erfolgskurs

21.10.13 / Bertelsmann AG

Bertelsmann will Umsatz steigern

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Comcast
  2. Google Inc.
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Viacom Inc./CBS Corp.
  7. Time Warner Inc.
  8. Sony Entertainment
  9. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  10. Apple Inc.
  11. Cox Enterprises Inc.
  12. Liberty Media Corp./Liberty Interactive
  13. Dish Network Corporation
  14. Vivendi S.A.
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Thomson Reuters Corporation
  17. Facebook, Inc.
  18. Rogers Comm.
  19. The Hearst Corporation
  20. Microsoft Corporation
  21. Lagardère Media
  22. RELX Group
  23. Charter Comm. Inc.
  24. Bloomberg L.P.
  25. ARD
  26. Pearson plc
  27. Advance Publications
  28. BBC
  29. Baidu Inc.
  30. Globo Communicação e Participações S.A.
  31. The Naspers Group
  32. Cablevision Systems Corp.
  33. iHeart Media
  34. Nielsen Holdings plc
  35. Discovery Communications
  36. Nippon Hoso Kyokai
  37. Fuji Media Holdings, Inc.
  38. Grupo Televisa
  39. Gannett Co. Inc.
  40. Netflix
  41. Nintendo Company Ltd.
  42. S&P Global
  43. ITV plc
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Shaw Communications
  46. Yahoo! Inc.
  47. Mediaset SpA
  48. Asahi Shinbun Company
  49. Activision Blizzard Inc.
  50. Electronic Arts
  51. Axel Springer SE
  52. Amazon.com Inc.
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. France Télévisions S.A.
  55. Graham Holdings Company
  56. Bonnier AB
  57. Nippon Television Holdings
  58. Shanghai Media Group
  59. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  60. Quebecor Inc.
  61. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  62. Time Inc.
  63. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  64. IAC/InterActiveCorp.
  65. Daily Mail & General Trust plc
  66. Bauer Media Group
  67. Univision Communications
  68. Tribune Co./Tribune Publishing
  69. China Central Television
  70. TF1 S.A.
  71. Bandai Namco Holdings Inc.
  72. ZDF
  73. Scripps Networks Interactive
  74. Lions Gate Entertainment Corporation
  75. Hunan Broadcasting System
  76. AOL
  77. Sanoma Group
  78. Schibsted Media Group
  79. Modern Times Group
  80. Georg von Holtzbrinck GmbH
  81. King Digital Entertainment plc
  82. Grupo Planeta
  83. Scholastic Corporation
  84. Egmont Group
  85. Jiangsu Broadcasting Corporation
  86. Ubisoft Entertainment
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. Grupo PRISA
  89. NOS
  90. SRG SSR
  91. De Agostini Group
  92. Gazprom-Media
  93. RCS Media Group
  94. Seven West Media Ltd.
  95. GungHo Online Entertainment
  96. New York Times Company
  97. Mondadori Group
  98. China Publishing Group
  99. Meredith Corporation
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